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Aufgaben & Erwartungshorizont zur 1.Philosophie-Klausur EF

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Klausur

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 Klausur Nr. 1: Der ,,wirkliche Tisch" (Arbeitstitel)
Für gewöhnlich halten wir viele Dinge für sicher und gewiss, an denen bei näherem
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Thema: drei Positionen der Erkenntnistheorie & aufgrundlage dieses Wissen Analyse des Textes ,,Der ,,wirkliche Tisch´´" von Russell

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Klausur Nr. 1: Der ,,wirkliche Tisch" (Arbeitstitel) Für gewöhnlich halten wir viele Dinge für sicher und gewiss, an denen bei näherem Zusehen so viele Widersprüche sichtbar werden, dass wir lange nachdenken müssen, bevor wir wissen, was wir glauben dürfen.... Um uns die auftauchenden Schwierigkeiten deutlich zu machen, wollen wir unsere 5 Aufmerksamkeit auf den Tisch richten. Dem Auge erscheint er viereckig, braun und glänzend, dem Tastsinn glatt und kühl und hart, wenn ich auf ihn klopfe, klingt es nach Holz. Jedermann, der den Tisch sieht, befühlt und beklopft, wird meiner Be- schreibung zustimmen, so dass es auf den ersten Blick aussieht, als ob es gar keine Schwierigkeiten gebe. Sie fangen erst an, wenn wir genauer zu sein versuchen: Ob- 10 wohl ich glaube, dass der Tisch ,,in Wirklichkeit" überall die gleiche Farbe hat, sehen die Stellen, die das Licht reflektieren, viel heller aus als die übrigen, einige Stellen er- scheinen infolge des reflektierten Lichtes sogar weiß. Ich weiß, dass andere Stellen das Licht reflektieren werden, wenn ich mich bewege; die scheinbare Verteilung der Farben auf dem Tisch wird sich bei jeder Bewegung, die ich mache, verändern. Es 15 folgt, dass, wenn mehrere Leute den Tisch gleichzeitig betrachten, keine zwei genau dieselbe Farbverteilung sehen werden, weil ihn keine zwei von genau demselben Punkt aus betrachten können, und...

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weil jede Veränderung des Blickpunkts auch eine Verschiebung der reflektierenden Stellen mit sich bringt. tscheung Hier kommen wir auf einen Unterschied, der in der Philosophie eine große Rolle spielt den Unterschied zwischen Erscheinung" und Wirklichkeit", zwischen dem, was die Dinge zu sein scheinen, und dem, was sie sind. Der Maler will wissen, wie die Dinge F Wirklichkeit erscheinen, der Praktiker und der Philosoph wollen wissen, was sie sind. Dabei ist der Erkenntnisdrang des Philosophen stärker als der des Praktikers, und überdies hat der Philosoph ein lebhafteres Bewusstsein von den Schwierigkeiten, die der Erfüllung 25 seines Wunsches im Wege stehen. Um auf unseren Tisch zurückzukommen: Wir haben festgestellt, dass es keine Farbe gibt, die vor allen anderen als die Farbe des Tisches oder auch nur eines bestimmten Tells des Tisches gelten kann... Mit der Gestalt des Tisches steht es nicht besser. Wir haben alle die Gewohnheit, Ur- 30 teile über die wirkliche" Gestalt von Dingen abzugeben, und wir tun das so gedan- kenlos, dass wir uns einbilden, wir sehen tatsachlich die wirklichen Gestalten. Wenn unser Tisch in Wirklichkeit" rechtwinklig ist, wird es von fast allen Blickpunkten aus so erscheinen, als ob seine Platte zwei spitze und zwei stumpfe Winkel hätte. ... Es ist daher einleuchtend, dass der wirkliche Tisch" - wenn es ihn gibt - nicht der 35 ist, den wir durch unseren Gesichts- oder Tastsinn oder durch das Gehör unmittelbar wahrnehmen. Der wirkliche Tisch wenn es ihn gibt, - ist uns überhaupt nicht un- mittelbar bekannt, sondern muss etwas sein, das aus dem uns unmittelbar Bekann- ten erschlossen worden ist. ... 