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Johann Wolfgang von Goethe: Faust - Der Tragödie erster Teil

Johann Wolfgang von Goethe: Faust - Der Tragödie erster Teil

 Geschwister
Nachbarin
Valentin
Margarete/Gretchen
Tochter
Marthe
Mutter und T
stanziertes Verhhältnis
Nachbarin & Bezugsperson statt ihrer
 Geschwister
Nachbarin
Valentin
Margarete/Gretchen
Tochter
Marthe
Mutter und T
stanziertes Verhhältnis
Nachbarin & Bezugsperson statt ihrer
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Valentin
Margarete/Gretchen
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Marthe
Mutter und T
stanziertes Verhhältnis
Nachbarin & Bezugsperson statt ihrer
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Marthe
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Nachbarin
Valentin
Margarete/Gretchen
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Johann Wolfgang von Goethe: Faust - Der Tragödie erster Teil

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𝐕𝐀𝐋𝐄𝐑𝐈𝐀

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11/12/13/10

Präsentation

Anbei findet ihr meine Aufzeichnungen zu Goethes Faust I. - sowohl Inhaltszusammenfassungen als auch einzelne Aufgaben.

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Geschwister Nachbarin Valentin Margarete/Gretchen Tochter Marthe Mutter und T stanziertes Verhhältnis Nachbarin & Bezugsperson statt ihrer Mutter aber eher Mutter ist "wild" nach ihm, will eine Beziehung mit einem neuen Mann körperliche, egoistische Liebe körperliche, psychische, bedingungslose Liebe nutzt sie als Mittel zum Zweck Opfergabe für die Wette hat furchtbare Angst vor ihm, auch wegen der Religion sein Lehrer Vorbild für ihn Heinrich Faust gläubig rettet Wagner Kontrastfigur zu ihn Schüler von ihn nutzt ihn, um seinen Spaß zu haben will Faust nur als Versuchsobjekt sehr gläubig Nebenfiguren: die drei Erzengel (Rafael, Gabriel, Michael), die Studenten, die Hexe, die Tiere, Geister, das Volk, Lischen weiß aber, dass er nie wirklich Erfolg haben wird & ihn vom rechten Weg abbringen Pakt und Wette Mephistopholes steht über ihm und wil d will ihm jenes s erneut deutlich sieht sich als Ebenbild Gottes, war früher einmal gläubig sieht in als idealen Menschen und nutzt ihn deshalb als Versuchskaninchen untergeordnet dem Teufel macher macht sich über hn und seine Schaffung ung lustig, wertet sie ab 1. weiß aber genau, 1, dass er ihm unterlegen is der Herr übergeordnet dem Gott Die Gretchenfrage „Nun sag, wie hast du's mit der Religion?" (3415) Margarete Vorabwissen • Gretchen ist fest dem katholischen Glauben verankert und versprochen, sie geht auch für nichts zur Beichte "(2625), Glaube ist bei ihr ritualisiert · Gretchen versteht die Religion als Maßstab und Norm für alles Handeln und sein • nach ihrem ersten Kuss mit Faust, preist sie ihre Heiratsfähigkeit an: es wurde aber kaum über die Grenzen der Konfession...

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geheiratet unterschiedliche • ihre Erziehung ist fest an die gesellschaftlichen Konvetionen angelehnt: „man muß dran glauben"(3424) •Religion steht bei Gretchen für einen Maßstab des Handelns und Denkens, des Seins und Werdens • der Glaube an Gott bildet die Norm, nach der ein Mensch zu leben hat • hat eine unhinterfragte Sicherheit in den Glauben (3421) und glaubt einfach ·Sakraments - Kirchen- und Religionsfrömmigkeit (3422) • wirft Faust ein unkirchliches Verhalten vor (3425), vermutet den Atheismus und fragt sehr direkt (3426) • Faust hat sich enttäuscht von der Religion abgewandt, da sie ihm die Erleuchtung, was die Welt im Innersten zusammenhält nicht geben konnte (382) • ein Rest kindlicher Religiösität ist bei ihm aber noch vorhanden und bewahrt ihn vor dem Suizid Religionsverständnisse Heinrich Faust • Faust beabsichtigt keinesfalls, Gretchen zu heiraten: in der Szene Wald und Höhle" hat er sich eindeutig für die Befriedigung seines Sexualtriebs entschieden hat keinen tiefen Glauben (mehr) in die Religion und steht im Pakt mit Mephisto einer Art Teufel • stellt die Religion als etwas privates ab, über das man nicht spricht (3418) . Religion ist ein Gefühls- und Herzensbegriff (3456) • jeder soll glauben, wie er kann und will: der Glaube ist nicht verwerflich, aber wahrlich nicht notwendig oder von großer Bedeutung (3419/3422) vor allem Religionstoleranz (3463) & Patheismus • flüchtet sich, um von seinem Unglauben abzulenken, in ein rhetorisches Feuerwerk (3432-34 Die Gretchenfrage bezeichnet eine Frage, die die wahren Absichten des Gefragten aufzeigen soll. Da dies meist zu einem Bekenntnis oder einem Geständnis führt, ist die Frage dem Gefragten meist unangenehm. Sie wird auch als Gewissensfrage bezeichnet. Die Gretchenfrage ist eine Charakterfrage. Als sie Faust fragt, wie er's mit der Religion hat", fragt sie ihn, woran er im innersten Kern glaubt. Margarete hat einen sehr engen Bezug zur Religion und gestaltet ihr Leben hauptsächlich nach christilich-religiösen Werten. Die Religion ist für sie ein Maßstab allen Handelns, Seins und Werdens. Da sich ihr komplettes Leben um den Glauben dreht und daraus erwachsen ist, will sie an Fausts Verhältnis zum jenem abwägen, ob die Beiden eine gemeinsame Zukunft haben. Sie denkt, der Charakter eines Menschen, ob er „gut oder schlecht" ist, lässt sich daran messen, wie er zur Kirche steht. Und genau so verhält es sich mit modernen Gretchenfragen. Sie zielen darauf ab, die wahren Absichten des Befragten zum Vorschein zu bringen. Eben das versucht die junge Margarete mit dem Gelehrten. Das merkt man schnell an Fausts Reaktion: er weicht der Frage mit Gegenfragen und übertriebener Rhetorik aus, da er weiß, würde er sinn-und wahrheitsgemäß antworten, käme er nicht an sein Ziel einer Liaison mit Gretchen. Wer auf eine Gretchenfrage nicht (ehrlich) antwortet, will sich selbst und seine eigenen Vorhaben schützen und nicht den Motiven des Fragenden erliegen müssen. An einer solchen Frage hängt für den Fragenden eine ganze Menge, sie könnte also auch eine Schicksalsfrage sein und auch das lässt sich an der Faust-Tragödie bereits erkennen: Man könnte meinen, Gretchens Schicksal hängt von dieser einen Frage ab. Hätte Faust sie mit der Wahrheit beantwortet, wäre es womöglich nie zu der Liebesnacht der Beiden und den Konsequenzen daraus gekommen wodurch ihr Schicksal nicht ein so tragisches hätte werden müssen. Die Religion war zu Zeiten der Entstehung von Faust ein sehr zentrales Thema und von enorm großem Wert, heutzutage widmet sich die Gretchenfrage allerdings weniger der Religion, als mehr aktuelleren und alltäglicheren Themen der heutigen Zeit. Das tragische Schicksal Gretchens dramaturgische Bedeutung der Szenen,Am Brunnen", Zwinger", "Nacht" und "Dom" Am Brunnen: Gretchen, Lieschen •diese Szene zeigt den Kleinstadttratsch • Gretchen fühlt sich vollkommen isoliert (3545) • auch von kleinstädtischem Tratsch abgeschnitten · Bärbelchen, ein junges Mädchen aus der Stadt, hat sich oft mit einem jungen Mann gezeigt ·bekam auch oft Geschenke von ihm (3559) • die soziale Logik: im Gegenzug für die Geschenke, würde Bärbelchen ihr „Blümchen" (3561) lassen • Metapher für die Jungfräulichkeit · Bärbelchen ist nun schwanger • Gretchen hat Mitleid mit dem „armen Ding" (3562) • Margarete glaubt in ihrer Naivität, der Liebhaber würde die Schwangere heiraten •Lieschen, welche die gesellschaftliche Moral repräsentiert, informiert sie schadenfroh, dass Bärbel sitzen gelassen wurde dem offentlichen Tratsch, der die ledige Mutter ausgrenzt und ächtet, folgt die kirchliche Brandmarkung → Bärbelchen fungiert als Spiegelbild Gretchens, sie nimmt ihr Schicksal vorweg Zwinger: Gretchen ·sie ist im Zwinger, einem engen Gang zwischen den letzten Häusern der Stadt und der Stadtmauer •Symbol: Gretchen, die von ihrer Schwangerschaft weiß und der Schande kaum noch ausweichen kann steht bereits I am Rand der Gesellschaft ·betet zu einem Andachtsbild der Mater Dolorosa, der schmerzensreichen Mutter Gottes, die Christus am Kreuz beweint •sie glaubt nicht länger, dass Faust sie heiraten wird (evtl. Erkenntnis aus „Am Brunnen") betet darum, dass sie vor Schmach und Tod"(3616) bewahrt bliebe •der häufige Wechsel der Strophenformen, Versmaße und Reimstellungen repräsentiert ihre innere Unruhe →Gretchen ist äußert verzweifelt und blickt ihrem Schicksal allmählich ins Auge: Sie ist alleine und hilfslos Nacht: Faust, Mephisto, Gretchen, Marthe, Valentin - Valentin, der Bruder Gretchens und Soldat, schmückte sich vor seinen Kumpanen bisher mit der Standhaftigkeit seiner Schwester •droht nun zum Gespött zu werden und will daher den Verführer ihrer Schwester umbringen in einem unehrlichen Zweikampf, manipuliert durch Mephisto, bringt Faust Valentin um • in einem langen Sterbemonolog, zu dem er die Nachbarn herbeiruft, stigmatisiert Valentin seine Schwester als „Hur“ (3730) und deutet den wahrscheinlichen Kindsmord an • Gretchen ist dem gesellschaftlichen Horrorszenario der völligen Ausgrenzung nicht gewachsen ihr Schicksal verstrickt sich immer weiter: sie fühlt sich nun nicht mehr nur schuldig für den Tod ihrer Mutter sondern auch für den ihres Bruders → von ihrem Bruder öffentlich als Hure und Kindsmörderin betitelt und die Schuld für seinen Tod tragend, wird Margarete komplett von der Gesellschaft isoliert und verliert ihre Familie – somit verstrickt sich ihr Schicksal immer weiter - Dom: Gretchen Gretchen ist bei einer Totenmesse im Dom ·befindet sich unter einer großen Menschenmenge, also in einer physischen Enge, die ebenso eine psychische darstellt • mit dem zunehmenden kirchlich-gesellschaftlichen Druck wächst auch Gretchens innere Verzweiflung - ihre freien, ungereimten Verse sind ein Spiegel für ihre Unzufriedenheit, für ihre Seele in äußerster Not • als Ergebnis ihrer großen Angst und ihres schlechten Gewissens taucht der böse Geist auf · erinnert sie an ihre kindliche Unschuld der Vergangenheit und die Sünden der Gegenwart • Gretchen nimmt die Messe nur sehr selektiv wahr: Keine Sünde bleibt unbestraft (3815) sie hält dem Druck nicht stand und fällt in Ohnmacht: Sie verpasst den Teil, in dem es um Hoffnung und Rettung geht → sie verpasst die Chance auf Erlösung, so wie später auch und verinnerlicht die gesellschaftliche Verurteilung Der Ehrbegriff in Goethes Faust Nun soll es an ein Schädelspalten!" (3703) DIE EHRENMORDE DES 21. JAHRHUNDERTS: GIBT ES PARALLELEN ZU FAUST? die Ehrenmorde des 21. Jahrhunderts: sollten der Wiederherstellung der Familienehre dienen · Waren zumeist Konflikte innerhalb der Familie . • Täter und Opfer waren in der Regel miteinander verwandt • bei den Opfern handelte es sich mehrheitllich (zu zwei Dritteln) um Frauen • zum Teil wurde auch der für die Entehrung der Familie Verantwortliche (z.B. Partner einer Frau innerhalb der Familie) verletzt oder gar ermordet • nicht mit der Familie verwandt, dennoch einen Berührungspunkt mit ihr Bei Gretchens Bruder Valentin handelt es sich um einen jungen Mann, dessen Ego weiter reicht, als sein Auge blicken