Müssen wir glücklich sein wollen?

user profile picture

Alessia

237 Followers
 

Philosophie

 

11/12/13

Ausarbeitung

Müssen wir glücklich sein wollen?

 Müssen wir glücklich sein wollen?
"Müssen wir glücklich sein wollen?" Um diese zunächst widersprüchlich erscheinende Frage
beantworten zu k

Kommentare (2)

Teilen

Speichern

34

Philosophischer Essay zu der Fragestellung: Müssen wir glücklich sein?

Nichts passendes dabei? Erkunde andere Fachbereiche.

Müssen wir glücklich sein wollen? "Müssen wir glücklich sein wollen?" Um diese zunächst widersprüchlich erscheinende Frage beantworten zu können, sollte erst einmal näher erläutert werden, was unter den Begriffen „müssen“ und „wollen“ zu verstehen ist und was Glück überhaupt bedeutet. Wir müssen etwas tun, wenn uns eine durch äußerliche Einflüsse aufgezwungene Tätigkeit unvermeidbar erscheint im Gegensatz zu wollen: Wenn wir etwas tun wollen, geschieht dies aus intrinsischer Motivation, um (eigens gesetzte) Ziele zu erreichen oder diesen zumindest näher zu kommen ohne Fremdeinwirkung, die einen Druck auf uns ausüben könnte. Im Folgenden sollen die Faktoren, Hindernisse sowie Auswirkungen des Glücklichseins beleuchtet und anschließend erörtert werden, ob jeder Mensch sich den Vorsatz, Glückseligkeit zu erstreben, setzen sollte. Was ist also Glück und was hindert Menschen am glücklich sein wollen? Hierbei lässt sich zunächst zwischen Glück haben und glücklich sein differenzieren; Glück haben entspricht eher dem zufälligen Glück, welches zwar einen kurzweiligen Glückszustand auslösen kann, aber nicht für eine Lebenszufriedenheit im Allgemeinen sorgt. Glücklich sein könnte dahingegen als eine durch dauerhaftes Streben nach eigenen intrinsischen Zielen geprägte Lebensführung charakterisiert werden. Die Anzahl vieler glücklicher Momente nimmt hierbei jedoch keine maßgebliche Rolle ein, denn selbst wenn man ständig glücklich oder euphorisch gestimmt ist, ist man nicht unmittelbar nachhaltig von tiefer Freude gefüllt. Ein Beispiel hierfür sind pharmazeutische Hilfen wie Drogen, die zwar...

Mit uns zu mehr Spaß am Lernen

Hilfe bei den Hausaufgaben

Mit dem Fragen-Feature hast du die Möglichkeit, jederzeit Fragen zu stellen und Antworten von anderen Schüler:innen zu erhalten.

Gemeinsam lernen

Mit Knowunity erhältest du Lerninhalte von anderen Schüler:innen auf eine moderne und gewohnte Art und Weise, um bestmöglich zu lernen. Schüler:innen teilen ihr Wissen, tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig.

Sicher und geprüft

Ob Zusammenfassungen, Übungen oder Lernzettel - Knowunity kuratiert alle Inhalte und schafft eine sichere Lernumgebung zu der Ihr Kind jederzeit Zugang hat.

App herunterladen

Alternativer Bildtext:

kurzzeitig einen ekstatischen Glückszustand hervorrufen, jedoch nicht des Zustandes einer Lebenszufriedenheit beitragen. Doch angenommen, man könnte den eigenen Glückszustand durch stimmungsaufhellende Medikamente manipulieren: Da diese nicht die Probleme eines Menschen lösen können, würde das potenzielle Unglück nach Beendigung der Einnahme von Drogen fortsetzen. Auch würde man bei Einnahme dieser das „reale" Glück nicht wertschätzen, da kein ausreichender Kontrast zwischen negativen Gefühlen und Glücksgefühlen erkennbar ist. Hierdurch würde das Gefühl der Nutzlosigkeit und Unausgeglichenheit entstehen, da man nicht auf etwas hinarbeiten kann beziehungsweise muss und nicht mehr selbst über seine eigenen Gefühle und mentale Verfassung herrschen kann. Anstelle von medikamentöser Manipulation dieser stellt es sich als erstrebenswert heraus, teilweise auf Glücksgefühle zu verzichten, sodass man im Laufe der Zeit ein stückweit eine Resilienz entwickelt, also die Kompetenz zu einem Umgang mit psychischen Schwierigkeiten wie Schicksalsschlägen, sodass diese sich im Optimalfall nicht negativ auf die Lebenszufriedenheit des Menschen auswirken. Auch die Befriedigung aller Verlangen und Bedürfnisse eines Individuums reicht hierfür nicht aus; zum einen aufgrund von materiellen oder auch immateriellen Gütern, die der Mensch nur unbewusst und getrieben verlangt, die oder dessen Konsequenzen sich allerdings (dauerhaft) negativ auf den Menschen auswirken wie zum Beispiel ungesunde Suchtverhalten. Andererseits tritt nach der Erfüllung eines Verlangens die Gier nach weiteren zunehmend stärker in den Vordergrund, sodass diese an einem bestimmten Punkt nicht mehr ermöglicht werden kann. Es geht stattdessen vielmehr darum, selber aktiv handelnd einen dauerhaften Glückszustand herbeizuführen, indem man seinem Leben einen Sinn zuspricht und sich diesbezüglich auf das Wesentliche fokussiert. Zum Beispiel ist Sport aufgrund der Ausschüttung von Glückshormonen für viele fundamental für ein ausgeglichenes Leben. Langfristiges Glück kann erst empfunden werden, wenn man sich selbst als unabhängigen, sich selbst genügenden Menschen wahrnimmt und sein Glück nicht mit dem anderer Menschen vergleicht, da die Vorstellung von Glück stets höchst individuell ist. Wer einen höheren Grad an Selbstgenügsamkeit besitzt, gibt sich ohne Bedürfnisse, die ausschließlich von anderen befriedigt werden können, zufrieden und ist somit unabhängig von anderen Personen. Abgesehen von Grundbedürfnissen wie Wasser und Nahrung benötigt er keine von außen kommenden Güter, um wunschlos glücklich sein zu können. Man sollte also nur den in seinem eigenen Handlungsspielraum liegenden Möglichkeiten und Pflichten Beachtung schenken, um sich selbst zu genügen, und alles andere, worauf man selber keinen Einfluss hat, hinnehmen und akzeptieren. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man das Glück seiner Mitmenschen ignorieren soll. Im Gegenteil, für eine ausgeglichene, zufriedenstellende Lebensführung sollte man die Bedürfnisse der sozialen Umwelt respektieren und darüber hinaus möglichst einen Teil dazu beitragen, diese zu befriedigen (Gewinn-Gewinn-Mentalität): Denn der eigene Gemütszustand wirkt sich auf das soziale Umfeld aus und andersherum. Darüber hinaus verhilft altruistisches Handeln zur eigenen Zufriedenheit. Indem man anderen Gesellschaftsteilnehmern hilft, gliedert man sich in eine Gemeinschaft ein und erhält durch diese Anerkennung und Dankbarkeit sowie das Gefühl von Verbundenheit. Auch steigt das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, da man durch erbrachte Hilfe das Gefühl, einen Nutzen für die Gemeinschaft zu tragen, verspürt. Die Faktoren physische und psychische Gesundheit, soziokulturell und politisch stabile Lebensbedingungen, soziale Beziehungen wie Freunde, Familie und Partner, individuelle Freiheit und finanzielle sowie soziale Sicherheit spielen allerdings auch eine Rolle; auf materiellen Wohlstand und monetäre Denkweise kommt es weniger an, da bei steigendem Besitz auch die Verantwortung zunimmt und viele mit dieser überfordert werden. Diese Parameter sind jedoch nicht zwingend ausschlaggebend für das Glück, sondern vielmehr der Umgang und die Einstellung hinsichtlich dieser. Die Glücksforschung reicht bereits weit in die Antike zurück. Schon damals versuchten Philosophen Antworten auf die Frage, was Glück überhaupt ist und wie man dieses erreichen kann, zu finden. Während man nach Aristoteles (385 v. Chr.- 322 v. Chr.) Auffassung zum Glück nur durch tugendhaftes Verhalten, also durch Tüchtigkeit, glücklich wird (proaktiv), reicht es nach Epikur (341 v. Chr.