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"Die Räuber" / Schiller: Klassenarbeit: S. 118 - 120

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Ramona (2009) / Vierstündige KA / Lösung:

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Klaus Schenck

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vierstündige Klassenarbeit, Werkvergleich zu "Michael Kohlhaas"/Kleist (2009, damals noch mit 3 Aufgaben)

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Kind vernachlässigt, versucht mittels übler Intrigen sich Macht und Ansehen zu verschaffen. Karl ist über den vermeintlichen Liebesentzug des Vaters so entsetzt, dass er einwilligt, Räuberhauptmann zu werden. Er schädigt Reiche und Kor- rupte und hilft den Armen. Als Karl aus einer sentimentalen Regung heraus ins väterliche Schloss zurückkehrt, erfährt er von Franz` Bosheiten. In Todesangst vor den nahenden Räubern und von Ge- wissensbissen geplagt begeht Franz Selbstmord. Der alte Moor stirbt, als Karl sich als Räuberhaupt- mann zu erkennen gibt. In dieser aussichtslosen Situation tötet Karl Amalia, seine Geliebte, und liefert sich dem Gesetz aus. Die vorliegende Textstelle zählt zum 4. Akt, 5. Szene. Besonders deutlich rückt Karls Zerrissenheit und Desillusionierung ins Zentrum. Karls Monolog thematisiert vor allem aber auch seine Selbstüber- schätzung, die der Protagonist erst am Ende des Schauspiels einbüßt. Karl wendet sich in einem Brief an den Vater, in dem er ihn um Verzeihung für sein leichtsinniges Le- ben bittet. Franz manipuliert daraufhin den Antwortbrief des alten Moor. Karl ist entsetzt über den scheinbaren Liebesentzug des Vaters. Seine Privatverbitterung gegen den Vater löst eine kindliche Trotzreaktion aus, in der er sich zum Amt des Räuberhauptmanns bereit erklärt. Diese Kurzschlussre- aktion ermöglicht es ihm, seinen Privatkrieg in einem Universalhass auf die Menschheit enden zu las- sen. Gleichzeitig eröffnet sich Karl die Gelegenheit, seinen immer schon vorhandenen Freiheitsimpuls, gepaart mit seinem Heldenbewusstsein, ausleben zu dürfen. Verstärkt wird dies noch durch seine Abneigung gegenüber dem Jahrhundert, in dem Karl lebt. Zunächst einmal steht die Rachemotivik im Zentrum von Karls Motivation. Er gibt seine private Krän- kung rächend an die gesamte Gesellschaft zurück. Als dann aber bei der Rettung Rollers Unschuldige mit den Schuldigen leiden müssen und Schufterle von einem Säugling erzählt, den er ins Feuer warf, wird Karl spätestens bewusst, dass seine hohen Ansprüche der Realität kontrastierend gegenüber- stehen. Die Räuber morden nicht aus edlen Motiven, wollen keine Ungerechtigkeiten ausgleichen und die korrupte Obrigkeit nicht strafen. Zunehmend fließen also die sozialen Komponenten in Karls idea- Lyrik und kein' Durchblick?! Da hilft nur noch Klaus Schenck: Königs Fitness: Lyrik. Klasse 11 - 12/13. Bange-Verlag. Von engagierten Schülern empfohlen! 35 40 45 50 55 60 65 70 75 80 85 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Schiller: „Die Räuber“ / S. 2 von 4 Ramona (2009) / Vierstündige KA / Lösung: S. 118/Z. 28 – S. 120/Z. 12 listische Vorstellung einer besseren Welt mit ein und er legt besonders viel Wert auf sein Gerechtig- keitsstreben. Da er seine Ziele mit seiner Räuberbande nicht erreichen kann, verfällt Karl zunehmend in Melancholieanfälle. Er zweifelt an sich selbst und maßt sich auch eine göttliche Position an. Aus einer Gefühlsregung heraus kehrt der Protagonist in die väterliche Idylle zurück. Umso mehr wird ihm deutlich, welche Möglichkeiten einer harmonischen Familienidylle er sich durch sein Räuberleben ver- baut hat. Durch den Eid der Räuberbande ist Karl an seine Kumpanen gebunden und hat keine Chance auf eine Liebesbeziehung mit Amalia und eine Rückkehr ins väterliche Schloss. In der vorlie- genden Textstelle ist die Hauptfigur so sehr verzweifelt, dass sie sich Selbstmordgedanken ausmalt. Doch Karl bewältigt seine Krise mutig und stolz, im Gegensatz zu seinem Bruder Franz, der mit Selbstmord vor der Verantwortung flieht. Im Laufe der Handlung erkennt Karl, dass er sich selbst überschätzt hat und dass sich seine hohen Idealvorstellungen und Wünsche nicht in der Realität verwirklichen lassen. Seine Anhänger morden nur um des Raubes willen" (S.64/ Z.21); Karl hingegen verschenkt die Beute an „Waisenkinder" und „lässt damit arme Jungen von Hoffnung studieren“ (S.64/Z.25 f.). Karl fühlt sich demnach einsam unter seinen Kumpanen, sie haben weder ein Auge für die Schönheit der Natur, noch verstehen sie seine Sehnsüchte nach der der väterlichen Idylle. Aufgrund dessen häufen sich die Melancholieanfälle Karls und seine Depressionen. Auch die vorliegende Textstelle spiegelt die innere Zerrissenheit des Räu- berhauptmanns wider. Die Bande haust in den Wäldern nahe des Moor'schen Schlosses. Zuvor ist Karl ins Schloss zurückgekehrt; doch die Erinnerungen an seine Kindheit und seine Sehnsucht nach Geborgenheit