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FACHARBEIT "Utopia" Thomas Morus

FACHARBEIT "Utopia" Thomas Morus

 Ist die Darstellung der Reichen und
Mächtigen in der Utopia des Thomas
Morus ein Spiegel unserer Realität? Inhaltsverzeichnis
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FACHARBEIT in Latein GK (Q1) zur Fragestellung "Ist die Darstellung der Reichen und Mächtigen in der Utopia des Thomas Morus ein Spiegel unserer Realität?" (Bewertung: 14 Punkte sowie Weiterkommen bei einem Latein-Wettbewerb)

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Ist die Darstellung der Reichen und Mächtigen in der Utopia des Thomas Morus ein Spiegel unserer Realität? Inhaltsverzeichnis 2 1 Einleitung: Vorstellung der Themenfrage . 2 Darstellung der Reichen und Mächtigen in der Utopia.......... 2.1 Analyse der Textstelle....... 2.2 Kontextualisierung der Textstelle. 2.2.1 Kontextualisierung im Werk. 2.2.2 Kontextualisierung in der Zeit 2.3 Charakterisierung der Reichen und Mächtigen.......... 3 Der moderne Staat. 3.1 Gemeinsamkeiten der Darstellung zur heutigen Situation.….... 3.2 Unterschiede der Darstellung zur heutigen Situation 3.3 Ausblick. 4 Fazit: Beantwortung der Zielfrage...... 5 Literaturverzeichnis. 6 Anhang 6.1 Lateinische Textpassage 6.2 Übersetzung der Textpassage 6.3 Statistik zur Verteilung des Reichtums auf der Welt im Jahr 2019.. 6.4 Statistik zur Vermögensverteilung in Deutschland im Jahr 2017. 8 10 ..3 .4 4 8 11 12 12 14 16 17 18 21 21 22 23 23 3 1 Einleitung: Vorstellung der Themenfrage In dieser Facharbeit habe ich mich mit dem Werk Utopia von Thomas Morus auseinanderge- setzt, welches er 1516 veröffentlichte.¹ Morus lebte von 1478 bis 1535. Er war der Sohn eines Londoner Juristen und Richters und erlernte schon in frühen Jahren die lateinische Sprache. Morus diente als Kind am Hof des Lordkanzlers, der ihn später zum Studieren nach Oxford schickte. Dort studierte er erst Latein und Griechisch und danach Jura. Daraufhin arbeitete er als Anwalt und wurde ein Parlamentsmitglied. Er lehrte an der Schule Lincoln's Inn, an der er zuvor auch selbst Jura studierte. Ab dem folgenden Jahr arbeitete er für den König und wurde Mitglied des Kronrates. 1521 wurde...

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Morus in den Ritterstand erhoben, zwei Jahre später wurde er Parlamentssprecher und weitere sechs Jahre später zum Lordkanzler ernannt. 1534 wurde er verurteilt, weil er sich als strenger Katholik geweigert hatte, dem König als selbst ernanntem Oberhaupt der anglikanischen Kirche den Suprematseid² zu leisten. 1535 wurde er daraufhin wegen Hochverrats hingerichtet.³ Sein Werk Utopia trägt den lateinischen Volltitel „De optimo rei publicae statu deque nova insula Vtopia libellus uere aureus, nec minus salutaris quam fes- tiuus, clarissimi disertissimiquae uiri Thomae Mori inclytae ciuitatis Londinensis ciuis & Vicecomitis." Dieser bedeutet auf Deutsch ,,Vom besten Zustand des Gemeinwesens und die neue Insel Utopia. Ein wahrhaft goldenes Buch, nicht weniger heilsam als unterhaltend, vom klaren und redegewandten Mann Thomas Morus Bürger und Vicecomes³ der berühmten Stadt London." Der Begriff „Utopia“ bedeutet übersetzt „Nicht-Ort“ und „steht für eine fantastische Idee, die in der Realität kaum umsetzbar scheint“7. Utopia wurde in einer Zeit geschrieben, in der es populär wurde, Berichte über fremde Länder und Völker zu schreiben. Thomas Morus hat in seiner Schrift die zur seiner Zeit bestehenden gesellschaftlichen