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 Erörterung SP Analyse
Leute, wollt ihr ewig sterben? - Durs Grünbein
Der 2000 erschienene Text im Spiegel von Durs Grünbein beschäftigt sic
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Celine

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11/12/13

Klausur

Abi Thema Nummer 3, Variante B Erörterung Schwerpunkt Analyse oder Erörterung / Beispieltext

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Erörterung SP Analyse Leute, wollt ihr ewig sterben? - Durs Grünbein Der 2000 erschienene Text im Spiegel von Durs Grünbein beschäftigt sich mit der Gentechnik und der daraus resultierenden Verlängerung der Lebenszeit. Anlass war damals vermutlich die erste Entschlüsselung einer pflanzlichen DNA, doch auch heute noch ist das Thema präsent und wird häufig diskutiert, vor allem von ethischer Sicht aus, wenn es um den Menschen geht. Grünbein vertritt die These, dass man nur die Zeit, jedoch nicht die Lebensqualität damit verlängern könne und dass die Gesellschaft nicht im Hier und Jetzt, sondern im „Später" lebe. Grünbein beginnt fast ohne Einleitung, so scheint es. Es wirkt wie eine Art Werbeslogan und er beschreibt die darin herrschende Realität. Schon im zweiten Satz fällt das erste Mal das Wort Unsterblichkeit und im vierten Satz dann die Verlängerung der Lebenszeit. Zudem wird der Titel gleich nochmal aufgenommen und als Hauptfaktor verwendet. Im nächsten Teil kommt nun die Wahrheit ans Licht, denn der Absatz beginnt mit einer Fragestellung was wäre bloß los, wenn... und zeigt so die Gegenseite auf. Es geht nun also im Folgenden darum, was das Länger leben nun für uns als Nebeneffekt bedeuten könne. Grünbein ist der Meinung, dass der Mensch nun das langweiligste Geschöpf auf Erden sei, wenn er nur aus der gleichen Abfolge von Sequenzen...

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bestehe. Es würde die Individualität des Menschen verloren gehen und wir wären im Endeffekt alle gleich. Zudem behauptet er, die Gefahr käme nun mehr nicht mehr von außen, sondern von innen. Nach einer kurzen geschichtlichen Passage über Adam, kommt er auf diesen Punkt erneut zurück und beendet seinen Text mit der Aussage, dass dieser Wechsel eine Wende in unserer Geschichte markiere. Der Text ist aufgebaut in drei große (Sinn-) Abschnitte: Der erste Teil seines Textes ist die Einleitung ins Thema und wirkt gelesen wie eine Art Werbespot, er soll den Leser ansprechen und schon mit einer gewissen Art von Humor überzeugen. Er animiert zum Weiterlesen, da man nun wissen will, auf was genau der Autor hinausmöchte, wenn er so einen Text beginnt. Der zweite Teil seines Textes zeigt nun seinen eigenen Standpunkt und das, was er dem Leser mitgeben und wovon er uns überzeugen möchte. Der letzte Teil dient nun mehr als Verallgemeinerung durch das Wort „Jeder“ (Z. 82) und zusätzlich auch als Zukunftsvorhersage. Durs Grünbein stellt in seinem Text drei Thesen vor, die erste ist, dass der Mensch durch die Veränderung langweilig wurde; die zweite, dass die Gefahr nun erstmalig von innen kommt (Analogieargument?) und die dritte, dass die Kräfte im Inneren den Menschen so umgestalten, dass er sich selbst entfremdet. Er begründet seine Thesen alle nicht mit einer Begründung. Zum Beispiel begründet er sein Erfahrungsargument nicht wirklich, er sagt nur, dass die Gentechnik, seiner Meinung nach, das Ende der Abenteuer und somit der Anfang von Langeweile sei. Allerdings stellt er dies in einer rhetorischen Frage dar, weshalb er wahrscheinlich keine Begründung und kein Beispiel seines Arguments nennt. Auch seine zweite These stützt er nicht mit einer Begründung oder einem Beispiel. Er behauptet nur, dass die Gesellschaft nun legitimiert ist den eigenen Körper zu kontrollieren. Erst seine dritte These belegt er mit einem Beispiel. Der Mensch wird umgestaltet, weil seine Erbsubstanz nun mehr das Resultat von Technik (vgl. Z. 78-81) und nicht mehr das Resultat der Biologie und Vererbungslehre sei. Sein kompletter Text ist durchzogen von allerlei rhetorischen Stilmitteln. Es beginnt schon im Titel: In der rhetorischen Frage steckt noch eine Antithese des „ewig steben[s]“ mit drin. Bei diesem Titel stockt der Leser erstmal, weil