Sturm und Drang & Aufklärung-ein Gegensatz?

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 Sturm und Drang und Aufklärung - ein Gegensatz?
,,Das Herz schlägt früher, als unser Kopf denkt - ein guter Wille ist brauchbarer als eine

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Informativer Text über die zwei Literaturepochen und ihre Gemeinsamkeiten/ Unterschiede

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Sturm und Drang und Aufklärung - ein Gegensatz? ,,Das Herz schlägt früher, als unser Kopf denkt - ein guter Wille ist brauchbarer als eine noch so reine Vernunft." Sätze wie dieser Aphorismus von Johann Georg Hamann haben jahrzehntelang das Bild vom Sturm und Drang als einer Gegenbewegung zur Aufklärung geprägt. Und in der Tat scheinen die Fronten auch völlig geklärt zu sein: Wenn die Aufklärung der Vernunft und dem Verstand den Vorrang gab, so tat der Sturm und Drang genau das Gegenteil. Und wenn die eine Epoche die Gemeinschaft der mündigen Bürger und - als Fernziel - das Ideal einer Gesellschaft toleranter Kosmopoliten erstrebte, so zielte die andere auf Individualismus, auf die sofortige Verwirklichung des eigenen Ichs - selbst wenn dies im Einzelfall auf die Kosten anderer gehen sollte. Darüber hinaus polemisierten die „Aufklärer“ gegen die „Stürmer und Dränger" und umgekehrt; man warf sich gegenseitig unsinniges Schwärmertum bzw. trockene Vernünftelei vor und schuf dabei literarische Werke von hohem künstlerischem Rang, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Und dennoch: Es ist zu einfach, die beiden Epochen als Gegensätze zu bezeichnen oder gar zu behaupten, der Sturm und Drang habe die Aufklärung abgelöst. Letzteres wird allein schon durch den Blick auf die Chronologie der Personen und Werke widerlegt. Es zeigt sich nämlich, dass im Gegenteil der Sturm...

