Psychologie1.988Aktualisiert 27. Sept. 20264 Seiten

Symbolischer Interaktionismus einfach erklärt - Krappmann, Mead und Beispiele

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Lina @lina.wgh
Der symbolische Interaktionismus nach Krappmann betont die Entwicklung der Identität durch soziale Interaktionen und die Balance zwischen persönlichen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Erwartungen. Krappmann erweitert Meads Theorie und definiert vier Grundqualifikationen für kommunikatives Handeln Identitätsentwicklung wird als lebenslanger Prozess verstanden, bei dem Individuen multiple Rollen ausbalancieren müssen Ziel der Sozialisation ist der autonome Mensch mit einer tragfähigen Identität Pädagogische Perspektive betont die Bedeutung von Familie, Gleichaltrigen und Selbstwirksamkeitserfahrungen
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Die Dimensionen der Ich-Identität nach Krappmann

Krappmann unterscheidet in seiner Theorie des symbolischen Interaktionismus zwischen zwei Hauptdimensionen der Ich-Identität: der Personal Identity und der Social Identity. Diese Konzepte sind zentral für das Verständnis der Identitätsentwicklung im Rahmen sozialer Interaktionen.

Definition:

  • Personal Identity: Individuen sollen einzigartig sein, wie kein anderer (Phantom-uniqueness).
  • Social Identity: Individuen sollen sich an Normen anpassen und sein wie alle anderen (Phantom-normalcy).

Die Herausforderung besteht darin, eine ausbalancierte Ich-Identität zu entwickeln, die beide Dimensionen in einem gesunden Gleichgewicht hält. Eine Überbetonung einer der beiden Dimensionen kann zu Problemen führen:

  1. Überbetonung der Personal Identity: Dies kann zu einer Isolierung führen, da die Einzigartigkeit so stark betont wird, dass keine Anerkennung mehr in Interaktionsprozessen stattfindet.

  2. Überbetonung der Social Identity: Eine zu starke Konzentration auf soziale Erwartungen kann zum "Verlieren der Identität" und zur Negierung persönlicher Bedürfnisse in Interaktionen führen.

Highlight: Eine ausbalancierte Ich-Identität ist das Ziel und ermöglicht es dem Individuum, sowohl seine Einzigartigkeit zu bewahren als auch soziale Anerkennung zu finden.

Krappmann's Theorie wird auch aus pädagogischer Perspektive betrachtet. Er betont die Bedeutung angemessener mütterlicher Zuwendung für wichtige Lernprozesse und einen stufenweisen Ablösungsprozess des Kindes. Kontakte zu Familie und Gleichaltrigen als Sozialisationsinstanzen spielen eine wichtige Rolle, ebenso wie emotionale Beziehungen innerhalb der Familie.

Example: In pädagogischen Institutionen können Präsentationen, Beteiligung, kooperative Arbeitsformen, Exkursionen und Entscheidungsprozesse dazu beitragen, die Ich-Identität zu stärken und eine Balance zwischen Personal und Social Identity zu fördern.

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Störfaktoren und Rollenbeziehungen in der Identitätsentwicklung

In Krappmanns Theorie des symbolischen Interaktionismus werden verschiedene Störfaktoren identifiziert, die die Identitätsentwicklung beeinflussen können. Diese Störfaktoren werden auf zwei Ebenen betrachtet: innerhalb der Familie und im Kontext der Gleichaltrigenbeziehungen.

Innerhalb der Familie (primäre Sozialisationsinstanz) können folgende Faktoren störend wirken:

  1. Belastung durch äußere Existenzbedingungen wie Armut
  2. Strikte Unterscheidung von Generations- und Geschlechterrollen
  3. Übertriebene oder verwischte Generationsschranken
  4. Frühe Arbeitsverpflichtungen von Kindern aus Unterschichtfamilien, die zu fehlender Bildung führen
  5. Unausbalanciertes familiäres Interaktionssystem

Highlight: Die Rollen zwischen Eltern und Kind werden als komplementär beschrieben, das heißt, sie ergänzen sich gegenseitig.

Im Kontext der Gleichaltrigenbeziehungen können folgende Störfaktoren auftreten:

  1. Fehlender Kontakt zu Gleichaltrigen
  2. Mangelnde Entwicklung des sozialen Wesens
  3. Fehlende Konfliktlösungsfähigkeit

Highlight: Die Rollen zwischen Gleichaltrigen werden als reziprok (wechselseitig) beschrieben.

Example: Kinder, die keine Möglichkeit haben, mit Gleichaltrigen zu interagieren, können Schwierigkeiten bei der Entwicklung sozialer Kompetenzen und Konfliktlösungsstrategien haben.