er nicht so einfach zu lesen und zu verstehen ist. Bevor man den Text kennt, ist der Titel wohl eher noch ein Rätsel. Zudem enthält der Titel mehrere Bedeutungen: Das ewig sterben kann sich auf die früheren Generationen beziehen, die sterben mussten, weil sie die Technologie noch nicht besaßen. Das ewig sterben kann sich aber auch genauso gut auf die genetisch veränderten Menschen beziehen, weil es sich für sie nach der Veränderung des Genoms anfühlt als würden sie nicht richtig leben und nicht sie selbst sein und somit gefangen im eigenen Körper. Der Titel bezieht sich zudem auf eine Aussage von Friedrich dem Großen, genau so wurde auch ein Film Ende der 50er Jahre mit dem Titel „Hunde, wollt ihr ewig leben?" gedreht. Die ersten Sätze seines Textes packt Grünbein in Parataxen, dadurch wirkt das Geschriebene leicht hektisch, erzeugt wieder diese Art von Werbecharakter und in jedem Satz wird eine neue Information enthüllt. Durch die Alliteration und das gleichzeitige Oxymoron ,,leere(r) Lebenszeit“ (Z. 7) wird schon am Anfang des Textes klar, auf welcher Seite der Debatte sich der Autor befindet. Mit seiner rhetorischen Frage in Zeile 9f. und der Ansprache „ihr“ distanziert sich der Autor von der Masse und verurteilt sie bzw. wertet sie dadurch etwas ab. Durch seine Aufzählung ab Z. 20 zeigt er, was den Menschen eigentlich wichtig ist und was sie anders machen würden, wenn sie länger leben würden. An erster Stelle steht hier die Familie, dann das Geld, dann die Arbeit und erst ganz am Ende die Freizeit. Doch dies scheint paradox, denn den ersten Punkt der Familie kann man theoretisch auch jetzt schon ändern und muss dazu nicht auf eine länge Lebenszeit hoffen. Hier zeigt sich Grünbeins Kritik an der Einstellung der Menschen, sie leben immer nach dem Motto „Jetzt gerade kann ich nicht, aber später werde ich mich noch diesen und jenen Dingen widmen". Im nächsten Absatz spricht er zu den früheren Generationen, die das Besondere nicht miterleben konnten. Er beschreibt sie als „gewöhnliche[n] Sterbliche[n] früherer Epochen“ (Z. 24f.) was vor dem Hintergrund, dass die Technik im Jahr 2000 noch nicht einmal so weit war, schon überheblich und im gleichen Zug sarkastisch klingt. Durch die Hyperbel Epochen scheint es zudem so, als seien die zwei Generationen so weit voneinander getrennt, obwohl sie das faktisch gar nicht sind. Damit möchte Grünbein kritisieren, dass viele Menschen damals schon hochmütig waren und ihre schönste Zukunft gesehen haben, wobei die Realität gerade mal am Anfang stand. Wie schon zu Beginn gesagt, wurde in diesem Jahr gerade einmal das erste Pflanzengenom untersucht, also noch weit entfernt vom Menschen, geschweige denn, dass man wirklich irgendwas am Zellkern ändern könne, sodass man unsterblich (oder garantiert 200 Jahre (Z. 19)) wird. Seinen Teil zwischen dem langweiligen Menschen und der Gefahr von innen trennt er durch eine abgewandelte Redewendung (Z. 39f.), die in diesem Kontext belustigend wirkt und die Stimmung des Textes lockert. Die eigentliche Redewendung würde heißen „zu tief ins Glas geguckt“ und beschreibt eine betrunkene Person. Somit möchte Grünbein hier darauf aufmerksam machen, dass die genetisch veränderten Menschen sich wie Betrunkene verhalten könnten, wenn sie zu viel von sich verändert haben. Dieser dauerhafte Zustand wäre weder nützlich für die Menschheit, noch für den Einzelnen. In der belustig wirkenden Redewendung wird hier also auf eine mögliche Gefahr hingewiesen. Ein weiteres Stilmittel, dass er für die Begründung und Unterstreichung seiner Thesen benutzt ist der Klimax und ein Trikolon (Z. 52 f.). Des Weiteren benutzt er fortlaufend im gesamten Text immer mal wieder aufkommende Hyperbeln, um seine Argumente zu untermauern. Wenn man insgesamt genau darauf achtet, besteht sein Text zum Großteil aus Stilmitteln; fast in jedem Satz findet sich eines. Er benutzt bei seiner Wortwahl viele beschreibende Adjektive, um den Text auszuschmücken, zum Beispiel ,,Ist der Kern erst einmal gespaltet“ (Z. 75). Logisch bzw. biologisch betrachtet ergibt dieser Satz keinen Sinn, sondern steht eher für eine Metapher und Hyperbel gleichzeitig. Ein weiteres Beispiel wäre „der Mensch aus der Gen-Werkstatt“ (Z. 77), bei diesem Bild