Erörterung zu "Woyzeck war kein Opfer. Er war Täter"
Georg Büchners "Woyzeck" thematisiert die prekären Lebensbedingungen der armen Bevölkerung im 19. Jahrhundert. Die vorliegende Rezension aus "Die Zeit" vom 21.08.2003 beschäftigt sich kritisch mit Michael Thalheimers Inszenierung des Stücks in Salzburg.
Der Autor der Rezension erläutert zunächst Büchners Original:
- Woyzeck wird durch innere und äußere Einflüsse zum Mörder seiner Geliebten Marie
- Er gilt in der Theatergeschichte als Opfer der gesellschaftlichen Verhältnisse
- Büchner wollte den historischen Woyzeck in gewissem Sinne rehabilitieren
Thalheimers Inszenierung weicht deutlich vom Original ab:
- Viele Szenen und Figuren wurden gestrichen
- Das ohnehin fragmentarische Stück wurde weiter fragmentiert
- Die Aufführung findet auf einer kahlen Bühne statt
- Dem Drama wurden fünf weitere Leichen hinzugefügt
Schlüsselkonzept: Die literarische Erörterung zu "Woyzeck war kein Opfer. Er war Täter" untersucht die Umdeutung von Büchners Gesellschaftskritik in Thalheimers Inszenierung. Während Büchner Woyzeck als Opfer sozialer Umstände konzipierte, macht Thalheimer ihn zum berechnenden Täter.
Besonders problematisch sieht der Kritiker die Umkehrung der Machtverhältnisse:
- Bei Büchner sind Hauptmann und Doktor Repräsentanten der Macht
- In Thalheimers Version sind sie Woyzeck von Anfang an unterlegen
- Die soziale Kritik des Originals wird komplett eliminiert
- Woyzeck wird vom Opfer zum "geheimen Herrscher"
- Büchner wird so zu einem "Biedermann" gemacht, der den Proleten fürchtet