- 270 v. Chr.) schon aus, Leid zu vermeiden (defensiv). Aristoteles sieht in der Glückseligkeit, der „Eudaimonia", das höchste Ziel im Leben, das es aus eigenem Willen zu erreichen gelte. Um diesen vollkommenen Lebensstil zu erschaffen, müsse man durch eigenes aktives Handeln die Absicht, die Lebensumstände möglichst vorteilhaft zu nutzen, verfolgen. Ferner sei das Glück allerdings ein Privileg für Bürger seiner Zeit, da der Mensch von Natur aus für die Gemeinschaft bestimmt sei, woraus hervorgeht, dass Glück nur in eine Bevölkerungsgruppe einzuordnen sei. Sklaven hätten demnach nicht die Möglichkeit gehabt, durch Streben nach Glück an das Ziel der Glückseligkeit zu gelangen. Befolgt man Epikurs Leitfaden hinsichtlich des Glücklichwerdens, so solle man Schmerz vermeiden und stattdessen nach Freude streben, da diese das höchste Gut des Lebens darstelle (Hedonismus). Unter Freude versteht Epikur auch schon die reine Abwesenheit von natürlichen Bedürfnissen des Menschen wie Schlaf oder Hunger sowie Ruhe der Seele. Tugenden seien jedoch nur dann erfolgsversprechend, wenn sie die Freude maximal vergrößern. Doch ist das Streben nach Glück evolutionär angeboren oder sozial konditioniert? Zunächst sind die biologischen Voraussetzungen, um Glücksgefühle empfinden zu können, bei jedem Menschen gegeben. Jeder Mensch ist unabhängig von äußeren Parametern wie soziale Kontakte oder finanziellen Umständen mit einem komplexen Nervensystem ausgestattet, das ermöglicht, Glückshormone auszuschütten. Laut einer Studie der amerikanischen Sozialpsychologin Sonja Lyubomirsky von der University of California sind 50 Prozent unseres Glückspotenzials, der individuellen Fähigkeit, Glück zu empfinden, genetisch veranlagt und somit unveränderlich und zehn Prozent sind an unsere Lebensumstände angepasst. Somit bleiben allerdings noch weitere 40 Prozent Spielraum, die wir durch unser Denken und Handeln selber in Richtung Glück lenken können. Die Vorstellung von Glück ist subjektiv und einige können oder sogar wollen die Möglichkeit, glücklich zu werden aus unterschiedlichen Motiven nicht nutzen. Einerseits gibt es das Gefühl, von sich aus nicht glücklich sein zu wollen oder nicht glücklich sein zu können. Einen Auslöser dieser emotionalen Blockade stellen zum Beispiel Verlustängste dar: Der Gedanke, dass das Glück oder dessen Verursacher nicht von langer Dauer ist und man diesen wieder verliert, ist stets präsent, sodass man sich also gar nicht erst darauf einlässt, glücklich zu werden. Auch wenn man beispielsweise über einen langen oder intensiv gelebten Zeitraum unglücklich ist, stellt es sich als schwierig heraus, sich mit der Absicht, glücklich zu werden, zu motivieren, Dinge im Leben zum Positiven zu ändern aufgrund von Bequemlichkeit, aber vor allem auch durch die Angst vor Unbekanntem. Man fühlt Unbehagen oder sogar Angst, sich auf Neues einzulassen, weil man die „Risiken“ und allgemein das Gefühl des Glücklichseins nicht kennt und möglicherweise nicht bereit ist, loszulassen und mit der von Unglück geprägten Lebensphase abzuschließen. Auf der anderen Seite steht der Gedanke, aufgrund von gesellschaftlichen Werten und Normen und der allgemeinen Moral, gelehrt durch Erziehung und Umwelteinflüssen, nicht glücklich sein zu dürfen. Dieser geht zum Beispiel mit falschem Mitgefühl oder Mitleid einher; manch einer fühlt sich schuldig und unmoralisch, wenn er Freude und Glück empfindet, obwohl seine Mitmenschen zeitgleich eine unglückliche Phase durchleben. Ein weiteres Motiv für die Unterdrückung von Glücksgefühlen sind durch Erziehung und Traditionen weitergegebene Minderwertigkeitskomplexe; hierbei steht der Gedanke, dass andere, die beispielsweise härter auf ihre Ziele im Leben hinarbeiten, es eher verdient haben, glücklich zu sein, im Fokus. Geht man von dem Extremszenario aus, dass niemand glücklich sein will, würde sich das menschliche Leben hinsichtlich des Glücksempfindens kaum von dem eines Tieres unterscheiden. Die Fähigkeit zum Glücklichsein stellt sich als Alleinstellungsmerkmal des Menschen heraus. Zwar sind Tiere durchaus in der Lage, Freude zu empfinden, jedoch fehlt ihnen das (Selbst-) Bewusstsein sowie die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Tiere können ihr Handeln nämlich nur instinktgesteuert planen, dessen Folgen aber nicht bewerten. Somit können sie auch keine Maximierung der Freude durch den möglichen Verzicht anderer (kleineren) Freuden anstreben. Nur Menschen sind in der Lage, höhere, intellektuelle Freuden wahrnehmen und sind somit glücks- aber auch unglücksbegabt. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Menschen einen angeborenen Überlebensdrang verspüren, der außerdem mit einem Schutz- und Sicherheitsbedürfnis einhergeht, ist anzunehmen, dass sie aufgrund dessen automatisch bestrebt sind, Leid und Schmerz, das Gegenteil von Freude, zu vermeiden und somit das Streben nach Glück in der Natur des Menschen liegt. Es ist allgemein gefasst zweifelsfrei jedem selbst überlassen, ob sich derjenige an einem bestimmten Punkt motiviert, seine mentale Verfassung möglicherweise mit (professioneller) Hilfe zu verbessern, da er ein selbstbestimmtes frei gestaltetes Leben führt. Es ist ihm prinzipiell also nicht vorzuschreiben, wie er dieses füllt und ob er nach Glückseligkeit strebt. Dennoch betrifft die Gefühlslage nicht nur das Individuum selbst, sondern ebenfalls das Umfeld. Die Verbreitung depressiver Stimmung (hierbei ist nicht eine momentane Stresssituation gemeint, sondern eine über einen langfristigen Zeitraum erstreckt) wirkt sich im Unterbewusstsein auf das gesamte Umfeld der unglücklichen Person aus, da dieses mit ihr fühlt und leidet. Diese ansteckende Lethargie kann zum Beispiel bei der Arbeit zu verringerter Produktivität des gesamten Arbeitsumfeldes führen. Trotzdem kann man von Menschen in einer unglücklichen und psychisch instabilen Verfassung nicht erwarten, die sozialen Bedürfnisse ihrer Mitmenschen rational zu bedenken, sodass diese nicht zwingend von unglücklichen Menschen gewährleistet werden können. Da sich also das individuelle Glück an dem allgemeinen Glück orientiert, bedarf der Mensch für individuelles Glück trotz