stellen sich manche jetzt wohl Frankensteins Monster vor und genau so soll es wirken: surreal, aber einschlagend. Der Mensch wird weder zu dem Zeitpunkt damals, noch in naher Zukunft wirklich aus dem Labor kommen, wo man ihn verändert oder verbessert hat. Die einzige Ausnahme wären hier wohl die heutzutage möglichen Designer Babys – eine Art der künstlichen Befruchtung. Bei seinem Schreibstil wechselt Grünbein zwischen sachlichen Stil und emotionalem Stil hin und her. Den zweiten Stil benutzt er vor allem, um zu überzeugen. Er hat die Absicht mit seinem Text zur Reflexion und eigenem Nachdenken anzuregen. Man soll nicht, wie im ersten Teil seines Textes, nur auf die positiven versprochenen Dinge achten, sondern sich auch mit den negativen Seiten, den Folgen oder Risiken beschäftigen, bevor man sich vor Freude nicht mehr halten kann. Seiner ersten These, dass der Mensch durch die Veränderung langweilig wird, kann ich vollkommen zustimmen. Vergleichbar wäre das Ganze vielleicht mit Schönheitsoperationen, bei denen am Ende auch viele Menschen gleich (schön) aussehen und sich die Vielfalt der Menschen verringert, was dann im Endeffekt zu langweiligen Menschen führt, denn jemand ist erst wirklich interessant, wenn er nicht so ist, wie alle anderen Menschen. Zudem ist es für die Gesellschaft wichtig, dass Menschen unterschiedlich sind zum Beispiel was die Kultur, die Religion oder auch die Sprache angeht. Denn diese Unterschiede sind bereichernd und führen zu einer Weiterbildung der jeweiligen Gesellschaft. Zudem schützt die Vielfalt der Menschen in einem Land einen vor dem Ausgrenzen einer bestimmten Menschengruppe (In den 30er Jahren waren das vor allem Juden, Sinti und Roma oder ähnliche Menschengruppen.) Zudem hilft uns Vielfalt und die Begegnung mit diesen Menschen, ihre Sichtweise und Beweggründe besser zu verstehen. Seiner zweiten These, dass die Gefahr von innen kommt, kann ich nur teilweise zustimmen. Meiner Meinung nach, kommt die Gefahr immer noch von außen, denn es muss erst einmal jemand bis zum Zellkern vordringen, um ihn zu ändern oder umzuprogrammieren. In dem Fall ist der, der ihn ändert, die Gefahr. Somit bleibt es dabei, dass der Mensch seit Jahren die Gefahr von außen ist und auch bleiben wird, denn erst durch seine Hände entstehen Probleme. Vergleichbar wäre diese These vielleicht mit dem Bio-Terrorismus heutzutage. Es gibt Menschen, die die Gene oder die Erdsubstanz von anderen schädigen oder verändern wollen. Daher kann die Gentechnik in diese Ausmaße auch sehr gefährlich werden, wenn die Person nicht selber entscheiden kann, was und ob sie etwas ändern möchte, sondern scheinbar dazu gezwungen wird. Doch auch in diesem Theoriemodell kommt die Gefahr von außen und wird dann nach der Veränderung eventuell zur Gefahr von innen. Seiner dritten Hauptthese, dass die Veränderung des Zellkerns auch den Menschen verändern wird, stimme ich teilweise zu. Nur weil man etwas in der DNA ändert, heißt es nicht unbedingt, dass sich auch die Persönlichkeit ändern muss. Es gibt biologisch betrachtet verschiedene Abschnitte der menschlichen Erbsubstanz. Es gibt viele Bereiche, die für nichts codieren bzw. die Wissenschaft weiß noch nicht wirklich was ihre Bedeutung ist. Andererseits gibt es dann bestimmte Bereiche, die zum Beispiel die Augenfarbe festlegen oder auch alles andere. Wenn man in den ersten Bereichen etwas ändert, wird sich wahrscheinlich nichts am Menschen selbst ändern, aber wenn man die Bereiche wie Augenfarbe nimmt und ändert, dann ändert sich auch der Mensch phänotypisch. Man muss allerdings ergänzen, dass die Menschen seit Jahrzehnten mit ihrer Persönlichkeit leben, bevor jemand kam und etwas in ihnen geändert hat. Daher ist es doch eher unwahrscheinlich, dass sich sofort die komplette Persönlichkeit eines Menschen ändert, denn sie wird nicht nur durch die Gene bestimmt, sondern auch durch unsere Umwelt, die Familie und Freunde und weitere Umwelteinflüsse. Und all diese Faktoren ändern sich nicht, nur weil man ein Gen einfügt oder herausnimmt. Allerdings muss ich den zweiten Teil der These ablehnen: Die Kräfte im Inneren führen eben nicht folglich zu Selbstentfremdung. Die Menschen, die dies erleben, haben das Gefühl, dass sie nicht mehr sie