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Analyse eines Gemäldes

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 THEORETISCHE WERKSTATTARBEIT
Stella Peter
Das Gemälde ,,L'Absinthe" wurde von Edgar Degas mit Öl auf Leinwand gemalt und stammt aus dem
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Analyse des Gemäldes "L´Absinthe" von Edgar Degas inklusive analytische Skizzen

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THEORETISCHE WERKSTATTARBEIT Stella Peter Das Gemälde ,,L'Absinthe" wurde von Edgar Degas mit Öl auf Leinwand gemalt und stammt aus dem Jahr 1876. Es hat eine Maße von 92x62, ist im Musée d'Orsay ausgestellt und kann der Interieurmalerei zugeordnet werden. Insgesamt wirkt das Gemälde müde, trist, leer und leblos. Beim Betrachten des Gemäldes fallen sofort die zwei Personen auf, ein Mann und eine junge Frau. Beide sitzen in einem Café oder in einer Bar nebeneinander auf einer dunkelroten, gepolsterten Sitzbank. Hinter den Personen ist ein Spiegel an der Wand angebracht, in dem zum einen die dunklen Silhouetten des Mannes und der Frau zu sehen sind. Zum anderen spiegeln sich möglicherweise weiße Gardinen, die mit Blumen bestickt sind. Links neben dem Spiegel ist ein Stück der Wand zu sehen, die sich durch karoartige Muster auszeichnet und in einem dunklen Beige gefärbt ist. Direkt vor den zwei Personen steht ein Tisch in „schmutziger" weißer Farbe, auf den sich der Mann mit seinem rechten Unterarm abstützt. Vor dem Arm des Mannes steht sein Getränk, ein Glas mit bräunlicher Flüssigkeit. Vor der Frau steht ebenfalls ihr Getränk, ein Glas mit hellgrüner Flüssigkeit. Auffallend ist jedoch, dass die Frau nicht genau an diesem Tisch sitzt, sondern zwischen zwei Tischen. Sie ist also nicht genau einem Tisch zugeordnet. Auf dem zweiten...

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Tisch, der rechts von ihr steht, ist ein silbernes rundes Tablett mit einer Glaskaraffe zu erkennen. Links unten im Bild ist ein weiterer weißer Tisch angeschnitten zu sehen. Zwischen dem zweiten und dem dritten Tisch ist zusätzlich ein unerkennbarer Gegenstand auffallend, möglicherweise eine Art Verbindung der beiden Tische. Auf dem dritten Tisch steht mittig ein weiterer schwer erkennbarer Gegenstand, vermutlich ein Tintenfässchen und daneben liegend eine Schreibfeder. Betrachtet man die zwei Personen näher, so fällt sofort der starre und triste Blick in die Leere der jungen Dame auf. Ihre Schultern hängen ebenfalls hinunter und ihre Haltung ist nicht aufrecht. Ihre Füße scheinen nicht standfest auf dem musterlosen, beigen Boden aufgestellt zu sein. Sie trägt ein auffälliges Kleid oder einen langen Rock. Hinzu kommen ihre hochhackigen Schuhe, die mit weißen Rüschen und Schleifen drapiert sind. Ihr helles Oberteil ist langärmlig, hochgeschlossen und entlang der Mitte ebenfalls mit orangenen Rüschen bestückt. Zusätzlich zeichnet sie ein imposanter, weiß- grauer Kopfschmuck aus. Ihre Haare sind dunkelblond und hochgesteckt. Im Gegensatz zu ihr ist der Mann an ihrer linken Seite sehr dunkel gekleidet. Er trägt ein schwarzes Sakko, eine dunkle Hose und schwarze Schuhe. Seine dunklen, etwas längeren Haare sind mit einem schwarzen Hut bedeckt. Wie schon erwähnt, liegt sein rechter Arm locker auf dem Tisch. In seiner linken Hand hält er eine Pfeife, an der er raucht. Sein Blick ist ernst und geht eher zu der linken Seite anstatt geradeaus. Der Betracher*innen Standpunkt scheint bei diesem Gemälde hinter dem dritten angeschnittenen Tisch zu sein, der im linken unteren Bildrand steht. Es scheint als sei die Betrachterin oder der Betrachter in dem gleichen Raum zur selben Zeit, also resultierend ein Zeuge oder eine Zeugin der Situation. Analysiert man die Organisation und Ordnung der Bildfläche fällt auf, dass der Bildschwerpunkt überwiegend der rechten Bildseite liegt. Beziehungsweise auf dem oberen rechten Ausschnitt. Die junge Dame grenzt dabei diesen Abschnitt ein, da die Mittelsenkrechte sie noch bis zu der Schulter durchläuft. Das heißt es sind keine klaren eingegrenzten Bildabschnitte zu sehen. Alle Bildzonen gehen ineinander ein, da sie