Deutsch /

Interpretation „Der Nachbar“

Interpretation „Der Nachbar“

 Interpretation
der Kurzgeschichte ,,Der Nachbar" von Franz Kafka
Die Kurzgeschichte „Der Nachbar“, welche von Franz Kafka geschrieben und 1

Interpretation „Der Nachbar“

user profile picture

Lina

113 Followers

Teilen

Speichern

90

 

11/12/13

Übung

Interpretation zu „Der Nachbar“ von Franz Kafka

Nichts passendes dabei? Erkunde andere Fachbereiche.

Interpretation der Kurzgeschichte ,,Der Nachbar" von Franz Kafka Die Kurzgeschichte „Der Nachbar“, welche von Franz Kafka geschrieben und 1918/19 veröffentlicht wurde, handelt von einem Geschäftsführer, der seit dem Einzug eines jungen Mannes in die Nebenwohnung Angst um seine zukünftige Karriere hat. Der Protagonist hat ein kleines, aber übersichtliches Geschäft mit zwei Fräulein an seiner Seite. Auch wenn es einfach zu überblicken ist, bereut der Protagonist, die Nachbarwohnung nicht gemietet zu haben. Denn nun wohnt ein junger Mann nebenan, der ein ähnliches Geschäft wie er führen soll. Die nicht schalldichten Wände sorgen dafür, dass der Protagonist sich Sorgen macht, der Nachbar könnte geschäftliche Informationen mitbekommen. Diese Unruhe, dass sein Nachbar alles von seinem Geschäft mitbekommen könnte, wird somit größer. Eine mögliche Deutung der Kurzgeschichte „Der Nachbar“ besteht darin, dass die Geschäftswelt einem Wettkampf ähnelt, in der man sich selbst verlieren kann. Bevor man sich ständig Gedanken über die Karriere anderer macht, sollte man sich nur auf die eigene konzentrieren. Die Überschrift „Der Nachbar" sorgt dafür, dass er Leser an seinen eigenen denkt. Die meisten würden hier entweder an den coolen, sympathischen oder an den nervigen, asozialen Nachbarn denken. Dies sorgt für Spannung, weil man nun erwartet, eine Geschichte über die Beziehung zweier Nachbarn zu lesen. Es wird zu Beginn direkt klargestellt, dass der Protagonist die meisten Lasten trägt (vgl. Z. 1),...

Mit uns zu mehr Spaß am Lernen

Hilfe bei den Hausaufgaben

Mit dem Fragen-Feature hast du die Möglichkeit, jederzeit Fragen zu stellen und Antworten von anderen Schüler:innen zu erhalten.

Gemeinsam lernen

Mit Knowunity erhältest du Lerninhalte von anderen Schüler:innen auf eine moderne und gewohnte Art und Weise, um bestmöglich zu lernen. Schüler:innen teilen ihr Wissen, tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig.

Sicher und geprüft

Ob Zusammenfassungen, Übungen oder Lernzettel - Knowunity kuratiert alle Inhalte und schafft eine sichere Lernumgebung zu der Ihr Kind jederzeit Zugang hat.

App herunterladen

Alternativer Bildtext:

woraus man schließen kann, dass er der Geschäftsführer sein muss. Daraufhin folgt eine Beschreibung seines Geschäftes, das „[s]o einfach zu überblicken [und] so leicht zu führen“ (Z. 3-4) sei. Diese Anapher verdeutlicht diese Leichtigkeit der Führung seines Geschäfts in den kleinen Räumen. Der Protagonist scheint sich in seinem Geschäft also sehr wohl zu fühlen; es ist zwar klein, aber fein. Die darauffolgende Metapher in Zeile vier veranschaulicht jedoch, dass sein eigenes Geschäft nicht so gut laufen muss, da die Konkurrenz vor ihm her rollt (vgl. Z. 4). Die anderen Geschäfte sind also etwas beliebter, haben vielleicht mehr Kunden als das Geschäft des Protagonisten. Dieser vergleicht sich hier deutlich mit den anderen und macht sich Sorgen um sein eigenes Geschäft, wobei diese Sorge nochmals durch ein Repitio in Zeile vier bis fünf untermauert wird. Der Protagonist versucht sich selbst daran zu erinnern, dass sein eigenes Geschäft doch gut läuft und er nicht klagen sollte (vgl. Z.4-5). Schließlich hat er alles was er braucht, doch trotzdem vergleicht er seine Karriere mit der der anderen, was ihn unzufrieden macht. Obwohl er sich in seinen Räumen wohl fühlt, bereut der Protagonist, die Nebenwohnung nicht gekauft zu haben (vgl. Z. 5-6). Und das, seitdem ein junger Mann namens Harras, der dazu auch noch ein ähnliches Geschäft wie der Protagonist führen soll (vgl. Z. 13), eingezogen ist. Das Verhalten des Protagonisten lässt sich deswegen auf Neid hindeuten. Als die Wohnung noch zum Mieten frei war, gab es nichts, was er bereuen könnte, da die Wohnung ja noch niemanden gehörte. Jetzt aber, wo die Wohnung nun vermietet ist, bereut er es. Daraus kann man schließen, dass ihm die Vorstellung nicht gefällt, dass es jemanden besseren als er geben könnte. Und das auch noch nebenan. Die Beschreibung der Nebenwohnung in Zeile sieben bis zehn stellt klar, dass der Protagonist die Wohnung selbst mal von innen gesehen haben muss. Trotz der größeren Räume, die die Nebenwohnung zu bieten hat, entschied sich der Protagonist aufgrund der Küche gegen den Mietvertrag (vgl. 9). Gegen eine Küche in einem Geschäft spricht normalerweise aber nicht so viel dagegen, schließlich könnte man dort das Mittagessen zubereiten oder Getränke kaltstellen. Diese Aussage, dass er die Wohnung „nur“ wegen der Küche nicht mieten wollte, ist etwas absurd. Entweder hat er seine kleine Wohnung zu sehr liebgewonnen oder Angst, dass er dadurch seine Kunden aufgrund eines - im übertriebenen Sinne - ,,Ortswechsels" verlieren könnte. Ab und zu trifft der Protagonist auf der Treppe auf Harres (vgl. Z. 18), den er mit dem ,,Schwanz einer Ratte" vergleicht (Z. 21). Ratten sind fiese, hinterlistige Tiere, die dazu im Dreck leben und nicht gerade ungefährlich für Menschen sind. Dieser Vergleich zeigt hier also auf, wie der Protagonist über den neuen Nachbarn denkt. Zum einen fühlt er sich von ihm bedroht - er könnte ihm ja seine Kunden wegschnappen. Zum anderen hat der Protagonist nicht wirklich Respekt gegenüber Harris. Trotz, dass der Protagonist seinen neuen Nachbarn kaum kennt, nimmt er sich raus, er könne so über ihn urteilen. Sein Verhalten untermauert hier nochmals deutlich, dass es nicht um die Person generell gehen muss, sondern um die jeweiligen Jobs. Die Ähnlichkeit der Jobs macht dem Protagnisten zu schaffen, weswegen er anfängt, so über den Harris zu denken. Er macht seinen Nachbarn schlecht, um sich etwas besser zu fühlen und generell einzureden, dass der Protagonist selbst eh der bessere der beiden im Job ist. Dieses Verhalten gegenüber seines Nachbarn wird in Zeile 23 fortgeführt. Der Protagonist erklärt seinen Nachbarn als unehrlich (vgl. Z. 23-24), obwohl er ihn noch nicht einmal genau sehen konnte (vgl. Z. 19). Im Alltag kommt dieser