einer beispielsweise unglücklichen Gesellschaft Stärke und Unabhängigkeit. Des Weiteren ist anzunehmen, dass auch Gefühle wie Trauer oder insgesamt das Unglücklichsein zum Reifeprozess eines Menschen gehören und durch Fehler oder Misserfolge die Denkweise erweitert wird, effektiver auf sein Ziel hinarbeiten zu können. Folglich können Fehler sogar als mittelfristiges Zwischenziel auf dem Weg zum endgültigen Ziel, glücklich zu sein, gesehen werden. Auch verhelfen negative Gefühle und Schicksalsschläge beziehungsweise der Umgang mit diesen zu einer erweiterten Selbstwahrnehmung des Einzelnen, da man sich selbst in schwierigen und unangenehmen Situationen besser kennenlernt und somit kurze unglückliche Phasen akzeptiert. Da wir nur ein Leben haben, könnte man damit argumentieren, dass wir trotzdem versuchen sollten, das Beste aus der Ressource, die wir haben, zu machen, statt uns das Leben mit Selbstzweifeln, Sorgen oder Schuldgefühlen unnötig zu erschweren. Es sind unter anderem alltägliche Dinge, die unseren Glückszustand ausmachen, weshalb es auf jeden Tag ankommt, sein Leben möglichst optimal nach subjektiven Vorstellungen zu gestalten. Da sich unser aktueller Glückszustand allerdings auch auf die Zukunft auswirkt, entstehen zusätzliche Herausforderungen wie zum Beispiel das Finden einer langfristig befriedigenden Erwerbstätigkeit. Dies ist allerdings mit der Last, genau das Richtige für den individuellen Charakter auszusuchen, verbunden, da einem heutzutage immer mehr Möglichkeiten der Selbstverwirklichung und Persönlichkeitsentfaltung offengelegt werden. Mit einer ausgeprägten (Entscheidungs-)Freiheit steigt also auch die Verantwortung und eigens geschaffene Verpflichtung, da man nun nicht mehr einem direkten von außen kommenden Zwang unterliegt, sondern selbstbestimmt eigeninitiativ handeln muss. Trotzdem wird man zusätzlich von gesellschaftlichen Erwartungen und Diskursen geleitet und getrieben. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung, in dem soziale Medien von zunehmend größerer Bedeutung im Leben eines jeden sind, wird uns durch diese suggeriert, glücklich sein zu müssen, da alle anderen scheinbar auch glücklich sind, wobei oftmals nicht berücksichtigt wird, dass auf Plattformen wie Instagram meist nur eine falsche Realität ausgedrückt wird. Um Charles-Louis de Montesquieu (1689-1755) zu zitieren: „Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind." Durch dieses Phänomen entsteht ein „Scheinglück"; man stellt sich selber glücklich dar, obwohl man es paradoxerweise nicht ist. Es wird uns von der Gesellschaft vorgelebt, etwas falsch gemacht zu haben, wenn man weniger glücklich ist, als die Menschen zu sein scheinen. Um bei dem Beispiel mit Instagram zu bleiben: Je mehr Likes man bekommt, desto mehr Bestätigung der (verfälschten) Selbstdarstellung erhält man auch, was den Druck, in der Realität ebenfalls glücklich sein zu müssen für einen selbst und auch für die Follower enorm steigert. Dies spiegelt sich insbesondere in der derzeit aktuellen gesamt-gesellschaftlichen Corona-Krise wieder: Zur Eindämmung der Pandemie gelten teilweise massive Restriktionen des physischen Kontakts. Als Konsequenz daraus ergibt sich der verstärkte Kontakt über soziale Medien. Dieser führt zu einer eingeschränkten Fremdwahrnehmung, da dieser nun lediglich virtuell stattfindet und man die Emotionen und Ausdrucksweise seines Gegenübers nicht real wahrnimmt. Somit ist das Scheinglück" gerade in Zeiten wie diesen von erheblicher Bedeutung. 35 Hinzu kommen von Mitmenschen getätigte Aussagen, dass man unter den Lebensbedingungen unserer Gesellschaft im Vergleich zu denen von Armut betroffener Ländern zum Beispiel nicht unglücklich sein darf und man sich dafür glücklich schätzen sollte. Hierbei wird missachtet, dass Unglück als Zustand nicht grundlos und vor allem durchaus berechtigt ist. Die Glücksfaktoren sind ins Verhältnis zu setzen und wie bereits erwähnt ist nur ein kleiner Teil des Glückspotenzials den äußeren Lebensumständen zuzuschreiben. Aufgrund der natürlichen Angst vor dem Tod, beziehungsweise der der Ungewissheit, was darauf folgt, ist das Leben von Versäumnisangst geprägt. Aus der ständigen Aufforderung der Gesellschaft, glücklich sein zu müssen, dem Glücksimperativ, resultiert ein schlechtes Gewissen und das Gefühl, das Leben nicht optimal zu führen, wenn man das Leben auch nur für einen kurzen Moment nicht genießt und negativ gestimmt ist. Wird der Anspruch an das (scheinbare) Glück zu hoch, erscheint die Situation einigen so ausweglos, dass sie sich durch Suizid von dem unerfüllbaren Zwang, den gesellschaftlichen Glücksstandards zu entsprechen, befreien. Die Gesellschaft könnte sich den Vorsatz, nach Glück zu streben, als Maxime nehmen, um fortschrittlich nach vorne blicken zu können und Innovation anzutreiben. Allerdings sollte jedes Individuum die Glücksstandards unserer Zeit hinterfragen und sich möglichst von dem Druck, ein „perfektes“ Leben führen zu müssen, loslösen, um nicht im Unglück gefangen zu sein. Außerdem sollte man sich die Legitimität aller Gefühle bewusst machen; es ist durchaus berechtigt und weitergehend sogar zielführend, negative Gefühle wie Trauer zuzulassen, da man sich selbst mithilfe dieser auf eine andere Weise wahrnimmt und man somit lernt, bewusst mit solchen Situationen und Gefühlen umzugehen, um einen langfristigen Glückszustand erreichen zu können.

