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Aus dem portugisischem „barucca" abgeleitet, bedeutet „schiefrunde Perle", bezeichnet aber auch
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Barock (1600 -1789) Aus dem portugisischem „barucca" abgeleitet, bedeutet „schiefrunde Perle", bezeichnet aber auch ,,grotesk, verdreht und lebensfroh". Grundsätzlich wurde der Begriff zunächst als Schmähwort verwendet, im Sinne des Schwülstigen, Übertriebenen, Überladenen. Die heutige, neutrale Bedeutung des formenreichen, prunkvollen Stils festigte sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Spätphase des Barock, der Rokoko, der unter der Herrschaft Ludwig XVI. auch „ancien régime" genannt wird, endet mit der französischen Revolution, 1789. Der Barock wird in vier gebietsabhängige Hauptrichtungen eingeteilt: Sensualistisch-naturalistische Barock Verbreitet in Gegenden, in denen die katholische Kurie Richtlinien für die Kunst erlässt (Rom, Flandern, südliches Europa). Der klassische Barock Höfischer Barock in Frankreich unter der absolutistischen Herrschaft Ludwig XIV., der die Kunst reglementiert. Er dient als Vorbild für die Fürsten- und Königshöfe in ganz Europa. - - Verinnerlichte Naturalismus Vorherrschend im bürgerlich-protestantischen Holland. Auftraggeber sind nicht mehr nur Adel und Klerus, sondern v.a. Bürger. - Realistische Barock Höfisch-katholisch geprägt, verbreitet in Spanien 1. Bedeutung der Kunst / Künstlers Nicht zuletzt haben die Glaubensauseinandersetzungen auch weitgreifende Folgen für die künstlerische Entwicklung in Europa. Die wieder erstarkte, katholische Kirche der Gegenreformation bediente sich der Kunst zur Selbstdarstellung und setzte deren Mittel und Möglichkeiten gezielt als Propagandamittel für ihre Zwecke ein (,propaganda fidei"). Der Gläubige sollte sinnlich überwältigt und im Glauben bestätigt und gestärkt bzw. in den Schoß der Kirche zurückgeführt werden. Die Kunst ist dadurch emotional...

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geprägt und wendet sich in dieser Emotion an die Gefühlswelt des Gläubigen, der im übersteigerten Sinnlichen das Übersinnliche erfahren soll (,,theatrum sacrum“). Ähnliches gilt für die weltlichen Herrscher wie Könige, Fürsten („theatrum mundi“). Der Künstler war lediglich Handlanger seiner adligen oder kirchlichen Auftraggeber. Angestrebt war das barocke Gesamtkunstwerk in der Vereinigung von Architektur, Skulptur und Malerei. Dabei verschwimmen oft die Grenzen zwischen den Disziplinen. Man erkennt durch den Trompe- l'oeil-Effekt (Illusionismus) nicht mehr, was Architektur oder Skulptur und was Malerei ist (Scheinarchitektur). Nicht selten spielen die Künstler mit diesem Effekt aus ganz praktischen Gründen, nämlich um teure Materialien zu sparen, indem sie kostbaren Marmor täuschend echt malerisch nachahmen. Ein Hauptmerkmal wurde - im Gegensatz zur ruhigen, harmonischen Statik der Renaissance - die lebendig, dynamische Bewegung, die mit dramatischem Pathos und Illusionismus zu einer berauschenden Pracht zusammenfließt. Der Gläubige sollte in Ekstase versetzt werden durch die angehäuften, immer wiederkehrenden, schwingenden, gekurvten Formen, aber auch durch eine theatralische Lichtführung. Im Mittelpunkt standen Bibelszenen, Heiligenlegenden und Märtyrertode, sowie allgemeine religiöse und weltliche historische Szenen. In den protestantischen geprägten Ländern, v. a. in Holland, deswegen ist die gebräuchliche Bezeichnung: ,,Holländischer Barock“, „Goldenes Zeitalter“, präsentiert sich das Großbürgertum in Gruppenportraits