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Texterörterung: Spät: "Sagen Sie alle Termine ab"

Texterörterung: Spät: "Sagen Sie alle Termine ab"

 www.KlausSchenck.de / Deutsch-KA 4-stündig / T.-Erört.: „Termine absagen!“/ S. 1
Aufgabenstellung:
Abiturstext: Patrick Spät: „Sagen Sie al

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Klaus Schenck

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www.KlausSchenck.de / Deutsch-KA 4-stündig / T.-Erört.: „Termine absagen!“/ S. 1 Aufgabenstellung: Abiturstext: Patrick Spät: „Sagen Sie alle Termine ab!" http://www.zeit.de/karriere/2015-07/faulheit-recht-leistungszwang/seite-2 (Zugriff: 13.01.2018) Arbeiten Sie die Aussagen des Autors heraus; berücksichtigen Sie dabei, wie er den Text gestaltet hat. Setzen Sie sich kritisch mit den Argumenten des Autors auseinander. Erörtern Sie über den Text hinausgehend inwieweit Leistung notwendig für ein erfülltes Leben ist. Einleitung: Heutzutage richtet sich die ganze Gesellschaft nach der Arbeit. Jeder will ein Wachstum der Wirtschaft und erhofft sich hierdurch ein besseres und erfüllteres Leben. Doch besonders durch diesen Druck leben viele Menschen nur für ihre Arbeit und das Einkommen. In dem Kommentar „Sagen Sie alle Termine ab!", welcher am 07.08.2015 auf „zeit.de“ veröffentlicht wurde, kritisiert der Autor Patrick Spät genau dieses Leben, in welchem der Beruf im Mittelpunkt des Lebens steht und somit keine Zeit mehr für private Aktivitäten lässt. 1.1 Aussage des Autors: Schon in der Überschrift wirft Patrick Spät die Frage auf, weshalb wir uns so abmühen, anstatt das Leben zu genießen. Die Wirtschaft solle wachsen und wir uns optimieren. Zunächst vergleicht er hierzu das Arbeitsverhalten mit der Kinderheldin „Pippi Langstrumpf“, die stets ihr Leben genieße und sich die Arbeit aufspare. Deshalb fragt sich der Autor selbst, ob Arbeit wirklich alles sei oder ob man den Sinn des Lebens doch eher in Faulheit und Freiheit finde. Spät stellt...

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deshalb die reiche der armen Bevölkerung gegenüber und kritisiert den „American Dream", vom Tellerwäscher zum Millionär, als Aberglaube und unrealistisch. Er kritisiert ebenso Politiker und Manager, auf welche man höre, wenn sie den Wettbewerb anpriesen, obwohl man eigentlich lieber mehr freie Zeit hätte. Hierzu zitiert der Autor eine Anekdote von Heinrich Böll, welche einen schlafenden Fischer zeigt, der von einem Touristen über eine Ausweitung seines Geschäfts belehrt wird und dennoch nicht nach Ruhm und Geld strebt, sondern mit seiner derzeitigen Situation zufrieden ist. Diese Einstellung betitelt Patrick Spät als das Richten nach einem Zieleinkommen. Hierdurch könne man sich alles zum Überleben leisten, muss aber ein Minimum an Arbeit aufbringen und ist somit zufriedener. Diese Strategie würden nicht- kapitalistische Gesellschaften, das gesamte Tierreich, insbesondere der Koala und der afrikanische Stamm der !Kung verfolgen (vgl. Z. 46ff). Dagegen habe die Arbeit nicht nur eine Einschränkung des Privatlebens zur Folge, sondern führe auch zu weniger Schlaf. Auch kritisiert Spät das allgemeine Wirtschaftswachstum, da dieser Fortschritt auch immer Elend mit sich bringe (vgl. Z. 63). Durch ständige Arbeit werde man nicht nur körperlich, sondern besonders psychisch beeinträchtigt. Am Schluss www.KlausSchenck.de / Deutsch-KA 4-stündig / T.-Erört.: „Termine absagen!