selbst sind. Das Ganze kann durch Erlebnisse oder Dinge in der Kindheit passieren, doch nicht nur dadurch, dass jemand meine Adenin Base durch ein Thymin Base austauscht. Daher ist diese vollkommende Sicherheit „Er wird sich selbstentfremden“ falsch formuliert. Durs Grünbeins Text ist zwar stilistisch und rhetorisch gut gelungen, doch fehlen seine Begründungen und Beispiele bei seinen genannten Thesen zum Großteil. Dadurch wirkt das Gesagte nicht mehr so schlüssig oder überzeugend für den Leser. Seine Intention ist meiner Meinung nach wichtig und richtig formuliert: Es gibt – egal bei welchem Thema – zu viele Menschen, die nicht richtig hinsehen oder sich gar nicht über andere Meinungen, über Risiken oder Folgen informieren wollen, weil das Gesagte und Versprochene so schön klingt, dass man in dieser Traumfantasie noch etwas bleiben möchte. Nichtsdestotrotz fehlt mir an bestimmten Stellen seines Textes die Verbindung zur Realität und es scheint oft so, als würde er aus einer Musteraufgabe Texterörterung - Analyse Durs Grünbein Leute, wollt ihr ewig sterben? I Genetische Hygiene als erste Bürgerpflicht: Dem kollektiven Druck wird keiner standhalten kön- nen. Unsterblichkeit heißt die Verlockung. Die Frage der Lebensqualität ist von der Tagesordnung gestrichen. Gemeint ist die Unsterblichkeit als Bruttosozialprodukt oder die bloße Verlängerung leerer Lebenszeit nach dem Muster heutiger Frei- zeitkultur. Leute, wollt ihr ewig sterben? lautet der Schlachtruf. Reicht es nicht, dass ihr bis gestern für Klassikerausgaben oder Charterflüge zum Mond. Garantiert 200 Jahre Lebensdauer ist das Ver- o sprechen. Wir halten den Zellenverfall auf, das ändert alles, Familienplanung, Vermögensanlage, Arbeits- und Freizeitorganisation, die Nachwelt kann warten. Wie bedauernswert die gewöhnlichen Sterblichen 5 früherer Epochen! Ihr Schicksal war dieser kurze Lebenszyklus. Was soll uns ihr nörgelndes vanitas vanitatum³, die übertriebene Todesfurcht dieser Eintagsfliegen mit ihren beschränkten Aussichten, ihren morbiden Vergänglichkeitsfantasien, die › Elegie* von der Kürze des Lebens? [...] Was aber, wenn dies das Ende aller Abenteuer ist, die das Leben erst lebenswert machen? Eines Ta- ges tritt der genetisch allseits aufgeklärte Mensch auf den Plan, das uninteressanteste Geschöpf auf ; Erden, der universelle Langweiler, ein offenes Buch, mit lauter gleichförmigen Sequenzen be- druckt. Auf einen Blick erkennt er, umgeben von seinesgleichen, den biologischen Algorithmus³. Einmal zu lang in das Reagenzglas geschaut, und › es packt ihn das Grauen. Nicht, dass er sich selbst dann, dank Molekular- biologie, vollkommen durchsichtig wurde, ist das Unheimliche. Der wahre Schrecken wird sein, dass die Gefahr nun nicht mehr, wie seit Jahrtausenden, primär von außen kommt, sondern sich fortan im Inneren konzentriert, in den Zellen des eigenen Körpers, den die Gesellschaft, legitimiert von der Wissenschaft, auf eine nie da gewesene Weise dann kontrolliert. Man muss es sich klar machen: 'vanitas vanitatum: (Klage über) die Nichtigkeit des Lebens *Elegie: Klagelied *Algorithmus: Rechenvorgang, der nach einem bestimmten, sich wiederholenden Schema abläuft mit nichts als Altersfürsorge beschäftigt wart, Frührentner im Geiste, Sklaven der Arbeitsgesell- schaft und ihrer generativen¹ Neurosen? Der langlebige Mensch als raffinierteste Waren- form kommt in Sicht. Die Reklame hat schon be- gonnen. Die Subskriptionsliste² für das Unsterb- lichkeitsticket wird jedenfalls länger sein als die 'generativ: hier: daraus entstehend *Subskriptionsliste: Vormerkliste Sämtliche Optimierungsprojekte im Lauf der Ge- schichte konnten sich des Menschen immer nur von außen bemächtigen. Solange Sektenschulung, Gehirnwäsche und Psychoterror die einzigen Druckmittel waren, ließ sich der Zugang zur Per- sönlichkeit nur vorübergehend erzwingen. So lan- ge war das Bewusstsein der letzte Halt, auf Dauer eine uneinnehmbare Festung. Im Grunde hat sich die Konstitution des Alten Adam, sieht man von Frühreife und absolutem Kör- perwachstum ab, erstaunlich konstant gehalten. Seit zehntausend Jahren ist sein Gefühlshaushalt mehr oder weniger der gleiche. Alle Versuche, ihn von außen her zu erschüttern, stießen zuletzt auf