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Szenenanalyse Bild 6 - Mutter Courage und ihre Kinder (Brecht)

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Szenenanalyse Bild 6 - Mutter Courage und ihre Kinder (Brecht)

 Szenenanalyse - Bild 6
Das Drama „Mutter Courage und ihre Kinder" von Bertolt Brecht aus dem Jahr 1938/1939 befasst
sich mit dem Leben der

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Mutter Courage und ihre Kinder-Ausführliche Szenenanalyse Bild 6

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Szenenanalyse - Bild 6 Das Drama „Mutter Courage und ihre Kinder" von Bertolt Brecht aus dem Jahr 1938/1939 befasst sich mit dem Leben der Markthändlerin Anna Fierling und ihren drei Kindern während des Dreißigjährigen Krieges. In dem sechsten Bild des Dramas wird besonders die zwiespältige Rolle Anna Fierlings als Geschäftsfrau und gleichzeitige Mutter erkennbar. Brecht möchte die Gegensätzlichkeit und Unvereinbarkeit der beiden Rollen verdeutlichen. Zuvor verlor die Mutter Courage bereits ihren ältesten Sohn Eilif an den Feldhauptmann, der Eilif Wohlstand und Ansehen durch die Arbeit als Soldat versprach. Dieser verließ seine Familie wortlos, während seine Mutter mit einer Verkaufsabwicklung beschäftigt war. Ihr zweiter Sohn „Schweizerkas" wurde von feindlichen Truppen erschossen, als die Mutter Courage sich darum bemühte die Bestechungssumme herunterzuhandeln. Seit Beginn des „Schwedischen Krieges“ (ca. 1630) reisen die Mutter Courage und ihre Tochter Kattrin im Planwagen nur noch zu zweit umher und verkaufen ihre Waren. Das sechste Bild spielt im Jahr 1632 in der Vorstadt Ingolstadts in Bayern. Nach dem Tod des Feldhauptmanns diskutieren Anna Fierling, der Feldprediger und der Schreiber über die Dauer des Krieges. Der Feldprediger überzeugt die Mutter Courage davon, dass der Krieg noch eine Weile andauern würde und, dass sie getrost neue Ware kaufen könne. Aus der Überzeugung heraus schickt die Mutter Courage ihre Tochter Kattrin und den Schreiber los in die...

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Stadt, damit diese neue Handelsgüter besorgen. Während der Abwesenheit der beiden versucht der Feldprediger sich der Mutter Courage anzunähern. Diese weist ihn ab, mit der Begründung, dass ihre Kinder für sie Priorität hätten. Kattrin kommt alleine und entstellt mit den Waren in der Hand zurück. Daraufhin fühlt sich Anna schuldig und verflucht den Krieg dafür, dass sie ihre Kinder an ihm verloren habe. Da der Schwerpunkt der folgenden Bildanalyse auf dem Aspekt der Familie liegen soll, wird besonders der zweite Teil des Bildes beleuchtet. Das Bild lässt sich in zwei Abschnitte unterteilen: Im ersten Abschnitt, während der Diskussion zwischen dem Schreiber, dem Feldprediger und der Mutter Courage über den weiteren Verlauf des Krieges, werden die unterschiedlichen Motive und Absichten der einzelnen Figuren deutlich. Während der Schreiber klar das Ende eines Krieges ersehnt ( „Auf die Dauer kann man nicht ohne Frieden leben.“, S.66), ist der Feldprediger dem Krieg sehr positiv gegenübergestellt. Dieser geht sogar so weit, dass er den Krieg durch eine Personifikation verharmlost darstellt: „So hat er [der Krieg] im ganzen nix Ernstliches zu fürchten, und ein langes Leben liegt vor ihm.