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Woyzeck Szenenanalyse Beim Hauptmann

Woyzeck Szenenanalyse Beim Hauptmann

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Woyzeck Szenenanalyse Beim Hauptmann

 Deutsch GK Q1
Szenenanalyse „Beim Hauptmann"
Das Dramenfragment „Woyzeck", welches 1836 von Georg Büchner verfasst und nach seinem Tod
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Szenenanalyse der Szene "Beim Hauptmann" aus dem Drama Woyzeck

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Deutsch GK Q1 Szenenanalyse „Beim Hauptmann" Das Dramenfragment „Woyzeck", welches 1836 von Georg Büchner verfasst und nach seinem Tod veröffentlicht wurde, ist der Epoche des Vormärz zuzuordnen und thematisiert das Leben des psychisch labilen Protagonisten Woyzeck, welcher als Mitglied der Unterschicht von seinen Mitmenschen gedemütigt wird und schlussendlich aufgrund verschiedener Aspekte die Mutter seines Kindes ermordet. Die zu analysierende Einstiegsszene „Beim Hauptmann" gibt eine Einführung in Woyzecks von Armut geprägte Lage, welche ein Resultat aus seinen geringen finanziellen Verdiensten und der Verantwortung gegenüber seiner liierten Marie und dem gemeinsamen Sohn zu sein scheint. Aufgrund dieses Missstandes muss der einfache Soldat Woyzeck die Rasur des Hauptmanns als Nebeneinkunft nutzen, was der obenstehenden Regieanweisung zu entnehmen ist. Die Szene setzt sich aus einem umfangreichen Dialog zwischen Woyzeck und dem Hauptmann zusammen, obgleich Woyzeck vorerst keinen großen Redeanteil übernimmt (vgl. Z. 1-25). In jenem Teil beinhalten Woyzecks Aussagen lediglich Zuspruch für das, was sein Vorgesetzter bisher ausgesprochen hat. Im folgenden Teil des Dialogs überwiegt der gesprochene Anteil des Hauptmanns zwar immer noch, jedoch kommt auch Woyzeck zu Wort und vertritt seine Position. Die Szene setzt damit ein, dass der Hauptmann sich über das schnelle Vorgehen Woyzecks bei seiner Rasur beklagt (vgl. Z. 1f. ). Er philosophiert über die Bedeutung der Zeit und der Ewigkeit, da er nicht verstehen mag, was es...

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Woyzeck bringe, die Arbeit zehn Minuten eher zu vollenden (vgl. Z. 3 ff. ). Der Hauptmann beteuert, ein guter Mensch ließe sich nicht hetzen. Er wechselt abrupt das Thema und formuliert einige Gedanken über das Wetter aus und spricht Woyzeck auf eine erfundene Windrichtung an (vgl. Z. 19 ff. ). Woyzeck stimmt seinen Fragen lediglich zu, ohne die Antwort auszuführen und wird darauffolgend von seinem Vorgesetzten verspottet (vgl. Z. 26 ff. ). Der Hauptmann spricht Woyzecks unehelichen Sohn an und kritisiert die seines Erachtens nach inexistente Moral von ihm, was das Gespräch ein wenig intensiviert (vgl. Z. 31 ff.). Woyzeck beteuert, sein Sohn benötige den Segen Gottes nicht und er hätte sich eine Eheschließung ohnehin nicht leisten können (vgl. Z. 35 ff.). Der Hauptmann wirft ihm vor, er habe keine Tugend (vgl. S. 6, Z. 9 ff.), woraufhin Woyzeck erwidert, die Menschen in seiner Schicht hätten diese ohnehin nicht (vgl. S. 6, Z. 17 ff.). Der Hauptmann beendet das Gespräch mit der Erkenntnis, Woyzeck sei ein guter Mensch, aber sei dennoch arg von Hetzen geplagt, was ihm belaste (vgl. S. 6, Z. 24 ff.) Anhand dieser Szene lässt sich besonders gut das Machtverhältnis zwischen Woyzeck und dem Hauptmann