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Cybermobbing - Materialgestütztes Schreiben

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Klausur

Cybermobbing - Materialgestütztes Schreiben

 Thema 1:
Materialgestütztes Schreiben:
Cybermobbing: Wie man Hatern das Handwerk legt
Deutsch Klausur
Kursstufe 1 am 05.05.21 - Kurs Kraner

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Thema 1: Materialgestütztes Schreiben: Cybermobbing: Wie man Hatern das Handwerk legt Deutsch Klausur Kursstufe 1 am 05.05.21 - Kurs Kraner Bitte beachtet: Drei von fünf Materialien müssen sinnvoll ausgewertet und im Aufsatz integriert sein. Material 1 TAPE Quelle: https://digitale-gesellschaft-cybermobbing.weebly.com/hintergruumlnde.html mit-hassrede.html Material 2 94 Prozent der der 14- bis 24-Jährigen hat schon mal Hassrede im Internet wahrgenommen. Dies ergab eine Umfrage der Landesanstalt für Medien NRW. Die Hälfte der Jugendlichen meint, dass es inzwischen mehr Hass- als. Sachkommentare auf den Onlineplattformen gibt. Laut JIM-Studie 2020 ist jeder fünfte Jugendliche zwischen 12 und 19 schon einmal selbst Opfer von Hass oder Mobbing geworden. Und, so empfinden es die Befragten: Der Ton wird immer härter. Gleichzeitig sind es vor allem die jüngeren Internetnutzerinnen und -nutzer, die Hasskommentare melden und gegen sie aktiv werden. Quelle: https://www.medienanstalt-nrw.de/themen/hass/leitfaden-fuer-redaktionen-zum-umgang- Material 3 Wer einer marginalisierten Gruppe angehört, kann online Anschluss zu anderen Menschen finden, die ähnliche Erfahrungen machen. Doch solche Communitys ziehen Trolle¹ geradezu magisch an - und die wiederum halten viele davon ab, sich in einem Onlineforum aktiv einzubringen. Die Community Ahwaa, benannt nach dem arabischen Wort für Leidenschaft, ist eine englisch- und arabischsprachige Plattform für queere² Teenager und junge Erwachsene. Das Forum, das vor allem in der Golfregion, aber auch in Ländern wie Ägypten und Tunesien genutzt wird, ist fast frei von Hass und Mobbing. Gründerin Esra'a al-Shafei hat eine Lösung gefunden, die Trolle abzuschrecken. ZEIT ONLINE:...

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Frau Al-Shafei, Sie haben eine Onlinecommunity für queere Menschen in der arabischen Welt gegründet - fast ohne Trolle. Wie haben Sie das geschafft? Esra'a al-Shafei: Die Grundidee ist: Unsere Plattform ist öffentlich. Aber um in die intimeren Bereiche des Forums zu kommen, muss man erst mal zeigen, dass man ein nettes, hilfsbereites 5 Forumsmitglied ist. Wer andere unterstützt, bekommt Punkte - und je mehr Punkte man hat, desto mehr Zugang bekommt man auch. Insgesamt gibt es drei Level, die jeweils ab einer bestimmten Punktzahl freigeschaltet werden. Wer negativ auffällt, wird sofort gelöscht. ZEIT ONLINE: Wofür gibt es Punkte, und wer vergibt die? Al-Shafei: Die anderen Userinnen und User vergeben die Punkte. Wenn sie einen Beitrag oder eine 10 Antwort von jemandem hilfreich finden, können sie ihn positiv bewerten. Etwa wenn jemand schildert, wie er es geschafft hat, mit seinen homophoben Eltern zurechtzukommen. Wer immer nur »Hallo, alle zusammen« oder »Einen schönen guten Tag euch allen«< postet, sammelt eher keine Punkte ein. 20 ZEIT ONLINE: Was von Ahwaa ist öffentlich, und was wird erst freigeschaltet, wenn man sich als 15 gutes Mitglied bewiesen hat? Al-Shafei: Auch im öffentlichen Bereich werden schon manche eher privaten Diskussionen geführt, zum Beispiel über Beziehungen oder psychische Probleme. Aber Threads zu sehr intimen Themen wie Sexualkrankheiten oder dass jemand überlegt, Asyl zu beantragen, sind für neue Nutzerinnen noch nicht sichtbar. Auch der Chat wird erst freigeschaltet, wenn man genug Punkte gesammelt hat. Bis ein Troll da reinkommt, muss er schon sehr lange vorgegeben haben, dass er eigentlich ein netter Typ ist. ZEIT ONLINE: Machen das manche Trolle? Al-Shafei: Sehr selten. Natürlich kann jemand faken, dass er ein gutes Mitglied ist. Wir zwingen Trolle dazu, nett zu sein. Aber die meisten von ihnen wollen nichts Positives über LGBT sagen. Sie 25 haben auch gar nicht die Geduld, um das über einen längeren Zeitraum durchzuhalten und so in die intimeren Bereiche der Community zu gelangen. Die meisten wollen einfach nur rumtrollen. Deshalb gehen sie lieber zu Twitter, da haben sie es leichter als bei uns. 1 Trolle: Diskussionsteilnehmer, die keinen konstruktiven Beitrag leisten, sondern bewusst provozieren und die Community sabotieren wollen. Dies muss nicht unbedingt in Form von Hassrede geschehen, der Tonfall kann durchaus angemessen sein. 2 LGBT = Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender ZEIT ONLINE: Wann hatten Sie das letzte Mal Besuch von einem richtig unangenehmen Troll? Al-Shafei: Wir hatten glücklicherweise bisher keinen richtig schlimmen Troll. Wenn ab und zu mal 30 einer auftaucht, postet er den üblichen Bullshit. Etwa dass alle LGBT sterben sollten oder so was in der Art. Aber wir haben keine wirklich persönlich belastenden Angriffe auf einzelne User. Der Troll- Account wird dann direkt gelöscht, und damit hat sich die Sache meistens erledigt. ZEIT ONLINE: Trauen sich die Leute bei Ihnen im Forum noch, auch mal etwas Kritisches zu sagen? Oder müssen sie dann fürchten, sofort rauszufliegen? 35 Al-Shafei: Niemand muss fürchten, wegen einer kritischen Bemerkung gesperrt zu werden. Es gibt nur wenige Fälle, in denen wir eine Person sofort aus dem Forum verbannen: Wer jemand anderes belästigt, mit Gewalt bedroht oder private Informationen über ihn offenbart, wird gesperrt, denn die Sicherheit unserer Nutzerinnen und Nutzer hat für uns oberste Priorität. Leidenschaftliche Debatten dagegen unterstützen wir. Diskussionen sind nicht immer angenehm, aber sie sollten 40 respektvoll geführt werden. ZEIT ONLINE: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ahwaa nach diesem Prinzip aufzubauen? Haben Sie selbst Hass in Onlineforen erlebt? Al-Shafei: Nicht direkt. Aber ich habe früher als stille Mitleserin in Foren mitbekommen, wie Leute schikaniert wurden, weil sie schwul sind. Mir hat das Angst gemacht, darum war ich selbst nie 45 besonders aktiv. Ich wollte nicht auch zur Zielscheibe werden. Außerdem habe ich es mehrmals erlebt, dass LGBT-Gruppen auf Facebook entfernt wurden, weil homophobe Leute diese Gruppen entdeckt und massenhaft gemeldet haben. Das ging wahnsinnig schnell, innerhalb von 24 Stunden war eine Gruppe mitunter gelöscht. Vom Facebook-Support, den wir damals kontaktierten, kam auch keine Unterstützung. Das war der Punkt, an dem ich dachte: Wir können uns nicht auf 50 Facebook verlassen, wir können uns auch nicht auf Twitter verlassen, wir brauchen unsere eigene nicht westliche Plattform. Sonst können wir