Müssen wir glücklich sein wollen?

user profile picture

Alessia

237 Followers
 

Philosophie

 

11/12/13

Ausarbeitung

Müssen wir glücklich sein wollen?

Dieser Inhalt ist nur in der Knowunity App verfügbar.

 Müssen wir glücklich sein wollen?
"Müssen wir glücklich sein wollen?" Um diese zunächst widersprüchlich erscheinende Frage
beantworten zu k

App öffnen

Teilen

Speichern

34

Kommentare (2)

G

Vielen Dank, wirklich hilfreich für mich, da wir gerade genau das Thema in der Schule haben 😁

Philosophischer Essay zu der Fragestellung: Müssen wir glücklich sein?

Ähnliche Knows

Immanuel Kant und Utilitarismus

Know Immanuel Kant und Utilitarismus  thumbnail

2219

 

12

Utilitarismus

Know Utilitarismus thumbnail

13098

 

11/12/13

4

Utilitarismus

Know Utilitarismus  thumbnail

3296

 

11/12/10

3

Aristoteles

Know Aristoteles thumbnail

6307

 

12/13

Mehr

Müssen wir glücklich sein wollen? "Müssen wir glücklich sein wollen?" Um diese zunächst widersprüchlich erscheinende Frage beantworten zu können, sollte erst einmal näher erläutert werden, was unter den Begriffen „müssen“ und „wollen“ zu verstehen ist und was Glück überhaupt bedeutet. Wir müssen etwas tun, wenn uns eine durch äußerliche Einflüsse aufgezwungene Tätigkeit unvermeidbar erscheint im Gegensatz zu wollen: Wenn wir etwas tun wollen, geschieht dies aus intrinsischer Motivation, um (eigens gesetzte) Ziele zu erreichen oder diesen zumindest näher zu kommen ohne Fremdeinwirkung, die einen Druck auf uns ausüben könnte. Im Folgenden sollen die Faktoren, Hindernisse sowie Auswirkungen des Glücklichseins beleuchtet und anschließend erörtert werden, ob jeder Mensch sich den Vorsatz, Glückseligkeit zu erstreben, setzen sollte. Was ist also Glück und was hindert Menschen am glücklich sein wollen? Hierbei lässt sich zunächst zwischen Glück haben und glücklich sein differenzieren; Glück haben entspricht eher dem zufälligen Glück, welches zwar einen kurzweiligen Glückszustand auslösen kann, aber nicht für eine Lebenszufriedenheit im Allgemeinen sorgt. Glücklich sein könnte dahingegen als eine durch dauerhaftes Streben nach eigenen intrinsischen Zielen geprägte Lebensführung charakterisiert werden. Die Anzahl vieler glücklicher Momente nimmt hierbei jedoch keine maßgebliche Rolle ein, denn selbst wenn man ständig glücklich oder euphorisch gestimmt ist, ist man nicht unmittelbar nachhaltig von tiefer Freude gefüllt. Ein Beispiel hierfür sind pharmazeutische Hilfen wie Drogen, die zwar...

Nichts passendes dabei? Erkunde andere Fachbereiche.

Mit uns zu mehr Spaß am Lernen

Hilfe bei den Hausaufgaben

Mit dem Fragen-Feature hast du die Möglichkeit, jederzeit Fragen zu stellen und Antworten von anderen Schüler:innen zu erhalten.

Gemeinsam lernen

Mit Knowunity erhältest du Lerninhalte von anderen Schüler:innen auf eine moderne und gewohnte Art und Weise, um bestmöglich zu lernen. Schüler:innen teilen ihr Wissen, tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig.

Sicher und geprüft

Ob Zusammenfassungen, Übungen oder Lernzettel - Knowunity kuratiert alle Inhalte und schafft eine sichere Lernumgebung zu der Ihr Kind jederzeit Zugang hat.

App herunterladen

Knowunity

Schule. Endlich Einfach.

App öffnen

Alternativer Bildtext:

kurzzeitig einen ekstatischen Glückszustand hervorrufen, jedoch nicht des Zustandes einer Lebenszufriedenheit beitragen. Doch angenommen, man könnte den eigenen Glückszustand durch stimmungsaufhellende Medikamente manipulieren: Da diese nicht die Probleme eines Menschen lösen können, würde das potenzielle Unglück nach Beendigung der Einnahme von Drogen fortsetzen. Auch würde man bei Einnahme dieser das „reale" Glück nicht wertschätzen, da kein ausreichender Kontrast zwischen negativen Gefühlen und Glücksgefühlen erkennbar ist. Hierdurch würde das Gefühl der Nutzlosigkeit und Unausgeglichenheit entstehen, da man nicht auf etwas hinarbeiten kann beziehungsweise muss und nicht mehr selbst über seine eigenen Gefühle und mentale Verfassung herrschen kann. Anstelle von medikamentöser Manipulation dieser stellt es sich als erstrebenswert heraus, teilweise auf Glücksgefühle zu verzichten, sodass man im Laufe der Zeit ein stückweit eine Resilienz entwickelt, also die Kompetenz zu einem Umgang mit psychischen Schwierigkeiten wie Schicksalsschlägen, sodass diese sich im Optimalfall nicht negativ auf die Lebenszufriedenheit des Menschen auswirken. Auch die Befriedigung aller Verlangen und Bedürfnisse eines Individuums reicht hierfür nicht aus; zum einen aufgrund von materiellen oder auch immateriellen Gütern, die der Mensch nur unbewusst und getrieben verlangt, die oder dessen Konsequenzen sich allerdings (dauerhaft) negativ auf den Menschen auswirken wie zum Beispiel ungesunde Suchtverhalten. Andererseits tritt nach der Erfüllung eines Verlangens die Gier nach weiteren zunehmend stärker in den Vordergrund, sodass diese an einem bestimmten Punkt nicht mehr ermöglicht werden kann. Es geht stattdessen vielmehr darum, selber aktiv handelnd einen dauerhaften Glückszustand herbeizuführen, indem man seinem Leben einen Sinn zuspricht und sich diesbezüglich auf das Wesentliche fokussiert. Zum Beispiel ist Sport aufgrund der Ausschüttung von Glückshormonen für viele fundamental für ein ausgeglichenes Leben. Langfristiges Glück kann erst empfunden werden, wenn man sich selbst als unabhängigen, sich selbst genügenden Menschen wahrnimmt und sein Glück nicht mit dem anderer Menschen vergleicht, da die Vorstellung von Glück stets höchst individuell ist. Wer einen höheren Grad an Selbstgenügsamkeit besitzt, gibt sich ohne Bedürfnisse, die ausschließlich von anderen befriedigt werden können, zufrieden und ist somit unabhängig von anderen Personen. Abgesehen von Grundbedürfnissen wie Wasser und Nahrung benötigt er keine von außen kommenden Güter, um wunschlos glücklich sein zu können. Man sollte also nur den in seinem eigenen Handlungsspielraum liegenden Möglichkeiten und Pflichten Beachtung schenken, um sich selbst zu genügen, und alles andere, worauf man selber keinen Einfluss hat, hinnehmen und akzeptieren. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man das Glück seiner Mitmenschen ignorieren soll. Im Gegenteil, für eine ausgeglichene, zufriedenstellende Lebensführung sollte man die Bedürfnisse der sozialen Umwelt respektieren und darüber hinaus möglichst einen Teil dazu beitragen, diese zu befriedigen (Gewinn-Gewinn-Mentalität): Denn der eigene Gemütszustand wirkt sich auf das soziale Umfeld aus und andersherum. Darüber hinaus verhilft altruistisches Handeln zur eigenen Zufriedenheit. Indem man anderen Gesellschaftsteilnehmern hilft, gliedert man sich in eine Gemeinschaft ein und erhält durch diese Anerkennung und Dankbarkeit sowie das Gefühl von Verbundenheit. Auch steigt das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, da man durch erbrachte Hilfe das Gefühl, einen Nutzen für die Gemeinschaft zu tragen, verspürt. Die Faktoren physische und psychische Gesundheit, soziokulturell und politisch stabile Lebensbedingungen, soziale Beziehungen wie Freunde, Familie und Partner, individuelle Freiheit und finanzielle sowie soziale Sicherheit spielen allerdings auch eine Rolle; auf materiellen Wohlstand und monetäre Denkweise kommt es weniger an, da bei steigendem Besitz auch die Verantwortung zunimmt und viele mit dieser überfordert werden. Diese Parameter sind jedoch nicht zwingend ausschlaggebend für das Glück, sondern vielmehr der Umgang und die Einstellung hinsichtlich dieser. Die Glücksforschung reicht bereits weit in die Antike zurück. Schon damals versuchten Philosophen Antworten auf die Frage, was Glück überhaupt ist und wie man dieses erreichen kann, zu finden. Während man nach Aristoteles (385 v. Chr.- 322 v. Chr.) Auffassung zum Glück nur durch tugendhaftes Verhalten, also durch Tüchtigkeit, glücklich wird (proaktiv), reicht es nach Epikur (341 v. Chr.