festhalten, ebenso wie die Positionen in der Gesellschaft, welche die beiden einnehmen. Die Hierarchie ist bereits in den Regieanweisungen zu erkennen, da Woyzeck den Hauptmann rasiert und ihm eine Art Dienstleistung erweist. Hauptmann nimmt von Beginn an die dominante Rolle ein, da er Woyzeck den Befehl erteilt, langsamer mit der Rasur fortzufahren (vgl. Z. 1). Der Hauptmann tritt ihm mit wenig Respekt gegenüber, da er über Woyzeck lediglich in der dritten Person spricht. Jene Aktion untermauert das distanzierte Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Er zeigt deutlich, dass er von keinem Zeitdruck geplagt ist, als er empört die Hast Woyzecks anmerkt (vgl. Z. 2 ff.). Daraus, dass er Woyzeck zwischen seinen Fragen keine Zeit zum Antworten gibt, lässt sich schließen, dass seine Fragen nur rhetorischer Art sind und die Antwort ihn ohnehin nicht interessiert. Aufgrund seines Privilegs, Teil der Oberschicht zu sein, kann er nicht vorstellen, weshalb Woyzeck seine Arbeit mit einer solchen Hast erledigt, da zehn zusätzliche Minuten ihm persönlich nichts nutzen würden. Betrachtet man die Umstände, sowie die finanzielle Lage Woyzecks, so ist klar, Deutsch GK Q1 Szenenanalyse „Beim Hauptmann“ dass er in diesen zusätzlich gewonnenen Minuten weitere Arbeit verrichten könnte, welche bei der Unterhaltung seiner Familie von Nutzen sein könnten. Woyzeck äußert sich knapp mit der Aussage: „Jawohl, Herr Hauptmann“ (Z. 8), was seine Unterwürfigkeit zeigt. Der Hauptmann verfällt in eine Art Angst, als er seine Bedenken zur Ewigkeit äußert (vgl. Z. 9 ff.). Seine Hast beim Sprechen wird sichtlich, da er sich mit „Das ist ewig“ (Z. 11) und „Augenblick“ (Z. 12) ständig Wiederholungen bedient. Diese komplexen und philosophischen Gedankengänge belasten ihn arg und treiben ihn nahezu in die Depression, wie in Zeile 16: ,, oder ich werd' melancholisch" zu erkennen ist. Woyzeck geht auf diese Äußerungen seines Vorgesetzten ebenfalls nicht ein und wiederholt erneut: ,,Jawohl, Herr Hauptmann“ (Z. 17), um knapp zu vermitteln, dass er noch zuhört. Der Hauptmann verurteilt Woyzeck aufgrund seines Eindrucks und seiner Tätigkeiten als ,,verhetzt" (Z. 18), was ihm als legitim erscheint, da die Angehörigen seiner Schicht sich nicht so präsentieren würden. Er diskriminiert ihn als „keinen guten Menschen mit einem schlechten Gewissen" (vgl. Z. 18 ff.), da dieses Verhalten nicht der Norm seiner regulären Umgebung entspricht. Grund dafür ist, wie zuvor bereits angedeutet, die Tatsache, dass Mitglieder höherer Gesellschaften von keinem Zeitdruck geplagt sind, da sie nicht auf mögliche Kleinbeträge angewiesen sind, welche in dieser Zeit erwirtschaftet werden könnten. Der Hauptmann zeigt sich gestört durch die Tatsache, dass Woyzeck nicht auf das Gespräch eingeht und fordert ihn mit der Frage nach dem Wetter dazu auf, ebenfalls etwas beizutragen. Er könnte solch ein simples Thema gewählt haben, da die fehlende Reaktion Woyzecks auf die philosophischen und tiefgründigen Fragen ein Zeichen für mangelnde Kompetenz auf diesem Gebiet sein könnten. Daraufhin wiederholt Woyzeck knapp, dass das Wetter „schlimm“ (Z. 22) sei, da Wind wehe. Der Hauptmann nutzt die Gelegenheit, um seine geistige Überlegenheit gegenüber Woyzeck auszunutzen, indem er fragt, ob der Wind aus ,,Süd-Nord“ käme (vgl. Z. 25). Woyzeck stimmt ihm mit einem erneuten: ,,Jawohl, Herr Hauptmann" (Z. 26) zu, woraufhin der Hauptmann in Gelächter ausbricht. Dieser stellte die Frage wissentlich, dass es keinen Süd-Nord Wind gibt, was zumindest in seinen Kreisen jedem klar ist. Durch diese Bestätigung, dass er Woyzeck was die Allgemeinbildung betrifft überlegen ist, wird er umso mehr in seiner Position des Überlegenen bekräftigt, was ihn äußerst amüsiert. Er betitelt Woyzeck als „ganz abscheulich dumm“ (Z. 27), da es für ihn solch ein Wissen fundamental ist. Der Hauptmann stellt fest, Woyzeck habe keine Moral, was ebenfalls an seinem unehelichen Kind zu erkennen ist. Gerade zur Zeit der Handlung und besonders in den Kreisen des Hauptmanns, ist es absolut undenkbar, ein Kind ohne eine Eheschließung und ohne den kirchlichen Segen zu bekommen und aufzuziehen. Er zitiert einen Priester, um zu untermauern, wie verwerflich es ist, ein uneheliches Kind zu bekommen und dass das Kind nicht akzeptiert wird (vgl. Z. 30 ff.). An dieser Stelle wird klar, wie oberflächlich der Hauptmann ist, da er über das Kind und seine familiären Zustände urteilt, ohne die Umstände zu kennen. Er verkörpert die Ideale und Denkweisen der Oberschicht und scheut nicht, diese zu erwähnen, um Menschen der Unterschicht zu degradieren. Woyzeck kann diese Aussage nicht auf sich sitzen lassen, ohne sich zu positionieren und äußerst zum ersten Mal seit Beginn der Szene seine Sichtweise. Für seinen Sohn verwendet er die Metapher ,,armer Wurm" (Z. 35 f. ), welche sowohl sein Mitleid für das Kind als auch die Größe und Fragilität dessen andeutet. Er verteidigt ihn, indem er die Relevanz einer Eheschließung vor der Zeugung eines Kindes herab redet du beteuert, Gott würde alle Kinder zu sich nehmen (vgl. Z. 36 ff.). Mit dieser Deutsch GK Q1 Szenenanalyse „Beim Hauptmann“ Aussage wird sichtbar, dass er keinen großen Wert auf dieses christliche Ideal legt. Ebenso lässt sich deuten, dass er ohnehin nicht angetan von einer Verurteilung aufgrund bestimmter Umstände ( wie beispielsweise der gesellschaftlichen Stellung, dem Bund der Ehe, oder Ähnliches) ist, da vor dem Herrn sowieso jede:r gleich ist. Der Hauptmann mag nicht glauben, was er zuvor hörte, da jene Ansichten allem widersprechen, was er gewohnt ist und vertritt. Die Antwort Woyzecks macht ihn regelrecht ,,konfus“ (S. 6, Z.1), da er die Kritik Woyzecks an gesellschaftlichen Normen und Idealen in keiner Weise nachvollziehen kann, besonders vor dem Hintergrund, dass ein Leben und Agieren abseits der ideale der Oberschicht für ihn nie in Frage gekommen ist. Woyzeck reagiert darauf mit der Selbstbezeichnung „Wir arme Leut", was untermauert, dass er sich seiner finanziellen und gesellschaftlichen Lage bewusst ist und sich bereits damit auseinandergesetzt hat. Er wiederholt das Wort „Geld“ (Z. 3, 4), um die Bedeutung dessen zu zeigen. Er führt den Gedanken ,,Wer kein Geld hat...