und politischen Zustände in den europäischen Staaten, besonders in England, kritisiert und zugleich sein eigenes Bild eines idealen Staates erschaffen und dargelegt. Dabei geht er in einer Passage auf die Stellung der Reichen und Mächtigen in der englischen Gesellschaft ein und erläutert, inwiefern diese ¹ vgl. Sontheimer, Michael: https://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/utopia-thomas-more-entwarf-eine-ideale- gemeinschaft-a-936340.html (03.02.2020) ² Eid der englischen Beamten und Geistlichen, mit dem sie den Supremat (Vorrangstellung) des englischen Kö- nigs anerkannten. 3 vgl. Steffens, Monika (Hrsg.) (2018): Reif für die Insel? 500 Jahre Utopia. 1. Auflage. Düsseldorf. S. 11-12 - Diese wenigen Lebensdaten sind notwendig um zu verstehen, warum Thomas Morus über eine detaillierte Kenntnis des Verhaltens der Reichen und Mächtigen verfügte. 4 Schmidtke, Oliver (2016): Ideal und Ironie der Gesellschaft. Die Utopia des Thomas Morus. 1. Auflage. Frank- furt am Main. S.37 5 Amtstitel: engl. Undersheriff 6 Schmidtke, Oliver a.a.O. S. 37 7 Balleer, Jessica: https://rp-online.de/panorama/wissen/utopie-von-thomas-morus_aid-19177467 (25.01.2020) 8 vgl. Reichwein, Mark: https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article160743177/Sechs-Stunden-Tag-Ein- heitskleidung-goldene-Klos.html (02.02.2020) 9 vgl. Sontheimer, Michael a.a.O. 4 sich negativ auf die restliche Gesellschaft auswirken. Ich untersuche in dieser Arbeit Morus Darstellung der Reichen und Mächtigen, indem ich zuerst diese Textstelle¹0 aus der Utopia übersetze und sowohl stilistisch als auch inhaltlich auf die Darstellung der Reichen und Mäch- tigen analysiere, diese Textstelle kontextualisiere und in einem Fazit die Charakterisierung der Reichen und Mächtigen durch den Autor Thomas Morus abschließend interpretiere und präsen- tiere. Anschließend überprüfe ich die Darstellung der Utopia des Thomas Morus hinsichtlich ihrer Aktualität, indem ich sie mit der heutigen Situation in den modernen Staaten vergleiche. Dabei werde ich sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede aufzeigen, um in einem letz- ten Punkt die Zielfrage, ob die Darstellung der Reichen und Mächtigen in der Utopia des Thomas Morus ein Spiegel unserer Realität ist, in einem abschließenden Fazit zu beantworten. 2 Darstellung der Reichen und Mächtigen in der Utopia 2.1 Analyse der Textstelle Die zu analysierende Textstelle¹¹ setzt mit folgender Behauptung ein: 10 ,,Itaque omnes has lae hodie usquam florent res publicas animo intuenti ac versanti mihi nihil, sic me amet Deus, occurrit aliud quam quaedam conspiratio divitum de suis commodis rei publicae nomine tit- uloque tractantium.“¹2 In diesem ersten Satz stellt Thomas Morus eine Behauptung auf. Er kritisiert alle zu seiner Zeit existierenden Republiken, indem er behauptet, diese unterstützten eine Verschwörung aller Rei- chen und Mächtigen im Land und beschützten diejenigen, welche die Republik nur zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzten. Dabei setzt er „Itaque omnes has quae hodie usquam florent res publicas" bewusst an den Anfang des Satzes, um die Republiken besonders hervorzuheben und zu betonen, von wem der Satz handelt. Durch den Gebrauch von „omnes“ und „florent“ kriti- siert er ausnahmslos alle Staaten Europas, welche zu seiner Zeit existierten. Er verdeutlicht, dass sich alle Staaten ähnlich sind und keiner besser ist als ein anderer. In dem Nebensatz ,,animo intuenti ac versanti mihi“ stellt Morus dar, dass er ein gebildeter Mann ist, der sich mit Morus, Thomas/ Ritter, Gerhard (Übersetzung)/ Jäckel, Eberhard (Nachwort) (2012): Utopia. Latei- nisch/Deutsch. 