nur noch geheime Gruppen gründen mit Menschen, die wir persönlich kennen. Und eine Community, in der nur ich und meine Freunde sind, war nicht das, was mir vorschwebte. ZEIT ONLINE: Was schwebte Ihnen denn vor? 55 Al-Shafei: Eine Community, die offen ist für alle. Es gibt Millionen LGBT in der arabischen Welt. Ich wollte einen Ort schaffen, an dem sie angstfrei Unterstützung finden und geben können, an dem sie sich miteinander vernetzen können. Ich wollte die Plattform, die mir selbst gefehlt hat. ZEIT ONLINE: Wie ist die Situation für queere Menschen in Ihrem Heimatland Bahrain? Al-Shafei: Das gesellschaftliche Klima in Bahrain gegenüber LGBT ist feindselig. Wer sich öffentlich 60 zu erkennen gibt, muss Diskriminierung und rechtliche Konsequenzen fürchten. Trotzdem existiert eine queere Community in Bahrain. Ihre Angehörigen halten sich aber eher bedeckt, um Probleme zu vermeiden. In den anderen Ländern der Golfregion ist die Situation ähnlich, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien ist sie allerdings besonders schwierig, auch wegen der schweren Strafen, die LGBT drohen. 65 ZEIT ONLINE: Ahwaa ist nicht besonders groß, ein Troll hat also auch keine große Bühne. Glauben Sie, das spielt eine Rolle dabei, dass Sie so wenig Probleme mit Trollen haben? Al-Shafei: Das stimmt, wir sind nicht gerade riesig mit 8.000 aktiven Mitgliedern. Ich glaube, das ist eine gesunde Communitygröße. Gerade im Westen denken aber viele, dass eine Plattform nur 70 dann ein Erfolg ist, wenn sie von Hunderttausenden genutzt wird. Und ich denke, der Grund, warum wir erfolgreich wurden, ist das Gegenteil: Wir wachsen sehr langsam, um etwa 1.000 Userinnen pro Jahr, vor allem über Mundpropaganda. Ich weiß nicht, ob unser Modell noch funktionieren würde, wenn wir eine halbe Million Nutzer hätten. Jetzt bekommen wir sehr viel positives Feedback: Immer wieder schreiben uns Leute, dass die Plattform ihnen geholfen hat. Und in Bulgarien gibt es inzwischen auch ein Forum, das nach demselben Prinzip wie unseres 75 funktioniert. Ich denke, es gibt eine Menge Communitys, denen unsere Strategie helfen könnte, nicht nur für LGBT. So viele Menschen werden online angefeindet, etwa wegen ihres Aussehens oder weil sie ein Suchtproblem haben. Cybermobbing ist ein riesiges Problem. Interview: Juliane Frisse, ZEIT ONLINE 1. März 2019, www.zeit.de/die-antwort/2019- 03/cybermobbing-lgbt-forum-chatroom-userbewertung Material 4 Die Kommentare auf Zeit-Online zum Interview: 1) >>In dem Forum (Ahwaa) kommt man nur weiter, wenn man Beiträge postet, die andere gut finden. Das nennt man doch Blase, oder nicht? Wie soll dann aber jemand, der eine kontroverse Meinung hat, damit weiterkommen? Richtig: gar nicht. << 2) >>Jede öffentliche Debatte braucht Regeln. Gibt es diese Regeln nicht, verflacht die Debatte und verkommt zu aggressiven Meinungsäußerungen und dem Niederbrüllen gewisser Meinungen. Wozu das führt, sieht man täglich in unmoderierten Kommentarspalten gewisser Onlinemedien.<< 3) >>Trolle müssten sich ja nur im Schwarm anmelden und sich gegenseitig Punkte geben, schon wäre das System ausgehebelt.<< 4) »Für Foren und Plattformen, die die Gesellschaft in ihrer Breite abbilden wollen, funktioniert das Konzept eher nicht, dafür sind sich die Menschen zu uneins. Ein Punktesystem würde dazu führen, dass von der Masse ungewollte Meinungen nicht geduldet werden - ein großes Problem in einer pluralistischen Gesellschaft.