kann. Er hält sich selbst für einen Mann von großer Ehre. Vor seinen Kumpanen hatte jener sich bisher mit der Standhaftigkeit seiner Schwester gebürstet, doch jetzt, wo Margarete sich auf einen so viel älteren Mann eingelassen hat und sogar ein Kind von ihm erwartet, zerplatzt dieser Schein und Valentin droht zum Gespött zu werden. Sein Ansehen und seine ehrenhafte Stellung stellt er weit über die Gefühle seiner Schwester und beschließt, Faust, ohne das Gespräch zu suchen, zu ermorden. Es geht ihm auf jeden Fall darum, die Ehre wiederherzustellen. Fraglich ist hierbei nur, um wessen Ehre es ihm geht: Die der Familie, Gretchens oder, was am wahrscheinlichsten scheint, bloß um seine eigene? Der Konflikt findet auch nicht innerhalb der Familie statt, in keiner einzigen Szene versucht Valentin mit seiner Schwester zu reden. Allerdings hat er es sich zum Ziel gemacht, dem von ihm nicht geduldeten Liebhaber seiner Schwester den Schädel zu spalten (3703), was wiederum für einen Ehrenmord sprechen würde. Valentins Versuch, den Gelehrten zu töten, kann man auf jeden Fall mit den Ehrenmorden des 21. Jahrhunderts vergleichen, auch wenn Motiv und Eigenschaft nicht zu 100% übereinstimmen. BEURTEILUNG DES VERHALTENS VON VALENTIN Valentin ist ein Egozentriker, der ein gutes Ansehen vor seinen Kumpanen über die Gefühle seiner Schwester und vor allem über ein Menschenleben stellt. Er überlegt keinen Moment lang, wie viel Schmerz er in Margarete auslösen würde, wenn er einen von ihr geliebten Menschen tatsächlich tötet und sucht weder das Gespräch zu ihr, noch zu dem von ihm verhassten Faust. Er handelt aus Egoismus heraus und kann oder will nicht sehen, welchen immensen Schaden er damit anrichten könnte. In einem Monolog vor der geplanten Tat, macht er seiner Enttäuschung und Wut über Gretchen Luft. Als er zwei Gestalten in der Dunkelheit erblickt, schließt er darauf, dass der Gelehrte einer der Beiden ist und versucht ihn von hinten zu überwältigen. Statt nach einer Aussprache zu fordern, will Valentin Faust aus dem Hinterhalt angreifen und letztlich ermorden. Allerdings sollte man auch bedenken, dass die Familie rund um die junge Margarete keine Vaterfigur beinhaltet. Mal ganz davon abgesehen, dass auch die Mutter inzwischen verstorben ist, ist Valentin der Ältere und vor allem: Der einzige Mann im Haus. Man könnte annehmen, dass Valentin im Bezug auf Gretchen in eine Art Vaterfigur schlüpft und sie lediglich zu beschützen versucht, dabei aber von seiner Wut und Impulsivität übernommen wird. Nichtsdestotrotz ist Valentin von Anfang an auf keinen fairen, ehrlichen Kampf aus: Er ist Faust als Soldat kämpferisch überlegen, trägt eine Waffe bei sich und schleicht sich von Hinten an. Wäre Mephisto nicht an Heinrichs Seite gewesen, hätte jener diesen Kampf mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit völlig chancenlos verloren. Dass Valentin nicht viel für irgendwen außer sich selbst übrig hat, wird auch in seinem Sterbemonolog deutlich. Statt ein Gebet zu sprechen oder warme Worte an seine völlig erschütterte Schwester zu richten, stellt er Margarete vor allen Nachbarn bloß. Er beschimpft sie und beschuldigt sie schon an dieser Stelle einem künftigen Kindsmord. 8 KOPIERVORLAGE Probleme ,,Nun geht es an ein Schädelspalten!" - Ehre Eugène Delacroix: Duell zwischen Faust und Valentin (Lithografie, um 1810) Ⓒbpk Ehrenmorde sollen der Wiederherstellung der Familienehre dienen und finden daher typischerweise innerhalb der Familie statt, d. h., Täter und Opfer sind i. d. R. miteinan- der verwandt. Bei den Opfern handelt es sich zu zwei Dr teln um weibliche Familienmit- glieder (Ehefrau, Schwester, Tochter etc.). In einigen Fällen wird jedoch auch oder aus- schließlich der für die Entehrung Mitschul- dige (Geliebter bzw. nicht geduldeter Freund der Frau) getötet oder verletzt. Dieser ist in der Regel nicht mit dem Täter verwandt. Je- doch besteht immer eine Verbindung zwi- schen diesen männlichen Opfern und einem weiblichen Mitglied der Familie des Täters. Bundeskriminalamt: Bund-Länderabfrage zum Phä- nomenbereich „Ehrenmorde in Deutschland", 2006 www.bka.de/pressemitteilungen/2006/ 060519_pi_ehrenmorde.pdf (19.1.2010) Was ist Ehre? Die türkische Ehre, auf die sich ein Mörder beruft, hat nichts mit der deutschen Ehre zu tun, die einem zuteil wird, wenn man das Bundesverdienstkreuz erhält, hohen Besuch empfängt oder ein Versprechen gibt. Das leicht alter- tümlich klingende deutsche Wort drückt ein besonders positives, vornehmes, erhebendes Gefühl aus. In der Regel wird die Ehre verdient: Man ehrt einen Wissenschaftler für seine Forschung oder eine Politikerin für ihre Bemü- hungen um den Frieden. 21 In der türkisch-islamischen Kultur dagegen wird die namus nicht verdient, sondern verteidigt [...]: Wer in einem türkischen Zusammenhang namus hört, assoziiert damit zum überwiegenden Teil nicht etwas Positives, sondern eine Last, etwas, was es zu behüten gilt und wofür man bereit ist, sein Leben zu geben, etwas, was man ganz schnell verlieren kann und damit dann auch seine Existenzberechtigung. Denn wer seine Ehre nicht verteidigt, wird zum namussuz adam, zum ehrlosen Mann. Das ist das Schlimmste", was einem Türken passieren kann. Die türkische Frau dagegen wird - vor allem, wenn sie jung ist – nicht als eigenständiges Wesen gesehen. Ihre Funktion ist, die Ehre der gesamten Familie zu tragen [...]. Daher haben sämtliche Clan-Angehörigen das Recht (und die Pflicht), sich im Namen der Ehrverteidigung konstant in das Leben der Frau einzumischen. So wird die Ehre zu einem Instrument der totalen Kontrolle. Sie fördert Überwachung und Denunziation. Denn die Ehre des Clans, die die Frau trägt, besteht aus ihrer sexuellen Enthaltsamkeit. Sie muss vor der Ehe Jung- frau sein und nach der Hochzeit treu. Das hört sich zunächst einmal lediglich konservativ an. Doch ein einziges Wort, ein einziger Blick kann die Ehre beschmutzen. Das bedeutet: Ein Vater kann seine Tochter einsperren, weil sie ihre Haare offen trägt oder sich nicht an die allgemeinen Regeln der Familie hält. Ein Ehemann kann seine Frau verprügeln, wenn sie ihm Widerworte gibt oder weil sie den Kassierer im Supermarkt seiner Meinung nach zu lange angeschaut hat. Ein Bruder kann seine Schwester erschießen, weil er glaubt, dass sie zu westlich lebt oder schlicht, weil sie kein Kopftuch tragen will. [...] Uta Glaubitz: Ehrenmord, 2009. www.ehrenmord.de/faq/wasehre.php (19.1.2010) ▶1 Verfassen Sie einen Zeitungsbericht über die Ereignisse in der zweiten - Szene ,,Nacht" (Verse 3620-3775). Beschreiben Sie darin das Verhalten Valentins gegenüber seiner Schwester und ihrem Geliebten. Analysieren Sie die Gründe für dieses Verhalten. 2010 Cornelsen Verlag, Berlin ▶2 Vergleichen Sie Valentins Versuch, Faust zu töten, mit den Ehrenmorden des 21. Jahrhunderts. Wo sehen Sie Parallelen, wo Unterschiede? ▶3 Beurteilen Sie Valentins Verhalten mit Blick auf Ihre Überlegungen zu ▶ 1 und 2. 5 10 15 5 10 15 20 Soldat (26) auf offener Straße erstochen Tragisches Familiendrama oder kaltblütiger Mord? Zeichnung nach Beschreibung der Zeugin Susanne S. im Mordfall G. Altdörnfeld. Ein Sechsundzwanzigjäh- riger wurde Mittwochabend unmittelbar vor seiner eigenen Haustür ermordet. Noch hat die Weimarer Mordkommission, die den Fall des Soldaten Valentin G., der am 29. April sterbend von seiner Schwester und den Nachbarn aufgefunden wurde, aufklären soll, keinerlei entscheidender Hinweise erhalten, heißt es von Sprecher Ronald Fischer. Als die Einsatzkräfte am Tatort eintrafen, war für den jungen Mann bereits jede Hilfe zu spät. Zeugen berichten, G. habe sich vor dem Tathergang alleine am Anger befunden und in einem Selbstgespräch übel über seine Schwester hergezogen. Ein lieber Junge mit bösen Gedanken? ,,Valentin war wie ein anderer Mensch an diesem Abend. Er war immer ein so lieber Junge, das dachte ich zumindest.“ sagt Zeugin Susanne S., welche behauptet, die Tat beobachtet zu haben. ,,Als er anfing, seine Schwester als Hure zu bezeichnen und von Schädelspaltereien zu schwärmen, wusste ich, irgendetwas war in ihn gefahren" führt sie fort. Viele Dinge sind im Mordfall G. noch ungeklärt, doch eins steht fest: Das Opfer hegte eine gewaltige Abneigung gegenüber dem Partner seiner Schwester und so letztendlich auch gegenüber ihr. Nicht einmal in seinen letzten Atemzügen konnte Valentin G. noch warme Worte an seine einzige Schwester richten. Voller Wut und Vorwürfen verließ er diese Welt. Mord mit Motiv? Erst vor einigen Wochen haben die Geschwister ihre alleinerziehende Mutter verloren, welche an den Folgen einer Vergiftung starb. Auch dieser Fall ist bislang ungelöst. Verfolgt der Mörder also ein perfides Motiv gegen die Familie? Wird Margarete G. schon bald das nächste Opfer des Altdörnfelder Todesengels sein? War es ein misslungener Ehrenmord? Nach einem ehrlichen Zweikampf sah es den Zeugen nicht aus, als der Soldat von zwei kräftigen Männern umringt und letztlich niedergestochen wurde. Jedoch war es Geisler, der zuerst angriff. Zeugen zufolge versuchte er einen der beiden Männer von hinten zu überwältigen, als dieser sich umdrehte und es zum Kampf kam. War der Lebenspartner der jungen Margarete einer der beiden Widersacher und womöglich sogar der Mörder? Es ist nicht auszuschließen, dass G. den Gelehrten Heinrich F. physisch in seine Schranken zu weisen versuchte und eben diesem am Ende erlag. Schließlich ist allen in der kleinen Dorfgemeinde bekannt, dass der Soldat nicht angetan von der Liebelei seiner Schwester war. Margarete hält fest zu ihrem Geliebten, weiß allerdings nicht genau, wo er sich zur Tatzeit befand. Die Polizei bittet um Hilfe Haben Sie etwas verdächtiges gesehen oder gehört? Dann setzen Sie sich bitte mit dem Kommissariat 86 im Weimarer Land in Verbindung. Telefon: 0203 2600 E-Mail: [email protected] • der Direktor: JOHANN WOLFGANG VON GOETHE Faust DREIFACHE ERÖFFNUNG 2 reflektierende Texte zu Beginn Zueignung Vorspiel auf dem Theater ZUEIGNUNG •spiegelt die Entstehungsgeschichte wieder •vierstrophiges Widmungsgedicht an die Figuren des Faust Dramas • die Figuren werden als „schwankende Gestalten" bezeichnet: sie lassen Goethe nicht los und zwingen ihn zur Weiterarbeit, sie sind mit Erinnerungen verbunden • Goethe, welcher schon fast 60 ist, fühlt sich jugendlich erschüttert • „erste Lieb und Freundschaft" verdrängen jeden Schmerz • der Goethe wohl gesonnene Kreis, dem der Urfaust vorgetragen wurde, ist zerstoben bzw. tot: das Werk steht heute vor neuen Herausforderungen und das ängstigt Goethe • er kann der Versuchung aber nicht widerstehen, ein „längst entwohntes Sehnen" ergreift ihn • orientiert sich an anspruchslosem Geschmack • die lustige Person: bei Goethe DER TRAGÖDIE ERSTER TEIL VORSPIEL AUF DEM THEATER Direktor, Lustige Person, Dichter • will die große Menge anziehen -strebt nach Geschäftserfolg • ist bereit, künstlerische Abstriche zu machen, um Menge zu beglücken • meint, die Menschen seien nicht sonderlich an Qualität interessiert