Psychosexuelle und psychosoziale Entwicklung: Urvertrauen gegen Urmisstrauen
In der ersten Stufe von Eriksons Modell, die vom Zeitpunkt der Geburt bis etwa zum 18. Lebensmonat reicht, steht die Entwicklung von Urvertrauen im Mittelpunkt. Diese Phase entspricht der oralen Phase in Freuds psychosexueller Entwicklungstheorie.
Die soziale Seite dieser Entwicklungsstufe ist von entscheidender Bedeutung. Sie bildet den Ausgangspunkt der sozialen Entwicklung des Kindes. Die Bedürfnisbefriedigung durch die Mutter oder eine andere primäre Bezugsperson spielt eine zentrale Rolle. Zu diesen Bedürfnissen gehören Nahrung, Nähe, soziale Interaktion, Sicherheit und Geborgenheit. Durch die zuverlässige Erfüllung dieser Bedürfnisse entwickelt das Kind Urvertrauen.
Die Krise in dieser Phase entsteht durch die Entwöhnung vom Stillen und die Entwicklung neuer Fähigkeiten. Das Kind strebt nach Autonomie, kann aber auch Misstrauen entwickeln, insbesondere wenn keine verlässliche Bezugsperson vorhanden ist oder die Bedürfnisbefriedigung unzureichend ist.
Definition: Urvertrauen ist nach Erikson die grundlegende Überzeugung, dass die Welt ein sicherer Ort ist und dass man sich auf andere Menschen verlassen kann.
Eine Idealentwicklung in dieser Phase führt zur Ausbildung von Urvertrauen, gepaart mit einem notwendigen Maß an Misstrauen und Vorsicht. Im Gegensatz dazu kann eine Fehlentwicklung zu körperlichen und seelischen Schäden führen. Ein radikaler Entzug von Zuwendung oder das Fehlen einer Bezugsperson kann zu einem grundlegenden Urmisstrauen der Welt gegenüber führen.
Beispiel: Ein Baby, dessen Hunger zuverlässig gestillt wird und das liebevolle Zuwendung erfährt, entwickelt eher Urvertrauen als ein Kind, dessen Bedürfnisse häufig ignoriert werden.
Highlight: Die Entwicklung von Urvertrauen in dieser frühen Phase bildet die Grundlage für alle späteren Beziehungen und das Selbstvertrauen des Individuums.






