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Quelleninterpretation Ammianus Marcellinus

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Quelleninterpretation Ammianus Marcellinus

 Schriftliche Quellen interpretieren
27.04.2021, Ge/OS
S. 36/37, M2
Der spätantike Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus (ca. 330-395/400

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"Der spätantike Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus (ca. 330-395/400 n. Chr.) über die Beziehungen der Römer zu den Greutungen vor deren Ansiedlung auf römischem Gebiet" im Zusammenhang mit der Typologie von Bitterli über Kulturkontakt

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Schriftliche Quellen interpretieren 27.04.2021, Ge/OS S. 36/37, M2 Der spätantike Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus (ca. 330-395/400 n. Chr.) über die Beziehungen der Römer zu den Greutungen vor deren Ansiedlung auf römischem Ge- biet. Was geschah, nachdem die Goten dem Usurpator beim Krieg gegen den römischen Kaiser Valens halfen? Welche Beziehung pflegten die beiden Völker vor dem Kon- flikt? Die zu analysierende dokumentarische Quelle ist eine „Gesta-Schrift“, welche vom spät- antiken Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus (ca. 330-395/400 n. Chr.) stammt. Die Schrift ist aus dem Buch „Ammianus Marcellinus, Römische Geschichte" von Wolfgang Seyfarth und ist im Jahre 1971 vom Akademie-Verlag in Berlin neuveröffentlicht. Marcelli- nus schreibt über die Beziehung der Greutungen mit den Römern vor deren Ansiedlung auf römischem Gebiet. Dabei sind Begriffe wie Bürgerkrieg, Valens, Friedensbündnis oder oberflächliche Entschuldigung von zentraler Bedeutung. Die Sprache des Textes ist dabei sachlich informativ, eine appellative oder manipulierende Wirkungsabsicht ist nicht zu er- kennen. Der Adressatenkreis ist die römische Bevölkerung. Das Thema der Schrift von Marcellinus ist der Konflikt zwischen den Goten und dem da- maligen Kaiser Valens. Er stellt in chronologischer Reihenfolge mittels drei Textabschnit- ten den Auslöser, die Folgen und das Ende der Auseinandersetzung dar. Nachdem Valens die Schlacht gegen den Usurpator Prokop, dem die Goten geholfen hätten, gewänne, lie- Be er sich erzählen, warum die Goten dem Gegenkaiser zu Hilfe gekommen seien. Die Beziehung zwischen...

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den beiden sei schließlich freundschaftlich und durch ein Friedens- bündnis verbunden gewesen. Als Entschuldigung hätten die Goten betont, dass Prokop seinen eigenen Angaben nach mit dem ehemaligen Kaiserhaus verwandt sei und somit die ihm gebührende Stellung einnehme. Sie hätten behauptet, es handele sich dabei um einen Irrtum. Doch Valens habe die fade Ausrede nicht genügt und er sei drei Jahre lang in den Krieg gegen die Goten gezogen, bis sie letztendlich aufgaben, weil er unschlagbar gewesen sei. Der Krieg hätte deshalb geendet, weil die Goten zum einen Angst vor Va- lens hätten und zum anderen weil sie materiell bzw. wirtschaftlich abhängig vom römi- schen Reich gewesen waren, mit Bittschriften um Vergebung und Ruhe gebeten hätten. Die Sprache ist hierbei ist zwar sachlich informativ, doch trotzdem wird eine Art Unterwür- figkeit bzw. Schwäche der Greutungen deutlich. Dem entgegengesetzt sticht die wirt- schaftliche und