20 - Soviel ist klar: Wenn wir etwas über den Tisch wissen, muss dies vermittels der Sin- 40 nesdaten - braune Farbe, rechteckige Gestalt, Glätte usw. -, die wir im Zusammen- hang mit dem Tisch haben, zustande kommen; aber aus den angeführten Gründen können wir nicht sagen, der Tisch wäre dasselbe wie die Sinnesdaten oder auch nur, dass die Sinnesdaten unmittelbar Eigenschaften des Tisches wären. (Bertrand Russell: Probleme der Philosophie. Übersetzt von Eberhard Bubser, Frankfurt a. 1967, S. 9.10.12.13 [in Auszügen]) Ist es nicht klar? Alles im Betrachten Auge des Vergleich - Philos. - Prakt - Malex Wissen ek Zusam- merha 7 Wirklichken Aufgaben: Wichtig: a) Alle Aussagen, die du direkt oder indirekt dem Arbeitstext ent- nimmst, musst du durch Zeilenangaben belegen. Wörtliche Übernah- men müssen als Zitat gekennzeichnet werden! b) Wenn Gedanken des Autors formulierst, benutze bitte den Konjunk- tiv der indirekten Rede! 1 Analysiere den Text, wie im Unterricht besprochen und geübt! Das bedeutet: Lies den gesamten Text zunächst konzentriert und sorgfältig! - Formuliere dann die Frage bzw. das Problem sowie die zentrale These des Textes und er- - arbeite anschließend den Gedankengang! [analysieren: - Materialien/Sachverhalte und Zusammenhänge in ihren Einzelaspekten nach vorgegebenen oder selbst gewählten Aspekte erschießen und darstellen" - erarbeiten: Die Hauptaussage/Problemstellung eines Textes... darlegen"] 2 Beschreibe, a) wie bzw. woran im vorgelegten Arbeitstext deutlich wird, was Menschen zum Philosophieren gebracht hat bzw. was das Wesen philosophischen Denkens ausmacht! (Oder anders ausge- drückt: Inwiefern sind Russells Darlegungen typisch für einen Philosophen?) b) welcher der drei erkenntnistheoretischen Positionen du den Arbeitstext zuordnest. Begründe sorgfältig am Text! ✔ [beschreiben: Aspekte eines Sachverhalts oder eines Materials detailliert darstellen"] 3 Nimm kritisch Stellung zu der Frage, was Menschen mit Gewissheit von der Wirklichkeit wahr- nehmen können. Bęziehe dazu Dein Vorwissen aus dem Unterricht ein (Hoimar v. Dithfurth, Nigel Warburton, Friedhelm Decher, Ernst von Glasersfeld)! Welche der besprochenen Positionen erscheint dir am plausibelsten und warum? [Stellung nehmen: eine Problemstellung... auf der Grundlage fachlicher Kenntnisse prüfen und nach Abwägung eine Einschätzung formulieren"] VIEL ERFOLG! 1 2 3 4 5 6 Anforderungen: Der Prüfling*. *(Die Benennung ist geschlechtsneutral gemeint!) Anmerkung: Die performativen Verben, also Verben, die aussagen, wie der Autor seinen Gedankengang gestaltet, sind kursiv gedruckt, weil ich deren Benutzung von anderen Schüler/-innen, die die Klausur früher ge- schrieben haben, gefordert habe. In dieser Klausur setze ich dies aber nicht voraus.) stellt dar: - Frage/Problem: Was lassen uns unsere Sinne von der ,,objektiven Wirklichkeit" erkennen? - zentrale These: Unsere Sinne täuschen uns oft, wenn es um die Er- fassung der ,,objektiven Wirklichkeit" geht, dargestellt an der Wahrnehmung eines Tisches. analysiert den Text: Zu Beginn stellt der Autor die These auf, dass Vieles nur auf den ersten Blick ,,sicher und gewiss" (Z.1) sei, dass es jedoch bei näherer Betrach- tung gute Gründe gebe, diese scheinbare Gewissheit gründlich zu prüfen (Z. 1-3). Als Beleg und Beispiel für seine These führt Russell einen Tisch als Ge- genstand an, der im Blick auf wahrnehmbares Aussehen und fühlbare Qualität zunächst als völlig problemlos erkennbar erscheine (Z. 4-9). Dann aber relativiert der Autor diese Problemlosigkeit, indem er auf un- terschiedliche Farbwahrnehmung bzw. Farbverteilung, abhängig von der Reflexion des einfallenden Lichtes und vom Standpunkt des Be- trachters, eingeht. (Z. 9-18) maxi- male Punkt- zahl 3 3 1 1 1 A Im Anschluss kommt Russell auf Grundsätzliches zu sprechen: Er legt dar, dass es einen in der Philosophie wichtigen Unterschied gebe zwi- schen der Art und Weise, wie Dinge erscheinen (,worauf es einem Ma- ler ankomme), und der ,,Wirklichkeit der Dinge", woran ,,der Praktiker