3. Auflage. Stuttgart. S. 326-328 11 Die analysierte Textstelle befindet sich in der Reclam-Ausgabe von „Utopia Lateinisch/Deutsch" des Thomas Morus, welche von Gerhard Ritter übersetzt wurde und 2012 in ihrer dritten Ausgabe erschienen ist, auf den Sei- ten 326-328. Es handelt sich hierbei nur um den lateinischen Auszug „Itaque omnes has...etiam ipsa decresce- ret." Zu analysieren ist diese Textstelle stilistisch und inhaltlich in Hinblick auf Morus' Darstellung der Reichen und Mächtigen in den europäischen Staaten. 12 vgl. Textpassage im Anhang, Z. 1-3 5 den Reichen und Mächtigen intensiv beschäftigt hat und sich daraufhin ein begründetes Urteil bilden konnte. Er bestärkt sein Urteil mit „sic me amet Deus", mit dem Willen Gottes, um dessen Unterstützung er bittet. Dies unterstreicht der Konjunktiv. Der Satz beginnt und endet mit einem Teilsatz über die Republiken („res publicas"/"rei publicae“), während die Reichen (,,divitum") in der Mitte des Satzes stehen. Morus verdeutlicht dadurch, dass die Republiken nur ein Machtmittel für die Reichen sind, um ihre Ziele zu erreichen. ,,Comminiscunturque et excogitant omnes modos atque artes, quibus, quae malis artibus ipsi conges- serunt, ea primum ut absque perdendi metu retineant, post hoc ut pauperum omnium opera ac laboribus quam minimo sibi redimant eisque abutantur.“13 Morus beschreibt, dass die Reichen und Mächtigen die Republik missbrauchen und die Armen für ihre eigenen Vorteile ausnutzen und ausbeuten, um den eigenen Reichtum zu vergrößern. Dabei haben sie ihren Wohlstand unrecht durch Tricks (,,omnes modos atque artes“) erworben. Sie werden kreativ, wenn es darum geht, sich Möglichkeiten auszudenken, um möglichst reich mit möglichst wenig eigener Arbeit zu werden. Am Anfang des Satzes steht ein Hendiadyoin: ,,Comminiscunturque et excogitant". Dieses hebt das schlechte Handeln der Reichen am An- fang besonders hervor. Der Satz endet mit „abutantur", welches ebenfalls dieses betont. Morus beschreibt das Agieren der Reichen außerdem mit zwei weiteren negativen Ausdrücken, „malis artibus“ und „laboribus quam minimo“, und betont so seine Meinung über sie. ,,Haec machinamenta ubi semel divites publico nomine, hoc est etiam pauperum, decreverunt observari, iam leges fiunt.“14 Eine weitere These des Thomas Morus ist, dass die Gesetze nur für die Reichen gemacht wer- den und auch nur diese davon profitieren. Die ärmere Bevölkerung wird hierbei komplett über- gangen, sie hat keinerlei Mitspracherecht. Der Ausdruck ,,publico nomine“ schließt eigentlich die gesamte Bevölkerung ein, also die Armen genauso wie die Reichen. Allerdings haben die Reichen in der Realität die ganze Macht und übergehen die Armen bei wichtigen Entscheidun- gen mit Hilfe von sich selbst bevorteilenden Gesetzen, ohne jene zu befragen. Morus betont bewusst, dass die Armen eigentlich zu dem „publico nomine“ gehören, indem er den Teilsatz ,,hoc est etiam pauperum“ einfügt, um darzustellen, dass die Armen das Recht haben, im öf- fentlichen Namen an Gesetzen und anderen Entscheidungen mitzuwirken, ihnen dieses Recht durch die Reichen allerdings verwehrt wird. Durch Verwenden von „iam“ im letzten Satzteil wird beschrieben, wie leicht es für die Reichen ist, Gesetze durchzusetzen. ,,Haec machina- menta" ist vorgestellt worden und steht sogar vor „ubi“, welches den Satz eigentlich einleitet. 13 vgl. Textpassage im Anhang, Z. 3-6 14 vgl. Textpassage im Anhang, Z. 6-8