Prolog im Himmel •betont Spaß und Narrheit • Wünscht sich klassische Elemente einer Komödie: bunte Bilder, wenig Klarheit und viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit will der Griff ins Leben des Publikums: Liebe, Irrtum, Spaß •will eine ganzheitliche Kunst für die Nachwelt erschaffen bezeichnet die anderen Beiden als Pfuscher •Wünscht sich einen Einklang zwischen Mensch und Natur, VO • meint, der Inhalt muss lebensnah sein und der Zuschauer direkt angesprochen werden • der Dichter: heutzutage Direktor: Erfolg, Geld, will vielfältiges Programm bieten, Ruhm Schauspieler: Kunst, Profit, Spaß Dichter: Kunst, Profit, Ruhm Direktor: Profit, die Kunst gilt nur als zweitrangig lustige Person: Spaß, Lebensnähe Dichter: Kunst, Werte und Moral dem Gott • Faust als Beispiel des perfekten Menschen • Menschen sind von Grund auf gut • Gärtnervergleich: Gott ist der Gärtner und die Welt sein Garten: steckt man Arbeit rein, wird am Ende alles gut Exsistenzskrise und Entgrenzungsversuch Nacht PROLOG IM HIMMEL Menschenbild von Vor dem Tor Mephisto • Menschen plagen sich • der Mensch ist der kleine Gott der Welt • Mensch kann sich nicht verändern bzw. verbessern in der menschlichen Natur steckt das tierische Wesen • Zikadenvergleich: kleine Insekten, die sehr hoch • springen aber letztendlich immer auf die Nase fallen • Faust: Ebenbild des Menschen nach Gott DIE GELEHRTENTRAGÖDIE Teufelspakt und Wette Studierzimmer I und II •großer Kontrast zur hellen „Prolog im Himmel"-Szene • zunächst ein innerer Monolog Fausts NACHT Faust, Wagner ✓ Auerbachs Keller Hexenküche •sein Studierzimmer, welches ein sehr enger Raum ist, spiegelt seine innere Befindlichkeit wieder .er bezeichnet jenes auch als „Kerker" und „verfluchtes dumpfes Mauerloch " Szenen des Übergangs • damit wird ein Kontrast zwischen Fausts momentaner Lage und der von ihm so lieblich beschriebenen Natur hergestellt •Tageszeit, also die Dunkelheit, steht dafür, dass er nicht viel sehen kann und seine dunklen Gedanken, die Depression •Faust hat alles verfügbare Wissen angehäuft • dennoch ist er unzufrieden •er wendet sich daraufhin der Magie zu •Faust versteht sich als ein Ebenbild Gottes, bleibt als Mensch aber völlig beschränkt •Urfaust entstand im Sturm und Drang, in dem die Natur für ein sinnlich erfülltes Leben stand •er steckt in seiner Begrenztheit, dem Studierzimmer, fest und wendet sich aufgrund dessen dem Nostradamus zu: er verlässt den Weg traditioneller Wissenschaft •drei Versuche Makrokosmos, Erdgeist, Suizid, bestehende Grenzen zu überwinden, scheitern •Makrokosmos: Faust kann das Schauspiel des Makrokosmos nicht begreifen •Erdgeist ist der gottgleiche Schöpfer der Natur und Faust muss verstehen, dass er kein Ebenbild Gottes ist •Suizidgedanken: jugendliche Gefühlsreligiosität vereitelt diese Gedanken • nach dem alles drei scheitert, fühlt sich Faust noch bescheidener als vorher noch • Wagner, der Schüler Fausts, welcher auch seine Kontrastfigur darstellt, taucht im Schlafrock und mit Nachtmütze auf • Goethe gibt diese Figur der Lächerlichkeit frei •sie unterhalten sich über ihr jeweiliges Verständnis von Wissen • Wagner misst sein Wissen an Zahlen, daran, wie viel er "auswendig "gelernt hat, er hat kein Herz für die Wissenschaft: enzyklopädisches Wissen •Faust strebt nach einem göttlichen Prinzip, er ist Wissenschaftler aus Leidenschaft • wieder allein fällt Faust in eine noch tiefere Depression als vorher dritter Entgrenzungsversuch folgt Was hat Faust bisher erreicht? • Philosophie studiert • Jura studiert • Medizin studiert • Theologie studiert • Magistertitel • Doktortitel Wonach strebt Faust? •Lebensfreude • Gut und Geld • zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält -einem ganzheitlichen Erklärungsansatz • seinen unstillbaren Durst nach Wissen zu sättigen • wahre Erkenntnis zu erlangen Wie will Faust all das erreichen? •er wendet sich dem Göttlichen und der Magie zu VOR DEM TOR Faust, Wagner • Kontrastszene zur Nacht" • die dunkle, tiefe Nacht ist dem hellen, sonnigen Tag gewichen • Faust, der sonst ein ziemlicher Stubenhocker ist, stellt sich dem Gesellschaftsleben • der Ostersonntag hat viele Menschen vor das Tor der Stadt getrieben • revuehaft werden nacheinander Bürger und Bauern als Vertreter unterschiedlicher sozialer Gruppen gezeigt • erst unverheiratete Handwerksburschen und Dienstmädchen, die sehr anzüglich über die Liebe sprechen • eine Alte bietet sich den Mädchen als Kupplerin an •sie wissen aber um die soziale Kontrolle der Stadt, die das Beisammensein der Unverheirateten betrachtet • Verweis auf Gretchens Schicksal, eine Vorausdeutung • Vers 895-902: Gretchen ist das gefallene Mädchen, das sich der Liebe hingibt und allein ihrem Schicksal überlassen wird, ihr Bruder Valentin ist Soldat • Vers 949-980, Schäferlied: Schäfer, der junges Mädchen anspricht wirkt sehr ähnlich zu Faust und Gretchen • für Faust ist es die erste Öffnung zur Welt nach den Engen seines Studierzimmers • der Frühlingstag steht für einen Neubeginn, ein Wiederaufblühen • Buntheit ersetzt das Einheitsgrau, die Menschen fühlen sich wie neu belebt und kommen zu dem Schluss Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein!" • die gesellschaftlichen Gruppen bleiben aber unter sich • Faust sticht heraus als Hochgelehrter, um den das Volk einen Kreis bildet und dadurch auf Distanz bleibt • Bauern haben nicht vergessen, dass Faust und sein Vater während der Pest vielen Menschen das Leben rettenden: • anhaltende Bewunderung für ihn • Faust und Wagner kommen ins Gespräch über die Taten seines Vaters -diskutieren über ihre verantwortungsethischen Positionen • Faust leidet unter der Isolation als Lebensdefizit, er ist geprägt von Verantwortungsbewusstsein ihn prägt die Frage nach dem gesellschaftlichen Wert der Wissenschaft • entlarvt das medizinische Wirken seines Vaters als Scharlatanerie •übt viel Selbstkritik •Wagner ist ein Feind von allem Rohen • generelle Abneigung dem Volk gegenüber prägt auch seine wissenschaftlichen Ansichten • ob die Wissenschaft tatsächlich hilft, ist ihm egal •nicht der Nutze für die Menschen ist ihm wichtig, sondern nur sein eigener Vorteil • im Angesicht der Abendsonne verdrängt Faust aber jeden Zweifel wieder • der Blick in die Ferne beflügelt den Gelehrten •„Flügelmetapher": Metapher des Entgrenzungswunsches, er will die Welt von oben, wie ein Gott, betrachten • Wagner begnügt sich mit platter Selbstzufriedenheit, er bleibt lieber auf dem Boden der Tatsachen • Faust ist mehrdimensional: die Spannung zwischen dem Durst nach sinnlicher Befriedigung und göttlicher Exsistenz droht ihn zu zereißen • Faust ruft die Geister, um jene Spannung zu überwinden • er erfleht einen „Zaubermantel", der ihm zu neuem, buntem Leben verhelfen soll • Mephisto taucht in Form eines schwarzen Pudels auf und nähert sich Faust STUDIERZIMMER I Faust, Mephisto •Faust nimmt den Pudel mit nach Hause •er kann sich nicht aus seiner Exsistenz lösen, so groß der Leidensdruck auch ist schon bald verblasst die Naturerfahrung des Tages und damit die Befriedigung •er sucht Offenbarung, um nicht schon wieder der Depression zu verfallen • versucht es mit dem Text des neuen Testaments, gibt sich damit nicht zufrieden und greift zum Original • es drängt ihn zur Quelle, zur unmittelbaren Erfahrung •der Versuch Offenbarung zu finden ist aber zum Scheitern verurteilt, weil er bald an der Übersetzung scheitert •der Duktus des Übersetzens spiegelt aber seine innere Entwicklung wieder, er wird vom Wortgelehrten zum Mann der Tat •Pudel stört seine Bemühungen: Abneigung zu Religiösem wird durch Bellen und Knurren deutlich •diese Störung wird Faust nicht mehr los, da er selbst sie in sich trägt •mit Beschwörungsformeln zwingt Faust den Pudel zur Verwandlung und Mephisto erscheint in seiner wahren Gestalt -Mephisto kehrt den Schöpfungsmythos um •seine Macht aber ist beschränkt, er ist nur ein Teil der teuflischen Welt • Faust erkennt aber, dass Mephisto derweil nur begrenzte Macht hat •er kann aufgrund eines Pentagramms nicht ohne weiteres das Studierzimmer verlassen •ein magisches Symbol, das den Teufel bannen soll, versperrt ihm den Ausgang •Mephisto bemerkte dies beim Eintritt nicht, doch da er nach den Grundregeln der Hölle dein gleichen Aus wie Eingang nehmen muss, sitzt er fest •Faust erkennt seine Überlegenheit und will einen Pakt mit Mephisto schließen •dies ist keine günstige Stunde für Mephisto, weshalb er es vertagen möchte •er lässt den Gelehrten in einen Traum versinken und berichtigt anhand eines Zaubers mit Hilfe von Ratten, Fliegen und anderer Tiere das Pentagramm, sodass er gehen kann •Faust fühlt sich abermals betrogen, als er aufwacht und alles nur für einen Traum hält STUDIERZIMMER II Faust, Mephisto, Wagner • als Mephisto zurückkehrt, ist Faust schon längst wieder der Depression verfallen • Faust ist an seinem inneren Nullpunkt angelangt, er ist bereit, sich dem Teufelspakt hinzugeben • Faust kann und will nicht länger auf Erlösung warten, er will seine bürgerliche Exsistenz verdammen der Pakt: • Mephisto dient Faust im Diesseits •Faust dient Mephisto nach seinem Tod im Jenseits die Wette: •verschärft den Pakt •Faust glaubt nicht daran, dass Mephisto es schaffen könnte, ihn glücklich und zufrieden zu stimmen, hier setzt Faust auf sein Unwohlsein • schafft Mephisto es doch, Faust wahrlich glücklich zu machen, stirbt dieser und muss Mephisto im Jenseits dienen •Besieglung der Wette durch Blut •Faust will einen emotionalen Rausch, keine Befriedigung •er will einen ganzheitlichen Genuss: nicht nur sinnliche Befriedigung, er will Glück, Leid, Freude, Trauer,... er will alles erleben und fühlen • Mephisto versteht aber nicht, dass es bei Faust nicht reicht, nur seine Triebe zu befriedigen und ist deshalb zum Scheitern verurteilt •in Faust Brust schlagen zwei Seelen: wird nur ein Teil befriedigt, schreit der andere Teil umso lauter auf Identitätstausch Faust Mephisto: • als sich Wagner -Mephisto gibt eine teuflische Studienberatung der Tür ankündigt, nimmt Mephisto Fausts Identität •Universitätssatire wird fortgesetzt •Schüler ist noch unsicher, welche Fakultät er wählen soll, wünscht sich aber ein wenig Freiheit und AUERBACHS KELLER IN LEIPZIG Faust, Mephisto, Lustige Gesellen ·lustige Gesellen: humorlose Studenten • der Mensch, dargestellt durch die Studenten, wird auf seinen animalischen Kern degradiert • viel Tiermetaphorik: Spottlieder (Rattenlied, Flohlied) und Namen der Studenten trinken viel Alkohol •sind dumpf nationalistisch und unpolitisch, sie sind unkultiviert •Kritik an den privilegierten Ständen Satire an Freiheitsbestrebungen des Volkes •Mephisto gibt provokante Kommentare von sich und wir daraufhin angegriffen •Faust lässt sich von all dem nicht mitreißen und geht HEXENKÜCHE Faust, Mephisto, Hexen, Meerkatzen • zwei Handlungsstränge: Fausts Verjüngung und sein Erblicken Helenas im Zauberspiegel sowie die politische Allegorie auf die • Französische Revolution • Hexenküche bevölkert von Hexen und