Neurophysiologie ist die Grundlage dafür, wie dein Nervensystem funktioniert -...
Verständniskompendium: Neurophysiologie Grundlagen










Grundlagen der Neurophysiologie
Reize sind überall um dich herum - Licht, Geräusche, Berührungen. Damit dein Körper darauf reagieren kann, müssen diese Reize stark genug sein, um die Reizschwelle zu überschreiten. Jeder Rezeptor ist dabei auf bestimmte Reize spezialisiert - deine Augen reagieren am besten auf Licht (adäquater Reiz), können aber bei starkem Druck auch "Sterne sehen" (inadäquater Reiz).
Das Neuron ist der Star des Nervensystems. Es besteht aus Dendriten (nehmen Informationen auf), dem Soma (Zellkörper mit Zellkern), dem Axonhügel (Übergangsbereich) und dem Axon (leitet Signale weiter). Am Ende befinden sich Axonendknöpfchen mit Synapsen für die Signalübertragung.
Die Myelinschicht umhüllt viele Axone wie ein Isolierband. Das ist wichtig für die schnelle Signalweiterleitung - ohne diese Hülle wäre dein Nervensystem viel langsamer.
Merktipp: Stelle dir das Neuron wie ein Kabel vor - Dendriten sind die Anschlüsse, das Axon ist die Leitung und die Synapsen sind die Steckdosen.

Das Ruhepotenzial verstehen
Das Ruhepotenzial von etwa -80mV ist wie die "Grundeinstellung" deiner Nervenzelle. Es entsteht durch eine clevere Verteilung von Ionen: Innen sind viele Kaliumionen und große Protein-Anionen, außen viele Natriumionen und Chloridionen.
Die Zellmembran hat unterschiedliche Permeabilitäten - sie lässt Kaliumionen gut durch, Natriumionen schlecht. Kalium strömt deshalb nach außen und macht die Zellinnenseite negativ. Gleichzeitig entsteht ein elektrochemischer Gradient: Der Konzentrationsunterschied "will" Kalium nach außen treiben, die negative Ladung innen hält es zurück.
Die Natrium-Kalium-Pumpe ist der Held im Hintergrund. Sie pumpt unter ATP-Verbrauch ständig 3 Natriumionen nach außen und 2 Kaliumionen nach innen. Ohne diese Pumpe würde das Ruhepotenzial zusammenbrechen - deshalb ist Gift wie Kaliumcyanid (KCN) so gefährlich.
Experimenteller Nachweis: Mit einer hauchdünnen Mikroelektrode kann man das Ruhepotenzial messen - beim Einstechen in die Zelle springt die Spannung sofort auf -75mV.

Das Aktionspotenzial - Der Nervenimpuls
Ein Aktionspotenzial ist wie ein elektrischer Blitz in der Nervenzelle. Es startet bei -70mV und schießt binnen Millisekunden auf +30mV hoch. Ausgelöst wird es, wenn ein Reiz stark genug ist, um den Schwellenwert zu überschreiten.
Der Ablauf ist immer gleich: Depolarisation (Natriumkanäle öffnen sich, Spannung steigt), Repolarisation (Kaliumkanäle öffnen sich, Natriumkanäle schließen) und Hyperpolarisation (kurz negativer als das Ruhepotenzial). Danach ist erstmal Pause - die Refraktärphase verhindert neue Aktionspotenziale.
Das Alles-oder-Nichts-Prinzip ist entscheidend: Entweder du überschreitest die Schwelle und bekommst ein vollständiges AP, oder gar nichts passiert. Die Stärke des Reizes ändert nichts an der Höhe des APs - nur an der Häufigkeit.
Wichtig für die Klausur: Unterscheide zwischen unterschwelligen Reizen (kein AP) und überschwelligen Reizen (immer gleichstarkes AP).

Erregungsleitung - Schnell oder langsam?
Es gibt zwei Arten, wie Erregungsleitung funktioniert. Bei der kontinuierlichen Erregungsleitung (ohne Myelinschicht) muss an jeder Stelle der Membran ein neues AP entstehen - das ist langsam , aber funktioniert.
Viel cleverer ist die saltatorische Erregungsleitung bei myelinisierten Axonen. Hier "springt" das AP von einem Ranvier'schen Schnürring zum nächsten und überspringt die isolierten Bereiche. Das ist nicht nur schneller , sondern auch energiesparender.
Die Geschwindigkeit hängt von zwei Faktoren ab: Myelinisierung (Isolation) und Axondurchmesser. Dicke, myelinisierte Axone sind am schnellsten - deshalb haben wichtige Nervenbahnen wie Reflexbögen oft diese Eigenschaften.
Analogie: Stell dir vor, du läufst durch einen Flur. Kontinuierlich = jeden Schritt setzen. Saltatorisch = von Treppenstufe zu Treppenstufe springen.

Synapsen - Die Schaltstellen des Nervensystems
Synapsen sind die Verbindungsstellen zwischen Nervenzellen. An chemischen Synapsen wird das elektrische Signal in ein chemisches umgewandelt. Wenn ein AP das Endknöpfchen erreicht, öffnen sich Calciumkanäle und Vesikel verschmelzen mit der Membran.
Der Neurotransmitter (oft Acetylcholin) wird in den synaptischen Spalt freigesetzt und bindet an Rezeptoren der nachgeschalteten Zelle. Das kann erregend (EPSP - Depolarisation) oder hemmend (IPSP - Hyperpolarisation) wirken.
Summation ist der Schlüssel zur Informationsverarbeitung: Am Axonhügel werden alle eingehenden Signale verrechnet. Räumliche Summation (viele Synapsen gleichzeitig) und zeitliche Summation (schnell hintereinander) entscheiden, ob ein neues AP ausgelöst wird.
Die motorische Endplatte ist eine Spezialsynapse zwischen Nerv und Muskel. Hier führt das Endplattenpotenzial direkt zur Muskelkontraktion.
Merkhilfe: EPSP = Erregend (Depolarisation), IPSP = Inhibierend (Hyperpolarisation).

Synapsengifte - Wenn das System gestört wird
Synapsengifte greifen an verschiedenen Stellen der Signalübertragung an und können tödlich sein. Curare (Pfeilgift) ist ein klassisches Beispiel für kompetitive Hemmung - es besetzt die Acetylcholin-Rezeptoren und verhindert die normale Signalübertragung.
Die Folge von Curare ist eine schlaffe Lähmung: Die Muskeln können nicht mehr erregt werden und erschlaffen. Der Tod tritt durch Atemstillstand ein, weil auch die Atemmuskulatur gelähmt wird.
E605 wirkt anders - es hemmt die Acetylcholinesterase (das Enzym, das ACh abbaut). Dadurch bleibt der Transmitter zu lange im synaptischen Spalt und verursacht Dauererregung mit Muskelkrämpfen (starre Lähmung).
Botulinus-Toxin verhindert die Freisetzung von Acetylcholin aus den Vesikeln, während Nikotin die ACh-Rezeptoren aktiviert und Atropin sie blockiert.
Klausurtipp: Unterscheide immer zwischen schlaffer Lähmung (keine Erregung möglich) und starrer Lähmung (Dauererregung).



Wir dachten schon, du fragst nie...
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