verstärken sich durch seinen Aufenthalt, da sie für Karl in seiner derzeitigen Situation unerfüllbar scheinen. Die „Vaterlandserde! [...], Vaterlandshimmel! Vaterlandssonne!" (S.95/Z.11f.) zeigen ihm, welche Möglichkeiten ihm durch sein Räuberleben verwehrt bleiben. Als Karl sich „die Laute" (S.118/Z.27) reichen lässt, sind seine Anhänger sehr verwundert. Der mutige, tapfere und furchtlose Hauptmann und das gefühlvolle, sinnliche Musikinstrument implizieren einen starken Kon- trast. Durch seine Selbstzweifel büßt Karl auch Autorität gegenüber seinen Anhängern ein, denn ganz am Ende des Schauspiels missachten sie seinen Befehl, mit ihm zu weinen und stehen seiner Aus- lieferung an einen Tagelöhner mit elf Kinder skeptisch gegenüber. In seinem Monolog fragt Karl nach dem Sinn des Lebens. Er sieht das Leben als „verworrene[s] Labyrinth[ ]“ ohne „Ausgang" (S.118/Z.29) und vergleicht den Tod mit dem Ende eines „Marionettenspiel[s]" (S.118/Z.31). Doch diese reduzierende Denkweise veranlasst ihn gleich darauf, die Notwendigkeit aller Sehnsüchte und Ziele zu hinterfragen. „Aber wofür der heiße Hunger nach Glückseligkeit? Wofür das Ideal einer uner- reichten Vollkommenheit?" (S.118/Z.31ff.). Die Regieanweisungen „Heftig zitternd“ (S.119/Z.11) und ,,von Schauer geschüttelt" (S.119/Z.15) stehen Karls Ausrufen kontrastierend gegenüber: „Glaubt ihr, ich werde zittern? Geister meiner Erwürgten! Ich werde nicht zittern!" (S.119/Z.9). An dieser Stelle wird deutlich, dass sich Karl etwas vormacht und nicht in Reinen mit seinem Inneren ist. Karl fragt sich anschließend, warum sein „Perillus einen Ochsen" (S.119/Z.16) aus ihm gemacht hat. Er verurteilt demnach die Taten seiner Anhänger, die in seinem Namen vollzogen wurden. Er bedauert es, dass Unschuldige mit Schuldigen leiden müssen. Schon als Schufterle vom Wurf des Babys ins Feuer be- richtet, hat Karl eine tiefe Abneigung gegen die Schandtaten seiner Kumpanen, die nur „um des Rau- bes willen" (S.64/Z.21) morden. Karl ist empört: „O pfui über den Kindermord! den Weibermord! - den Krankenmord! Wie beugt mich diese Tat! Sie hat meine schönsten Werke vergiftet" (S.72/Z.7ff.). Karls Zerrissenheit lässt ihn verzweifeln. Er argumentiert mit sich, indem er „die Pistole vors Gesicht" (S.119/Z.1) hält. Selbstmord beschreibt der Protagonist als einen „einzig[en] Moment", in dem „Zeit und Ewigkeit" (S.119/Z.18f.) aneinander gekettet sind. Zwar schließt die Tat die eine Tür, „das Ge- fängnis des Lebens" (S.119/Z.20); öffnet zugleich aber eine neue, „die Behausung der ewigen Nacht" (S.119/Z.21). Doch dieser Zugang erscheint völlig unerkundet; Karl weiß nicht, was sich dahinter ver- birgt. Deshalb taucht die Frage auf, wohin der Weg ihn wohl führen wird. Doch Karl vernachlässigt im höchsten Moment wieder das Bild dieses „fremde[n], nie umsegelte[n] Land[es]"(S.119/Z.23) und sein Größenwahn und Heldenbewusstsein finden Anklang in seiner Aussage „Ein Mann muss nicht strau- cheln" (S.119/Z.27). Besonders deutlich kristallisieren sich gleichzeitig seine Großmannsucht und seine Selbstbezogenheit heraus, als er prahlerisch sagt, „sei wie du willt, namenloses Jenseits" (S.119/Z.28). Die Krise scheint überwunden und Karl bekennt sich zum eigenen „Selbst“ (S.119/Z.29). Diese Subjektivität unterstreicht er mit seiner Auffassung „Ich bin mein Himmel und meine Hölle" (S.119/Z.31f.). Er sieht sich selbst als richtende Instanz, die über Recht und Unrecht bzw. Leben und Tod entscheidet. Auch später fühlt er sich zur Rache berechtigt, als er „das brüderliche Band" Lyrik und kein' Durchblick?! Da hilft nur noch Klaus Schenck: Königs Fitness: Lyrik. Klasse 11 - 12/13. Bange-Verlag. Von engagierten Schülern empfohlen! 90 95 100 105 110 115 120 125 130 135 140 145 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Schiller: „Die Räuber“ / S. 3 von 4 Ramona (2009) / Vierstündige KA / Lösung: S. 118/Z. 28 – S. 120/Z. 12 (S.124/Z.35) zwischen ihm und Franz für immer auseinanderreißt. Die göttliche Anmaßung, das Recht der Rache zu vollstrecken, verliert Karl erst am Ende, als er das Rechtssystem bejaht und sich dem Gesetz ausliefert. An dieser Stelle erkennt er die Notwendigkeit einer richtenden Instanz in Form von Gesetzen. In Karls Gedanken kreist alles um die Rolle Gottes; er fragt sich, ob sein Werdegang Schicksal ist und sucht nach dem einfachsten Weg aus seiner Verzweiflungshaltung heraus. Schließ- lich wird ihm klar, dass es ganz allein an ihm selbst liegt, Selbstmord zu begehen und diese Entschei- dungsfreiheit kann ihm keiner nehmen. Abermals bekennt sich die Titelfigur zu ihrer eigenen Person, indem sie es selbst „vollenden" (S.120/Z.12) will. Karl will das Elend und die „Qual“ (S.120/Z.11), die das Leben noch für ihn bereithält, auf sich nehmen und nicht feige davonlaufen. Fest entschlossen ,,wirft [Karl] die Pistole weg" (S.120/Z.10f.). Anschließend hat er es also geschafft, die „Qual" an sei- nem ,,Stolz" (S.120/Z.11) erlahmen