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LK Q1 Klausur Nr. 1 Thema: Materialgestütztes Verfassen eines Textes mit fachspezifischem Bezug N Situation Das Landestheater hat an der n Theaterstück in plattdeutscher Sprache aufgeführt. Ausgehend von dieser Aufführung möchten unsere Schule nun den plattdeutschen Dialekt stärker berücksichtigen und schlägt daher verschiedene Maßnahmen zur Mundartpflege vor (AG, Projektkurs, Teilnahme an Wettbewerben, Dialekte im Deutsch- und Geschichtsunterricht etc.). Die Bo g hat das Thema aufgegriffen und in ihrem Lokalteil kritische darüber berichtet. Da auch an der JNG eine kontroverse Diskussion über das Thema entbrannt ist, haben Sie sich entschieden, einen Leserbrief an die Zeitung zu schicken, in dem Sie die Frage,,Mundartpflege in der Schule - ja oder nein?" erörtern und zu ihr aus Ihrer Sicht begründet Stellung nehmen. Sie wollen mit diesem Text zu einer fruchtbaren, fachlich fundierten Diskussion beitragen. Arbeitsauftrag Verfassen Sie auf der Grundlage der Materialien M1 bis M7 und Ihrer Kenntnisse aus dem Unterricht diesen Leserbrief, indem Sie das Thema und seine Bedeutung einführend darlegen, die Entwicklung der Dialekte in Deutschland darstellen und die Faktoren, die diese Entwicklung beeinflussen, erläutern, Argumente, die für und gegen eine stärkere Berücksichtigung des Dialekts in der Schule sprechen, darstellen und erläutern, zur Frage begründet Stellung nehmen. Schluss ■ Materialgrundlage M1 Dialekt: Lexikonartikel M2 Karl-Heinz Göttert: Alles außer Hochdeutsch M3 Statistik einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach M4 Mütter, Medien, Mobilität - Warum Dialekt sterben M5 Hans Kratzer: Dialekt macht schlau M6,,In...

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Deutschland sterben die Dialekte aus" (Interview) M7 Raphael Geiger: Dialekt an Schulen. Bloß nicht nach Niederbayern! Datum: 07.10.2020 Q1 LK Klausur Materialgestütztes Verfassen eines Textes mit fachspezifich Afer es romantisch ruh ew Wöl Ge elle es Aus kri iller Dämmerung, der Sch ergangener Jahrhunderte und Materialien M1 Dialekt: Lexikonartikel Sprachsystem [...], das (a) zu anderen Systemen ein hohes Maß an Ähnlichkeit aufweist, sodass eine - zu- mindest parzielle wechselseitige Verstehbarkeit möglich ist; (b) regional gebunden ist in dem Sinne, 5 dass die regionale Verbreitung dieses Systems nicht das Gebrauchsgebiet eines anderen Systems über- lappt; (e) keine Schriftlichkeit bzw. Standardisierung -Vergangenheit über die kränkelnd M2 Karl-Heinz Göttert: Alles außer Hochdeutsch [...] Wer Dialekt spricht, ist provinziell und ungebil- det: Dieses vernichtende Urteil galt bis in die 1960er Jahre. Dann machte sich die Globalisierung bemerk- bar und brachte den Berufsnomaden mit fließendem 5 Englisch und perfektem Hochdeutsch hervor. Das schien das endgültige Aus für den Dialekt. Aber es kam anders. Die Dialekte kehren zurück!" So las man seit den 1970er-Jahren immer wieder in den Feuilletons der gehobenen Presse. Spiegel und Zeit 10 stellten Globalisierung und Dialekt in einen direkten 1 bayern Zusammenhang, sahen im Dialekt förmlich eine Konterrevolution gegen Internationalisierung und Mobilität, Modernisierun und Medienherrschaft. Es war von sprachlicher „Nestwärme" angesichts von 15 ,,Nation-Hopping" die Rede. Der Dialekt erschien als gesprochene Heimat, als „Heimat auf der Zunge"....] Statt Ende also Wende? Einiges spricht dafür. Wer Moderatoren in Rundfunk und Fernsehen ,,aufs Maul schaut", erkennt leichte dialektale Färbungen, die frü- 20 her tabu waren. Man fürchtet sich mittlerweile offen- bar nicht mehr oder jedenfalls weniger vor dem regi- onalen Erkennungszeichen, das längst kein soziales mehr ist. Die Kommissare in den Fernsehkrimis bay- ern¹ sogar recht kräftig daher oder snacken nieder- 25 deutsch. Und oft sind es die Täter, die ein reines Hochdeutsch sprechen. Ja, ich spreche die Mundart hier aus der Gegend Nein = Gemeint ist das Bairische-Sprechen. M3 Statistik einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach Mundart aktiv FRAGE: "Können Sie die Mundart hier aus der Gegend sprechen?" FRAGE (falls 'Ja' oder 'Ein wenig"): "Und bei welchen Gelegenheiten sprechen Sie die Mundart hier aus der Gegend?" 27 48 25 Ein wenig Eigentlich Immer Im Freundes kreis Eigentlich nie im Sinne offiziell normierter orthografischer und grammatischer Regeln aufweist. [...] Die Bezeich- D. (als Fremdwort) wird in der Regel synonym 10 nung verwendet mit „Mundart". [...] Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 4., durchgesehene und bibliograpisch ergänzte Auflage unter Mitarbeit von Hartmut Lauffer. Stuttgart: Kröner 2008, S. 131 13 26 22 Famille 21 Bei der Arbeit rich Mag Hochdeutsch im Beruf Prestige verleihen, im Gespräch mit dem fremden Kunden oder dem auslän- dischen Geschäftspartner Seriosität signalisieren Wärme erzeugt es nicht, für Nähe sorgt eher der Dia- lekt. Und doch ist bei der Beurteilung Vorsicht geboten: Die Dialekte kehren nicht in der Form zu- rück, wie man sie aus wirklich alten Zeiten kennt, als die Schwaben die Rheinländer nicht verstanden und umgekehrt. „Rückkehr der Dialekte" meint nicht, dass die Hochsprache ihre alten Konkurrenten mit eigener Aussprache und speziellem Wortschatz zu- rückerhält. Diese Art von Dialekt befindet sich im Gegenteil heute in Schwierigkeiten. In Norddeutsch- 40land ist sein Rückgang dramatisch, im Süden eher. schleichend. Selbst in einer Region mit guter Dialekt- basis wie der Pfalz verliert einer Untersuchung des Jahres 1990 zufolge jede Generation neun Prozent des dialektalen Wortschatzes. Verhältnisse wie im 19. Sund auch noch frühen 20. Jahrhundert, als die meis- ten Menschen neben der Hochsprache für die Schrift einen Dialekt für den mündlichen Verkehr beherrsch- ten, sind endgültig Geschichte. Man kann, muss dies jedoch nicht bedauern. [...] Deutsche Bevölkerung ab 16 Jahre in Prozent QUELLE: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 10016, Februar 2008 Karl-Heinz Göttert: Alles außer Hochdeutsch. Ein Streifzug durch unsere Dialekte. Berlin: Ullstein 2011, S. 11 f. Rebekka Weniger Dialekt im Alltag Aussage: "Ich spreche eigentlich immer Dialekt/Mundart" ost 41 281 West Deutsche Bevölkerung in Prozent 36 130 33 124 1991 1998 2008 QUELLE: Allensbacher Archiv, IfD-Umfragen, zuletzt 10016, Februar 2008 Institut für Demoskopie Allensbach/Mundart aktiv: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 10016, Februar 2008 INSTITUT FÜR DEMOSKOPIE ALLENSBACH: Allensba- cher Kurzbericht „AUCH AUSSERHALB VON BAYERN WIRD BAYERISCH GERN GEHÖRT" Nr. 4/2008; www.ifd-allensbach.de/uploads/tx_reportsndocs/prd_0804. pdf (25.07.2018) M4 Mütter, Medien, Mobilität te aussterben Moin, Tach, Servus: In Deutschland begrüßen sich Menschen in den verschiedensten Dialekten. Doch viele Mundarten sterben allmählich aus. [...] Von Alemannisch bis Westfälisch: In Deutschland s werden zahllose Dialekte gesprochen - allerdings im mer weniger. Denn viele Eltern bringen ihren Kin- dern Mundart nicht mehr bei. „Dialekt wird nach und nach aufgegeben werden, weil man ihn für die Kom- Omunikation nicht mehr braucht", sagt Alexander 10 Werth vom Forschungszentrum Deutscher Sprachat- las der Universität Marburg. Bundesweit gibt es laut Werth rund 20 Dialekträume, die etwa das Fränki- sche oder das Sächsische umfassen. Jede einzelne Mundart könne man in Deutschland nicht zählen. 15 Aber was ist überhaupt ein Dialekt? Wir verstehen darunter eine eigene Sprache, die lokal möglichst klein begrenzt ist und eine eigene Grammatik auf- weist", erläutert Werth. [...] 25 1 Warum Dialek- Drei große M lassen Dialekte schwinden 20 Warum die Dialekte schwinden, erklärt Stefan Klei- ner vom Institut für Deutsche Sprache in Mannheim mit einem griffigen Motto: ,,Ich nenne es die drei gro- Ben M: Mütter, Medien und Mobilität." Demnach sprechen manche Mütter mit ihren Kindern Hoch- deutsch aus Prestigegründen und damit die es in der Schule leichter haben. Dabei halten Sprachfor- scher die Sorge, ein starker Dialekt gehe mit einem niedrigen Bildungsgrad einher, für unbegründet. Angefacht wurde das Dialekt-Sterben seit den 1920er- 30 Jahren: Mit der Einführung des Rundfunks fand das Hochdeutsche Eingang in die Wohnstuben der Men- schen. „Es erscheint logisch, dass eine Sprachform, die uns in einheitlicher Form berieselt, Rückwirkun- gen auf das hat, was man als vorbildlich ansieht", sagt 35 Kleiner. Auch die zunehmende Mobilität der Bundes- - M5 Hans Kratzer: Dialekt macht schlau Die alte These, dass die Mundart die Sprachfähigkeit der Kinder verbessert, bekommt durch die neue PISA-Studie Aufwind. Demnach trainieren Dialekt- sprecher vor allem Auffassungsgabe und abstraktes s Denken. In der Sprache der Münchner Jugendlichen kommt er nicht mehr vor, die Radio- und Fernsehsen- der meiden ihn wie die Pest, in vielen Firmen, Eltern- häusern, Schulen und Universitäten gilt er als primi- tiv und unzeitgemäß. Doch jetzt hat die aktuelle 10 PISA-Studie dem Dialekt überraschend zu neuer Auf- merksamkeit verholfen. Dass im Bildungsvergleich ausgerechnet Dialekt-Regionen wie Bayern, Baden- Württemberg, Sachsen und Österreich ganz oben ste- hen, hat eine Reihe von Fragen aufgeworfen. Sogar 15 die mundartlich wenig inspirierte Bildzeitung titelte etwas ratlos: Macht uns der Dialekt so schlau? Grö- Bere Sprachkompetenz dank Dialekt [...] Tatsächlich Rebekka bürger setzt dem Dialekt zu. Dies gilt nicht nur für die heutige Möglichkeit, bundesweit mit Menschen aus allen möglichen Regionen in Kontakt zu