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Schriftliches Deutsch-Abitur (Baden-Württemberg): 1. Aufgabe: Pflichtlektüre (allgem.-bild. Gymnasium und Berufliches Gymnasium gemischt)

15.12.2020

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1. Erläuterung der Aufgabenstellung / Gesamtüberblick:

www.KlausSchenck.de/KA: Werkvergleich mit Außentext/J2 / allgemeinbildendes Gymnasium 1. Erläuterung der Aufgabenstellung / Gesamtüberblick: Aufbau des Aufsatzes Aufgabe I - Werkvergleich mit Außentext Worum es bei dieser Aufgabe geht: Zwei der drei Pflichtlektüren (,,Sternchenthemen") werden in Bezug auf ein bestimmtes Thema miteinander verglichen - unter Einbeziehung eines dritten Textes, des ,,Außentextes". Dieser gibt die thematische Perspektive des Werkvergleichs vor. Was sind Außentexte? Es handelt sich in der Regel um kurze Sachtexte, etwa aus Philosophie, Gesellschaftswissenschaften oder Literaturwissenschaft, oder um Aphorismen (kurze prägnante Aussagen). Umfang: ca. 15-125 Wörter. Welche Funktion haben die Ausgangstexte? Sie geben ein Thema für den Vergleich vor. Sie vertiefen den Vergleich der beiden Sternchenthemen, indem sie das jeweilige Thema konkretisieren und eine Deutungshypothese eröffnen. Welche Textarten können zum Außentext werden? Es kann sich beispielsweise um kurze Statements von Autoren oder Ausschnitte aus Sachbüchern, Zeitungen (Feuilleton) oder Zeitschriften handeln. Die Texte sollen nicht missverständlich oder deutungsintensiv sein. Wie lauten die Aufgabenstellungen? Es handelt sich um zweiteilige Aufgaben mit folgendem Aufbau: Textausschnitt aus einer Pflichtlektüre Teilaufgabe 1 - Interpretation, etwa: ,,Interpretieren Sie diesen Textauszug; beziehen Sie dabei das für das Verständnis Wesentliche aus der vorangegangenen Handlung ein." Außentext von XY ● Teilaufgabe 2 - Untersuchen / Erörtern, etwa: ,,Untersuchen Sie in einer vergleichenden Betrachtung die Beziehung zwischen A und B sowie C und D und überprüfen Sie dabei, ob XYS These für beide Paare Gültigkeit besitzt." Welche Rolle...

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spielt der Außentext? Es gibt zwei Möglichkeiten: a) Der Außentext stellt das Vergleichsthema dar, um das sich die Untersuchung drehen soll. Er ist also Ausgangspunkt des Werkvergleichs, etwa: ,,Erörtern Sie in einer vergleichenden Betrachtung, inwieweit XY's These des,genialen Versagers' auf Harry Haller und Faust zutrifft. b) Der Außentext ergänzt den Vergleich um einzelne Aspekte, etwa: ,,Vergleichen Sie die Beziehung zwischen Faust und Margarete sowie zwischen Harry und Hermine, und überprüfen Sie, ob die These von XY auf beide Beziehungen zutrifft." www.KlausSchenck.de/KA: Werkvergleich mit Außentext / J2 / allgemeinbildendes Gymnasium 2. differenzierter Überblick: Aufbau des Aufsatzes mit Tipps und Formulierungshilfen / S. 1 Interpretation und übergreifende Aufgabe (Werk im Kontext) Einleitung: Basissatz (oder kurzer Abschnitt): Dichter/Autor, Titel, Jahr der Erstveröffentlichung und zusammen- fassende Aussage zur Thematik des Romans, der Erzählung, des Dramas, die zum Aufsatzthema passt. Formulierungshilfen: Im Mittelpunkt steht ...; ... Aufgabe, Herausforderung, Problem, Ziel des Pro- tagonisten ist ...; gekennzeichnet durch....; im Spannungsfeld von, zerrissen / hin- und hergerissen zwischen ...; geprägt durch Erfahrung(en)/Widerstreit/ Erkenntnis...; Entwicklung zum ...; Schei- tern an ... u.v.a. Einordnung der Textstelle in den Gesamtkontext des Dramas bzw. in den vorangehenden Handlungs- zusammenhang (je nach Aufgabenstellung): ● Thema / Konflikt... in der Textstelle ● Ausgangssituation: Was geht der Textstelle voraus (unbedingt unmittelbar vorausgehenden Text lesen!) ,,Ergebnis" - Wie geht es weiter? → Funktion für den / die Protagonisten, ihre Konflikte; Entscheidungssituation, Entwicklung, Erkennt- nisse, Einsichten, weiteres Verhalten ... Formulierungshilfen: beleuchtet die Lage von...; enthält zentrale Aussagen zu ...; zeigt, dass ...; in der Folge wird deutlich, dass ... Kurze Einordnung (Anfang/ Mitte / Ende) Kurze Vorstellung der wichtigen Figuren Hauptteil I: Zusammenfassung der Handlung der Textstelle (Wo? Wer? Was? Warum?). ➡ Tipp 1: Gliederung der Textstelle. ➡ Tipp 2: Kennzeichnet in den Vorarbeiten für jeden Abschnitt die wichtigste(n) Äußerung(en) → So könnt Ihr besser Schwerpunkte setzen. Interpretationshypothese, die im Verlauf der Handlung bestätigt, widerlegt oder differenziert wird. ➡Tipp 3: Durch das Zitat der zweiten Aufgabenstellung wird eine Richtung vorgegeben, an der Ihr Euch orientieren könnt. Formulierungshilfen: In der Textstelle wird deutlich...; im Konflikt... zeigt sich; die Szene ist eine entschei- dende Schlüsselstelle...; die Szene charakterisiert ...; der Protagonist macht die grundlegende Erfahrung..., erkennt ..., bewältigt..., scheitert ... u.v.a. Interpretation: ➤ z.B. abschnittsweise, konzentriert auf die jeweils wichtigsten Stellen (s.o. Tipp 1, 2) ➤ z.B. aspektorientiert/thematisch, orientiert an der Deutungshypothese (s. Tipp 3): Mögliche Schwerpunktaspekte: Figur(en) - (Gesprächs-)Verhalten, Konflikt, Beziehungen und Konstellationen; Entwicklung; Selbstbild - Fremdbild; Perspektiven, Wahrnehmung ... Weg / Entwicklung innerhalb der Textstelle Darstellung unter Einbezug weiterer ausgewählter Aspekte: ● ● ● Dialoganalyse Gestaltung des Raumes / Ortes (Motive, Symbolik, Bedeutung für den/die Protagonisten, gesellschaftli- che Bedeutung, Stimmung,...) Gestaltung der Zeit (Rückblicke; Verschränkung der Zeitebenen; Zeitraffung, - dehnung ...) → Darstellung / Rolle des Erzählers Wirkung auf die Leser? Verhältnis zum Leser? Leserlenkung? Perspektive / Wahrnehmung (Realität / Illusion / Traum / Phantasie / magische Welt / innere Welt ...) Motive, Symbole, auch im Vergleich mit anderen Textstellen /Kontextbezug Bildlichkeit, Vergleiche, Metaphern, Personifikationen ... Weitere Aspekte der sprachlichen Gestaltung: 5 10 20 25 30 www.KlausSchenck.de/KA: Werkvergleich mit Außentext/J2 / allgemeinbildendes Gymnasium 5. Schülerarbeit-1 (KA: ,,Goldener Topf" / ,,Steppenwolf") / S. 1 35 Interpretation und Werkvergleich mit Außentext / Aufgabentyp I 15 große Qualen erleidet. Neben ihm auf dem Repositorium befinden sich weitere ,,Gefangene", die ihren aktuellen Aufenthalt allerdings nicht als eine Gefangenschaft wahrnehmen, sondern als einen entspannten Augenblick auf der Elbbrücke, herabblickend auf das Wasser. Auf sein Rufen hin (S. 83) bemerkt Serpentina Anselmus Verzweiflung und erleichtert seine Qualen in der zu analysierenden Szene. Seine Situation bessert sich damit noch nicht grundlegend, denn der Student wird mit dem Auftauchen des Äpfelweibs konfrontiert. Schließlich erfährt man in der weiteren Handlung, dass deren Plan, den goldenen Topf zu rauben und Serpentina zu töten, nicht aufgeht, stattdessen erliegt sie dem Feuertod in einem Kampf gegen den Archivarius. E.T.A. Hoffmann (1776-1822): Der goldne Topf (10. Vigilie, Auszug) Hermann Hesse (1877-1962): Der Steppenwolf Das Märchen, aus der neuen Zeit",,Der goldne Topf" aus dem Jahr 1814 von dem Autor E.T.A Hoffmann handelt von dem Sonderling Anselmus, der sich in der bürgerlichen Welt nicht mehr zurechtfinden kann. Deshalb entfremdet er sich, veranlasst durch die Begegnung mit magischen Erscheinungen, in kleinen Schritten. Sein Benehmen ist für sein Umfeld ein Rätsel und wird zum Teil als Ausbruch von Wahnsinn gedeutet. So wird eine Duplizität der Welterfahrung dargestellt, mit der Gegenüberstellung von geordneter und engstirniger Bürgerwelt und der fantastischen Poesiewelt. Zuerst leugnet der Protagonist dabei seine übernatürlichen Erfahrungen und tut sie als Träumereien ab. Mit der Zeit jedoch lässt er sich auf die neue Welt ein und kann mithilfe des Einflusses von Serpentina und dem Archivarius Lindhorst seine wahre Bestimmung als Dichter in Atlantis finden. Die zu analysierende Szene befindet sich in der zehnten von zwölf