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Dramenszenenanalyse Woyzeck

Dramenszenenanalyse Woyzeck

 Das vorliegende Dramenfragment ,,Woyzeck", welches 1836 von Georg Büchner verfasst worden
ist und epochengemäß dem Vormärz zuzuordnen ist,

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- Analyse der Szene 5 aus "Woyzeck" von Georg Büchner

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Das vorliegende Dramenfragment ,,Woyzeck", welches 1836 von Georg Büchner verfasst worden ist und epochengemäß dem Vormärz zuzuordnen ist, thematisiert den schizophren werdenden Protagonisten Woyzeck, der aufgrund seines bescheidenes Leben von anderen gedemütigt wird, und letztendlich aus Eifersuchtsmotiven seine Geliebte umbringt. Bei der zu analysierenden Szene 5 „Der Hauptmann. Woyzeck" handelt es sich um einen Dialog zwischen Woyzeck und seinem Vorgesetzten, dem Hauptmann, während Woyzeck diesen rasiert. Die Gesprächsthemen beschränken sich auf die Ewigkeit, Moral und Tugend. Dass Woyzeck dem Hauptmann unterwürfig ist, wird im Folgenden die Deutungshypothese sein. Zu Beginn des Dialoges der beiden Figuren weist der Hauptmann auf Woyzecks schnelles Arbeitstempo hin, das er als unangenehm empfindet, da er nicht weiß, was er mit zehn zusätzlichen Minuten anfangen solle. Im Folgenden philosophiert er über die Ewigkeit, die ihm Angst mache. Nachdem der Hauptmann Woyzeck demütigt, indem er ihn auf seine fehlende Moral hinweist und Woyzecks uneheliches Kind anspricht, widerspricht Woyzeck ihm, indem er Gottes Barmherzigkeit unterstreicht. Woyzeck schildert das Leben armer Leute, woraufhin sein Gesprächspartner seine fehlende Tugend thematisiert. Woyzeck erläutert seine Wünsche nach Hut, Uhr, anglaise und Tugend. Das Gespräch endet mit der Aussage des Hauptmannes, dass Woyzeck ein guter Mensch sei, der zu viel denkt. Stark auffällig ist der Redeanteil der beiden Figuren innerhalb des Dialoges. Während der Hauptmann viel sagt, antwortet Woyzeck lediglich...

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mit „Jawohl, Herr Hauptmann“ (S. 12, Z. 30). Seine kurzen Antworten sollen Zustimmung ausdrücken und spiegeln seine unterwürfige Rolle wider. Des Weiteren reflektieren sie den Gehorsam und Drill, dem er als einfacher Soldat unterliegt. Es zeigt, dass Woyzeck seine dienende Position und Unterwürfigkeit stark verinnerlicht hat. Diese somit schon zu Anfang herrschende Diskrepanz zwischen Hauptmann und Woyzeck wird durch die monologähnlichen Gesprächsanteile des Hauptmanns deutlich. Er beklagt sich fortführend über Woyzecks Gehetztheit, ohne in Betracht zu ziehen, dass dies an Woyzecks zahlreichen Nebentätigkeiten, denen er nachkommen muss um genügend Geld zu verdienen, liegt. So fordert er Woyzeck zweimal zu langsameren Arbeiten auf (vgl. S. 12, Z. 22). Der Hauptmann weiß nichts mit seiner Zeit anzufangen und ist mit zehn zusätzlich freien Minuten, die ihn ganz schwindlig machen, überfordert (vgl. S. 12, Z. 23f). Das Leben des Hauptmannes besteht somit aus einzig großer Langeweile. Dass Woyzeck sich die