als selbstbewusste, staatstragende Schicht. Die traditionell von Adel und Kirche bevorzugte Historienmalerei verliert an Bedeutung, stattdessen zeigen die kleineren, intimeren Genrebilder die bürgerliche Welt und deren Werte wie Sittenstrenge, Häuslichkeit und Familie, die durch moralisierenden Hintergrund geprägt ist und sich deutlich von den Werten des sinnenfrohen Adels absetzen. Nun kauften auch die Mittelschicht oder begüterte Bauern Kunstwerke. Künstler produzierten für einen anonymen Kunstmarkt, ohne Auftraggeber. Der Käufer bevorzugte die Gattungen und Themen, die er verstand und bezahlen konnte. So spielten allegorische und mythologische Themen, die einen bestimmten Bildungsstand erforderten, auf dem Kunstmarkt keine Rolle und die „teuren“ Historien wurden durch die ,,billigeren“ Landschaften ersetzt. Dies konnte jedoch nur geschehen, weil der Calvinismus in den Niederlanden der Unterhaltungs- funktion des Kunstwerks - anstelle der Andachtsfunktion - zum Durchbruch verholfen und damit der Kunst eine neue ideologische Grundlage geschaffen hat. Calvinismus: Nach Calvins Lehre ist der Mensch von Gott zu Heil oder Unheil vorbestimmt (Prädestination) und muss seine Auserwähltheit durch sein Leben und Wirken beweisen. Wirtschaftlicher Erfolg gilt demnach als Zeichen der Gnade Gottes. Der Calvinismus fand in Frankreich, in den Niederlanden und England Verbreitung und gelangte durch die Puritaner auch nach Nordamerika. In Deutschland wurden Protestanten und Katholiken 1555 durch den Augsburger Religionsfrieden gleichgestellt, nicht aber Calvinisten. In Schottland und England hießen die Calvinisten Puritaner, in Frankreich Hugenotten. In Frankreich bekämpften die Katholiken die Hugenotten. Sie wurden verfolgt, viele getötet, der Glaube verboten. Der Kampf der calvinistischen Niederländer gegen die katholische spanische Vorherrschaft endete 1587 mit der Gründung der Republik der Vereinigten Niederlande. Die Kunst säkularisierte (= aus Kirchenbesitz nehmen und verweltlichen) zunehmend, religiöse Themen hängte man sich seltener an die Wand (auch im Hinblick auf den im Protestantismus vertretenen ,,Ikonoklasmus“(= Bild / Skulpturen / Reliefzerstörung). Moralisierende und belehrende Botschaften wurden von nun an im Stillleben und auch im Genre verpackt. Holländische Kunst ist eine Kunst des Beschreibens. Die Künstler ließen sich auf die Welt ein, so wie sie sie vorfanden, wobei auch hier wie im katholischen Barock den Gegenständen eine überaus hohe Stofflichkeit, eine akribische Genauigkeit und auch eine tiefe Symbolik zukommt. Alle Richtungen des Barock sind gekennzeichnet von Spannungen, die besonders betont und zugleich auch aufgehoben werden, vom Dualismus von Sein und Schein, von praller Diesseitsfreude und leidenschaftlicher Hingabe an das Transzendente (siehe z. B. das Vanitasmotiv in Stillleben). Memento mori: lat. „Bedenke, dass du sterblich bist". Als Stilmotiv findet es sich in allen Epochen der Kunst. Typische Motive im Vanitas-Stillleben sind faulende Früchte, mit Fliegen besetzte Granatäpfel, umgekippte Weingläser, Totenschädel und ähnliche, die Vergänglichkeit symbolisierende Objekte. Stillleben: Bezeichnet in der Geschichte der europäischen Kunsttradition die Darstellung toter bzw. regloser Gegenstände (Blumen, Früchte, tote Tiere, Gläser, Instrumente o. a.). Zu einer eigenständigen Gattung der Malerei entwickelten sich diese Darstellungen am Anfang des 17. Jahrhunderts im Barock. Vanitas: lat. „leerer Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit“; auch Prahlerei ist ein Wort für die