Vigilien, ziemlich am Ende des Märchens. Unmittelbar davor wurde Anselmus wegen seines Verhaltens, der Leugnung der Phantasie beziehungsweise der Abwendung von Serpentina, die zu einem Klecks auf einer der kostbaren Handschriften des Archivarius Lindhorst führten, in eine Kristallflasche eingesperrt (9. Vig.), in der er In der Szene schwebt Anselmus also die Ausweglosigkeit seiner Situation vor Augen, welche mit dem Auftauchen des Äpfelweibs noch verstärkt wird. Er steht vor der Entscheidung, ob er sich in der bürgerlichen Welt festhalten lässt oder mithilfe des Einflusses von Serpentina in der Lage ist, sich einzig und allein auf sein Gefühl zu verlassen und sich seinen fantastischen Träumen hinzugeben. In der Textstelle wird die poetische Welt von Atlantis, verbunden mit Serpentina, der bürgerlichen Welt gegenübergestellt. Dabei wird deutlich, dass die anderen Bürger keine transzendenten Erfahrungen machen können und ihnen somit Werte wie ,,Freiheit" (Z. 2) oder das eigentliche ,,Leben" (Z. 2) verwehrt bleiben. Die Gesellschaft bewegt sich nämlich mehr oder weniger engstirnig durch das Leben, sodass sie, wie die Praktikanten und Kreuzschüler zeigen, auch ,,den Druck des Gefängnisses" (Z. 2f.) nicht spüren, da für sie diese Lebensweise bereits zur Routine wurde. Insgesamt sind die Menschen oft nicht offen für neue Welterfahrungen, wie sie der Anselmus auf wundersame Weise erleben durfte durch das Schauen der ,,holden Serpentina" (Z.1) und des damit verbundenen Lebens in Harmonie und Sinnlichkeit, das durch den goldenen Topf symbolisiert wird (vgl. 6. Vigilie). Bereits an dieser Stelle wird deutlich, dass sich Anselmus deutlich stärker zur fantastischen Welt hingezogen fühlt, denn er behauptet, dass er in ,,Schmach und Elend" (Z. 4) vergehen wird, wenn er nicht aus der Kristallflasche befreit wird, welche symbolisch die Enge der bürgerlichen Welt darstellt. Aber www.KlausSchenck.de/KA: Werkvergleich mit Außentext / J2 / allgemeinbildendes Gymnasium 4. Erwartungshorizont (KA: ,,Goldener Topf“ / „Steppenwolf") / S. 1 Werkvergleich mit Außentext - mögliche Ergebnisse Einleitung: mögliche Bausteine: A., zerrissen zwischen bürgerlicher Welt und dem Wunsch nach Zugehörigkeit einerseits, der Sehnsucht nach einem anderen Leben, dem Leben in der Phantasie, als Dichter andererseits. Der innere Konflikt spiegelt sich in seiner Situation zwischen den beiden Frauen: der bürgerlichen Veronika, die ihn heiraten möchte, wenn er Hofrat worden", und der märchenhaften Serpentina, der Tochter seines Mentors Archiva- rius Lindhorst, zu der er sich hingezogen fühlt. Der Konflikt wird auf einer symbolischen Ebene dargestellt, indem A. sich zwischen einem bürgerlichen Leben als Hof- rat und einem Leben in der phantastischen Welt Atlantis entscheiden muss. Die beiden Welten spiegeln sich in den magischen Mächten des Archivarius Lindhorst und dem hexenhaften Äpfelweib. Beim Abschreiben altertümlicher Handschriften in der phantastischen Bibliothek Lindhorsts entdeckt er seine Bega- bung zur Dichtung. Einordnung: A. in der Kristallflasche, weil er - nach dem Versprechen, Veronika zu heiraten - beim Abschreiben einen Klecks auf eine kostbare Handschrift gemacht hat. Wie von seinem Mentor, Archivarius Lindhorst, angekündigt, wird er dafür bestraft. Hintergrund: A. im Zwiespalt zwischen zwei Frauen / zwei Lebensentwürfen - Veronika Paulmann / bürgerliche Welt/ Karriere als Hofrat und Serpentina, eine der Töchter des Archivarius/phantastische Welt/Leben in der Poesie bzw. als Dichter. Er schwankt zwischen den beiden Möglichkeiten. => Zentrale Entwicklungsaufgabe des ,,Helden" Anselmus, der mit einer besonderen Wahrnehmungsfähigkeit begabt ist, angelegt in der 1. Vigilie, wo ihm das Äpfelweib nach seiner (aussage- und symbolträchtigen) Tollpatschigkeit den ,Fall ins Kristall' (Z. 18, vgl. S. 5, Z. 20) ankündigte. Surreale Situation zwischen Phantasie und Realität: Er sieht die früheren Praktikanten beim Archivarius ebenfalls in Kristallflaschen, während sie A. auslachen, weil sie ja auf der Elbbrücke stehen. → Symbolische Deutung: Unterschiedliche Wahrnehmung: Für A. stellt die bürgerliche Welt ein Gefängnis dar. Interpretationshypothese: A. befindet sich in der entscheidenden Bewährungsprobe, in der er sich für ein Leben als Dichter und gegen ein bürgerliches Leben mit Veronika entscheidet. Sein innerer Kampf wird im Folgenden im Kampf zwischen dem Äpfelweib und dem Archivarius verbildlicht. Interpretation: Personaler Erzähler - ermöglicht Sich-Einlassen auf Anselmus' Sicht, zeigt Sympathie für A.; später eher szenisches Erzählen: mehr Distanz, als es um die Entscheidung des Anselmus trotz der Manipulationsversuche des Äpfelweibs geht. Anselmus' Erkenntnis und Entscheidung: Einsicht in seinen Fehler (vgl. S.83)→ Ruf nach Serpentina: seine eigentli- che Liebe (Synästhesien, Onomatopoesie): Symbolik des Lichts, das in sein ,,Gefängnis" strahlt, es,dehnt'. → Sie appelliert an seine inneren Werte; Vertrauen in sie, Wahrnehmung ihrer Gegenwart erleichtern das Leben in der Flasche (Vgl. auch Kontext). → A. erträgt lieber Qualen in der Flasche, als auf das Angebot des Äpfelweibs (Lautmalerei, u-Laute; Wortwahl: ab- wertend) einzugehen → weist sie energisch ab (Abwertung, Beschimpfung): erstmals bewusste eigenständige Ent- scheidung. Seine Schlussrede zeigt sein Aufgewühltsein (Gedankenstriche, Wiederholungen, ,,Satans-Geburt"/Assozi- ationen zur Hölle). Äpfelweib: Hintergrund; Dialoganalyse - Manipulationsversuche durch überlegene Haltung, herablassendes Schmei- cheln (ironische Anspielung auf die Nase), nicht einhaltbares Versprechen, weil A. im bürgerlichen Kristall gefangen bleibt, wenn er Veronika heiratet. Ironische Darstellung. Motive: Kristall - symbolisch für (weiße) Magie, vgl. goldener Topf, Stimmen im Holunderbusch; aber auch für die Gefangenschaft im bürgerlichen Leben (10. Vig.); Verknüpfung mit Spiegelmotiv → Selbsterkenntnis (goldener Topf), ebenfalls ambivalent (Aber: Veronikas magischer Spiegel ist aus Metall, nicht Kristall! Vgl. 7. und 9 Vigilie). Vs. ,,Kaffeekanne" - Symbol der bürgerlichen Welt, hier beschädigt, alt, schmutzig → Zuspitzung, Pervertierung der bürgerlichen Welt, die alles Höhere, Phantastische zugunsten von Karriere (Hofrat) und Profit (vgl. das Äpfelweib in der 1. Vigilie!) eliminieren will. 5 10 15 20 25 30 35 www.KlausSchenck.de/KA: Werkvergleich mit Außentext / J2 / allgemeinbildendes Gymnasium 3. Aufgabenstellung (,,Goldener Topf" / "Steppenwolf") / S. 1 J 2 Deutsch 2. Klausur 20.12.2018 Werkvergleich mit Außentext E.T.A. Hoffmann (1776-1822): Der goldne Topf Hermann Hesse (1877-1962): Der Steppenwolf >>Ach<<, seufzte der Student, »die schauten niemals die holde Serpentina, sie wissen nicht, was Freiheit und Leben in Glauben und Liebe ist, deshalb spüren sie nicht den Druck des Gefängnis- ses, in das sie der Salamander bannte ihrer Torheit, ihres gemeinen Sinnes wegen, aber ich Un- glücklicher werde vergehen in Schmach und Elend, wenn sie, die ich so unaussprechlich liebe, mich nicht rettet.<< - Da wehte und säuselte Serpentinas Stimme durch das Zimmer: »Anselmus! - glaube, liebe, hoffe!<< - Und jeder Laut strahlte in das Gefängnis des Anselmus hinein, und das Kristall mußte seiner Gewalt weichen und sich ausdehnen, daß die Brust des Gefangenen sich regen und erheben konnte! - Immer mehr verringerte sich die Qual seines Zustandes, und er merkte wohl, daß ihn Serpentina noch liebe, und daß nur sie es sei, die ihm den Aufenthalt in dem Kristall erträglich mache. Er bekümmerte sich nicht mehr um seine leichtsinnigen Unglücks- gefährten, sondern richtete Sinn und Gedanken nur auf die holde Serpentina. - Aber plötzlich entstand von der andern Seite her ein dumpfes widriges Gemurmel. Er konnte bald deutlich be- merken, daß dies Gemurmel von einer alten Kaffeekanne mit halbzerbrochenem Deckel her- rührte, die ihm gegenüber auf einem kleinen Schrank hingestellt war. Sowie er schärfer hin- schaute, entwickelten sich immer mehr die garstigen Züge eines alten verschrumpften Weiber- gesichts, und bald stand das Äpfelweib vom Schwarzen Tor vor dem Repositorium. Die grinsete und lachte ihn an und rief mit gellender Stimme: »Ei, ei, Kindchen! - mußt du nun ausharren? - Ins Kristall nun dein Fall! – hab' ich dir's nicht längst vorausgesagt?