Meerkatzen, einer affenartigen Tierart •Meerkatzen menschenähnlich und mit menschlichen Zügen • sie streben nach materiellem Besitz und menschlichem Verstand • Mephisto gibt sich als Hausvater aus und stellt die Tiere als Magd und Knecht vor • Faust steht abseits, er ist nicht sonderlich angetan von der Hexenkunst • der lange Weg, sich durch Feldarbeit zu verjüngen, lässt sich nicht mit seiner Ungeduld vereinbaren • Faust wird von einem Zauberspiegel angezogen: in ihm erblickt er Helena, das Schönheitsideal der Antike und seine Sinnlichkeit • wird entfesselt, so wie sich da Frau zu ihm streckt • der Trank potenziert diese Wirkung • welcher Frau Faust nun auch begegnen mag, sie wird ihm als Helena erscheinen • Faust wird verjüngt um seiner Rolle als junger Liebhaber zu entsprechen Scheitern und Tod - das tragische Ende Gretchens Bedeutung der Szenen „Walpurgisnacht", „Walpurgisnachttraum", „Trüber Tag · Feld", „Nacht Offen Feld" Walpurgisnacht: Faust, Mephisto • Beginn der Schlussphase der Gretchentragödie • Kontrastszene zum „Prolog im Himmel" • eine verkehrte Welt, beherrscht vom Teufel, in der das zerstörte Element dominiert . • zu Beginn wenden sich Faust und Mephisto paradoxerweise an ein Irrlicht, welches ihnen den Weg weisen soll Faust strebt noch immer nach Erkenntnis und Wissen (4040) • Mephisto aber hält ihn in den Niederungen der Sinnlichkeit buchstäblich fest, indem er auf junge, nackte und bloße Hexen hinweist, mit denen Faust Spaß haben könnte • präsentiert ihm die Welt der ,,einhundert Feuer" (4057) • Trödelhexe verkauft Dinge, die unmittelbar auf Gretchens Schicksal hindeuten • damit Faust diese Assoziationen nicht erkennt, will Mephisto ihn mit Sinnlichkeit ablenken: Lillith, das Urbild weiblicher Verführungskünste und Tänze mit nackten Hexen • Fausts Vergnügen findet mit einer Gretchenvision ein abruptes Ende: Er sieht sie mit einem Schnitt im Hals und toten Augen •deutet auf ihre Hinrichtung hin Walpurgisnachttraum: Faust • bildet ein Werk im Werk • der dargestellte Maskenzug thematisiert zentrale Motive der ganzen Tragödie, radikalisiert aber deren Kompositionsprinzip, indem kaum sinnstiftende Zusammenhänge hergestellt werden · es ist schwer vorstellbar, dass Faust diesem „dilettantisch läppischem Gedudel und Gehopse" lange beiwohnen kann, regt sich in seinem Inneren doch das schlechte Gewissen • mit einem Luftzug zerplatzt am Ende des Intermezzos die Illusion · es wird deutlich, dass wahrlich Nichts dahintersteht Trüber Tag-Feld: Faust, Mephisto • die Landschaftsbezeichnung spiegelt die innere Ernüchterung Fausts wieder - erst jetzt wird Faust klar, was er im Taumel der Sinnlichkeit völlig verdrängt hat • Faust wirft Mephisto vor, ihm Gretchens Verhaftung und den Prozess verschwiegen zu haben . • Mephisto kommentiert lediglich mit sie ist die erste nicht · • für ihn ist Gretchen nur eine vielen, eine Nummer ohne eigene Identität • Faust ist außer sich und verflucht Mephisto als „Hund" • äußert Mephisto gegenüber den Wunsch, alles rückgängig machen zu wollen und fordert ihn dazu auf, Gretchen zu retten • wälzt hierbei vor allem alle Schuld von sich selbst ab · wird nochmal deutlich, als Mephisto ihn fragt, wer es denn gewesen sei, der sie ins Verderben stürzte • Faust verstummt und schaut nur wild umher - Faust kann und will sich die eigene Verantwortung, die freie Entscheidung, Gretchen untergehen zu lassen, nicht eingestehen •er will sie nicht retten, weil ihm etwas an ihr liegt, er will sie retten, um sein Gewissen zu beruhigen und friedlich zu stimmen Nacht Offen Feld: Faust, Mephisto • Faust und Mephisto sind auf Zauberpferden unterwegs, um Gretchen aus dem Gefängnis zu befreien · dabei kommen sie am „Rabenstein" vorbei, einer Richtstätte außerhalb der Stadt • Vorausdeutung von Gretchens Ende STELLUNG DER SZENE WALPURGISNACHT" || Die Szene „Walpurgisnacht" führt sich sehr organisch in das Faustdrama ein und erscheint keinesfalls als Fremdkörper. Schon an der Länge dieser Szene, die mehr als 1500 Verse umfasst, wird ihre zentrale Bedeutung deutlich. Sie bildet einen entscheidenden Versuch Mephistos, die Wette zu gewinnen und damit Fausts Seele zu rauben. Diese Szene ist eine andere Seite des Geschlechterverhältnisses: Sie ist obszön, sie ist orgiastisch und sie ist zerstörerisch. Liebe ist ein göttliches Gut, doch jenes ist in der Welt des Teufels nichts wert: Anständigkeit und Sittsamkeit, wie Gretchen sie vertritt, haben hier keinen Platz. Mephistopholes setzt in dieser Szene erneut darauf, Faust durch Befriedigung seiner Triebhaftigkeit zufrieden zu stimmen. Er soll von nackten Hexen, der Urgestalt weiblicher Verführung und weiteren höllenabkömmlichen Figuren in den Bann der Sinnlichkeit gezogen und letztlich dort gefangen werden. Der Gelehrte soll Margarete und jede Erinnerung an sie vergessen und durch Vergnügen mit anderen Frauen jedes Gefühl eines schlechten Gewissens oder der Verantwortung ein für alle mal verdrängen. Selbst als Mephisto und Faust auf die Trödelhexe treffen, welche verschiedenste Dinge verkauft, die auf das tragische Schicksal Gretchens hindeuten, schafft es Mephisto, Faust abzulenken, noch bevor er die Chance hatte, diese Hinweise zu realisieren. Doch inmitten eines Tanzes der Verführung nimmt Fausts Sorglosigkeit ein abruptes Ende, als er ein junges Mädchen mit einem Schnitt im Hals sowie toten Augen in einer Vision erblickt und sie mit Gretchen und ihrer nahenden Hinrichtung assoziiert. Faust ist zu diesem Zeitpunkt nur kurz davor, jeden Gedanken an sie zu verdrängen und zu vergessen, doch nicht nur ihr, sondern vor allem sein eigenes Schicksal holt ihn wieder ein. DIE ENDGÜLTIGE ABKEHR FAUSTS VON MARGARETE Diese Szene bildet eine Abkehr von Margarete, da Faust sich dem sündvollen und triebhaften Handeln auf dem Brocken hingibt, ohne auch nur ein Mal an sie zu denken. Er ignoriert alles, was auf sie hindeuten könnte, so z.B. die Trödelhexe, und ist stattdessen zunächst nur auf die Befriedigung seiner Triebe besinnt. In vorhergegangen Szenen war Faust wenn es um Gretchen ging stets hin und hergerissen zwischen wahrhaftiger Liebe und sinnlichem Sexualtrieb, er war geplagt von einem schlechten Gewissen. Dieses schlechte Gewissen überwindet er in dieser Szene zunächst stückweise, da er nicht einmal einen Gedanken an sie hat. In der „Walpurgisnacht" wendet sich Faust nicht ausschließlich von seiner jungen Geliebten, sondern ein Stück weit auch von sich selbst und seiner Humanität ab. Allerdings passiert das nicht Schlag auf Schlag, sondern nur ganz allmählich, denn am Ende dieser Szene bildet er sich ein, sie sterbend bzw. tot zu sehen und wird schnell von einem schlechten Gewissen ereilt. Scheitern und Tod - Das tragische Ende Gretchens Mit der Szene ,,Walpurgisnacht" beginnt die Schlussphase der Gretchen-Handlung. Im Mit- telpunkt steht der Versuch Mephistos, Fausts Gewissensregungen im Sinnenrausch zu ersti- cken. Er versetzt Faust in tiefer, stürmischer Nacht mitten in den wilden Zug auf den Bro- cken, wobei die Gegend um ,,Schierke und Elend" (vgl. Regieanweisung, S. 127) zu Goethes Zeiten als besonders rau und wild bekannt war. Die Szene entfaltet sich in fünf Abschnitten: Wanderung mithilfe des Irrlichts (V. 3835-3911) - Sturm (V. 3912-4015) - die Banalität des Bösen (V. 4016-4117) - der Tanz mit den Hexen und Fausts Gretchenvision (V. 4118-4205) Mephistos Reaktion und Hinführung zum Walpurgisnachttraum (V. 4206-4222). - Mit einer gegensätzlichen Sicht auf die Natur (vgl. V. 3845 und 3849) durch Faust und Me- phisto sowie der Aufnahme des ,,Irrens" als Leitmotiv der ganzen Szene (vgl. V. 3840, 3855, 3862) beginnt die Schilderung der Walpurgisnacht. Im Folgenden gehen die beiden Wan- derer ,,in die Traum- und Zaubersphäre" (V. 3871) ein, was seinen Ausdruck in der zuneh- menden Dämonisierung der Natur (vgl. V. 3876-3880, 3889-3905) findet. Während Faust auf dem weiteren Weg das Glühen von Goldadern als beeindruckendes Naturbild beschreibt, ist dies für Mephisto nichts anderes als das Leuchten des ,,Herrn Mammon" (V. 3933). Mit dem Zug der Hexen geht ein Sturm einher, der im Bild der Windsbraut (vgl. V. 3936) die zerstörerischen Kräfte der Natur verkörpert. Die Äußerungen der massenhaft auftre- tenden Hexen (V. 4015) verraten Schamlosigkeit und Obszönität. Ziel ihres Zuges ist der Herr Urian, der Teufel selbst. Er thront auf dem Brocken und bildet den Gegenpol zum Herrn im ,,Prolog im Himmel". Gegen Fausts Willen (vgl. V. 4039 f.) zieht Mephisto diesen unter neuen Versprechungen aus dem Hexenzug heraus (vgl. V. 4046, 4054) und präsentiert ihm die Welt der ,,einhundert Feuer" (V. 4057), eine Welt der Banalität ohne Entwicklung - dem Bösen scheinbar harmlos zugeordnet. Am Ende dieses Abschnitts steht die Trödelhexe, deren ,,Angebote" deutlich auf das Schick- sal Gretchens und die Schuld Fausts verweisen. Mephisto muss ablenken und präsentiert am Beginn des vierten Teils der Szene (vgl. V. 4118-4205) Lilith, das Urbild weiblicher Verfüh- rungskünste. Der nun folgende Tanz mit den Hexen changiert zwischen Sinnlichkeit und Obszönität und findet mit der Gretchenvision Fausts ein abruptes Ende. Die 44 Strophen der Szene ,,Walpurgisnachttraum" bilden ein Werk im Werk, das allenfalls über die satirischen Elemente der vorangestellten Szene an diese angebunden ist. Ein en- gerer dramatischer Zusammenhang ergibt sich nicht. Die Versöhnung Oberons und Titanias (wie die Figur Puck bekannt aus Shakespeares ,,Sommernachtstraum") gibt den Elfen An- lass, einen Festzug zu organisieren: Vorgeführt und am Ende in Dunst aufgelöst werden die Dilettanten des Lebens, Schriftsteller ebenso wie Philosophen und politische Zeittypen. Im Einzelnen wird die Darstellung des Nackten in der Kunst abgehandelt, die auch den Musiker aus dem Takt bringt (vgl. V. 4267-4294). Weiterhin prangert Goethe den literarischen Be- trieb seiner Zeit an, u.a. die seine Werke kritisierende Zeitschrift ,,cidevant" (vgl. V. 4295-4318). Im Folgenden wird auf die religiöse Engherzigkeit u. a. des,,Kranichs" (d.i. der schweizerische Schriftsteller Lavater) angespielt (vgl. V. 4331-4362). Und schließlich geht es auch um unterschiedliche Schicksale nach der französischen Revolution (vgl. V. 4363-4386). ,,Trüber Tag. Feld" - Die Landschaftsbezeichnung der einzigen Prosaszene des Dramas lie- fert den Hintergrund für die Ernüchterung Fausts. Seine Flüche gegen Mephisto sind nichts anderes als machtlose Eingeständnisse des eigenen Versagens, wobei allerdings von echter Reue nicht die Rede ist. Der wütenden, aber letztlich ohnmächtigen Anklage Fausts, das Schicksal Gretchens verschuldet zu haben, begegnet Mephisto mit äußerster Nüchternheit, willigt aber schließlich ein, die inzwischen verurteilte Gefangene zu befreien. Die Szene ,,Nacht" schildert das gespenstische Treiben an der Richtstätte Gretchens, das auf die am nächsten Morgen bevorstehende Hinrichtung hinweist. Die wenigen und nur knapp angedeuteten Bemerkungen bringen das Unheimliche der Szene besonders wirkungsvoll zur Geltung.