einen eisernen biologischen Widerstand. Der harte Kern blieb gegen jede Normierung, jede dauerhaf- te Manipulation resistent. Das wirklich Teuflische, die wahrhaft tief grei- fende Revolution wird sein, dass man den Körper nunmehr von innen her angreift. Die Gespenster, die immer von außen kamen und als solche er- i kennbar blieben, in Zukunft kommen sie aus dem Zellkern selbst, gene Kräfte, die im Innern des Menschen wirken und ihn von dort her umgestal- ten. Ist der Kern aber erst einmal gespalten, versiegen 7 die Differenzen, ein tiefer Verdacht fällt auf das Subjekt. Der Mensch aus der Gen-Werkstatt tritt in ein Zwielicht. Seine Erbsubstanz ist nicht nur Pro- dukt von Vater und Mutter und dem Chor zahl- reicher Ahnen, sondern Resultat einer technischen 8 Intervention. Jeder Einbruch ins Erbgut wird seine Selbst- entfremdung steigern. Der Wechsel von aller bis- herigen externen zu einer zukünftigen internen Körperpolitik markiert eine Wende in der Mensch- 8 heitsgeschichte. Baden-Württemberg Abi 2021: Aufgabe 3, Variante B: Analyse und Erörterung eines Pragmatischen Textes (Schwerpunkt Analyse oder Schwerpunkt Erörterung) Einleitung Erötertung - Abi Thema Basissatz (Autor, Titel, Textart, Erscheinungsort, -datum, Thema, Inhalt) Autor (Wenn es dazu Infos gibt) Konkreter Schreibanlass (Aktuelle Problematik, Biographie, ...) Historisch-Sozialer Kontext (politische Ereignisse, gesellschaftlicher Strukturwandel, ...) Adressatenkreis Eröffnung des Aufsatzes Hauptteil Inhaltswiedergabe Beschreibung des Textaufbaus Beschreibung des Gedankengangs ! ohne persönliche Wertung, ohne Zitate, im Konjunktiv Argumentationsstruktur und sprachliche Mittel analysieren Thesen, Argumente, Beispiele, sprachliche Mittel, Wortwahl, Stil, ... Wenn der SP Analyse ist, muss dieser Teil etwa 2/3 ausmachen, bei SP Erörterung nur 1/3 Textgebundene Erörterung Begründeter Widerspruch/Zustimmung, Teilweise Übereinstimmung, Weiterführende Problematisierung Eigene Stellungnahme (zu den Hauptthesen im Text) Wenn der SP Analyse ist, ist die Erörterung nur 1/3, bei SP Erörterung dann 2/3 Schluss Entweder: Abschließendes Urteil und Stellungnahme Oder: Ausweitung des Problems mit Horizonterweiterung (neue Aspekte, Argumente, abschließende begründete These)

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Der letzte Teil dient nun mehr als Verallgemeinerung durch das Wort „Jeder“ (Z. 82) und zusätzlich auch als Zukunftsvorhersage. Durs Grünbein stellt in seinem Text drei Thesen vor, die erste ist, dass der Mensch durch die Veränderung langweilig wurde; die zweite, dass die Gefahr nun erstmalig von innen kommt (Analogieargument?) und die dritte, dass die Kräfte im Inneren den Menschen so umgestalten, dass er sich selbst entfremdet. Er begründet seine Thesen alle nicht mit einer Begründung. Zum Beispiel begründet er sein Erfahrungsargument nicht wirklich, er sagt nur, dass die Gentechnik, seiner Meinung nach, das Ende der Abenteuer und somit der Anfang von Langeweile sei. Allerdings stellt er dies in einer rhetorischen Frage dar, weshalb er wahrscheinlich keine Begründung und kein Beispiel seines Arguments nennt. Auch seine zweite These stützt er nicht mit einer Begründung oder einem Beispiel. Er behauptet nur, dass die Gesellschaft nun legitimiert ist den eigenen Körper zu kontrollieren. Erst seine dritte These belegt er mit einem Beispiel. Der Mensch wird umgestaltet, weil seine Erbsubstanz nun mehr das Resultat von Technik (vgl. Z. 78-81) und nicht mehr das Resultat der Biologie und Vererbungslehre sei. Sein kompletter Text ist durchzogen von allerlei rhetorischen Stilmitteln. Es beginnt schon im Titel: In der rhetorischen Frage steckt noch eine Antithese des „ewig steben[s]“ mit drin. Bei diesem Titel stockt der Leser erstmal, weil er nicht so einfach zu lesen und zu verstehen ist. Bevor man den Text kennt, ist der Titel wohl eher noch ein Rätsel. Zudem enthält der Titel mehrere Bedeutungen: Das ewig sterben kann sich auf die früheren Generationen beziehen, die sterben mussten, weil sie die Technologie noch nicht besaßen. Das ewig sterben kann sich aber auch genauso gut auf die genetisch veränderten Menschen beziehen, weil es sich für sie nach der Veränderung des Genoms anfühlt als würden