“/ S. 2 bündelt Spät pointiert in der These „Siegen ist was für Loser“ (Z. 67) seinen kapitalismuskritischen Ansatz und fordert, sich der Tretmühle von Arbeitsmoral und Terminen zu verweigern und seine so gewonnene Freiheit zu genießen. 1.2 Textgestaltung: Die sprachlich-gestalterischen Mittel verstärken zudem die Tendenz des Textes. Schon mit der Überschrift „Sagen Sie alle Termine ab!", welche ein Ausruf ist, stellt der Autor seine Meinung gegen unseren gestressten Berufsalltag sehr deutlich dar. Auch mit der Metapher „globale[r] Trümmerhaufen“ (Z. 12), wie er unsere Wirtschafts-Welt definiert, bezieht er eine klare Position gegen den Kapitalismus. Deutlich wird dies zudem mit den Periphrasen „Lohnsklaven" (Z. 13) und „Bürohengste“ (Z.14) gemacht. Sie unterstreichen, dass die Menschen für ihren Lohn wie Sklaven oder sogar Tiere schuften. Eine weitere Periphrase in Zeile 24 stellt seine Sicht zu Arbeitgebern dar. Der Autor nennt sie „Kidnapper“ (Z. 24), was zudem eine zielgerichtete Hyperbel ist. Diese Periphrase baut der Autor zur Betonung seiner Aussage zudem noch in die Metapher „mit unseren Kidnappern zu kuscheln“ (Z. 24f) ein und zeigt damit den von ihm kritisierten Schmusekurs zwischen den Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Die Arbeiternehmer sind nach der Meinung des Autors viel zu wohlwollend zu den Arbeitgebern, obwohl diese sie nur ausbeuten. Des Weiteren kontrastiert er das Streben des Fischers mit dem der kapitalistischen Gesellschaft durch die Parallelismen „Der Fischer lebt nicht, um zu arbeiten - er arbeitet, um zu leben“ (Z. 39f) und „Ich kaufe mir ein Auto, um zur Arbeit zu fahren und ich fahre zur Arbeit, um mir das Auto leisten zu können“ (Z. 40f). Dies zeigt den Gegensatz der beiden hervorragend. „Schlafen ist was für Verlierer, die Gewinner schuften bis zum Umfallen“ (Z. 57f), dieser Chiasmus bekräftigt die Meinung der Gesellschaft, der der Autor kritisch gegenüber steht und hebt das „Profitdenken“ der Gesellschaft hervor. Die Metapher „Früchte der Lohnarbeit" (Z. 68) sowie die Metapher „der Stuhltanz um die letzten Jobs“ (Z. 68) vergleicht er mit „einem Pyrrhussieg“ (Z. 69). Dieser Vergleich zwischen dem Lohn der Arbeiter und den harten Kämpfen um einen Arbeitsplatz stellt er als einen zu teuer erkauften Sieg dar. Betont wird diese Meinung auch mit der Metapher „Schlachtfelder der Arbeit“ (Z. 72), welche die Arbeit Kampfplatz darstellt und damit verstehen lässt, dass es nur wenige Sieger, aber viele Verlierer gibt. Zudem fällt auf, dass der Autor seinen Kommentar mit fast den gleichen Worten wie in der Überschrift beendet: „Sagen Sie alle Termine ab!" (Überschrift). Er rundet damit seinen Text ab und macht dem Leser ein weiteres Mal seine Ansicht deutlich. 2. Auseinandersetzung mit dem Text: Der Kommentar „Sagen Sie alles ab!“ ist klar gegen den Kapitalismus und das ständige Streben nach Wirtschaftswachstum gerichtet. Jedoch gibt es dagegen auch einige Einwände. Zunächst zu seiner Kritik an dem Arbeitspensum, das sich in der 40-Stunden-Woche widerspiegelt (vgl. Z. 71), und seine Forderung, sich dieser zu entziehen. Es gibt Jobs, in denen so viel geleistet werden muss, da sie essentiell wichtige Arbeit für die Gesellschaft verrichten. Was wäre zum Beispiel, wenn die www.KlausSchenck.de / Deutsch-KA 4-stündig / T.-Erört.: „Termine absagen!