christliche Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen, die ihren Ursprung im Alten Testament findet: „Es ist alles eitel." Diese Übersetzung Martin Luthers verwendet „eitel“ im ursprünglichen Sinne von „nichtig". Vanitas - die Spannung zwischen mystischer Frömmigkeit und weltlicher Daseinsfreude prägt die Geisteshaltung der Kunst. Äußerst lebendig ist das Bewusstsein der Vergänglichkeit (Pest und Krieg prägen die äußeren Lebensumstände). Die Vanitasmotive v.a. in Stillleben aber auch in Landschaftsbildern etc. stehen als Gleichnis für das eng begrenzte Leben im Sinne des "memento mori". 2. Merkmale: 2.1. Inhaltliche Merkmale 2.1.1. Katholische Gebiete: Propaganda fidei: Werbung der Kirche um die Gläubigen im Rahmen der Gegenreformation: Darstellung biblischer Szenen, vor allem diejenigen, in denen die Kirche verteidigt wird oder Gläubige für die Kirche auch mit ihrem Leben eintreten („Allerheiligenhimmel", Märtyrerbilder), ebenso Himmelfahrt Christi und Mariens). Apotheose (weltlich und geistlich): Heilige, Märtyrer, Herrscher werden im Reigen mit den antiken oder ristlichen Himmelsmächten in theatralischer, bühr haften Inszenierung bei der Erhebung in den Himmel gezeigt, um dadurch den Gläubigen von der Macht der Kirche und des Adels zu beeindrucken und ihn im Sinne einer Vorbildfunktion zur gehorchenden Nachfolge und zum Nacheifern in tiefem Glauben zu animieren. (theatrum sacrum und theatrum mundi) Allegorie: sinnbildliche Darstellung oder Personifizierung eines abstrakten Begriffes (z.B. Justizia als Allegorie der Gerechtigkeit) Deckengemälde in San Ignazio, Rom, Andrea Pozzo (1608-1704) 2.1.2. Protestantische Gebiete: Ausprägung und paralleles Bestehen aller Kunstgattungen: Historienmalerei: älteste Kunstgattung (Darstellung mythologischer und religiöser Geschichten, aber auch faktisch zugetragene Geschehnisse). Sie verliert im holländischen Barock gegenüber den anderen Kunstgattungen an Bedeutung. Portraitmalerei: die bereits in der Renaissance beim Adel in Mode gekommene Kunstgattung findet nun auch bei den Bürgern vor allem in Form so genannter Gruppenbildnisse großen Anklang. Gruppenportraitmalerei Landschaftsmalerei: Im Fach der Landschaftsmalerei verzichtet der Künstler zum ersten Mal ganz auf mythologische oder biblische Staffagefiguren. Die getreue Wiedergabe oder die komponierte Ansicht, die Reales und Erfundenes kombiniert, wurden hierbei zum alleinigen Motiv. Im Mittelpunkt standen heimatliche, holländische Landschaften, die nun bildwürdig erschienen. Zu dieser Gattung gehören auch Stadtansichten und so genannte Seestücke. Die Motive transportieren meistens eine Symbolik, wobei z. B. Bäume als Menschenleben gelten, ein gefällter oder abgestorbener Baum als Tod, ein fließender Bach als vergängliches Leben, etc. (s. Vanitas) Windmühle auf Wijk Seestück Genremalerei: Darstellung charakteristischer Szenen aus dem alltäglichen Leben eines bestimmten Standes (Bauern oder Bürger), meist oft in drastischer mitunter komischer, ja karikaturesker Weise. Im Genrebild werden moralisierende, erzieherische Lebensregeln transportiert. Junge Frau mit Wasserkrug, Jan Vermeer 1664, Öl auf Leinwand, 45 x 40 cm Interieurmalerei: Eng verwandt mit der Genremalerei. Bilder, die Menschen im Innenraum bei häuslichen Tätigkeiten oder nur Innenräume zeigen. Weniger moralisierend. Harlem, Bavokirche Stilllebenmalerei: Darstellung einer Komposition toter oder vergehender Gegenstände. Motiv der

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So ein schöner Lernzettel 😍😍 super nützlich und hilfreich!