Fall häufig vor. Eifersüchtige Menschen, die meist unzufrieden mit sich selbst sind, machen andere runter, nur damit sie sich nicht ganz so schlecht fühlen, wenn sie mal was nicht schaffen. Genauso ist es mit dem Protagonisten. Er sieht, dass nun ein junger Mann neben ihm wohnt, der ein ähnliches Geschäft wie er führt und hat deswegen Angst, dass Harris seine Kunden klauen könnte. Schließlich hat er ja auch die bessere und größere Wohnung, die dazu noch eine Küche hat. Die Angst, der junge Nachbar könne seine Kunden wegschnappen, verstärkt sich mit der Tatsache, dass die Wände nicht schalldicht sind (vgl. Z. 26). Aufgrund dieser Entdeckung nennt der Protagonist seine Kunden nicht mehr beim Namen (vgl. Z. 27). Diese Angst, dass der Nachbar ja seine Kunden wegschnappen könnte wird hier beinahe krankhaft. Der Protagonist steigert sich in seine Angst viel zu sehr hinein. Er denkt nämlich, dass man die Namen trotzdem „aus charakteristischen, aber unvermeidlichen Wendungen des Gesprächs“ (Z. 27) herausfinden kann. Eine total absurde Vorstellung, die einem klar vor Augen führt, dass der Protagonist sich vielleicht sogar umsonst viel zu große Sorgen macht. Schließlich weiß er nicht einmal, was Harris genau für ein Geschäft führt. Aufgrund des Wissens, dass er „es doch nicht verhüten [kann], dass Geheimnisse preisgegeben werden“ (Z. 30-21) verwandelt sich seine Angst in Unruhe (vgl. 29). Er will um jeden Preis seine Kunden womit möglicherweise seine eigene Karriere gemeint sein könnte – behalten und sein Geschäft schützen. Dem Protagonisten fällt es daher sehr schwer, geschäftliche Entscheidungen sicher zu treffen (vgl. Z. 32). Er denkt viel zu sehr an die Karriere seines Nachbarn als an seine Eigene, weshalb er sogar selbst dafür verantwortlich werden könnte, dass sein Geschäft den Bach runter geht, ohne es zu bemerken. Der Protagonist geht sogar so weit, dass er mit dem Gedanken spielt, Harris könnte ja mit dem Telefon des Protagonisten telefonieren (vgl. Z. 35). Er gibt dabei selbst zu, dass es etwas übertrieben wäre (vgl. Z. 33). Die Parenthese von Zeile 33 bis 34 bewirkt jedoch, dass er diese Idee nicht abwägen würde. Für die Klarheit sei das Teilen eines Telefons, über das vertrauliche Informationen besprochen werden, völlig legitim (vgl. Z. 32-33). Die Vorstellung klingt völlig absurd, ist für unzufriedene Geschäftsführer, wie der Protagonist es sein muss, aber in Ordnung. Er lässt sich so sehr von seiner Angst leiten, weshalb er es sogar in Erwähnung zieht, sein Telefon mit dem Nachbarn zu teilen. Diese Textstellt zeigt deutlich, dass der Protagonist die Kontrolle nicht verlieren möchte. Anstatt darauf zu vertrauen, dass sein Geschäft weiterhin gut läuft, möchte er lieber alles kontrollieren und somit sicher gehen, dass Harris ihn nicht überholt. Dabei ist ihm jedoch nicht bewusst, dass er durch dieses Verhalten sein Geschäft, aufgrund seiner Angst, selbst in den Abgrund ziehen kann. Der Autor möchte mit der Kurzgeschichte darauf aufmerksam machen, dass sich viele Selbständige und Geschäftsführer viel zu viele Gedanken darüber machen, was die Konkurrenz machen könnte. Genau wie beim Protagonisten liegt der Fokus am Ende nicht mehr auf das eigene Geschäft, sondern auf der Konkurrenz und der Frage, wie er diese am besten kontrollieren könnte. Anstatt sich also ständig darüber Sorgen zu machen, dass es jemand geben könnte, der alle Kunden für sich gewinnt, sollte man sich eher überlegen, wie man aus der Masse herausstechen kann. Wir sind Milliarden von Menschen auf der Welt, weshalb es immer jemand oder etwas Besseres geben wird. Wir müssen daher lernen, auf uns zu schauen und überlegen, wie man die Leute am besten ansprechen kann, denen es egal ist, ob es in dem Bereich schon jemand besseres gibt.

