Die Bergpredigt und das Feindesliebegebot
Die Bergpredigt ist ein zentraler Teil des Matthäusevangeliums, in dem Jesus seine grundlegenden Lehren verkündet. Eines der radikalsten Gebote darin ist die Feindesliebe - eine Erweiterung des Nächstenliebegebots, die fordert, nicht nur Freunde, sondern auch Feinde zu lieben.
Was bedeutet Feindesliebe konkret? Es geht nicht um ein passives Gefühl, sondern um aktives Handeln: Gewaltverzicht, Zuvorkommenheit und Barmherzigkeit. Ziel ist es, den Teufelskreis der Vergeltung zu durchbrechen und eine Verhaltensänderung beim "Feind" zu bewirken. Im Matthäusevangelium (5,43-45) sagt Jesus: "Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen", und fordert uns damit auf, dem Beispiel Gottes zu folgen.
Die Feindesliebe bietet viele Chancen: Konflikte friedlich lösen, Deeskalation, Versöhnung und echtes Gemeinschaftserleben. Gleichzeitig stößt sie an Grenzen: Überlebensinstinkt, Angst und manchmal die harte Realität, dass Gewalt der einzige Ausweg scheint.
💡 Alltagstipp: Wenn dich jemand in der Schule ärgert, probier mal etwas Überraschendes – reagiere mit Freundlichkeit statt mit Gegenwehr. Diese Form der Feindesliebe im Alltag kann Konflikte oft überraschend schnell entschärfen!
Die Auslegung der Bergpredigt hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Martin Luther entwickelte die Zwei-Reiche-Lehre, die zwischen freiwilliger Einhaltung der Bergpredigt (geistliches Regiment) und dem geregelten Zusammenleben durch weltliche Institutionen unterscheidet. Albert Schweitzer interpretierte sie als Interimsethik – Verhaltensregeln bis zum Anbruch des Reiches Gottes. Die Spannung zwischen dem "schon" und "noch nicht" des Gottesreiches fordert jeden Christen heraus, sein Leben zu hinterfragen.