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und Drang schon längst vorüber war, als die letzten Werke geschrieben wurden, die man der Aufklärung zurechnen muss. Der Beginn des Sturm und Drang wird meist bei den frühen Werken Johann Gottfried Herders gesehen und auf den Ausgang der Sechzigerjahre des 18. Jahrhunderts datiert. Der letzte epochentypische Text, Schillers Drama Kabale und Liebe, kam im Jahr 1784 zur Uraufführung. Damit umfasst die gesamte Epoche nur ungefähr 15 Jahre. Aufklärung und Sturm und Drang verliefen also parallel und in der ersten Hälfte der Achtzigerjahre kommt sogar noch die Weimarer Klassik hinzu. Bei dieser zeitlichen Übereinstimmung kann es nicht verwundern, dass sich auch wesentliche Gemeinsamkeiten der Epoche finden. Das bürgerliche Bewusstsein mit einer scharf umrissenen Vorstellung von Tugend und Moral wendet sich gegen die Dekadenz und die Unmoral des Adels, gleichzeitig aber auch gegen die bürgerlichen Schwächen, die einer wirklichen Reform der gesellschaftlichen Umstände entgegenstehen. Man versucht Menschenrechte zu bestimmen und durchzusetzen, übt Kritik an der institutionalisierten Kirche, ruft zu mehr Selbstständigkeit auf - dies alles findet sich in beiden Epochen, nur die Formen der bürgerlichen Emanzipation sind andere: Die Aufklärung versucht die Situation zu verändern, indem man den Menschen Einblick in ihre Lebensumstände und in die Strukturen verschafft, die sie beherrschen. Dabei vertraut man auf die Kraft des Verstandes und der menschlichen Vernunft - vor allem seitens der Bürgerschicht- und sieht die bürgerliche Solidarität und die bürgerlichen Normen als verbindendes gemeinsames Element gegen die Lebensweise des Adels an. Der Sturm und Drang dagegen postuliert die Freiheit des Einzelmenschen und fordert ihn auf sich gegen jede Art der Beherrschung von außen aufzubäumen, sich zu verwirklichen. Damit kann der Sturm und Drang mit einigem Recht als Radikalisierung der Grundtendenzen der Aufklärung verstanden werden. Aus dem aufgeklärten Satz Kants ,,Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen" wird im Sturm und Drang die Forderung, Mut zu haben sich selbst zu leben. Dem aufgeklärten Aufruf zur Emanzipation des Bürgertums entspricht im Sturm und Drang die Aufforderung an den Einzelnen sich zu emanzipieren - und sei es auch auf die Gefahr hin, an einer übermächtigen Umwelt zu scheitern. Nicht die Abkehr von der Vernunft steht also im Zentrum, sondern die Stürmer und Dränger wenden sich lediglich gegen deren Vorherrschaft über die sinnlich-wahrnehmenden Erfahrungsbereiche des Menschen. Und wenn man die „Aufklärung“" nicht eng als eine Literaturepoche ansieht, sondern - wie sie auch ihre Vertreter gesehen haben wollten - als gesamtgesellschaftliche Bewegung, als eine geistige Entwicklung, die nie wirklich abgeschlossen sein kann, dann wird der Sturm und Drang gar zu einem 17.02.2021 integrierten Bestandteil dieses Prozesses. Die Aufklärung wird bei dieser Sicht der Dinge gewissermaßen zu einer epochalen Basis, die auch Seitenstränge wie Anakreontik, Empfindsamkeit oder Sturm und Drang umfasst. Vernunft und Gefühl, diese Eckpfeiler und programmatischen Begriffe der literarischen Epochen des 18. Jahrhunderts, müssen folglich als die beiden Seiten derselben Münze gesehen werden, als verschiedene Lebensinterpretationen und auch als verschiedene künstlerische Ausdrucksformen ähnlicher Anliegen. Beide sind Wegbereiter eines neuen Jahrhunderts der Literatur (und nicht nur der Epoche der Weimarer Klassik), das sieaufgreift und weiterentwickelt - beispielsweise im literarischen Vormärz und in der Romantik. Und in ihrer Gesamtheit sind sie Ausdruck einer gesamteuropäischen Entwicklung bürgerlicher Lebens- und Denkweise und bürgerlicher Dichtkunst. Der Sturm und Drang" in seiner spezifischen Form existiert allerdings nur in Deutschland und er bezeichnet eine rein literarische Bewegung, die ihr Entstehen einigen herausragenden Köpfen verdankt - allen voran Johann Gottfried Herder und dem jungen Johann Wolfgang Goethe, die im Winter 1770 in Straßburg zusammentrafen und einen Zirkel begeisterter junger Dichter ins Leben riefen. Zuerst schloss sich ihnen Jakob Michael Reinhold Lenz an, dann folgten Heinrich Leopold Wagner und, aus Frankfurt, Johann Heinrich Merck und schließlich stieß 1774 noch Friedrich Maximilian Klinger zu der Gruppe, dessen Drama „Sturm und Drang" der Epoche ihren Namen verlieh. Dieser Freundeskreis gab als kollektive literarische Bewegung 1772 eine literarische Zeitung heraus, die ,,Frankfurter Gelehrten Anzeigen“, in deren Artikeln schon die Kunst- und Lebensauffassung der jungen Epoche deutlich wird. Bei allen Gemeinsamkeiten grenzt sie sich letztendlich doch deutlich ab von der ,,Empfindsamkeit" mit ihrem von pietistischen Glaubensgrundsätzen geprägten Innerlichkeitsideal. Der Sturm und Drang betont eine aktive, schöpferisch-tätige Lebenshaltung, die oft mit gesellschaftlichen Missständen und Widersprüchen in Konflikt gerät. Straßburgisches Selang Sich Straßburg um 1775 Lindenhahn, Reinhard, in: Arbeitshefte zur Literaturgeschichte, Sturm und Drang, Berlin, 1996, S. 7f.

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So ein schöner Lernzettel 😍😍 super nützlich und hilfreich!

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Sturm und Drang und Aufklärung - ein Gegensatz? ,,Das Herz schlägt früher, als unser Kopf denkt - ein guter Wille ist brauchbarer als eine noch so reine Vernunft." Sätze wie dieser Aphorismus von Johann Georg Hamann haben jahrzehntelang das Bild vom Sturm und Drang als einer Gegenbewegung zur Aufklärung geprägt. Und in der Tat scheinen die Fronten auch völlig geklärt zu sein: Wenn die Aufklärung der Vernunft und dem Verstand den Vorrang gab, so tat der Sturm und Drang genau das Gegenteil. Und wenn die eine Epoche die Gemeinschaft der mündigen Bürger und - als Fernziel - das Ideal einer Gesellschaft toleranter Kosmopoliten erstrebte, so zielte die andere auf Individualismus, auf die sofortige Verwirklichung des eigenen Ichs - selbst wenn dies im Einzelfall auf die Kosten anderer gehen sollte. Darüber hinaus polemisierten die „Aufklärer“ gegen die „Stürmer und Dränger" und umgekehrt; man warf sich gegenseitig unsinniges Schwärmertum bzw. trockene Vernünftelei vor und schuf dabei literarische Werke von hohem künstlerischem Rang, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Und dennoch: Es ist zu einfach, die beiden Epochen als Gegensätze zu bezeichnen oder gar zu behaupten, der Sturm und Drang habe die Aufklärung abgelöst. Letzteres wird allein schon durch den Blick auf die Chronologie der Personen und Werke widerlegt. Es zeigt sich nämlich, dass im Gegenteil der Sturm...