und der Philosoph" (Z. 22) interessiert seien (Z.19-22), wobei der Philosoph sich diesem Problem intensiver und reflektierter widme als der Praktiker. (Z. 22-25) [Wer oder was ein ,,Praktiker" ist, 1 wird nicht erklärt.] لا 3 2 1 A 2 4 33 A F 7 8 9 10 12 16 Anforderungen: Der Prüfling ... Danach kehrt Russell zum Beispiel des Tisches zurück, der seiner Über- zeugung nach keine eindeutig zu bestimmende Farbe habe. (Z. 26-28) Im nächsten Abschnitt erläutert Russell seine These von der Unzuläng- lichkeit der Sinne in Bezug auf ,,objektive Wahrnehmung" an einem zweiten Aspekt, nämlich der Gestalt des Tisches, und will zeigen, dass auch diese nicht so eindeutig wahrnehmbar sei, wie es zunächst erschei- nen mag (Z. 29-33): Aus all dem Dargelegten zieht Russel nun den Schluss, dass der ,,,wirk- 11 liche Tisch"" nicht der sein könne, den wir unmittelbar sinnlich wahr- nähmen (Z. 36f.); wir erschlössen ihn lediglich aus dem, was unsere ,Sinnesdaten" (Z. 39f.) uns unmittelbar lieferten (Z. 37 f.). Im letzten Abschnitt zieht Russel ein Fazit zur Bestätigung seiner These: Auch hier bestimmten Perspektive und Position des Wahrnehmenden ganz wesentlich das Erscheinungsbild des Tisches. 1 Gleichwohl seien wir aus Gedankenlosigkeit zumeist der Überzeugung, wir sähen tatsächlich die wirklichen Gestalten“ (Z.31) Sinnesdaten vermittelten zwar Informationen über die Wirklichkeit, seien aber keinesfalls mit dieser gleichzusetzen (Z. 39-43). Der Prüfling erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. Orientierung für eine 6 Gewichtungspunkten entsprechende Lö- sungsqualität: Aspekte 1-3, 8,11 sachgerecht Orientierung für eine 12 Gewichtungspunkten entsprechende Lö- sungsqualität: Aspekte 1-5.8.11-12. Summe Teilaufgabe 1 Teilaufgabe 2 MlDax male Punkt- zahl führt aus, dass Russell in Frage stellt, dass die scheinbar selbstver- ständliche Wahrnehmung eines Tisches wirklich so objektiv ist. Da- ran wird klar, dass es in der Philosophie um die (radikale) Infrage- stellung des scheinbar Selbstverständlichen geht. Was als ,,sicher und gewiss" Z. 1) gilt, z. B. die Wahrnehmung von Dingen oder auch die Bedeutung bestimmter Begriffe, hinterfragt ein Philosoph wie B. Sokrates und Gabriel. Z. 1 2 1 1 3 3 25 maxi- male Punkt- zahl A 6 ^ 2 a) Beschreibe, wie bzw. woran im vorgelegten Arbeitstext deutlich wird, was Menschen zum Philosophieren gebracht hat bzw. was das Wesen der Philosophie ausmacht! (Oder anders ausgedrückt: Inwiefern sind Russells Darlegungen typisch für einen Philosophen?) Anforderungen: Der Prüfling ... o S 15 A F 5 4 Der Prüfling erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. Orientierung für eine 6 Gewichtungspunkten entsprechende Lö- sungsqualität: Aspekte 1 und 2 Orientierung für eine 12 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: Aspekte 1,2,7 Summe Teilaufgabe 2a 1 2 b) Beschreibe, welcher der drei erkenntnistheoretischen Positionen du den Arbeitstext zuordnest. Begründe sorgfältig am Text! Anforderungen: Der Prüfling ... legt dar, dass am ehesten die Position des Neuen Realismus" in Frage kommt, weil Russell sich damit befasst, wie vielen ,,Determinanten" unsere Wahrnehmung unterliegt. dass man Russell jedoch aufgrund seiner insgesamt sehr kritischen 2 Haltung unserer Wahrnehmungsmöglichkeiten gegenüber (vgl. Z. 34- 38) und insbesondere wegen des Einschubs ,,Der wirkliche Tisch- wenn es ihn gibt" (Z. 36) auch den Konstruktivisten zuordnen kann. 3 Der Prüfling erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. Orientierung für eine 6 Gewichtungspunkten entsprechende Lö- sungsqualität: Aspekt 1 Orientierung für eine 12 Gewichtungspunkten entsprechende Lö- sungsqualität: Aspekte lund 2 Summe Teilaufgabe 2b 4 12 9 maxi-A male Punkt zahl 5 5 3 / 8 5 F

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So ein schöner Lernzettel 😍😍 super nützlich und hilfreich!