zu lassen. Ähnliche Verhaltensmuster, die Karl zerrissen zeigen, treten an der Stelle auf, als er behauptet „Titanen“ zerschmettern zu wollen, aber nur „Pygmäen nie- derwarf" (S.72/Z.11f). Seine Ausweglosigkeit erwähnt er aber auch, als er den Eid als Hindernis zur Rückkehr ins väterliche Schloss betrachtet und seine Bande als „Mörder[ ] und „Nattern“ (S.87/Z.15) bezeichnet. Er fühlt sich „angeschmiedet an das Laster mit eisernen Banden" (S.87/Z.16f.). Die Me- lancholieanfälle häufen sich demnach; während der Handlung ergeben sich immer weniger Möglich- keiten zur Umkehr und Karl erkennt sein Fehlverhalten, dennoch bleibt Karl ein Idealist mit gespalte- ner Persönlichkeit, der an sich selbst, nicht aber an der Gesellschaft scheitert. Zunächst einmal handeln die beiden Protagonisten Michael Kohlhaas aus der gleichnamigen Lektüre Kleists und Karl Moor aus „Die Räuber" von Schiller aus unterschiedlichen Beweggründen heraus. Karl scheitert an der ersten Bewährungsprobe seines Charakters, dem Liebesentzug des Vaters. Für ihn ist es vor allem auch aufgrund seiner Kindheit schwer, diesen zu tolerieren, denn der Vater hat ihm nie etwas verboten und Karl keine Grenzen gesetzt. Kohlhaas hingegen handelt nicht aus einer kind- lichen Trotzreaktion heraus, er ist anfangs ein sittlicher Bürger, der das Vertrauen in das Staatssystem verloren hat, da seine Klage auf Grund von Vetternwirtschaft dreimal abgelehnt wurde. Die unter- schiedliche Motivation bedingt eine unterschiedliche Zielsetzung. Während Karl aus einer Kurz- schlussreaktion heraus Hauptmann wird und seine private Kränkung rächend an die Gesellschaft zu- rückgeben will, ist Kohlhaas' Ziel Gerechtigkeit. Er will seine juristisch nachvollziehbare Forderung erfüllt wissen. Beide glauben an Gesetz und Ordnung, aber in verschiedenen Lebenslagen. Karl be- jaht erst am Ende das bestehende Rechtssystem, gegen das er sich zuvor aufgelehnt hat. Kohlhass hat von Beginn an einen tiefen Glauben in die Gesetze, denn sein „Rechtsgefühl“ glich „einer Gold- waage" (S.9/Z.15). Im Laufe der Handlung verliert er zwar sein Vertrauen, doch am Ende nimmt er die Todesstrafe billigend in Kauf und sein Anliegen, „Bestrafung des Junkers, Wiederherstellung der Pferde und Ersatz des Schadens" (S.45/Z.6ff.), wurde pflichtgemäß erfüllt. Karls Rache gegen seinen Bruder vollendet sich in Franz' Selbstmord, doch Karl scheint die Erfüllung seines Rachegedankens nicht stark wahrzunehmen. Zuvor hatte er noch geschworen, „das Licht des Tages nicht mehr zu grü- Ben, bis des Vatermörders Blut, vor diesem Steine verschüttet, gegen die Sonne dampft" (S125/Z.12ff.). Karl verfällt als Bandenchef immer wieder in phasenweise Depressionen, in denen er alle Verantwortung von sich abschiebt und erkennen muss, dass seine Ansprüche in der Realität nicht umsetzbar sind. Kohlhaas hingegen ist sehr zielstrebig und hat keine Melancholiean- fälle, nach wie vor ist für ihn „die Rechtsache[] in der Tat klar" (S.16/Z.32). Er erinnert sich nicht an die Zeit, in der er noch keinen Krieg gegen die Menschheit führte, Karl jedoch schwankt oft in Kindheits- erinnerungen und sehnt sich nach Geborgenheit, was bei der Rückkehr ins Schloss zur Geltung ge- bracht wird. Er möchte, dass die „Elysiumszenen [s]einer Kindheit [ ] zurückkehren“ (S.87/Z.33). Karl bereut am Ende seine Taten, er erkennt, dass „zwei Menschen wie [er] den ganzen Bau der sittlichen Welt zugrund richten würden" (S.148/Z.15ff.), Kohlhaas hingegen bereut keine seiner Taten, er recht- fertigt sich damit, dass „der Krieg, den [er] mit der Gemeinheit der Menschen führe" (S.44/Z.5f.), erst dann zur Missetat wurde, sobald er aus der menschlichen Gemeinschaft verstoßen wurde. Beide Protagonisten weiten ihre Gewalttaten auf die Öffentlichkeit aus, so sterben bei der Rettung Rollers 83 Personen, eine ganze Stadt wird in Brand gesetzt. Auch Kohlhaas zündet mit seiner Bande Städte an, auch zur „Einäscherung von Wittenberg“ (S.32/Z.37) ist er bereit. Karls Hass auf die Menschheit weitet sich aus, schließlich ist er so weit, dass er „den Ozean vergiften" (S.35/Z.14) möchte, damit die Men- schen den Tod aus allen Quellen saufen!" (S.35/Z.14). Beide haben einen ausgeprägten Gerechtig- keitsdrang, Kohlhaas will „Sicherheit für zukünftige [ ] Mitbürger [ ]" (S.11/Z.6f) und Karl will „die Lyrik und kein' Durchblick?! Da hilft nur noch Klaus Schenck: Königs Fitness: Lyrik. Klasse 11 - 12/13. Bange-Verlag. Von engagierten Schülern empfohlen! 