treten. Schon nach dem Zweiten Weltkrieg stellten Heimat- vertriebene in vielen Regionen bis zu ein Drittel der 40 Bevölkerung. Auch hier diente Hochdeutsch als Kom- promiss zur gemeinsamen Verständigung. [...] Plattdeutsch als Schulfach Als einziges Bundesland hat bislang Hamburg Platt- deutsch als eigenes Schulfach eingeführt, zum Schul- 45 jahr 2010/11. Nach Angaben der Schulbehörde ging der Anteil der Plattsprecher zwischen 1984 und 2007 von 29 auf 10 Prozent zurück. Nun wird die Mundart in acht Grundschulen unterrichtet. Dort lernen Schü- ler zunächst, „Plattdüütsch" zu sprechen und zu ver- 50 stehen. Später sollen sie es auch lesen und schreiben können. ,,Man verspricht sich, dass für die nachwach- sende Generation durch das systematische Erlernen des Niederdeutschen der Zugang zur Regionalkultur erhalten bleibt", erläutert Behördensprecher Peter Al- 55 brecht. [...] Viele Eltern entschieden sich bewusst da- für, ihr Kind Plattdeutsch lernen zu lassen, so Alb- recht. Dies gehöre zur kulturellen Identität Hamburgs. Auch in anderen Bundesländern soll Niederdeutsch im Unterricht zumindest einbezogen werden. Dies sei so noch zu wenig, sagt Reinhard Goltz vom Institut für niederdeutsche Sprache in Bremen: „Man ist lange davon ausgegangen, dass Kinder auch Plattdeutsch mitbringen, aber das war abgerissen." Dass die Schulen aktiv werden, sei generell richtig. 65 „Wenn man das Ziel verfolgt, die Sprache erhalten zu wollen, kann man die Aufgabe nicht den Eltern über- lassen", meint Goltz. Weil diese häufig selbst keinen Dialekt mehr sprächen, müssten die Kinder Nieder- deutsch eben in der Schule lernen. Denn: „Es gibt kei- 70 nen Grund, dieses Stück Kultur über Bord zu werfen. wgr/dpa (26.02.2013) lassen wissenschaftliche Untersuchungen den Schluss zu, dass Kinder, die mit dem Dialekt aufwach- sen und sich dann erst die Standardsprache aneignen, 20 eine größere Sprachkompetenz entwickeln. Heinz- Peter Meidinger, der Vorsitzende des Deutschen Phi- lologenverbandes, nennt folgenden Grund für dieses Phänomen: „Dialektsprecher lernen früh, zwischen verschiedenen Sprachebenen zu unterscheiden. Das 25 trainiert die Auffassungsgabe und das abstrakte Den- ken. Nach Ansicht von Josef Kraus, dem Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes, profitieren Dialekt- sprecher vor allem in Deutsch und Mathematik von ihrem guten sprachanalytischen Verständnis. Weni-30 ger Rechtschreibfehler bei Dialektsprechern Ludwig Zehetner, der an der Universität Regensburg Bairi- sche Dialektologie lehrt, verweist überdies auf jüngs- te Erkenntnisse in der Hirnforschung. Aus denen ge- M7 Ranhaol Cai- 35 he hervor, dass sich bei Kindern, die mehrere Sprachen beherrschen, das zuständige Zentrum im Gehirn bes- ser ausbilde. „Der Dialekt ist für ein Kind die optima- le Voraussetzung für jegliche weitere Entfaltung auf sprachlichem Gebiet", sagt Zehetner. Dazu passt die 40 These von Reinhold Steininger, dass zwar der Ge- brauch des Dialekts rapide zurückgehe, die Beherr- schung der Schriftsprache aber in gleichem Maße abnehme. M6 ,In Deutschland sterben die Dialekte aus" Deutsch ist die meistgesprochene Muttersprache Westeuropas, mit diversen regionalen Dialekten. Doch diese Vielfalt hat in Deutschland keine Zukunft sagt Sprachforscher Stephan Elspaß im Interview. - Welche großen Veränderungen des Sprachgebrauchs in den vergangenen 30 Jahren stellen Sie in Ihrer For- schung fest? Elspaß: Wo ein Vergleich unserer Karten [www.atlas- 5 salltagssprachen.de] mit Karten im „Wortatlas der re- gionalen Umgangssprachen" aus den Siebzigerjahren möglich ist, zeichnen sich zwei Haupttrends ab. Ers- tens bemerken wir, dass politische Grenzen immer stärker sprachtrennend wirken. Ein Beispiel dafür: 10 Früher war die Bezeichnung Erdapfel (Herdöpfel) au- Ber in der Schweiz und in Österreich auch in vielen Gebieten Süddeutschlands in der Alltagssprache sehr üblich. Inzwischen zeigt sich, dass der Begriff immer mehr an die Ränder des deutschen Staatsgebiets ge- 15 drängt wird. Die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz beziehungsweise Österreich entwickelt sich immer mehr zu einer Sprachgrenze, auf deren nördlicher Seite man Kartoffel und auf deren südli- cher Seite man weiterhin Erdapfel sagt. 20 Und der zweite Trend? Elspaß: Formen, die schon in den Siebzigerjahren eher kleinräumig verbreitet waren, werden weiter zu- rückgedrängt. Dagegen können wir einen oft be- haupteten Trend, dass sich nämlich das „norddeut- 25 sche Deutsch" immer weiter nach Süden ausbreite, in dieser Verallgemeinerung nicht bestätigen. Es zeigt sich vielmehr, dass von der Zurückdrängung nicht dominanter Formen auch norddeutsche Wörter be- Rebekka Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Unter- suchung der Universität