“ (S. 65, Z. 31-33). Mutter Courage lässt sich vom Feldprediger überzeugen, die negativen Folgen des Krieges ausblendend. Sie ist in ihrer Rolle als Geschäftsfrau auf ihren Gewinn fokussiert und beschließt daraufhin Kattrin in die Stadt zu schicken, um neue Ware zu kaufen. Als die stumme Kattrin die Worte des Feldpredigers, der Krieg bräuchte nie mehr aufhören, hört, schmeißt diese aus ihrem Entsetzen heraus einen Korb voll Flaschen auf den Boden. Ihre Mutter erklärt ihr Verhalten lachend: Die Mutter Courage versprach ihrer Tochter sobald der Krieg endete, würde sie ihr einen Mann finden (S. 67, Z. 18-21). Der Dialog zwischen Kattrin und ihrer Mutter verläuft stets asymmetrisch: Da Kattrin stumm ist, dominiert ihre Mutter dauerhaft die Unterhaltung zwischen den beiden. So versucht Kattrin ihrer Mutter auch nicht (nonverbal) zu widersprechen, als diese sie dazu auffordert mit dem Schreiber in die Stadt zu gehen, um neue Güter zu besorgen. Zur Sprache lässt sich weiterhin sagen, dass die dargestellten Figuren in „einfacher“ Sprache reden, insbesondere die Hauptfigur Anna Fierling verwendet Sprichwörter, kurz gehaltene Parataxen und Ellipse. Auffällig ist außerdem der Wegfall von Lauten bzw. Vokalen („Die Leut" etc.) sowie grammatikalische Besonderheiten (Bsp: „Das Los von denen, wo ihnen gefallen, ist das schlimmste." S.71, Z.29f)). Mutter Courages zweiseitiger Charakter wird besonders an der Beziehung zu Kattrin erkennbar. Bereits zu Beginn des Dramas wird deutlich, dass sie ihre Familie nicht nur aus der Perspektive einer Mutter betrachtet, als sie sich und ihre Familie als „Geschäftsleut“ (S. 10, Z. 24) vorstellt. Auch, dass sie ihre Tochter alleine mit einem Mann in die Stadt schickt und die Gefahren, welche sich dadurch für Kattrin ergeben ausblendet, unterstreichen ihr pragmatisches und eher kaltherziges Gemüt. Als der Feldprediger sie darauf anspricht, ob sie ihre Tochter alleine mit dem Schreiber losschicken wollen würde, erwidert sie: „Sie [Kattrin] ist nicht so hübsch, daß sie einer ruinieren möcht.“ (S.68, Z.1f.). Dabei scheint sie zu verdrängen, dass ihre Tochter Kattrin bereits einmal überfallen worden war (S.72, Z.16f.). Während der Abwesenheit Kattrins und des Schreibers sind der Feldprediger und Anna Fierling alleine. Der Feldprediger versucht sich der Mutter Courage anzunähern, sie hingegen weicht immer wieder durch humorvolle Gegenbemerkungen aus. Die nutzenorientierte Mutter Courage legt ihre Intentionen klar und deutlich fest: „Auf was ich aus bin, ist, mich und meine Kinder durchbringen mit meinem Wagen.“ (S.70, Z. 31f.). Dabei scheint sie auszublenden, dass das einzige ihrer drei Kinder, welches noch bei ihr ist, ihre Tochter Kattrin ist. Betrachtet man die Vaterrolle im komplizierten Familienverhältnis so fällt auf, dass sich hier keine feste Figur erkennen lässt. Anna Fierling scheint viele Männer in ihrem Leben kennengelernt zu haben: Ihre drei Kinder sind alle von unterschiedlichen Vätern, erkennbar daran, dass jeder Name der drei Kinder eine unterschiedliche Herkunft hat. Die genaue Herkunft bzw. Identität der Väter wird allerdings nicht deutlich. So behauptet die Mutter Courage, der Spitzname ihres Sohnes Fejos, „Schweizerkas“, leite sich von der schweizerischen Herkunft seines Vaters ab (S.13, Z.3). Kattrin sei „eine halbe Deutsche“ (S.13, Z.23f.), die Herkunft des Vaters von Eilif wird nicht klar. Eine typisch patriarchalische Familienstruktur, die für die zeitgenössische Zeit üblich wäre, lassen sich keinesfalls in der Familie der Mutter Courage wiederfinden. Viel eher übernimmt die Protagonistin Anna Fierling beide Elternrollen: Nicht nur die Rolle als Erzieherin, sondern auch als Versorgerin. Auch im Drama fällt insgesamt auf, dass die Mutter Courage von mehreren Männern begehrt wird. Sie scheint sich zudem zum Koch Pieter Lamb hingezogen zu fühlen, was der Feldprediger bemerkt und ihm missfällt. Er versucht den Koch in ein schlechtes Licht zu rücken und drängt gleichzeitig auf eine engere Beziehung zwischen ihm und Anna. Sie drückt sich jedoch klar aus: „Ich denk, sie ist eng genug.