sie nicht richtig leben und nicht sie selbst sein und somit gefangen im eigenen Körper. Der Titel bezieht sich zudem auf eine Aussage von Friedrich dem Großen, genau so wurde auch ein Film Ende der 50er Jahre mit dem Titel „Hunde, wollt ihr ewig leben?" gedreht. Die ersten Sätze seines Textes packt Grünbein in Parataxen, dadurch wirkt das Geschriebene leicht hektisch, erzeugt wieder diese Art von Werbecharakter und in jedem Satz wird eine neue Information enthüllt. Durch die Alliteration und das gleichzeitige Oxymoron ,,leere(r) Lebenszeit“ (Z. 7) wird schon am Anfang des Textes klar, auf welcher Seite der Debatte sich der Autor befindet. Mit seiner rhetorischen Frage in Zeile 9f. und der Ansprache „ihr“ distanziert sich der Autor von der Masse und verurteilt sie bzw. wertet sie dadurch etwas ab. 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Somit möchte Grünbein hier darauf aufmerksam machen, dass die genetisch veränderten Menschen sich wie Betrunkene verhalten könnten, wenn sie zu viel von sich verändert haben. Dieser dauerhafte Zustand wäre weder nützlich für die Menschheit, noch für den Einzelnen. In der belustig wirkenden Redewendung wird hier also auf eine mögliche Gefahr hingewiesen. Ein weiteres Stilmittel, dass er für die Begründung und Unterstreichung seiner Thesen benutzt ist der Klimax und ein Trikolon (Z. 52 f.). Des Weiteren benutzt er fortlaufend im gesamten Text immer mal wieder aufkommende Hyperbeln, um seine Argumente zu untermauern. Wenn man insgesamt genau darauf achtet, besteht sein Text zum Großteil aus Stilmitteln; fast in jedem Satz findet sich eines. Er benutzt bei seiner Wortwahl viele beschreibende Adjektive, um den Text auszuschmücken, zum Beispiel ,,Ist der Kern erst einmal gespaltet“ (Z. 75). Logisch bzw. biologisch betrachtet ergibt dieser Satz keinen Sinn, sondern steht eher für eine Metapher und Hyperbel gleichzeitig. Ein weiteres Beispiel wäre „der Mensch aus der Gen-Werkstatt“ (Z. 77), bei diesem Bild stellen sich manche jetzt wohl Frankensteins Monster vor und genau so soll es wirken: surreal, aber einschlagend. Der Mensch wird weder zu dem Zeitpunkt damals, noch in naher Zukunft wirklich aus dem Labor kommen, wo man ihn verändert oder verbessert hat. Die einzige Ausnahme wären hier wohl die heutzutage möglichen Designer Babys – eine Art der künstlichen Befruchtung. Bei seinem Schreibstil wechselt Grünbein zwischen sachlichen Stil und emotionalem Stil hin und her. Den zweiten Stil benutzt er vor allem, um zu überzeugen. Er hat die Absicht mit seinem Text zur Reflexion und eigenem Nachdenken anzuregen. Man soll nicht, wie im ersten Teil seines Textes, nur auf die positiven versprochenen Dinge achten, sondern sich auch mit den negativen Seiten, den Folgen oder Risiken beschäftigen, bevor man sich vor Freude nicht mehr halten kann. Seiner ersten These, dass der Mensch durch die Veränderung langweilig wird, kann ich vollkommen zustimmen. Vergleichbar wäre das Ganze vielleicht mit Schönheitsoperationen, bei denen am Ende auch viele Menschen gleich (schön) aussehen und sich die Vielfalt der Menschen verringert, was dann im Endeffekt zu langweiligen Menschen führt, denn jemand ist erst wirklich interessant, wenn er nicht so ist, wie alle anderen Menschen. Zudem ist es für die Gesellschaft wichtig, dass Menschen unterschiedlich sind zum Beispiel was die Kultur, die Religion oder auch die Sprache angeht. Denn diese Unterschiede sind bereichernd und führen zu einer Weiterbildung der jeweiligen Gesellschaft. Zudem schützt die Vielfalt der Menschen in einem Land einen vor dem Ausgrenzen einer bestimmten Menschengruppe (In den 30er Jahren waren das vor allem Juden, Sinti und Roma oder ähnliche Menschengruppen.) Zudem hilft uns Vielfalt und die Begegnung mit diesen Menschen, ihre Sichtweise und Beweggründe besser zu verstehen. Seiner zweiten These, dass die Gefahr von innen kommt, kann ich nur teilweise zustimmen. Meiner Meinung nach, kommt die Gefahr immer noch von außen, denn es muss erst einmal jemand bis zum Zellkern vordringen, um ihn zu ändern oder umzuprogrammieren. In dem Fall ist der, der ihn ändert, die Gefahr. Somit bleibt es dabei, dass der Mensch seit Jahren die Gefahr von außen ist und auch bleiben wird, denn erst