150 155 160 165 170 175 180 185 190 195 200 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Schiller: „Die Räuber“ / S. 4 von 4 Ramona (2009) / Vierstündige KA / Lösung: S. 118/Z. 28 – S. 120/Z. 12 Harmonie der Welt" (S.148/Z.33) erzeugen. Sowohl Kohlhaas als auch Karl sind im Laufe der Hand- lung bereit, der Rache ein Ende zu setzen. Karl will, dass Franz „die Früchte [s]einer Untat in Ruhe" (S.109/Z.1) erntet, „[s]eine Gegenwart soll [ihm] den Genuss nicht länger vergällen" (S.109/Z.2). Kohl- haas ist darüber hinaus zur „Vergebung alles Geschehenen" (S.65/Z.30f.) gegenüber den Tronkas bereit. Schon zuvor hatte ihn Lisbeth mit dem Bibelvers zur Vergebung aufgefordert: „Vergib deinen Feinden; tue wohl auch denen, die dich hassen“ (S.27/Z.15). Beide Titelfiguren sind von sich selbst überzeugt, sie wählen nicht den ihnen sich bietenden Ausweg, Karl in Form des Selbstmordes und Kohlhaas, als er die Kapsel gegen sein Leben eintauschen könnte, doch Kohlhaas will am Kurfürsten von Sachsen Rache nehmen: „ich aber kann dir wehtun, und ich will's" (S.90/Z.26). Michael Kohlhaas und Karl Moor überschätzen sich beide und maßen sich eine göttliche Position an. Kohlhaas, als er mit einem große[n] Cherubschwert [ ] und zwölf Knechte[n], mit brennenden Fackeln" (S.42/Z.14) auftritt, und Karl, als er sich selbst als richtende Instanz sieht. Beiden bieten sich viele Gelegenheiten, die Ausschweifungen ihrer Taten wahrzunehmen, die niedergebrannten Städte und zahlreichen Opfer scheinen aber nicht Grund genug zu sein, das Unterfangen zu beenden. Karl wird jeweils noch von seiner Räuberbande angetrieben und durch den Schwur scheint es keinen Ausweg zu geben. Kohl- haas hingegen sucht sich seine Bande selbst zusammen und ergreift Eigeninitiative. Neben Karl orientiert sich auch Kohlhaas am Naturrecht, das von Natur aus angeboren ist. Hierbei allerdings ur- teilen sie nach ihren eigenen Maßstäben und individuellen Bedürfnissen. Außerdem haben sie den Glauben an eine absolute Gerechtigkeit, die es so aber nun einmal nicht geben kann. Beide sehen ihre Machenschaften dennoch als gerecht an, auch wenn Spiegelberg und Schufterle bzw. Na- gelschmidt die Taten ausufern lassen. Karl und Kohlhaas haben jeweils Idealbilder, die zerstört wer- den und so Anlass zum Aufruhr bieten. Karl hat die Vorstellung einer Vaterperson als Hauptinstanz der Normenvermittlung und Kohlhass die eines gerechten Staatssystems. Auf andere Personen, die die beiden bezüglich ihrer falschen Selbsteinschätzung zurechtweisen, können sie nicht bauen. Die Kumpanen sind keine Freunde, nur Bekannte auf ,gesellschaftlicher Ebene'. Selbst beim Tod von Roller und Schweizer zeigt Karl wenig Emotionen; Herse hingegen stirbt früh in der Erzählung und kann Kohlhaas nicht weiter dienen. Karl weist eine narzistische Persönlichkeitsstörung auf, da er nur auf sich konzentriert ist und andere Menschen nicht in selbstloser Weise lieben kann. Erst als Ko- sinsky ihn an seine Amalia erinnert, wächst bei Karl wieder die Sehnsucht nach ihr. Auch Kohlhaas ist so in sein Gerechtigkeitsstreben vernarrt, dass er das Leid der anderen Menschen vernachlässigt. Das Schauspiel „Die Räuber" wirft die Frage auf, ob wir Menschen Gerechtigkeit nicht als Norm der Menschenwürde betrachten sollten. Die Verwirklichung des Menschseins kann nur mit dem Einfluss der Gerechtigkeit allen Bürgern ohne Einschränkungen gewährt werden. Zudem ermöglicht diese Methodik die Verdrängung aufkeimender Rachegedanken. Allein auf diese Weise kann auch die mo- ralische Integrität eines jeden Individuums aufrechterhalten werden. Soziale Verantwortungslosigkeit und durch Emotionslosigkeit hervorgerufene Eiseskälte hingegen stellen die idealistischen Werte und deren Umsetzung in der Lebenspraxis kontrastierend gegenüber. Schiller baut mit Franz ein Hand- lungselement ein, mit dem es ihm gelingt, diesen Materialismus und Rationalismus der Aufklärung zu kritisieren. Leicht lässt sich Schillers Kritik auf das heutige System übertragen; scheinbar unaufhalt- sam fassen Anonymität gepaart mit Unpersönlichkeit Fuß in der Gesellschaft. „Die Räuber“ themati- siert gleichzeitig die Umbruchphase zwischen feudalistischen Strukturen, wie sie der Vater verkörpert, und einer neuen Zeit der Leistung und des Konkurrenzdenkens, wofür Franz steht. Genau dieses Menschenbild vertritt aber auch das 21. Jahrhundert. Schon allein die Tatsache, dass derzeit in eini- gen Ländern der Erde Diktatoren an der Macht sind, verweist hierauf. Neben all dem erscheint vor allem die Ausweitung der Privatverbitterung auf die Öffentlichkeit beängstigend, egal ob durch Ra- chemotivik oder enttäuschtes Vertrauen in das Staatssystem verursacht, wie Karl bzw. Kohlhaas es eindrucksvoll beweisen. Dem Beispiel beider Protagonisten ist wohl nicht nur Tim K. gefolgt, der an einer Schule in Winnenden Amok lief. Gerade in der heutigen Zeit müssen die Verhaltensmuster von Karl Moor und Michael Kohlhaas demnach besonders kritisch hinterfragt werden; es erscheint genau genommen die Pflicht der Mitbürger, das Individuum auf eine falsche Selbsteinschätzung hinzuwei- sen, sodass fehlende Menschenkenntnis und Realitätsferne nicht mehr Beweggründe für Amokläufe bzw. Rachefeldzüge darstellen können. Lyrik und kein' Durchblick?! Da hilft nur noch Klaus Schenck: Königs Fitness: Lyrik. Klasse 11 - 12/13. Bange-Verlag. Von engagierten Schülern empfohlen!