<< 5) >>Solange ein anonymes, abstraktes Internetsystem die soziale Hierarchie über Like-Dislike-Systeme steuert, wird keine konstruktive Sache dabei rauskommen.< 6) >>Letztendlich wie im echten Leben: Mit unsympathischen Idioten will auch keiner reden. Da kann man sie einfach stehen lassen. Bei Diskussionen im Netz kapern sie halt leider viel zu schnell die gesamte Diskussion.<< 7) »Das Konzept ist analog zum Türsteher in Clubs: Man bleibt unter sich. Zugang bekommt man nur, wenn man reinpasst und sozusagen >empfohlen< wird durch Stammgäste.< Material 5 Motive für Cybermobbing: Motive der Täter Aus Langeweile Weil andere das auch machen Nur zum Spaß Weil diese Person es verdient hat Weil es Ärger mit der betreffenden Person gab n 1.285, Angaben in % Um andere, die gemobbt worden sind, zu rächen Aus schlechter Laune Weil mich diese Person auch gemobbt hat Arbeitsauftrag: Weil es cool ist Trifft voll und ganz zu 24 21 16 35 33 17 6 11 8 11 3 8 9 12 14 11 15 18 14 10 19 13 12 10 6 13 19 Trifft überhaupt nicht zu zu 13 19 18 71 10 54 58 45 40 53 45 19 19 Quelle: https://digitale-gesellschaft-cybermobbing.weebly.com/hintergruumlnde.html Zeige auf, welche Handlungsoptionen es gegen Mobbing und Hassbotschaften im Internet oder Chatgruppen gibt. (Keine Pro/Contra Darstellung!!) Gehe dabei auch darauf ein, wo Grenzen und Schwierigkeiten liegen.

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Vielen Dank, wirklich hilfreich für mich, da wir gerade genau das Thema in der Schule haben 😁

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Thema 1: Materialgestütztes Schreiben: Cybermobbing: Wie man Hatern das Handwerk legt Deutsch Klausur Kursstufe 1 am 05.05.21 - Kurs Kraner Bitte beachtet: Drei von fünf Materialien müssen sinnvoll ausgewertet und im Aufsatz integriert sein. Material 1 TAPE Quelle: https://digitale-gesellschaft-cybermobbing.weebly.com/hintergruumlnde.html mit-hassrede.html Material 2 94 Prozent der der 14- bis 24-Jährigen hat schon mal Hassrede im Internet wahrgenommen. Dies ergab eine Umfrage der Landesanstalt für Medien NRW. Die Hälfte der Jugendlichen meint, dass es inzwischen mehr Hass- als. Sachkommentare auf den Onlineplattformen gibt. Laut JIM-Studie 2020 ist jeder fünfte Jugendliche zwischen 12 und 19 schon einmal selbst Opfer von Hass oder Mobbing geworden. Und, so empfinden es die Befragten: Der Ton wird immer härter. Gleichzeitig sind es vor allem die jüngeren Internetnutzerinnen und -nutzer, die Hasskommentare melden und gegen sie aktiv werden. Quelle: https://www.medienanstalt-nrw.de/themen/hass/leitfaden-fuer-redaktionen-zum-umgang- Material 3 Wer einer marginalisierten Gruppe angehört, kann online Anschluss zu anderen Menschen finden, die ähnliche Erfahrungen machen. Doch solche Communitys ziehen Trolle¹ geradezu magisch an - und die wiederum halten viele davon ab, sich in einem Onlineforum aktiv einzubringen. Die Community Ahwaa, benannt nach dem arabischen Wort für Leidenschaft, ist eine englisch- und arabischsprachige Plattform für queere² Teenager und junge Erwachsene. Das Forum, das vor allem in der Golfregion, aber auch in Ländern wie Ägypten und Tunesien genutzt wird, ist fast frei von Hass und Mobbing. Gründerin Esra'a al-Shafei hat eine Lösung gefunden, die Trolle abzuschrecken. ZEIT ONLINE:...

