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Klassenmodell, Schichtmodell & Sinus-Milieu-Modell

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Klassenmodell, Schichtmodell & Sinus-Milieu-Modell

 ,,Drei Modelle zur Beschreibung von Gesellschaften - welches
soll/muss es sein?"
Nr. 1:
Gesellschaftsmodelle dienen zur Charakterisierung d

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die drei gesellschaftsmodelle nach Karl marx, Ralf dahrendorf und Rainer Geißler sowie Berthold Bodo Flaig werden in Form eines Textes differenziert dargestellt

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,,Drei Modelle zur Beschreibung von Gesellschaften - welches soll/muss es sein?" Nr. 1: Gesellschaftsmodelle dienen zur Charakterisierung der jeweiligen aktuellen Gesellschaft unter Berücksichtigung sozialer Beziehungen und typischen Handlungs-, Wahrnehmungs- und Denkmustern. Im Laufe der Zeit wurden und werden fortlaufend neue Modelle hierzu aufgestellt oder bereits Bestehende aktualisiert und dementsprechend angepasst. Nun stellt sich die Frage, welches Gesellschaftsmodell zur Beschreibung unserer heutigen Gesellschaft am besten geeignet ist. Im Folgenden sollen das Klassenmodell nach Karl Marx, das Schichtmodell nach Ralf Dahrendorf und Rainer Geißler sowie das Sinus-Milieu-Modell nach Berthold Bodo Flaig dargestellt und dessen Möglichkeiten und Grenzen beurteilt werden. Das rein ökonomisch begründete Klassenmodell nach Karl Marx (1818-1883), einem deutschen Philosophen, Ökonomen, Gesellschaftstheoretiker, Politiker sowie Protagonisten der Arbeiterbewegung, zielt auf die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Veränderungsmöglichkeiten ab. Das Modell wurde mit dem kommunistischen Manifest von Karl Marx aus dem Jahre 1848 zur Zeit der Industrialisierung, die mit einem Wandel der Arbeit und gleichzeitig auch einem Wandel der Gesellschaft einherging, eingeführt. Eine Klasse wird hierbei an gemeinsamen sozialen Merkmalen und vor allem an ihrem Verhältnis zu Produktionsmitteln definiert. Nach dem Marx'schen Klassenmodell gibt es zwei große sich gegenüberstehende Klassen: Die Bourgeoisie (die Kapitalisten) und das Proletariat (die Lohnarbeiter). Die Kapitalisten verfügen über Produktionsmittel, die Lohnarbeiter nicht. Während die Proletarier Mehrwert erarbeiten, eignen die Kapitalisten sich Mehrwert an. Die Kapitalisten nutzen die Arbeitsleistung der Arbeiterklasse aus;...

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die Lohnarbeiter erhalten nur einen derart geringen Lohn, durch den gerade ein Existenzminimum gewährt wird, und geraten so in wirtschaftliche Abhängigkeit von den Kapitalisten. Dadurch werde die Schere zwischen Arm und Reich immer größer, soziale Spannungen steigen und die Interessen der Kapitalisten würden durchgesetzt; die Bourgeoisie sei deshalb im Gegensatz zum Proletariat daran interessiert, die Verhältnisse zu wahren. Außerdem sei Arbeit die Grundlage des gesellschaftlichen Daseins und Zusammenlebens: Aus Marx' Paradigma ,,Das Sein bestimmt das Bewusstsein" geht hervor, dass sich das ,,Sein", also die gesamtgesellschaftliche wirtschaftliche Gegebenheit, auf die Lebensverhältnisse und -chancen eines jeden Individuums, also das „Bewusstsein“, auswirkt. Aus klassentypischen Lebensstilen, Mentalitäten und dem allgemeinen Weltbild bilde sich also ein Habitus (die kollektive Gewohnheit im Verhalten, Auftreten und in Denkmustern einer Klasse) heraus. Aufgrund der ökonomischen Macht der Bourgeoisie sei diese auch die politisch und gesellschaftlich herrschende Klasse, die das Proletariat unterdrücke und durch sein Privateigentum die Ursache der sozialen Ungleichheit definiere. Somit sei den Lohnarbeitern eine Selbstbestimmung nicht möglich und die Individuen würden entfremden. Durch dieses Klassenbewusstsein und die Interessengegensätze entstehe ein Klassenkampf, in