durch die Frau verbunden werden. Im unteren linken Ausschnitt ist ihr Rock noch zu sehen und rechts unten die Beine der Personen. Dadurch wirkt das Bild auf eine THEORETISCHE WERKSTATTARBEIT Stella Peter gewisse Art verschwommen, verlaufen und auch verloren. Die Frau kann sich keiner richtigen Bildzone zuordnen, genau wie sie sich auch keinem Tisch zuordnet. Durch diese Aufteilung kommt die exzentrische Position der zwei Personen zum Vorschein und fällt dem Betrachter in den Blick. Der Mann scheint sogar nicht mehr ganz Teil des Bildes zu sein, da das Bildformat nicht mehr seinen gesamten Körper erfasst. Sein linker Oberarm, sowie sein Knie sind nicht mehr zu sehen. Dadurch wird die Alltagssituation, in der sich die Menschen befinden, dargestellt. Die Position der Personen ist nicht gestellt oder geplant worden. Zudem verfolgt der Hut des Mannes der Diagonalen, die nach oben aus dem Bild heraus führt. Auch sein Blick geht aus dem Bild heraus, wodurch er nicht wirklich Präsenz im Bild zeigt. Insgesamt ist zu erkennen, dass keine geraden Waagerechten in dem Gemälde vorzufinden sind, wodurch eine unsichere, instabile und unruhige Wirkung entsteht. Jedoch gelten diese Waagerechten auch als richtungsweisend. Das auffälligste Beispiel dafür ist die fallende Anordnung der Tische nach links. Tisch eins und zwei fallen also an die linke Bildseite ab. Dort werden sie doch von dem dritten Tisch aufgefangen und ich eine andere Richtung geleitet, und zwar nach unten rechts. Dadurch scheint es, als würde die Tischreihe unter den Betrachter fallen, wodurch der in der Beschreibung erläuterte Eindruck des Betrachterstandpunktes überdacht werden kann. Das Abfallen bewirkt eine irritierende Aufsicht des Betrachterstandpunktes, es scheint also, als würde der der Betrachter ein wenig über dem Tisch stehen und nicht an dem Tisch sitzen. Betrachtet man die Gegenstände, die auf Tisch eins und zwei stehen, so fällt auf, dass das Tablett mit der Karaffe und das Getränk des Mannes auf einer Waagerechten mit dem fallenden Tisch stehen, das Getränk der Frau aber aus diesem Konzept gerissen ist und nicht mit den anderen Gegenständen auf einer Linie liegt. Genau eine Senkrechte durchläuft dieses Glas nämlich und sticht dadurch etwas mehr heraus. Im Vordergrund soll also dieses Getränk stehen. Es gibt also wenige Senkrechten in dem Gemälde, die aber von Bedeutung sind. Wie auch der Rahmen des Spiegels, der auch eigentlich tatsächlich eine gerade Waagerechte gehabt hätte, wenn die ungerade Lehne des Sofas diese nicht überdeckt hätte. Der rechteckige Spiegel fungiert als Rahmen für die Gesichter, das heißt der Fokus wird auf die Personen beziehungsweise auf die Gesichter und die Mimik gelenkt, wodurch dem Betrachter mitgeteilt wird, dass die Gesichtszüge der Menschen wichtig für das Gemälde sind. Die rechteckige Form des Spiegels wirkt zusätzlich bestimmt und ist damit die einzige klare Form in dem Gemälde, lenkt also nicht von den Gesichtern ab. Denn selbst die Wand wurde mit Karos gestaltet. Auch wenn nur ein sehr kleiner Teil der Wand zu sehen ist, so hat sie doch durch die Muster eine labile und „wackelige“ Wirkung. Das Auge des Betrachters nimmt also tatsächlich nur eine bestimmte Unordnung, Unsicherheit und ein irritierendes Gefühl wahr. Die allgemeine Wirkung des Bildes ist durch die Asymmetrie und der nicht ausgewogenen Komposition flüchtig, alltäglich und dynamisch. (1-Organisation der Bildfläche) Schaut man sich die Organisation des Bildraumes an, dass es keine genaue Abgrenzung zwischen Innen- und Außenraum gibt. Der Betrachter fragt sich, ob überhaupt ein Außenraum vorhanden ist. Der mögliche Außenraum wird nämlich von Gardinen bedeckt. Die Frage ist also, gibt es überhaupt Fenster, die in dem Ausschnitt gezeigt werden? Außerdem kann man zusätzlich schwer eine Aussage über die Tageszeit treffen. Es ist keine explizite Lichtquelle erkennbar. Entweder es ist Abend und Lampen in dem Raum dienen als Lichtquelle und treffen die Personen von vorne oder es ist Tag und die Gardinen sind eigentlich durchsichtig und lassen somit etwas Tageslicht hindurch. Auch dieses nicht eindeutige Merkmal