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Szeneninterpretation „Kerkerszene“ (Faust I)

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Die Tragödie ,,Faust. Der Tragödie erster Teil", wurde von Johann Wolfgang
von Goethe - über einen langen Ze
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Szeneninterpretation K e r k er Die Tragödie ,,Faust. Der Tragödie erster Teil", wurde von Johann Wolfgang von Goethe - über einen langen Zeitraum hinweg (1772-1806) und mit einigen Unterbrechungen- verfasst. Aus diesem Grund lässt sich das Werk auch nicht speziell einer Epoche zuordnen. Es enthält Elemente verschiedenster Literaturepochen, wie der Klassik, dem Sturm und Drang und der Romantik. Das Werk handelt von dem Gelehrten Heinrich Faust, der bestrebt ist alle irdischen und überirdischen Vorgänge zu verstehen und zu begreifen. Er ist verzweifelt über die Beschränktheit des Menschen und findet deshalb keine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Er lässt sich daraufhin auf eine Wette mit Mephisto ein, dem er als Gewinn, falls er es schaffen sollte, Fausts Lebensglück zurückzubringen, seine Seele verspricht. Die zu interpretierende Szene ,,Kerker" bildet hierbei den Abschluss des Geschehens. Der Szene vorangegangen ist die Liebschaft zwischen Faust und Gretchen, die Mephisto einfädelt. Diese nimmt allerdings tragische Züge an, denn erst tötet Faust Gretchens Bruder, dann vergiftet Gretchen unabsichtlich ihre Mutter und zuletzt ertränkt sie ihr gemeinsames Kind. Für die letztere Tat muss sich Gretchen nun verantworten. Sie wartet im Kerker auf ihre Hinrichtung. Faust betritt im Verlauf dieser Szene den Kerker, um Gretchen zu befreien und mit ihr zu fliehen. Anfangs ist sie noch deutlich vom Wahn gezeichnet doch im Verlauf der Szene sieht...

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Alternativer Bildtext:

sie ihre Schuld ein und kann es deshalb auch nicht mit ihrem gewissen vereinbaren, zu fliehen. Während sie sich ganz dem göttlichen Schicksal überlässt, verlassen Mephisto und Faust gemeinsam den Kerker. Faust steht nun zu Beginn der Szene vor der Tür zum Kerker, in dem Gretchen auf Grund des Tötens ihres Säuglings festgehalten wird und auf ihren Tod wartet. Er kann sich nur schwer dazu durchringen, den Kerker zu betreten, denn der fürchtet sich vor dem Wiedersehen mit Gretchen (Vgl. V. 4410). Faust ist sich bewusst, dass er dann mit seiner eigenen Schuld konfrontiert werden würde. Durch sein langes Warten, da er mit sich selbst zu hadern scheint, ,, (...) zögert den Tod heran" (V.4411). Als er nun endlich bereit dazu ist, den Kerker zu betreten, ertönt ein Lied. Gretchen bezeichnet sich dabei selbst aus der Sicht ihres Kindes als „Hur" (V.4412) und auch generell erscheint ihr Geisteszustand durch das, was sie singt, eher labil, als sei sie dem Wahn verfallen. Faust lauscht ihr währenddessen (Vgl. V. 4420). Auch Gretchens Worte, als ihr Geliebter ihr gegenüber steht um sie ,,zu befreien" (V.4424), zeigt ihre Verwirrung auf, denn sie scheint ihn nicht zu erkennen. Sie hält ihn für ihren ,,Henker" (V. 4427). Im folgenden Monolog Gretchens, schwankt ihr Verhalten - so scheint sie zeitweise sogar vernünftig zu sein. Immer wieder fleht sie Faust an, sie wenigstens noch bis zum nächsten Morgen leben zu lassen, was darauf schließen lässt, dass sie doch noch ziemlich an ihrem Leben hängt, trotz all dem, was ihr widerfahren ist. Sie verdrängt ihre Tat (V.4443 f.) und