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weil jede Veränderung des Blickpunkts auch eine Verschiebung der reflektierenden Stellen mit sich bringt. tscheung Hier kommen wir auf einen Unterschied, der in der Philosophie eine große Rolle spielt den Unterschied zwischen Erscheinung" und Wirklichkeit", zwischen dem, was die Dinge zu sein scheinen, und dem, was sie sind. Der Maler will wissen, wie die Dinge F Wirklichkeit erscheinen, der Praktiker und der Philosoph wollen wissen, was sie sind. Dabei ist der Erkenntnisdrang des Philosophen stärker als der des Praktikers, und überdies hat der Philosoph ein lebhafteres Bewusstsein von den Schwierigkeiten, die der Erfüllung 25 seines Wunsches im Wege stehen. Um auf unseren Tisch zurückzukommen: Wir haben festgestellt, dass es keine Farbe gibt, die vor allen anderen als die Farbe des Tisches oder auch nur eines bestimmten Tells des Tisches gelten kann... Mit der Gestalt des Tisches steht es nicht besser. Wir haben alle die Gewohnheit, Ur- 30 teile über die wirkliche" Gestalt von Dingen abzugeben, und wir tun das so gedan- kenlos, dass wir uns einbilden, wir sehen tatsachlich die wirklichen Gestalten. Wenn unser Tisch in Wirklichkeit" rechtwinklig ist, wird es von fast allen Blickpunkten aus so erscheinen, als ob seine Platte zwei spitze und zwei stumpfe Winkel hätte. ... Es ist daher einleuchtend, dass der wirkliche Tisch" - wenn es ihn gibt - nicht der 35 ist, den wir durch unseren Gesichts- oder Tastsinn oder durch das Gehör unmittelbar wahrnehmen. Der wirkliche Tisch wenn es ihn gibt, - ist uns überhaupt nicht un- mittelbar bekannt, sondern muss etwas sein, das aus dem uns unmittelbar Bekann- ten erschlossen worden ist. ... 20 - Soviel ist klar: Wenn wir etwas über den Tisch wissen, muss dies vermittels der Sin- 40 nesdaten - braune Farbe, rechteckige Gestalt, Glätte usw. -, die wir im Zusammen- hang mit dem Tisch haben, zustande kommen; aber aus den angeführten Gründen können wir nicht sagen, der Tisch wäre dasselbe wie die Sinnesdaten oder auch nur, dass die Sinnesdaten unmittelbar Eigenschaften des Tisches wären. (Bertrand Russell: Probleme der Philosophie. Übersetzt von Eberhard Bubser, Frankfurt a. 1967, S. 9.10.12.13 [in Auszügen]) Ist es nicht klar? Alles im Betrachten Auge des Vergleich - Philos. - Prakt - Malex Wissen ek Zusam- merha 7 Wirklichken Aufgaben: Wichtig: a) Alle Aussagen, die du direkt oder indirekt dem Arbeitstext ent- nimmst, musst du durch Zeilenangaben belegen. Wörtliche Übernah- men müssen als Zitat gekennzeichnet werden! b) Wenn Gedanken des Autors formulierst, benutze bitte den Konjunk- tiv der indirekten Rede! 1 Analysiere den Text, wie im Unterricht besprochen und geübt! Das bedeutet: Lies den gesamten Text zunächst konzentriert und sorgfältig! - Formuliere dann die Frage bzw. das Problem sowie die zentrale These des Textes und er- - arbeite anschließend den Gedankengang! [analysieren: - Materialien/Sachverhalte und Zusammenhänge in ihren Einzelaspekten nach vorgegebenen oder selbst gewählten Aspekte erschießen und darstellen" - erarbeiten: Die Hauptaussage/Problemstellung eines Textes... darlegen"] 2 Beschreibe, a) wie