“ (S.70, Z.17). Anna Fierling handelt stets pragmatisch, so sagt sie dem Feldprediger: „Wo wolln Sie hin, wenn ich ruiniert bin?" (S.71, Z.1f). Besonders auffällig ist hier, dass weder die Mutter Courage, noch der Feldprediger ihre Rolle als Geschäftsfrau hinterfragen. Anna Fierling ist eine durchaus selbstbestimmte Figur, die nicht (wie üblich) erwartet von einem Mann versorgt zu werden. Insgesamt verläuft das Gespräch symmetrisch, beide kommunizieren auf Augenhöhe miteinander. Auch die Sprechanteile sind ausgeglichen. Betrachtet man jedoch die ernsthaften Absichten des Feldpredigers, verlief das Gespräch anfänglich asymmetrisch. Anna Fierling hat immer wieder versucht das Gespräch ins Lächerliche zu ziehen, um seiner eigentlichen Intention auszuweichen. Die Mutter Courage scheint, obwohl sie sich ihrer Rolle als Elternteil bewusst ist und sich um ihre Kinder sorgt, nicht im Klaren darüber zu sein, dass sie all ihre Kinder an ihrem kapitalistischen, gewinnorientierten Denken im Krieg verloren hat. So behauptet die Mutter Courage sie wäre diejenige, die sich mit dem Kauf von weiteren Waren in Gefahr bringen würde: „Eben jetzt geh ich ein Risiko ein mit Einkaufen, wo der Feldhauptmann gefallen ist [...]“ (S.70, Z. 34f). Kurz darauf taucht Kattrin wieder auf. Mit einer Platzwunde am Kopf und den Waren in der Hand kommt sie auf ihre Mutter zu. Diese ist schockiert vom Anblick ihrer Tochter. Sie überfallen Schuldgefühle: „Ich hätt dich nie gehn lassen solln." (S.71, Z.11). Auch hier verläuft das Gespräch abermals komplementär, die Mutter Courage erfährt nicht von Kattrin was passiert ist, sondern kann es lediglich erahnen. So redet sie von einem „Überfall“ ihrer Tochter. Ein einfacher Raub ist jedoch unwahrscheinlich, da Kattrin immer noch mit den Waren in der Hand zurückkommt. Viel eher wurde die Frau vergewaltigt. Zusammenhängend dazu stehen die roten Schuhe der Prostituierten Yvette, die von Brecht als symbolischer Gegenstand eingebunden worden sind: Drei Jahre zuvor trafen Kattrin, die Mutter Courage und Schweizerkas auf die hübsche Yvette, die ihr Geld im Krieg durch die Prostitution gewann. Kattrin bewunderte sie, zog ihre Schuhe an und ahmte ihren Gang nach. Während Mutter Courage damals entsetzt reagierte als sie ihre Tochter dabei erwischte, gibt sie Kattrin dieses Mal die Schuhe freiwillig, als Entschädigung und um ihr schlechtes Gewissen zu unterdrücken. Gleichzeitig drücken die Schuhe das Schicksal der Frauen im Krieg aus. Kattrins Chance einen Mann zu finden und eine eigene Familie zu gründen sind damit endgültig vorbei. Auch die ihre Mutter ist sich dem bewusst: „Auf den Frieden muß die nimmer warten." (S.72, Z.9f). Die Mutter Courage redet in ihrer Aufregung über den Zustand ihrer Tochter wirr durcheinander. Dabei spricht sie mehrmals die Wunde an Kattrins Kopf an und versucht sie kleinzureden („Das ist nicht schlimm, die Wund ist nur eine Fleischwund. // Die Wund ist gar nicht tief, da bleibt nix zurück." S. 71, Z.12f. /21f). Auf der Ebene der Selbstkundgabe wird dabei die Reue der Mutter Courage sehr deutlich. Die Stummheit Kattrins hält sie nicht von einer Reaktion auf das Verhalten ihrer Mutter ab; Laut Watzlawicks Kommunikationstheorie und bezogen auf das erste Axiom („Man kann nicht nicht kommunizieren“) hat auch ihr Schweigen eine große Aussage. Sie nimmt die Schuhe und damit die Entschuldigung ihrer Mutter nicht an und kriecht in den Wagen zurück (S. 72, Z. 6f ). Was ihr widerfahren ist versucht sie auch nicht weiter durch Gestik auszudrücken, ihr Unmut und Frust gegenüber ihrer Mutter wird klar verständigt. Besonders