tut so, als wolle man ihr etwas Böses, obwohl sie unschuldig sei (Vgl. V. 4437-4440). Sie befindet sich also in einem natürlichen Schutzzustand, dieser bewahrt sie vor der Realität und womöglich an jener noch mehr zu zerbrechen. Auch von diesem Verhalten kann man ableiten, wie psychisch labil das junge Mädchen ist und was für ein regelrechtes Trauma es bei ihr hinterlassen hat. Als Faust nun vor ihr auf die Knie geht, versteht sie dieses Verhalten seinerseits falsch. Sie denkt, das er mit ihr gemeinsamen beten will. Diese Wahrnehmung unterstreicht ihre Religiosität, die sie selbst in der finstersten Zeit ihres Lebens nicht vergisst. Trotz allem was sie getan hat, glaubt sie daran, dass Gott sie vor der Hölle bewahren würde. Erst durch den Ruf ihres Namens durch Faust gelangt Gretchen langsam zurück zur gedanklichen Klarheit. Sie erkennt die Stimme ihres Geliebten sofort, doch erwartet sie nicht in ihrem „Henker" sondern auf der Schwelle" stehend (V. 4466). Als sie ihn nun endlich erkennt, prägt sie die Angst nicht mehr, denn sie weiß, dass sie gerettet ist (Vgl. V. 4474). Viel mehr schwelgt sie in der Erinnerung ihres ersten Treffens so sieht sie neben der Straße auch den „heiter(n) Garten“ (V. 4477) vor sich. Sie wirft sich ihren Geliebten an die Brust und will ihn küssen. Das Verhalten Gretchens zeigt, dass sie Faust offenbar trotz all den tragischen Ereignissen und der ihr bevorstehenden Todesstrafe noch immer liebt. Aber Faust will nichts anderes als mit ihr zu fliehen, er erwidert die Nähe, die Gretchen sucht, nicht. Besonders die oftmals von Faust verwendeten Imperative, zeigen, wie ernst es ihm zu sein scheint (Vgl. V. 4479, V. 4481). Obwohl Faust Gretchen als ,,Liebchen" (V. 4498) bezeichnet, vermutet sie auf Grund seines doch eher abweisenden Verhaltens, dass seine Liebe zu ihr erloschen ist. Besonders die rhetorische Frage ,,Wo ist dein Lieben geblieben?" verweist auf diese Vermutung ihrerseits. Das Enjambement unterstreicht ihre innere Zerrissenheit. Wieder nimmt Gretchen Bezug zu ihren anfänglichen Zweifel auf, ob es sich hierbei wirklich um Faust handele (Vgl. V. 4502). Auf Fausts drängende Aufforderungen mit ihm zu fliehen, steht sie ablehnend gegenüber. Immer wieder ruft sie sich ins Gedächtnis, was sie getan hat. So hat sie ihre Mutter ermordet und ebenso ihr Kind (Vgl. V. 4507f.). Anhand ihrer Gedankengänge kann man erkennen, dass sie sich das Ganze nicht verzeihen kann. Sie bekennt sich ihrer Schuld und ist bereit die Konsequenzen dafür zu tragen. So spricht Gretchen bereits darüber, wo ihr Grab einen Platz finden soll, aber genauso bittet sie Faust darum sich um die Gräber ihres Bruders, ihrer Mutter und ihres Kindes zu kümmern. Es scheint so als hoffe sie zumindest auf eine symbolische Wiederherstellung ihrer Familie im Tod (Vgl. V. 4520- 4529). Faust versucht sie auch künftig, zu überzeugen, mit ihm zu fliehen. Anhand seiner doch eher kurzen, drängenden Kommentare bemerkt man aber, dass er keine wirklichen Argumente hat, um Gretchen zu dazu zu bringen, das zu tun, was er möchte. Dies ist einer der wenigen Momente der Tragödie, in der es nicht so wirkt als wäre Gretchen Faust rhetorisch unterlegen. Seine Aufforderungen an sie (Vgl. V. 4536) lassen sie unberührt. Sie stellt sich weiterhin vehement dagegen. Sie möchte nicht ,,ins Freie" (V. 4538), sie möchte einzig und allein ins ,ewige Ruhebett" (V. 4540). Gretchen macht Faust darauf aufmerksam, dass sein Plan zu fliehen nichts