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Johann Wolfgang von Goethe: Faust - Der Tragödie erster Teil

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Anbei findet ihr meine Aufzeichnungen zu Goethes Faust I. - sowohl Inhaltszusammenfassungen als auch einzelne Aufgaben.

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Geschwister Nachbarin Valentin Margarete/Gretchen Tochter Marthe Mutter und T stanziertes Verhhältnis Nachbarin & Bezugsperson statt ihrer Mutter aber eher Mutter ist "wild" nach ihm, will eine Beziehung mit einem neuen Mann körperliche, egoistische Liebe körperliche, psychische, bedingungslose Liebe nutzt sie als Mittel zum Zweck Opfergabe für die Wette hat furchtbare Angst vor ihm, auch wegen der Religion sein Lehrer Vorbild für ihn Heinrich Faust gläubig rettet Wagner Kontrastfigur zu ihn Schüler von ihn nutzt ihn, um seinen Spaß zu haben will Faust nur als Versuchsobjekt sehr gläubig Nebenfiguren: die drei Erzengel (Rafael, Gabriel, Michael), die Studenten, die Hexe, die Tiere, Geister, das Volk, Lischen weiß aber, dass er nie wirklich Erfolg haben wird & ihn vom rechten Weg abbringen Pakt und Wette Mephistopholes steht über ihm und wil d will ihm jenes s erneut deutlich sieht sich als Ebenbild Gottes, war früher einmal gläubig sieht in als idealen Menschen und nutzt ihn deshalb als Versuchskaninchen untergeordnet dem Teufel macher macht sich über hn und seine Schaffung ung lustig, wertet sie ab 1. weiß aber genau, 1, dass er ihm unterlegen is der Herr übergeordnet dem Gott Die Gretchenfrage „Nun sag, wie hast du's mit der Religion?" (3415) Margarete Vorabwissen • Gretchen ist fest dem katholischen Glauben verankert und versprochen, sie geht auch für nichts zur Beichte "(2625), Glaube ist bei ihr ritualisiert · Gretchen versteht die Religion als Maßstab und Norm für alles Handeln und sein • nach ihrem ersten Kuss mit Faust, preist sie ihre Heiratsfähigkeit an: es wurde aber kaum über die Grenzen der Konfession...

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geheiratet unterschiedliche • ihre Erziehung ist fest an die gesellschaftlichen Konvetionen angelehnt: „man muß dran glauben"(3424) •Religion steht bei Gretchen für einen Maßstab des Handelns und Denkens, des Seins und Werdens • der Glaube an Gott bildet die Norm, nach der ein Mensch zu leben hat • hat eine unhinterfragte Sicherheit in den Glauben (3421) und glaubt einfach ·Sakraments - Kirchen- und Religionsfrömmigkeit (3422) • wirft Faust ein unkirchliches Verhalten vor (3425), vermutet den Atheismus und fragt sehr direkt (3426) • Faust hat sich enttäuscht von der Religion abgewandt, da sie ihm die Erleuchtung, was die Welt im Innersten zusammenhält nicht geben konnte (382) • ein Rest kindlicher Religiösität ist bei ihm aber noch vorhanden und bewahrt ihn vor dem Suizid Religionsverständnisse Heinrich Faust • Faust beabsichtigt keinesfalls, Gretchen zu heiraten: in der Szene Wald und Höhle" hat er sich eindeutig für die Befriedigung seines Sexualtriebs entschieden hat keinen tiefen Glauben (mehr) in die Religion und steht im Pakt mit Mephisto einer Art Teufel • stellt die Religion als etwas privates ab, über das man nicht spricht (3418) . Religion ist ein Gefühls- und Herzensbegriff (3456) • jeder soll glauben, wie er kann und will: der Glaube ist nicht verwerflich, aber wahrlich nicht notwendig oder von großer Bedeutung (3419/3422) vor allem Religionstoleranz (3463) & Patheismus • flüchtet sich, um von seinem Unglauben abzulenken, in ein rhetorisches Feuerwerk (3432-34 Die Gretchenfrage bezeichnet eine Frage, die die wahren Absichten des Gefragten aufzeigen soll. Da dies meist zu einem Bekenntnis oder einem Geständnis führt, ist die Frage dem Gefragten meist unangenehm. Sie wird auch als Gewissensfrage bezeichnet. Die Gretchenfrage ist eine Charakterfrage. Als sie Faust fragt, wie er's mit der Religion hat", fragt sie ihn, woran er im innersten Kern glaubt. Margarete hat einen sehr engen Bezug zur Religion und gestaltet ihr Leben hauptsächlich nach christilich-religiösen Werten. Die Religion ist für sie ein Maßstab allen Handelns, Seins und Werdens. Da sich ihr komplettes Leben um den Glauben dreht und daraus erwachsen ist, will sie an Fausts Verhältnis zum jenem abwägen, ob die Beiden eine gemeinsame Zukunft haben. Sie denkt, der Charakter eines Menschen, ob er „gut oder schlecht" ist, lässt sich daran messen, wie er zur Kirche steht. Und genau so verhält es sich mit modernen Gretchenfragen. Sie zielen darauf ab, die wahren Absichten des Befragten zum Vorschein zu bringen. Eben das versucht die junge Margarete mit dem Gelehrten. Das merkt man schnell an Fausts Reaktion: er weicht der Frage mit Gegenfragen und übertriebener Rhetorik aus, da er weiß, würde er sinn-und wahrheitsgemäß antworten, käme er nicht an sein Ziel einer Liaison mit Gretchen. Wer auf eine Gretchenfrage nicht (ehrlich) antwortet, will sich selbst und seine eigenen Vorhaben schützen und nicht den Motiven des Fragenden erliegen müssen. An einer solchen Frage hängt für den Fragenden eine ganze Menge, sie könnte also auch eine Schicksalsfrage sein und auch das lässt sich an der Faust-Tragödie bereits erkennen: Man könnte meinen, Gretchens Schicksal hängt von dieser einen Frage ab. Hätte Faust sie mit der Wahrheit beantwortet, wäre es womöglich nie zu der Liebesnacht der Beiden und den Konsequenzen daraus gekommen wodurch ihr Schicksal nicht ein so tragisches hätte werden müssen. Die Religion war zu Zeiten der Entstehung von Faust ein sehr zentrales Thema und von enorm großem Wert, heutzutage widmet sich die Gretchenfrage allerdings weniger der Religion, als mehr aktuelleren und alltäglicheren Themen der heutigen Zeit. Das tragische Schicksal Gretchens dramaturgische Bedeutung der Szenen,Am Brunnen", Zwinger", "Nacht" und "Dom" Am Brunnen: Gretchen, Lieschen •diese Szene zeigt den Kleinstadttratsch • Gretchen fühlt sich vollkommen isoliert (3545) • auch von kleinstädtischem Tratsch abgeschnitten · Bärbelchen, ein junges Mädchen aus der Stadt, hat sich oft mit einem jungen Mann gezeigt ·bekam auch oft Geschenke von ihm (3559) • die soziale Logik: im Gegenzug für die Geschenke, würde Bärbelchen ihr „Blümchen" (3561) lassen • Metapher für die Jungfräulichkeit · Bärbelchen ist nun schwanger • Gretchen hat Mitleid mit dem „armen Ding" (3562) • Margarete glaubt in ihrer Naivität, der Liebhaber würde die Schwangere heiraten •Lieschen, welche die gesellschaftliche Moral repräsentiert, informiert sie schadenfroh, dass Bärbel sitzen gelassen wurde dem offentlichen Tratsch, der die ledige Mutter ausgrenzt und ächtet, folgt die kirchliche Brandmarkung → Bärbelchen fungiert als Spiegelbild Gretchens, sie nimmt ihr Schicksal vorweg Zwinger: Gretchen ·sie ist im Zwinger, einem engen Gang zwischen den letzten Häusern der Stadt und der Stadtmauer •Symbol: Gretchen, die von ihrer Schwangerschaft weiß und der Schande kaum noch ausweichen kann steht bereits I am Rand der Gesellschaft ·betet zu einem Andachtsbild der Mater Dolorosa, der schmerzensreichen Mutter Gottes, die Christus am Kreuz beweint •sie glaubt nicht länger, dass Faust sie heiraten wird (evtl. Erkenntnis aus „Am Brunnen") betet darum, dass sie vor Schmach und Tod"(3616) bewahrt bliebe •der häufige Wechsel der Strophenformen, Versmaße und Reimstellungen repräsentiert ihre innere Unruhe →Gretchen ist äußert verzweifelt und blickt ihrem Schicksal allmählich ins Auge: Sie ist alleine und hilfslos Nacht: Faust, Mephisto, Gretchen, Marthe, Valentin - Valentin, der Bruder Gretchens und Soldat, schmückte sich vor seinen Kumpanen bisher mit der Standhaftigkeit seiner Schwester •droht nun zum Gespött zu werden und will daher den Verführer ihrer Schwester umbringen in einem unehrlichen Zweikampf, manipuliert durch Mephisto, bringt Faust Valentin um • in einem langen Sterbemonolog, zu dem er die Nachbarn herbeiruft, stigmatisiert Valentin seine Schwester als „Hur“ (3730) und deutet den wahrscheinlichen Kindsmord an • Gretchen ist dem gesellschaftlichen Horrorszenario der völligen Ausgrenzung nicht gewachsen ihr Schicksal verstrickt sich immer weiter: sie fühlt sich nun nicht mehr nur schuldig für den Tod ihrer Mutter sondern auch für den ihres Bruders → von ihrem Bruder öffentlich als Hure und Kindsmörderin betitelt und die Schuld für seinen Tod tragend, wird Margarete komplett von der Gesellschaft isoliert und verliert ihre Familie – somit verstrickt sich ihr Schicksal immer weiter - Dom: Gretchen Gretchen ist bei einer Totenmesse im Dom ·befindet sich unter einer großen Menschenmenge, also in einer physischen Enge, die ebenso eine psychische darstellt • mit dem zunehmenden kirchlich-gesellschaftlichen Druck wächst auch Gretchens innere Verzweiflung - ihre freien, ungereimten Verse sind ein Spiegel für ihre Unzufriedenheit, für ihre Seele in äußerster Not • als Ergebnis ihrer großen Angst und ihres schlechten Gewissens taucht der böse Geist auf · erinnert sie an ihre kindliche Unschuld der Vergangenheit und die Sünden der Gegenwart • Gretchen nimmt die Messe nur sehr selektiv wahr: Keine Sünde bleibt unbestraft (3815) sie hält dem Druck nicht stand und fällt in Ohnmacht: Sie verpasst den Teil, in dem es um Hoffnung und Rettung geht → sie verpasst die Chance auf Erlösung, so wie später auch und verinnerlicht die gesellschaftliche Verurteilung Der Ehrbegriff in Goethes Faust Nun soll es an ein Schädelspalten!" (3703) DIE EHRENMORDE DES 21. JAHRHUNDERTS: GIBT ES PARALLELEN ZU FAUST? die Ehrenmorde des 21. Jahrhunderts: sollten der Wiederherstellung der Familienehre dienen · Waren zumeist Konflikte innerhalb der Familie . • Täter und Opfer waren in der Regel miteinander verwandt • bei den Opfern handelte es sich mehrheitllich (zu zwei Dritteln) um Frauen • zum Teil wurde auch der für die Entehrung der Familie Verantwortliche (z.B. Partner einer Frau innerhalb der Familie) verletzt oder gar ermordet • nicht mit der Familie verwandt, dennoch einen Berührungspunkt mit ihr Bei Gretchens Bruder Valentin handelt es sich um einen jungen Mann, dessen Ego weiter reicht, als sein Auge blicken kann. Er hält sich selbst für einen Mann von großer Ehre. Vor seinen Kumpanen hatte jener sich bisher mit der Standhaftigkeit seiner Schwester gebürstet, doch jetzt, wo Margarete sich auf einen so viel älteren Mann eingelassen hat und sogar ein Kind von ihm erwartet, zerplatzt dieser Schein und Valentin droht zum Gespött zu werden. Sein Ansehen und seine ehrenhafte Stellung stellt er weit über die Gefühle seiner Schwester und beschließt, Faust, ohne das Gespräch zu suchen, zu ermorden. Es geht ihm auf jeden Fall darum, die Ehre wiederherzustellen. Fraglich ist hierbei nur, um wessen Ehre es ihm geht: Die der Familie, Gretchens oder, was am wahrscheinlichsten scheint, bloß