Zeit einteilen solle und er nicht weiß, was er mit der ungeheuren Zeit anfangen soll (vgl. S. 12, Z. 27 ff), zeigt die Absurdität des Ganzen. Obwohl dies nicht Woyzecks Situation entspricht, widerspricht er dem Hauptmann nicht, auch weil er es nicht darf. Der Hauptmann philosophiert auf dümmliche Art und Weise über die Ewigkeit. Sie mache ihm Angst und er sieht einen Ausweg in der Beschäftigung, was nochmals sein mangelndes Wissen über seine Mitmenschen zeigt. Tautologisch definiert er Ewigkeit mit der Aussage „[e]wig, das ist ewig, das ist ewig“ (S. 12, Z. 33). Seine leeren Worte zeigen, dass er doch selbst keine Ahnung hat und sich nur wichtigmacht, um seine gesellschaftliche Überlegenheit zu demonstrieren. Für den Hauptmann ist das „gute, alte Leben" die Vollkommenheit, denn er spiegelt ein privilegiertes Leben wider, in das er hineingeboren wurde und plötzliche Änderungen würden dieses gefährden. Mögliche Ängste oder Unzufriedenheit projiziert er auf Woyzeck, indem er ihn als nicht guten Menschen mit schlechtem Gewissen bezeichnet (vgl. S. 13, Z. 8ff). Der Hauptmann führt Woyzecks angebliches schlechtes Gewissen auf sein gehetztes Wesen zurück (vgl. S. 13, Z. 7). Auf die Frage, wie das Wetter heute sei, antwortet Woyzeck „schlimm, Herr Hauptmann, schlimm; Wind" (S. 13, Z. 12). Woyzecks elliptischer Satzbau zeigt seine Unterwürfigkeit als dienende Person, weil er kurz und knapp mit respektvollen Formulierungen wie ,,Herr Hauptmann“ antwortet. Um Woyzeck weiter zu erniedrigen, sagt der Hauptmann pfiffig, etwas käme aus Süd-Nord (vgl. S. 13, Z. 15), woraufhin Woyzeck unterwürfig wie immer mit ,,Jawohl, Herr Hauptmann“ (S. 13, Z. 16) antwortet. Der Hauptmann lacht ihn aus und bezeichnet ihn als „dumm, ganz abscheulich dumm“ (S. 13, Z. 17f). Gleichzeitig bezeichnet er ihn als guten Menschen (vgl. S. 13, Z. 18). Trotzdem erniedrigt und demütigt er Woyzeck weiter, indem er ihn auf seine fehlende Moral verweist (vgl. S. 13, Z. 20). Seine Überheblichkeit findet sich in seinen sinnfreien Erklärungen wider. Die Tautologie „Moral, das ist, wenn man moralisch ist“ (S. 13, Z. 20f) zeigt, dass der Hauptmann auch von Moral keine Ahnung hat und nicht fähig ist, diese adäquat zu definieren. Er versucht Woyzecks Wesen weiter zu erniedrigen und begründet Woyzecks amoralisches Verhalten mit seinem unehelichen Kind, dem der kirchliche Segen fehle (vgl. S. 13, Z. 22ff). Woyzeck antwortet sinnscharf und verteidigt sich durch das Zitieren der Bibel ,,Lasset die Kindlein zu mir kommen" (S. 13, Z. 27f.). Das erste Mal verteidigt er sich, da der Hauptmann nicht nur Woyzeck niedermacht, sondern auch seinen Sohn. Der Hauptmann, der mit einer solchen Reaktion nicht rechnet, zeigt sich verständnislos. Er geht nicht im Entferntesten auf ihn ein und ist schlichtweg mit Woyzecks Schlagfertigkeit überfordert, was durch seine Worte ,,Was sagt Er da? Was ist das für 'ne kuriose Antwort? Er macht mich ganz konfus mit seiner Antwort" (S. 13, Z. 29ff) deutlich wird. Obwohl der Hauptmann nicht auf Woyzeck eingeht, führt Woyzeck seinen Punkt weiter