« »Höhne und spotte nur, du verdammtes Hexenweib«<, sagte der Student Anselmus, »du bist schuld an allem, aber der Sala- mander wird dich treffen, du schnöde Runkelrübe!«<->>Ho, ho!«< erwiderte die Alte, »nur nicht so stolz! Du hast meinen Söhnlein ins Gesicht getreten, du hast mir die Nase verbrannt, aber doch bin ich dir gut, du Schelm, weil du sonst ein artiger Mensch warst, und mein Töchterchen ist dir auch gut. Aus dem Kristall kommst du aber nun einmal nicht, wenn ich dir nicht helfe; hinauflan- gen zu dir kann ich nicht, aber meine Frau Gevatterin, die Ratte, welche gleich über dir auf dem Boden wohnt, die soll das Brett entzweinagen, auf dem du stehst, dann purzelst du hinunter, und ich fange dich auf in der Schürze, damit du dir die Nase nicht zerschlägst, sondern fein dein glattes Gesichtlein erhältst, und ich trage dich flugs zur Mamsell Veronika, die mußt du heiraten, wenn du Hofrat worden.<< »Laß ab von mir, Satans-Geburt«<, schrie der Student Anselmus voller Grimm, »>nur deine höllischen Künste haben mich zu dem Frevel gereizt, den ich nun abbüßen muß. - Aber geduldig ertrage ich alles, denn nur hier kann ich sein, wo die holde Serpentina mich mit Liebe und Trost umfängt! - Hör' es, Alte, und verzweifle! Trotz biete ich deiner Macht, ich liebe ewiglich nur Serpentina - ich will nie Hofrat werden - nie die Veronika schauen, die mich durch dich zum Bösen verlockt! - Kann die grüne Schlange nicht mein werden, so will ich unter- gehen in Sehnsucht und Schmerz! - Hebe dich weg - hebe dich weg - du schnöder Wechsel- balg!<< Der goldne Topf, 10. Vigilie (Auszug), Stuttgart: reclam 2016, S. 84, Z. 32 - S. 86, Z. 18. 5 10 15 20 25 30 35 www.KlausSchenck.de/KA: Werkvergleich mit Außentext / J2 / allgemeinbildendes Gymnasium 5. Schülerarbeit-2 (KA: ,,Goldener Topf" / ,,Steppenwolf") / S. 1 Interpretation und Werkvergleich mit Außentext/ Aufgabentyp I E.T.A. Hoffmann (1776-1822): Der goldne Topf (10. Vigilie, Auszug) Hermann Hesse (1877-1962): Der Steppenwolf E.T.A. Hoffmanns Erzählung ,,Der goldne Topf" aus der Epoche der Romantik, verfasst im Jahre 1813/14, handelt von dem jungen Studenten Anselmus. Zu Beginn zeichnet er sich durch sein tollpat- schiges Verhalten und zahlreiche Unglücksfälle aus, welche ihn zum Außenseiter in der Gesellschaft machen und immer wieder zu Melancholie führen. Der Autor thematisiert die damalige Gesellschaft und hinterfragt kritisch das Verhältnis von Bürgertum und der Künstlerschaft und den damit verbun- denen Unterschied zwischen Zweckehe und Seelenliebe. Denn Anselmus ist anders als die normal sterblichen ,,Philister", die durch eine eingeschränkte Sichtweise auf das Leben gekennzeichnet sind. Anselmus besitzt, dank seines kindlich-poetischen Gemüts, eine Offenheit für das Poetische und Traumhafte. Aufgrund seiner ,,überspannten Einbildungskraft", wie die Philister es nennen würden, kann er ganz in die phantastische Märchenwelt, mit goldgrünen Schlangen, Salamandern und Feuerli- lien, eintauchen und nach Bewältigung einiger Prüfungen die alltägliche Welt verlassen. Dank seiner persönlichen Voraussetzung und der Ausbildung beim Archivarius Lindhorst findet er seine wahre Be- rufung als Dichter und Liebender Serpentinas in der Märchenwelt Atlantis. Die vorliegende Textstelle befindet sich in der zehnten Vigilie und damit relativ weit am Ende des Wer- kes. Der Vigilie voran geht das retardierende Moment, als die Auswirkungen des Zaubers Veronikas, mit der Hilfe des Äpfelweibs, fruchten und Anselmus immer mehr an Veronika denken muss (vgl. Vigilie 9). Mit dem Blick in den verhexten Metallspiegel verkündet Anselmus sein Liebesbegehren und sein Heiratsversprechen für Veronika. Daraus resultiert, dass er die mythische Welt als Einbildung abwer- tet. Nach einer vom Alkohol gepra Abendgesellschaft der Bekannten, Paulmann, Veronika und Heerbrand, kehrt Anselmus am nächsten Tag zu seiner Arbeit beim Archivarius Lindhorst zurück und muss mit Erstaunen feststellen, dass das zuvor wunderbare Haus nun vollkommen gewöhnlich und keineswegs zauberhaft erscheint. Anschließend begeht er, mit dem Klecks auf die Abschrift, den Ko- pierfehler, vor welchem ihn Lindhorst gewarnt hatte. Der Archivarius Lindhorst lebt seit seiner Verban- nung aus dem Zauberreich Atlantis, veranlasst durch den Geisterfürst Phosphorus, als Dresdner Bürger auf der Erde und seine drei Töchter erscheinen in der Gestalt grüner Schlangen, bis der Fluch gebro- chen wird. Dies ist der Fall, wenn sich in jede der drei Schwestern ein junger Mann mit kindlich-poeti- schem Gemüt verliebt. Lindhorst bestraft Anselmus für seine Untreue zu Serpentina dann mit dem Einsperren in die Kristall- flasche, in welcher er sich zu dem Zeitpunkt der Textstelle immer noch befindet. Anschließend folgt der Endkampf zwischen Lindhorst und dem Äpfelweib, welcher mit der Niederlage und Vernichtung des Äpfelweibs, außerdem der Befreiung des Anselmus aus der Flasche und seiner schließlichen Vereinigung mit Serpentina endet. Nach der Einleitung Anselmus' körperliches und seelisches Befinden in der Flasche, durch eine di- rekte Ansprache des Erzählers an den Leser, mit welcher der Ich-Erzähler den Leser auffordert sich in die Qualen des Anselmus hineinzuversetzen, wechselt die Perspektive des Erzählers wieder zu dem personalen Erzählen, bei welchem die Subjektivität der Wahrnehmung den Leser in Bezug auf den Re- alitätsgehalt weiter verunsichern soll. www.KlausSchenck.de/KA: Werkvergleich mit Außentext / J2 / allgemeinbildendes Gymnasium 3. Aufgabenstellung (,,Goldener Topf" / ,,Steppenwolf") / S. 2 Aufgaben: Interpretiere die Textstelle. Beziehe das für das Verständnis Wesentliche aus der vorangehenden Handlung mit ein. Untersuche in einer vergleichenden Betrachtung die Bedeutung von Träumen und Illusionen für Anselmus in E.T.A. Hoffmanns Erzählung ,,Der goldne Topf" und für Harry Haller in Hermann Hes- ses Roman ,,Der Steppenwolf". Beziehe dabei die These von Mark Twain ein: Erörtere, ob und in- wieweit sie für die Protagonisten zutrifft. "Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben." Mark Twain (1835-1910), amerikanischer Schriftsteller Hilfsmittel: Hinweise: Werkausgaben, Duden Die Arbeitszeit umfasst vier Stunden. Der Interpretation zählt etwa zur Hälfte. Die sprachliche Form zählt ungefähr ein Drittel. 40 45 50 55 60 65 70 75 80 www.KlausSchenck.de/KA: Werkvergleich mit Außentext / J2 / allgemeinbildendes Gymnasium 5. Schülerarbeit-1 (KA: ,,Goldener Topf" /,,Steppenwolf") / S. 2 Serpentina scheint Anselmus aufgrund seiner vorangegangenen Einsicht in seinen Fehler, dass es nicht in Ordnung war sie zu leugnen (vgl. S. 83 Z. 21ff.), seinen Fehltritt in gewisser Weise verziehen zu haben. Das vermittelt sie mit der religiösen Formel ,,glaube, liebe, hoffe!" (Z.6), um ihm neue Hoffnung zu geben und ihn zum Durchhalten zu animieren. An dieser Stelle wird deutlich, dass die Stimmung umschlägt und Anselmus wie ausgewechselt erscheint, als er neue Hoffnung auf die Rettung aus seiner Gefangenschaft, der bürgerlichen Welt, bekommt und sogar wieder bessere Laune hat. Dabei wird die Besserung seines Zustandes mittels einer Synästhesie eingeleitet; durch das in sein „Gefängnis" strahlende Sprechen Serpentinas dehnt sich dieses aus und seine Qual verringert sich durch die Wahrnehmung der Anwesenheit der Schlangenfrau (vgl. Z.6ff). Angezeigt durch einen Gedankenstrich wechselt der Schauplatz wieder in die negativ beleuchtete Welt der Bürger, wobei schon das ,,dumpfe widrige(...) Gemurmel" (Z.12) ein Indiz für das erneute Auftauchen der schwarzen Magie ist, denn diese erscheint meist dunkel und angsteinflößend. Ein weiterer