dem die Lohnarbeiter durch ihre Übermacht siegen würden, es zur Vergesellschaftung privater Produktionsmittel zum Wohle der gesamten Gesellschaft komme und sich damit schließlich das Gesellschaftsmodell des Sozialismus etabliert hätte. Das Klassenmodell nach Karl Marx bot damals die Möglichkeit, Machtunterschiede und Benachteiligungen im aufkommenden Kapitalismus zu erkennen und weist auf die soziale Ungerechtigkeit hin. Allerdings werden nur zwei Klassen dargestellt, das heißt, Kleinbürger werden beispielsweise nicht berücksichtigt. Zudem kann das Gesellschaftsmodell als ein Appell an das Proletariat, gewaltsam die Macht über die Bourgeoisie zu ergreifen, verstanden werden. Ein Aktualitätsbezug des Klassenmodells ist zum Beispiel an der Globalisierung festzustellen; durch diese wird die Disparität zwischen Arm und Reich immer größer wie auch zu der Zeit von Karl Marx. In Afrika werden beispielsweise Bodenschätze von weltweit einflussreichen Unternehmen (Global-Player) „ausgebeutet“, die daraus Profit schlagen und somit finanziell und gesellschaftlich noch stärker werden. Auch nach Marx ist die wirtschaftlich herrschende Klasse gleichzeitig die gesellschaftlich herrschende Klasse. Auch sagte Marx die Globalisierung bereits in seinem Manifest vorher. Allerdings sind Marx' Prognosen zu dem Kommunismus als Folge des Zusammenbruchs des Kapitalismus nicht eingetreten; einerseits weil sich eine Mittelschicht gebildet hat und zum anderen wegen weitreichender Zugeständnisse an breite, wirtschaftlich benachteiligte Bevölkerungsgruppen durch zum Beispiel den Stinnes-Legien-Pakt im Jahre 1918 oder aktueller durch die Einführung des Mindestlohns, auch wenn dieses Gesetz mitunter unzureichend eingehalten wird. Nach den Untersuchungen Ralf Dahrendorfs (Dahrendorf (1929-2009), einem deutsch- britischen Soziologen und Politiker, die ihm zu seinem Schichtmodell, dem ,,Dahrendorfhäusschen“, führten, ist die Gesellschaft an dem Bevölkerungsanteil orientiert in sieben vertikale Schichten eingeteilt. Dazu gehören die Elite (1%), die Dienstklasse (12%), der Mittelstand (20%), der „falsche Mittelstand“ (12%), die Arbeiterelite (5%), die Arbeiterschicht (45%) und die Unterschicht (5%). Diese Schichten werden nach ihrer Funktion im Wirtschafts- und Gesellschaftssystem gegliedert. Der Beruf, das Einkommen und das gesellschaftliche Ansehen nehmen somit eine ausschlaggebende Rolle in diesem Modell ein. Zwischen den einzelnen Schichten gibt es Unterschiede in der soziokulturellen Mentalität, die aus der unterschiedlichen sozialen Stellung resultieren. Rainer Geißler (*1939), ein Professor für Soziologie, modernisierte das Hausmodell von Ralf Dahrendorf im Jahre 2009 mit einer deutlich detaillierteren Einteilung der Schichten und einem zusätzlichen Bereich für ausländische Bürger. Des Weiteren sind nach Rainer Geißler aufgrund zunehmender sozialer Mobilität alle Schichten veränderbar und nicht strikt getrennt; jeder habe heutzutage also die Chance, sozial auf- aber auch abzusteigen. Wie auch bei dem Klassenmodell bilde sich sowohl bei dem „Dahrendorfhäusschen“, als auch bei der Abwandlung von Geißler aus schichttypischen Verhaltensweisen ein Habitus heraus. Dieser ist wegen der unschärferen Trennung der gesellschaftlichen Gruppen in Geißlers Modell allerdings erheblich weniger stark differenziert. Auch im Schichtmodell nach Dahrendorf und Geißler sind gesellschaftliche Strukturen und Entwicklungen zu erkennen. Jedoch sind die Gesellschaftsmodelle stark vereinfachend und die Vielfalt in Lebensstilen und Subkulturen wird nicht beachtet. Das Sinus-Milieu-Modell nach Berthold Bodo Flaig (*1948) ist als eine Gesellschafts- und Zielgruppentypologie für mehr als 40 Länder zu verstehen, die in den 1980er-Jahren von dem unabhängigen Markt- und Sozialforschungsinstitut Sinus entwickelt wurde. Hierbei werden die Menschen nach ihrer Angehörigkeit