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Der Begriff „Utopia“ bedeutet übersetzt „Nicht-Ort“ und „steht für eine fantastische Idee, die in der Realität kaum umsetzbar scheint“7. Utopia wurde in einer Zeit geschrieben, in der es populär wurde, Berichte über fremde Länder und Völker zu schreiben. Thomas Morus hat in seiner Schrift die zur seiner Zeit bestehenden gesellschaftlichen und politischen Zustände in den europäischen Staaten, besonders in England, kritisiert und zugleich sein eigenes Bild eines idealen Staates erschaffen und dargelegt. Dabei geht er in einer Passage auf die Stellung der Reichen und Mächtigen in der englischen Gesellschaft ein und erläutert, inwiefern diese ¹ vgl. Sontheimer, Michael: https://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/utopia-thomas-more-entwarf-eine-ideale- gemeinschaft-a-936340.html (03.02.2020) ² Eid der englischen Beamten und Geistlichen, mit dem sie den Supremat (Vorrangstellung) des englischen Kö- nigs anerkannten. 3 vgl. Steffens, Monika (Hrsg.) (2018): Reif für die Insel? 500 Jahre Utopia. 1. Auflage. Düsseldorf. S. 11-12 - Diese wenigen Lebensdaten sind notwendig um zu verstehen, warum Thomas Morus über eine detaillierte Kenntnis des Verhaltens der Reichen und Mächtigen verfügte. 4 Schmidtke, Oliver (2016): Ideal und Ironie der Gesellschaft. Die Utopia des Thomas Morus. 1. Auflage. Frank- furt am Main. S.37 5 Amtstitel: engl. Undersheriff 6 Schmidtke, Oliver a.a.O. S. 37 7 Balleer, Jessica: https://rp-online.de/panorama/wissen/utopie-von-thomas-morus_aid-19177467 (25.01.2020) 8 vgl. Reichwein, Mark: https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article160743177/Sechs-Stunden-Tag-Ein- heitskleidung-goldene-Klos.html (02.02.2020) 9 vgl. Sontheimer, Michael a.a.O. 4 sich negativ auf die restliche Gesellschaft auswirken. Ich untersuche in dieser Arbeit Morus Darstellung der Reichen und Mächtigen, indem ich zuerst diese Textstelle¹0 aus der Utopia übersetze und sowohl stilistisch als auch inhaltlich auf die Darstellung der Reichen und Mäch- tigen analysiere, diese Textstelle kontextualisiere und in einem Fazit die Charakterisierung der Reichen und Mächtigen durch den Autor Thomas Morus abschließend interpretiere und präsen- tiere. Anschließend überprüfe ich die Darstellung der Utopia des Thomas Morus hinsichtlich ihrer Aktualität, indem ich sie mit der heutigen Situation in den modernen Staaten vergleiche. Dabei werde ich sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede aufzeigen, um in einem letz- ten Punkt die Zielfrage, ob die Darstellung der Reichen und Mächtigen in der Utopia des Thomas Morus ein Spiegel unserer Realität ist, in einem abschließenden Fazit zu beantworten. 2 Darstellung der Reichen und Mächtigen in der Utopia 2.1 Analyse der Textstelle Die zu analysierende Textstelle¹¹ setzt mit folgender Behauptung ein: 10 ,,Itaque omnes has lae hodie usquam florent res publicas animo intuenti ac versanti mihi nihil, sic me amet Deus, occurrit aliud quam quaedam conspiratio divitum de suis commodis rei publicae nomine tit- uloque tractantium.