um seine eigene? Der Konflikt findet auch nicht innerhalb der Familie statt, in keiner einzigen Szene versucht Valentin mit seiner Schwester zu reden. Allerdings hat er es sich zum Ziel gemacht, dem von ihm nicht geduldeten Liebhaber seiner Schwester den Schädel zu spalten (3703), was wiederum für einen Ehrenmord sprechen würde. Valentins Versuch, den Gelehrten zu töten, kann man auf jeden Fall mit den Ehrenmorden des 21. Jahrhunderts vergleichen, auch wenn Motiv und Eigenschaft nicht zu 100% übereinstimmen. BEURTEILUNG DES VERHALTENS VON VALENTIN Valentin ist ein Egozentriker, der ein gutes Ansehen vor seinen Kumpanen über die Gefühle seiner Schwester und vor allem über ein Menschenleben stellt. Er überlegt keinen Moment lang, wie viel Schmerz er in Margarete auslösen würde, wenn er einen von ihr geliebten Menschen tatsächlich tötet und sucht weder das Gespräch zu ihr, noch zu dem von ihm verhassten Faust. Er handelt aus Egoismus heraus und kann oder will nicht sehen, welchen immensen Schaden er damit anrichten könnte. In einem Monolog vor der geplanten Tat, macht er seiner Enttäuschung und Wut über Gretchen Luft. Als er zwei Gestalten in der Dunkelheit erblickt, schließt er darauf, dass der Gelehrte einer der Beiden ist und versucht ihn von hinten zu überwältigen. Statt nach einer Aussprache zu fordern, will Valentin Faust aus dem Hinterhalt angreifen und letztlich ermorden. Allerdings sollte man auch bedenken, dass die Familie rund um die junge Margarete keine Vaterfigur beinhaltet. Mal ganz davon abgesehen, dass auch die Mutter inzwischen verstorben ist, ist Valentin der Ältere und vor allem: Der einzige Mann im Haus. Man könnte annehmen, dass Valentin im Bezug auf Gretchen in eine Art Vaterfigur schlüpft und sie lediglich zu beschützen versucht, dabei aber von seiner Wut und Impulsivität übernommen wird. Nichtsdestotrotz ist Valentin von Anfang an auf keinen fairen, ehrlichen Kampf aus: Er ist Faust als Soldat kämpferisch überlegen, trägt eine Waffe bei sich und schleicht sich von Hinten an. Wäre Mephisto nicht an Heinrichs Seite gewesen, hätte jener diesen Kampf mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit völlig chancenlos verloren. Dass Valentin nicht viel für irgendwen außer sich selbst übrig hat, wird auch in seinem Sterbemonolog deutlich. Statt ein Gebet zu sprechen oder warme Worte an seine völlig erschütterte Schwester zu richten, stellt er Margarete vor allen Nachbarn bloß. Er beschimpft sie und beschuldigt sie schon an dieser Stelle einem künftigen Kindsmord. 8 KOPIERVORLAGE Probleme ,,Nun geht es an ein Schädelspalten!" - Ehre Eugène Delacroix: Duell zwischen Faust und Valentin (Lithografie, um 1810) Ⓒbpk Ehrenmorde sollen der Wiederherstellung der Familienehre dienen und finden daher typischerweise innerhalb der Familie statt, d. h., Täter und Opfer sind i. d. R. miteinan- der verwandt. Bei den Opfern handelt es sich zu zwei Dr teln um weibliche Familienmit- glieder (Ehefrau, Schwester, Tochter etc.). In einigen Fällen wird jedoch auch oder aus- schließlich der für die Entehrung Mitschul- dige (Geliebter bzw. nicht geduldeter Freund der Frau) getötet oder verletzt. Dieser ist in der Regel nicht mit dem Täter verwandt. Je- doch besteht immer eine Verbindung zwi- schen diesen männlichen Opfern und einem weiblichen Mitglied der Familie des Täters. Bundeskriminalamt: Bund-Länderabfrage zum Phä- nomenbereich „Ehrenmorde in Deutschland", 2006 www.bka.de/pressemitteilungen/2006/ 060519_pi_ehrenmorde.pdf (19.1.2010) Was ist Ehre? Die türkische Ehre, auf die sich ein Mörder beruft, hat nichts mit der deutschen Ehre zu tun, die einem zuteil wird, wenn man das Bundesverdienstkreuz erhält, hohen Besuch empfängt oder ein Versprechen gibt. Das leicht alter- tümlich klingende deutsche Wort drückt ein besonders positives, vornehmes, erhebendes Gefühl aus. In der Regel wird die Ehre verdient: Man ehrt einen Wissenschaftler für seine Forschung oder eine Politikerin für ihre Bemü- hungen um den Frieden. 21 In der türkisch-islamischen Kultur dagegen wird die namus nicht verdient, sondern verteidigt [...]: Wer in einem türkischen Zusammenhang namus hört, assoziiert damit zum überwiegenden Teil nicht etwas Positives, sondern eine Last, etwas, was es zu behüten gilt und wofür man bereit ist, sein Leben zu geben, etwas, was man ganz schnell verlieren kann und damit dann auch seine Existenzberechtigung. Denn wer seine Ehre nicht verteidigt, wird zum namussuz adam, zum ehrlosen Mann. Das ist das Schlimmste", was einem Türken passieren kann. Die türkische Frau dagegen wird - vor allem, wenn sie jung ist – nicht als eigenständiges Wesen gesehen. Ihre Funktion ist, die Ehre der gesamten Familie zu tragen [...]. Daher haben sämtliche Clan-Angehörigen das Recht (und die Pflicht), sich im Namen der Ehrverteidigung konstant in das Leben der Frau einzumischen. So wird die Ehre zu einem Instrument der totalen Kontrolle. Sie fördert Überwachung und Denunziation. Denn die Ehre des Clans, die die Frau trägt, besteht aus ihrer sexuellen Enthaltsamkeit. Sie muss vor der Ehe Jung- frau sein und nach der Hochzeit treu. Das hört sich zunächst einmal lediglich konservativ an. Doch ein einziges Wort, ein einziger Blick kann die Ehre beschmutzen. Das bedeutet: Ein Vater kann seine Tochter einsperren, weil sie ihre Haare offen trägt oder sich nicht an die allgemeinen Regeln der Familie hält. Ein Ehemann kann seine Frau verprügeln, wenn sie ihm Widerworte gibt oder weil sie den Kassierer im Supermarkt seiner Meinung nach zu lange angeschaut hat. Ein Bruder kann seine Schwester erschießen, weil er glaubt, dass sie zu westlich lebt oder schlicht, weil sie kein Kopftuch tragen will. [...] Uta Glaubitz: Ehrenmord, 2009. www.ehrenmord.de/faq/wasehre.php (19.1.2010) ▶1 Verfassen Sie einen Zeitungsbericht über die Ereignisse in der zweiten - Szene ,,Nacht" (Verse 3620-3775). Beschreiben Sie darin das Verhalten Valentins gegenüber seiner Schwester und ihrem Geliebten. Analysieren Sie die Gründe für dieses Verhalten. 2010 Cornelsen Verlag, Berlin ▶2 Vergleichen Sie Valentins Versuch, Faust zu töten, mit den Ehrenmorden des 21. Jahrhunderts. Wo sehen Sie Parallelen, wo Unterschiede? ▶3 Beurteilen Sie Valentins Verhalten mit Blick auf Ihre Überlegungen zu ▶ 1 und 2. 5 10 15 5 10 15 20 Soldat (26) auf offener Straße erstochen Tragisches Familiendrama oder kaltblütiger Mord? Zeichnung nach Beschreibung der Zeugin Susanne S. im Mordfall G. Altdörnfeld. Ein Sechsundzwanzigjäh- riger wurde Mittwochabend unmittelbar vor seiner eigenen Haustür ermordet. Noch hat die Weimarer Mordkommission, die den Fall des Soldaten Valentin G., der am 29. April sterbend von seiner Schwester und den Nachbarn aufgefunden wurde, aufklären soll, keinerlei entscheidender Hinweise erhalten, heißt es von Sprecher Ronald Fischer. Als die Einsatzkräfte am Tatort eintrafen, war für den jungen Mann bereits jede Hilfe zu spät. Zeugen berichten, G. habe sich vor dem Tathergang alleine am Anger befunden und in einem Selbstgespräch übel über seine Schwester hergezogen. Ein lieber Junge mit bösen Gedanken? ,,Valentin war wie ein anderer Mensch an diesem Abend. Er war immer ein so lieber Junge, das dachte ich zumindest.“ sagt Zeugin Susanne S., welche behauptet, die Tat beobachtet zu haben. ,,Als er anfing, seine Schwester als Hure zu bezeichnen und von Schädelspaltereien zu schwärmen, wusste ich, irgendetwas war in ihn gefahren" führt sie fort. Viele Dinge sind im Mordfall G. noch ungeklärt, doch eins steht fest: Das Opfer hegte eine gewaltige Abneigung gegenüber dem Partner seiner Schwester und so letztendlich auch gegenüber ihr. Nicht einmal in seinen letzten Atemzügen konnte Valentin G. noch warme Worte an seine einzige Schwester richten. Voller Wut und Vorwürfen verließ er diese Welt. Mord mit Motiv? Erst vor einigen Wochen haben die Geschwister ihre alleinerziehende Mutter verloren, welche an den Folgen einer Vergiftung starb. Auch dieser Fall ist bislang ungelöst. Verfolgt der Mörder also ein perfides Motiv gegen die Familie? Wird Margarete G. schon bald das nächste Opfer des Altdörnfelder Todesengels sein? War es ein misslungener Ehrenmord? Nach einem ehrlichen Zweikampf sah es den Zeugen nicht aus, als der Soldat von zwei kräftigen Männern umringt und letztlich niedergestochen wurde. Jedoch war es Geisler, der zuerst angriff. Zeugen zufolge versuchte er einen der beiden Männer von hinten zu überwältigen, als dieser sich umdrehte und es zum Kampf kam. War der Lebenspartner der jungen Margarete einer der beiden Widersacher und womöglich sogar der Mörder? Es ist nicht auszuschließen, dass G. den Gelehrten Heinrich F. physisch in seine Schranken zu weisen versuchte und eben diesem am Ende erlag. Schließlich ist allen in der kleinen Dorfgemeinde bekannt, dass der Soldat nicht angetan von der Liebelei seiner Schwester war. Margarete hält fest zu ihrem Geliebten, weiß allerdings nicht genau, wo er sich zur Tatzeit befand. Die Polizei bittet um Hilfe Haben Sie etwas verdächtiges gesehen oder gehört? Dann setzen Sie sich bitte mit dem Kommissariat 86 im Weimarer Land in Verbindung. Telefon: 0203 2600 E-Mail: [email protected] • der Direktor: JOHANN WOLFGANG VON GOETHE Faust DREIFACHE ERÖFFNUNG 2 reflektierende Texte zu Beginn Zueignung Vorspiel auf dem Theater ZUEIGNUNG •spiegelt die Entstehungsgeschichte wieder •vierstrophiges Widmungsgedicht an die Figuren des Faust Dramas • die Figuren werden als „schwankende Gestalten" bezeichnet: sie lassen Goethe nicht los und zwingen ihn zur Weiterarbeit, sie sind mit Erinnerungen verbunden • Goethe, welcher schon fast 60 ist, fühlt sich jugendlich erschüttert • „erste Lieb und Freundschaft" verdrängen jeden Schmerz • der Goethe wohl gesonnene Kreis, dem der Urfaust vorgetragen wurde, ist zerstoben bzw. tot: das Werk steht heute vor neuen Herausforderungen und das ängstigt Goethe • er kann der Versuchung aber nicht widerstehen, ein „längst entwohntes Sehnen" ergreift ihn • orientiert sich an anspruchslosem Geschmack • die lustige Person: bei Goethe DER TRAGÖDIE ERSTER TEIL VORSPIEL AUF DEM THEATER Direktor, Lustige Person, Dichter • will die große Menge anziehen -strebt nach Geschäftserfolg • ist bereit, künstlerische Abstriche zu machen, um Menge zu beglücken • meint, die Menschen seien nicht sonderlich an Qualität interessiert Prolog im Himmel •betont Spaß und Narrheit • Wünscht sich klassische Elemente einer Komödie: bunte Bilder, wenig Klarheit und viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit will der Griff ins Leben des Publikums: Liebe, Irrtum, Spaß •will eine ganzheitliche Kunst für die Nachwelt erschaffen bezeichnet die anderen Beiden als Pfuscher •Wünscht sich einen Einklang zwischen Mensch und Natur, VO • meint, der Inhalt muss lebensnah sein und der