Hinweis auf Magie ist die Verwandlung der ,,Kaffeekanne mit halbzerbrochenem Deckel" (Z. 13) in das ,,alte verschrumpfte(...) Weibergesicht" (Z. 14f.). Die Kaffeekanne hat ebenfalls symbolischen Charakter und kann als ein Symbol der bürgerlichen Welt gedeutet werden; dass sie alt, verbraucht und schmutzig ist, weist auf einen Schauplatz hin, an dem man sich eigentlich nicht wohlfühlt. Die Gestalt des Äpfelweibs zeigt übernatürliche Züge und erinnert an eine Hexe, die böse Absichten im Hinterkopf hat. Zum anderen gibt es in ihrer hämischen Anrede (vgl. Z. 17f.) einen Verweis auf die erste Vigilie (vgl. S. 5 Z. 20), in der das Äpfelweib den Anselmus verflucht und ihm bereits durch die erneut angeführte Formel ,,ins Kristall nun dein Fall" (Z. 18) sein aktuelles Schicksal vorausgesagt hat, was zeigt, dass sie sehr einflussreich ist und das durchsetzt, was sie sich vornimmt, was für den Anselmus selbst nicht gerade von Vorteil ist. Dabei führt sie im Weiteren zwar an, dass sie dem Anselmus gut ist (vgl. Z. 19f.), aber eigentlich ist genau sie die Schuldige an Anselmus Schicksal, denn sie ist diejenige, die ihn mithilfe des magischen Spiegels kontinuierlich in die Arme Veronikas treiben und ihm gleichzeitig Serpentina aus dem Kopf schlagen wollte (vgl. 7., 9. Vig.). Zudem möchte das Äpfelweib auch in keiner Weise auf seine jetzigen Interessen eingehen, sondern ihn schlichtweg in der bürgerlichen Welt festhalten (vgl. Z. 22). Sie bezeichnet Veronika als ihr ,,Töchterchen" (Z.22), was zeigt, dass sie das Mädchen bereits in ihren Bann ziehen konnte und jetzt nur noch Anselmus fehlt, um sie zufrieden zu stellen. Außerdem zeigt sie sich sehr selbstüberzeugt und macht ironische Anspielungen, denn sie versucht Anselmus weiszumachen, dass sie die Einzige ist, die ihn retten kann (vgl. Z. 23). So trichtert sie Anselmus ein, dass sie für seine Rettung einen großen Aufwand auf sich nehmen würde und sie Acht auf ihn geben würde, dass er sich nicht an seiner Nase verletzt (vgl. Z. 24ff.). Das ist eine Anspielung auf den Vorfall beim Archivarius in der vorangegangenen Handlung, als Anselmus ihr die Nase verbrannt hat, um ungehindert in das Haus gelangen zu können (vgl. Vigilie 6). Diese ganze Rede ist in der Weise ironisch, da das Äpfelweib nie die Absicht hatte, Anselmus aus dem bürgerlichen Zwang zu befreien, sondern ihn stattdessen durch eine Heirat mit Veronika noch fester an diese Welt binden möchte (vgl. Z. 27). Schlussendlich kommt Anselmus in der Szene zur Besinnung und weiß, was er wirklich möchte (vgl. Z. 28). So scheint er das Spiel des Äpfelweibs durchschaut zu haben und tituliert nun sie als ,,Satans- Geburt" (Z. 28), während das in der ersten Vigilie noch umgekehrt war und er als ,,Satans-Kind" (S. 5 Z. 19) abgestempelt wurde. Das zeigt, dass Anselmus eine Entwicklung durchgemacht hat und kein wehrloser Student mehr ist, sondern sich wehren kann. www.KlausSchenck.de/KA: Werkvergleich mit Außentext / J2 / allgemeinbildendes Gymnasium 2. differenzierter Überblick: Aufbau des Aufsatzes mit Tipps und Formulierungshilfen / S. 2 O Wortwahl (Auffälligkeiten, Wiederholungen, Wertungen...) O Kontraste O Sinneswahrnehmungen (Welche dominieren? Synästhesien, Klang, Alliterationen, Assonanzen ...) O Satzbau (komplex, einfach, elliptisch, Fragen, Ausrufe, Reihungen, Häufungen) Übertreibung, Ironie, Komik, Dramatisierung .... →Sprache und Inhalt müssen verknüpft werden (Deutung!) ➜ sinnvoll, hinreichend vollständig zitieren (nur zentrale Begriffe / Wendungen), Zitate in den Text einbauen: Der Satzbau muss stimmen! Sonst besser in eigenen Worten zusammenfassen. Zusammenfassung: Was erfahren wir über die Figuren und ihre Lage / Entwicklung? Bezug zur Interpretationshypothese. Hauptteil II: Übergreifende Aufgabe: Werk im Kontext - Argumentation / Stellungnahme Überleitung: Überleitender Satz Wiedergabe des Zitats in eigenen Worten. Thema / Frage- / Problemstellung klären → zwei bis drei wichtige Vergleichsaspekte (Schwerpunkte des Vergleichs) herausarbeiten. Werk 1: Wichtige Textstellen / Argumente aus dem ganzen Text sammeln, die für das Thema aussagekräftig sind. Strukturierte Darstellung zentraler Ergebnisse zum Thema, Argumente für oder gegen die These(n) des Zitats; → begründete Darstellung wichtiger Vergleichsaspekte zum Thema / der Fragestellung, Rückbe- zug auf das Zitat. Werk 2: Kurze Einführung / Vorstellung (Einleitung zum Werk, passend zum Thema des Vergleichs). Wichtige Textstellen / Argumente aus dem ganzen Text sammeln, die für das Thema aussagekräftig sind. Strukturierte Darstellung zentraler Ergebnisse zum Thema, Argumente für oder gegen die These(n) des Zitats (Deutungen, Begründungen) - unter Rückbezug auf Werk 1. Formulierungshilfen: Im Vergleich zu ...; ähnlich wie ...; demgegenüber...; im Kontrast zu ...; ebenfalls; im Un- terschied zu ...; eine Gemeinsamkeit mit ... ➡ Tipp 4: Wenn Du zentrale Ergebnisse hier schon vergleichend darstellst, sparst Du Zeit. Zusammenfassung zum Vergleich: Begründete Zusammenfassung und Schlussfolgerungen aus den Einzelergebnissen des Vergleichs unter Einbezug des Zitats. Formulierungshilfen: Die Ergebnisse des Vergleichs machen deutlich, warum die Protagonisten sich so unter- schiedlich entwickeln...; können begründen, warum die Helden scheitern/sich bewähren; zeigen, wie ge- fährdet die Helden sind; aus den Ergebnissen geht hervor, wie ähnlich/unterschiedlich die Weltsicht, die Haltung .... usw. Schluss: Zusammenfassung, eigener Standpunkt / persönlicher Kommentar / Stellungnahme, z.B. ausgehend vom Zitat: Lebens- weltbezug / Aktualität der Fragestellung / der Figuren; Anthropologische Grundfragen (Liebe, Sinnsu- che, Ich und Gesellschaft o.ä.) Biographische, zeit- oder literaturgeschichtliche Bezüge heranziehen.... www.KlausSchenck.de/KA: Werkvergleich mit Außentext / J2 / allgemeinbildendes Gymnasium 4. Erwartungshorizont (KA: ,,Goldener Topf“ / „Steppenwolf") / S. 2 Überleitung / Vergleich: Thema / Zitat: Träume und Illusionen braucht man zum Leben, lassen tiefere (oder höhere) Ebenen wahrnehmen: Visionen, Tagträume, eigene (Wunsch-)Vorstellungen, wie man (nicht) leben möchte. Träume können Leben, abgegrenzt vom bloßen Existieren, ermöglichen: also Sinn, Entfaltung der Persönlichkeit, der je besonderen Fähigkeiten, Erfüllung. Illusionen können Antrieb sein; Träume/Illusionen bieten auch Fluchtmöglich- keiten: Gegenwelten zur Realität. Problem: Träume / Illusionen können mit Anforderungen der Gesellschaft kollidieren / in Träumen spiegeln sich innere Konflikte → Auseinandersetzung mit anderen, evtl. vorgegebenen Lebensentwürfen Entscheidungssituation? → mögliche Vergleichsaspekte: Wovon träumen A. und H.H.? Inhalte: Wünsche oder Ängste, Ziele... ● Mit Träumen/Illusionen verbundene Konflikte; Folgen? Gelingen oder Scheitern? Inwiefern leben sie ihre Träume? Entweder - Oder? Balance? ... Hinweis: Überleitung zum Vergleichswerk mit kurzer Einführung (TATTZ) ● Träume / Illusio- nen: Inhalt Konflikte durch Träume / Illusio- nen Ermöglichen die Träume sinnvol- les Leben? Anselmus Harry Haller Träume und Illusionen sind wichtig, weil sie den Protagonisten den Weg zu einem besseren / sinn- vollen Leben weisen. Phantastische Welt von Atlantis: Schönheit, Harmonie mit der Natur; romantisches Ideal ei- ner poetisierten Welt. Hintergrund: besondere Wahrnehmungsfähig- keit; dichterische Begabung (vgl. 1., 6., 8. Vig.). Außenseiter, die sich nur schwer in die Gesellschaft integrieren können / wollen, weil sie die Welt anders als die Vertreter des Bürgertums wahrnehmen, wohl auch höhere Ansprüche haben. In ih- ren Träumen spiegelt sich ihr innerer Konflikt, ihre Zerrissenheit. Konflikt zwischen bürgerlicher und phantasti- scher / poetischer Welt, repräsentiert durch Veronika und Serpentina. Scheitern in der bür- gerlichen Welt (Tollpatschigkeit, Melancholie), Anerkennung als Schreiber, Sicherheit in der phantastischen Welt. Angstträume, verzerrte Wahrnehmungen zeigen Ängste (3. Vig., Tür- knauf), Verführbarkeit (z.B. 9. Vig.) Selbstwahrnehmung als zerrissen zwischen Mensch und Wolf → Selbsttäuschung? Illusion? Begegnung mit den Unsterblichen (Goethe- Traum!, Mozart) und magisches Theater (ange- kündigt durch, Illusionen' / übernatürliche Wahrnehmungen): fordern Integration ver- schiedener Persönlichkeitsanteile, Humor. Beide brauchen Helfer / Mentoren. Beide müssen für ihre Ziele kämpfen. Entscheidung für Serpentina, mithin für ein Le- ben in der / für die Poesie. Wie das konkret zu denken ist, bleibt offen. Märchen-Schluss. Evtl. zeigt der Erzähler einen ,lebbaren' Entwurf? (vgl. 12. Vig.) Erkennt mithilfe der Träume sein Festgefahren- sein im Mensch-Wolf-Dualismus, öffnet sich teilweise für neue Erfahrungen (Maria, Jazz, Tanz, moderne Errungenschaften ...) Herausforderung: Integration der verschiede- nen Persönlichkeiten; Humor statt verbissener (Selbst-)Kritik. Träume und Illusionen sind essentiell für das Lebensgefühl, die Entwicklung, das Streben nach Glück. Der symbolische Mord an Hermine im magi- schen Theater wirft H.H. zurück. Es gelingt ihm nicht, das, was er erkannt hat, wirklich zu le- ben, aber er will es erneut versuchen (offener Schluss). azit – Bezug auf Außentext! Finden die Protagonisten mithil ihrer Träume und Illusionen zu ei- nem sinnvollen Leben? Oder: Sind Träume und Illusionen Ausdruck ihres Scheiterns im,normalen' bürgerlichen Leben / Krank- heitssymptome? Dr. Elisabeth Grünbeck 40 45 50 55 60 65 70 75 80 www.KlausSchenck.de/KA: Werkvergleich mit Außentext / J2 / allgemeinbildendes Gymnasium 5. Schülerarbeit-2 (KA: ,,Goldener Topf" / ,,Steppenwolf") / S. 2 Anselmus befindet sich in einem Kristall eingesperrt neben anderen ehemaligen Kreuzschülern und Praktikanten des Archivarius' auf einem Repositorium. Allerdings empfindet er allein diese Situation als Eingesperrtsein ,,ins Kristall" im Gegensatz zu den anderen Schülern. Aus Sicht der anderen befin- den sie sich auf der Elbbrücke. Das rührt daher, dass Anselmus dank seines poetischen Gemüts und der Veranlagung, die Welt auf eine andere magische Weise zu sehen, sich mit dem Alltäglichen nicht zufrieden gibt. Er empfindet das Kristall als ,,Gefängnis" (Z. 2), denn das alltägliche bürgerliche Leben, welches er zu Beginn des Werkes so unbedingt wollte (vgl. Vigilie 1), nimmt ihm die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen. Außerdem entscheidet er sich für die transzendente, poetisch inspirierende Liebe zu Serpentina und zieht diese der körperlich-realen zu Veronika vor. Das lässt sich erkennen, als er das Angebot des Äp- felweibs, ihn aus der Flasche zu befreien, ablehnt, da er ansonsten im Gegenzug Veronika hätte heira- ten müssen. Diese bedeutende Stelle entspricht der entscheidenden Prüfung der Heldenreise, die zur Belohnung, ein Leben in Atlantis, führt. Zu Beginn der Textstelle beklagt er sich über seine elende Situation, in welcher er sich aufgrund von Lindhorsts Strafe befindet. Er erkennt allerdings seinen Fehler, nämlich das Abkommen vom Glauben an die Liebe zu Serpentina. Das Angebot des Äpfelweibs, ihn aus der Flasche zu befreien, lehnt er ab, da er bereit ist für seinen Fehler zu büßen und nicht Veronika zu heiraten und Hofrat zu werden. Das wahre Anliegen des Äpfelweibs ist auch nicht, ihn etwa glücklich zu machen, sondern ganz eigennützig die Zerstörung ihres Erzfeindes Lindhorst und der Besitz des goldenen Topfes. Nur dank der Liebe zu Serpentina hält es Anselmus in der Flasche aus, denn er hat schon die Werte ,,Freiheit und Leben in Glauben und Liebe" (Z. 2) des Reichs Atlantis durch Serpentina erfahren. Daher bemitleidet er sich nicht nur selbst, da er das Eingesperrtsein in der Flasche als ,,Gefängnis" (Z. 2) emp- findet, sondern auch die anderen ,,Unglücksgefährten" (Z. 10f.), die nicht wissen, wie sich diese Unge- bundenheit anfühlt, da sie fest verankert in der bürgerlichen Welt sind. Das Gefängnis, in welches der Archivarius Lindhorst ihn verbannt hatte, ist eine Metapher für das Leben im Bürgertum, für welches Anselmus nicht gemacht ist, da er in ,,Schmach und Elend" (Z. 4) untergehe, bliebe er zurück in der normalen Welt. Durch die ,,säuseln[de] Stimme Serpentinas“ (Z. 5), die ihm Mut zuspricht: ,,glaube, liebe, hoffe" (Z. 5f.), wird die ,,Qual seines Zustandes" (Z. 8) immer geringer. Diese Alliteration und Lautmalerei (,,säuseln(de) Stimme Serpentinas") in einem verstärkt die beruhigende Wirkung von Ser- pentinas Beistand. Außerdem lässt die Synästhesie, ,,jeder Laut strahlte" (Z. 6), anschaulich werden, wie der Druck, der auf Anselmus lastet, sich ausdehnt. Das Motiv des Kristalls zieht sich durch das gesamte Werk und ist ein Zeichen für die weiße Magie, denn die Schlänglein sprechen mit ,,Kristallglöckchen Stimmchen". In diesem Fall ist der Kristall negativ besetzt, als,Gefängnis' (vgl. Z. 2), allerdings wird er von Anselmus nur als negativ empfunden, da er eigentlich Serpentina liebt und damit der guten Sphäre der magischen Märchenwelt angehört. Durch das Erklingen von Serpentinas Stimme wird Anselmus bewusst, dass ,,ihn Serpentina noch liebe, und dass nur sie es sei, die ihm den Aufenthalt in dem Kristall erträglich mache" (Z. 11). Serpentina verkör- pert die idealtypische Repräsentantin ihrer Welt und ein idealisiertes Frauenbild. Durch die Werte ,,Glauben, Liebe und Hoffnung", die sie Anselmus vermittelt, wird die Wertevorstellung der Märchen- welt Atlantis deutlich. Diese stellt die Einheit der Poesie und des Lebens mit dem Wunsch nach der Vereinigung mit der Natur dar (vgl. Vigilie 12: ,,der heilige Einklang aller Wesen als tiefstes Geheimnis der Natur"). Anselmus, in Gedanken an Serpentina versunken, wird plötzlich von dem ,,dumpfen, widrigen Gemur- mel" (Z. 12) aus seinen Gedanken gerissen. Die Onomatopoesie, welche das Äpfelweib, das in Gestalt 85 90 95 100 105 110 115 120 125 www.KlausSchenck.de/KA: Werkvergleich mit Außentext / J2 / allgemeinbildendes Gymnasium 5. Schülerarbeit-2 (KA: ,,Goldener Topf" / ,,Steppenwolf") / S. 3 einer alten Kaffeekanne mit halb zerbrochenem Deckel" ((Z. 12) auftritt, beschreibt, verbildlicht die schreckliche Gestalt dieser. Das Äpfelweib ist eine Dämonisierung des Frauenbildes. Ihre unterschied- lichen Gestalten als Hexe, Runkelrübe und Kaffeekanne verdeutlichen dies. Nach genauem Betrachten erkennt Anselmus das Äpfelweib ,,vom Schwarzen Tor" (Z. 16) wieder. Dieses Zusammentreffen in der ersten Vigilie am Himmelfahrtstag in Dresden ebnet den Weg für Anselmus in die magische Welt. Das Äpfelweib weist mit ,,gellender Stimme" (Z. 17) auf die Prophezeiung: ,,ins Kristall bald dein Fall - ins Kristall" (S. 5, Z. 20) in der ersten Vigilie, zurück. Die Tatsache, dass sie ihn mit ,Kindchen' anspricht, zeigt, dass sie sich als übergeordnet sieht und ihn verhöhnt. Die Kommunikation verläuft also komple- mentär. Auch Anselmus reagiert mit beleidigenden Worten: ,,Verdammtes Hexenweib"" (Z. 19) und ,,schnöde Runkelrübe" (Z. 20). Er lädt die Schuld auf das Äpfelweib und droht ihr mit den Konsequen- zen, dass der Salamander sie vernichten wird (vgl. Z. 19-20). Das Äpfelweib entgegnet mit dem Ausruf ,,ho! Ho!" (Z. 20), welcher Anselmus beruhigen soll. Dann beginnt es ihr Angebot zu formulieren. Zu Beginn wirft sie ihm Tatsachen an den Kopf, weshalb sie ihn hassen könnte, denn er hat ihr die Nase verbrannt (Z. 21) mit dem Trank, den er auf den Türknauf beim zweiten Besuch des Hauses Lindhorst geschüttet hat. Allerdings macht sie das aus taktischen Gründen, da sie anschließend, nachdem sie ihn noch einmal mit ,,Schelm" beleidigt hat, ein Angebot macht und ihm sozusagen,verzeiht'. Dieses Angebot formuliert sie in einem langen Satz und geht den Plan Schritt für Schritt durch. Hierbei stellt sie ihre Bedingung, dass Anselmus Veronika heiraten muss (vgl. Z. 27), falls er Hofrat würde. Das wahre Anliegen des Äpfelweibs lässt sich insofern erkennen, da sie auf An- selmus' glattes Gesichtlein" eingeht, welches sie bei seiner Rettung ganz besonders