militärische Übergeordnetheit der Römer hervor. Dies ist zunächst an der wiederholt genannten „Furcht“ (Z. 21,32,36) und Flucht der sogenannten „Barbaren" vor den Römern, die dadurch als furchteinflößend erscheinen, zu erkennen. Mit der übertrie- benen Darstellung des römischen Heers wird im Gegensatz dazu die schwache militär- ische Leistung der Greutungen hervorgehoben. Athanarich hätte sich gegen Valens ge- wagt, doch sich aufgrund der Leistungsschwäche seines Heers und der Furcht zurückge- zogen (vgl. Z. 28-33). Auch die Gründe für das Ende des Krieges sind nur auf die materiel- le Abhängigkeit der Greutungen bezogen. Sie hätten Angst und hätten aufgrund des ein- gestellten Handelsverkehrs an Mangel von lebensnotwendigen Waren gelitten (vgl. Z. 36- 42), weshalb sie um Entschuldigung betteln. Damit werden sie als arme, bemitleidens- werte „Barbaren“ dargestellt, die es bereuen sich gegen die Römer behauptet zu haben. Somit wird der immense Einfluss des römischen Reiches von dem Autor großgeschrie- ben, deshalb kann seine Intention als Demonstration der Überlegenheit der Römer inter- pretiert werden. Vor allem, weil kein einziges zeitgenössisches Problempunkt des Reiches aufgegriffen wird. Zum Beispiel die schwache Innenpolitik des Reiches und der damit ver- bundene Versuch von Prokop und anderen Usurpatoren, mit Gewalt/Krieg an die Macht zu kommen, obwohl er dazu nicht berechtigt ist. Außerdem wird nicht berücksichtigt, dass das Reich auch vom Handel abhängig ist, da die Wirtschaft immer mehr nachließ. Im Gro- Ben und Ganzen soll der Text bei den Adressaten ein Bild von den Goten bewirken, wel- ches von Schwäche und Unterlegenheit geprägt ist. Ausgehend u.a. von der Lebensdauer des Historikers Ammianus Marcellinus lässt dich die Quelle der Zeit der Völkerwanderung, konkret nach der Ära, in der der Usurpator Pro- kop gegen den damals rechtmäßigen Kaiser Valens kämpfte, zuordnen. Der genaue Zeit- punkt der beschriebenen Verbrüderung der Goten mit Prokop, welcher sich selbst zum Gegenkaiser von Valens ausrufen ließ, ist nicht bekannt. Doch da Valens von 364 bis 378 n. Chr. Kaiser des römischen Reiches im Osten war, müsste es dementsprechend inner- halb des genannten Zeitpunktes geschehen sein. Während seiner Amtszeit im Jahre 376 n. Chr. waren viele germanische Volksgruppen, unter ihnen auch die Greutungen, auf der Flucht vor dem extrem kriegerisch nomadischen Reiterverband der Hunnen, die ihre Ge- biete plünderten. Auf der Suche nach Sicherheit suchten sie sich im oströmischen Reich eine neue Lebensgrundlage. Valens nahm die Terwingen auf, später dann auch Greutun- gen, Alanen oder geflüchtete Hunnen. Die Anzahl der Flüchtlinge wurde unterschätzt und sie wurden nicht entwaffnet. Dies war der Hauptfehler seitens der Römer, denn die Frem- den im Reich konnten sich jederzeit mit Gewalt gegen sie auflehnen - was u.a. die Terwin- ger dann aufgrund von Unzufriedenheiten auch taten. Es kam zu mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen bis 378 n. Chr. die Römer in der Schlacht bei Adrianopel besiegt wurden, was auch zum Fall von Valens führte. Der Nachfolger von Valens verlieh dann den nun als Visigoten bezeichnenden den legitimen Rechtsstatus als foederati, wobei sie Land und Jahreszahlungen bekamen sowie von Steuern befreit wurden. Dafür mussten die Goten lediglich im römischen Heer