Thomas Hobbes zählt zu den einflussreichsten politischen Denkern der Neuzeit.... Mehr anzeigen
Der Naturzustand und die Staatstheorie: Eine einfache Erklärung von Thomas Hobbes











Thomas Hobbes: Grundlagen seiner politischen Philosophie
Thomas Hobbes entwickelte im 17. Jahrhundert eine der prägendsten Staatstheorien der politischen Philosophie. Seine Ideen über den Naturzustand, das Menschenbild und den Gesellschaftsvertrag beeinflussen bis heute unser Verständnis von Staat und Gesellschaft.
Seine Theorie beginnt mit der Analyse, wie Menschen ohne staatliche Ordnung miteinander leben würden – dem sogenannten Naturzustand. Daraus leitet er die Notwendigkeit eines starken Souveräns ab, der absolute Macht besitzen muss.
💡 Hobbes' politische Theorie entstand während des englischen Bürgerkriegs, was seinen Fokus auf Sicherheit und Ordnung erklärt.

Biografie und historischer Kontext
Thomas Hobbes lebte von 1588 bis 1679 in England während einer Zeit politischer Umbrüche. Er studierte in Oxford Logik und Physik und arbeitete später als Hauslehrer für die Adelsfamilie Cavendish.
Durch zahlreiche Reisen traf Hobbes bedeutende Philosophen seiner Zeit, was seine intellektuelle Entwicklung prägte. Diese Begegnungen und die Erfahrung des englischen Bürgerkriegs formten sein Denken grundlegend.
Sein bekanntestes Werk ist der Leviathan, in dem er seine Theorie des Absolutismus entwickelt – die Idee, dass nur ein allmächtiger Herrscher Frieden garantieren kann. Dieses Werk gilt als Meilenstein der politischen Philosophie.

Der Naturzustand nach Hobbes
Im Naturzustand – also dem hypothetischen Zustand ohne Staat – sind nach Hobbes alle Menschen in ihren körperlichen und geistigen Fähigkeiten grundsätzlich gleich. Diese Gleichheit führt dazu, dass alle ähnliche Hoffnungen und Ziele haben.
Wenn alle nach denselben begrenzten Gütern streben, werden sie zwangsläufig zu Konkurrenten und schließlich zu Feinden. Hobbes zeichnet ein ausgesprochen negatives Menschenbild: Er sieht die Menschen als von Natur aus böse, aggressiv, zielstrebig und neidisch an.
Anders als später Rousseau oder Locke im Naturzustand, betont Hobbes die dunklen Seiten der menschlichen Natur. Diese pessimistische Sicht bildet die Grundlage für seine gesamte Staatstheorie.
🔥 Vergleich: Während Hobbes den Menschen im Naturzustand als gefährlich beschreibt, sehen Locke und Rousseau den Menschen grundsätzlich positiver – diese unterschiedlichen Menschenbilder führen zu völlig verschiedenen Staatstheorien!

"Homo homini lupus"
Der berühmte Ausspruch "homo homini lupus" ("der Mensch ist dem Menschen ein Wolf") fasst Hobbes' Menschenbild prägnant zusammen. Diese Metapher verdeutlicht seine Überzeugung von der grundlegenden Gefährlichkeit des Menschen.
In Hobbes' Augen ist der Mensch von Natur aus egoistisch und bereit, anderen zu schaden, um die eigenen Interessen durchzusetzen. Dieses Wolfsprinzip verdeutlicht, warum Menschen ohne staatliche Kontrolle nicht friedlich zusammenleben können.
Der Vergleich mit dem Wolf war im 17. Jahrhundert besonders eindrücklich, da Wölfe als Bedrohung für die Gemeinschaft galten. Hobbes nutzt dieses Bild geschickt, um zu erklären, warum wir eine starke staatliche Ordnung benötigen.