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Man versucht Menschenrechte zu bestimmen und durchzusetzen, übt Kritik an der institutionalisierten Kirche, ruft zu mehr Selbstständigkeit auf - dies alles findet sich in beiden Epochen, nur die Formen der bürgerlichen Emanzipation sind andere: Die Aufklärung versucht die Situation zu verändern, indem man den Menschen Einblick in ihre Lebensumstände und in die Strukturen verschafft, die sie beherrschen. Dabei vertraut man auf die Kraft des Verstandes und der menschlichen Vernunft - vor allem seitens der Bürgerschicht- und sieht die bürgerliche Solidarität und die bürgerlichen Normen als verbindendes gemeinsames Element gegen die Lebensweise des Adels an. Der Sturm und Drang dagegen postuliert die Freiheit des Einzelmenschen und fordert ihn auf sich gegen jede Art der Beherrschung von außen aufzubäumen, sich zu verwirklichen. Damit kann der Sturm und Drang mit einigem Recht als Radikalisierung der Grundtendenzen der Aufklärung verstanden werden. Aus dem aufgeklärten Satz Kants ,,Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen" wird im Sturm und Drang die Forderung, Mut zu haben sich selbst zu leben. Dem aufgeklärten Aufruf zur Emanzipation des Bürgertums entspricht im Sturm und Drang die Aufforderung an den Einzelnen sich zu emanzipieren - und sei es auch auf die Gefahr hin, an einer übermächtigen Umwelt zu scheitern. Nicht die Abkehr von der Vernunft steht also im Zentrum, sondern die Stürmer und Dränger wenden sich lediglich gegen deren Vorherrschaft über die sinnlich-wahrnehmenden Erfahrungsbereiche des Menschen. Und wenn man die „Aufklärung“" nicht eng als eine Literaturepoche ansieht, sondern - wie sie auch ihre Vertreter gesehen haben wollten - als gesamtgesellschaftliche Bewegung, als eine geistige Entwicklung, die nie wirklich abgeschlossen sein kann, dann wird der Sturm und Drang gar zu einem 17.02.2021 integrierten Bestandteil dieses Prozesses. Die Aufklärung wird bei dieser Sicht der Dinge gewissermaßen zu einer epochalen Basis, die auch Seitenstränge wie Anakreontik, Empfindsamkeit oder Sturm und Drang umfasst. Vernunft und Gefühl, diese Eckpfeiler und programmatischen Begriffe der literarischen Epochen des 18. Jahrhunderts, müssen folglich als die beiden Seiten derselben Münze gesehen werden, als verschiedene Lebensinterpretationen und auch als verschiedene künstlerische Ausdrucksformen ähnlicher Anliegen. Beide sind Wegbereiter eines neuen Jahrhunderts der Literatur (und nicht nur der Epoche der Weimarer Klassik), das sieaufgreift und weiterentwickelt - beispielsweise im literarischen Vormärz und in der Romantik. Und in ihrer Gesamtheit sind sie Ausdruck einer gesamteuropäischen Entwicklung bürgerlicher Lebens- und Denkweise und bürgerlicher Dichtkunst. Der Sturm und Drang" in seiner spezifischen Form existiert allerdings nur in Deutschland und er bezeichnet eine rein literarische Bewegung, die ihr Entstehen einigen herausragenden Köpfen verdankt - allen voran Johann Gottfried Herder und dem jungen Johann Wolfgang Goethe, die im Winter 1770 in Straßburg zusammentrafen und einen Zirkel begeisterter junger Dichter ins Leben riefen. Zuerst schloss sich ihnen Jakob Michael Reinhold Lenz an, dann folgten Heinrich Leopold Wagner und, aus Frankfurt, Johann Heinrich Merck und schließlich stieß 1774 noch Friedrich Maximilian Klinger zu der Gruppe, dessen Drama „Sturm und Drang" der Epoche ihren Namen verlieh. Dieser Freundeskreis gab als kollektive literarische Bewegung 1772 eine literarische Zeitung heraus, die ,,Frankfurter Gelehrten Anzeigen“, in deren Artikeln schon die Kunst- und Lebensauffassung der jungen Epoche deutlich wird. Bei allen Gemeinsamkeiten grenzt sie sich letztendlich doch deutlich ab von der ,,Empfindsamkeit" mit ihrem von pietistischen Glaubensgrundsätzen geprägten Innerlichkeitsideal. Der Sturm und Drang betont eine aktive, schöpferisch-tätige Lebenshaltung, die oft mit gesellschaftlichen Missständen und Widersprüchen in Konflikt gerät. Straßburgisches Selang Sich Straßburg um 1775 Lindenhahn, Reinhard, in: Arbeitshefte zur Literaturgeschichte, Sturm und Drang, Berlin, 1996, S. 7f.