zur Unter-, Mittel- oder Oberschicht, ihrer Grundorientierung bezüglich Traditionen, Modernisierung, Individualisierung und Neuorientierung und nach allgemeinen grundlegenden Wertvorstellungen und Alltagseinstellungen in Gruppen eingeteilt: Sozial gehobene Milieus/gesellschaftliche Leitmilieus, Milieus der Mitte und Milieus der unteren Schicht/Unterschicht. Sinus-Milieus sind also Gruppen Gleichgesinnter, die ihr Leben auf eine ähnliche Weise führen. Das Sinus- Milieu-Modell wird vom Sinus-Institut kontinuierlich an jeweilige gesellschaftliche Veränderungen und Strömungen angepasst und präzisiert. Wie auch bei dem Schichtmodell nach Geißler gibt es fließende Übergänge, Überschneidungen und Zwischenformen. Da die Mentalität von Menschen nicht objektiv messbar ist, soll durch iterative statistische Befragungen der Bevölkerung vor allem zur Lebensweise und –auffassung, aber ebenfalls zu sozialdemografischen Segmenten wie Alter, Bildung, Geschlecht, Einkommen etc. die Klassifizierung der Gesellschaftsmitglieder innerhalb des Sinus-Milieus-Modells eruiert werden. Das Sinus-Milieu-Modell dient zur Sozialstrukturanalyse und kann in jeder Branche angewendet werden, zum Beispiel von Ministerien, Gewerkschaften, Industrieunternehmen, Kirchen, politischen Verbänden und vor allem aber von Dienstleistungsunternehmen, da es gerade für diese immer wichtiger wird, ihre Kunden- und Käufergruppen zu verstehen und zu unterscheiden. Diese Gesellschafts- und Zielgruppentypologie wird somit in strategisches Marketing, die Aufspürung von Marktnischen, Media-Auswertung, akademische Forschung, eine effiziente bestmögliche Ansprache und Kommunikation mit potenziellen Käufern und Produktentwicklung und allgemein zu einer differenzierten Zielgruppendefinition mit einbezogen. Es ist allerdings zu bezweifeln, dass der heterogenen Gesellschaft mit dem Sinus-Milieu- Modell vollständig Rechnung getragen wird; die Gesellschaftsmitglieder werden nur anhand eines Milieu-Indikators in Sinus-Milieus eingeteilt. Die individuellen Persönlichkeiten sind hierfür nicht relevant, sondern ausschließlich kollektive milieutypische Verhaltens- und Denkweisen. Außerdem wird soziale Ungleichheit als Faktor ignoriert und somit sind zum Beispiel Migranten, in Armut lebende Menschen oder weitere benachteiligte Gesellschaftsgruppen nicht differenzierbar. Zusammenfassend ist festzustellen, dass mit jedem der drei Modelle mindestens grundlegende Strukturen der Gesellschaft aufgezeigt werden können. Die Sinus-Milieus setzen sich aus empirischen Befunden zusammen und Wertorientierungen und Subkulturen werden ebenfalls berücksichtigt; das Abbild der Gesellschaft beruht also nicht nur auf einer vereinfachenden Vorstellung wie beispielsweise der des Marx'schen Klassenmodells. Außerdem wird das Gesellschaftsmodell laufend aktualisiert und auch ein internationaler Vergleich von Sozialstrukturen und Zielgruppen ist möglich. Weil das Sinus-Milieu-Modell praxisnah und vor allem zeitgemäß ist, ist es sinnvoller auf die heutige Zeit zu übertragen als das Klassenmodell nach Karl Marx oder das Schichtmodell nach Ralf Dahrendorf. Keines der vorgestellten Gesellschaftsmodelle kann jedoch einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Vollständigkeit erheben. Nr. 2: Aufgrund des Wunsches, traditionelle Systeme zu ändern und neue Erfahrungen zu sammeln, des Merkmals der globalen Mobilität, der Kreativität und des Individualismus würde ich mich persönlich in das expeditive Sinus-Milieu einordnen. Aber auch das adaptiv- pragmatische Milieu könnte auf mich zu treffen wegen der Eigenschaft der Weltoffenheit, des jungen Alters und des Wunsches nach Spaß und Unterhaltung. Wie aus der ersten Aufgabe hervorgeht, sind die einzelnen Milieus trotzdem nicht homogen; die einzelnen Gesellschafts-/ Milieumitglieder weisen individuelle Persönlichkeiten und Charaktereigenschaften auf.