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Frau Al-Shafei, Sie haben eine Onlinecommunity für queere Menschen in der arabischen Welt gegründet - fast ohne Trolle. Wie haben Sie das geschafft? Esra'a al-Shafei: Die Grundidee ist: Unsere Plattform ist öffentlich. Aber um in die intimeren Bereiche des Forums zu kommen, muss man erst mal zeigen, dass man ein nettes, hilfsbereites 5 Forumsmitglied ist. Wer andere unterstützt, bekommt Punkte - und je mehr Punkte man hat, desto mehr Zugang bekommt man auch. Insgesamt gibt es drei Level, die jeweils ab einer bestimmten Punktzahl freigeschaltet werden. Wer negativ auffällt, wird sofort gelöscht. ZEIT ONLINE: Wofür gibt es Punkte, und wer vergibt die? Al-Shafei: Die anderen Userinnen und User vergeben die Punkte. Wenn sie einen Beitrag oder eine 10 Antwort von jemandem hilfreich finden, können sie ihn positiv bewerten. Etwa wenn jemand schildert, wie er es geschafft hat, mit seinen homophoben Eltern zurechtzukommen. Wer immer nur »Hallo, alle zusammen« oder »Einen schönen guten Tag euch allen«< postet, sammelt eher keine Punkte ein. 20 ZEIT ONLINE: Was von Ahwaa ist öffentlich, und was wird erst freigeschaltet, wenn man sich als 15 gutes Mitglied bewiesen hat? Al-Shafei: Auch im öffentlichen Bereich werden schon manche eher privaten Diskussionen geführt, zum Beispiel über Beziehungen oder psychische Probleme. Aber Threads zu sehr intimen Themen wie Sexualkrankheiten oder dass jemand überlegt, Asyl zu beantragen, sind für neue Nutzerinnen noch nicht sichtbar. Auch der Chat wird erst freigeschaltet, wenn man genug Punkte gesammelt hat. Bis ein Troll da reinkommt, muss er schon sehr lange vorgegeben haben, dass er eigentlich ein netter Typ ist. ZEIT ONLINE: Machen das manche Trolle? Al-Shafei: Sehr selten. Natürlich kann jemand faken, dass er ein gutes Mitglied ist. Wir zwingen Trolle dazu, nett zu sein. Aber die meisten von ihnen wollen nichts Positives über LGBT sagen. Sie 25 haben auch gar nicht die Geduld, um das über einen längeren Zeitraum durchzuhalten und so in die intimeren Bereiche der Community zu gelangen. Die meisten wollen einfach nur rumtrollen. Deshalb gehen sie lieber zu Twitter, da haben sie es leichter als bei uns. 1 Trolle: Diskussionsteilnehmer, die keinen konstruktiven Beitrag leisten, sondern bewusst provozieren und die Community sabotieren wollen. Dies muss nicht unbedingt in Form von Hassrede geschehen, der Tonfall kann durchaus angemessen sein. 2 LGBT = Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender ZEIT ONLINE: Wann hatten Sie das letzte Mal Besuch von einem richtig unangenehmen Troll? Al-Shafei: Wir hatten glücklicherweise bisher keinen richtig schlimmen Troll. Wenn ab und zu mal 30 einer auftaucht, postet er den üblichen Bullshit. Etwa dass alle LGBT sterben sollten oder so was in der Art. Aber wir haben keine wirklich persönlich belastenden Angriffe auf einzelne User. Der Troll- Account wird dann direkt gelöscht, und damit hat sich die Sache meistens erledigt. ZEIT ONLINE: Trauen sich die Leute bei Ihnen im Forum noch, auch mal etwas Kritisches zu sagen? Oder müssen sie dann fürchten, sofort rauszufliegen? 