aus. Woyzeck erkennt seine ausweglose Situation und begründet sein Verhalten mit armen Verhältnissen und fehlendem Geld (vgl. S. 13, Z. 32f). Diese Ausweglosigkeit bringt er bildlich mit der Metapher „wenn wir in Himmel kämen, so müssten wir donnern helfen." (S. 14, Z. 3f) zum Ausdruck. Sie beschreibt, dass die Armen ewig dienen und zeigt, dass Woyzeck diese Benachteiligung erkennt. Des Weiteren verteidigt Woyzeck seine Taten mit den Worten, man hätte auch „sein Fleisch und Blut" (S. 14, Z. 1f). Er impliziert damit, dass besonders die armen Menschen von natürlichen Trieben geleitet sind, sodass mitunter ein uneheliches Kind gezeugt wird. Der Hauptmann erniedrigt Woyzeck weiter mit der Aussage, er hätte keine Tugend (vgl. S. 14, Z. 5). Er grenzet sich von ihm ab. Dies wird besonders deutlich, da er sich selbst für einen tugendhaften und guten Menschen hält und dabei sehr gerührt von sich selbst scheint (vgl. S. 14, Z. 12f). Woyzeck entgegnet ihm mit einer Argumentation, die auf der Natur der armen Menschen basiert (vgl. S. 14, Z. 15f). Er äußert seine Wünsche, die gesellschaftliche Anerkennung implizieren, wie zum Beispiel dass er gerne Herr mit Hut, Uhr und anglaise wäre (vgl. S. 14, Z. 16f). Woyzeck sehnt sich nach Vornehmheit und Tugendhaftigkeit (vgl. S. 14, Z. 18f), aber die äußeren Umstände verwehren ihm dies, was er durch die Aussage „Aber ich bin ein armer Kerl“ (S. 14, Z. 20) zum Ausdruck bringt. Somit ist für Woyzeck die Natur der Armen ausschlaggebendes Handlungsmotiv und Tugend und Moral stehen unmittelbar im Zusammenhang mit der finanziellen Lage der einzelnen Menschen. Ob der Hauptmann Woyzeck versteht, bleibt offen, denn er geht nicht auf ihn ein und sagt stattdessen, er sei ein guter Mensch (vgl. S. 14, Z. 21f). Das Gespräch endet mit der Aussage des Hauptmannes, Woyzeck solle nicht so rennen und stattdessen sich im langsamen Gang fortbewegen (vgl. S. 14, Z. 24f). Auffällig ist, dass der Hauptmann durch seinen Stand zwar gebildet sein müsste, er aber nur leere Worte von sich gibt und im Allgemeinen geistig oberflächlich wirkt. Er wiederholt oft seine Aussagen, als wolle er ihnen mehr Gewichtung schenken. Woyzeck hingegen hat Probleme sich zu artikulieren, obwohl sein Inhalt tiefgründig und durchdacht ist. Sein Satzbau ist elliptisch, kurz und mitoft falscher Grammatik aufgebaut. Um seine Gedanken besser auszudrücken, benutzt er sprachliche Bilder und Bibelzitate. Der Redeanteil des Hauptmannes ist wesentlich größer und seine Ausdrucksweise klingt vornehm und gebildet, auch wenn er selbst nicht genau weiß, wovon er gerade redet. Auffällig ist, dass er Woyzeck kaum beachtet und der Dialog von seiner Seite aus wie ein Selbstgespräch wirkt. Er spricht Woyzeck stets in der dritten Person an, was distanzierend ist und eine hierarchische Ordnung widerspiegelt. Die anfangs aufgestellte Deutungshypothese ist zu bestätigen. Woyzeck ist dem Hauptmann unterwürfig und zeigt dies auch in seiner Formulierungsweise und seinem Redeanteil. Der Hauptmann hält sich für überlegen und demütigt Woyzeck demonstrativ.