beschützen möchte, da es ihre Intention ist, ihn mit Veronika zu verkuppeln und damit von Serpentina fernzuhal- ten. Das klappt nur, wenn sich Veronika seines schönen Gesichts annimmt. Allerdings lehnt Anselmus ihren Vorschlag vehement ab und beleidigt sie weiter mit ,,Satans-Geburt" (Z. 28). Er hat schließlich erkannt, dass er durch das Äpfelweib verzaubert wurde und nur deshalb die phantastische Welt in Frage gestellt hat (vgl. Z. 28f.). Er ist bereit der Alten Trotz zu bieten und sich auf Serpentina ganz einzulassen. Der Unterschied der beiden Welten wird in der Begriffswahl deutlich. Für die böse Seite werden Begriffe aus der Religion wie 'Hölle' und,Satan' benutzt und für die gute Seite ,Trost' und, Liebe'. Durch die Wiederholung ,,Hebe dich weg - hebe dich weg" (Z. 34) werden Ansel- mus' Abneigung gegenüber dem Äpfelweib und seine Entschlossenheit verstärkt. Anselmus hat nun erkannt, dass er zu Serpentina gehört, und ist bereit dafür auch Qualen zu erleiden. Die Tatsache, dass er sich völlig von Veronika abwendet, zeigt, dass er den endgültigen Verlust der Alltagsrealität und der sozialen Beziehungen in Kauf nimmt, um im Idealreich der Poesie seine Bestim- mung als Dichter zu finden. Das gelingt ihm nur, weil er offen für Träume und Poesie ist. Doch wie wichtig ist es, Illusionen und Träume zu haben? Laut dem Schriftsteller Mark Twain sollte man sich nie von seinen Träumen trennen, da diese notwendig sind, um wirklich zu ,,leben". Denn zum richtigen Leben gehörten Wünsche, Träume und Phantasien nun einmal dazu. Diese Weise zu denken oder besser: zu träumen, macht uns Menschen aus und gibt dem Leben einen tieferen Sinn. Der Protagonist aus dem ,,Goldenen Topf" ist ein ideales Beispiel für einen Menschen, der in der Poesie und seiner Phantasie aufgegangen ist. Durch seine Offenheit für Träume hat er es geschafft, seine wahre Berufung als Dichter in der Traumwelt Altlantis zu finden. Zu Beginn ist sein Leben geprägt von Melancholie und Unglücksfällen, die ihm das Leben in der geord- neten bürgerlichen Welt schwer machen. Einige Philister fürchten sogar von dem ,,inneren Wahnsinn" des Anselmus angesteckt zu werden, so wie der Konrektor Paulmann (vgl. Vigilie 2). Andere, wie der Registrator Heerbrand, belächeln die überspannte Einbildungskraft des Anselmus und andere Bürger 85 90 95 100 105 110 115 120 www.KlausSchenck.de/KA: Werkvergleich mit Außentext / J2 / allgemeinbildendes Gymnasium 5. Schülerarbeit-1 (KA: „Goldener Topf“ / „Steppenwolf") / S. 3 Es folgt eine längere Rede des Anselmus, in der er, wie es mittels Gedankenstrichen dargestellt ist, nun seine wahren Gedanken ausspricht, die er lange Zeit nicht ganz freiwillig verdrängt hat; dabei stand er unter dem Einfluss der schwarzen Magie und konnte gar nicht nach seinem eigenen Willen handeln (vgl. Z. 29f.). Er macht seinen persönlichen ausdrücklichen Wunsch deutlich und zwar, dass er dort sein Leben verbringen möchte, wo Serpentina ist und sie ihn ,,mit Liebe und Trost umfängt" (Z. 31). So zeigt er, dass er sich gedanklich schon von dem Einfluss der schwarzen Magie befreit hat (vgl. Z. 31ff.), denn er möchte ganz und gar kein Teil der bürgerlichen Gesellschaft sein und strebt auch keinen sozialen Aufstieg an. Zusammenfassend möchte er von Veronika und damit auch dem Äpfelweib ab sofort getrennte Wege gehen und nie wieder in Kontakt mit ihnen treten (vgl. Z. 32f.). Seine geplante Unabhängigkeit von der magischen Kreatur wird nochmals deutlich, indem er aufzeigt, dass er ohne seine Serpentina gar nicht weiterleben möchte (vgl. Z. 33f.). Mit der Wiederholung der Beschwörung ,,Hebe dich weg- hebe dich weg" (Z. 34) macht Anselmus einmal die Verschiebung der Macht auf seine Seite deutlich und zeigt, dass er in seiner Entscheidung fest entschlossen ist und ein großes Maß an Sicherheit gewinnen konnte. Zusammenfassend gibt es in dieser Textstelle schon zahlreiche Hinweise darauf, dass die schwarze Magie, also das Äpfelweib, Anselmus nicht auf ihre Seite ziehen kann. Denn zumindest in seinen Gedanken hat er sich schon für Serpentina entschieden und möchte sich lieber seinen Träumen hingeben, als in der bürgerlichen Welt in Gefangenschaft zu leben. Außerdem fühlt sich Anselmus durch seine ganz persönlichen Träume zu etwas Höherem berufen, auf das die schwarze Magie definitiv keinen Einfluss nehmen kann. Denn es wird deutlich, dass Anselmus nicht in der bürgerlichen Welt festgehalten werden kann, da tief in ihm die Fähigkeiten eines Poeten liegen oder besser gesagt sich noch weiterentwickeln. (vgl. 8. Vig.) Doch wie gestalten sich eigentlich diese oben erwähnten Träume und seine immer wiederkehrenden Illusionen? Träume sind etwas ganz Privates, das jeder Einzelne in der Nacht erleben darf, ohne jemand anderen daran teilhaben lassen zu müssen. Es können auch Tagträume sein, bei denen man sich wenigstens einen kurzen Augenblick in eine andere Welt träumen darf, oft kommt man aus dieser wundersamen Welt in die Realität zurück und fühlt sich verändert, besser, weil man etwas ganz Besonderes erleben durfte. Zu diesem Thema stellt auch Mark Twain, ein amerikanischer Schriftsteller, der zwischen 1835 und 1910 gelebt hat, eine These auf, in der es um das Durchleben von Träumen und Illusionen geht. Laut ihm sind das Aspekte, die das Leben erst lebenswert machen und den Menschen zu einem Ganzen ergänzen. Würde man diese Träume für einen Augenblick wegdenken, würde deutlich werden, dass Menschen Maschinen gleichen, die nur noch existieren und rund um die Uhr funktionieren müssen. Dadurch wird deutlich, dass die Lebensqualität sehr stark darunter leiden würde, sodass man niemals diese Träume aufgeben sollte. Übertragen wir dieses Zitat auf Anselmus, gilt es zu betrachten, warum er überhaupt diese Träume und Illusionen hat? Dabei ist das Ereignis am Himmelfahrtstag ausschlaggebend dafür, denn das bringt in gewisser Weise das Fass zum Überlaufen, indem es den Studenten zu einem neuen Denkanstoß animiert, sich auf etwas Neues einzulassen. Er stößt also den Apfelkorb eines alten Weibes um, welches ihn daraufhin verflucht (vgl. S. 5, Z. 6f./ Z. 19f.). Des Weiteren äußert Anselmus eine viel tiefergehende Unzufriedenheit mit seinem Leben, denn er schildert mittels vieler Ereignisse, dass er schon sein ganzes Leben vom Pech verfolgt wird und sein Glück ihm verwehrt bleibt (vgl. S. 7 Z. 15ff.). Aufgrund 130 135 140 145 150 155 160 165 www.KlausSchenck.de/KA: Werkvergleich mit Außentext / J2 / allgemeinbildendes Gymnasium 5. Schülerarbeit-2 (KA: ,,Goldener Topf" /,,Steppenwolf") / S. 4 bezeichnen ihn deshalb als betrunken oder seelenkrank. Auch Anselmus selbst spricht zeitweise von einer Gefahr, ,,wahnsinnig geworden" (S. 26) zu sein. Allerdings kann man diese Einbildungen nicht als Wahnsinn bezeichnen, wenn man den Gesamtkon- text des Werkes im Blick behält. Ganz im Gegenteil, die Träume und Phantasien des Anselmus eröffnen ihm einen neuen Blick auf die Welt und eine neue Richtung im Leben. Seit der ersten Illusion unterm Holunderbusch hat sich Anselmus in die Schlange mit den blauen Augen verliebt, von da an, wie er selbst beschreibt, hängen seine Gedanken und Gefühle nur noch in der anderen, in der phantastischen Welt. Für Anselmus bringt die bürgerliche Welt keine Erfüllung. Obwohl er als gebildet und intellektuell bekannt ist und einen Aufstieg zum Hofrat erreichen könnte, was viele Bürger als Ziel anstreben zu dieser Zeit, fühlt er sich nicht wohl in der,realen' Welt. Immer wieder flüchtet er, auch ganz unbewusst, in die andere Sphäre. So kommt es, dass in der dritten Vigilie die mythische Erzählung Lindhorsts von Phosphorus und der Feuerlilie ihn tief und emotional berührt. Diese Berührtheit kann auch nur er emp- finden, da er den Zugang dazu besitzt. Die anderen Bürger, so auch Heerbrand, werten die Erzählung ab (vgl. S.24). Als Anselmus dann seine Arbeit als Kopist beim Archivarius Lindhorst antritt, wird die phantastische Welt für ihn immer realer. Im goldenen Topf