des Lichtes oder des Rätsels des Vorhandensein des Außenraumes bewirkt ein unsicheres und ein perspektivloses Gefühl im Betrachter. Diese Perspektivlosigkeit wird zum einen durch die aus dem Bild laufenden/fallenden Waagerechten gezeigt, die zusätzlich ziellos wirken. Zum anderen aber auch durch den Spiegel, der keine Dimension des Raumes auslöst. Es sind THEORETISCHE WERKSTATTARBEIT Stella Peter nur die Silhouetten der Personen, die nur minimal nach hinten verkleinert sind, und der breite Schleier der Gardinen zu sehen, wodurch der Raum gefangen und abgedunkelt wirkt. Der Betrachter ist beschränkt auf das Betrachten der Person und kann sich somit in die Personen hineinfühlen, die diese Leere, Orientierungslosigkeit und Perspektivlosigkeit ausstrahlen. Die Frau wirkt niedergeschlagen und trist. Während der Mann fest mit beiden Füßen auf dem Boden steht und noch standhafter wirkt, hat sich die Frau schon längst verloren. (2-Organisation des Bildraums) Ins Auge fällt nämlich auch der Hell-Dunkel-Kontrast zwischen Mann und Frau. Durch die helle Kleidung und den farbigen Akzenten der Rüschen wirkt die Dame präsenter und mehr im Mittelpunkt, wohingegen der Mann durch seine schwarze Kleidung in den Hintergrund beziehungsweise aus dem Bild rückt und seine Nicht-Teilnahme am Bild bestärkt. Außer die Tische und die Gardinen, die mit dem schmutzigen weiß gefärbt sind, wirkt der Raum durch die Gestaltung der restlichen Farben warm. Die Wand und der Boden, die in demselben dunklen beige gestaltet sind, strahlen eine gewisse Geborgenheit aus. Der dunkelrote Stoff der Sitzbank wirkt gemütlich und die goldenen Akzente des Spiegels wirken edel und vornehm. Durch die Wärme des Raumes wirkt der Raum an sich auch viel näher auf den Betrachter, wodurch das gefangene Gefühl in dem Raum bestärkt wird. Auch muss dazu gesagt werden, dass die Farben trotz warmer Wirkung keine Leuchtkraft ausstrahlen und dadurch zusätzlich getrübt, gedämpft, schmutzig, verwischt und unsauber wirken. Dies löst ein Paradoxon in der Wahrnehmung des Raumes in dem Betrachter aus. Zum einen die Wärme aber auch die Kälte, es entsteht ein Kalt-Warm-Kontrast. (3-Farbe) Der Farbauftrag des Gemäldes ist pastos und deckend. Es gibt keine klaren Farbkanten, die Farbe geht an vielen Stellen ineinander über, wodurch es durcheinander, ungeplant, spontan, unsauber aber auch lebendig wirkt. Auch Verwisch- Effekte oder Kratzer tragen zu dieser Wirkung bei. Durch den unsauberen Auftrag entstehen rätselhafte Objekte, die kaum erkennbar sind, wie zu Beispiel die ,,Überbrückung" der Tische oder die Schreibfeder und das Tintenfässchen. Es scheint, als habe der Maler ,,einfach drauf los" gemalt und seinen Gefühlen freien Lauf gelassen. Dadurch ist aber auch die Stofflichkeit der Gegenstände entstanden, da Strukturen des Stoffes, wie zum Beispiel die des Rockes oder der Rüschen gezeigt werden können. Natürlich wird dadurch auch der Naturalismusgrad gemindert, doch der Betrachter erkennt immer noch, was dargestellt werden soll. Die einzigen Ausschnitte, die einen hohen Naturalismusgrad aufweisen, sind die Gesichter der Personen. Dort erkennt man klare Farbkanten und ein feineres Hautbild. Somit wird also wieder bestätigt, dass der Fokus auf den Gesichtern der Personen liegen soll und deshalb der Rest etwas verschwimmt. (4-Farbauftrag) Der Mensch erscheint durch die Farbgestaltung und den Farbauftrag des Gesichts und die des restlichen Gemäldes ausdrucksstark. Das Gemälde stellt eine alltägliche Situation dar, weshalb die Ordnung der Menschen nicht geplant und strukturiert ist, sondern es keine klaren Bildzonen gibt. Häufig werden Spiegel genutzt, um mehrere Raumebenen und Dimensionen zu erschaffen. In diesem Fall soll der Spiegel jedoch das Gegenteil bewirken. Der Spiegel gibt dem Betrachter keine Dimension und ist sozusagen in dem Raum gefangen, es gibt keinen Blick nach draußen, da der Blick durch die Gardinen versperrt ist. Auch die getrübten Farben und die gedämpfte Lichtsituation, wirkt der Raum auswegslos. Genau dieses Gefühl spiegelt aber auch die junge Dame wieder. Sie scheint sich betrunken zu haben und möglicherweise in