“/ S. 3 Ärzte und Krankenschwestern auf einmal ihre Arbeitszeit verringern wollen und einfach zu Hause bleiben? Oder wenn bei einem Einbruch bei der Polizei niemand ans Telefon geht, weil sie ihr Zieleinkommen schon erreicht haben und zu Hause geblieben sind? Spät pauschalisiert alle Berufe, lässt aber die außer Acht, die auch für ihn essentiell wichtig sind. Spinnen wir die ganze Idee von Patrick Spät weiter. Vorausgesetzt, alle Arbeitstätige arbeiten nur bis zu ihrem Zieleinkommen und die Wirtschaft sinkt dadurch. In welcher Weise soll es der Gesellschaft dann bessergehen? Spät kritisiert, dass auch bei Wirtschaftswachstum das Elend zu groß ist. Wäre es dann der richtige Weg, dieser Ungerechtigkeit Nichtstun entgegen zu setzen? Natürlich bekämen die reichen Menschen dann weniger Einkommen, aber die arme Bevölkerung auch. Nicht die Wirtschaft ist der Grund für diese Ungleichheit, sondern Steuerklassen etc. Der Autor muss sein Blickfeld erweitern und nicht nur Blick für seinen Kritikpunkt haben. Weitere Kritik an Patrick Späts Kommentar kann an der gewonnenen Lebensfreude angesetzt werden. Natürlich ist gewonnene Lebensfreude schön, aber reicht diese gewonnene Lebensfreunde und das Zieleinkommen wirklich aus? Für manche Menschen ja. Für manche nein. Auch hier ist die Verallgemeinerung wieder ein großer Kritikpunkt. Bestimmt könnte man mit dem Zieleinkommen leben, aber könnte man sich auch mal etwas gönnen? Denn auch das macht Lebensfreude aus: Sich neue Schuhe, ein neues Hand oder ein neues Sofa kaufen zu können, ohne rechnen zu müssen, ob nur der Rest noch für den weiteren Monat reicht. Wir leben in einer Zeit, in der sehr viel über Statussymbole ausgedrückt wird, und die Freude, die man empfindet, wenn man seine neuen Schuhe zeigen kann, ist auch Lebensfreude, aber nur möglich, wenn man liquid ist, und das ist man nur, wenn man arbeitet. Natürlich kann die Lebensqualität steigen, wenn man mehr Zeit hat, das zu machen, was man will, nur braucht man die Mittel dazu. Generell ist zu sagen, dass die Vorstellung, die Patrick Spät von einer guten Gesellschaft hat, schlichtweg eine Utopie ist und in der Realität nicht zu erreichen ist. Trotz alle dem stimmt es, dass im Laufe der Zeit immer mehr von den Menschen gefordert wird. Durch das Eintrichtern des Satzes „macht was aus euch" (Z. 8) herrscht eine Überakademisierung. Jeder will Abitur und einen guten Job, die Ausbildungsberufe bleiben dabei auf der Strecke. Doch selbst, wenn man einen guten Job bekommen hat, heißt es nicht entspannen: Es wird weiter geschuftet, denn bringt man die Leistung nicht, wird man ersetzt. Genügend Ersatzkandidaten gibt es ja. Trotzdem ist fraglich, ob Termine absagen und Füße hochlegen das beste Entgegensetzen gegen den gesellschaftlichen Druck ist. 3. Erörterung: Leistung als Notwendigkeit für ein erfülltes Leben? Wir leben in einer erfolgsorientierten Gesellschaft. In dieser Gesellschaft ist ein erfülltes Leben definiert: Man besitzt ein Haus, hat eine Familie, einen guten Job und ist nebenbei in diversen Vereinen. Doch diese Vorstellung - die natürlich von jedem persönlich definiert werden kann - fällt einem nicht etwa einfach zu. Nein, das erfüllte Leben ist ein Produkt aus vielen Jahren harter Arbeit, wobei die vollkommene Erfüllung fast nie ganz erreicht werden kann. Es muss also ständig Leistung erbracht werden, um das erfüllte Leben zu sichern. Leistung ist hier nicht nur als Arbeit, zum Beispiel im Job, definiert. Alles, was wir erreichen wollen, fordert von uns Leistung. www.KlausSchenck.de / Deutsch-KA 4-stündig / T.