bzw. woran im vorgelegten Arbeitstext deutlich wird, was Menschen zum Philosophieren gebracht hat bzw. was das Wesen philosophischen Denkens ausmacht! (Oder anders ausge- drückt: Inwiefern sind Russells Darlegungen typisch für einen Philosophen?) b) welcher der drei erkenntnistheoretischen Positionen du den Arbeitstext zuordnest. Begründe sorgfältig am Text! ✔ [beschreiben: Aspekte eines Sachverhalts oder eines Materials detailliert darstellen"] 3 Nimm kritisch Stellung zu der Frage, was Menschen mit Gewissheit von der Wirklichkeit wahr- nehmen können. Bęziehe dazu Dein Vorwissen aus dem Unterricht ein (Hoimar v. Dithfurth, Nigel Warburton, Friedhelm Decher, Ernst von Glasersfeld)! Welche der besprochenen Positionen erscheint dir am plausibelsten und warum? [Stellung nehmen: eine Problemstellung... auf der Grundlage fachlicher Kenntnisse prüfen und nach Abwägung eine Einschätzung formulieren"] VIEL ERFOLG! 1 2 3 4 5 6 Anforderungen: Der Prüfling*. *(Die Benennung ist geschlechtsneutral gemeint!) Anmerkung: Die performativen Verben, also Verben, die aussagen, wie der Autor seinen Gedankengang gestaltet, sind kursiv gedruckt, weil ich deren Benutzung von anderen Schüler/-innen, die die Klausur früher ge- schrieben haben, gefordert habe. In dieser Klausur setze ich dies aber nicht voraus.) stellt dar: - Frage/Problem: Was lassen uns unsere Sinne von der ,,objektiven Wirklichkeit" erkennen? - zentrale These: Unsere Sinne täuschen uns oft, wenn es um die Er- fassung der ,,objektiven Wirklichkeit" geht, dargestellt an der Wahrnehmung eines Tisches. analysiert den Text: Zu Beginn stellt der Autor die These auf, dass Vieles nur auf den ersten Blick ,,sicher und gewiss" (Z.1) sei, dass es jedoch bei näherer Betrach- tung gute Gründe gebe, diese scheinbare Gewissheit gründlich zu prüfen (Z. 1-3). Als Beleg und Beispiel für seine These führt Russell einen Tisch als Ge- genstand an, der im Blick auf wahrnehmbares Aussehen und fühlbare Qualität zunächst als völlig problemlos erkennbar erscheine (Z. 4-9). Dann aber relativiert der Autor diese Problemlosigkeit, indem er auf un- terschiedliche Farbwahrnehmung bzw. Farbverteilung, abhängig von der Reflexion des einfallenden Lichtes und vom Standpunkt des Be- trachters, eingeht. (Z. 9-18) maxi- male Punkt- zahl 3 3 1 1 1 A Im Anschluss kommt Russell auf Grundsätzliches zu sprechen: Er legt dar, dass es einen in der Philosophie wichtigen Unterschied gebe zwi- schen der Art und Weise, wie Dinge erscheinen (,worauf es einem Ma- ler ankomme), und der ,,Wirklichkeit der Dinge", woran ,,der Praktiker und der Philosoph" (Z. 22) interessiert seien (Z.19-22), wobei der Philosoph sich diesem Problem intensiver und reflektierter widme als der Praktiker. (Z. 22-25) [Wer oder was ein ,,Praktiker" ist, 1 wird nicht erklärt.] لا 3 2 1 A 2 4 33 A F 7 8 9 10 12 16 Anforderungen: Der Prüfling ... Danach kehrt Russell zum Beispiel des Tisches zurück, der seiner Über- zeugung nach keine eindeutig zu bestimmende Farbe habe. (Z. 26-28) Im nächsten Abschnitt erläutert Russell seine These von der Unzuläng- lichkeit der Sinne in Bezug auf ,,objektive Wahrnehmung" an einem zweiten Aspekt, nämlich