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Barock (1600 -1789) Aus dem portugisischem „barucca" abgeleitet, bedeutet „schiefrunde Perle", bezeichnet aber auch ,,grotesk, verdreht und lebensfroh". Grundsätzlich wurde der Begriff zunächst als Schmähwort verwendet, im Sinne des Schwülstigen, Übertriebenen, Überladenen. Die heutige, neutrale Bedeutung des formenreichen, prunkvollen Stils festigte sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Spätphase des Barock, der Rokoko, der unter der Herrschaft Ludwig XVI. auch „ancien régime" genannt wird, endet mit der französischen Revolution, 1789. Der Barock wird in vier gebietsabhängige Hauptrichtungen eingeteilt: Sensualistisch-naturalistische Barock Verbreitet in Gegenden, in denen die katholische Kurie Richtlinien für die Kunst erlässt (Rom, Flandern, südliches Europa). Der klassische Barock Höfischer Barock in Frankreich unter der absolutistischen Herrschaft Ludwig XIV., der die Kunst reglementiert. Er dient als Vorbild für die Fürsten- und Königshöfe in ganz Europa. - - Verinnerlichte Naturalismus Vorherrschend im bürgerlich-protestantischen Holland. Auftraggeber sind nicht mehr nur Adel und Klerus, sondern v.a. Bürger. - Realistische Barock Höfisch-katholisch geprägt, verbreitet in Spanien 1. Bedeutung der Kunst / Künstlers Nicht zuletzt haben die Glaubensauseinandersetzungen auch weitgreifende Folgen für die künstlerische Entwicklung in Europa. Die wieder erstarkte, katholische Kirche der Gegenreformation bediente sich der Kunst zur Selbstdarstellung und setzte deren Mittel und Möglichkeiten gezielt als Propagandamittel für ihre Zwecke ein (,propaganda fidei"). Der Gläubige sollte sinnlich überwältigt und im Glauben bestätigt und gestärkt bzw. in den Schoß der Kirche zurückgeführt werden. Die Kunst ist dadurch emotional...

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Ein Hauptmerkmal wurde - im Gegensatz zur ruhigen, harmonischen Statik der Renaissance - die lebendig, dynamische Bewegung, die mit dramatischem Pathos und Illusionismus zu einer berauschenden Pracht zusammenfließt. Der Gläubige sollte in Ekstase versetzt werden durch die angehäuften, immer wiederkehrenden, schwingenden, gekurvten Formen, aber auch durch eine theatralische Lichtführung. Im Mittelpunkt standen Bibelszenen, Heiligenlegenden und Märtyrertode, sowie allgemeine religiöse und weltliche historische Szenen. In den protestantischen geprägten Ländern, v. a. in Holland, deswegen ist die gebräuchliche Bezeichnung: ,,Holländischer Barock“, „Goldenes Zeitalter“, präsentiert sich das Großbürgertum in Gruppenportraits als selbstbewusste, staatstragende Schicht. Die traditionell von Adel und Kirche bevorzugte Historienmalerei verliert an Bedeutung, stattdessen zeigen die kleineren, intimeren Genrebilder die bürgerliche Welt und deren Werte wie Sittenstrenge, Häuslichkeit und Familie, die durch moralisierenden Hintergrund geprägt ist und sich deutlich von den Werten des sinnenfrohen Adels absetzen. Nun kauften auch die Mittelschicht oder begüterte Bauern Kunstwerke. Künstler produzierten für einen anonymen Kunstmarkt, ohne Auftraggeber. Der Käufer bevorzugte die Gattungen und Themen, die er verstand und bezahlen