der Droge gefangen zu sein. Ihr Blick ist leer und nichts- aussagend, sie scheint perspektivlos zu sein. Außerdem sitzt sie zwischen zwei Tischen, als würde sie mit den Tischen gemeinsam in den Abgrund fallen. Sie ist keinem Tisch richtig zugeordnet, was vielleicht ihre momentane Lebenssituation aussagen soll. Möglicherweise plagt sie ein Unzugehörigkeitsgefühl und will dies durch das Trinken vergessen. Dafür sucht sie sich also einen Ort THEORETISCHE WERKSTATTARBEIT Stella Peter wie dieses Café, das ihr durch die warmen Farben Geborgenheit spendet und dort auch noch andere Leute trifft. Die kalte Farbe des Tisches weist womöglich auf die schlechten Auswirkungen des Alkohols hin, der auf den Tischen steht. Auch die kalte Außenwelt, die absichtlich von den Gardinen verdeckt wird, wird in dem Raum ausgeblendet. Es mag also sein, dass die Frau den Mann vor Ort kennengelernt hat und in ihrem Verloren sein eine Person sucht, die ihr Halt gibt, denn der Mann ist noch standhaft und mit beiden Füßen fest auf dem Boden. Die distanzierte Haltung zwischen den beiden kann also durch das Fremdsein erklärt werden. Jedoch kann es auch ganz andere Interpretationen geben, wie zum Beispiel, dass die beiden ein Paar sind und zur eigentlichen Vergnügung in die Bar kommen, um den Alltag zu vergessen. Dabei ist es ihnen anscheinend gleichgültig, wie es der jeweils anderen Person geht, sie leben aneinander vorbei. An diesem Ort können sie vielleicht ihre Gemeinsamkeit teilen, das Trinken. Der Hell-Dunkel-Kontrast der Personen könnte also auch auf eine nicht passende Beziehung hinweisen. Die Kleidung der Frau zeigt eigentlich eine helle und fröhliche Ausstrahlung, ihr Partner eine zurückhaltende, nicht präsente Haltung. Zieht man Informationen aus der Literatur mit in den Blick, so erkennt man in dem Gemälde ein eher untypisches Motiv Degas'. Eigentlich soll er ein Künstler gewesen sein, der es liebte, große Bewegungen, Stoffe und die Anmut der Mädchen zu malen. Er war bekannt als Maler der Tänzerinnen und Jockeys. Ihre Gesichter zeigte er meist blass und anonym, die Bewegung und der Akt sollte in den Vordergrund rücken. Ganz im Gegensatz zu „L´Absinthe". Hier ist das Gesicht und die triste Mimik klar zu erkennen. Das Gesicht wird auch dadurch betont, dass um die Personen herum die Darstellung schnell an Tiefenschärfe verliert. Der Hintergrund beziehungsweise die Umgebung ist verwischt und durcheinander gemalt. Anders als die Impressionisten, die überwiegend positive Seiten des Lebens zeigten, fand Degas zu den radikalsten Lösungen, die Großstadtzivilisation und die einhergehende Entfremdung der in der Vermassung untergehenden Menschen, zu zeigen. Die impressionistische Feiertäglichkeit wurde konfrontiert mit dem Alltag, der ermüdeten Kreatur, der Anspannung der Berufsleute. Degas wolle Portraits von Leuten in ihrer gewohnten und typischen Haltung machen, vor allem für ihre Mienen denselben Ausdruck wählen, wie für ihre Körper. Der Körper der Dame spiegelt also genau wieder, wie sie sich gerade im Inneren fühlt. Verloren, einsam, perspektivlos. Auch der unordentliche Hintergrund trägt natürlich zur Stimmung mit bei, auch wenn das Gesicht fokussierter ist. Ganz nach den ästhetischen Vorstellungen Degas´ ist für den Betrachter die Umgebung des Portraitierten der Schlüssel zur Person. Die Umgebung schlüsselt dem Betrachter also zusätzlich das Innere der Person auf. Labile Formen, Verwischungen und Unordentlichkeit lassen die Person also genauso labil und kraftlos wirken. Die dunklen Spiegelbilder gelten als Ausdruck der Entfremdung und steigern die Isolation voneinander. Selbst dem Betrachter geht aus seinem seitlichen Blickwinkel durch irritierende verunklärte Beziehungen von Figuren, Raum und Spiegelungen ganz unmittelbar jede Sicherheit verloren. Die ungeplante Atmosphäre und Zusammenstellung der Person ist in Wirklichkeit gar nicht ungeplant. Zwei Freunde Degas', Marcellin Desboutin und Schauspielerin Ellen Andrée, sitzen in einem Café Modell für das dargestellte Liebespaar. Somit ist diese Situation also eine gestellte und modellierte, die Degas jedoch so malerisch umsetzte, dass die