Die Steinkohlenkrise
Die Steinkohlenkrise im Ruhrgebiet hatte vielfältige Ursachen, die zur Deindustrialisierung führten. Die geologischen Lagerungsverhältnisse erforderten einen kostenintensiven Schachtbau bis zu 1000m Tiefe, während Importkohle durch Tagebau deutlich günstiger war. Die Öffnung internationaler Märkte erhöhte den Konkurrenzdruck auf die monostrukturierte Ruhrwirtschaft.
Der Anteil der Steinkohle an der deutschen Energieversorgung sank seit 1915 kontinuierlich. Neue Energieträger wie Erdöl und Erdgas kamen als Konkurrenz auf. Gleichzeitig reduzierten wichtige Abnehmer wie die Stahlindustrie und die Eisenbahn ihren Kohleverbrauch drastisch, was zu chronischen Absatzschwierigkeiten führte.
Die Folgen waren gravierend: Zwischen 1950 und 1966 halbierte sich die Zahl der Bergbaubetriebe im Ruhrgebiet. Ab 1964 wurden Stillegungsprämien eingeführt, um die Förderung weiter zu mindern. Dies führte zum "Zechensterben" und Massenentlassungen, die durch die erste Wirtschaftskrise in Deutschland 1966 noch verschärft wurden.
📊 Der Kohleabbau im Ruhrgebiet war über 150 Jahre wirtschaftliches Rückgrat der Region. Seine Geschichte zeigt, wie abhängig eine Region von einzelnen Wirtschaftszweigen sein kann.
Staatliche Förderungen und Versuche einer Verstaatlichung scheiterten. Als Reaktion wurde die Ruhrkohle AG (RAG) als private Einheitsgesellschaft gegründet. Die Kohlepolitik vollzog einen Kurswechsel: Die Krise wurde als Dauerzustand akzeptiert, und man konzentrierte sich auf einen geordneten Rückzug aus dem Bergbau mit sozialverträglichen Maßnahmen wie Vorruhestandsregelungen und Umschulungen für Bergleute.