durch seine Hände entstehen Probleme. Vergleichbar wäre diese These vielleicht mit dem Bio-Terrorismus heutzutage. Es gibt Menschen, die die Gene oder die Erdsubstanz von anderen schädigen oder verändern wollen. Daher kann die Gentechnik in diese Ausmaße auch sehr gefährlich werden, wenn die Person nicht selber entscheiden kann, was und ob sie etwas ändern möchte, sondern scheinbar dazu gezwungen wird. Doch auch in diesem Theoriemodell kommt die Gefahr von außen und wird dann nach der Veränderung eventuell zur Gefahr von innen. Seiner dritten Hauptthese, dass die Veränderung des Zellkerns auch den Menschen verändern wird, stimme ich teilweise zu. Nur weil man etwas in der DNA ändert, heißt es nicht unbedingt, dass sich auch die Persönlichkeit ändern muss. Es gibt biologisch betrachtet verschiedene Abschnitte der menschlichen Erbsubstanz. Es gibt viele Bereiche, die für nichts codieren bzw. die Wissenschaft weiß noch nicht wirklich was ihre Bedeutung ist. Andererseits gibt es dann bestimmte Bereiche, die zum Beispiel die Augenfarbe festlegen oder auch alles andere. Wenn man in den ersten Bereichen etwas ändert, wird sich wahrscheinlich nichts am Menschen selbst ändern, aber wenn man die Bereiche wie Augenfarbe nimmt und ändert, dann ändert sich auch der Mensch phänotypisch. Man muss allerdings ergänzen, dass die Menschen seit Jahrzehnten mit ihrer Persönlichkeit leben, bevor jemand kam und etwas in ihnen geändert hat. Daher ist es doch eher unwahrscheinlich, dass sich sofort die komplette Persönlichkeit eines Menschen ändert, denn sie wird nicht nur durch die Gene bestimmt, sondern auch durch unsere Umwelt, die Familie und Freunde und weitere Umwelteinflüsse. Und all diese Faktoren ändern sich nicht, nur weil man ein Gen einfügt oder herausnimmt. Allerdings muss ich den zweiten Teil der These ablehnen: Die Kräfte im Inneren führen eben nicht folglich zu Selbstentfremdung. Die Menschen, die dies erleben, haben das Gefühl, dass sie nicht mehr sie selbst sind. Das Ganze kann durch Erlebnisse oder Dinge in der Kindheit passieren, doch nicht nur dadurch, dass jemand meine Adenin Base durch ein Thymin Base austauscht. Daher ist diese vollkommende Sicherheit „Er wird sich selbstentfremden“ falsch formuliert. Durs Grünbeins Text ist zwar stilistisch und rhetorisch gut gelungen, doch fehlen seine Begründungen und Beispiele bei seinen genannten Thesen zum Großteil. Dadurch wirkt das Gesagte nicht mehr so schlüssig oder überzeugend für den Leser. Seine Intention ist meiner Meinung nach wichtig und richtig formuliert: Es gibt – egal bei welchem Thema – zu viele Menschen, die nicht richtig hinsehen oder sich gar nicht über andere Meinungen, über Risiken oder Folgen informieren wollen, weil das Gesagte und Versprochene so schön klingt, dass man in dieser Traumfantasie noch etwas bleiben möchte. Nichtsdestotrotz fehlt mir an bestimmten Stellen seines Textes die Verbindung zur Realität und es scheint oft so, als würde er aus einer Musteraufgabe Texterörterung - Analyse Durs Grünbein Leute, wollt ihr ewig sterben? I Genetische Hygiene als erste Bürgerpflicht: Dem kollektiven Druck wird keiner standhalten kön- nen. Unsterblichkeit heißt die Verlockung. Die Frage der Lebensqualität ist von der Tagesordnung gestrichen. Gemeint ist die Unsterblichkeit als Bruttosozialprodukt oder die bloße Verlängerung leerer Lebenszeit nach dem Muster heutiger Frei- zeitkultur. Leute, wollt ihr ewig sterben? lautet der Schlachtruf. Reicht es nicht, dass ihr bis gestern für Klassikerausgaben oder Charterflüge zum Mond. Garantiert 200 Jahre Lebensdauer ist das Ver- o sprechen. Wir halten den Zellenverfall auf, das ändert alles, Familienplanung, Vermögensanlage, Arbeits- und Freizeitorganisation, die Nachwelt kann warten. Wie bedauernswert die gewöhnlichen Sterblichen 5 früherer Epochen! Ihr Schicksal war dieser kurze Lebenszyklus. Was soll uns ihr nörgelndes vanitas vanitatum³, die übertriebene Todesfurcht dieser Eintagsfliegen mit ihren beschränkten Aussichten, ihren morbiden Vergänglichkeitsfantasien, die › Elegie* von der Kürze des Lebens? [...] Was aber, wenn dies das Ende aller Abenteuer ist, die das Leben erst lebenswert machen? Eines Ta- ges tritt der genetisch allseits aufgeklärte Mensch