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So ein schöner Lernzettel 😍😍 super nützlich und hilfreich!

die drei gesellschaftsmodelle nach Karl marx, Ralf dahrendorf und Rainer Geißler sowie Berthold Bodo Flaig werden in Form eines Textes differenziert dargestellt

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,,Drei Modelle zur Beschreibung von Gesellschaften - welches soll/muss es sein?" Nr. 1: Gesellschaftsmodelle dienen zur Charakterisierung der jeweiligen aktuellen Gesellschaft unter Berücksichtigung sozialer Beziehungen und typischen Handlungs-, Wahrnehmungs- und Denkmustern. Im Laufe der Zeit wurden und werden fortlaufend neue Modelle hierzu aufgestellt oder bereits Bestehende aktualisiert und dementsprechend angepasst. Nun stellt sich die Frage, welches Gesellschaftsmodell zur Beschreibung unserer heutigen Gesellschaft am besten geeignet ist. Im Folgenden sollen das Klassenmodell nach Karl Marx, das Schichtmodell nach Ralf Dahrendorf und Rainer Geißler sowie das Sinus-Milieu-Modell nach Berthold Bodo Flaig dargestellt und dessen Möglichkeiten und Grenzen beurteilt werden. Das rein ökonomisch begründete Klassenmodell nach Karl Marx (1818-1883), einem deutschen Philosophen, Ökonomen, Gesellschaftstheoretiker, Politiker sowie Protagonisten der Arbeiterbewegung, zielt auf die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Veränderungsmöglichkeiten ab. Das Modell wurde mit dem kommunistischen Manifest von Karl Marx aus dem Jahre 1848 zur Zeit der Industrialisierung, die mit einem Wandel der Arbeit und gleichzeitig auch einem Wandel der Gesellschaft einherging, eingeführt. Eine Klasse wird hierbei an gemeinsamen sozialen Merkmalen und vor allem an ihrem Verhältnis zu Produktionsmitteln definiert. Nach dem Marx'schen Klassenmodell gibt es zwei große sich gegenüberstehende Klassen: Die Bourgeoisie (die Kapitalisten) und das Proletariat (die Lohnarbeiter). Die Kapitalisten verfügen über Produktionsmittel, die Lohnarbeiter nicht. Während die Proletarier Mehrwert erarbeiten, eignen die Kapitalisten sich Mehrwert an. Die Kapitalisten nutzen die Arbeitsleistung der Arbeiterklasse aus;...

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die Lohnarbeiter erhalten nur einen derart geringen Lohn, durch den gerade ein Existenzminimum gewährt wird, und geraten so in wirtschaftliche Abhängigkeit von den Kapitalisten. Dadurch werde die Schere zwischen Arm und Reich immer größer, soziale Spannungen steigen und die Interessen der Kapitalisten würden durchgesetzt; die Bourgeoisie sei deshalb im Gegensatz zum Proletariat daran interessiert, die Verhältnisse zu wahren. Außerdem sei Arbeit die Grundlage des gesellschaftlichen Daseins und Zusammenlebens: Aus Marx' Paradigma ,,Das Sein bestimmt das Bewusstsein" geht hervor, dass sich das ,,Sein", also die gesamtgesellschaftliche wirtschaftliche Gegebenheit, auf die Lebensverhältnisse und -chancen eines jeden Individuums, also das „Bewusstsein“, auswirkt. Aus klassentypischen Lebensstilen, Mentalitäten und dem allgemeinen Weltbild bilde sich also ein Habitus (die kollektive Gewohnheit im Verhalten, Auftreten und in Denkmustern einer Klasse) heraus. Aufgrund der ökonomischen Macht der Bourgeoisie sei diese auch die politisch und gesellschaftlich herrschende Klasse, die das Proletariat unterdrücke und durch sein Privateigentum die Ursache der sozialen Ungleichheit definiere. Somit sei den Lohnarbeitern eine Selbstbestimmung nicht möglich und die Individuen würden entfremden. Durch dieses Klassenbewusstsein und die Interessengegensätze entstehe ein Klassenkampf, in dem die Lohnarbeiter durch ihre Übermacht siegen würden, es zur Vergesellschaftung privater Produktionsmittel zum Wohle der gesamten Gesellschaft komme und sich damit schließlich das Gesellschaftsmodell