Oldenburg, die Aufsätze von 45 Dritt- bis Sechstklässlern über Jahre hinweg auswer- tete und zu dem Ergebnis kam, dass die Dialektspre- cher 30 Prozent weniger Rechtschreibfehler produ- zierten. [...] Süddeutsche Zeitung veröffentlicht am 19.05.2010, www.sueddeutsche.de/ wissen/studie-dialektmacht-schlau-1.912547 (25.07.2018) troffen sind. So sagen die Jüngeren in Schleswig-Hol- stein und Hamburg offenbar kaum noch Rundstück, 30 sondern eher Brötchen. [...] Bilden sich in gewissen Regionen auch neue Dialek- te? Elspaß: Ja, und zwar in urbanen Ballungsräumen. Diese Entwicklung gab es in den letzten beiden Jahr- 35 hunderten in Großstädten wie Wien und Berlin oder in Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet. Doch selbst bei diesen „neuen Dialekten" - auch „Stadtdialekte", „Regiolekte" genannt - zeigen sich Abbautendenzen. Diskutiert wird, ob sich in Großstädten unter dem 40 Einfluss von Migrantensprachen neue Varietäten entwickeln, zum Beispiel „Kiezdeutsch". Hier ist es jedoch besonders umstritten, ob man sie als Dialekte bezeichnen kann. Wie sehen Sie den Einfluss der Mobilität auf den heu- 45 tigen Sprachgebrauch? Elspaß: Die zunehmende Mobilität hat sich sicher auf den Sprachgebrauch ausgewirkt. Denken Sie nur da- ran, dass zum Beispiel im Deutschen Reich Ende des 19. Jahrhunderts noch der überwiegende Teil der Be- 50 völkerung auf dem Land lebte. Fast alle konnten lesen und schreiben, aber für die alltägliche mündliche Kommunikation genügte der örtliche Dialekt. Das hat sich im 20. Jahrhundert natürlich grundlegend verändert. Selbst auf dem Land kam man irgendwann ss nur mit dem Dialekt nicht mehr weit, allein weil es dort nicht mehr genügend Arbeitsplätze gab. [...] Marc Brupbacher/Stephan Elspaß, Der Spiegel Online, veröffentlicht am 26.04.2015, www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/deutschland-dialekte- sterben-aus-sagt-einsprachforscher-a-1030000.html (25.07.2018), veröffentlicht am 26.04.2015 M7 Raphael Geiger: Dialekt an Schulen. Bloß nicht nach Niederbayern! Landen „zuagroaste" Lehrer in Bayerns Provinz, kann die Kommunikation zum handfesten Problem wer- den. Oft verzweifeln sie am breiten Dialekt ihrer Schüler, verstehen sie einfach nicht. Trotzdem fördert 5 das Kultusministerium die Mundart: Mia san mia. Der Anfang war hart für Lehrer Stefan Liebkind*. »Scha" sagten die Schüler statt Schere", und wollten sie Papier haben, riefen sie: „Kon i a Bladl hom?" Oft entschuldigte er sich, er habe einfach nicht verstehen 10 können, was die Schüler gerade sagten - ,bitte noch mal langsam". Langsam sprachen sie dann. Verständ- licher eher nicht. Liebkind, 48, Lehrer für Kunst und Englisch, stammt aus dem Saarland, er unterrichtete eine Weile im Rheinland und in Franken. Dort hatte 15 er keine Probleme, die Schüler bemühten sich um ein ordentliches Hochdeutsch. Nur einmal war er am Verzweifeln. Es stand Besuch aus Niederbayern an, Liebkinds Schule in Unterfran- ken arbeitete mit einer dortigen Schule an einem ge- 20 meinsamen Projekt. Die Niederbayern quasselten vor sich hin, die Franken und Liebkind waren ratlos. „Bloß nie nach Niederbayern versetzt werden, dachte ich." Doch der Wunsch hielt nicht lange stand: Eine Aufgabe als Seminarlehrer und besonderer Fachrefe- 25 rent lockten ihn ausgerechnet nach - Niederbayern? Exakt. Dolmetscher für die gröbsten Dialektsprecher Sein erstes Schuljahr dort war erst ein paar Tage alt, als sich Liebkind mit seinen Schülern auf unorthodo- 30 xe Maßnahmen verständigte. Die besonders groben Dialektsprecher bekamen einen Dolmetscher zur Sei- te, Liebkind wurde im Gegenzug von den Schülern jede Woche ein Zettel mit fünf bayerischen Vokabeln zugesteckt. [...] Liebkind ist nicht allein mit seinem 35 Problem. Doch auf Hilfe der Politik können er und seine sprachgeplagten Kollegen nicht hoffen: Das bayerische Kultusministerium fördert seit Langem den Dialekt in der Schule. ,,Die Mundart ist doch ein unverzichtbarer Teil der Sprachkultur einer großen 40 Zahl unserer Schüler", sagt Ministeriumssprecherin Name geändert Nicole Steinbach. Sie trägt zu ihrer bayerischen Identität bei." Die Hochsprache müssten sie trotzdem beherrschen doch auf die Frage, wie sie die lernen sollen, meint Steinbach nur, sie würden schon durch eine vorbildliche Lehrersprache zum eigenen richti- 4 gen Sprechen angeleitet". Nur müssen auch zugereis- te Lehrer die Schüler verstehen, bis die richtig" spre- chen können. Beim Kultusministerium will man das Problem nicht zu groß sehen: „Die Mundart nimmt in der Schule keine vorrangige Rolle ein", so Steinbach. 