Phasen und Prozesse des Modellernens
Das Modellernen, ein zentrales Konzept der sozial-kognitiven Lerntheorie von Albert Bandura, umfasst verschiedene Phasen und Teilprozesse, die für ein erfolgreiches Lernen am Modell entscheidend sind. In diesem Abschnitt werden die einzelnen Prozesse detailliert erläutert.
Reproduktionsprozesse
Damit ein beobachtetes Verhalten tatsächlich gezeigt werden kann, muss das im Gedächtnis Gespeicherte in angemessene Handlungen und Verhaltensweisen umgesetzt werden. Dies geschieht im Rahmen der Reproduktionsprozesse.
Definition: Reproduktionsprozesse sind die kognitiven und motorischen Vorgänge, bei denen gespeicherte Informationen in beobachtbares Verhalten umgesetzt werden.
Im Gedächtnis existiert eine Vielzahl von gespeicherten Kodierungen. Für die Reproduktion werden diejenigen Kodierungen ausgewählt und sortiert, die für das gewünschte Verhalten relevant sind. Es ist wichtig zu betonen, dass Handlungen und Verhalten geübt und wiederholt werden müssen, um eine erfolgreiche Reproduktion zu gewährleisten.
Motivations- und Bekräftigungsprozesse
Die Motivation spielt eine entscheidende Rolle sowohl bei der Beobachtung als auch bei der Ausführung des gelernten Verhaltens. Sie beeinflusst sowohl die Aneignungs- als auch die Ausführungsprozesse.
Definition: Motivations- und Bekräftigungsprozesse sind die psychologischen Mechanismen, die die Bereitschaft zur Beobachtung und Nachahmung eines Verhaltens steuern.
Man unterscheidet dabei zwei Arten von Motivation:
- Intrinsische Motivation: Diese entsteht aus dem Individuum selbst heraus, beispielsweise bei Hobbies.
- Extrinsische Motivation: Diese wird von außen angeregt, zum Beispiel durch Belohnungen wie Geld.
Beispiel: Ein Schüler, der aus eigenem Interesse Mathematik lernt, zeigt intrinsische Motivation. Wenn er hingegen nur für gute Noten lernt, um von seinen Eltern belohnt zu werden, handelt es sich um extrinsische Motivation.
Bedingungen der Aufmerksamkeit
Die Aufmerksamkeit, die dem Modell entgegengebracht wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig:
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Persönlichkeitsmerkmale des Modells:
- Attraktivität und Sympathie (subjektiv vom Beobachter bewertet)
- Soziale Macht des Modells
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Persönlichkeitsmerkmale des Beobachters:
- Körperliche und kognitive Fähigkeiten
- Selbstvertrauen (geringes Selbstvertrauen kann die Aufmerksamkeit gegenüber dem Modell erhöhen)
- Gefühle, Bedürfnisse und Stimmung
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Beziehung zwischen Modell und Beobachter:
- Positive emotionale Beziehung begünstigt die Nachahmungsbereitschaft
- Abhängigkeit des Beobachters vom Modell verstärkt die Aufmerksamkeit
- Häufigkeit der Beobachtung spielt eine Rolle
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Situationsbedingungen:
- Emotionale Befindlichkeit des Beobachters beeinflusst die Wahrnehmung
- Mittlerer Erregungszustand fördert die Wahrnehmungsleistung
- Zu hohe oder extrem niedrige Erregungszustände wirken sich negativ aus
Highlight: Ein mittlerer Erregungszustand des Beobachters wirkt sich positiv auf die Wahrnehmungsleistung aus, während extreme Zustände (zu hoch oder zu niedrig) die Aufmerksamkeit beeinträchtigen können.
Diese detaillierten Erkenntnisse über die Prozesse und Bedingungen des Modellernens bieten wertvolle Einblicke für die Gestaltung von Lehr- und Lernsituationen in verschiedenen Kontexten, von der Schule bis zur Erwachsenenbildung.



































