Abschnitt II: Woyzecks einzige aktive Handlung
Im zweiten Abschnitt seiner Rezension konzentriert sich Alfred Kerr auf Woyzecks einzige aktive Handlung im Drama: den Mord an seiner Geliebten Marie.
Kerr beginnt mit der Feststellung: "Woyzeck wehrt sich nicht..." und fährt fort mit der Beschreibung des einzigen Moments, in dem Woyzeck tatsächlich handelt. Dabei betont Kerr die Ironie dieser Handlung: Woyzeck tötet nicht den eigentlichen Verursacher seines Leids (den Tambourmajor), sondern richtet seine Aggression gegen Marie und damit indirekt gegen sich selbst.
Example: Kerr verdeutlicht dies durch drei parallele Satzstrukturen:
- "Nicht den Tambourmajor: sondern die Geliebte"
- "Nicht den Räuber: sondern die Geraubte"
- "Nicht den Feind: sondern das eigene Herz"
Diese Formulierungen unterstreichen die Tragik von Woyzecks Handlung und zeigen, wie selbstzerstörerisch sein einziger Akt der Rebellion ist.
Kerr greift dann die Frage nach Woyzecks Eignung als Dramenheld wieder auf. Er argumentiert, dass eine "veraltete Ästhetik" Woyzeck als untauglich für diese Rolle betrachten würde, widerspricht dieser Ansicht jedoch vehement: "Er ist sehr tauglich hierzu."
Highlight: Kerr stellt die These auf, dass nicht Woyzeck selbst, sondern seine Umwelt zur eigentlichen Dramengestalt wird. Die "machtvolle Selbstsucht" und die "quälende Menschheit" werden zu den wahren Akteuren des Stücks.
Diese Umkehrung der traditionellen Rollenverteilung im Drama ist ein zentraler Punkt in Kerrs Argumentation. Er sieht in Woyzecks Passivität und Machtlosigkeit gerade die Stärke der Figur und des Stücks.
Vocabulary: "justament" ist ein veralteter Ausdruck für "gerade" oder "ausgerechnet" und unterstreicht hier die Paradoxie in Woyzecks Situation.
Kerrs Sprache in diesem Abschnitt ist geprägt von Gegensätzen und Paradoxien, die die Komplexität von Woyzecks Charakter und seiner Rolle im Drama verdeutlichen.

