“ (Z. 4) nicht weiter aus, da sowohl er als auch der Hauptmann wissen, dass jene Menschen in ihrer Gesellschaft kein Ansehen genießen und nicht dazu in der Lage sind, wirklich etwas zu erreichen. Das Einzige, was er auch ohne eine Menge Geld erreichen konnte, war das Schaffen seines ,,Fleisch und Blut“ (Z.5). Folglich empfindet er, dass er und seinesgleichen mit einem Kind auch einmalig die Möglichkeit erhalten, etwas zu haben, was deren Eigen ist. Er beteuert, Menschen seines Standen seien ohnehin in jeder Welt unselig, woraus sich schließen lässt, dass er die gesellschaftlichen Missstände erfasst hat und ebenso nichts zu verlieren hat, da seinesgleichen ohnehin nicht gewürdigt werden (vgl. Z. 6 ff.). Die Aussage ,,Wenn wir in den Himmel kämen, so müssten wir donnern helfen“ (Z. 7.), impliziert zum einen, dass Woyzeck davon ausgeht, dass Menschen seines Standes ohnehin aufgrund der fehlenden Moral nicht in das Himmelreich kommen. Zum Anderen überträgt er seine tägliche Realität auf dieses Beispiel: Nichts wird ihm und seinen Mitmenschen geschenkt und alles kommt mit einem Preis, im Gegensatz zu der Oberschicht, welche von Geburt an privilegiert ist und somit keine Aktionen tätigen muss, um diesen Status zu behalten. Der Hauptmann geht auf die vorherigen Aussagen Woyzecks gar nicht ein, was seine Ignoranz und Verschlossenheit gegenüber (Gesellschafts-)Kritik darstellt. Er wirft Woyzeck erneut Untugend vor (vgl. Z. 9 f.), was ebenfalls darauf schließen lässt, dass er Woyzecks Argumentationsgang entweder nicht verstehen möchte oder sich schlicht aufgrund seiner sozialen Stellung nicht in die ärmliche und gar verzweifelte Lage Woyzecks versetzen kann. Woyzeck reagiert auf den Vorwurf einsichtig und selbstreflektiert, indem er die Tatsache, dass seine soziale Schicht natürlicherweise keine Tugend aufweist, annimmt (vgl. Z. 18 ff. ). Er geht davon aus, dass materielle Güter, wie Uhren, Kleidung etc. den Wunsch nach Tugend mit sich bringen und dass sie auch ihn zu einem tugendhaften Mann machen würden. Zu dieser Folgerung kommt er aufgrund der Tatsache, dass alle Herren der Oberschicht, welche über jene Güter verfügen, eine gesellschaftlich angesehene Tugend verkörpern und offensichtlich gar nicht anders können, als tugendhaft zu sein. Jenes ist ein Beispiel dafür, welcher Stellenwert dem Materialismus zugeschrieben wird, da physische Güter die psychische Ausprägung eines Menschen definieren sollen. Der Hauptmann beendet das Gespräch mit der Aussage, Woyzeck sei ein guter Mensch, jedoch sei er zu gehetzt und nachdenklich (vgl. Z. 24 ff. ). Das Verhältnis zwischen den beiden verändert sich in dieser letzten Sequenz, da der Hauptmann Woyzeck nun mit „Du“ (Z. 24) anspricht und nicht mehr in der dritten Person. Jenes vermindert die Distanz zwischen den beiden und lässt für einen kurzen Moment die klare Hierarchie in den Hintergrund rücken. Deutsch GK Q1 Szenenanalyse „Beim Hauptmann“ Andererseits wirkt das Beteuern darauf, dass Woyzeck ein guter Mensch ist, gezwungen, da der Hauptmann etwas, wie Mitleid für das kümmerliche Leben Woyzecks empfindet. In Hinblick auf die vorausgegangenen Analyseergebnisse lässt sich sagen, dass die Szene der Äußerung von Kritik an der Schichtengesellschaft zur Zeit der Handlung, ebenso wie die Hierarchie zwischen Arbeitgeber aus der Oberschicht und Arbeitnehmer aus der Unterschicht, dient. Anhand dieser Diskussion werden nicht nur die Privilegien der Oberschicht sichtlich, sondern ebenso die Probleme und Ansichten der Unterschicht, wie beispielsweise die ständige Unterlegenheit, unabhängig davon, wie viel ein Mitglied dieser schuftet, um wohlhabender zu werden. Jenes wird erzielt durch das Gespräch zwischen Woyzeck, einer individuellen Figur und dem Hauptmann, welcher durch die Nennung seines Rangs und Berufs eine typisierte Figur darstellt.

