Charakterisierung der Lucretia und Interpretation der Geschichte
Livius präsentiert Lucretia als Vorbild (bonum exemplum) einer treuen und ehrlichen römischen Ehefrau. Ihre Eigenschaften werden hervorgehoben:
• Pudicitia (Keuschheit) • Animus insons (unschuldiger Geist) • Mors testis (Tod als Zeuge ihrer Tugend)
Highlight: Lucretia wird als konsequent und unerschrocken dargestellt, was den Erwartungen des augusteischen Lesepublikums entspricht.
Allegorische Interpretation
Die Geschichte von Lucretia und Sextus Tarquinius kann allegorisch gedeutet werden:
• Lucretia steht für das römische Volk • Tarquinius repräsentiert die Königsherrschaft
Diese Personalerzählung vermittelt dem Leser ein negatives Bild der Königsherrschaft, die als willkürlich und tyrannisch dargestellt wird.
Charakterisierung des Sextus Tarquinius
Sextus Tarquinius, der etruskische Königssohn, wird als Gegenbild zu Lucretia gezeichnet:
• Getrieben von libido (Gier) und amor (Liebe) • Verstößt gegen humanitas (Menschlichkeit), pudor (Anstand), moderatio (Selbstbeherrschung) und clementia (Milde) • Verletzt Lucretias libertas (persönliche und politische Freiheit)
Example: Die Vergewaltigung Lucretias symbolisiert den Machtmissbrauch der Könige gegenüber dem römischen Volk.
Die Übersetzung der Lucretia-Geschichte von Livius zeigt, wie der Autor die Ereignisse nutzt, um moralische und politische Botschaften zu vermitteln. Die Erzählung dient als Kritik an der Tyrannei und legitimiert den Übergang von der Königsherrschaft zur Republik in Rom.