-Erört.: „Termine absagen!“/ S. 4 Auch das Sichern einer Partnerschaft ist eine Form davon. Die beiden Komponenten bedingen sich also gegenseitig. Hat man das Verlangen oder strebt man nach einem erfüllten Leben, muss Leistung in jeglicher Form erbracht werden. Dies ist also der erste Punkt, wieso Leistung für ein erfülltes Leben notwendig ist, weil es ohne Leistung keines geben würde. Unsere Anstrengungen sichern uns unsere Vorstellung. Leistung hat nicht nur etwas mit dem Physischen, sondern auch mit dem Psychischen zu tun. Wer sich anstrengt und etwas vollendet, zum Beispiel ein Schriftsteller ein Buch, verschafft sich eine Art Genugtuung. Es ist sehr wichtig für die eigene Persönlichkeit und das eigene Selbstwertgefühl, was für ein Bild man von sich selbst hat. Leistet man nun also etwas, fühlt man sich als Macher und nicht als Verlierer und Nichtsnutz. Diese Erfahrung fördert und stärkt das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Auch das Urteil anderer über den eigenen Erfolg stärkt uns und baut uns auf. Dies führt zu einem weiteren Punkt: Der gesellschaftlichen Akzeptanz. In unserer erfolgsorientierten Gesellschaft werden Macher lieber gesehen als „Chiller". Zeigen tut sich dies an den negativen Äußerungen von Mitmenschen gegenüber Hartz IV-Empfängern. Sie werden als „Loser“ betrachtet, als Menschen, die es zu nichts gebracht haben und zu nichts bringen werden. Menschen hingegen, die bereit sind, etwas zu leisten und für ihre Ziele zu kämpfen, werden von der Gesellschaft akzeptiert. Diese Akzeptanz ist für viele Menschen Bedingung für ein erfülltes Leben, zwar gibt es auch Leute, die sagen, es sei ihnen egal, was andere von ihnen halten, aber ehrlicher Weise muss jeder zugeben, dass diese Nicht- Akzeptanz die Gedanken bestimmen und sogar verletzend sind. Der wahrscheinlich wichtigste Punkt sind allerdings die materiellen Dinge. Wer keine Leistung erbringt, hat keine Arbeit und kein Geld. Für viele, gerade in reichen Ländern wie Deutschland, ist Lebensqualität sich etwas „gönnen“ zu können und ohne Sorgen in das Leben zu investieren. Ohne Sorgen lebt es sich leichter und besser. Jedoch kommt das nicht von ungefähr. Es sind viele Jahre harter Arbeit nötig, um sich größere Träume erfüllen zu können. Doch auch schon Kleinigkeiten tragen zum erfüllten Leben bei, wie das „Leisten-Können“ eines teuren Essens oder einer etwas teuren Kette. Leistung kann verschieden ausgelegt und definiert werden. Sie kann physisch oder auch psychisch verrichtet werden und ist für das Erreichen des erfüllten Lebens unverzichtbar. Jedoch ist es wichtig nicht nur auf materielle Dinge Wert zu legen, sondern auch die physische Leistung nicht zu unterschätzen. Schluss: Abschließend gebe ich Patrick Spät recht, dass das Augenmerk von vielen Menschen viel zu sehr auf die Arbeit gelegt wird und das eigentliche „Leben leben" zu kurz kommt. Ich will es nicht so drastisch ausdrücken wie Spät, vertrete aber dennoch die Meinung, dass alles Absagen (vgl. Z. 75) manchmal das Richtige ist. Die Erholung darf nicht zu kurz kommen. Denn ein ausgeglichener Mensch, bei dem die Arbeit, aber auch das private Leben nicht zu kurz kommt, ist ein viel wertvollerer Angestellter als ein gestresster Workaholic, der kurz vor dem Burn-out steht. Das Leben ist etwas Begrenztes und sollte – auch mit Pflichten - genossen werden. Man muss nur aufpassen, sein Leben nicht den Pflichten zu verschreiben.