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Das Dramenfragment „Woyzeck", welches 1836 von Georg Büchner verfasst und nach seinem Tod
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Cool, mit dem Lernzettel konnte ich mich richtig gut auf meine Klassenarbeit vorbereiten. Danke 👍👍

Szenenanalyse der Szene "Beim Hauptmann" aus dem Drama Woyzeck

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Woyzeck bringe, die Arbeit zehn Minuten eher zu vollenden (vgl. Z. 3 ff. ). Der Hauptmann beteuert, ein guter Mensch ließe sich nicht hetzen. Er wechselt abrupt das Thema und formuliert einige Gedanken über das Wetter aus und spricht Woyzeck auf eine erfundene Windrichtung an (vgl. Z. 19 ff. ). Woyzeck stimmt seinen Fragen lediglich zu, ohne die Antwort auszuführen und wird darauffolgend von seinem Vorgesetzten verspottet (vgl. Z. 26 ff. ). Der Hauptmann spricht Woyzecks unehelichen Sohn an und kritisiert die seines Erachtens nach inexistente Moral von ihm, was das Gespräch ein wenig intensiviert (vgl. Z. 31 ff.). Woyzeck beteuert, sein Sohn benötige den Segen Gottes nicht und er hätte sich eine Eheschließung ohnehin nicht leisten können (vgl. Z. 35 ff.). Der Hauptmann wirft ihm vor, er habe keine Tugend (vgl. S. 6, Z. 9 ff.), woraufhin Woyzeck erwidert, die Menschen in seiner Schicht hätten diese ohnehin nicht (vgl. S. 6, Z. 17 ff.). Der Hauptmann beendet das Gespräch mit der Erkenntnis, Woyzeck sei ein guter Mensch, aber sei dennoch arg von Hetzen geplagt, was ihm belaste (vgl. S. 6, Z. 24 ff.) Anhand dieser Szene lässt sich besonders gut das Machtverhältnis zwischen Woyzeck und dem Hauptmann festhalten, ebenso wie die Positionen in der Gesellschaft, welche die beiden einnehmen. Die Hierarchie ist bereits in den Regieanweisungen zu erkennen, da Woyzeck den Hauptmann rasiert und ihm eine Art Dienstleistung erweist. Hauptmann nimmt von Beginn an die dominante Rolle ein, da er Woyzeck den Befehl erteilt, langsamer mit der Rasur fortzufahren (vgl. Z. 1). Der Hauptmann tritt ihm mit wenig Respekt gegenüber, da er über Woyzeck lediglich in der dritten Person spricht. Jene Aktion untermauert das distanzierte Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Er zeigt deutlich, dass er von keinem Zeitdruck geplagt ist, als er empört die Hast Woyzecks anmerkt (vgl. Z. 2 ff.). Daraus, dass er Woyzeck zwischen seinen Fragen keine Zeit zum Antworten gibt, lässt sich schließen, dass seine Fragen nur rhetorischer Art sind und die Antwort ihn ohnehin nicht interessiert. Aufgrund seines Privilegs, Teil der Oberschicht zu sein, kann er nicht vorstellen, weshalb Woyzeck seine Arbeit mit einer solchen Hast erledigt, da zehn zusätzliche Minuten ihm persönlich nichts nutzen würden. Betrachtet man die Umstände, sowie die finanzielle Lage Woyzecks, so ist klar, Deutsch GK Q1 Szenenanalyse „Beim Hauptmann“ dass er in diesen zusätzlich gewonnenen Minuten weitere Arbeit verrichten könnte, welche bei der Unterhaltung seiner Familie von Nutzen sein könnten. Woyzeck äußert sich knapp mit der Aussage: „Jawohl, Herr Hauptmann“ (Z. 8), was seine Unterwürfigkeit zeigt. Der Hauptmann verfällt in eine Art Angst, als er seine Bedenken zur Ewigkeit äußert (vgl. Z. 9 ff.). Seine Hast beim Sprechen wird sichtlich, da er sich mit „Das ist ewig“ (Z. 11) und „Augenblick“ (Z. 12) ständig Wiederholungen bedient. Diese komplexen und philosophischen Gedankengänge belasten ihn arg und treiben ihn nahezu in die Depression, wie in Zeile 16: ,, oder ich werd' melancholisch" zu erkennen ist. Woyzeck geht auf diese Äußerungen seines Vorgesetzten ebenfalls nicht ein und wiederholt erneut: ,,Jawohl, Herr Hauptmann“ (Z. 17), um knapp zu vermitteln, dass er noch zuhört. Der Hauptmann verurteilt Woyzeck aufgrund seines Eindrucks und seiner Tätigkeiten als ,,verhetzt" (Z. 18), was ihm als legitim erscheint, da die Angehörigen seiner Schicht sich nicht so präsentieren