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Dass Woyzeck sich die Zeit einteilen solle und er nicht weiß, was er mit der ungeheuren Zeit anfangen soll (vgl. S. 12, Z. 27 ff), zeigt die Absurdität des Ganzen. Obwohl dies nicht Woyzecks Situation entspricht, widerspricht er dem Hauptmann nicht, auch weil er es nicht darf. Der Hauptmann philosophiert auf dümmliche Art und Weise über die Ewigkeit. Sie mache ihm Angst und er sieht einen Ausweg in der Beschäftigung, was nochmals sein mangelndes Wissen über seine Mitmenschen zeigt. Tautologisch definiert er Ewigkeit mit der Aussage „[e]wig, das ist ewig, das ist ewig“ (S. 12, Z. 33). Seine leeren Worte zeigen, dass er doch selbst keine Ahnung hat und sich nur wichtigmacht, um seine gesellschaftliche Überlegenheit zu demonstrieren. Für den Hauptmann ist das „gute, alte Leben" die Vollkommenheit, denn er spiegelt ein privilegiertes Leben wider, in das er hineingeboren wurde und plötzliche Änderungen würden dieses gefährden. Mögliche Ängste oder Unzufriedenheit projiziert er auf Woyzeck, indem er ihn als nicht guten Menschen mit schlechtem Gewissen bezeichnet (vgl. S. 13, Z. 8ff). Der Hauptmann führt Woyzecks angebliches schlechtes Gewissen auf sein gehetztes Wesen zurück (vgl. S. 13, Z. 7). Auf die Frage, wie das Wetter heute sei, antwortet Woyzeck „schlimm, Herr Hauptmann, schlimm; Wind" (S. 13, Z. 12). Woyzecks elliptischer Satzbau zeigt seine Unterwürfigkeit als dienende Person, weil er kurz und knapp mit respektvollen Formulierungen wie ,,Herr Hauptmann“ antwortet. Um Woyzeck weiter zu erniedrigen, sagt der Hauptmann pfiffig, etwas käme aus Süd-Nord (vgl. S. 13, Z. 15), woraufhin Woyzeck unterwürfig wie immer mit ,,Jawohl, Herr Hauptmann“ (S. 13, Z. 16) antwortet. Der Hauptmann lacht ihn aus und bezeichnet ihn als „dumm, ganz abscheulich dumm“ (S. 13, Z. 17f). Gleichzeitig bezeichnet er ihn als guten Menschen (vgl. S. 13, Z. 18). Trotzdem erniedrigt und demütigt er Woyzeck weiter, indem er ihn auf seine fehlende Moral verweist (vgl. S. 13, Z. 20). Seine Überheblichkeit findet sich in seinen sinnfreien Erklärungen wider. Die Tautologie „Moral, das ist, wenn man moralisch ist“ (S. 13, Z. 20f) zeigt, dass der Hauptmann auch von Moral keine Ahnung hat und nicht fähig ist, diese adäquat zu definieren. Er versucht Woyzecks Wesen weiter zu erniedrigen und begründet Woyzecks amoralisches Verhalten mit seinem unehelichen Kind, dem der kirchliche Segen fehle (vgl. S. 13, Z. 22ff). Woyzeck antwortet sinnscharf und verteidigt sich durch das Zitieren der Bibel ,,Lasset die Kindlein zu mir kommen" (S. 13, Z. 27f.). Das erste Mal verteidigt er sich, da der Hauptmann nicht nur Woyzeck niedermacht, sondern auch seinen Sohn. Der Hauptmann, der mit einer solchen Reaktion nicht rechnet, zeigt sich verständnislos. Er geht nicht im Entferntesten auf ihn ein und ist schlichtweg mit Woyzecks Schlagfertigkeit überfordert, was durch seine Worte ,,Was sagt Er da? Was ist das für 'ne kuriose Antwort? Er macht mich ganz konfus mit seiner Antwort" (S. 13, Z. 29ff) deutlich wird. Obwohl der Hauptmann nicht auf Woyzeck