Zuschauer direkt angesprochen werden • der Dichter: heutzutage Direktor: Erfolg, Geld, will vielfältiges Programm bieten, Ruhm Schauspieler: Kunst, Profit, Spaß Dichter: Kunst, Profit, Ruhm Direktor: Profit, die Kunst gilt nur als zweitrangig lustige Person: Spaß, Lebensnähe Dichter: Kunst, Werte und Moral dem Gott • Faust als Beispiel des perfekten Menschen • Menschen sind von Grund auf gut • Gärtnervergleich: Gott ist der Gärtner und die Welt sein Garten: steckt man Arbeit rein, wird am Ende alles gut Exsistenzskrise und Entgrenzungsversuch Nacht PROLOG IM HIMMEL Menschenbild von Vor dem Tor Mephisto • Menschen plagen sich • der Mensch ist der kleine Gott der Welt • Mensch kann sich nicht verändern bzw. verbessern in der menschlichen Natur steckt das tierische Wesen • Zikadenvergleich: kleine Insekten, die sehr hoch • springen aber letztendlich immer auf die Nase fallen • Faust: Ebenbild des Menschen nach Gott DIE GELEHRTENTRAGÖDIE Teufelspakt und Wette Studierzimmer I und II •großer Kontrast zur hellen „Prolog im Himmel"-Szene • zunächst ein innerer Monolog Fausts NACHT Faust, Wagner ✓ Auerbachs Keller Hexenküche •sein Studierzimmer, welches ein sehr enger Raum ist, spiegelt seine innere Befindlichkeit wieder .er bezeichnet jenes auch als „Kerker" und „verfluchtes dumpfes Mauerloch " Szenen des Übergangs • damit wird ein Kontrast zwischen Fausts momentaner Lage und der von ihm so lieblich beschriebenen Natur hergestellt •Tageszeit, also die Dunkelheit, steht dafür, dass er nicht viel sehen kann und seine dunklen Gedanken, die Depression •Faust hat alles verfügbare Wissen angehäuft • dennoch ist er unzufrieden •er wendet sich daraufhin der Magie zu •Faust versteht sich als ein Ebenbild Gottes, bleibt als Mensch aber völlig beschränkt •Urfaust entstand im Sturm und Drang, in dem die Natur für ein sinnlich erfülltes Leben stand •er steckt in seiner Begrenztheit, dem Studierzimmer, fest und wendet sich aufgrund dessen dem Nostradamus zu: er verlässt den Weg traditioneller Wissenschaft •drei Versuche Makrokosmos, Erdgeist, Suizid, bestehende Grenzen zu überwinden, scheitern •Makrokosmos: Faust kann das Schauspiel des Makrokosmos nicht begreifen •Erdgeist ist der gottgleiche Schöpfer der Natur und Faust muss verstehen, dass er kein Ebenbild Gottes ist •Suizidgedanken: jugendliche Gefühlsreligiosität vereitelt diese Gedanken • nach dem alles drei scheitert, fühlt sich Faust noch bescheidener als vorher noch • Wagner, der Schüler Fausts, welcher auch seine Kontrastfigur darstellt, taucht im Schlafrock und mit Nachtmütze auf • Goethe gibt diese Figur der Lächerlichkeit frei •sie unterhalten sich über ihr jeweiliges Verständnis von Wissen • Wagner misst sein Wissen an Zahlen, daran, wie viel er "auswendig "gelernt hat, er hat kein Herz für die Wissenschaft: enzyklopädisches Wissen •Faust strebt nach einem göttlichen Prinzip, er ist Wissenschaftler aus Leidenschaft • wieder allein fällt Faust in eine noch tiefere Depression als vorher dritter Entgrenzungsversuch folgt Was hat Faust bisher erreicht? • Philosophie studiert • Jura studiert • Medizin studiert • Theologie studiert • Magistertitel • Doktortitel Wonach strebt Faust? •Lebensfreude • Gut und Geld • zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält -einem ganzheitlichen Erklärungsansatz • seinen unstillbaren Durst nach Wissen zu sättigen • wahre Erkenntnis zu erlangen Wie will Faust all das erreichen? •er wendet sich dem Göttlichen und der Magie zu VOR DEM TOR Faust, Wagner • Kontrastszene zur Nacht" • die dunkle, tiefe Nacht ist dem hellen, sonnigen Tag gewichen • Faust, der sonst ein ziemlicher Stubenhocker ist, stellt sich dem Gesellschaftsleben • der Ostersonntag hat viele Menschen vor das Tor der Stadt getrieben • revuehaft werden nacheinander Bürger und Bauern als Vertreter unterschiedlicher sozialer Gruppen gezeigt • erst unverheiratete Handwerksburschen und Dienstmädchen, die sehr anzüglich über die Liebe sprechen • eine Alte bietet sich den Mädchen als Kupplerin an •sie wissen aber um die soziale Kontrolle der Stadt, die das Beisammensein der Unverheirateten betrachtet • Verweis auf Gretchens Schicksal, eine Vorausdeutung • Vers 895-902: Gretchen ist das gefallene Mädchen, das sich der Liebe hingibt und allein ihrem Schicksal überlassen wird, ihr Bruder Valentin ist Soldat • Vers 949-980, Schäferlied: Schäfer, der junges Mädchen anspricht wirkt sehr ähnlich zu Faust und Gretchen • für Faust ist es die erste Öffnung zur Welt nach den Engen seines Studierzimmers • der Frühlingstag steht für einen Neubeginn, ein Wiederaufblühen • Buntheit ersetzt das Einheitsgrau, die Menschen fühlen sich wie neu belebt und kommen zu dem Schluss Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein!" • die gesellschaftlichen Gruppen bleiben aber unter sich • Faust sticht heraus als Hochgelehrter, um den das Volk einen Kreis bildet und dadurch auf Distanz bleibt • Bauern haben nicht vergessen, dass Faust und sein Vater während der Pest vielen Menschen das Leben rettenden: • anhaltende Bewunderung für ihn • Faust und Wagner kommen ins Gespräch über die Taten seines Vaters -diskutieren über ihre verantwortungsethischen Positionen • Faust leidet unter der Isolation als Lebensdefizit, er ist geprägt von Verantwortungsbewusstsein ihn prägt die Frage nach dem gesellschaftlichen Wert der Wissenschaft • entlarvt das medizinische Wirken seines Vaters als Scharlatanerie •übt viel Selbstkritik •Wagner ist ein Feind von allem Rohen • generelle Abneigung dem Volk gegenüber prägt auch seine wissenschaftlichen Ansichten • ob die Wissenschaft tatsächlich hilft, ist ihm egal •nicht der Nutze für die Menschen ist ihm wichtig, sondern nur sein eigener Vorteil • im Angesicht der Abendsonne verdrängt Faust aber jeden Zweifel wieder • der Blick in die Ferne beflügelt den Gelehrten •„Flügelmetapher": Metapher des Entgrenzungswunsches, er will die Welt von oben, wie ein Gott, betrachten • Wagner begnügt sich mit platter Selbstzufriedenheit, er bleibt lieber auf dem Boden der Tatsachen • Faust ist mehrdimensional: die Spannung zwischen dem Durst nach sinnlicher Befriedigung und göttlicher Exsistenz droht ihn zu zereißen • Faust ruft die Geister, um jene Spannung zu überwinden • er erfleht einen „Zaubermantel", der ihm zu neuem, buntem Leben verhelfen soll • Mephisto taucht in Form eines schwarzen Pudels auf und nähert sich Faust STUDIERZIMMER I Faust, Mephisto •Faust nimmt den Pudel mit nach Hause •er kann sich nicht aus seiner Exsistenz lösen, so groß der Leidensdruck auch ist schon bald verblasst die Naturerfahrung des Tages und damit die Befriedigung •er sucht Offenbarung, um nicht schon wieder der Depression zu verfallen • versucht es mit dem Text des neuen Testaments, gibt sich damit nicht zufrieden und greift zum Original • es drängt ihn zur Quelle, zur unmittelbaren Erfahrung •der Versuch Offenbarung zu finden ist aber zum Scheitern verurteilt, weil er bald an der Übersetzung scheitert •der Duktus des Übersetzens spiegelt aber seine innere Entwicklung wieder, er wird vom Wortgelehrten zum Mann der Tat •Pudel stört seine Bemühungen: Abneigung zu Religiösem wird durch Bellen und Knurren deutlich •diese Störung wird Faust nicht mehr los, da er selbst sie in sich trägt •mit Beschwörungsformeln zwingt Faust den Pudel zur Verwandlung und Mephisto erscheint in seiner wahren Gestalt -Mephisto kehrt den Schöpfungsmythos um •seine Macht aber ist beschränkt, er ist nur ein Teil der teuflischen Welt • Faust erkennt aber, dass Mephisto derweil nur begrenzte Macht hat •er kann aufgrund eines Pentagramms nicht ohne weiteres das Studierzimmer verlassen •ein magisches Symbol, das den Teufel bannen soll, versperrt ihm den Ausgang •Mephisto bemerkte dies beim Eintritt nicht, doch da er nach den Grundregeln der Hölle dein gleichen Aus wie Eingang nehmen muss, sitzt er fest •Faust erkennt seine Überlegenheit und will einen Pakt mit Mephisto schließen •dies ist keine günstige Stunde für Mephisto, weshalb er es vertagen möchte •er lässt den Gelehrten in einen Traum versinken und berichtigt anhand eines Zaubers mit Hilfe von Ratten, Fliegen und anderer Tiere das Pentagramm, sodass er gehen kann •Faust fühlt sich abermals betrogen, als er aufwacht und alles nur für einen Traum hält STUDIERZIMMER II Faust, Mephisto, Wagner • als Mephisto zurückkehrt, ist Faust schon längst wieder der Depression verfallen • Faust ist an seinem inneren Nullpunkt angelangt, er ist bereit, sich dem Teufelspakt hinzugeben • Faust kann und will nicht länger auf Erlösung warten, er will seine bürgerliche Exsistenz verdammen der Pakt: • Mephisto dient Faust im Diesseits •Faust dient Mephisto nach seinem Tod im Jenseits die Wette: •verschärft den Pakt •Faust glaubt nicht daran, dass Mephisto es schaffen könnte, ihn glücklich und zufrieden zu stimmen, hier setzt Faust auf sein Unwohlsein • schafft Mephisto es doch, Faust wahrlich glücklich zu machen, stirbt dieser und muss Mephisto im Jenseits dienen •Besieglung der Wette durch Blut •Faust will einen emotionalen Rausch, keine Befriedigung •er will einen ganzheitlichen Genuss: nicht nur sinnliche Befriedigung, er will Glück, Leid, Freude, Trauer,... er will alles erleben und fühlen • Mephisto versteht aber nicht, dass es bei Faust nicht reicht, nur seine Triebe zu befriedigen und ist deshalb zum Scheitern verurteilt •in Faust Brust schlagen zwei Seelen: wird nur ein Teil befriedigt, schreit der andere Teil umso lauter auf Identitätstausch Faust Mephisto: • als sich Wagner -Mephisto gibt eine teuflische Studienberatung der Tür ankündigt, nimmt Mephisto Fausts Identität •Universitätssatire wird fortgesetzt •Schüler ist noch unsicher, welche Fakultät er wählen soll, wünscht sich aber ein wenig Freiheit und AUERBACHS KELLER IN LEIPZIG Faust, Mephisto, Lustige Gesellen ·lustige Gesellen: humorlose Studenten • der Mensch, dargestellt durch die Studenten, wird auf seinen animalischen Kern degradiert • viel Tiermetaphorik: Spottlieder (Rattenlied, Flohlied) und Namen der Studenten trinken viel Alkohol •sind dumpf nationalistisch und unpolitisch, sie sind unkultiviert •Kritik an den privilegierten Ständen Satire an Freiheitsbestrebungen des Volkes •Mephisto gibt provokante Kommentare von sich und wir daraufhin angegriffen •Faust lässt sich von all dem nicht mitreißen und geht HEXENKÜCHE Faust, Mephisto, Hexen, Meerkatzen • zwei Handlungsstränge: Fausts Verjüngung und sein Erblicken Helenas im Zauberspiegel sowie die politische Allegorie auf die • Französische Revolution • Hexenküche bevölkert von Hexen und Meerkatzen, einer affenartigen Tierart •Meerkatzen menschenähnlich und mit menschlichen Zügen • sie streben nach materiellem Besitz und menschlichem Verstand • Mephisto gibt sich als Hausvater aus und stellt die Tiere als Magd und