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Karl wendet sich in einem Brief an den Vater, in dem er ihn um Verzeihung für sein leichtsinniges Le- ben bittet. Franz manipuliert daraufhin den Antwortbrief des alten Moor. Karl ist entsetzt über den scheinbaren Liebesentzug des Vaters. Seine Privatverbitterung gegen den Vater löst eine kindliche Trotzreaktion aus, in der er sich zum Amt des Räuberhauptmanns bereit erklärt. Diese Kurzschlussre- aktion ermöglicht es ihm, seinen Privatkrieg in einem Universalhass auf die Menschheit enden zu las- sen. Gleichzeitig eröffnet sich Karl die Gelegenheit, seinen immer schon vorhandenen Freiheitsimpuls, gepaart mit seinem Heldenbewusstsein, ausleben zu dürfen. Verstärkt wird dies noch durch seine Abneigung gegenüber dem Jahrhundert, in dem Karl lebt. Zunächst einmal steht die Rachemotivik im Zentrum von Karls Motivation. Er gibt seine private Krän- kung rächend an die gesamte Gesellschaft zurück. Als dann aber bei der Rettung Rollers Unschuldige mit den Schuldigen leiden müssen und Schufterle von einem Säugling erzählt, den er ins Feuer warf, wird Karl spätestens bewusst, dass seine hohen Ansprüche der Realität kontrastierend gegenüber- stehen. Die Räuber morden nicht aus edlen Motiven, wollen keine Ungerechtigkeiten ausgleichen und die korrupte Obrigkeit nicht strafen. Zunehmend fließen also die sozialen Komponenten in Karls idea- Lyrik und kein' Durchblick?! Da hilft nur noch Klaus Schenck: Königs Fitness: Lyrik. Klasse 11 - 12/13. Bange-Verlag. Von engagierten Schülern empfohlen! 35 40 45 50 55 60 65 70 75 80 85 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Schiller: „Die Räuber“ / S. 2 von 4 Ramona (2009) / Vierstündige KA / Lösung: S. 118/Z. 28 – S. 120/Z. 12 listische Vorstellung einer besseren Welt mit ein und er legt besonders viel Wert auf sein Gerechtig- keitsstreben. Da er seine Ziele mit seiner Räuberbande nicht erreichen kann, verfällt Karl zunehmend in Melancholieanfälle. Er zweifelt an sich selbst und maßt sich auch eine göttliche Position an. Aus einer Gefühlsregung heraus kehrt der Protagonist in die väterliche Idylle zurück. Umso mehr wird ihm deutlich, welche Möglichkeiten einer harmonischen Familienidylle er sich durch sein Räuberleben ver- baut hat. Durch den Eid der Räuberbande ist Karl an seine Kumpanen gebunden und hat keine Chance auf eine Liebesbeziehung mit Amalia und eine Rückkehr ins väterliche Schloss. In der vorlie- genden Textstelle ist die Hauptfigur so sehr verzweifelt, dass sie sich Selbstmordgedanken ausmalt. Doch Karl bewältigt seine Krise mutig und stolz, im Gegensatz zu seinem Bruder Franz, der mit Selbstmord vor der Verantwortung flieht. Im Laufe der Handlung erkennt Karl, dass er sich selbst überschätzt hat und dass sich seine hohen Idealvorstellungen und Wünsche nicht in der Realität verwirklichen lassen. Seine Anhänger morden nur um des Raubes willen" (S.64/ Z.21); Karl hingegen verschenkt die Beute an „Waisenkinder" und „lässt damit arme Jungen von Hoffnung studieren“ (S.64/Z.25 f.). Karl fühlt sich demnach einsam unter seinen Kumpanen, sie haben weder ein Auge für die Schönheit der Natur, noch verstehen sie seine Sehnsüchte nach der der väterlichen Idylle. Aufgrund dessen häufen sich die Melancholieanfälle Karls und seine Depressionen. Auch die vorliegende Textstelle spiegelt die innere Zerrissenheit des Räu- berhauptmanns wider. Die Bande haust in den Wäldern nahe des Moor'schen Schlosses. Zuvor ist Karl ins Schloss zurückgekehrt; doch die Erinnerungen an seine Kindheit und seine Sehnsucht nach Geborgenheit verstärken sich durch seinen Aufenthalt, da sie für Karl in seiner derzeitigen Situation unerfüllbar scheinen. Die „Vaterlandserde! [...], Vaterlandshimmel! Vaterlandssonne!" (S.95/Z.11f.) zeigen ihm, welche Möglichkeiten ihm durch sein Räuberleben verwehrt bleiben. Als Karl sich „die Laute" (S.118/Z.27) reichen lässt, sind seine Anhänger sehr verwundert. Der mutige, tapfere und furchtlose Hauptmann und das gefühlvolle, sinnliche Musikinstrument implizieren einen starken Kon- trast. Durch seine Selbstzweifel büßt Karl auch Autorität gegenüber seinen Anhängern ein, denn ganz am Ende des Schauspiels missachten sie seinen Befehl, mit ihm zu weinen und stehen seiner Aus- lieferung an einen Tagelöhner mit elf Kinder skeptisch gegenüber. In seinem Monolog fragt Karl nach dem Sinn des Lebens. Er sieht das Leben als „verworrene[s] Labyrinth[ ]“ ohne „Ausgang" (S.118/Z.29) und vergleicht den Tod mit dem Ende eines „Marionettenspiel[s]" (S.118/Z.31). Doch diese reduzierende Denkweise veranlasst ihn gleich