spiegelt sich seine Sehnsucht nach einer anderen Welt und nach Serpentina wider, außerdem ist er das Symbol dafür, dass Anselmus sich selbst erkennt und die Bestimmung zum Dichter wahrnimmt. Anselmus' persönliche Voraussetzungen und die Ausbildung vom Kopisten zum Erzähler des Mythos selbst sind darin begründet, dass er ein Mensch der Romantik ist, der sich nicht von den ,,Illusionen und Träumen" löst, sondern durch diese wirklich lebt. Wie auch Anselmus ist Harry Haller im ,,Steppenwolf", verfasst von Hermann Hesse im Jahre 1927, offen für die magischen Komponenten des Lebens. Allerdings braucht auch er seine Zeit, bis er sich öffnet für , Neues'. Zu Beginn des Romans befindet sich der fast fünfzigjährige außerordentlich gelehrte Mann in einer Identitätskrise, die auf seiner Dualismus-Theorie basiert. Allerdings trifft er im weiteren Verlauf, nach einigen Überlegungen, sich umzubringen, auf Hermine, welche ihm als Gleichgesinnte den Spaß am Leben und den Humor beibringen will. Außerdem versucht Pablo ihm mit seinem magi- schen Theater, in welchem er seine erotischen Phantasien, Gewaltexzesse, Mordlust bis hin zur Be- strafung in einer symbolischen Hinrichtung auslebt, zu helfen. Harry Haller ist ebenfalls ein Außenseiter in der Gesellschaft, allerdings ein selbstbestimmter, da er sich intellektuell übergeordnet sieht und die bürgerliche Welt ablehnt. Aufgrund seiner schweren Le- benskrise baut er eine Steppenwolf-Existenz auf, welche ihn auf einen Dualismus zwischen einer or- dentlichen, kultivierten und sentimentalen Existenz und der eines wilden Tieres, von Trieben gesteu- ert, reduziert. Diesen Dualismus gilt es zu bezwingen und seinen Grundkonflikt im Inneren zu beseiti- gen. Dank der Hilfe seiner Freunde und der Magie des magischen Theaters, welche die überwiegend ratio- nale Lebensweise durch körperliche Erfahrungen von Tanz, Musik und Erotik erweitern, findet Harry Haller wieder vorübergehend Spaß am Leben. Illusionen und Träume prägen seine Entwicklung ganz besonders, so werden ihm durch den Traum von Goethe und das Gespräch mit Mozart allmählich die Augen geöffnet. Allerdings erleidet er durch seine permanente Selbstreflexion im Gegensatz zu Anselmus eine Handlungshemmung. Harry Haller ist sein eigener Gegenspieler, denn der Konflikt spielt sich im Innern ab. Durch das magische Theater will Pablo ihm helfen seine Lebenskrise zu bewältigen und seine Persön- lichkeit zu bilden. Hierbei sind unterschiedliche Träume und Illusionen Mittel zum Zweck, um ihm die Augen zu öffnen. Er soll seine Steppenwolfidentität dadurch ablegen und erkennen, dass sein Ich aus 125 130 135 140 145 150 155 160 165 www.KlausSchenck.de/KA: Werkvergleich mit Außentext / J2 / allgemeinbildendes Gymnasium 5. Schülerarbeit-1 (KA: ,,Goldener Topf" /,,Steppenwolf") / S. 4 des aktuellen Vorfalls kann der junge Student nicht am bürgerlichen Vergnügen teilhaben, denn er hat sein letztes Geld dem Äpfelweib als Entschädigung gegeben (vgl. S. 5, Z.15f.). In der Konsequenz flüchtet er an das Elbufer unter einen Holunderbaum (vgl. S. 7, Z. 1ff.). Dort erlebt er eine ganz wundersame Erscheinung, so kann der Himmelfahrtstag als Beginn seiner Träumereien gesehen werden, was man auch durch den Begriff selbst erklären könnte. Denn Himmelfahrt weist auf eine träumerische Reise hin, bei der keine Grenzen gesetzt werden und alles möglich ist, selbst das Unmögliche. Das leitet über zu einer weiteren Frage, wie sich die Träume und Illusionen bei dem Protagonisten überhaupt äußern? Das beginnt während des Himmelfahrtstags, wenn Anselmus in seinen Gedanken durch Geräusche in der Natur unterbrochen wird (vgl. S. 9 Z.15ff.), was zu einem ersten Höhepunkt kommt, wenn er ,,drei in grünem Gold erglänzende Schlänglein" (S. 10 Z. 6) sichtet, denn die blauen Augen eines Schlängleins lösen etwas Unbeschreibliches in dem Studenten aus (vgl. S. 10 Z. 19ff.). Dabei versucht er dieses Ereignis, welches jenseits des Normalen liegt, mit natürlichen Dingen zu rechtfertigen, wie es der gewöhnliche Philister eben tun würde, um nicht als wahnsinnig abgestempelt zu werden. Dennoch bleibt dieses Ereignis keine Ausnahme und es kommt zur regelmäßigen Wiederkehr solcher Vorfälle. Zu Beginn weiß Anselmus gar nicht, wie er damit umgehen soll, denn bei einer Gondelfahrt mit dem Konrektor Paulmann macht er den Anschein, als würde er gleich ins Wasser springen wollen, als vor seinen Augen erneut die tänzelnden Schlänglein auftauchen (vgl. S. 14 Z.35 ff.). Daraufhin wird er von der Gesellschaft für verrückt gehalten. Mit der Zeit werden solche Anwandlungen immer drastischer, motiviert durch den Antritt seiner Arbeitsstelle als Schreiber beim ,,geheime(n) Archivarius Lindhorst" (S. 27 Z. 28f.), welcher sich als Vater der drei Schlänglein erweist (vgl. S. 32 Z. 25ff.). Anselmus erlebt im weiteren sogar gemeinsame Momente mit der Schlange, z.T. in Frauengestalt (vgl. 8. Vig., S. 67), was deutlich als Steigerung angesehen werden kann; dabei fühlt er sich stark zu ihr hingezogen und genießt den gemeinsamen innigen Moment mit ihr (vgl. S. 67 Z. 10ff.). Bereits an dieser Stelle kann man erkennen, dass sich Anselmus seinen Träumen hingibt und sich dabei sehr wohl fühlt, wahrscheinlich möchte er dieses Gefühl nie wieder missen. Doch wie sähe sein Leben in der Verdrängung seiner Träume und Illusionen aus beziehungsweise verändern seine Träume ihn? Dafür kann man in der neunten Vigilie ein sehr realitätsnahes, bürgerliches Leben betrachten. Wirft man einen Blick auf die Beziehung zu dem standesorientierten Bürgermädchen Veronika, wird deutlich, dass Anselmus sich ,,festgekettet an das Mädchen" (S. 73 Z. 24) fühlt und es in ihm eine ,,Qual (auslöst), der er bei einem Morgenspaziergang zu entrinnen hoffte" (S. 74 Z. 7f.). Das gelingt ihm jedoch nicht, da bereits bekannt ist, dass er sein wahres Glück nicht in der bürgerlichen Welt finden kann, stattdessen wird es ihm wohl erst ermöglicht, wenn er seinen Platz in der kleinbürgerlichen Gesellschaft aufgibt und offen für Neues wird. Zum anderen wird er durch das Leugnen der magischen Welt in eine Kristallflasche gebannt, welche symbolisch für die Bürgerwelt stehen könnte (vgl. Vigilie 10), auch hier wird deutlich, dass Anselmus nicht glücklich ist, denn er denkt, dass er, wenn dieser Zustand nicht endet, in ,,Schmach und Elend" (S. 85 Z. 2) vergehen oder in ,,Sehnsucht und Schmerz" (S. 86 Z. 16f.) untergehen wird. Diese zentralen Textstellen sind Beispiele für die Bestätigung von Mark Twains These, denn Anselmus erscheint in der Kristallflasche völlig abgetrennt von seinen Träumen und Illusionen, jedoch ist das kein Leben für ihn, welches er leben möchte, er würde, wie die These besagt, nur noch existieren. So 170 175 180 185 190 195 www.KlausSchenck.de/KA: Werkvergleich mit Außentext / J2 / allgemeinbildendes Gymnasium 5. Schülerarbeit-2 (KA: ,,Goldener Topf" / ,,Steppenwolf") / S. 5 einer Vielfalt von Persönlichkeiten besteht. Als Hilfsmittel wird der Humor benötigt, der zu einer sorg- loseren Einstellung gegenüber der Welt führen soll. Die Verwandlung Harry Hallers glückt jedoch nicht völlig und das Ende bleibt offen. Gegen eine wir- kungsvolle Verwandlung spricht die Ermordung Hermines aus Eifersucht, denn dadurch hat er das ma- gische Theater mit ,,Wirklichkeitsflecken" besudelt. Allerdings zeigt er, dass er bereit ist, das Spiel mit sich selbst und den Figuren wieder aufzunehmen. Träume und Illusionen sollen Harry Haller wieder zu einem besseren Leben verhelfen und ihn aus dem bloßen ,,Existieren" zurück in das wahre ,,Leben" holen. Ausgelöst durch die erste Begegnung mit der Inschrift des magischen Theaters ,,Nur für Verrückte" (S. 43) und das Auftauchens der goldenen Spur beginnt die träumerische, einbildungsreiche Reise Harry Hallers. Auch ohne Drogenrausch, wie am Maskenball, ist es ihm möglich, sich an ,,das Ewige zu erinnern, an Mozart, an die Sterne" (S. 47); das zeigt, dass Harry Haller in der Lage ist zu phantasieren, nur dadurch