am Ende wird die ambivalente Rolle der Anna Fierling bzw. Mutter Courage deutlich: „Das ist der Krieg! Eine schöne Einnahmequell!" sagt die Mutter in einem wütenden Ton. In genau der Hälfte des Dramas, am Ende des sechsten Bildes, scheint sie zum ersten Mal ihre Situation und die ihrer Kinder zu reflektieren. Sie realisiert, dass sie all ihre Kinder durch den Krieg verloren hat bzw. ihren Kindern im Krieg Leid zugefügt worden ist. Zwar endet das sechste Bild mit dem Satz der Mutter Courage „Der Krieg soll verflucht sein." (S.72, Z.31f ). Jedoch wird in Anbetracht des weiteren Dramenverlaufs klar, dass Anna Fierling langfristig nichts an ihrem Verhalten ändert. Sie ist weiterhin auf den Profit durch den Krieg aus. Das wird besonders in dem darauffolgenden Bild deutlich: Da sich der Krieg plötzlich wieder sehr gut für ihr Geschäft auswirkt, haben sich all ihre negativen Gefühle für den Krieg wieder aufgelöst. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Mutterfigur der Anna Fierling in einem Inter- Rollenkonflikt zwischen ihrer Rolle als Mutter und als Markthändlerin befindet, da diese Rollen sich nicht miteinander vereinen lassen. Obwohl die Mutter Courage am Ende all ihre Kinder am Krieg verliert, lässt sie sich dennoch nicht belehren. Das einzige und letzte Mal, dass sie die Auswirkungen ihres Handelns zu reflektieren scheint, sind am Ende des sechsten Bildes zu sehen. Eine damals übliche Vaterrolle, die die Rolle des Versorgers übernehmen und dadurch einiges für sie erleichtern könnte, scheint sie dennoch nicht zu missen. Ihren Pflichten als Mutter ist sie sich deutlich bewusst, den Schaden den sie verursacht, indem sie ihre Kinder gleichzeitig als Bedienstete behandelt, jedoch nicht. Durch die ambivalente Mutterfigur der Mutter Courage nahm der Marxist Brecht außerdem indirekte Kritik am Kapitalismus, welche ebenfalls eine große Rolle im Drama spielt.

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Vielen Dank, wirklich hilfreich für mich, da wir gerade genau das Thema in der Schule haben 😁

Mutter Courage und ihre Kinder-Ausführliche Szenenanalyse Bild 6

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Szenenanalyse - Bild 6 Das Drama „Mutter Courage und ihre Kinder" von Bertolt Brecht aus dem Jahr 1938/1939 befasst sich mit dem Leben der Markthändlerin Anna Fierling und ihren drei Kindern während des Dreißigjährigen Krieges. In dem sechsten Bild des Dramas wird besonders die zwiespältige Rolle Anna Fierlings als Geschäftsfrau und gleichzeitige Mutter erkennbar. Brecht möchte die Gegensätzlichkeit und Unvereinbarkeit der beiden Rollen verdeutlichen. Zuvor verlor die Mutter Courage bereits ihren ältesten Sohn Eilif an den Feldhauptmann, der Eilif Wohlstand und Ansehen durch die Arbeit als Soldat versprach. Dieser verließ seine Familie wortlos, während seine Mutter mit einer Verkaufsabwicklung beschäftigt war. Ihr zweiter Sohn „Schweizerkas" wurde von feindlichen Truppen erschossen, als die Mutter Courage sich darum bemühte die Bestechungssumme herunterzuhandeln. Seit Beginn des „Schwedischen Krieges“ (ca. 1630) reisen die Mutter Courage und ihre Tochter Kattrin im Planwagen nur noch zu zweit umher und verkaufen ihre Waren. Das sechste Bild spielt im Jahr 1632 in der Vorstadt Ingolstadts in Bayern. Nach dem Tod des Feldhauptmanns diskutieren Anna Fierling, der Feldprediger und der Schreiber über die Dauer des Krieges. Der Feldprediger überzeugt die Mutter Courage davon, dass der Krieg noch eine Weile andauern würde und, dass sie getrost neue Ware kaufen könne. Aus der Überzeugung heraus schickt die Mutter Courage ihre Tochter Kattrin und den Schreiber los in die...