der Gestalt des Tisches, und will zeigen, dass auch diese nicht so eindeutig wahrnehmbar sei, wie es zunächst erschei- nen mag (Z. 29-33): Aus all dem Dargelegten zieht Russel nun den Schluss, dass der ,,,wirk- 11 liche Tisch"" nicht der sein könne, den wir unmittelbar sinnlich wahr- nähmen (Z. 36f.); wir erschlössen ihn lediglich aus dem, was unsere ,Sinnesdaten" (Z. 39f.) uns unmittelbar lieferten (Z. 37 f.). Im letzten Abschnitt zieht Russel ein Fazit zur Bestätigung seiner These: Auch hier bestimmten Perspektive und Position des Wahrnehmenden ganz wesentlich das Erscheinungsbild des Tisches. 1 Gleichwohl seien wir aus Gedankenlosigkeit zumeist der Überzeugung, wir sähen tatsächlich die wirklichen Gestalten“ (Z.31) Sinnesdaten vermittelten zwar Informationen über die Wirklichkeit, seien aber keinesfalls mit dieser gleichzusetzen (Z. 39-43). Der Prüfling erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. Orientierung für eine 6 Gewichtungspunkten entsprechende Lö- sungsqualität: Aspekte 1-3, 8,11 sachgerecht Orientierung für eine 12 Gewichtungspunkten entsprechende Lö- sungsqualität: Aspekte 1-5.8.11-12. Summe Teilaufgabe 1 Teilaufgabe 2 MlDax male Punkt- zahl führt aus, dass Russell in Frage stellt, dass die scheinbar selbstver- ständliche Wahrnehmung eines Tisches wirklich so objektiv ist. Da- ran wird klar, dass es in der Philosophie um die (radikale) Infrage- stellung des scheinbar Selbstverständlichen geht. Was als ,,sicher und gewiss" Z. 1) gilt, z. B. die Wahrnehmung von Dingen oder auch die Bedeutung bestimmter Begriffe, hinterfragt ein Philosoph wie B. Sokrates und Gabriel. Z. 1 2 1 1 3 3 25 maxi- male Punkt- zahl A 6 ^ 2 a) Beschreibe, wie bzw. woran im vorgelegten Arbeitstext deutlich wird, was Menschen zum Philosophieren gebracht hat bzw. was das Wesen der Philosophie ausmacht! (Oder anders ausgedrückt: Inwiefern sind Russells Darlegungen typisch für einen Philosophen?) Anforderungen: Der Prüfling ... o S 15 A F 5 4 Der Prüfling erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. Orientierung für eine 6 Gewichtungspunkten entsprechende Lö- sungsqualität: Aspekte 1 und 2 Orientierung für eine 12 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: Aspekte 1,2,7 Summe Teilaufgabe 2a 1 2 b) Beschreibe, welcher der drei erkenntnistheoretischen Positionen du den Arbeitstext zuordnest. Begründe sorgfältig am Text! Anforderungen: Der Prüfling ... legt dar, dass am ehesten die Position des Neuen Realismus" in Frage kommt, weil Russell sich damit befasst, wie vielen ,,Determinanten" unsere Wahrnehmung unterliegt. dass man Russell jedoch aufgrund seiner insgesamt sehr kritischen 2 Haltung unserer Wahrnehmungsmöglichkeiten gegenüber (vgl. Z. 34- 38) und insbesondere wegen des Einschubs ,,Der wirkliche Tisch- wenn es ihn gibt" (Z. 36) auch den Konstruktivisten zuordnen kann. 3 Der Prüfling erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. Orientierung für eine 6 Gewichtungspunkten entsprechende Lö- sungsqualität: Aspekt 1 Orientierung für eine 12 Gewichtungspunkten entsprechende Lö- sungsqualität: Aspekte lund 2 Summe Teilaufgabe 2b 4 12 9 maxi-A male Punkt zahl 5 5 3 / 8 5 F