des Sozialismus etabliert hätte. Das Klassenmodell nach Karl Marx bot damals die Möglichkeit, Machtunterschiede und Benachteiligungen im aufkommenden Kapitalismus zu erkennen und weist auf die soziale Ungerechtigkeit hin. Allerdings werden nur zwei Klassen dargestellt, das heißt, Kleinbürger werden beispielsweise nicht berücksichtigt. Zudem kann das Gesellschaftsmodell als ein Appell an das Proletariat, gewaltsam die Macht über die Bourgeoisie zu ergreifen, verstanden werden. Ein Aktualitätsbezug des Klassenmodells ist zum Beispiel an der Globalisierung festzustellen; durch diese wird die Disparität zwischen Arm und Reich immer größer wie auch zu der Zeit von Karl Marx. In Afrika werden beispielsweise Bodenschätze von weltweit einflussreichen Unternehmen (Global-Player) „ausgebeutet“, die daraus Profit schlagen und somit finanziell und gesellschaftlich noch stärker werden. Auch nach Marx ist die wirtschaftlich herrschende Klasse gleichzeitig die gesellschaftlich herrschende Klasse. Auch sagte Marx die Globalisierung bereits in seinem Manifest vorher. Allerdings sind Marx' Prognosen zu dem Kommunismus als Folge des Zusammenbruchs des Kapitalismus nicht eingetreten; einerseits weil sich eine Mittelschicht gebildet hat und zum anderen wegen weitreichender Zugeständnisse an breite, wirtschaftlich benachteiligte Bevölkerungsgruppen durch zum Beispiel den Stinnes-Legien-Pakt im Jahre 1918 oder aktueller durch die Einführung des Mindestlohns, auch wenn dieses Gesetz mitunter unzureichend eingehalten wird. Nach den Untersuchungen Ralf Dahrendorfs (Dahrendorf (1929-2009), einem deutsch- britischen Soziologen und Politiker, die ihm zu seinem Schichtmodell, dem ,,Dahrendorfhäusschen“, führten, ist die Gesellschaft an dem Bevölkerungsanteil orientiert in sieben vertikale Schichten eingeteilt. Dazu gehören die Elite (1%), die Dienstklasse (12%), der Mittelstand (20%), der „falsche Mittelstand“ (12%), die Arbeiterelite (5%), die Arbeiterschicht (45%) und die Unterschicht (5%). Diese Schichten werden nach ihrer Funktion im Wirtschafts- und Gesellschaftssystem gegliedert. Der Beruf, das Einkommen und das gesellschaftliche Ansehen nehmen somit eine ausschlaggebende Rolle in diesem Modell ein. Zwischen den einzelnen Schichten gibt es Unterschiede in der soziokulturellen Mentalität, die aus der unterschiedlichen sozialen Stellung resultieren. Rainer Geißler (*1939), ein Professor für Soziologie, modernisierte das Hausmodell von Ralf Dahrendorf im Jahre 2009 mit einer deutlich detaillierteren Einteilung der Schichten und einem zusätzlichen Bereich für ausländische Bürger. Des Weiteren sind nach Rainer Geißler aufgrund zunehmender sozialer Mobilität alle Schichten veränderbar und nicht strikt getrennt; jeder habe heutzutage also die Chance, sozial auf- aber auch abzusteigen. Wie auch bei dem Klassenmodell bilde sich sowohl bei dem „Dahrendorfhäusschen“, als auch bei der Abwandlung von Geißler aus schichttypischen Verhaltensweisen ein Habitus heraus. Dieser ist wegen der unschärferen Trennung der gesellschaftlichen Gruppen in Geißlers Modell allerdings erheblich weniger stark differenziert. Auch im Schichtmodell nach Dahrendorf und Geißler sind gesellschaftliche Strukturen und Entwicklungen zu erkennen. Jedoch sind die Gesellschaftsmodelle stark vereinfachend und die Vielfalt in Lebensstilen und Subkulturen wird nicht beachtet. Das Sinus-Milieu-Modell nach Berthold Bodo Flaig (*1948) ist als eine Gesellschafts- und Zielgruppentypologie für mehr als 40 Länder zu verstehen, die in den 1980er-Jahren von dem unabhängigen Markt- und Sozialforschungsinstitut Sinus entwickelt wurde. Hierbei werden die Menschen nach ihrer Angehörigkeit zur Unter-, Mittel- oder Oberschicht, ihrer Grundorientierung bezüglich Traditionen, Modernisierung, Individualisierung