35 Al-Shafei: Niemand muss fürchten, wegen einer kritischen Bemerkung gesperrt zu werden. Es gibt nur wenige Fälle, in denen wir eine Person sofort aus dem Forum verbannen: Wer jemand anderes belästigt, mit Gewalt bedroht oder private Informationen über ihn offenbart, wird gesperrt, denn die Sicherheit unserer Nutzerinnen und Nutzer hat für uns oberste Priorität. Leidenschaftliche Debatten dagegen unterstützen wir. Diskussionen sind nicht immer angenehm, aber sie sollten 40 respektvoll geführt werden. ZEIT ONLINE: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ahwaa nach diesem Prinzip aufzubauen? Haben Sie selbst Hass in Onlineforen erlebt? Al-Shafei: Nicht direkt. Aber ich habe früher als stille Mitleserin in Foren mitbekommen, wie Leute schikaniert wurden, weil sie schwul sind. Mir hat das Angst gemacht, darum war ich selbst nie 45 besonders aktiv. Ich wollte nicht auch zur Zielscheibe werden. Außerdem habe ich es mehrmals erlebt, dass LGBT-Gruppen auf Facebook entfernt wurden, weil homophobe Leute diese Gruppen entdeckt und massenhaft gemeldet haben. Das ging wahnsinnig schnell, innerhalb von 24 Stunden war eine Gruppe mitunter gelöscht. Vom Facebook-Support, den wir damals kontaktierten, kam auch keine Unterstützung. Das war der Punkt, an dem ich dachte: Wir können uns nicht auf 50 Facebook verlassen, wir können uns auch nicht auf Twitter verlassen, wir brauchen unsere eigene nicht westliche Plattform. Sonst können wir nur noch geheime Gruppen gründen mit Menschen, die wir persönlich kennen. Und eine Community, in der nur ich und meine Freunde sind, war nicht das, was mir vorschwebte. ZEIT ONLINE: Was schwebte Ihnen denn vor? 55 Al-Shafei: Eine Community, die offen ist für alle. Es gibt Millionen LGBT in der arabischen Welt. Ich wollte einen Ort schaffen, an dem sie angstfrei Unterstützung finden und geben können, an dem sie sich miteinander vernetzen können. Ich wollte die Plattform, die mir selbst gefehlt hat. ZEIT ONLINE: Wie ist die Situation für queere Menschen in Ihrem Heimatland Bahrain? Al-Shafei: Das gesellschaftliche Klima in Bahrain gegenüber LGBT ist feindselig. Wer sich öffentlich 60 zu erkennen gibt, muss Diskriminierung und rechtliche Konsequenzen fürchten. Trotzdem existiert eine queere Community in Bahrain. Ihre Angehörigen halten sich aber eher bedeckt, um Probleme zu vermeiden. In den anderen Ländern der Golfregion ist die Situation ähnlich, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien ist sie allerdings besonders schwierig, auch wegen der schweren Strafen, die LGBT drohen. 65 ZEIT ONLINE: Ahwaa ist nicht besonders groß, ein Troll hat also auch keine große Bühne. Glauben Sie, das spielt eine Rolle dabei, dass Sie so wenig Probleme mit Trollen haben? Al-Shafei: Das stimmt, wir sind nicht gerade riesig mit 8.000 aktiven Mitgliedern. Ich glaube, das ist eine gesunde Communitygröße. Gerade im Westen denken aber viele, dass eine Plattform nur 70 dann ein Erfolg ist, wenn sie von Hunderttausenden genutzt wird. Und ich denke, der Grund, warum wir erfolgreich wurden, ist das Gegenteil: Wir wachsen sehr langsam, um etwa 