kämpfen, was zeigt, dass die Römer sehr wohl von ihnen abhängig waren. Anhand des Konfliktes wird deutlich, der Typologie U. Bitterlis nach, wie nach der Kultur- berührung zweier Kulturen, die Kulturbeziehung dann wiederum in einen Kulturzusamm- stoß münden kann. Die Greutungen und die Römer pflegen vor dem Konflikt eine Bezie- hung, in der der Handel in den Vordergrund steht. Außerdem herrscht dabei ein machtpoli- tisches Gleichgewicht, d.h. keine Partei ist darauf aus, die volle Macht zu übernehmen. Die Verbrüderung mit dem Feind und dementsprechend der Bruch des Friedensbündnis- ses bringt das machtpolitische Gleichgewicht ins Wanken. Mit den militärischen Angriffen auf die Goten findet der Kulturzusammenstoß statt, welcher jene Handelsbeziehung bricht, von der beide Parteien abhängig sind. Die Abhängigkeit der Römer von der Bezie- hung wird im Text jedoch nicht deutlich. Mit der manipulativen Art versucht Marcellinus die Überlegenheit und Unabhängigkeit der Römer in das Bewusstsein seiner Leser dringen zu lassen. Verbunden mit den damaligen Umständen bzw. aus damaliger Sicht ist seine In- tention sowie die Handlungen Valens´zur Lösung des Konfliktes nachvollziehbar, denn mit dem Einzug der Flüchtlinge und der zugehörige langwierige Kulturkontakt, litt das römi- sche Selbstverständnis an Werte- und Machtverlust, die erneuert werden mussten. Um dies zu erreichen, ist die aktive und fiktive Darstellung der Übermacht der Römer über an- dere die perfekte Waffe, denn dies stärkt den Patriotismus im Imperium, was wiederum den Gemeinschaftsgeist der Römer weckt. Dies würde sie dazu bewegen sich für den Er- halt des eigenen Reiches einzusetzen, das in dem Moment gefährdet war. Aus heutiger Perspektive lässt sich zunächst sagen, dass die einseitige Erzählweise und Verherrli- chung der grotesken Gewalt gegenüber den Goten nicht tolerierbar sind, weil sie nichts anderes als Propaganda verbreiten. Heute würde Marcellinus für seine Schrift basierend auf Artikel 86 im deutschen Strafgesetzbuch entweder mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe davonkommen. Meiner Meinung nach sollte er als Ge- schichtsschreiber seine Schriften, die heute als Wissensquellen diesen, neutral verfassen und nicht zugunsten einer bestimmten Partei. Weil keine Schriften aus der germanischen Sicht existieren, macht die einseitige Erzählweise es schwer ein Urteil zu tätigen. Beson- ders erwähnenswert ist weiterhin, dass die Handlungen Valens zur Lösung des Konfliktes nicht nachvollziehbar und sehr übertrieben sind. Die Goten hatten sich für ihr rücksichtslo- ses Verhalten entschuldigt, sicherlich gab es auch andere Möglichkeiten das Problem zu lösen - zum Beispiel eine mildere Strafe wie ein höherer Steuerbeitrag für eine bestimmte Zeit. Dafür muss der Mensch nicht direkt in den Krieg ziehen, was heute wiederum gegen Hunderte von Gesetzten stößt, wie beispielsweise das Recht auf körperliche Unversehrt- heit oder Freiheit. Ich persönlich kann damit weder die Art, wie der Kaiser eines Imperi- ums noch die Art, wie ein bedeutender Geschichtsschreiber bei solch einer ernsten Situa- tion reagiert nicht nachvollziehen, da sie gegen die heutigen Werte und Normen und mei- ne eigenen Moralvorstellungen sind.

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So ein schöner Lernzettel 😍😍 super nützlich und hilfreich!