- 270 v. Chr.) schon aus, Leid zu vermeiden (defensiv). Aristoteles sieht in der Glückseligkeit, der „Eudaimonia", das höchste Ziel im Leben, das es aus eigenem Willen zu erreichen gelte. Um diesen vollkommenen Lebensstil zu erschaffen, müsse man durch eigenes aktives Handeln die Absicht, die Lebensumstände möglichst vorteilhaft zu nutzen, verfolgen. Ferner sei das Glück allerdings ein Privileg für Bürger seiner Zeit, da der Mensch von Natur aus für die Gemeinschaft bestimmt sei, woraus hervorgeht, dass Glück nur in eine Bevölkerungsgruppe einzuordnen sei. Sklaven hätten demnach nicht die Möglichkeit gehabt, durch Streben nach Glück an das Ziel der Glückseligkeit zu gelangen. Befolgt man Epikurs Leitfaden hinsichtlich des Glücklichwerdens, so solle man Schmerz vermeiden und stattdessen nach Freude streben, da diese das höchste Gut des Lebens darstelle (Hedonismus). Unter Freude versteht Epikur auch schon die reine Abwesenheit von natürlichen Bedürfnissen des Menschen wie Schlaf oder Hunger sowie Ruhe der Seele. Tugenden seien jedoch nur dann erfolgsversprechend, wenn sie die Freude maximal vergrößern. Doch ist das Streben nach Glück evolutionär angeboren oder sozial konditioniert? Zunächst sind die biologischen Voraussetzungen, um Glücksgefühle empfinden zu können, bei jedem Menschen gegeben. Jeder Mensch ist unabhängig von äußeren Parametern wie soziale Kontakte oder finanziellen Umständen mit einem komplexen Nervensystem ausgestattet, das ermöglicht, Glückshormone auszuschütten. Laut einer Studie der amerikanischen Sozialpsychologin Sonja Lyubomirsky von der University of California sind 50 Prozent unseres Glückspotenzials, der individuellen Fähigkeit, Glück zu empfinden, genetisch veranlagt und somit unveränderlich und zehn Prozent sind an unsere Lebensumstände angepasst. Somit bleiben allerdings noch weitere 40 Prozent Spielraum, die wir durch unser Denken und Handeln selber in Richtung Glück lenken können. Die Vorstellung von Glück ist subjektiv und einige können oder sogar wollen die Möglichkeit, glücklich zu werden aus unterschiedlichen Motiven nicht nutzen. Einerseits gibt es das Gefühl, von sich aus nicht glücklich sein zu wollen oder nicht glücklich sein zu können. Einen Auslöser dieser emotionalen Blockade stellen zum Beispiel Verlustängste dar: Der Gedanke, dass das Glück oder dessen Verursacher nicht von langer Dauer ist und man diesen wieder verliert, ist stets präsent, sodass man sich also gar nicht erst darauf einlässt, glücklich zu werden. Auch wenn man beispielsweise über einen langen oder intensiv gelebten Zeitraum unglücklich ist, stellt es sich als schwierig heraus, sich mit der Absicht, glücklich zu werden, zu motivieren, Dinge im Leben zum Positiven zu ändern aufgrund von Bequemlichkeit, aber vor allem auch durch die Angst vor Unbekanntem. Man fühlt Unbehagen oder sogar Angst, sich auf Neues einzulassen, weil man die „Risiken“ und allgemein das Gefühl des Glücklichseins nicht kennt und möglicherweise nicht bereit ist, loszulassen und mit der von Unglück geprägten Lebensphase abzuschließen. Auf der anderen Seite steht der Gedanke, aufgrund von gesellschaftlichen Werten und Normen und der allgemeinen Moral, gelehrt durch Erziehung und Umwelteinflüssen, nicht glücklich sein zu dürfen. Dieser geht zum Beispiel mit falschem Mitgefühl oder Mitleid einher; manch einer fühlt sich schuldig und unmoralisch, wenn er Freude und Glück empfindet, obwohl seine Mitmenschen zeitgleich eine unglückliche Phase durchleben. Ein weiteres Motiv für die Unterdrückung von Glücksgefühlen sind durch Erziehung und Traditionen weitergegebene Minderwertigkeitskomplexe; hierbei steht der Gedanke, dass andere, die beispielsweise härter auf ihre Ziele im Leben hinarbeiten, es eher verdient haben, glücklich zu sein, im Fokus. Geht man von dem Extremszenario aus, dass niemand glücklich sein will, würde sich das menschliche Leben hinsichtlich des Glücksempfindens kaum von dem eines Tieres unterscheiden. Die Fähigkeit zum Glücklichsein stellt sich als Alleinstellungsmerkmal des Menschen heraus. Zwar sind Tiere durchaus in der Lage, Freude zu empfinden, jedoch fehlt ihnen das (Selbst-) Bewusstsein sowie die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Tiere können ihr Handeln nämlich nur instinktgesteuert planen, dessen Folgen aber nicht bewerten. Somit können sie auch keine Maximierung der Freude durch den möglichen Verzicht anderer (kleineren) Freuden anstreben. Nur Menschen sind in der Lage, höhere, intellektuelle Freuden wahrnehmen und sind somit glücks- aber auch unglücksbegabt. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Menschen einen angeborenen Überlebensdrang verspüren, der außerdem mit einem Schutz- und Sicherheitsbedürfnis einhergeht, ist anzunehmen, dass sie aufgrund dessen automatisch bestrebt sind, Leid und Schmerz, das Gegenteil von Freude, zu vermeiden und somit das Streben nach Glück in der Natur des Menschen liegt. Es ist allgemein gefasst zweifelsfrei jedem selbst überlassen, ob sich derjenige an einem bestimmten Punkt motiviert, seine mentale Verfassung möglicherweise mit (professioneller) Hilfe zu verbessern, da er ein selbstbestimmtes frei gestaltetes Leben führt. Es ist ihm prinzipiell also nicht vorzuschreiben, wie er dieses füllt und ob er nach Glückseligkeit strebt. Dennoch betrifft die Gefühlslage nicht nur das Individuum selbst, sondern ebenfalls das Umfeld. Die Verbreitung depressiver Stimmung (hierbei ist nicht eine momentane Stresssituation gemeint, sondern eine über einen langfristigen Zeitraum erstreckt) wirkt sich im Unterbewusstsein auf das gesamte Umfeld der unglücklichen Person aus, da dieses mit ihr fühlt und leidet. Diese ansteckende Lethargie kann zum Beispiel bei der Arbeit zu verringerter Produktivität des gesamten Arbeitsumfeldes führen. Trotzdem kann man von Menschen in einer unglücklichen und psychisch instabilen Verfassung nicht erwarten, die sozialen Bedürfnisse ihrer Mitmenschen rational zu bedenken, sodass diese nicht zwingend von unglücklichen Menschen gewährleistet werden können. Da sich also das individuelle Glück an dem allgemeinen Glück orientiert, bedarf der Mensch für individuelles Glück