aktuellen Probleme der Zeit verständlich wurden und auch immer noch werden. Das Café war im 19. Jahrhundert zum einen ein Ort des Austauschs und Kennenlernens und der Kreativität, zum anderen fungierte es aber auch als Rückzugsort, um der Hektik zu entfliehen, das Leben zu entschleunigen und sich vom einsamen Gefühl abzulenken. Da es in den Cafés natürlich auch alkoholische Getränke gegeben hat, wurden sie schnell als Hilfsmittel gegen die negativen Gefühle. Der „Absinth“ war damals ein sehr umstrittenes THEORETISCHE WERKSTATTARBEIT Stella Peter Getränk, dem der Alkoholismus der Arbeiterklasse angelastet wurde. Der Absinth wurde Ende des 19. Jahrhunderts aber auch zum Kultgetränk der Pariser Künstlergemeinde. Neben einer euphorisierenden, berauschenden und anregenden Wirkung, kann Absinth in größeren Mengen zu Halluzinationen und psychischen Problemen führen. Möglich ist also, dass das „Liebespaar“" einen Rückzugsort gesucht hatte, um die Einsamkeit zu „betrinken". Dies scheint aber gleichzeitig paradox zu sein, denn eigentlich sind sie ja nicht einsam, sondern zu zweit. Trotzdem weisen sie eine innere Unzufriedenheit auf, die sich in ihren Gesichtern, in der Komposition des Bildes, in der Konstellation der Personen zueinander und der Farbgestaltung unwiderlegbar bemerkbar macht.

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So ein schöner Lernzettel 😍😍 super nützlich und hilfreich!

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Ihr helles Oberteil ist langärmlig, hochgeschlossen und entlang der Mitte ebenfalls mit orangenen Rüschen bestückt. Zusätzlich zeichnet sie ein imposanter, weiß- grauer Kopfschmuck aus. Ihre Haare sind dunkelblond und hochgesteckt. Im Gegensatz zu ihr ist der Mann an ihrer linken Seite sehr dunkel gekleidet. Er trägt ein schwarzes Sakko, eine dunkle Hose und schwarze Schuhe. Seine dunklen, etwas längeren Haare sind mit einem schwarzen Hut bedeckt. Wie schon erwähnt, liegt sein rechter Arm locker auf dem Tisch. In seiner linken Hand hält er eine Pfeife, an der er raucht. Sein Blick ist ernst und geht eher zu der linken Seite anstatt geradeaus. Der Betracher*innen Standpunkt scheint bei diesem Gemälde hinter dem dritten angeschnittenen Tisch zu sein, der im linken unteren Bildrand steht. Es scheint als sei die Betrachterin oder der Betrachter in dem gleichen Raum zur selben Zeit, also resultierend ein Zeuge oder eine Zeugin der Situation. Analysiert man die Organisation und Ordnung der Bildfläche fällt auf, dass der Bildschwerpunkt überwiegend der rechten Bildseite liegt. Beziehungsweise auf dem oberen rechten Ausschnitt. Die junge Dame grenzt dabei diesen Abschnitt ein, da die Mittelsenkrechte sie noch bis zu der Schulter durchläuft. Das heißt es sind keine klaren eingegrenzten Bildabschnitte zu sehen. Alle Bildzonen gehen ineinander ein, da sie durch die Frau verbunden werden. Im unteren linken Ausschnitt ist ihr Rock noch zu sehen und rechts unten die Beine der Personen. Dadurch wirkt das Bild auf eine THEORETISCHE WERKSTATTARBEIT Stella Peter gewisse Art verschwommen, verlaufen und auch verloren. Die Frau kann sich keiner richtigen Bildzone zuordnen, genau wie sie sich auch keinem Tisch zuordnet. Durch diese Aufteilung kommt die exzentrische Position der zwei Personen zum Vorschein und fällt dem Betrachter in den Blick. Der Mann scheint sogar nicht mehr ganz Teil des Bildes zu sein, da das Bildformat nicht mehr seinen gesamten Körper erfasst. Sein linker Oberarm, sowie sein Knie sind nicht mehr zu sehen. Dadurch wird die Alltagssituation, in der sich die Menschen befinden, dargestellt. Die Position der Personen ist nicht gestellt oder geplant worden. Zudem verfolgt der Hut des Mannes der Diagonalen, die nach oben aus dem Bild heraus führt. Auch sein Blick geht aus dem Bild heraus, wodurch er nicht wirklich Präsenz im Bild zeigt. Insgesamt ist zu erkennen, dass keine geraden Waagerechten in dem Gemälde vorzufinden sind, wodurch eine unsichere, instabile und unruhige Wirkung entsteht. Jedoch gelten diese Waagerechten auch als richtungsweisend. Das auffälligste Beispiel dafür ist die fallende Anordnung der Tische nach