"Der spätantike Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus (ca. 330-395/400 n. Chr.) über die Beziehungen der Römer zu den Greutungen vor deren Ansiedlung auf römischem Gebiet" im Zusammenhang mit der Typologie von Bitterli über Kulturkontakt

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den beiden sei schließlich freundschaftlich und durch ein Friedens- bündnis verbunden gewesen. Als Entschuldigung hätten die Goten betont, dass Prokop seinen eigenen Angaben nach mit dem ehemaligen Kaiserhaus verwandt sei und somit die ihm gebührende Stellung einnehme. Sie hätten behauptet, es handele sich dabei um einen Irrtum. Doch Valens habe die fade Ausrede nicht genügt und er sei drei Jahre lang in den Krieg gegen die Goten gezogen, bis sie letztendlich aufgaben, weil er unschlagbar gewesen sei. Der Krieg hätte deshalb geendet, weil die Goten zum einen Angst vor Va- lens hätten und zum anderen weil sie materiell bzw. wirtschaftlich abhängig vom römi- schen Reich gewesen waren, mit Bittschriften um Vergebung und Ruhe gebeten hätten. Die Sprache ist hierbei ist zwar sachlich informativ, doch trotzdem wird eine Art Unterwür- figkeit bzw. Schwäche der Greutungen deutlich. Dem entgegengesetzt sticht die wirt- schaftliche und militärische Übergeordnetheit der Römer hervor. Dies ist zunächst an der wiederholt genannten „Furcht“ (Z. 21,32,36) und Flucht der sogenannten „Barbaren" vor den Römern, die dadurch als furchteinflößend erscheinen, zu erkennen. Mit der übertrie- benen Darstellung des römischen Heers wird im Gegensatz dazu die schwache militär- ische Leistung der Greutungen hervorgehoben. Athanarich hätte sich gegen Valens ge- wagt, doch sich aufgrund der Leistungsschwäche seines Heers und der Furcht zurückge- zogen (vgl. Z. 28-33). Auch die Gründe für das Ende des Krieges sind nur auf die materiel- le Abhängigkeit der Greutungen bezogen. Sie hätten Angst und hätten aufgrund des ein- gestellten Handelsverkehrs an Mangel von lebensnotwendigen Waren gelitten (vgl. Z. 36- 42), weshalb sie um Entschuldigung betteln. Damit werden sie als arme, bemitleidens- werte „Barbaren“ dargestellt, die es bereuen sich gegen die Römer behauptet zu haben. Somit wird der immense Einfluss des römischen Reiches von dem Autor großgeschrie- ben, deshalb kann seine Intention als Demonstration der Überlegenheit der Römer inter- pretiert werden. Vor allem, weil kein einziges zeitgenössisches Problempunkt des Reiches aufgegriffen wird. Zum Beispiel die schwache Innenpolitik des Reiches und der damit ver- bundene Versuch von Prokop und anderen Usurpatoren, mit Gewalt/Krieg an die Macht zu kommen, obwohl er dazu nicht berechtigt ist. Außerdem wird nicht berücksichtigt, dass das Reich auch vom Handel abhängig ist, da die Wirtschaft immer mehr nachließ. Im Gro- Ben und Ganzen soll der Text bei den Adressaten ein Bild von den Goten bewirken, wel- ches von Schwäche und Unterlegenheit geprägt ist. Ausgehend u.a. von der Lebensdauer des Historikers Ammianus Marcellinus lässt dich die Quelle der Zeit der Völkerwanderung, konkret nach der Ära, in der der Usurpator Pro- kop gegen den damals rechtmäßigen Kaiser Valens kämpfte, zuordnen. Der genaue Zeit- punkt der beschriebenen Verbrüderung der Goten mit Prokop, welcher sich selbst zum Gegenkaiser von Valens ausrufen ließ, ist nicht bekannt. Doch da Valens von 364 bis 378 n. Chr. Kaiser des römischen Reiches im Osten war, müsste es dementsprechend inner- halb des genannten Zeitpunktes geschehen sein. Während seiner Amtszeit im Jahre 376 n. Chr. waren viele germanische Volksgruppen, unter ihnen auch die Greutungen, auf der Flucht vor dem extrem kriegerisch nomadischen Reiterverband der Hunnen, die ihre Ge- biete plünderten. Auf der Suche nach Sicherheit suchten sie sich im oströmischen Reich eine neue Lebensgrundlage. Valens nahm die Terwingen auf, später dann auch Greutun- gen, Alanen oder geflüchtete Hunnen. Die Anzahl der