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Während der Schreiber klar das Ende eines Krieges ersehnt ( „Auf die Dauer kann man nicht ohne Frieden leben.“, S.66), ist der Feldprediger dem Krieg sehr positiv gegenübergestellt. Dieser geht sogar so weit, dass er den Krieg durch eine Personifikation verharmlost darstellt: „So hat er [der Krieg] im ganzen nix Ernstliches zu fürchten, und ein langes Leben liegt vor ihm.“ (S. 65, Z. 31-33). Mutter Courage lässt sich vom Feldprediger überzeugen, die negativen Folgen des Krieges ausblendend. Sie ist in ihrer Rolle als Geschäftsfrau auf ihren Gewinn fokussiert und beschließt daraufhin Kattrin in die Stadt zu schicken, um neue Ware zu kaufen. Als die stumme Kattrin die Worte des Feldpredigers, der Krieg bräuchte nie mehr aufhören, hört, schmeißt diese aus ihrem Entsetzen heraus einen Korb voll Flaschen auf den Boden. Ihre Mutter erklärt ihr Verhalten lachend: Die Mutter Courage versprach ihrer Tochter sobald der Krieg endete, würde sie ihr einen Mann finden (S. 67, Z. 18-21). Der Dialog zwischen Kattrin und ihrer Mutter verläuft stets asymmetrisch: Da Kattrin stumm ist, dominiert ihre Mutter dauerhaft die Unterhaltung zwischen den beiden. So versucht Kattrin ihrer Mutter auch nicht (nonverbal) zu widersprechen, als diese sie dazu auffordert mit dem Schreiber in die Stadt zu gehen, um neue Güter zu besorgen. Zur Sprache lässt sich weiterhin sagen, dass die dargestellten Figuren in „einfacher“ Sprache reden, insbesondere die Hauptfigur Anna Fierling verwendet Sprichwörter, kurz gehaltene Parataxen und Ellipse. Auffällig ist außerdem der Wegfall von Lauten bzw. Vokalen („Die Leut" etc.) sowie grammatikalische Besonderheiten (Bsp: „Das Los von denen, wo ihnen gefallen, ist das schlimmste." S.71, Z.29f)). Mutter Courages zweiseitiger Charakter wird besonders an der Beziehung zu Kattrin erkennbar. Bereits zu Beginn des Dramas wird deutlich, dass sie ihre Familie nicht nur aus der Perspektive einer Mutter betrachtet, als sie sich und ihre Familie als „Geschäftsleut“ (S. 10, Z. 24) vorstellt. Auch, dass sie ihre Tochter alleine mit einem Mann in die Stadt schickt und die Gefahren, welche sich dadurch für Kattrin ergeben ausblendet, unterstreichen ihr pragmatisches und eher kaltherziges Gemüt. Als der Feldprediger sie darauf anspricht, ob sie ihre Tochter alleine mit dem Schreiber losschicken wollen würde, erwidert sie: „Sie [Kattrin] ist nicht so hübsch, daß sie einer ruinieren möcht.“ (S.68, Z.1f.). Dabei scheint sie zu verdrängen, dass ihre Tochter Kattrin bereits einmal überfallen worden war (S.72, Z.16f.). Während der Abwesenheit Kattrins und des Schreibers sind der Feldprediger und Anna Fierling alleine. Der Feldprediger versucht sich der Mutter Courage anzunähern, sie hingegen weicht immer wieder durch humorvolle Gegenbemerkungen aus. Die nutzenorientierte Mutter Courage legt ihre Intentionen klar und deutlich fest: „Auf was ich aus bin, ist, mich und meine Kinder durchbringen mit meinem Wagen.