links. Tisch eins und zwei fallen also an die linke Bildseite ab. Dort werden sie doch von dem dritten Tisch aufgefangen und ich eine andere Richtung geleitet, und zwar nach unten rechts. Dadurch scheint es, als würde die Tischreihe unter den Betrachter fallen, wodurch der in der Beschreibung erläuterte Eindruck des Betrachterstandpunktes überdacht werden kann. Das Abfallen bewirkt eine irritierende Aufsicht des Betrachterstandpunktes, es scheint also, als würde der der Betrachter ein wenig über dem Tisch stehen und nicht an dem Tisch sitzen. Betrachtet man die Gegenstände, die auf Tisch eins und zwei stehen, so fällt auf, dass das Tablett mit der Karaffe und das Getränk des Mannes auf einer Waagerechten mit dem fallenden Tisch stehen, das Getränk der Frau aber aus diesem Konzept gerissen ist und nicht mit den anderen Gegenständen auf einer Linie liegt. Genau eine Senkrechte durchläuft dieses Glas nämlich und sticht dadurch etwas mehr heraus. Im Vordergrund soll also dieses Getränk stehen. Es gibt also wenige Senkrechten in dem Gemälde, die aber von Bedeutung sind. Wie auch der Rahmen des Spiegels, der auch eigentlich tatsächlich eine gerade Waagerechte gehabt hätte, wenn die ungerade Lehne des Sofas diese nicht überdeckt hätte. Der rechteckige Spiegel fungiert als Rahmen für die Gesichter, das heißt der Fokus wird auf die Personen beziehungsweise auf die Gesichter und die Mimik gelenkt, wodurch dem Betrachter mitgeteilt wird, dass die Gesichtszüge der Menschen wichtig für das Gemälde sind. Die rechteckige Form des Spiegels wirkt zusätzlich bestimmt und ist damit die einzige klare Form in dem Gemälde, lenkt also nicht von den Gesichtern ab. Denn selbst die Wand wurde mit Karos gestaltet. Auch wenn nur ein sehr kleiner Teil der Wand zu sehen ist, so hat sie doch durch die Muster eine labile und „wackelige“ Wirkung. Das Auge des Betrachters nimmt also tatsächlich nur eine bestimmte Unordnung, Unsicherheit und ein irritierendes Gefühl wahr. Die allgemeine Wirkung des Bildes ist durch die Asymmetrie und der nicht ausgewogenen Komposition flüchtig, alltäglich und dynamisch. (1-Organisation der Bildfläche) Schaut man sich die Organisation des Bildraumes an, dass es keine genaue Abgrenzung zwischen Innen- und Außenraum gibt. Der Betrachter fragt sich, ob überhaupt ein Außenraum vorhanden ist. Der mögliche Außenraum wird nämlich von Gardinen bedeckt. Die Frage ist also, gibt es überhaupt Fenster, die in dem Ausschnitt gezeigt werden? Außerdem kann man zusätzlich schwer eine Aussage über die Tageszeit treffen. Es ist keine explizite Lichtquelle erkennbar. Entweder es ist Abend und Lampen in dem Raum dienen als Lichtquelle und treffen die Personen von vorne oder es ist Tag und die Gardinen sind eigentlich durchsichtig und lassen somit etwas Tageslicht hindurch. Auch dieses nicht eindeutige Merkmal des Lichtes oder des Rätsels des Vorhandensein des Außenraumes bewirkt ein unsicheres und ein perspektivloses Gefühl im Betrachter. Diese Perspektivlosigkeit wird zum einen durch die aus dem Bild laufenden/fallenden Waagerechten gezeigt, die zusätzlich ziellos wirken. Zum anderen aber auch durch den Spiegel, der keine Dimension des Raumes auslöst. Es sind THEORETISCHE WERKSTATTARBEIT Stella Peter nur die Silhouetten der Personen, die nur minimal nach hinten verkleinert sind, und der breite Schleier der Gardinen zu sehen, wodurch der Raum gefangen und abgedunkelt wirkt. Der Betrachter ist beschränkt auf das Betrachten der Person und kann sich somit in die Personen hineinfühlen, die diese Leere, Orientierungslosigkeit und Perspektivlosigkeit ausstrahlen. Die Frau wirkt niedergeschlagen und trist. Während der Mann fest mit beiden Füßen auf dem Boden steht und noch standhafter wirkt, hat sich die Frau schon längst verloren. (2-Organisation des Bildraums) Ins Auge fällt nämlich auch der Hell-Dunkel-Kontrast zwischen Mann und Frau. Durch die helle Kleidung und den farbigen Akzenten der Rüschen wirkt die Dame präsenter und mehr im Mittelpunkt, wohingegen der Mann durch seine schwarze Kleidung in den Hintergrund beziehungsweise aus dem Bild rückt und seine Nicht-Teilnahme am Bild bestärkt. Außer