auf den Plan, das uninteressanteste Geschöpf auf ; Erden, der universelle Langweiler, ein offenes Buch, mit lauter gleichförmigen Sequenzen be- druckt. Auf einen Blick erkennt er, umgeben von seinesgleichen, den biologischen Algorithmus³. Einmal zu lang in das Reagenzglas geschaut, und › es packt ihn das Grauen. Nicht, dass er sich selbst dann, dank Molekular- biologie, vollkommen durchsichtig wurde, ist das Unheimliche. Der wahre Schrecken wird sein, dass die Gefahr nun nicht mehr, wie seit Jahrtausenden, primär von außen kommt, sondern sich fortan im Inneren konzentriert, in den Zellen des eigenen Körpers, den die Gesellschaft, legitimiert von der Wissenschaft, auf eine nie da gewesene Weise dann kontrolliert. Man muss es sich klar machen: 'vanitas vanitatum: (Klage über) die Nichtigkeit des Lebens *Elegie: Klagelied *Algorithmus: Rechenvorgang, der nach einem bestimmten, sich wiederholenden Schema abläuft mit nichts als Altersfürsorge beschäftigt wart, Frührentner im Geiste, Sklaven der Arbeitsgesell- schaft und ihrer generativen¹ Neurosen? Der langlebige Mensch als raffinierteste Waren- form kommt in Sicht. Die Reklame hat schon be- gonnen. Die Subskriptionsliste² für das Unsterb- lichkeitsticket wird jedenfalls länger sein als die 'generativ: hier: daraus entstehend *Subskriptionsliste: Vormerkliste Sämtliche Optimierungsprojekte im Lauf der Ge- schichte konnten sich des Menschen immer nur von außen bemächtigen. Solange Sektenschulung, Gehirnwäsche und Psychoterror die einzigen Druckmittel waren, ließ sich der Zugang zur Per- sönlichkeit nur vorübergehend erzwingen. So lan- ge war das Bewusstsein der letzte Halt, auf Dauer eine uneinnehmbare Festung. Im Grunde hat sich die Konstitution des Alten Adam, sieht man von Frühreife und absolutem Kör- perwachstum ab, erstaunlich konstant gehalten. Seit zehntausend Jahren ist sein Gefühlshaushalt mehr oder weniger der gleiche. Alle Versuche, ihn von außen her zu erschüttern, stießen zuletzt auf einen eisernen biologischen Widerstand. Der harte Kern blieb gegen jede Normierung, jede dauerhaf- te Manipulation resistent. Das wirklich Teuflische, die wahrhaft tief grei- fende Revolution wird sein, dass man den Körper nunmehr von innen her angreift. Die Gespenster, die immer von außen kamen und als solche er- i kennbar blieben, in Zukunft kommen sie aus dem Zellkern selbst, gene Kräfte, die im Innern des Menschen wirken und ihn von dort her umgestal- ten. Ist der Kern aber erst einmal gespalten, versiegen 7 die Differenzen, ein tiefer Verdacht fällt auf das Subjekt. Der Mensch aus der Gen-Werkstatt tritt in ein Zwielicht. Seine Erbsubstanz ist nicht nur Pro- dukt von Vater und Mutter und dem Chor zahl- reicher Ahnen, sondern Resultat einer technischen 8 Intervention. Jeder Einbruch ins Erbgut wird seine Selbst- entfremdung steigern. Der Wechsel von aller bis- herigen externen zu einer zukünftigen internen Körperpolitik markiert eine Wende in der Mensch- 8 heitsgeschichte. Baden-Württemberg Abi 2021: Aufgabe 3, Variante B: Analyse und Erörterung eines Pragmatischen Textes (Schwerpunkt Analyse oder Schwerpunkt Erörterung) Einleitung Erötertung - Abi Thema Basissatz (Autor, Titel, Textart, Erscheinungsort, -datum, Thema, Inhalt) Autor (Wenn es dazu Infos gibt) Konkreter Schreibanlass (Aktuelle Problematik, Biographie, ...) Historisch-Sozialer Kontext (politische Ereignisse, gesellschaftlicher Strukturwandel, ...) Adressatenkreis Eröffnung des Aufsatzes Hauptteil Inhaltswiedergabe Beschreibung des Textaufbaus Beschreibung des Gedankengangs ! ohne persönliche Wertung, ohne Zitate, im Konjunktiv Argumentationsstruktur und sprachliche Mittel analysieren Thesen, Argumente, Beispiele, sprachliche Mittel, Wortwahl, Stil, ... Wenn der SP Analyse ist, muss dieser Teil etwa 2/3 ausmachen, bei SP Erörterung nur 1/3 Textgebundene Erörterung Begründeter Widerspruch/Zustimmung, Teilweise Übereinstimmung, Weiterführende Problematisierung Eigene Stellungnahme (zu den Hauptthesen im Text) Wenn der SP Analyse ist, ist die Erörterung nur 1/3, bei SP Erörterung dann 2/3 Schluss Entweder: Abschließendes Urteil und Stellungnahme Oder: Ausweitung des Problems mit Horizonterweiterung (neue Aspekte, Argumente, abschließende begründete These)