“ (S.70, Z. 31f.). Dabei scheint sie auszublenden, dass das einzige ihrer drei Kinder, welches noch bei ihr ist, ihre Tochter Kattrin ist. Betrachtet man die Vaterrolle im komplizierten Familienverhältnis so fällt auf, dass sich hier keine feste Figur erkennen lässt. Anna Fierling scheint viele Männer in ihrem Leben kennengelernt zu haben: Ihre drei Kinder sind alle von unterschiedlichen Vätern, erkennbar daran, dass jeder Name der drei Kinder eine unterschiedliche Herkunft hat. Die genaue Herkunft bzw. Identität der Väter wird allerdings nicht deutlich. So behauptet die Mutter Courage, der Spitzname ihres Sohnes Fejos, „Schweizerkas“, leite sich von der schweizerischen Herkunft seines Vaters ab (S.13, Z.3). Kattrin sei „eine halbe Deutsche“ (S.13, Z.23f.), die Herkunft des Vaters von Eilif wird nicht klar. Eine typisch patriarchalische Familienstruktur, die für die zeitgenössische Zeit üblich wäre, lassen sich keinesfalls in der Familie der Mutter Courage wiederfinden. Viel eher übernimmt die Protagonistin Anna Fierling beide Elternrollen: Nicht nur die Rolle als Erzieherin, sondern auch als Versorgerin. Auch im Drama fällt insgesamt auf, dass die Mutter Courage von mehreren Männern begehrt wird. Sie scheint sich zudem zum Koch Pieter Lamb hingezogen zu fühlen, was der Feldprediger bemerkt und ihm missfällt. Er versucht den Koch in ein schlechtes Licht zu rücken und drängt gleichzeitig auf eine engere Beziehung zwischen ihm und Anna. Sie drückt sich jedoch klar aus: „Ich denk, sie ist eng genug.“ (S.70, Z.17). Anna Fierling handelt stets pragmatisch, so sagt sie dem Feldprediger: „Wo wolln Sie hin, wenn ich ruiniert bin?" (S.71, Z.1f). Besonders auffällig ist hier, dass weder die Mutter Courage, noch der Feldprediger ihre Rolle als Geschäftsfrau hinterfragen. Anna Fierling ist eine durchaus selbstbestimmte Figur, die nicht (wie üblich) erwartet von einem Mann versorgt zu werden. Insgesamt verläuft das Gespräch symmetrisch, beide kommunizieren auf Augenhöhe miteinander. Auch die Sprechanteile sind ausgeglichen. Betrachtet man jedoch die ernsthaften Absichten des Feldpredigers, verlief das Gespräch anfänglich asymmetrisch. Anna Fierling hat immer wieder versucht das Gespräch ins Lächerliche zu ziehen, um seiner eigentlichen Intention auszuweichen. Die Mutter Courage scheint, obwohl sie sich ihrer Rolle als Elternteil bewusst ist und sich um ihre Kinder sorgt, nicht im Klaren darüber zu sein, dass sie all ihre Kinder an ihrem kapitalistischen, gewinnorientierten Denken im Krieg verloren hat. So behauptet die Mutter Courage sie wäre diejenige, die sich mit dem Kauf von weiteren Waren in Gefahr bringen würde: „Eben jetzt geh ich ein Risiko ein mit Einkaufen, wo der Feldhauptmann gefallen ist [...]“ (S.70, Z. 34f). Kurz darauf taucht Kattrin wieder auf. Mit einer Platzwunde am Kopf und den Waren in der Hand kommt sie auf ihre Mutter zu. Diese ist schockiert vom Anblick ihrer Tochter. Sie überfallen Schuldgefühle: „Ich hätt dich nie gehn lassen solln." (S.71, Z.11). Auch hier verläuft das Gespräch abermals komplementär, die Mutter Courage erfährt nicht von Kattrin was passiert ist, sondern kann es lediglich erahnen. So redet sie von einem „Überfall“ ihrer Tochter. Ein einfacher Raub ist jedoch unwahrscheinlich, da Kattrin immer noch mit den Waren in der Hand zurückkommt. Viel eher wurde die Frau vergewaltigt. Zusammenhängend dazu stehen die roten Schuhe der Prostituierten Yvette, die von Brecht als symbolischer Gegenstand eingebunden worden sind: Drei Jahre zuvor trafen Kattrin, die Mutter Courage und Schweizerkas auf die hübsche Yvette, die ihr Geld im Krieg durch die Prostitution gewann. Kattrin bewunderte sie, zog