die Tische und die Gardinen, die mit dem schmutzigen weiß gefärbt sind, wirkt der Raum durch die Gestaltung der restlichen Farben warm. Die Wand und der Boden, die in demselben dunklen beige gestaltet sind, strahlen eine gewisse Geborgenheit aus. Der dunkelrote Stoff der Sitzbank wirkt gemütlich und die goldenen Akzente des Spiegels wirken edel und vornehm. Durch die Wärme des Raumes wirkt der Raum an sich auch viel näher auf den Betrachter, wodurch das gefangene Gefühl in dem Raum bestärkt wird. Auch muss dazu gesagt werden, dass die Farben trotz warmer Wirkung keine Leuchtkraft ausstrahlen und dadurch zusätzlich getrübt, gedämpft, schmutzig, verwischt und unsauber wirken. Dies löst ein Paradoxon in der Wahrnehmung des Raumes in dem Betrachter aus. Zum einen die Wärme aber auch die Kälte, es entsteht ein Kalt-Warm-Kontrast. (3-Farbe) Der Farbauftrag des Gemäldes ist pastos und deckend. Es gibt keine klaren Farbkanten, die Farbe geht an vielen Stellen ineinander über, wodurch es durcheinander, ungeplant, spontan, unsauber aber auch lebendig wirkt. Auch Verwisch- Effekte oder Kratzer tragen zu dieser Wirkung bei. Durch den unsauberen Auftrag entstehen rätselhafte Objekte, die kaum erkennbar sind, wie zu Beispiel die ,,Überbrückung" der Tische oder die Schreibfeder und das Tintenfässchen. Es scheint, als habe der Maler ,,einfach drauf los" gemalt und seinen Gefühlen freien Lauf gelassen. Dadurch ist aber auch die Stofflichkeit der Gegenstände entstanden, da Strukturen des Stoffes, wie zum Beispiel die des Rockes oder der Rüschen gezeigt werden können. Natürlich wird dadurch auch der Naturalismusgrad gemindert, doch der Betrachter erkennt immer noch, was dargestellt werden soll. Die einzigen Ausschnitte, die einen hohen Naturalismusgrad aufweisen, sind die Gesichter der Personen. Dort erkennt man klare Farbkanten und ein feineres Hautbild. Somit wird also wieder bestätigt, dass der Fokus auf den Gesichtern der Personen liegen soll und deshalb der Rest etwas verschwimmt. (4-Farbauftrag) Der Mensch erscheint durch die Farbgestaltung und den Farbauftrag des Gesichts und die des restlichen Gemäldes ausdrucksstark. Das Gemälde stellt eine alltägliche Situation dar, weshalb die Ordnung der Menschen nicht geplant und strukturiert ist, sondern es keine klaren Bildzonen gibt. Häufig werden Spiegel genutzt, um mehrere Raumebenen und Dimensionen zu erschaffen. In diesem Fall soll der Spiegel jedoch das Gegenteil bewirken. Der Spiegel gibt dem Betrachter keine Dimension und ist sozusagen in dem Raum gefangen, es gibt keinen Blick nach draußen, da der Blick durch die Gardinen versperrt ist. Auch die getrübten Farben und die gedämpfte Lichtsituation, wirkt der Raum auswegslos. Genau dieses Gefühl spiegelt aber auch die junge Dame wieder. Sie scheint sich betrunken zu haben und möglicherweise in der Droge gefangen zu sein. Ihr Blick ist leer und nichts- aussagend, sie scheint perspektivlos zu sein. Außerdem sitzt sie zwischen zwei Tischen, als würde sie mit den Tischen gemeinsam in den Abgrund fallen. Sie ist keinem Tisch richtig zugeordnet, was vielleicht ihre momentane Lebenssituation aussagen soll. Möglicherweise plagt sie ein Unzugehörigkeitsgefühl und will dies durch das Trinken vergessen. Dafür sucht sie sich also einen Ort THEORETISCHE WERKSTATTARBEIT Stella Peter wie dieses Café, das ihr durch die warmen Farben Geborgenheit spendet und dort auch noch andere Leute trifft. Die kalte Farbe des Tisches weist womöglich auf die schlechten Auswirkungen des Alkohols hin, der auf den Tischen steht. Auch die kalte Außenwelt, die absichtlich von den Gardinen verdeckt wird, wird in dem Raum ausgeblendet. Es mag also sein, dass die Frau den Mann vor Ort kennengelernt hat und in ihrem Verloren sein eine Person sucht, die ihr Halt gibt, denn der Mann ist noch standhaft und mit beiden Füßen fest auf dem Boden. Die distanzierte Haltung zwischen den beiden kann also durch das Fremdsein erklärt werden. Jedoch kann es auch ganz andere Interpretationen geben, wie zum Beispiel, dass die beiden ein Paar sind und zur eigentlichen Vergnügung in die Bar kommen, um den Alltag zu vergessen. Dabei