Ziel 2: Umgehen mit Befremdung
Das zweite Ziel in Niekes Konzept der interkulturellen Erziehung konzentriert sich auf den Umgang mit Befremdung. Dieses Ziel ist entscheidend für die Entwicklung interkultureller Kompetenzen und die Förderung eines harmonischen Zusammenlebens in einer multikulturellen Gesellschaft.
Das Fremde und Unbekannte einer anderen Kultur kann zunächst exotisch und interessant wirken, besonders in spielerischen und unverbindlichen Situationen. Im Alltag jedoch kann es zu Verunsicherungen führen, da es die eigenen Deutungsmuster und Orientierungen in Frage stellt. Diese Irritationen können Abwehrimpulse auslösen und zu direkter oder indirekter Ablehnung des Andersartigen führen, was im Extremfall zu Rassismus führen kann.
Highlight: Um effektiv mit Befremdung umzugehen, reicht kognitives Lernen allein nicht aus. Eine emotionale Beteiligung, beispielsweise durch Rollenspiele, ist notwendig.
Die interkulturelle Pädagogik zielt darauf ab, bedrohlich oder konkurrierend wahrgenommene Aspekte einer fremden Kultur in etwas Exotisches und Attraktives umzuwandeln. Durch die Präsentation positiver Seiten der fremden Kultur kann Abwehr in Faszination umgewandelt werden. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass dieser Ansatz hauptsächlich bei zuwanderfreundlichen Einheimischen funktioniert.
Example: In einer Schulklasse könnte ein Projekttag zu verschiedenen Kulturen organisiert werden, bei dem Schüler traditionelle Gerichte, Musik und Tänze aus verschiedenen Ländern kennenlernen. Dies fördert die Neugier und reduziert mögliche Ängste vor dem Unbekannten.
Die Begegnung mit dem Fremden kann entweder zu Neugier und Faszination oder zu Abwehr und Angst führen. Die Aufgabe der interkulturellen Bildung ist es, einen reflektierten Umgang mit dem Fremdheitserlebnis einzuüben. Dies beinhaltet eine Auseinandersetzung mit der als fremd empfundenen Kultur, was oft das eigene Selbstverständnis in Frage stellt.
Vocabulary: Ethnozentrismus - Die Tendenz, die eigene Kultur als Maßstab für die Beurteilung anderer Kulturen zu verwenden.
Durch die Aufklärung und das Bewusstmachen des eigenen Ethno- oder Soziozentrismus können Barrieren abgebaut und ein tieferes interkulturelles Verständnis gefördert werden. Dies ist ein wichtiger Schritt, um interkulturelle Kompetenz bei Kindern zu fördern und sie auf das Leben in einer zunehmend globalisierten Welt vorzubereiten.