darauf, die Notwendigkeit aller Sehnsüchte und Ziele zu hinterfragen. „Aber wofür der heiße Hunger nach Glückseligkeit? Wofür das Ideal einer uner- reichten Vollkommenheit?" (S.118/Z.31ff.). Die Regieanweisungen „Heftig zitternd“ (S.119/Z.11) und ,,von Schauer geschüttelt" (S.119/Z.15) stehen Karls Ausrufen kontrastierend gegenüber: „Glaubt ihr, ich werde zittern? Geister meiner Erwürgten! Ich werde nicht zittern!" (S.119/Z.9). An dieser Stelle wird deutlich, dass sich Karl etwas vormacht und nicht in Reinen mit seinem Inneren ist. Karl fragt sich anschließend, warum sein „Perillus einen Ochsen" (S.119/Z.16) aus ihm gemacht hat. Er verurteilt demnach die Taten seiner Anhänger, die in seinem Namen vollzogen wurden. Er bedauert es, dass Unschuldige mit Schuldigen leiden müssen. Schon als Schufterle vom Wurf des Babys ins Feuer be- richtet, hat Karl eine tiefe Abneigung gegen die Schandtaten seiner Kumpanen, die nur „um des Rau- bes willen" (S.64/Z.21) morden. Karl ist empört: „O pfui über den Kindermord! den Weibermord! - den Krankenmord! Wie beugt mich diese Tat! Sie hat meine schönsten Werke vergiftet" (S.72/Z.7ff.). Karls Zerrissenheit lässt ihn verzweifeln. Er argumentiert mit sich, indem er „die Pistole vors Gesicht" (S.119/Z.1) hält. Selbstmord beschreibt der Protagonist als einen „einzig[en] Moment", in dem „Zeit und Ewigkeit" (S.119/Z.18f.) aneinander gekettet sind. Zwar schließt die Tat die eine Tür, „das Ge- fängnis des Lebens" (S.119/Z.20); öffnet zugleich aber eine neue, „die Behausung der ewigen Nacht" (S.119/Z.21). Doch dieser Zugang erscheint völlig unerkundet; Karl weiß nicht, was sich dahinter ver- birgt. Deshalb taucht die Frage auf, wohin der Weg ihn wohl führen wird. Doch Karl vernachlässigt im höchsten Moment wieder das Bild dieses „fremde[n], nie umsegelte[n] Land[es]"(S.119/Z.23) und sein Größenwahn und Heldenbewusstsein finden Anklang in seiner Aussage „Ein Mann muss nicht strau- cheln" (S.119/Z.27). Besonders deutlich kristallisieren sich gleichzeitig seine Großmannsucht und seine Selbstbezogenheit heraus, als er prahlerisch sagt, „sei wie du willt, namenloses Jenseits" (S.119/Z.28). Die Krise scheint überwunden und Karl bekennt sich zum eigenen „Selbst“ (S.119/Z.29). Diese Subjektivität unterstreicht er mit seiner Auffassung „Ich bin mein Himmel und meine Hölle" (S.119/Z.31f.). Er sieht sich selbst als richtende Instanz, die über Recht und Unrecht bzw. Leben und Tod entscheidet. Auch später fühlt er sich zur Rache berechtigt, als er „das brüderliche Band" Lyrik und kein' Durchblick?! Da hilft nur noch Klaus Schenck: Königs Fitness: Lyrik. Klasse 11 - 12/13. Bange-Verlag. Von engagierten Schülern empfohlen! 90 95 100 105 110 115 120 125 130 135 140 145 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Schiller: „Die Räuber“ / S. 3 von 4 Ramona (2009) / Vierstündige KA / Lösung: S. 118/Z. 28 – S. 120/Z. 12 (S.124/Z.35) zwischen ihm und Franz für immer auseinanderreißt. Die göttliche Anmaßung, das Recht der Rache zu vollstrecken, verliert Karl erst am Ende, als er das Rechtssystem bejaht und sich dem Gesetz ausliefert. An dieser Stelle erkennt er die Notwendigkeit einer richtenden Instanz in Form von Gesetzen. In Karls Gedanken kreist alles um die Rolle Gottes; er fragt sich, ob sein Werdegang Schicksal ist und sucht nach dem einfachsten Weg aus seiner Verzweiflungshaltung heraus. Schließ- lich wird ihm klar, dass es ganz allein an ihm selbst liegt, Selbstmord zu begehen und diese Entschei- dungsfreiheit kann ihm keiner nehmen. Abermals bekennt sich die Titelfigur zu ihrer eigenen Person, indem sie es selbst „vollenden" (S.120/Z.12) will. Karl will das Elend und die „Qual“ (S.120/Z.11), die das Leben noch für ihn bereithält, auf sich nehmen und nicht feige davonlaufen. Fest entschlossen ,,wirft [Karl] die Pistole weg" (S.120/Z.10f.). Anschließend hat er es also geschafft, die „Qual" an sei- nem ,,Stolz" (S.120/Z.11) erlahmen zu lassen. Ähnliche Verhaltensmuster, die Karl zerrissen zeigen, treten an der Stelle auf, als er behauptet „Titanen“ zerschmettern zu wollen, aber nur „Pygmäen nie- derwarf" (S.72/Z.11f). Seine Ausweglosigkeit erwähnt er aber auch, als er den Eid als Hindernis zur Rückkehr ins väterliche Schloss betrachtet und seine Bande als „Mörder[ ] und „Nattern“ (S.87/Z.15) bezeichnet. Er fühlt sich „angeschmiedet an das Laster mit eisernen Banden" (S.87/Z.16f.). Die Me- lancholieanfälle häufen sich demnach; während der Handlung ergeben sich immer weniger Möglich- keiten zur Umkehr und Karl erkennt sein Fehlverhalten, dennoch bleibt Karl ein Idealist mit gespalte- ner