Krappmann betont, dass das Eingreifen von Erwachsenen in Konflikte zwischen Gleichaltrigen oft kontraproduktiv sein kann. Stattdessen brauchen Kinder Zeit, um unbeaufsichtigt zu spielen und ihre eigenen Lösungsstrategien zu entwickeln.

Quote: "Kinder brauchen Zeit unbeaufsichtigt zu spielen."

Diese Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung eines ausgewogenen sozialen Umfelds für die gesunde Identitätsentwicklung im Sinne des symbolischen Interaktionismus.

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Die vier identitätsfördernden Fähigkeiten nach Krappmann

In seiner Theorie des symbolischen Interaktionismus identifiziert Krappmann vier zentrale Fähigkeiten, die für die Entwicklung und Aufrechterhaltung einer gesunden Identität entscheidend sind. Diese Fähigkeiten sind eng miteinander verwoben und beeinflussen sich gegenseitig.

  1. Rollendistanz

Definition: Rollendistanz ist die Fähigkeit, sich von den eigenen Rollen zu distanzieren und sie kritisch zu betrachten.

Krappmann betont, dass Individuen immer mehrere Rollen innehaben, die mit verschiedenen Erwartungen verknüpft sind. Diese Rollen müssen vom Individuum erkannt werden, um eine reale Selbsteinschätzung vornehmen zu können. Da verschiedene Rollen mit ihren Anforderungen meist nicht gleichzeitig erfüllbar sind, hilft die Rollendistanz den Menschen, verschiedene Rollen unterschiedlich zu gewichten, ohne sie aufgeben zu müssen.

Highlight: Rollendistanz ist sowohl eine Voraussetzung für den Identitätsaufbau als auch ein Zeichen einer bereits entwickelten Ich-Identität.

  1. Identitätsdarstellung

Die Fähigkeit zur Identitätsdarstellung ist entscheidend für die Aufrechterhaltung und Präsentation der Ich-Identität.

Definition: Identitätsdarstellung ist die Fähigkeit, eigene Bedürfnisse und Interessen auszudrücken, auch wenn das Gegenüber andere Ansprüche oder Bedürfnisse zeigt.

Krappmann betont, dass Identitäten, die nicht sichtbar werden, weder auf andere noch auf das Individuum selbst wirken können. Daher ist die Fähigkeit zur Identitätsdarstellung unerlässlich für eine gesunde Identitätsentwicklung im Sinne des symbolischen Interaktionismus.

Example: Ein Schüler, der in der Lage ist, seine eigenen Interessen und Stärken im Unterricht zu zeigen, auch wenn diese von den Erwartungen des Lehrers abweichen, demonstriert eine gut entwickelte Fähigkeit zur Identitätsdarstellung.

Diese Fähigkeiten bilden zusammen mit Empathie und Ambiguitätstoleranz die Grundlage für erfolgreiches kommunikatives Handeln und eine ausgewogene Identitätsentwicklung nach Krappmanns Theorie des symbolischen Interaktionismus.

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Lothar Friedrich Krappmann und das Rollenkonzept des soziologischen Interaktionismus

Lothar Friedrich Krappmann, geboren 1936 in Kiel, erweiterte den symbolischen Interaktionismus von George Herbert Mead. Seine Theorie konzentriert sich auf die Entwicklung der Identität im Rahmen von Interaktionsprozessen.

Definition: Krappmann definiert Identität als die Herstellung eines Gleichgewichts zwischen widersprüchlichen Erwartungen, eigenen Bedürfnissen und Anforderungen anderer. Es ist die Fähigkeit, sich als einmalig darzustellen und trotzdem Anerkennung zu finden.

Krappmann betont, dass für eine erfolgreiche Interaktion Menschen sich selbst darstellen, ihr Gegenüber interpretieren und mit ihm verhandeln können müssen. Das Individuum muss eine Balance zwischen widersprüchlichen Rollenerwartungen, eigenen Bedürfnissen und sich mit der Zeit ändernden gesellschaftlichen Rollenerwartungen halten.

Highlight: Für kommunikatives Handeln sind laut Krappmann vier Grundqualifikationen erforderlich: Empathie, Ambiguitätstoleranz, Rollendistanz und Identitätsdarstellung.

Diese Theorie unterstreicht, dass Identitätsentwicklung ein lebenslanger Prozess ist und dass ein Mensch mehrere Rollen innehat. Das Ziel der Sozialisation nach Krappmann ist der "autonome Mensch", der auch für die Autonomie anderer eintritt, was auf das Konzept der Mündigkeit hinweist.

Vocabulary: Mündigkeit bezieht sich auf die Fähigkeit eines Menschen, selbstständig und verantwortungsvoll zu handeln und zu denken.

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