50 Probleme, wie sie Stefan Liebkind und andere erzäh- len, bestünden ,,nicht flächendeckend". Vor allem Referendare sind ratlos [...] Insbesondere Referendare, die manchmal für bloß sechs Monate an eine fremde Schule geschickt wer- 55 den, sind schnell mürbe. Ihnen fehlt es noch an Übung im Umgang mit Schülern, sie stehen oft ratlos vor der Klasse. In der knappen Zeit ihrer Ausbildung schaffen sie es ohnehin nur mit Mühe, ein Vertrau- ensverhältnis zu den Schülern aufzubauen - trennt 60 sie auch noch eine Sprachbarriere, wird es heikel. Wie soll man ein Verhältnis schaffen, wenn zwischen beiden Seiten nur Basiskommunikation abläuft? Die Referendare merken so schnell: Hier werde ich für immer der Fremde bleiben. 65 ern-a-638568.html (26.07.2018) un Hinzu kommt das Problem der Notengebung: Wie können Lehrer zwei verschiedene Unterrichtsbeiträ- ge gerecht bewerten, wenn sie einen der beiden gar nicht verstanden haben? BLLV-Präsident Wenzel for- dert eine offensive Spracherziehung. „Die Schüler 70 müssen verstehen, dass es unterschiedliche Ge- sprächssituationen gibt: Mit ihren Kumpels dürfen sie gern so breit wie nur möglich in der Mundart re- den, doch wenn sie zum Beispiel einen neuen Lehrer vor sich haben, müssen sie in der Lage sein, ihre Spra- 75 che anzupassen. [...] Raphael Geiger, Der Spiegel Online veröffentlicht am 14.08.2009, www.spiegel. de/lebenundlernen/schule/dialekt-an-schulen-bloss-nicht-nachniederbay-

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Cool, mit dem Lernzettel konnte ich mich richtig gut auf meine Klassenarbeit vorbereiten. Danke 👍👍

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Dann machte sich die Globalisierung bemerk- bar und brachte den Berufsnomaden mit fließendem 5 Englisch und perfektem Hochdeutsch hervor. Das schien das endgültige Aus für den Dialekt. Aber es kam anders. Die Dialekte kehren zurück!" So las man seit den 1970er-Jahren immer wieder in den Feuilletons der gehobenen Presse. Spiegel und Zeit 10 stellten Globalisierung und Dialekt in einen direkten 1 bayern Zusammenhang, sahen im Dialekt förmlich eine Konterrevolution gegen Internationalisierung und Mobilität, Modernisierun und Medienherrschaft. Es war von sprachlicher „Nestwärme" angesichts von 15 ,,Nation-Hopping" die Rede. Der Dialekt erschien als gesprochene Heimat, als „Heimat auf der Zunge"....] Statt Ende also Wende? Einiges spricht dafür. Wer Moderatoren in Rundfunk und Fernsehen ,,aufs Maul schaut", erkennt leichte dialektale Färbungen, die frü- 20 her tabu waren. Man fürchtet sich mittlerweile offen- bar nicht mehr oder jedenfalls weniger vor dem regi- onalen Erkennungszeichen, das längst kein soziales mehr ist. Die Kommissare in den Fernsehkrimis bay- ern¹ sogar recht kräftig daher oder snacken nieder- 25 deutsch. Und oft sind es die Täter, die ein reines Hochdeutsch sprechen. Ja, ich spreche die Mundart hier aus der Gegend Nein = Gemeint ist das Bairische-Sprechen. M3 Statistik einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach Mundart aktiv FRAGE: "Können Sie die Mundart hier aus der Gegend sprechen?" FRAGE (falls 'Ja' oder 'Ein wenig"): "Und bei welchen Gelegenheiten sprechen Sie die Mundart hier aus der Gegend?" 27 48 25 Ein wenig Eigentlich Immer Im Freundes kreis Eigentlich nie im Sinne offiziell normierter orthografischer und grammatischer Regeln aufweist. [...] Die Bezeich- D. (als Fremdwort) wird in der Regel synonym 10 nung verwendet mit „Mundart". [...] Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 4., durchgesehene und bibliograpisch ergänzte Auflage unter Mitarbeit von Hartmut Lauffer. Stuttgart: Kröner 2008, S. 131 13 26 22 Famille 21 Bei der Arbeit rich Mag Hochdeutsch im Beruf Prestige verleihen, im Gespräch mit dem fremden Kunden oder dem auslän- dischen Geschäftspartner Seriosität signalisieren Wärme erzeugt es nicht, für Nähe sorgt eher der Dia- lekt. Und doch ist bei der Beurteilung Vorsicht geboten: Die Dialekte kehren nicht in der Form zu- rück, wie man sie aus wirklich alten Zeiten kennt, als die Schwaben die Rheinländer nicht verstanden und umgekehrt. „Rückkehr der Dialekte" meint nicht, dass die Hochsprache ihre alten Konkurrenten mit eigener Aussprache und speziellem Wortschatz zu- rückerhält. Diese Art von Dialekt befindet sich im Gegenteil heute in Schwierigkeiten. In Norddeutsch- 40land ist sein Rückgang dramatisch, im Süden eher. schleichend. Selbst in einer Region mit guter Dialekt- basis wie der Pfalz verliert einer Untersuchung des Jahres 1990 zufolge jede Generation neun Prozent des dialektalen Wortschatzes. Verhältnisse wie im 19. Sund auch noch frühen 20. Jahrhundert, als die meis- ten Menschen neben der Hochsprache für die Schrift einen Dialekt für den mündlichen Verkehr beherrsch- ten, sind endgültig Geschichte. Man kann, muss dies jedoch nicht bedauern. [...] Deutsche Bevölkerung ab 16 Jahre in Prozent QUELLE: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 10016, Februar 2008 Karl-Heinz Göttert: Alles außer Hochdeutsch. Ein Streifzug durch unsere Dialekte. Berlin: Ullstein 2011, S. 11 f. Rebekka Weniger Dialekt im Alltag Aussage: "Ich spreche eigentlich immer Dialekt/Mundart" ost 41 281 West Deutsche Bevölkerung in Prozent 36 130 33 124 1991 1998 2008 QUELLE: Allensbacher Archiv, IfD-Umfragen, zuletzt 10016, Februar 2008 Institut für Demoskopie Allensbach/Mundart aktiv: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 10016, Februar 2008 INSTITUT FÜR DEMOSKOPIE ALLENSBACH: Allensba- cher Kurzbericht „AUCH AUSSERHALB VON BAYERN WIRD BAYERISCH GERN GEHÖRT" Nr. 4/2008; www.ifd-allensbach.de/uploads/tx_reportsndocs/prd_0804. pdf (25.07.2018) M4 Mütter, Medien, Mobilität te aussterben Moin, Tach, Servus: In Deutschland begrüßen sich Menschen in den verschiedensten Dialekten. Doch viele Mundarten sterben allmählich aus. [...] Von Alemannisch bis Westfälisch: In Deutschland s werden zahllose Dialekte gesprochen - allerdings im mer weniger. Denn viele Eltern bringen ihren Kin- dern Mundart nicht mehr bei. „Dialekt wird nach und nach aufgegeben werden, weil man ihn für die Kom- Omunikation nicht mehr braucht", sagt Alexander 10 Werth vom Forschungszentrum Deutscher Sprachat- las der Universität Marburg. Bundesweit gibt es laut Werth rund 20 Dialekträume, die etwa das Fränki- sche oder das Sächsische umfassen. Jede einzelne Mundart könne man in Deutschland nicht zählen. 15 Aber was ist überhaupt ein Dialekt? Wir verstehen darunter eine eigene Sprache, die lokal möglichst klein begrenzt ist und eine eigene Grammatik auf- weist", erläutert Werth. [...] 25 1 Warum Dialek- Drei große M lassen Dialekte schwinden 20 Warum die Dialekte schwinden, erklärt Stefan Klei- ner vom Institut für Deutsche Sprache in Mannheim mit einem griffigen Motto: ,,Ich nenne es die drei gro- Ben M: Mütter, Medien und Mobilität." Demnach sprechen manche Mütter mit ihren Kindern Hoch- deutsch aus Prestigegründen und damit die es in der Schule leichter haben. Dabei halten Sprachfor- scher die Sorge, ein starker Dialekt gehe mit einem niedrigen Bildungsgrad einher, für unbegründet. Angefacht wurde das Dialekt-Sterben seit den 1920er- 30 Jahren: Mit der Einführung des Rundfunks fand das Hochdeutsche Eingang in die Wohnstuben der Men- schen. „Es erscheint logisch, dass eine Sprachform, die uns in einheitlicher Form berieselt, Rückwirkun- gen auf das hat, was man als vorbildlich ansieht", sagt 35 Kleiner. Auch die zunehmende Mobilität der Bundes- - M5 Hans Kratzer: Dialekt macht schlau Die alte These, dass die Mundart die Sprachfähigkeit der Kinder verbessert, bekommt durch die neue PISA-Studie Aufwind. Demnach trainieren Dialekt- sprecher vor allem Auffassungsgabe und abstraktes s Denken. In der Sprache der Münchner Jugendlichen kommt er nicht mehr vor, die Radio- und Fernsehsen- der meiden ihn wie die Pest, in vielen Firmen, Eltern- häusern, Schulen und Universitäten gilt er als primi- tiv und unzeitgemäß. Doch jetzt hat die aktuelle 10 PISA-Studie dem Dialekt überraschend zu neuer Auf- merksamkeit verholfen. Dass im Bildungsvergleich ausgerechnet Dialekt-Regionen wie Bayern, Baden- Württemberg, Sachsen und Österreich ganz oben ste- hen, hat eine Reihe von Fragen aufgeworfen. Sogar 15 die mundartlich wenig inspirierte Bildzeitung titelte etwas ratlos: Macht uns der Dialekt so schlau? Grö- Bere Sprachkompetenz dank Dialekt [...] Tatsächlich Rebekka bürger setzt dem Dialekt zu. Dies gilt nicht nur für die heutige Möglichkeit, bundesweit mit Menschen aus allen möglichen Regionen in Kontakt zu treten. Schon nach dem Zweiten Weltkrieg stellten Heimat- vertriebene in vielen Regionen bis zu ein Drittel der 40 Bevölkerung. Auch hier diente Hochdeutsch als Kom- promiss zur gemeinsamen Verständigung. [...] Plattdeutsch als Schulfach Als einziges Bundesland hat bislang Hamburg Platt- deutsch als eigenes Schulfach eingeführt, zum Schul- 45 jahr 2010/11. Nach Angaben der Schulbehörde ging der Anteil der Plattsprecher zwischen 1984 und 2007 von 29 auf 10 Prozent zurück. Nun wird die Mundart in acht Grundschulen unterrichtet. Dort lernen Schü- ler zunächst, „Plattdüütsch" zu sprechen und zu ver- 50 stehen. Später sollen sie es auch lesen und schreiben können. ,,Man verspricht sich, dass für die nachwach- sende Generation durch das systematische Erlernen des Niederdeutschen der Zugang zur Regionalkultur erhalten bleibt", erläutert Behördensprecher Peter Al- 55 brecht. [...] Viele Eltern entschieden sich bewusst da- für, ihr Kind Plattdeutsch lernen zu lassen, so Alb- recht. Dies gehöre zur kulturellen Identität Hamburgs. Auch in anderen Bundesländern soll Niederdeutsch im Unterricht zumindest einbezogen werden. Dies sei so noch zu wenig, sagt Reinhard Goltz vom Institut für niederdeutsche Sprache in Bremen: „Man ist lange davon ausgegangen, dass Kinder auch Plattdeutsch mitbringen, aber das war abgerissen." Dass die Schulen aktiv werden, sei generell richtig. 