und Neuorientierung und nach allgemeinen grundlegenden Wertvorstellungen und Alltagseinstellungen in Gruppen eingeteilt: Sozial gehobene Milieus/gesellschaftliche Leitmilieus, Milieus der Mitte und Milieus der unteren Schicht/Unterschicht. Sinus-Milieus sind also Gruppen Gleichgesinnter, die ihr Leben auf eine ähnliche Weise führen. Das Sinus- Milieu-Modell wird vom Sinus-Institut kontinuierlich an jeweilige gesellschaftliche Veränderungen und Strömungen angepasst und präzisiert. Wie auch bei dem Schichtmodell nach Geißler gibt es fließende Übergänge, Überschneidungen und Zwischenformen. Da die Mentalität von Menschen nicht objektiv messbar ist, soll durch iterative statistische Befragungen der Bevölkerung vor allem zur Lebensweise und –auffassung, aber ebenfalls zu sozialdemografischen Segmenten wie Alter, Bildung, Geschlecht, Einkommen etc. die Klassifizierung der Gesellschaftsmitglieder innerhalb des Sinus-Milieus-Modells eruiert werden. Das Sinus-Milieu-Modell dient zur Sozialstrukturanalyse und kann in jeder Branche angewendet werden, zum Beispiel von Ministerien, Gewerkschaften, Industrieunternehmen, Kirchen, politischen Verbänden und vor allem aber von Dienstleistungsunternehmen, da es gerade für diese immer wichtiger wird, ihre Kunden- und Käufergruppen zu verstehen und zu unterscheiden. Diese Gesellschafts- und Zielgruppentypologie wird somit in strategisches Marketing, die Aufspürung von Marktnischen, Media-Auswertung, akademische Forschung, eine effiziente bestmögliche Ansprache und Kommunikation mit potenziellen Käufern und Produktentwicklung und allgemein zu einer differenzierten Zielgruppendefinition mit einbezogen. Es ist allerdings zu bezweifeln, dass der heterogenen Gesellschaft mit dem Sinus-Milieu- Modell vollständig Rechnung getragen wird; die Gesellschaftsmitglieder werden nur anhand eines Milieu-Indikators in Sinus-Milieus eingeteilt. Die individuellen Persönlichkeiten sind hierfür nicht relevant, sondern ausschließlich kollektive milieutypische Verhaltens- und Denkweisen. Außerdem wird soziale Ungleichheit als Faktor ignoriert und somit sind zum Beispiel Migranten, in Armut lebende Menschen oder weitere benachteiligte Gesellschaftsgruppen nicht differenzierbar. Zusammenfassend ist festzustellen, dass mit jedem der drei Modelle mindestens grundlegende Strukturen der Gesellschaft aufgezeigt werden können. Die Sinus-Milieus setzen sich aus empirischen Befunden zusammen und Wertorientierungen und Subkulturen werden ebenfalls berücksichtigt; das Abbild der Gesellschaft beruht also nicht nur auf einer vereinfachenden Vorstellung wie beispielsweise der des Marx'schen Klassenmodells. Außerdem wird das Gesellschaftsmodell laufend aktualisiert und auch ein internationaler Vergleich von Sozialstrukturen und Zielgruppen ist möglich. Weil das Sinus-Milieu-Modell praxisnah und vor allem zeitgemäß ist, ist es sinnvoller auf die heutige Zeit zu übertragen als das Klassenmodell nach Karl Marx oder das Schichtmodell nach Ralf Dahrendorf. Keines der vorgestellten Gesellschaftsmodelle kann jedoch einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Vollständigkeit erheben. Nr. 2: Aufgrund des Wunsches, traditionelle Systeme zu ändern und neue Erfahrungen zu sammeln, des Merkmals der globalen Mobilität, der Kreativität und des Individualismus würde ich mich persönlich in das expeditive Sinus-Milieu einordnen. Aber auch das adaptiv- pragmatische Milieu könnte auf mich zu treffen wegen der Eigenschaft der Weltoffenheit, des jungen Alters und des Wunsches nach Spaß und Unterhaltung. Wie aus der ersten Aufgabe hervorgeht, sind die einzelnen Milieus trotzdem nicht homogen; die einzelnen Gesellschafts-/ Milieumitglieder weisen individuelle Persönlichkeiten und Charaktereigenschaften auf.