Demokratietheorien in der Moderne
Die Konkurrenztheorie (nach Locke) geht von unterschiedlichen Interessen der Bürger aus. Sie befürwortet eine repräsentative Demokratie, in der Volksvertreter mit freiem Mandat entscheiden. Die Mehrheit bestimmt, was kritisch gesehen zu Elitenpluralismus und der Durchsetzung von Privatinteressen führen kann.
Im Gegensatz dazu steht die Identitätstheorie (nach Rousseau), die einen einheitlichen Volkswillen voraussetzt. In diesem identitären Demokratiemodell werden Sondermeinungen nicht akzeptiert, da alle Menschen als gleich betrachtet werden. Nur die direkte Demokratie mit Volksabstimmungen wird als legitim angesehen, wobei Abgeordnete an den Volkswillen gebunden sind (imperatives Mandat).
Die Pluralismustheorie (nach Montesquieu) bildet die Grundlage moderner Demokratie in Deutschland. Sie schützt Freiheit und Grundrechte, erlaubt viele gesellschaftliche Gruppen und fördert Gleichberechtigung. Zentral ist die Machtbegrenzung durch Gewaltenteilung und die Existenz mehrerer Institutionen, die sich gegenseitig kontrollieren.
🔑 Merke: Der Vergleich von Identitätstheorie und Konkurrenztheorie zeigt zwei gegensätzliche Demokratiemodelle: Während die Identitätstheorie einen homogenen Volkswillen annimmt und direkte Beteiligung fordert, erkennt die Konkurrenztheorie unterschiedliche Interessen an und setzt auf Repräsentation.
Die moderne Demokratie kombiniert Elemente verschiedener Theorien: Sie schützt Minderheiten (gegen Rousseaus Identitätstheorie), begrenzt Macht durch Gewaltenteilung (Montesquieu) und nutzt repräsentative Elemente (Locke), während sie gleichzeitig Volksentscheide ermöglicht.