65 „Wenn man das Ziel verfolgt, die Sprache erhalten zu wollen, kann man die Aufgabe nicht den Eltern über- lassen", meint Goltz. Weil diese häufig selbst keinen Dialekt mehr sprächen, müssten die Kinder Nieder- deutsch eben in der Schule lernen. Denn: „Es gibt kei- 70 nen Grund, dieses Stück Kultur über Bord zu werfen. wgr/dpa (26.02.2013) lassen wissenschaftliche Untersuchungen den Schluss zu, dass Kinder, die mit dem Dialekt aufwach- sen und sich dann erst die Standardsprache aneignen, 20 eine größere Sprachkompetenz entwickeln. Heinz- Peter Meidinger, der Vorsitzende des Deutschen Phi- lologenverbandes, nennt folgenden Grund für dieses Phänomen: „Dialektsprecher lernen früh, zwischen verschiedenen Sprachebenen zu unterscheiden. Das 25 trainiert die Auffassungsgabe und das abstrakte Den- ken. Nach Ansicht von Josef Kraus, dem Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes, profitieren Dialekt- sprecher vor allem in Deutsch und Mathematik von ihrem guten sprachanalytischen Verständnis. Weni-30 ger Rechtschreibfehler bei Dialektsprechern Ludwig Zehetner, der an der Universität Regensburg Bairi- sche Dialektologie lehrt, verweist überdies auf jüngs- te Erkenntnisse in der Hirnforschung. Aus denen ge- M7 Ranhaol Cai- 35 he hervor, dass sich bei Kindern, die mehrere Sprachen beherrschen, das zuständige Zentrum im Gehirn bes- ser ausbilde. „Der Dialekt ist für ein Kind die optima- le Voraussetzung für jegliche weitere Entfaltung auf sprachlichem Gebiet", sagt Zehetner. Dazu passt die 40 These von Reinhold Steininger, dass zwar der Ge- brauch des Dialekts rapide zurückgehe, die Beherr- schung der Schriftsprache aber in gleichem Maße abnehme. M6 ,In Deutschland sterben die Dialekte aus" Deutsch ist die meistgesprochene Muttersprache Westeuropas, mit diversen regionalen Dialekten. Doch diese Vielfalt hat in Deutschland keine Zukunft sagt Sprachforscher Stephan Elspaß im Interview. - Welche großen Veränderungen des Sprachgebrauchs in den vergangenen 30 Jahren stellen Sie in Ihrer For- schung fest? Elspaß: Wo ein Vergleich unserer Karten [www.atlas- 5 salltagssprachen.de] mit Karten im „Wortatlas der re- gionalen Umgangssprachen" aus den Siebzigerjahren möglich ist, zeichnen sich zwei Haupttrends ab. Ers- tens bemerken wir, dass politische Grenzen immer stärker sprachtrennend wirken. Ein Beispiel dafür: 10 Früher war die Bezeichnung Erdapfel (Herdöpfel) au- Ber in der Schweiz und in Österreich auch in vielen Gebieten Süddeutschlands in der Alltagssprache sehr üblich. Inzwischen zeigt sich, dass der Begriff immer mehr an die Ränder des deutschen Staatsgebiets ge- 15 drängt wird. Die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz beziehungsweise Österreich entwickelt sich immer mehr zu einer Sprachgrenze, auf deren nördlicher Seite man Kartoffel und auf deren südli- cher Seite man weiterhin Erdapfel sagt. 20 Und der zweite Trend? Elspaß: Formen, die schon in den Siebzigerjahren eher kleinräumig verbreitet waren, werden weiter zu- rückgedrängt. Dagegen können wir einen oft be- haupteten Trend, dass sich nämlich das „norddeut- 25 sche Deutsch" immer weiter nach Süden ausbreite, in dieser Verallgemeinerung nicht bestätigen. Es zeigt sich vielmehr, dass von der Zurückdrängung nicht dominanter Formen auch norddeutsche Wörter be- Rebekka Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Unter- suchung der Universität Oldenburg, die Aufsätze von 45 Dritt- bis Sechstklässlern über Jahre hinweg auswer- tete und zu dem Ergebnis kam, dass die Dialektspre- cher 30 Prozent weniger Rechtschreibfehler produ- zierten. [...] Süddeutsche Zeitung veröffentlicht am 19.05.2010, www.sueddeutsche.de/ wissen/studie-dialektmacht-schlau-1.912547 (25.07.2018) troffen sind. So sagen die Jüngeren in Schleswig-Hol- stein und Hamburg offenbar kaum noch Rundstück, 30 sondern eher Brötchen. [...] Bilden sich in gewissen Regionen auch neue Dialek- te? Elspaß: Ja, und zwar in urbanen Ballungsräumen. Diese Entwicklung gab es in den letzten beiden Jahr- 35 hunderten in Großstädten wie Wien und Berlin oder in Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet. Doch selbst bei diesen „neuen Dialekten" - auch „Stadtdialekte", „Regiolekte" genannt - zeigen sich Abbautendenzen. Diskutiert wird, ob sich in Großstädten unter dem 40 Einfluss von Migrantensprachen neue Varietäten entwickeln, zum Beispiel „Kiezdeutsch". Hier ist es jedoch besonders umstritten, ob man sie als Dialekte bezeichnen kann. Wie sehen Sie den Einfluss der Mobilität auf den heu- 45 tigen Sprachgebrauch? Elspaß: Die zunehmende Mobilität hat sich sicher auf den Sprachgebrauch ausgewirkt. Denken Sie nur