Struktur und Besonderheiten des Dramas
Goethes "Iphigenie auf Tauris" folgt in vielen Aspekten den Vorgaben der klassischen Dramentheorie nach Aristoteles, weist aber auch einige Besonderheiten auf.
Die Handlung spielt an einem einzigen Ort, dem Tempel der Göttin Diana auf Tauris, und verläuft chronologisch ohne Zeit- und Handlungssprünge. Die Einheit der Handlung ist gewahrt, es gibt keine Nebenhandlungen. Alle Figuren gehören Fürsten- oder Königsgeschlechtern an, was der Ständeklausel entspricht. Die Sprache ist eine kunstvolle Hochsprache im fünfhebigen Jambus, auch Blankvers genannt.
Definition: Der Blankvers ist ein reimloser Vers im fünfhebigen Jambus, der in der klassischen Dramatik häufig verwendet wurde.
Es gibt jedoch Abweichungen vom klassischen Aufbau nach Gustav Freytag:
- Die Exposition erstreckt sich bis in den zweiten Aufzug.
- Die Handlungssteigerung beginnt bereits im ersten Aufzug.
- Der Höhepunkt (Wiedererkennung) erfolgt erst im dritten Aufzug.
- Der vierte Aufzug bringt keine Spannungsabnahme, sondern eher eine Steigerung.
- Im fünften Aufzug gibt es keine Katastrophe, sondern eine humane Konfliktlösung.
Highlight: Die Abweichungen von der klassischen Struktur unterstreichen Goethes innovative Herangehensweise an die Dramaturgie und seine Betonung der humanistischen Themen.
Diese Struktur unterstützt die thematische Ausrichtung des Dramas auf Humanität und Versöhnung, die zentrale Aspekte der Epoche der Weimarer Klassik sind. Die Analyse von "Iphigenie auf Tauris" zeigt, wie Goethe klassische Formen nutzt und gleichzeitig erneuert, um seine humanistischen Ideale zu vermitteln.



