Persönlichkeit, der an sich selbst, nicht aber an der Gesellschaft scheitert. Zunächst einmal handeln die beiden Protagonisten Michael Kohlhaas aus der gleichnamigen Lektüre Kleists und Karl Moor aus „Die Räuber" von Schiller aus unterschiedlichen Beweggründen heraus. Karl scheitert an der ersten Bewährungsprobe seines Charakters, dem Liebesentzug des Vaters. Für ihn ist es vor allem auch aufgrund seiner Kindheit schwer, diesen zu tolerieren, denn der Vater hat ihm nie etwas verboten und Karl keine Grenzen gesetzt. Kohlhaas hingegen handelt nicht aus einer kind- lichen Trotzreaktion heraus, er ist anfangs ein sittlicher Bürger, der das Vertrauen in das Staatssystem verloren hat, da seine Klage auf Grund von Vetternwirtschaft dreimal abgelehnt wurde. Die unter- schiedliche Motivation bedingt eine unterschiedliche Zielsetzung. Während Karl aus einer Kurz- schlussreaktion heraus Hauptmann wird und seine private Kränkung rächend an die Gesellschaft zu- rückgeben will, ist Kohlhaas' Ziel Gerechtigkeit. Er will seine juristisch nachvollziehbare Forderung erfüllt wissen. Beide glauben an Gesetz und Ordnung, aber in verschiedenen Lebenslagen. Karl be- jaht erst am Ende das bestehende Rechtssystem, gegen das er sich zuvor aufgelehnt hat. Kohlhass hat von Beginn an einen tiefen Glauben in die Gesetze, denn sein „Rechtsgefühl“ glich „einer Gold- waage" (S.9/Z.15). Im Laufe der Handlung verliert er zwar sein Vertrauen, doch am Ende nimmt er die Todesstrafe billigend in Kauf und sein Anliegen, „Bestrafung des Junkers, Wiederherstellung der Pferde und Ersatz des Schadens" (S.45/Z.6ff.), wurde pflichtgemäß erfüllt. Karls Rache gegen seinen Bruder vollendet sich in Franz' Selbstmord, doch Karl scheint die Erfüllung seines Rachegedankens nicht stark wahrzunehmen. Zuvor hatte er noch geschworen, „das Licht des Tages nicht mehr zu grü- Ben, bis des Vatermörders Blut, vor diesem Steine verschüttet, gegen die Sonne dampft" (S125/Z.12ff.). Karl verfällt als Bandenchef immer wieder in phasenweise Depressionen, in denen er alle Verantwortung von sich abschiebt und erkennen muss, dass seine Ansprüche in der Realität nicht umsetzbar sind. Kohlhaas hingegen ist sehr zielstrebig und hat keine Melancholiean- fälle, nach wie vor ist für ihn „die Rechtsache[] in der Tat klar" (S.16/Z.32). Er erinnert sich nicht an die Zeit, in der er noch keinen Krieg gegen die Menschheit führte, Karl jedoch schwankt oft in Kindheits- erinnerungen und sehnt sich nach Geborgenheit, was bei der Rückkehr ins Schloss zur Geltung ge- bracht wird. Er möchte, dass die „Elysiumszenen [s]einer Kindheit [ ] zurückkehren“ (S.87/Z.33). Karl bereut am Ende seine Taten, er erkennt, dass „zwei Menschen wie [er] den ganzen Bau der sittlichen Welt zugrund richten würden" (S.148/Z.15ff.), Kohlhaas hingegen bereut keine seiner Taten, er recht- fertigt sich damit, dass „der Krieg, den [er] mit der Gemeinheit der Menschen führe" (S.44/Z.5f.), erst dann zur Missetat wurde, sobald er aus der menschlichen Gemeinschaft verstoßen wurde. Beide Protagonisten weiten ihre Gewalttaten auf die Öffentlichkeit aus, so sterben bei der Rettung Rollers 83 Personen, eine ganze Stadt wird in Brand gesetzt. Auch Kohlhaas zündet mit seiner Bande Städte an, auch zur „Einäscherung von Wittenberg“ (S.32/Z.37) ist er bereit. Karls Hass auf die Menschheit weitet sich aus, schließlich ist er so weit, dass er „den Ozean vergiften" (S.35/Z.14) möchte, damit die Men- schen den Tod aus allen Quellen saufen!" (S.35/Z.14). Beide haben einen ausgeprägten Gerechtig- keitsdrang, Kohlhaas will „Sicherheit für zukünftige [ ] Mitbürger [ ]" (S.11/Z.6f) und Karl will „die Lyrik und kein' Durchblick?! Da hilft nur noch Klaus Schenck: Königs Fitness: Lyrik. Klasse 11 - 12/13. Bange-Verlag. Von engagierten Schülern empfohlen! 150 155 160 165 170 175 180 185 190 195 200 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Schiller: „Die Räuber“ / S. 4 von 4 Ramona (2009) / Vierstündige KA / Lösung: S. 118/Z. 28 – S. 120/Z. 12 Harmonie der Welt" (S.148/Z.33) erzeugen. Sowohl Kohlhaas als auch Karl sind im Laufe der Hand- lung bereit, der Rache ein Ende zu setzen. Karl will, dass Franz „die Früchte [s]einer Untat in Ruhe" (S.109/Z.1) erntet, „[s]eine Gegenwart soll [ihm] den Genuss nicht länger vergällen" (S.109/Z.2). Kohl- haas ist darüber hinaus zur „Vergebung alles Geschehenen" (S.65/Z.30f.) gegenüber den Tronkas bereit. Schon zuvor hatte ihn Lisbeth mit dem Bibelvers zur Vergebung aufgefordert: „Vergib deinen Feinden; tue wohl auch denen, die dich hassen“ (S.27/Z.15). Beide Titelfiguren sind von sich selbst