bringt, denn sie ist früher oder später wird man sie doch finden (Vgl. V. 4549). Zusätzlich kann sie niemals mit ihrem ,,bösen Gewissen" (V.4547) niemals normal Leben können und vor allem wohl nicht glücklich. Gretchen scheint darauf wieder zurück in den Wahn zu fallen - so als erlebe sie die Tötung ihres Kindes erneut. Sie fordert Faust auf ihr gemeinsames Kind noch zu retten (Vgl. 4551-4562). Besonders ihre hysterischen Ausrufe zuletzt, weisen auf ihre innere Zerrissenheit und darauf hin, dass sie das Jetzt nicht mehr von der Vergangenheit trennen kann. Aber auch durch unregelmäßige Reimform Gretchens Aussagen, die kein festes Schema verfolgt, kann man auch in diesem kurzen Abschnitt (V. 4551-4562) - so wie in der gesamten Szene ihre Verwirrung erkennen. Als Faust sie bittet sich zu ,,besinne(n)“ (V. 4563) erinnert sie sich an ihre Mutter, als diese noch lebte (Vgl. V. 4565- 4573), was zeigt, wie sehr sie sich ihre Mutter zurückwünscht. Als Faust dann zuletzt versucht Gretchen aus dem Kerker zu befreien, in dem er sie hinausträgt, vollzieht Gretchen eine für sie untypische Handlung: Sie widersetzt sich ihrem Geliebten, denn sie möchte nicht mit ,Gewalt" (V.4576) von ihm aus dem Kerker geschafft werden. Anhand dessen kann man deutlich den Wandel des naiven, unterwürfigen Mädchens zu einer reifen, emanzipierten jungen Frau erkennen. Klar nimmt sie ihre Schuld an und malt sich ihre Hinrichtung aus (Vgl. 4587-4595). Doch es scheint nicht so als fürchte sie sich davor. Viel eher nimmt sie alles das, was ihr widerfahren wird, als gerechte Strafe an und es wirkt, als sei sie sehr reflektiert. Als Mephisto dann auch an diesem ,,heiligen Ort" (V.4603) - also dem Kerker - erscheint, erkennt ihn Gretchen sofort. Durch verschiedenste Ausrufe macht sie ihre ablehnende Haltung ihm gegenüber deutlich (Vgl. V. 4602). Gretchen übergibt sich nun dem ,,Gericht Gottes" (V.4605) und sie findet ihr letztes Gebet. Auch das zeigt wieder, dass sie Gott bis zum Lebensende verehrt und das trotz allem, was ihr zugestoßen ist und dass die Religion wohl der Anker ihres Lebens ist. Außerdem distanziert sie sich von Faust mit den Worten ,,Heinrich! Mir graut's vor dir!" (V.4610). Dieser Ausruf betont noch einmal ihre Entscheidung gegen die Flucht mit Faust, aber sie zeigt dadurch auch ihre Sühne. Mephisto jedoch scheint die Dimensionen der göttlichen Rettung nicht zu verstehen und stellt lediglich fest, dass Gretchen ,,gerichtet" (V.4611) sei, worauf ihn eine Stimme von oben berichtigt: ,,Ist gerettet!" (V.4612). Während Mephisto und Faust also den Kerker verlassen, kann sich Gretchen der Gnade Gottes sicher sein. Die Szene nimmt mit mit ihrem Verlauf eine wichtige Rolle der Tragödie ein. Zum Einen schließt sie die Gretchentragödie ab, zum Anderen aber auch die gesamte Liebesgeschichte der beiden. Der Abschluss des Dramas ist typisch für die Klassik, denn so kommt es zwar zu einer Katastrophe, denn der Tod Gretchens ist unausweichlich, jedoch ist es eher eine abgeschwächte Form dieser. Schließlich erhält Gretchen von der göttlichen Macht Gnade. Aber auch dadurch, dass sich Gretchen ihrer Schuld annimmt, wird deutlich wie groß die Unterschiede zwischen Weltverständnissen der sich Liebenden ist. Denn während Faust immer wieder nach dem Sinn des Lebens sucht und ihn nicht zu finden scheint, erkennt Gretchen sogar im engen Kerker einen existenziellen Sinn. Diesen kann man wohl auf die Verwurzelung ihrer Religion zurückführen.