ist es ihnen anscheinend gleichgültig, wie es der jeweils anderen Person geht, sie leben aneinander vorbei. An diesem Ort können sie vielleicht ihre Gemeinsamkeit teilen, das Trinken. Der Hell-Dunkel-Kontrast der Personen könnte also auch auf eine nicht passende Beziehung hinweisen. Die Kleidung der Frau zeigt eigentlich eine helle und fröhliche Ausstrahlung, ihr Partner eine zurückhaltende, nicht präsente Haltung. Zieht man Informationen aus der Literatur mit in den Blick, so erkennt man in dem Gemälde ein eher untypisches Motiv Degas'. Eigentlich soll er ein Künstler gewesen sein, der es liebte, große Bewegungen, Stoffe und die Anmut der Mädchen zu malen. Er war bekannt als Maler der Tänzerinnen und Jockeys. Ihre Gesichter zeigte er meist blass und anonym, die Bewegung und der Akt sollte in den Vordergrund rücken. Ganz im Gegensatz zu „L´Absinthe". Hier ist das Gesicht und die triste Mimik klar zu erkennen. Das Gesicht wird auch dadurch betont, dass um die Personen herum die Darstellung schnell an Tiefenschärfe verliert. Der Hintergrund beziehungsweise die Umgebung ist verwischt und durcheinander gemalt. Anders als die Impressionisten, die überwiegend positive Seiten des Lebens zeigten, fand Degas zu den radikalsten Lösungen, die Großstadtzivilisation und die einhergehende Entfremdung der in der Vermassung untergehenden Menschen, zu zeigen. Die impressionistische Feiertäglichkeit wurde konfrontiert mit dem Alltag, der ermüdeten Kreatur, der Anspannung der Berufsleute. Degas wolle Portraits von Leuten in ihrer gewohnten und typischen Haltung machen, vor allem für ihre Mienen denselben Ausdruck wählen, wie für ihre Körper. Der Körper der Dame spiegelt also genau wieder, wie sie sich gerade im Inneren fühlt. Verloren, einsam, perspektivlos. Auch der unordentliche Hintergrund trägt natürlich zur Stimmung mit bei, auch wenn das Gesicht fokussierter ist. Ganz nach den ästhetischen Vorstellungen Degas´ ist für den Betrachter die Umgebung des Portraitierten der Schlüssel zur Person. Die Umgebung schlüsselt dem Betrachter also zusätzlich das Innere der Person auf. Labile Formen, Verwischungen und Unordentlichkeit lassen die Person also genauso labil und kraftlos wirken. Die dunklen Spiegelbilder gelten als Ausdruck der Entfremdung und steigern die Isolation voneinander. Selbst dem Betrachter geht aus seinem seitlichen Blickwinkel durch irritierende verunklärte Beziehungen von Figuren, Raum und Spiegelungen ganz unmittelbar jede Sicherheit verloren. Die ungeplante Atmosphäre und Zusammenstellung der Person ist in Wirklichkeit gar nicht ungeplant. Zwei Freunde Degas', Marcellin Desboutin und Schauspielerin Ellen Andrée, sitzen in einem Café Modell für das dargestellte Liebespaar. Somit ist diese Situation also eine gestellte und modellierte, die Degas jedoch so malerisch umsetzte, dass die aktuellen Probleme der Zeit verständlich wurden und auch immer noch werden. Das Café war im 19. Jahrhundert zum einen ein Ort des Austauschs und Kennenlernens und der Kreativität, zum anderen fungierte es aber auch als Rückzugsort, um der Hektik zu entfliehen, das Leben zu entschleunigen und sich vom einsamen Gefühl abzulenken. Da es in den Cafés natürlich auch alkoholische Getränke gegeben hat, wurden sie schnell als Hilfsmittel gegen die negativen Gefühle. Der „Absinth“ war damals ein sehr umstrittenes THEORETISCHE WERKSTATTARBEIT Stella Peter Getränk, dem der Alkoholismus der Arbeiterklasse angelastet wurde. Der Absinth wurde Ende des 19. Jahrhunderts aber auch zum Kultgetränk der Pariser Künstlergemeinde. Neben einer euphorisierenden, berauschenden und anregenden Wirkung, kann Absinth in größeren Mengen zu Halluzinationen und psychischen Problemen führen. Möglich ist also, dass das „Liebespaar“" einen Rückzugsort gesucht hatte, um die Einsamkeit zu „betrinken". Dies scheint aber gleichzeitig paradox zu sein, denn eigentlich sind sie ja nicht einsam, sondern zu zweit. Trotzdem weisen sie eine innere Unzufriedenheit auf, die sich in ihren Gesichtern, in der Komposition des Bildes, in der Konstellation der Personen zueinander und der Farbgestaltung unwiderlegbar bemerkbar macht.