überzeugt, sie wählen nicht den ihnen sich bietenden Ausweg, Karl in Form des Selbstmordes und Kohlhaas, als er die Kapsel gegen sein Leben eintauschen könnte, doch Kohlhaas will am Kurfürsten von Sachsen Rache nehmen: „ich aber kann dir wehtun, und ich will's" (S.90/Z.26). Michael Kohlhaas und Karl Moor überschätzen sich beide und maßen sich eine göttliche Position an. Kohlhaas, als er mit einem große[n] Cherubschwert [ ] und zwölf Knechte[n], mit brennenden Fackeln" (S.42/Z.14) auftritt, und Karl, als er sich selbst als richtende Instanz sieht. Beiden bieten sich viele Gelegenheiten, die Ausschweifungen ihrer Taten wahrzunehmen, die niedergebrannten Städte und zahlreichen Opfer scheinen aber nicht Grund genug zu sein, das Unterfangen zu beenden. Karl wird jeweils noch von seiner Räuberbande angetrieben und durch den Schwur scheint es keinen Ausweg zu geben. Kohl- haas hingegen sucht sich seine Bande selbst zusammen und ergreift Eigeninitiative. Neben Karl orientiert sich auch Kohlhaas am Naturrecht, das von Natur aus angeboren ist. Hierbei allerdings ur- teilen sie nach ihren eigenen Maßstäben und individuellen Bedürfnissen. Außerdem haben sie den Glauben an eine absolute Gerechtigkeit, die es so aber nun einmal nicht geben kann. Beide sehen ihre Machenschaften dennoch als gerecht an, auch wenn Spiegelberg und Schufterle bzw. Na- gelschmidt die Taten ausufern lassen. Karl und Kohlhaas haben jeweils Idealbilder, die zerstört wer- den und so Anlass zum Aufruhr bieten. Karl hat die Vorstellung einer Vaterperson als Hauptinstanz der Normenvermittlung und Kohlhass die eines gerechten Staatssystems. Auf andere Personen, die die beiden bezüglich ihrer falschen Selbsteinschätzung zurechtweisen, können sie nicht bauen. Die Kumpanen sind keine Freunde, nur Bekannte auf ,gesellschaftlicher Ebene'. Selbst beim Tod von Roller und Schweizer zeigt Karl wenig Emotionen; Herse hingegen stirbt früh in der Erzählung und kann Kohlhaas nicht weiter dienen. Karl weist eine narzistische Persönlichkeitsstörung auf, da er nur auf sich konzentriert ist und andere Menschen nicht in selbstloser Weise lieben kann. Erst als Ko- sinsky ihn an seine Amalia erinnert, wächst bei Karl wieder die Sehnsucht nach ihr. Auch Kohlhaas ist so in sein Gerechtigkeitsstreben vernarrt, dass er das Leid der anderen Menschen vernachlässigt. Das Schauspiel „Die Räuber" wirft die Frage auf, ob wir Menschen Gerechtigkeit nicht als Norm der Menschenwürde betrachten sollten. Die Verwirklichung des Menschseins kann nur mit dem Einfluss der Gerechtigkeit allen Bürgern ohne Einschränkungen gewährt werden. Zudem ermöglicht diese Methodik die Verdrängung aufkeimender Rachegedanken. Allein auf diese Weise kann auch die mo- ralische Integrität eines jeden Individuums aufrechterhalten werden. Soziale Verantwortungslosigkeit und durch Emotionslosigkeit hervorgerufene Eiseskälte hingegen stellen die idealistischen Werte und deren Umsetzung in der Lebenspraxis kontrastierend gegenüber. Schiller baut mit Franz ein Hand- lungselement ein, mit dem es ihm gelingt, diesen Materialismus und Rationalismus der Aufklärung zu kritisieren. Leicht lässt sich Schillers Kritik auf das heutige System übertragen; scheinbar unaufhalt- sam fassen Anonymität gepaart mit Unpersönlichkeit Fuß in der Gesellschaft. „Die Räuber“ themati- siert gleichzeitig die Umbruchphase zwischen feudalistischen Strukturen, wie sie der Vater verkörpert, und einer neuen Zeit der Leistung und des Konkurrenzdenkens, wofür Franz steht. Genau dieses Menschenbild vertritt aber auch das 21. Jahrhundert. Schon allein die Tatsache, dass derzeit in eini- gen Ländern der Erde Diktatoren an der Macht sind, verweist hierauf. Neben all dem erscheint vor allem die Ausweitung der Privatverbitterung auf die Öffentlichkeit beängstigend, egal ob durch Ra- chemotivik oder enttäuschtes Vertrauen in das Staatssystem verursacht, wie Karl bzw. Kohlhaas es eindrucksvoll beweisen. Dem Beispiel beider Protagonisten ist wohl nicht nur Tim K. gefolgt, der an einer Schule in Winnenden Amok lief. Gerade in der heutigen Zeit müssen die Verhaltensmuster von Karl Moor und Michael Kohlhaas demnach besonders kritisch hinterfragt werden; es erscheint genau genommen die Pflicht der Mitbürger, das Individuum auf eine falsche Selbsteinschätzung hinzuwei- sen, sodass fehlende Menschenkenntnis und Realitätsferne nicht mehr Beweggründe für Amokläufe bzw. Rachefeldzüge darstellen können. Lyrik und kein' Durchblick?! Da hilft nur noch Klaus Schenck: Königs Fitness: Lyrik. Klasse 11 - 12/13. Bange-Verlag. Von engagierten Schülern empfohlen!