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www.KlausSchenck.de / Deutsch-KA 4-stündig / T.-Erört.: „Termine absagen!“/ S. 1 Aufgabenstellung: Abiturstext: Patrick Spät: „Sagen Sie alle Termine ab!" http://www.zeit.de/karriere/2015-07/faulheit-recht-leistungszwang/seite-2 (Zugriff: 13.01.2018) Arbeiten Sie die Aussagen des Autors heraus; berücksichtigen Sie dabei, wie er den Text gestaltet hat. Setzen Sie sich kritisch mit den Argumenten des Autors auseinander. Erörtern Sie über den Text hinausgehend inwieweit Leistung notwendig für ein erfülltes Leben ist. Einleitung: Heutzutage richtet sich die ganze Gesellschaft nach der Arbeit. Jeder will ein Wachstum der Wirtschaft und erhofft sich hierdurch ein besseres und erfüllteres Leben. Doch besonders durch diesen Druck leben viele Menschen nur für ihre Arbeit und das Einkommen. In dem Kommentar „Sagen Sie alle Termine ab!", welcher am 07.08.2015 auf „zeit.de“ veröffentlicht wurde, kritisiert der Autor Patrick Spät genau dieses Leben, in welchem der Beruf im Mittelpunkt des Lebens steht und somit keine Zeit mehr für private Aktivitäten lässt. 1.1 Aussage des Autors: Schon in der Überschrift wirft Patrick Spät die Frage auf, weshalb wir uns so abmühen, anstatt das Leben zu genießen. Die Wirtschaft solle wachsen und wir uns optimieren. Zunächst vergleicht er hierzu das Arbeitsverhalten mit der Kinderheldin „Pippi Langstrumpf“, die stets ihr Leben genieße und sich die Arbeit aufspare. Deshalb fragt sich der Autor selbst, ob Arbeit wirklich alles sei oder ob man den Sinn des Lebens doch eher in Faulheit und Freiheit finde. Spät stellt...

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Dagegen habe die Arbeit nicht nur eine Einschränkung des Privatlebens zur Folge, sondern führe auch zu weniger Schlaf. Auch kritisiert Spät das allgemeine Wirtschaftswachstum, da dieser Fortschritt auch immer Elend mit sich bringe (vgl. Z. 63). Durch ständige Arbeit werde man nicht nur körperlich, sondern besonders psychisch beeinträchtigt. Am Schluss www.KlausSchenck.de / Deutsch-KA 4-stündig / T.-Erört.: „Termine absagen!“/ S. 2 bündelt Spät pointiert in der These „Siegen ist was für Loser“ (Z. 67) seinen kapitalismuskritischen Ansatz und fordert, sich der Tretmühle von Arbeitsmoral und Terminen zu verweigern und seine so gewonnene Freiheit zu genießen. 1.2 Textgestaltung: Die sprachlich-gestalterischen Mittel verstärken zudem die Tendenz des Textes. Schon mit der Überschrift „Sagen Sie alle Termine ab!", welche ein Ausruf ist, stellt der Autor seine Meinung gegen unseren gestressten Berufsalltag sehr deutlich dar. Auch mit der Metapher „globale[r] Trümmerhaufen“ (Z. 12), wie er unsere Wirtschafts-Welt definiert, bezieht er eine klare Position gegen den Kapitalismus. Deutlich wird dies zudem mit den Periphrasen „Lohnsklaven" (Z. 13) und „Bürohengste“ (Z.14) gemacht. Sie unterstreichen, dass die Menschen für ihren Lohn wie Sklaven oder sogar Tiere schuften. Eine weitere Periphrase in Zeile 24 stellt seine Sicht zu Arbeitgebern dar. Der Autor nennt sie „Kidnapper“ (Z. 24), was zudem eine zielgerichtete Hyperbel ist. Diese Periphrase baut der Autor zur Betonung seiner Aussage zudem noch in die Metapher „mit unseren Kidnappern zu kuscheln“ (Z. 24f) ein und zeigt damit den von ihm kritisierten Schmusekurs zwischen den Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Die Arbeiternehmer sind nach der Meinung des Autors viel zu wohlwollend zu den Arbeitgebern, obwohl diese sie nur ausbeuten. Des Weiteren kontrastiert er das Streben des Fischers mit dem der kapitalistischen Gesellschaft durch die Parallelismen „Der Fischer lebt nicht, um zu arbeiten - er arbeitet, um zu leben“ (Z. 39f) und „Ich kaufe mir ein Auto, um zur Arbeit zu fahren und ich fahre zur Arbeit, um mir das Auto leisten zu können“ (Z. 40f). Dies zeigt