würden. Er diskriminiert ihn als „keinen guten Menschen mit einem schlechten Gewissen" (vgl. Z. 18 ff.), da dieses Verhalten nicht der Norm seiner regulären Umgebung entspricht. Grund dafür ist, wie zuvor bereits angedeutet, die Tatsache, dass Mitglieder höherer Gesellschaften von keinem Zeitdruck geplagt sind, da sie nicht auf mögliche Kleinbeträge angewiesen sind, welche in dieser Zeit erwirtschaftet werden könnten. Der Hauptmann zeigt sich gestört durch die Tatsache, dass Woyzeck nicht auf das Gespräch eingeht und fordert ihn mit der Frage nach dem Wetter dazu auf, ebenfalls etwas beizutragen. Er könnte solch ein simples Thema gewählt haben, da die fehlende Reaktion Woyzecks auf die philosophischen und tiefgründigen Fragen ein Zeichen für mangelnde Kompetenz auf diesem Gebiet sein könnten. Daraufhin wiederholt Woyzeck knapp, dass das Wetter „schlimm“ (Z. 22) sei, da Wind wehe. Der Hauptmann nutzt die Gelegenheit, um seine geistige Überlegenheit gegenüber Woyzeck auszunutzen, indem er fragt, ob der Wind aus ,,Süd-Nord“ käme (vgl. Z. 25). Woyzeck stimmt ihm mit einem erneuten: ,,Jawohl, Herr Hauptmann" (Z. 26) zu, woraufhin der Hauptmann in Gelächter ausbricht. Dieser stellte die Frage wissentlich, dass es keinen Süd-Nord Wind gibt, was zumindest in seinen Kreisen jedem klar ist. Durch diese Bestätigung, dass er Woyzeck was die Allgemeinbildung betrifft überlegen ist, wird er umso mehr in seiner Position des Überlegenen bekräftigt, was ihn äußerst amüsiert. Er betitelt Woyzeck als „ganz abscheulich dumm“ (Z. 27), da es für ihn solch ein Wissen fundamental ist. Der Hauptmann stellt fest, Woyzeck habe keine Moral, was ebenfalls an seinem unehelichen Kind zu erkennen ist. Gerade zur Zeit der Handlung und besonders in den Kreisen des Hauptmanns, ist es absolut undenkbar, ein Kind ohne eine Eheschließung und ohne den kirchlichen Segen zu bekommen und aufzuziehen. Er zitiert einen Priester, um zu untermauern, wie verwerflich es ist, ein uneheliches Kind zu bekommen und dass das Kind nicht akzeptiert wird (vgl. Z. 30 ff.). An dieser Stelle wird klar, wie oberflächlich der Hauptmann ist, da er über das Kind und seine familiären Zustände urteilt, ohne die Umstände zu kennen. Er verkörpert die Ideale und Denkweisen der Oberschicht und scheut nicht, diese zu erwähnen, um Menschen der Unterschicht zu degradieren. Woyzeck kann diese Aussage nicht auf sich sitzen lassen, ohne sich zu positionieren und äußerst zum ersten Mal seit Beginn der Szene seine Sichtweise. Für seinen Sohn verwendet er die Metapher ,,armer Wurm" (Z. 35 f. ), welche sowohl sein Mitleid für das Kind als auch die Größe und Fragilität dessen andeutet. Er verteidigt ihn, indem er die Relevanz einer Eheschließung vor der Zeugung eines Kindes herab redet du beteuert, Gott würde alle Kinder zu sich nehmen (vgl. Z. 36 ff.). Mit dieser Deutsch GK Q1 Szenenanalyse „Beim Hauptmann“ Aussage wird sichtbar, dass er keinen großen Wert auf dieses christliche Ideal legt. Ebenso lässt sich deuten, dass er ohnehin nicht angetan von einer Verurteilung aufgrund bestimmter Umstände ( wie beispielsweise der gesellschaftlichen Stellung, dem Bund der Ehe, oder Ähnliches) ist, da vor dem Herrn sowieso jede:r gleich ist. Der Hauptmann mag nicht glauben, was er zuvor hörte, da jene Ansichten allem widersprechen, was er gewohnt ist und vertritt. Die Antwort Woyzecks macht ihn regelrecht ,,konfus“ (S. 6, Z.1), da er die Kritik Woyzecks an gesellschaftlichen Normen und Idealen in keiner Weise nachvollziehen kann, besonders vor dem Hintergrund, dass ein Leben und Agieren abseits der ideale der Oberschicht für ihn nie in Frage gekommen ist. Woyzeck reagiert darauf mit der Selbstbezeichnung „Wir arme Leut", was untermauert, dass er sich seiner finanziellen und gesellschaftlichen Lage bewusst ist und sich bereits damit auseinandergesetzt hat. Er wiederholt das Wort „Geld“ (Z. 3, 4), um die Bedeutung dessen zu zeigen. Er führt den Gedanken ,,Wer kein Geld hat...