eingeht, führt Woyzeck seinen Punkt weiter aus. Woyzeck erkennt seine ausweglose Situation und begründet sein Verhalten mit armen Verhältnissen und fehlendem Geld (vgl. S. 13, Z. 32f). Diese Ausweglosigkeit bringt er bildlich mit der Metapher „wenn wir in Himmel kämen, so müssten wir donnern helfen." (S. 14, Z. 3f) zum Ausdruck. Sie beschreibt, dass die Armen ewig dienen und zeigt, dass Woyzeck diese Benachteiligung erkennt. Des Weiteren verteidigt Woyzeck seine Taten mit den Worten, man hätte auch „sein Fleisch und Blut" (S. 14, Z. 1f). Er impliziert damit, dass besonders die armen Menschen von natürlichen Trieben geleitet sind, sodass mitunter ein uneheliches Kind gezeugt wird. Der Hauptmann erniedrigt Woyzeck weiter mit der Aussage, er hätte keine Tugend (vgl. S. 14, Z. 5). Er grenzet sich von ihm ab. Dies wird besonders deutlich, da er sich selbst für einen tugendhaften und guten Menschen hält und dabei sehr gerührt von sich selbst scheint (vgl. S. 14, Z. 12f). Woyzeck entgegnet ihm mit einer Argumentation, die auf der Natur der armen Menschen basiert (vgl. S. 14, Z. 15f). Er äußert seine Wünsche, die gesellschaftliche Anerkennung implizieren, wie zum Beispiel dass er gerne Herr mit Hut, Uhr und anglaise wäre (vgl. S. 14, Z. 16f). Woyzeck sehnt sich nach Vornehmheit und Tugendhaftigkeit (vgl. S. 14, Z. 18f), aber die äußeren Umstände verwehren ihm dies, was er durch die Aussage „Aber ich bin ein armer Kerl“ (S. 14, Z. 20) zum Ausdruck bringt. Somit ist für Woyzeck die Natur der Armen ausschlaggebendes Handlungsmotiv und Tugend und Moral stehen unmittelbar im Zusammenhang mit der finanziellen Lage der einzelnen Menschen. Ob der Hauptmann Woyzeck versteht, bleibt offen, denn er geht nicht auf ihn ein und sagt stattdessen, er sei ein guter Mensch (vgl. S. 14, Z. 21f). Das Gespräch endet mit der Aussage des Hauptmannes, Woyzeck solle nicht so rennen und stattdessen sich im langsamen Gang fortbewegen (vgl. S. 14, Z. 24f). Auffällig ist, dass der Hauptmann durch seinen Stand zwar gebildet sein müsste, er aber nur leere Worte von sich gibt und im Allgemeinen geistig oberflächlich wirkt. Er wiederholt oft seine Aussagen, als wolle er ihnen mehr Gewichtung schenken. Woyzeck hingegen hat Probleme sich zu artikulieren, obwohl sein Inhalt tiefgründig und durchdacht ist. Sein Satzbau ist elliptisch, kurz und mitoft falscher Grammatik aufgebaut. Um seine Gedanken besser auszudrücken, benutzt er sprachliche Bilder und Bibelzitate. Der Redeanteil des Hauptmannes ist wesentlich größer und seine Ausdrucksweise klingt vornehm und gebildet, auch wenn er selbst nicht genau weiß, wovon er gerade redet. Auffällig ist, dass er Woyzeck kaum beachtet und der Dialog von seiner Seite aus wie ein Selbstgespräch wirkt. Er spricht Woyzeck stets in der dritten Person an, was distanzierend ist und eine hierarchische Ordnung widerspiegelt. Die anfangs aufgestellte Deutungshypothese ist zu bestätigen. Woyzeck ist dem Hauptmann unterwürfig und zeigt dies auch in seiner Formulierungsweise und seinem Redeanteil. Der Hauptmann hält sich für überlegen und demütigt Woyzeck demonstrativ.