“¹2 In diesem ersten Satz stellt Thomas Morus eine Behauptung auf. Er kritisiert alle zu seiner Zeit existierenden Republiken, indem er behauptet, diese unterstützten eine Verschwörung aller Rei- chen und Mächtigen im Land und beschützten diejenigen, welche die Republik nur zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzten. Dabei setzt er „Itaque omnes has quae hodie usquam florent res publicas" bewusst an den Anfang des Satzes, um die Republiken besonders hervorzuheben und zu betonen, von wem der Satz handelt. Durch den Gebrauch von „omnes“ und „florent“ kriti- siert er ausnahmslos alle Staaten Europas, welche zu seiner Zeit existierten. Er verdeutlicht, dass sich alle Staaten ähnlich sind und keiner besser ist als ein anderer. In dem Nebensatz ,,animo intuenti ac versanti mihi“ stellt Morus dar, dass er ein gebildeter Mann ist, der sich mit Morus, Thomas/ Ritter, Gerhard (Übersetzung)/ Jäckel, Eberhard (Nachwort) (2012): Utopia. Latei- nisch/Deutsch. 3. Auflage. Stuttgart. S. 326-328 11 Die analysierte Textstelle befindet sich in der Reclam-Ausgabe von „Utopia Lateinisch/Deutsch" des Thomas Morus, welche von Gerhard Ritter übersetzt wurde und 2012 in ihrer dritten Ausgabe erschienen ist, auf den Sei- ten 326-328. Es handelt sich hierbei nur um den lateinischen Auszug „Itaque omnes has...etiam ipsa decresce- ret." Zu analysieren ist diese Textstelle stilistisch und inhaltlich in Hinblick auf Morus' Darstellung der Reichen und Mächtigen in den europäischen Staaten. 12 vgl. Textpassage im Anhang, Z. 1-3 5 den Reichen und Mächtigen intensiv beschäftigt hat und sich daraufhin ein begründetes Urteil bilden konnte. Er bestärkt sein Urteil mit „sic me amet Deus", mit dem Willen Gottes, um dessen Unterstützung er bittet. Dies unterstreicht der Konjunktiv. Der Satz beginnt und endet mit einem Teilsatz über die Republiken („res publicas"/"rei publicae“), während die Reichen (,,divitum") in der Mitte des Satzes stehen. Morus verdeutlicht dadurch, dass die Republiken nur ein Machtmittel für die Reichen sind, um ihre Ziele zu erreichen. ,,Comminiscunturque et excogitant omnes modos atque artes, quibus, quae malis artibus ipsi conges- serunt, ea primum ut absque perdendi metu retineant, post hoc ut pauperum omnium opera ac laboribus quam minimo sibi redimant eisque abutantur.“13 Morus beschreibt, dass die Reichen und Mächtigen die Republik missbrauchen und die Armen für ihre eigenen Vorteile ausnutzen und ausbeuten, um den eigenen Reichtum zu vergrößern. Dabei haben sie ihren Wohlstand unrecht durch Tricks (,,omnes modos atque artes“) erworben. Sie werden kreativ, wenn es darum geht, sich Möglichkeiten auszudenken, um möglichst reich mit möglichst wenig eigener Arbeit zu werden. Am Anfang des Satzes steht ein Hendiadyoin: ,,Comminiscunturque et excogitant". Dieses hebt das schlechte Handeln der Reichen am An- fang besonders hervor. Der Satz endet mit „abutantur", welches ebenfalls dieses betont. Morus beschreibt das Agieren der Reichen außerdem mit zwei weiteren negativen Ausdrücken, „malis artibus“ und „laboribus quam minimo“, und betont so seine Meinung über sie. ,,Haec machinamenta ubi semel divites publico nomine, hoc est etiam pauperum, decreverunt observari, iam leges fiunt.“14 Eine weitere These des Thomas Morus ist, dass die Gesetze nur für die Reichen gemacht wer- den und auch nur diese davon profitieren. Die ärmere Bevölkerung wird hierbei komplett über- gangen, sie hat keinerlei Mitspracherecht. Der Ausdruck ,,publico nomine“ schließt eigentlich die gesamte Bevölkerung ein, also die Armen genauso wie die Reichen. Allerdings haben die Reichen in der Realität die ganze Macht und übergehen die Armen bei wichtigen Entscheidun- gen mit Hilfe von sich selbst bevorteilenden Gesetzen, ohne jene zu befragen. 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