ihre Schuhe an und ahmte ihren Gang nach. Während Mutter Courage damals entsetzt reagierte als sie ihre Tochter dabei erwischte, gibt sie Kattrin dieses Mal die Schuhe freiwillig, als Entschädigung und um ihr schlechtes Gewissen zu unterdrücken. Gleichzeitig drücken die Schuhe das Schicksal der Frauen im Krieg aus. Kattrins Chance einen Mann zu finden und eine eigene Familie zu gründen sind damit endgültig vorbei. Auch die ihre Mutter ist sich dem bewusst: „Auf den Frieden muß die nimmer warten." (S.72, Z.9f). Die Mutter Courage redet in ihrer Aufregung über den Zustand ihrer Tochter wirr durcheinander. Dabei spricht sie mehrmals die Wunde an Kattrins Kopf an und versucht sie kleinzureden („Das ist nicht schlimm, die Wund ist nur eine Fleischwund. // Die Wund ist gar nicht tief, da bleibt nix zurück." S. 71, Z.12f. /21f). Auf der Ebene der Selbstkundgabe wird dabei die Reue der Mutter Courage sehr deutlich. Die Stummheit Kattrins hält sie nicht von einer Reaktion auf das Verhalten ihrer Mutter ab; Laut Watzlawicks Kommunikationstheorie und bezogen auf das erste Axiom („Man kann nicht nicht kommunizieren“) hat auch ihr Schweigen eine große Aussage. Sie nimmt die Schuhe und damit die Entschuldigung ihrer Mutter nicht an und kriecht in den Wagen zurück (S. 72, Z. 6f ). Was ihr widerfahren ist versucht sie auch nicht weiter durch Gestik auszudrücken, ihr Unmut und Frust gegenüber ihrer Mutter wird klar verständigt. Besonders am Ende wird die ambivalente Rolle der Anna Fierling bzw. Mutter Courage deutlich: „Das ist der Krieg! Eine schöne Einnahmequell!" sagt die Mutter in einem wütenden Ton. In genau der Hälfte des Dramas, am Ende des sechsten Bildes, scheint sie zum ersten Mal ihre Situation und die ihrer Kinder zu reflektieren. Sie realisiert, dass sie all ihre Kinder durch den Krieg verloren hat bzw. ihren Kindern im Krieg Leid zugefügt worden ist. Zwar endet das sechste Bild mit dem Satz der Mutter Courage „Der Krieg soll verflucht sein." (S.72, Z.31f ). Jedoch wird in Anbetracht des weiteren Dramenverlaufs klar, dass Anna Fierling langfristig nichts an ihrem Verhalten ändert. Sie ist weiterhin auf den Profit durch den Krieg aus. Das wird besonders in dem darauffolgenden Bild deutlich: Da sich der Krieg plötzlich wieder sehr gut für ihr Geschäft auswirkt, haben sich all ihre negativen Gefühle für den Krieg wieder aufgelöst. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Mutterfigur der Anna Fierling in einem Inter- Rollenkonflikt zwischen ihrer Rolle als Mutter und als Markthändlerin befindet, da diese Rollen sich nicht miteinander vereinen lassen. Obwohl die Mutter Courage am Ende all ihre Kinder am Krieg verliert, lässt sie sich dennoch nicht belehren. Das einzige und letzte Mal, dass sie die Auswirkungen ihres Handelns zu reflektieren scheint, sind am Ende des sechsten Bildes zu sehen. Eine damals übliche Vaterrolle, die die Rolle des Versorgers übernehmen und dadurch einiges für sie erleichtern könnte, scheint sie dennoch nicht zu missen. Ihren Pflichten als Mutter ist sie sich deutlich bewusst, den Schaden den sie verursacht, indem sie ihre Kinder gleichzeitig als Bedienstete behandelt, jedoch nicht. Durch die ambivalente Mutterfigur der Mutter Courage nahm der Marxist Brecht außerdem indirekte Kritik am Kapitalismus, welche ebenfalls eine große Rolle im Drama spielt.