da- ran, dass zum Beispiel im Deutschen Reich Ende des 19. Jahrhunderts noch der überwiegende Teil der Be- 50 völkerung auf dem Land lebte. Fast alle konnten lesen und schreiben, aber für die alltägliche mündliche Kommunikation genügte der örtliche Dialekt. Das hat sich im 20. Jahrhundert natürlich grundlegend verändert. Selbst auf dem Land kam man irgendwann ss nur mit dem Dialekt nicht mehr weit, allein weil es dort nicht mehr genügend Arbeitsplätze gab. [...] Marc Brupbacher/Stephan Elspaß, Der Spiegel Online, veröffentlicht am 26.04.2015, www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/deutschland-dialekte- sterben-aus-sagt-einsprachforscher-a-1030000.html (25.07.2018), veröffentlicht am 26.04.2015 M7 Raphael Geiger: Dialekt an Schulen. Bloß nicht nach Niederbayern! Landen „zuagroaste" Lehrer in Bayerns Provinz, kann die Kommunikation zum handfesten Problem wer- den. Oft verzweifeln sie am breiten Dialekt ihrer Schüler, verstehen sie einfach nicht. Trotzdem fördert 5 das Kultusministerium die Mundart: Mia san mia. Der Anfang war hart für Lehrer Stefan Liebkind*. »Scha" sagten die Schüler statt Schere", und wollten sie Papier haben, riefen sie: „Kon i a Bladl hom?" Oft entschuldigte er sich, er habe einfach nicht verstehen 10 können, was die Schüler gerade sagten - ,bitte noch mal langsam". Langsam sprachen sie dann. Verständ- licher eher nicht. Liebkind, 48, Lehrer für Kunst und Englisch, stammt aus dem Saarland, er unterrichtete eine Weile im Rheinland und in Franken. Dort hatte 15 er keine Probleme, die Schüler bemühten sich um ein ordentliches Hochdeutsch. Nur einmal war er am Verzweifeln. Es stand Besuch aus Niederbayern an, Liebkinds Schule in Unterfran- ken arbeitete mit einer dortigen Schule an einem ge- 20 meinsamen Projekt. Die Niederbayern quasselten vor sich hin, die Franken und Liebkind waren ratlos. „Bloß nie nach Niederbayern versetzt werden, dachte ich." Doch der Wunsch hielt nicht lange stand: Eine Aufgabe als Seminarlehrer und besonderer Fachrefe- 25 rent lockten ihn ausgerechnet nach - Niederbayern? Exakt. Dolmetscher für die gröbsten Dialektsprecher Sein erstes Schuljahr dort war erst ein paar Tage alt, als sich Liebkind mit seinen Schülern auf unorthodo- 30 xe Maßnahmen verständigte. Die besonders groben Dialektsprecher bekamen einen Dolmetscher zur Sei- te, Liebkind wurde im Gegenzug von den Schülern jede Woche ein Zettel mit fünf bayerischen Vokabeln zugesteckt. [...] Liebkind ist nicht allein mit seinem 35 Problem. Doch auf Hilfe der Politik können er und seine sprachgeplagten Kollegen nicht hoffen: Das bayerische Kultusministerium fördert seit Langem den Dialekt in der Schule. ,,Die Mundart ist doch ein unverzichtbarer Teil der Sprachkultur einer großen 40 Zahl unserer Schüler", sagt Ministeriumssprecherin Name geändert Nicole Steinbach. Sie trägt zu ihrer bayerischen Identität bei." Die Hochsprache müssten sie trotzdem beherrschen doch auf die Frage, wie sie die lernen sollen, meint Steinbach nur, sie würden schon durch eine vorbildliche Lehrersprache zum eigenen richti- 4 gen Sprechen angeleitet". Nur müssen auch zugereis- te Lehrer die Schüler verstehen, bis die richtig" spre- chen können. Beim Kultusministerium will man das Problem nicht zu groß sehen: „Die Mundart nimmt in der Schule keine vorrangige Rolle ein", so Steinbach. 50 Probleme, wie sie Stefan Liebkind und andere erzäh- len, bestünden ,,nicht flächendeckend". Vor allem Referendare sind ratlos [...] Insbesondere Referendare, die manchmal für bloß sechs Monate an eine fremde Schule geschickt wer- 55 den, sind schnell mürbe. Ihnen fehlt es noch an Übung im Umgang mit Schülern, sie stehen oft ratlos vor der Klasse. In der knappen Zeit ihrer Ausbildung schaffen sie es ohnehin nur mit Mühe, ein Vertrau- ensverhältnis zu den Schülern aufzubauen - trennt 60 sie auch noch eine Sprachbarriere, wird es heikel. Wie soll man ein Verhältnis schaffen, wenn zwischen beiden Seiten nur Basiskommunikation abläuft? Die Referendare merken so schnell: Hier werde ich für immer der Fremde bleiben. 65 ern-a-638568.html (26.07.2018) un Hinzu kommt das Problem der Notengebung: Wie können Lehrer zwei verschiedene Unterrichtsbeiträ- ge gerecht bewerten, wenn sie einen der beiden gar nicht verstanden haben? BLLV-Präsident Wenzel for- dert eine offensive Spracherziehung. „Die Schüler 70 müssen verstehen, dass es unterschiedliche Ge- sprächssituationen gibt: Mit ihren Kumpels dürfen sie gern so breit wie nur möglich in der Mundart re- den, doch wenn sie zum Beispiel einen neuen Lehrer vor sich haben, müssen sie in der Lage sein, ihre Spra- 75 che anzupassen. [...] Raphael Geiger, Der Spiegel Online veröffentlicht am 14.08.2009, www.spiegel. de/lebenundlernen/schule/dialekt-an-schulen-bloss-nicht-nachniederbay-