ist es für Pablo und Hermine über- haupt möglich, ihm zu helfen. Durch den Mann, der ihm das Traktat übergibt, wird er auf den Gasthof ,Adler' hingewiesen und die Geschehnisse nehmen mit der Begegnung mit Hermine ihren Lauf. Durch den Goethe-Traum taucht er immer tiefer in diese Welt ein und es ist ihm möglich, in sich hineinzubli- cken. Auch das magische Theater mit den zahlreichen Illusionen bestärkt die traumhafte Komponente von Hallers Verwandlung. Allerdings gelingt es ihm nicht, wie Anselmus sich durch die Phantasie zu erlösen. Für Anselmus wird seine Phantasie Wirklichkeit und er kann voll und ganz in den Mythos eintauchen. Für Harry Haller ist das magische Theater kein Endstadium, sondern nur ein Mittel zum Zweck, um ihm bei der Entwicklung zu helfen, seine Persönlichkeitsaspekte zu realisieren. Er bleibt schließlich zurück auf der Welt, mit seinem Steppenwolf-Dualismus. Allerdings hat sich ihm gezeigt, dass er sich durch Träume und Phantasie dieser Welt entreißen kann und seine Persönlichkeit verändern, damit er wieder ,,leben" kann. Beide Protagonisten machen eine Entwicklung durch, die ohne das Existieren von Träumen nicht statt- finden könnte. Bei Anselmus verwirklichen sich seine Sehnsüchte, die er in der Poesie ausleben kann. Harry Hallers,Traum' von einem unbeschwerteren Leben verwirklicht sich am Ende des Buches nicht, allerdings bleibt es offen, ob er beim nächsten Figurenspiel nicht doch richtig, träumt' und dann zurück ins Leben findet. Alicia Vogt 170 175 180 185 190 195 200 205 210 www.KlausSchenck.de/KA: Werkvergleich mit Außentext / J2 / allgemeinbildendes Gymnasium 5. Schülerarbeit-1 (KA: ,,Goldener Topf“ / „Steppenwolf") / S. 5 verspürt er keine Zufriedenheit mehr und fühlt sich nur noch gefangen und gedemütigt. Seine Träumerei hingegen verändert ihn positiv, da er Eindrücke erfahren darf in einem ,,herrliche(n) Gewächshaus" (S. 48 Z. 3), mit ,,magisch blendende(m) Licht" (S. 48 Z. 6) oder ,,herrlichen Düften" (S. 48 Z. 16), die er im Realen womöglich so nicht wahrnehmen könnte. Er erfährt also die Dinge, die sein Leben erst lebenswert machen, auch in Bezug auf die ,,holdselige Jungfrau" (S. 73 Z. 26) Serpentina, die ihm zeigt, was Leben eigentlich bedeutet und wie schön es doch sein kann. Das macht sie, indem sie ihn mit ihrem fantastischen Charme an sich bindet und ihm im Spiegel des goldenen Topfes die Schönheit der Atlantiswelt präsentiert, in der er die Möglichkeit auf ein Leben in Freiheit und eine umfassende Entfaltung seiner selbst erreichen kann. Außerdem demonstriert Serpentina ihm eine Welt, in der es möglich ist, im Einklang oder in Harmonie mit der Natur zu leben. Schließlich lässt sich Anselmus tatsächlich auf dieses Angebot ein und lebt gemeinsam mit der Schlangenfrau in der poetischen Welt von Atlantis, in der er seine dichterische Begabung und besondere Wahrnehmungsfähigkeit im Leben als Dichter zum Einsatz bringen kann. Vergleichend kann man einen Blick auf den Protagonisten Harry Haller aus dem Roman „Der Steppenwolf" von Hermann Hesse aus dem Jahr 1927 werfen, welcher stark an der Zerrissenheit seiner Persönlichkeit leidet, da er davon überzeugt ist, dass seine Seele lediglich aus einer menschlichen und einer wölfischen besteht, er reduziert sich also auf diese zwei Naturen. So gilt es bei Harry Haller ebenso zu betrachten, warum in ihm Träume und Illusionen hochkommen. Dabei kann man zuerst vergleichend anführen, dass Haller bereits fünfzig Jahre alt und ein gebildeter, gelehrter Mann ist (vgl. S. 7 Mitte). Er hat also schon deutlich mehr Lebenserfahrung als der Student Anselmus, welchem noch sein ganzes Leben bevorsteht. In diesen Jahren hat Harry schon viele Schicksalsschläge und anderes Scheitern erleiden müssen, woran ebenfalls die wölfische Seele eine Mitschuld trägt (vgl. S. 56ff.). Denn diese macht das Leben Hallers nicht gerade einfacher, stattdessen versucht sie ihn daran zu hindern, sich in die Gesellschaft zu integrieren, indem sie in den falschen Momenten Oberhand gewinnt und den Kontakt zerstört, da ein Wolf nicht Teil von einer bürgerlichen Gesellschaft sein möchte (vgl. S. 54ff.). So gerät er, wie Anselmus auch, in eine Krise, die sich jedoch viel dramatischer gestaltet, da sich für ihn nicht sofort ein Ausweg offenbart, wie es für Anselmus unter dem Holunderbusch geschehen ist (vgl. Vigilie 1). Stattdessen wird Haller nahezu depressiv, da ihn weder die guten noch die schlechten Tage erfüllen, er kann also weder ,,Schmerzlosigkeit" (S. 35 Z. 4) noch ,,Zufriedenheit" (S. 35 Z. 7) ertragen. In ihm kommt also der Wunsch nach Zugehörigkeit und dem Ablegen der steppenwölfischen Seele hoch. Daraus ergeben sich auch unterschiedliche Erwartungen der beiden Protagonisten, denn Anselmus möchte schlichtweg in seine eigenen, innere Welt fliehen, während Haller zu einem extrovertierteren Menschen werden möchte, der Teil von etwas ist. Sein Wandel vollzieht sich schließlich durch das Kennenlernen von Hermine, Maria und Pablo (vgl. Aufzeichnungen 2), die Helferfiguren bei Anselmus stellen der Archivarius und Serpentina dar. Doch wie äußern sich nun Träume bei Harry Haller? Diese Äußerung beginnt mit dem mehrmaligen Erscheinen von tanzenden Buchstaben, die in ein magisches Theater einladen (vgl. Z. 51), was für Haller ein ebenso prägendes Ereignis darstellt wie Anselmus' Begegnung unter dem Holunderbusch, denn dieses Erlebnis ruft bei Harry eine starke Sehnsucht hervor, da er mehr darüber erfahren und Zugang zu diesem Theater bekommen möchte. Des Weiteren stellt das magische Theater das Atlantis für Haller dar, jedoch ist es kein Endzustand, sondern ein vorübergehendes Mittel zum Zweck, um seine Persönlichkeit aufzubauen. Das Theater stellt Hallers magische Welt dar, denn ihm wird hier erlaubt, die Räume seiner Seele zu durchwandern und auch seine Lebensthemen noch einmal verändert zu durchleben, mit dem Ziel, sich seine Persönlichkeit in ihrer Vielschichtigkeit aufbauen zu können. So 215 220 225 230 www.KlausSchenck.de/KA: Werkvergleich mit Außentext / J2 / allgemeinbildendes Gymnasium 5. Schülerarbeit-1 (KA: ,,Goldener Topf" / ,,Steppenwolf") / S. 6 gibt es bei beiden Protagonisten eine Entwicklung oder einen Wandel in ihrem Innenleben, an denen das Umfeld nicht teilhaben darf oder kann, denn sie errichten sich ihre ganz eigene Welt in ihrem Inneren, die zusätzlich einen Einfluss auf das reale Leben hat. Beide Protagonisten können mithilfe der Fantasie ihr Leben positiv beeinflussen, so wird das Leben des Harry Hallers durch das magische Theater erträglicher, auch wenn er schließlich nicht in der Lage ist, seine Persönlichkeit zu integrieren (vgl. S. 260ff.). Zusammenfassend betrachtet denke ich, dass beide Charaktere durch das Zulassen ihrer Träume zumindest ein Stück weit aus ihrer Krise befreit werden und dadurch auch erleben dürfen, was Leben überhaupt bedeutet. Ihnen wird also aufgezeigt, dass das Leben vielschichtiger ist und auch über die eigene Vorstellungskraft hinausgehen kann, ohne dass der Fantasie Grenzen gesetzt werden. Darauf bezogen haben es beide Protagonisten geschafft sich zu öffnen und gewisse gedankliche oder mittels Vernunft gesetzte Grenzen zu überschreiten, die im realen Leben eigentlich gar nicht überwindbar sind. Jedoch sollte man auch nicht versuchen, alles mit der Realität erklären zu wollen, denn meiner Meinung nach verpasst man dabei die womöglich schönsten Dinge, die einem gleichzeitig neue Kraft und Mut geben, um nie aufzugeben und einen neuen Grund zum Kämpfen darstellen. So sollte es jedem Einzelnen gegönnt sein, sich einmal zurückzulehnen und sich sein ganz eigenes Leben in einer kleinen Welt aufbauen zu dürfen, in der wirklich alles möglich ist. So sollte man sich das Zitat von Mark Twain verinnerlichen, wie es auch die beiden thematisierten Protagonisten getan haben und sich nie von Träumen und Illusionen trennen und vielleicht sogar schon heute Nacht die Augen schließen und sich ein eigenes kleines Atlantis aufbauen.