den Gegensatz der beiden hervorragend. „Schlafen ist was für Verlierer, die Gewinner schuften bis zum Umfallen“ (Z. 57f), dieser Chiasmus bekräftigt die Meinung der Gesellschaft, der der Autor kritisch gegenüber steht und hebt das „Profitdenken“ der Gesellschaft hervor. Die Metapher „Früchte der Lohnarbeit" (Z. 68) sowie die Metapher „der Stuhltanz um die letzten Jobs“ (Z. 68) vergleicht er mit „einem Pyrrhussieg“ (Z. 69). Dieser Vergleich zwischen dem Lohn der Arbeiter und den harten Kämpfen um einen Arbeitsplatz stellt er als einen zu teuer erkauften Sieg dar. Betont wird diese Meinung auch mit der Metapher „Schlachtfelder der Arbeit“ (Z. 72), welche die Arbeit Kampfplatz darstellt und damit verstehen lässt, dass es nur wenige Sieger, aber viele Verlierer gibt. Zudem fällt auf, dass der Autor seinen Kommentar mit fast den gleichen Worten wie in der Überschrift beendet: „Sagen Sie alle Termine ab!" (Überschrift). Er rundet damit seinen Text ab und macht dem Leser ein weiteres Mal seine Ansicht deutlich. 2. Auseinandersetzung mit dem Text: Der Kommentar „Sagen Sie alles ab!“ ist klar gegen den Kapitalismus und das ständige Streben nach Wirtschaftswachstum gerichtet. Jedoch gibt es dagegen auch einige Einwände. Zunächst zu seiner Kritik an dem Arbeitspensum, das sich in der 40-Stunden-Woche widerspiegelt (vgl. Z. 71), und seine Forderung, sich dieser zu entziehen. Es gibt Jobs, in denen so viel geleistet werden muss, da sie essentiell wichtige Arbeit für die Gesellschaft verrichten. Was wäre zum Beispiel, wenn die www.KlausSchenck.de / Deutsch-KA 4-stündig / T.-Erört.: „Termine absagen!“/ S. 3 Ärzte und Krankenschwestern auf einmal ihre Arbeitszeit verringern wollen und einfach zu Hause bleiben? Oder wenn bei einem Einbruch bei der Polizei niemand ans Telefon geht, weil sie ihr Zieleinkommen schon erreicht haben und zu Hause geblieben sind? Spät pauschalisiert alle Berufe, lässt aber die außer Acht, die auch für ihn essentiell wichtig sind. Spinnen wir die ganze Idee von Patrick Spät weiter. Vorausgesetzt, alle Arbeitstätige arbeiten nur bis zu ihrem Zieleinkommen und die Wirtschaft sinkt dadurch. In welcher Weise soll es der Gesellschaft dann bessergehen? Spät kritisiert, dass auch bei Wirtschaftswachstum das Elend zu groß ist. Wäre es dann der richtige Weg, dieser Ungerechtigkeit Nichtstun entgegen zu setzen? Natürlich bekämen die reichen Menschen dann weniger Einkommen, aber die arme Bevölkerung auch. Nicht die Wirtschaft ist der Grund für diese Ungleichheit, sondern Steuerklassen etc. Der Autor muss sein Blickfeld erweitern und nicht nur Blick für seinen Kritikpunkt haben. Weitere Kritik an Patrick Späts Kommentar kann an der gewonnenen Lebensfreude angesetzt werden. Natürlich ist gewonnene Lebensfreude schön, aber reicht diese gewonnene Lebensfreunde und das Zieleinkommen wirklich aus? Für manche Menschen ja. Für manche nein. Auch hier ist die Verallgemeinerung wieder ein großer Kritikpunkt. Bestimmt könnte man mit dem Zieleinkommen leben, aber könnte man sich auch mal etwas gönnen? Denn auch das macht Lebensfreude aus: Sich neue Schuhe, ein neues Hand oder ein neues Sofa kaufen zu können, ohne rechnen zu müssen, ob nur der Rest noch für den weiteren Monat reicht. Wir leben in einer Zeit, in der sehr viel über Statussymbole ausgedrückt wird, und die Freude, die man empfindet, wenn man seine neuen Schuhe zeigen kann, ist auch Lebensfreude, aber nur möglich, wenn man liquid ist, und das ist man nur, wenn man arbeitet. Natürlich kann die Lebensqualität steigen, wenn man mehr Zeit hat, das zu machen, was man will, nur braucht man die Mittel dazu. Generell ist zu sagen, dass die Vorstellung, die Patrick Spät von einer guten Gesellschaft hat, schlichtweg eine Utopie ist und in der Realität nicht zu erreichen ist. Trotz alle dem stimmt es, dass im Laufe