Unmündigkeit in der modernen Welt
In unserer digitalisierten Welt erleben wir täglich Formen selbstverschuldeter Unmündigkeit. Apps erledigen unsere Einkäufe, steuern unsere Heizungen und nehmen uns zahlreiche Entscheidungen ab. Wir machen es uns bequem, doch was passiert dabei mit unserem Denkvermögen?
Diese Frage greift Juli Zeh in ihrem 2009 erschienenen Roman "Corpus Delicti" auf. Sie entwirft darin eine zukünftige Gesundheitsdiktatur, in der der Staat unter dem Vorwand des Gemeinwohls die Mündigkeit der Bürger untergräbt. Der Roman lässt sich hervorragend mit Immanuel Kants Text "Was ist Aufklärung?" (1784) in Verbindung bringen.
Kants berühmte Definition der Aufklärung als "Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit" wird in Zehs Dystopie auf die Probe gestellt. Wie entwickelt sich die Protagonistin Mia Holl in diesem System? Kann sie ihre eigene Stimme in der Masse erheben?
Denkanregung: Welche "Vormünder" übernehmen in deinem Alltag Entscheidungen für dich? Smarte Technologien machen vieles leichter – aber fördern sie deine Mündigkeit oder deine Bequemlichkeit?