konnte. So spielten allegorische und mythologische Themen, die einen bestimmten Bildungsstand erforderten, auf dem Kunstmarkt keine Rolle und die „teuren“ Historien wurden durch die ,,billigeren“ Landschaften ersetzt. Dies konnte jedoch nur geschehen, weil der Calvinismus in den Niederlanden der Unterhaltungs- funktion des Kunstwerks - anstelle der Andachtsfunktion - zum Durchbruch verholfen und damit der Kunst eine neue ideologische Grundlage geschaffen hat. Calvinismus: Nach Calvins Lehre ist der Mensch von Gott zu Heil oder Unheil vorbestimmt (Prädestination) und muss seine Auserwähltheit durch sein Leben und Wirken beweisen. Wirtschaftlicher Erfolg gilt demnach als Zeichen der Gnade Gottes. Der Calvinismus fand in Frankreich, in den Niederlanden und England Verbreitung und gelangte durch die Puritaner auch nach Nordamerika. In Deutschland wurden Protestanten und Katholiken 1555 durch den Augsburger Religionsfrieden gleichgestellt, nicht aber Calvinisten. In Schottland und England hießen die Calvinisten Puritaner, in Frankreich Hugenotten. In Frankreich bekämpften die Katholiken die Hugenotten. Sie wurden verfolgt, viele getötet, der Glaube verboten. Der Kampf der calvinistischen Niederländer gegen die katholische spanische Vorherrschaft endete 1587 mit der Gründung der Republik der Vereinigten Niederlande. Die Kunst säkularisierte (= aus Kirchenbesitz nehmen und verweltlichen) zunehmend, religiöse Themen hängte man sich seltener an die Wand (auch im Hinblick auf den im Protestantismus vertretenen ,,Ikonoklasmus“(= Bild / Skulpturen / Reliefzerstörung). Moralisierende und belehrende Botschaften wurden von nun an im Stillleben und auch im Genre verpackt. Holländische Kunst ist eine Kunst des Beschreibens. Die Künstler ließen sich auf die Welt ein, so wie sie sie vorfanden, wobei auch hier wie im katholischen Barock den Gegenständen eine überaus hohe Stofflichkeit, eine akribische Genauigkeit und auch eine tiefe Symbolik zukommt. Alle Richtungen des Barock sind gekennzeichnet von Spannungen, die besonders betont und zugleich auch aufgehoben werden, vom Dualismus von Sein und Schein, von praller Diesseitsfreude und leidenschaftlicher Hingabe an das Transzendente (siehe z. B. das Vanitasmotiv in Stillleben). Memento mori: lat. „Bedenke, dass du sterblich bist". Als Stilmotiv findet es sich in allen Epochen der Kunst. Typische Motive im Vanitas-Stillleben sind faulende Früchte, mit Fliegen besetzte Granatäpfel, umgekippte Weingläser, Totenschädel und ähnliche, die Vergänglichkeit symbolisierende Objekte. Stillleben: Bezeichnet in der Geschichte der europäischen Kunsttradition die Darstellung toter bzw. regloser Gegenstände (Blumen, Früchte, tote Tiere, Gläser, Instrumente o. a.). Zu einer eigenständigen Gattung der Malerei entwickelten sich diese Darstellungen am Anfang des 17. Jahrhunderts im Barock. Vanitas: lat. „leerer Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit“; auch Prahlerei ist ein Wort für die christliche Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen, die ihren Ursprung im Alten Testament findet: „Es ist alles eitel." Diese Übersetzung Martin Luthers verwendet „eitel“ im ursprünglichen Sinne von „nichtig". Vanitas - die Spannung zwischen mystischer Frömmigkeit und weltlicher Daseinsfreude prägt die Geisteshaltung der Kunst. Äußerst lebendig ist das Bewusstsein der Vergänglichkeit (Pest und Krieg prägen die äußeren Lebensumstände). Die Vanitasmotive v.a. in Stillleben aber auch in Landschaftsbildern etc. stehen als Gleichnis für das eng begrenzte Leben im Sinne des "memento mori". 