Flüchtlinge wurde unterschätzt und sie wurden nicht entwaffnet. Dies war der Hauptfehler seitens der Römer, denn die Frem- den im Reich konnten sich jederzeit mit Gewalt gegen sie auflehnen - was u.a. die Terwin- ger dann aufgrund von Unzufriedenheiten auch taten. Es kam zu mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen bis 378 n. Chr. die Römer in der Schlacht bei Adrianopel besiegt wurden, was auch zum Fall von Valens führte. Der Nachfolger von Valens verlieh dann den nun als Visigoten bezeichnenden den legitimen Rechtsstatus als foederati, wobei sie Land und Jahreszahlungen bekamen sowie von Steuern befreit wurden. Dafür mussten die Goten lediglich im römischen Heer kämpfen, was zeigt, dass die Römer sehr wohl von ihnen abhängig waren. Anhand des Konfliktes wird deutlich, der Typologie U. Bitterlis nach, wie nach der Kultur- berührung zweier Kulturen, die Kulturbeziehung dann wiederum in einen Kulturzusamm- stoß münden kann. Die Greutungen und die Römer pflegen vor dem Konflikt eine Bezie- hung, in der der Handel in den Vordergrund steht. Außerdem herrscht dabei ein machtpoli- tisches Gleichgewicht, d.h. keine Partei ist darauf aus, die volle Macht zu übernehmen. Die Verbrüderung mit dem Feind und dementsprechend der Bruch des Friedensbündnis- ses bringt das machtpolitische Gleichgewicht ins Wanken. Mit den militärischen Angriffen auf die Goten findet der Kulturzusammenstoß statt, welcher jene Handelsbeziehung bricht, von der beide Parteien abhängig sind. Die Abhängigkeit der Römer von der Bezie- hung wird im Text jedoch nicht deutlich. Mit der manipulativen Art versucht Marcellinus die Überlegenheit und Unabhängigkeit der Römer in das Bewusstsein seiner Leser dringen zu lassen. Verbunden mit den damaligen Umständen bzw. aus damaliger Sicht ist seine In- tention sowie die Handlungen Valens´zur Lösung des Konfliktes nachvollziehbar, denn mit dem Einzug der Flüchtlinge und der zugehörige langwierige Kulturkontakt, litt das römi- sche Selbstverständnis an Werte- und Machtverlust, die erneuert werden mussten. Um dies zu erreichen, ist die aktive und fiktive Darstellung der Übermacht der Römer über an- dere die perfekte Waffe, denn dies stärkt den Patriotismus im Imperium, was wiederum den Gemeinschaftsgeist der Römer weckt. Dies würde sie dazu bewegen sich für den Er- halt des eigenen Reiches einzusetzen, das in dem Moment gefährdet war. Aus heutiger Perspektive lässt sich zunächst sagen, dass die einseitige Erzählweise und Verherrli- chung der grotesken Gewalt gegenüber den Goten nicht tolerierbar sind, weil sie nichts anderes als Propaganda verbreiten. Heute würde Marcellinus für seine Schrift basierend auf Artikel 86 im deutschen Strafgesetzbuch entweder mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe davonkommen. Meiner Meinung nach sollte er als Ge- schichtsschreiber seine Schriften, die heute als Wissensquellen diesen, neutral verfassen und nicht zugunsten einer bestimmten Partei. Weil keine Schriften aus der germanischen Sicht existieren, macht die einseitige Erzählweise es schwer ein Urteil zu tätigen. Beson- ders erwähnenswert ist weiterhin, dass die Handlungen Valens zur Lösung des Konfliktes nicht nachvollziehbar und sehr übertrieben sind. Die Goten hatten sich für ihr rücksichtslo- ses Verhalten entschuldigt, sicherlich gab es auch andere Möglichkeiten das Problem zu lösen - zum Beispiel eine mildere Strafe wie ein höherer Steuerbeitrag für eine bestimmte Zeit. Dafür muss der Mensch nicht direkt in den Krieg ziehen, was heute wiederum gegen Hunderte von Gesetzten stößt, wie beispielsweise das Recht auf körperliche Unversehrt- heit oder Freiheit. Ich persönlich kann damit weder die Art, wie der Kaiser eines Imperi- ums noch die Art, wie ein bedeutender Geschichtsschreiber bei solch einer ernsten Situa- tion reagiert nicht nachvollziehen, da sie gegen die heutigen Werte und Normen und mei- ne eigenen Moralvorstellungen sind.