trotz einer beispielsweise unglücklichen Gesellschaft Stärke und Unabhängigkeit. Des Weiteren ist anzunehmen, dass auch Gefühle wie Trauer oder insgesamt das Unglücklichsein zum Reifeprozess eines Menschen gehören und durch Fehler oder Misserfolge die Denkweise erweitert wird, effektiver auf sein Ziel hinarbeiten zu können. Folglich können Fehler sogar als mittelfristiges Zwischenziel auf dem Weg zum endgültigen Ziel, glücklich zu sein, gesehen werden. Auch verhelfen negative Gefühle und Schicksalsschläge beziehungsweise der Umgang mit diesen zu einer erweiterten Selbstwahrnehmung des Einzelnen, da man sich selbst in schwierigen und unangenehmen Situationen besser kennenlernt und somit kurze unglückliche Phasen akzeptiert. Da wir nur ein Leben haben, könnte man damit argumentieren, dass wir trotzdem versuchen sollten, das Beste aus der Ressource, die wir haben, zu machen, statt uns das Leben mit Selbstzweifeln, Sorgen oder Schuldgefühlen unnötig zu erschweren. Es sind unter anderem alltägliche Dinge, die unseren Glückszustand ausmachen, weshalb es auf jeden Tag ankommt, sein Leben möglichst optimal nach subjektiven Vorstellungen zu gestalten. Da sich unser aktueller Glückszustand allerdings auch auf die Zukunft auswirkt, entstehen zusätzliche Herausforderungen wie zum Beispiel das Finden einer langfristig befriedigenden Erwerbstätigkeit. Dies ist allerdings mit der Last, genau das Richtige für den individuellen Charakter auszusuchen, verbunden, da einem heutzutage immer mehr Möglichkeiten der Selbstverwirklichung und Persönlichkeitsentfaltung offengelegt werden. Mit einer ausgeprägten (Entscheidungs-)Freiheit steigt also auch die Verantwortung und eigens geschaffene Verpflichtung, da man nun nicht mehr einem direkten von außen kommenden Zwang unterliegt, sondern selbstbestimmt eigeninitiativ handeln muss. Trotzdem wird man zusätzlich von gesellschaftlichen Erwartungen und Diskursen geleitet und getrieben. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung, in dem soziale Medien von zunehmend größerer Bedeutung im Leben eines jeden sind, wird uns durch diese suggeriert, glücklich sein zu müssen, da alle anderen scheinbar auch glücklich sind, wobei oftmals nicht berücksichtigt wird, dass auf Plattformen wie Instagram meist nur eine falsche Realität ausgedrückt wird. Um Charles-Louis de Montesquieu (1689-1755) zu zitieren: „Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind." Durch dieses Phänomen entsteht ein „Scheinglück"; man stellt sich selber glücklich dar, obwohl man es paradoxerweise nicht ist. Es wird uns von der Gesellschaft vorgelebt, etwas falsch gemacht zu haben, wenn man weniger glücklich ist, als die Menschen zu sein scheinen. Um bei dem Beispiel mit Instagram zu bleiben: Je mehr Likes man bekommt, desto mehr Bestätigung der (verfälschten) Selbstdarstellung erhält man auch, was den Druck, in der Realität ebenfalls glücklich sein zu müssen für einen selbst und auch für die Follower enorm steigert. Dies spiegelt sich insbesondere in der derzeit aktuellen gesamt-gesellschaftlichen Corona-Krise wieder: Zur Eindämmung der Pandemie gelten teilweise massive Restriktionen des physischen Kontakts. Als Konsequenz daraus ergibt sich der verstärkte Kontakt über soziale Medien. Dieser führt zu einer eingeschränkten Fremdwahrnehmung, da dieser nun lediglich virtuell stattfindet und man die Emotionen und Ausdrucksweise seines Gegenübers nicht real wahrnimmt. Somit ist das Scheinglück" gerade in Zeiten wie diesen von erheblicher Bedeutung. 35 Hinzu kommen von Mitmenschen getätigte Aussagen, dass man unter den Lebensbedingungen unserer Gesellschaft im Vergleich zu denen von Armut betroffener Ländern zum Beispiel nicht unglücklich sein darf und man sich dafür glücklich schätzen sollte. Hierbei wird missachtet, dass Unglück als Zustand nicht grundlos und vor allem durchaus berechtigt ist. Die Glücksfaktoren sind ins Verhältnis zu setzen und wie bereits erwähnt ist nur ein kleiner Teil des Glückspotenzials den äußeren Lebensumständen zuzuschreiben. Aufgrund der natürlichen Angst vor dem Tod, beziehungsweise der der Ungewissheit, was darauf folgt, ist das Leben von Versäumnisangst geprägt. Aus der ständigen Aufforderung der Gesellschaft, glücklich sein zu müssen, dem Glücksimperativ, resultiert ein schlechtes Gewissen und das Gefühl, das Leben nicht optimal zu führen, wenn man das Leben auch nur für einen kurzen Moment nicht genießt und negativ gestimmt ist. Wird der Anspruch an das (scheinbare) Glück zu hoch, erscheint die Situation einigen so ausweglos, dass sie sich durch Suizid von dem unerfüllbaren Zwang, den gesellschaftlichen Glücksstandards zu entsprechen, befreien. Die Gesellschaft könnte sich den Vorsatz, nach Glück zu streben, als Maxime nehmen, um fortschrittlich nach vorne blicken zu können und Innovation anzutreiben. Allerdings sollte jedes Individuum die Glücksstandards unserer Zeit hinterfragen und sich möglichst von dem Druck, ein „perfektes“ Leben führen zu müssen, loslösen, um nicht im Unglück gefangen zu sein. Außerdem sollte man sich die Legitimität aller Gefühle bewusst machen; es ist durchaus berechtigt und weitergehend sogar zielführend, negative Gefühle wie Trauer zuzulassen, da man sich selbst mithilfe dieser auf eine andere Weise wahrnimmt und man somit lernt, bewusst mit solchen Situationen und Gefühlen umzugehen, um einen langfristigen Glückszustand erreichen zu können.