2. Merkmale: 2.1. Inhaltliche Merkmale 2.1.1. Katholische Gebiete: Propaganda fidei: Werbung der Kirche um die Gläubigen im Rahmen der Gegenreformation: Darstellung biblischer Szenen, vor allem diejenigen, in denen die Kirche verteidigt wird oder Gläubige für die Kirche auch mit ihrem Leben eintreten („Allerheiligenhimmel", Märtyrerbilder), ebenso Himmelfahrt Christi und Mariens). Apotheose (weltlich und geistlich): Heilige, Märtyrer, Herrscher werden im Reigen mit den antiken oder ristlichen Himmelsmächten in theatralischer, bühr haften Inszenierung bei der Erhebung in den Himmel gezeigt, um dadurch den Gläubigen von der Macht der Kirche und des Adels zu beeindrucken und ihn im Sinne einer Vorbildfunktion zur gehorchenden Nachfolge und zum Nacheifern in tiefem Glauben zu animieren. (theatrum sacrum und theatrum mundi) Allegorie: sinnbildliche Darstellung oder Personifizierung eines abstrakten Begriffes (z.B. Justizia als Allegorie der Gerechtigkeit) Deckengemälde in San Ignazio, Rom, Andrea Pozzo (1608-1704) 2.1.2. Protestantische Gebiete: Ausprägung und paralleles Bestehen aller Kunstgattungen: Historienmalerei: älteste Kunstgattung (Darstellung mythologischer und religiöser Geschichten, aber auch faktisch zugetragene Geschehnisse). Sie verliert im holländischen Barock gegenüber den anderen Kunstgattungen an Bedeutung. Portraitmalerei: die bereits in der Renaissance beim Adel in Mode gekommene Kunstgattung findet nun auch bei den Bürgern vor allem in Form so genannter Gruppenbildnisse großen Anklang. Gruppenportraitmalerei Landschaftsmalerei: Im Fach der Landschaftsmalerei verzichtet der Künstler zum ersten Mal ganz auf mythologische oder biblische Staffagefiguren. Die getreue Wiedergabe oder die komponierte Ansicht, die Reales und Erfundenes kombiniert, wurden hierbei zum alleinigen Motiv. Im Mittelpunkt standen heimatliche, holländische Landschaften, die nun bildwürdig erschienen. Zu dieser Gattung gehören auch Stadtansichten und so genannte Seestücke. Die Motive transportieren meistens eine Symbolik, wobei z. B. Bäume als Menschenleben gelten, ein gefällter oder abgestorbener Baum als Tod, ein fließender Bach als vergängliches Leben, etc. (s. Vanitas) Windmühle auf Wijk Seestück Genremalerei: Darstellung charakteristischer Szenen aus dem alltäglichen Leben eines bestimmten Standes (Bauern oder Bürger), meist oft in drastischer mitunter komischer, ja karikaturesker Weise. Im Genrebild werden moralisierende, erzieherische Lebensregeln transportiert. Junge Frau mit Wasserkrug, Jan Vermeer 1664, Öl auf Leinwand, 45 x 40 cm Interieurmalerei: Eng verwandt mit der Genremalerei. Bilder, die Menschen im Innenraum bei häuslichen Tätigkeiten oder nur Innenräume zeigen. Weniger moralisierend. Harlem, Bavokirche Stilllebenmalerei: Darstellung einer Komposition toter oder vergehender Gegenstände. Motiv der