1.000 Userinnen pro Jahr, vor allem über Mundpropaganda. Ich weiß nicht, ob unser Modell noch funktionieren würde, wenn wir eine halbe Million Nutzer hätten. Jetzt bekommen wir sehr viel positives Feedback: Immer wieder schreiben uns Leute, dass die Plattform ihnen geholfen hat. Und in Bulgarien gibt es inzwischen auch ein Forum, das nach demselben Prinzip wie unseres 75 funktioniert. Ich denke, es gibt eine Menge Communitys, denen unsere Strategie helfen könnte, nicht nur für LGBT. So viele Menschen werden online angefeindet, etwa wegen ihres Aussehens oder weil sie ein Suchtproblem haben. Cybermobbing ist ein riesiges Problem. Interview: Juliane Frisse, ZEIT ONLINE 1. März 2019, www.zeit.de/die-antwort/2019- 03/cybermobbing-lgbt-forum-chatroom-userbewertung Material 4 Die Kommentare auf Zeit-Online zum Interview: 1) >>In dem Forum (Ahwaa) kommt man nur weiter, wenn man Beiträge postet, die andere gut finden. Das nennt man doch Blase, oder nicht? Wie soll dann aber jemand, der eine kontroverse Meinung hat, damit weiterkommen? Richtig: gar nicht. << 2) >>Jede öffentliche Debatte braucht Regeln. Gibt es diese Regeln nicht, verflacht die Debatte und verkommt zu aggressiven Meinungsäußerungen und dem Niederbrüllen gewisser Meinungen. Wozu das führt, sieht man täglich in unmoderierten Kommentarspalten gewisser Onlinemedien.<< 3) >>Trolle müssten sich ja nur im Schwarm anmelden und sich gegenseitig Punkte geben, schon wäre das System ausgehebelt.<< 4) »Für Foren und Plattformen, die die Gesellschaft in ihrer Breite abbilden wollen, funktioniert das Konzept eher nicht, dafür sind sich die Menschen zu uneins. Ein Punktesystem würde dazu führen, dass von der Masse ungewollte Meinungen nicht geduldet werden - ein großes Problem in einer pluralistischen Gesellschaft.<< 5) >>Solange ein anonymes, abstraktes Internetsystem die soziale Hierarchie über Like-Dislike-Systeme steuert, wird keine konstruktive Sache dabei rauskommen.< 6) >>Letztendlich wie im echten Leben: Mit unsympathischen Idioten will auch keiner reden. Da kann man sie einfach stehen lassen. Bei Diskussionen im Netz kapern sie halt leider viel zu schnell die gesamte Diskussion.<< 7) »Das Konzept ist analog zum Türsteher in Clubs: Man bleibt unter sich. Zugang bekommt man nur, wenn man reinpasst und sozusagen >empfohlen< wird durch Stammgäste.< Material 5 Motive für Cybermobbing: Motive der Täter Aus Langeweile Weil andere das auch machen Nur zum Spaß Weil diese Person es verdient hat Weil es Ärger mit der betreffenden Person gab n 1.285, Angaben in % Um andere, die gemobbt worden sind, zu rächen Aus schlechter Laune Weil mich diese Person auch gemobbt hat Arbeitsauftrag: Weil es cool ist Trifft voll und ganz zu 24 21 16 35 33 17 6 11 8 11 3 8 9 12 14 11 15 18 14 10 19 13 12 10 6 13 19 Trifft überhaupt nicht zu zu 13 19 18 71 10 54 58 45 40 53 45 19 19 Quelle: https://digitale-gesellschaft-cybermobbing.weebly.com/hintergruumlnde.html Zeige auf, welche Handlungsoptionen es gegen Mobbing und Hassbotschaften im Internet oder Chatgruppen gibt. (Keine Pro/Contra Darstellung!!) 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