der Zeit immer mehr von den Menschen gefordert wird. Durch das Eintrichtern des Satzes „macht was aus euch" (Z. 8) herrscht eine Überakademisierung. Jeder will Abitur und einen guten Job, die Ausbildungsberufe bleiben dabei auf der Strecke. Doch selbst, wenn man einen guten Job bekommen hat, heißt es nicht entspannen: Es wird weiter geschuftet, denn bringt man die Leistung nicht, wird man ersetzt. Genügend Ersatzkandidaten gibt es ja. Trotzdem ist fraglich, ob Termine absagen und Füße hochlegen das beste Entgegensetzen gegen den gesellschaftlichen Druck ist. 3. Erörterung: Leistung als Notwendigkeit für ein erfülltes Leben? Wir leben in einer erfolgsorientierten Gesellschaft. In dieser Gesellschaft ist ein erfülltes Leben definiert: Man besitzt ein Haus, hat eine Familie, einen guten Job und ist nebenbei in diversen Vereinen. Doch diese Vorstellung - die natürlich von jedem persönlich definiert werden kann - fällt einem nicht etwa einfach zu. Nein, das erfüllte Leben ist ein Produkt aus vielen Jahren harter Arbeit, wobei die vollkommene Erfüllung fast nie ganz erreicht werden kann. Es muss also ständig Leistung erbracht werden, um das erfüllte Leben zu sichern. Leistung ist hier nicht nur als Arbeit, zum Beispiel im Job, definiert. Alles, was wir erreichen wollen, fordert von uns Leistung. www.KlausSchenck.de / Deutsch-KA 4-stündig / T.-Erört.: „Termine absagen!“/ S. 4 Auch das Sichern einer Partnerschaft ist eine Form davon. Die beiden Komponenten bedingen sich also gegenseitig. Hat man das Verlangen oder strebt man nach einem erfüllten Leben, muss Leistung in jeglicher Form erbracht werden. Dies ist also der erste Punkt, wieso Leistung für ein erfülltes Leben notwendig ist, weil es ohne Leistung keines geben würde. Unsere Anstrengungen sichern uns unsere Vorstellung. Leistung hat nicht nur etwas mit dem Physischen, sondern auch mit dem Psychischen zu tun. Wer sich anstrengt und etwas vollendet, zum Beispiel ein Schriftsteller ein Buch, verschafft sich eine Art Genugtuung. Es ist sehr wichtig für die eigene Persönlichkeit und das eigene Selbstwertgefühl, was für ein Bild man von sich selbst hat. Leistet man nun also etwas, fühlt man sich als Macher und nicht als Verlierer und Nichtsnutz. 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Wer keine Leistung erbringt, hat keine Arbeit und kein Geld. Für viele, gerade in reichen Ländern wie Deutschland, ist Lebensqualität sich etwas „gönnen“ zu können und ohne Sorgen in das Leben zu investieren. Ohne Sorgen lebt es sich leichter und besser. Jedoch kommt das nicht von ungefähr. Es sind viele Jahre harter Arbeit nötig, um sich größere Träume erfüllen zu können. Doch auch schon Kleinigkeiten tragen zum erfüllten Leben bei, wie das „Leisten-Können“ eines teuren Essens oder einer etwas teuren Kette. Leistung kann verschieden ausgelegt und definiert werden. Sie kann physisch oder auch psychisch verrichtet werden und ist für das Erreichen des erfüllten Lebens unverzichtbar. Jedoch ist es wichtig nicht nur auf materielle Dinge Wert zu legen, sondern auch die physische Leistung nicht zu unterschätzen. Schluss: Abschließend gebe ich Patrick Spät recht, dass das Augenmerk von vielen Menschen viel zu sehr auf die Arbeit gelegt wird und das eigentliche „Leben leben" zu kurz kommt. Ich will es nicht so drastisch ausdrücken wie Spät, vertrete aber dennoch die Meinung, dass alles Absagen (vgl. Z. 75) manchmal das Richtige ist. Die Erholung darf nicht zu kurz kommen. Denn ein ausgeglichener Mensch, bei dem die Arbeit, aber auch das private Leben nicht zu kurz kommt, ist ein viel wertvollerer Angestellter als ein gestresster Workaholic, der kurz vor dem Burn-out steht. Das Leben ist etwas Begrenztes und sollte – auch mit Pflichten - genossen werden. Man muss nur aufpassen, sein Leben nicht den Pflichten zu verschreiben.