Knecht vor • Faust steht abseits, er ist nicht sonderlich angetan von der Hexenkunst • der lange Weg, sich durch Feldarbeit zu verjüngen, lässt sich nicht mit seiner Ungeduld vereinbaren • Faust wird von einem Zauberspiegel angezogen: in ihm erblickt er Helena, das Schönheitsideal der Antike und seine Sinnlichkeit • wird entfesselt, so wie sich da Frau zu ihm streckt • der Trank potenziert diese Wirkung • welcher Frau Faust nun auch begegnen mag, sie wird ihm als Helena erscheinen • Faust wird verjüngt um seiner Rolle als junger Liebhaber zu entsprechen Scheitern und Tod - das tragische Ende Gretchens Bedeutung der Szenen „Walpurgisnacht", „Walpurgisnachttraum", „Trüber Tag · Feld", „Nacht Offen Feld" Walpurgisnacht: Faust, Mephisto • Beginn der Schlussphase der Gretchentragödie • Kontrastszene zum „Prolog im Himmel" • eine verkehrte Welt, beherrscht vom Teufel, in der das zerstörte Element dominiert . • zu Beginn wenden sich Faust und Mephisto paradoxerweise an ein Irrlicht, welches ihnen den Weg weisen soll Faust strebt noch immer nach Erkenntnis und Wissen (4040) • Mephisto aber hält ihn in den Niederungen der Sinnlichkeit buchstäblich fest, indem er auf junge, nackte und bloße Hexen hinweist, mit denen Faust Spaß haben könnte • präsentiert ihm die Welt der ,,einhundert Feuer" (4057) • Trödelhexe verkauft Dinge, die unmittelbar auf Gretchens Schicksal hindeuten • damit Faust diese Assoziationen nicht erkennt, will Mephisto ihn mit Sinnlichkeit ablenken: Lillith, das Urbild weiblicher Verführungskünste und Tänze mit nackten Hexen • Fausts Vergnügen findet mit einer Gretchenvision ein abruptes Ende: Er sieht sie mit einem Schnitt im Hals und toten Augen •deutet auf ihre Hinrichtung hin Walpurgisnachttraum: Faust • bildet ein Werk im Werk • der dargestellte Maskenzug thematisiert zentrale Motive der ganzen Tragödie, radikalisiert aber deren Kompositionsprinzip, indem kaum sinnstiftende Zusammenhänge hergestellt werden · es ist schwer vorstellbar, dass Faust diesem „dilettantisch läppischem Gedudel und Gehopse" lange beiwohnen kann, regt sich in seinem Inneren doch das schlechte Gewissen • mit einem Luftzug zerplatzt am Ende des Intermezzos die Illusion · es wird deutlich, dass wahrlich Nichts dahintersteht Trüber Tag-Feld: Faust, Mephisto • die Landschaftsbezeichnung spiegelt die innere Ernüchterung Fausts wieder - erst jetzt wird Faust klar, was er im Taumel der Sinnlichkeit völlig verdrängt hat • Faust wirft Mephisto vor, ihm Gretchens Verhaftung und den Prozess verschwiegen zu haben . • Mephisto kommentiert lediglich mit sie ist die erste nicht · • für ihn ist Gretchen nur eine vielen, eine Nummer ohne eigene Identität • Faust ist außer sich und verflucht Mephisto als „Hund" • äußert Mephisto gegenüber den Wunsch, alles rückgängig machen zu wollen und fordert ihn dazu auf, Gretchen zu retten • wälzt hierbei vor allem alle Schuld von sich selbst ab · wird nochmal deutlich, als Mephisto ihn fragt, wer es denn gewesen sei, der sie ins Verderben stürzte • Faust verstummt und schaut nur wild umher - Faust kann und will sich die eigene Verantwortung, die freie Entscheidung, Gretchen untergehen zu lassen, nicht eingestehen •er will sie nicht retten, weil ihm etwas an ihr liegt, er will sie retten, um sein Gewissen zu beruhigen und friedlich zu stimmen Nacht Offen Feld: Faust, Mephisto • Faust und Mephisto sind auf Zauberpferden unterwegs, um Gretchen aus dem Gefängnis zu befreien · dabei kommen sie am „Rabenstein" vorbei, einer Richtstätte außerhalb der Stadt • Vorausdeutung von Gretchens Ende STELLUNG DER SZENE WALPURGISNACHT" || Die Szene „Walpurgisnacht" führt sich sehr organisch in das Faustdrama ein und erscheint keinesfalls als Fremdkörper. Schon an der Länge dieser Szene, die mehr als 1500 Verse umfasst, wird ihre zentrale Bedeutung deutlich. Sie bildet einen entscheidenden Versuch Mephistos, die Wette zu gewinnen und damit Fausts Seele zu rauben. Diese Szene ist eine andere Seite des Geschlechterverhältnisses: Sie ist obszön, sie ist orgiastisch und sie ist zerstörerisch. Liebe ist ein göttliches Gut, doch jenes ist in der Welt des Teufels nichts wert: Anständigkeit und Sittsamkeit, wie Gretchen sie vertritt, haben hier keinen Platz. Mephistopholes setzt in dieser Szene erneut darauf, Faust durch Befriedigung seiner Triebhaftigkeit zufrieden zu stimmen. Er soll von nackten Hexen, der Urgestalt weiblicher Verführung und weiteren höllenabkömmlichen Figuren in den Bann der Sinnlichkeit gezogen und letztlich dort gefangen werden. Der Gelehrte soll Margarete und jede Erinnerung an sie vergessen und durch Vergnügen mit anderen Frauen jedes Gefühl eines schlechten Gewissens oder der Verantwortung ein für alle mal verdrängen. Selbst als Mephisto und Faust auf die Trödelhexe treffen, welche verschiedenste Dinge verkauft, die auf das tragische Schicksal Gretchens hindeuten, schafft es Mephisto, Faust abzulenken, noch bevor er die Chance hatte, diese Hinweise zu realisieren. Doch inmitten eines Tanzes der Verführung nimmt Fausts Sorglosigkeit ein abruptes Ende, als er ein junges Mädchen mit einem Schnitt im Hals sowie toten Augen in einer Vision erblickt und sie mit Gretchen und ihrer nahenden Hinrichtung assoziiert. Faust ist zu diesem Zeitpunkt nur kurz davor, jeden Gedanken an sie zu verdrängen und zu vergessen, doch nicht nur ihr, sondern vor allem sein eigenes Schicksal holt ihn wieder ein. DIE ENDGÜLTIGE ABKEHR FAUSTS VON MARGARETE Diese Szene bildet eine Abkehr von Margarete, da Faust sich dem sündvollen und triebhaften Handeln auf dem Brocken hingibt, ohne auch nur ein Mal an sie zu denken. Er ignoriert alles, was auf sie hindeuten könnte, so z.B. die Trödelhexe, und ist stattdessen zunächst nur auf die Befriedigung seiner Triebe besinnt. In vorhergegangen Szenen war Faust wenn es um Gretchen ging stets hin und hergerissen zwischen wahrhaftiger Liebe und sinnlichem Sexualtrieb, er war geplagt von einem schlechten Gewissen. Dieses schlechte Gewissen überwindet er in dieser Szene zunächst stückweise, da er nicht einmal einen Gedanken an sie hat. In der „Walpurgisnacht" wendet sich Faust nicht ausschließlich von seiner jungen Geliebten, sondern ein Stück weit auch von sich selbst und seiner Humanität ab. Allerdings passiert das nicht Schlag auf Schlag, sondern nur ganz allmählich, denn am Ende dieser Szene bildet er sich ein, sie sterbend bzw. tot zu sehen und wird schnell von einem schlechten Gewissen ereilt. Scheitern und Tod - Das tragische Ende Gretchens Mit der Szene ,,Walpurgisnacht" beginnt die Schlussphase der Gretchen-Handlung. Im Mit- telpunkt steht der Versuch Mephistos, Fausts Gewissensregungen im Sinnenrausch zu ersti- cken. Er versetzt Faust in tiefer, stürmischer Nacht mitten in den wilden Zug auf den Bro- cken, wobei die Gegend um ,,Schierke und Elend" (vgl. Regieanweisung, S. 127) zu Goethes Zeiten als besonders rau und wild bekannt war. Die Szene entfaltet sich in fünf Abschnitten: Wanderung mithilfe des Irrlichts (V. 3835-3911) - Sturm (V. 3912-4015) - die Banalität des Bösen (V. 4016-4117) - der Tanz mit den Hexen und Fausts Gretchenvision (V. 4118-4205) Mephistos Reaktion und Hinführung zum Walpurgisnachttraum (V. 4206-4222). - Mit einer gegensätzlichen Sicht auf die Natur (vgl. V. 3845 und 3849) durch Faust und Me- phisto sowie der Aufnahme des ,,Irrens" als Leitmotiv der ganzen Szene (vgl. V. 3840, 3855, 3862) beginnt die Schilderung der Walpurgisnacht. Im Folgenden gehen die beiden Wan- derer ,,in die Traum- und Zaubersphäre" (V. 3871) ein, was seinen Ausdruck in der zuneh- menden Dämonisierung der Natur (vgl. V. 3876-3880, 3889-3905) findet. Während Faust auf dem weiteren Weg das Glühen von Goldadern als beeindruckendes Naturbild beschreibt, ist dies für Mephisto nichts anderes als das Leuchten des ,,Herrn Mammon" (V. 3933). Mit dem Zug der Hexen geht ein Sturm einher, der im Bild der Windsbraut (vgl. V. 3936) die zerstörerischen Kräfte der Natur verkörpert. Die Äußerungen der massenhaft auftre- tenden Hexen (V. 4015) verraten Schamlosigkeit und Obszönität. Ziel ihres Zuges ist der Herr Urian, der Teufel selbst. Er thront auf dem Brocken und bildet den Gegenpol zum Herrn im ,,Prolog im Himmel". Gegen Fausts Willen (vgl. V. 4039 f.) zieht Mephisto diesen unter neuen Versprechungen aus dem Hexenzug heraus (vgl. V. 4046, 4054) und präsentiert ihm die Welt der ,,einhundert Feuer" (V. 4057), eine Welt der Banalität ohne Entwicklung - dem Bösen scheinbar harmlos zugeordnet. Am Ende dieses Abschnitts steht die Trödelhexe, deren ,,Angebote" deutlich auf das Schick- sal Gretchens und die Schuld Fausts verweisen. Mephisto muss ablenken und präsentiert am Beginn des vierten Teils der Szene (vgl. V. 4118-4205) Lilith, das Urbild weiblicher Verfüh- rungskünste. Der nun folgende Tanz mit den Hexen changiert zwischen Sinnlichkeit und Obszönität und findet mit der Gretchenvision Fausts ein abruptes Ende. Die 44 Strophen der Szene ,,Walpurgisnachttraum" bilden ein Werk im Werk, das allenfalls über die satirischen Elemente der vorangestellten Szene an diese angebunden ist. Ein en- gerer dramatischer Zusammenhang ergibt sich nicht. Die Versöhnung Oberons und Titanias (wie die Figur Puck bekannt aus Shakespeares ,,Sommernachtstraum") gibt den Elfen An- lass, einen Festzug zu organisieren: Vorgeführt und am Ende in Dunst aufgelöst werden die Dilettanten des Lebens, Schriftsteller ebenso wie Philosophen und politische Zeittypen. Im Einzelnen wird die Darstellung des Nackten in der Kunst abgehandelt, die auch den Musiker aus dem Takt bringt (vgl. V. 4267-4294). Weiterhin prangert Goethe den literarischen Be- trieb seiner Zeit an, u.a. die seine Werke kritisierende Zeitschrift ,,cidevant" (vgl. V. 4295-4318). Im Folgenden wird auf die religiöse Engherzigkeit u. a. des,,Kranichs" (d.i. der schweizerische Schriftsteller Lavater) angespielt (vgl. V. 4331-4362). Und schließlich geht es auch um unterschiedliche Schicksale nach der französischen Revolution (vgl. V. 4363-4386). ,,Trüber Tag. Feld" - Die Landschaftsbezeichnung der einzigen Prosaszene des Dramas lie- fert den Hintergrund für die Ernüchterung Fausts. Seine Flüche gegen Mephisto sind nichts anderes als machtlose Eingeständnisse des eigenen Versagens, wobei allerdings von echter Reue nicht die Rede ist. Der wütenden, aber letztlich ohnmächtigen Anklage Fausts, das Schicksal Gretchens verschuldet zu haben, begegnet Mephisto mit äußerster Nüchternheit, willigt aber schließlich ein, die inzwischen verurteilte Gefangene zu befreien. Die Szene ,,Nacht" schildert das gespenstische Treiben an der Richtstätte Gretchens, das auf die am nächsten Morgen bevorstehende Hinrichtung hinweist. Die wenigen und nur knapp angedeuteten Bemerkungen bringen das Unheimliche der Szene besonders wirkungsvoll zur Geltung.