“ (Z. 4) nicht weiter aus, da sowohl er als auch der Hauptmann wissen, dass jene Menschen in ihrer Gesellschaft kein Ansehen genießen und nicht dazu in der Lage sind, wirklich etwas zu erreichen. Das Einzige, was er auch ohne eine Menge Geld erreichen konnte, war das Schaffen seines ,,Fleisch und Blut“ (Z.5). Folglich empfindet er, dass er und seinesgleichen mit einem Kind auch einmalig die Möglichkeit erhalten, etwas zu haben, was deren Eigen ist. Er beteuert, Menschen seines Standen seien ohnehin in jeder Welt unselig, woraus sich schließen lässt, dass er die gesellschaftlichen Missstände erfasst hat und ebenso nichts zu verlieren hat, da seinesgleichen ohnehin nicht gewürdigt werden (vgl. Z. 6 ff.). Die Aussage ,,Wenn wir in den Himmel kämen, so müssten wir donnern helfen“ (Z. 7.), impliziert zum einen, dass Woyzeck davon ausgeht, dass Menschen seines Standes ohnehin aufgrund der fehlenden Moral nicht in das Himmelreich kommen. Zum Anderen überträgt er seine tägliche Realität auf dieses Beispiel: Nichts wird ihm und seinen Mitmenschen geschenkt und alles kommt mit einem Preis, im Gegensatz zu der Oberschicht, welche von Geburt an privilegiert ist und somit keine Aktionen tätigen muss, um diesen Status zu behalten. Der Hauptmann geht auf die vorherigen Aussagen Woyzecks gar nicht ein, was seine Ignoranz und Verschlossenheit gegenüber (Gesellschafts-)Kritik darstellt. Er wirft Woyzeck erneut Untugend vor (vgl. Z. 9 f.), was ebenfalls darauf schließen lässt, dass er Woyzecks Argumentationsgang entweder nicht verstehen möchte oder sich schlicht aufgrund seiner sozialen Stellung nicht in die ärmliche und gar verzweifelte Lage Woyzecks versetzen kann. Woyzeck reagiert auf den Vorwurf einsichtig und selbstreflektiert, indem er die Tatsache, dass seine soziale Schicht natürlicherweise keine Tugend aufweist, annimmt (vgl. Z. 18 ff. ). Er geht davon aus, dass materielle Güter, wie Uhren, Kleidung etc. den Wunsch nach Tugend mit sich bringen und dass sie auch ihn zu einem tugendhaften Mann machen würden. Zu dieser Folgerung kommt er aufgrund der Tatsache, dass alle Herren der Oberschicht, welche über jene Güter verfügen, eine gesellschaftlich angesehene Tugend verkörpern und offensichtlich gar nicht anders können, als tugendhaft zu sein. Jenes ist ein Beispiel dafür, welcher Stellenwert dem Materialismus zugeschrieben wird, da physische Güter die psychische Ausprägung eines Menschen definieren sollen. Der Hauptmann beendet das Gespräch mit der Aussage, Woyzeck sei ein guter Mensch, jedoch sei er zu gehetzt und nachdenklich (vgl. Z. 24 ff. ). Das Verhältnis zwischen den beiden verändert sich in dieser letzten Sequenz, da der Hauptmann Woyzeck nun mit „Du“ (Z. 24) anspricht und nicht mehr in der dritten Person. Jenes vermindert die Distanz zwischen den beiden und lässt für einen kurzen Moment die klare Hierarchie in den Hintergrund rücken. Deutsch GK Q1 Szenenanalyse „Beim Hauptmann“ Andererseits wirkt das Beteuern darauf, dass Woyzeck ein guter Mensch ist, gezwungen, da der Hauptmann etwas, wie Mitleid für das kümmerliche Leben Woyzecks empfindet. In Hinblick auf die vorausgegangenen Analyseergebnisse lässt sich sagen, dass die Szene der Äußerung von Kritik an der Schichtengesellschaft zur Zeit der Handlung, ebenso wie die Hierarchie zwischen Arbeitgeber aus der Oberschicht und Arbeitnehmer aus der Unterschicht, dient. Anhand dieser Diskussion werden nicht nur die Privilegien der Oberschicht sichtlich, sondern ebenso die Probleme und Ansichten der Unterschicht, wie beispielsweise die ständige Unterlegenheit, unabhängig davon, wie viel ein Mitglied dieser schuftet, um wohlhabender zu werden. Jenes wird erzielt durch das Gespräch zwischen Woyzeck, einer individuellen Figur und dem Hauptmann, welcher durch die Nennung seines Rangs und Berufs eine typisierte Figur darstellt.