"Bellum omnium contra omnes"
Mit dem Ausspruch "bellum omnium contra omnes" ("ein Krieg aller gegen alle") beschreibt Hobbes die unvermeidliche Konsequenz des Naturzustands. Ohne staatliche Ordnung herrscht ein permanenter Konfliktzustand.
Da jeder Mensch im Naturzustand nach Selbsterhaltung strebt und die gleichen Ressourcen begehrt, entsteht ein dauerhafter Kriegszustand. In diesem Zustand gibt es keine Garantien für Leben oder Eigentum, und jeder muss ständig um sein Überleben kämpfen.
Diese düstere Vision eines permanenten Kriegszustandes ist der Kern von Hobbes' Begründung für die Notwendigkeit eines starken absolutistischen Staates. Nur durch die Unterwerfung unter einen mächtigen Souverän kann dieser Zustand überwunden werden.

Probleme des Naturzustands
Im Naturzustand nach Hobbes führt das gegenseitige Misstrauen unweigerlich zur Anwendung von Gewalt. Es entstehen Kriege und permanente Konflikte, da jeder um die begrenzten Ressourcen kämpft.
In diesem Zustand existieren keine gesicherten Rechte und kein geschütztes Eigentum. Ohne Sicherheitsgarantien kann sich auch kein Fleiß entwickeln – niemand arbeitet für die Zukunft, wenn man nicht weiß, ob man die Früchte seiner Arbeit ernten kann.
Diese chaotische Situation macht ein normales gesellschaftliches Leben unmöglich. Die ständige Bedrohung führt zu dem von Hobbes beschriebenen "elenden, brutalen und kurzen Leben" im Naturzustand – ein Zustand, den vernünftige Menschen überwinden wollen.
💡 Der Naturzustand ist für Hobbes kein historischer Zustand, sondern ein theoretisches Konstrukt, um zu zeigen, was ohne staatliche Ordnung passieren würde.

Der Gesellschaftsvertrag
Um dem Naturzustand zu entkommen, schließen die Menschen nach Hobbes einen Gesellschaftsvertrag. Sie verzichten freiwillig auf ihre unbegrenzte Freiheit und Rechte im Naturzustand zugunsten von Sicherheit und Frieden.
Dieser Vertrag besteht darin, dass alle Menschen ihre Macht an einen Souverän übertragen, der fortan für Sicherheit, Schutz, Frieden und gemeinsame Verteidigung sorgt. Der Souverän wird zur allgemeinen Gewalt, die die Handlungen der Menschen auf das Gemeinwohl lenkt.
In Hobbes' Staatstheorie wird das Volk durch diesen Vertrag zum Untertan. Anders als bei späteren Denkern wie Locke oder Rousseau behält das Volk keine Souveränität zurück – der Herrscher erhält absolute Macht, um den Frieden zu sichern.

Der Souverän und seine Macht
Der Souverän in Hobbes' Staatstheorie besitzt absolute und unbegrenzte Macht. Da die Untertanen ihn durch den Gesellschaftsvertrag autorisiert haben, darf er tun, was er für notwendig hält.
Er kann alleine Gesetze beschließen und repräsentiert den Willen aller Bürger. Diese umfassende Machtposition ist nach Hobbes notwendig, um den chaotischen Naturzustand zu überwinden und Frieden zu garantieren.
Eine wichtige Eigenschaft dieses absolutistischen Herrschers: Er kann nicht ohne sein Einverständnis aus dem Amt enthoben werden. Die übertragene Macht kann nicht zurückgenommen werden, da sonst der Staat zusammenbrechen und der Naturzustand zurückkehren würde.

Pflichten des Souveräns
Trotz seiner absoluten Macht hat der Souverän in Hobbes' Staatstheorie eine fundamentale Pflicht: Er muss Schutz für seine Untertanen garantieren. Dies ist die Kernaufgabe, die sich aus dem Zweck der Staatsgründung ergibt.
Sollte der Souverän diese Schutzfunktion nicht mehr erfüllen können, entfällt die Verpflichtung der Untertanen zum Gehorsam. In diesem Fall geht der eigentliche Zweck der Staatsgründung verloren – die Überwindung des gefährlichen Naturzustands.
Diese Bedingung zeigt, dass selbst Hobbes' scheinbar grenzenlose Herrschaftskonzeption eine fundamentale Zweckbindung hat. Der Leviathan hat seine Berechtigung nur, solange er das Leben und die Sicherheit der Bürger schützt.
💡 Der Titel "Leviathan" bezieht sich auf ein biblisches Seeungeheuer und symbolisiert die überwältigende Macht des Staates, die nötig ist, um die menschlichen Konflikte zu zähmen.

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