Deutsch /

Interpretation „Der Nachbar“

user profile picture

Lina  

Follow

113 Followers

 Interpretation
der Kurzgeschichte ,,Der Nachbar" von Franz Kafka
Die Kurzgeschichte „Der Nachbar“, welche von Franz Kafka geschrieben und 1

App öffnen

Interpretation zu „Der Nachbar“ von Franz Kafka

Ähnliche Knows

user profile picture

Analyse von Känsterle

Know Analyse von Känsterle  thumbnail

49

 

11/9/10

user profile picture

2

Der Nachbar - Franz Kafka

Know Der Nachbar - Franz Kafka thumbnail

44

 

11/12

user profile picture

Känguru-Chroniken

Know Känguru-Chroniken thumbnail

9

 

11/12/10

user profile picture

Rollenbiograpie Otto Trsnjek aus dem Roman „Der Trafikant“

Know Rollenbiograpie Otto Trsnjek aus dem Roman „Der Trafikant“ thumbnail

169

 

11/12/13

Interpretation der Kurzgeschichte ,,Der Nachbar" von Franz Kafka Die Kurzgeschichte „Der Nachbar“, welche von Franz Kafka geschrieben und 1918/19 veröffentlicht wurde, handelt von einem Geschäftsführer, der seit dem Einzug eines jungen Mannes in die Nebenwohnung Angst um seine zukünftige Karriere hat. Der Protagonist hat ein kleines, aber übersichtliches Geschäft mit zwei Fräulein an seiner Seite. Auch wenn es einfach zu überblicken ist, bereut der Protagonist, die Nachbarwohnung nicht gemietet zu haben. Denn nun wohnt ein junger Mann nebenan, der ein ähnliches Geschäft wie er führen soll. Die nicht schalldichten Wände sorgen dafür, dass der Protagonist sich Sorgen macht, der Nachbar könnte geschäftliche Informationen mitbekommen. Diese Unruhe, dass sein Nachbar alles von seinem Geschäft mitbekommen könnte, wird somit größer. Eine mögliche Deutung der Kurzgeschichte „Der Nachbar“ besteht darin, dass die Geschäftswelt einem Wettkampf ähnelt, in der man sich selbst verlieren kann. Bevor man sich ständig Gedanken über die Karriere anderer macht, sollte man sich nur auf die eigene konzentrieren. Die Überschrift „Der Nachbar" sorgt dafür, dass er Leser an seinen eigenen denkt. Die meisten würden hier entweder an den coolen, sympathischen oder an den nervigen, asozialen Nachbarn denken. Dies sorgt für Spannung, weil man nun erwartet, eine Geschichte über die Beziehung zweier Nachbarn zu lesen. Es wird zu Beginn direkt klargestellt, dass der Protagonist die meisten Lasten trägt (vgl. Z. 1),...

Nichts passendes dabei? Erkunde andere Fachbereiche.

Mit uns zu mehr Spaß am Lernen

Hilfe bei den Hausaufgaben

Mit dem Fragen-Feature hast du die Möglichkeit, jederzeit Fragen zu stellen und Antworten von anderen Schüler:innen zu erhalten.

Gemeinsam lernen

Mit Knowunity erhältest du Lerninhalte von anderen Schüler:innen auf eine moderne und gewohnte Art und Weise, um bestmöglich zu lernen. Schüler:innen teilen ihr Wissen, tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig.

Sicher und geprüft

Ob Zusammenfassungen, Übungen oder Lernzettel - Knowunity kuratiert alle Inhalte und schafft eine sichere Lernumgebung zu der Ihr Kind jederzeit Zugang hat.

App herunterladen

Knowunity

Schule. Endlich einfach.

App öffnen

Alternativer Bildtext:

woraus man schließen kann, dass er der Geschäftsführer sein muss. Daraufhin folgt eine Beschreibung seines Geschäftes, das „[s]o einfach zu überblicken [und] so leicht zu führen“ (Z. 3-4) sei. Diese Anapher verdeutlicht diese Leichtigkeit der Führung seines Geschäfts in den kleinen Räumen. Der Protagonist scheint sich in seinem Geschäft also sehr wohl zu fühlen; es ist zwar klein, aber fein. Die darauffolgende Metapher in Zeile vier veranschaulicht jedoch, dass sein eigenes Geschäft nicht so gut laufen muss, da die Konkurrenz vor ihm her rollt (vgl. Z. 4). Die anderen Geschäfte sind also etwas beliebter, haben vielleicht mehr Kunden als das Geschäft des Protagonisten. Dieser vergleicht sich hier deutlich mit den anderen und macht sich Sorgen um sein eigenes Geschäft, wobei diese Sorge nochmals durch ein Repitio in Zeile vier bis fünf untermauert wird. Der Protagonist versucht sich selbst daran zu erinnern, dass sein eigenes Geschäft doch gut läuft und er nicht klagen sollte (vgl. Z.4-5). Schließlich hat er alles was er braucht, doch trotzdem vergleicht er seine Karriere mit der der anderen, was ihn unzufrieden macht. Obwohl er sich in seinen Räumen wohl fühlt, bereut der Protagonist, die Nebenwohnung nicht gekauft zu haben (vgl. Z. 5-6). Und das, seitdem ein junger Mann namens Harras, der dazu auch noch ein ähnliches Geschäft wie der Protagonist führen soll (vgl. Z. 13), eingezogen ist. Das Verhalten des Protagonisten lässt sich deswegen auf Neid hindeuten. Als die Wohnung noch zum Mieten frei war, gab es nichts, was er bereuen könnte, da die Wohnung ja noch niemanden gehörte. Jetzt aber, wo die Wohnung nun vermietet ist, bereut er es. Daraus kann man schließen, dass ihm die Vorstellung nicht gefällt, dass es jemanden besseren als er geben könnte. Und das auch noch nebenan. Die Beschreibung der Nebenwohnung in Zeile sieben bis zehn stellt klar, dass der Protagonist die Wohnung selbst mal von innen gesehen haben muss. Trotz der größeren Räume, die die Nebenwohnung zu bieten hat, entschied sich der Protagonist aufgrund der Küche gegen den Mietvertrag (vgl. 9). Gegen eine Küche in einem Geschäft spricht normalerweise aber nicht so viel dagegen, schließlich könnte man dort das Mittagessen zubereiten oder Getränke kaltstellen. Diese Aussage, dass er die Wohnung „nur“ wegen der Küche nicht mieten wollte, ist etwas absurd. Entweder hat er seine kleine Wohnung zu sehr liebgewonnen oder Angst, dass er dadurch seine Kunden aufgrund eines - im übertriebenen Sinne - ,,Ortswechsels" verlieren könnte. Ab und zu trifft der Protagonist auf der Treppe auf Harres (vgl. Z. 18), den er mit dem ,,Schwanz einer Ratte" vergleicht (Z. 21). Ratten sind fiese, hinterlistige Tiere, die dazu im Dreck leben und nicht gerade ungefährlich für Menschen sind. Dieser Vergleich zeigt hier also auf, wie der Protagonist über den neuen Nachbarn denkt. Zum einen fühlt er sich von ihm bedroht - er könnte ihm ja seine Kunden wegschnappen. Zum anderen hat der Protagonist nicht wirklich Respekt gegenüber Harris. Trotz, dass der Protagonist seinen neuen Nachbarn kaum kennt, nimmt er sich raus, er könne so über ihn urteilen. Sein Verhalten untermauert hier nochmals deutlich, dass es nicht um die Person generell gehen muss, sondern um die jeweiligen Jobs. Die Ähnlichkeit der Jobs macht dem Protagnisten zu schaffen, weswegen er anfängt, so über den Harris zu denken. Er macht seinen Nachbarn schlecht, um sich etwas besser zu fühlen und generell einzureden, dass der Protagonist selbst eh der bessere der beiden im Job ist. Dieses Verhalten gegenüber seines Nachbarn wird in Zeile 23 fortgeführt. Der Protagonist erklärt seinen Nachbarn als unehrlich (vgl. Z. 23-24), obwohl er ihn noch nicht einmal genau sehen konnte (vgl. Z. 19). Im Alltag kommt dieser Fall häufig vor. Eifersüchtige Menschen, die meist unzufrieden mit sich selbst sind, machen andere runter, nur damit sie sich nicht ganz so schlecht fühlen, wenn sie mal was nicht schaffen. Genauso ist es mit dem Protagonisten. Er sieht, dass nun ein junger Mann neben ihm wohnt, der ein ähnliches Geschäft wie er führt und hat deswegen Angst, dass Harris seine Kunden klauen könnte. Schließlich hat er ja auch die bessere und größere Wohnung, die dazu noch eine Küche hat. Die Angst, der junge Nachbar könne seine Kunden wegschnappen, verstärkt sich mit der Tatsache, dass die Wände nicht schalldicht sind (vgl. Z. 26). Aufgrund dieser Entdeckung nennt der Protagonist seine Kunden nicht mehr beim Namen (vgl. Z. 27). Diese Angst, dass der Nachbar ja seine Kunden wegschnappen könnte wird hier beinahe krankhaft. Der Protagonist steigert sich in seine Angst viel zu sehr hinein. Er denkt nämlich, dass man die Namen trotzdem „aus charakteristischen, aber unvermeidlichen Wendungen des Gesprächs“ (Z. 27) herausfinden kann. Eine total absurde Vorstellung, die einem klar vor Augen führt, dass der Protagonist sich vielleicht sogar umsonst viel zu große Sorgen macht. Schließlich weiß er nicht einmal, was Harris genau für ein Geschäft führt. Aufgrund des Wissens, dass er „es doch nicht verhüten [kann], dass Geheimnisse preisgegeben werden“ (Z. 30-21) verwandelt sich seine Angst in Unruhe (vgl. 29). Er will um jeden Preis seine Kunden womit möglicherweise seine eigene Karriere gemeint sein könnte – behalten und sein Geschäft schützen. Dem Protagonisten fällt es daher sehr schwer, geschäftliche Entscheidungen sicher zu treffen (vgl. Z. 32). Er denkt viel zu sehr an die Karriere seines Nachbarn als an seine Eigene, weshalb er sogar selbst dafür verantwortlich werden könnte, dass sein Geschäft den Bach runter geht, ohne es zu bemerken. Der Protagonist geht sogar so weit, dass er mit dem Gedanken spielt, Harris könnte ja mit dem Telefon des Protagonisten telefonieren (vgl. Z. 35). Er gibt dabei selbst zu, dass es etwas übertrieben wäre (vgl. Z. 33). Die Parenthese von Zeile 33 bis 34 bewirkt jedoch, dass er diese Idee nicht abwägen würde. Für die Klarheit sei das Teilen eines Telefons, über das vertrauliche Informationen besprochen werden, völlig legitim (vgl. Z. 32-33). Die Vorstellung klingt völlig absurd, ist für unzufriedene Geschäftsführer, wie der Protagonist es sein muss, aber in Ordnung. Er lässt sich so sehr von seiner Angst leiten, weshalb er es sogar in Erwähnung zieht, sein Telefon mit dem Nachbarn zu teilen. Diese Textstellt zeigt deutlich, dass der Protagonist die Kontrolle nicht verlieren möchte. Anstatt darauf zu vertrauen, dass sein Geschäft weiterhin gut läuft, möchte er lieber alles kontrollieren und somit sicher gehen, dass Harris ihn nicht überholt. Dabei ist ihm jedoch nicht bewusst, dass er durch dieses Verhalten sein Geschäft, aufgrund seiner Angst, selbst in den Abgrund ziehen kann. Der Autor möchte mit der Kurzgeschichte darauf aufmerksam machen, dass sich viele Selbständige und Geschäftsführer viel zu viele Gedanken darüber machen, was die Konkurrenz machen könnte. Genau wie beim Protagonisten liegt der Fokus am Ende nicht mehr auf das eigene Geschäft, sondern auf der Konkurrenz und der Frage, wie er diese am besten kontrollieren könnte. Anstatt sich also ständig darüber Sorgen zu machen, dass es jemand geben könnte, der alle Kunden für sich gewinnt, sollte man sich eher überlegen, wie man aus der Masse herausstechen kann. Wir sind Milliarden von Menschen auf der Welt, weshalb es immer jemand oder etwas Besseres geben wird. Wir müssen daher lernen, auf uns zu schauen und überlegen, wie man die Leute am besten ansprechen kann, denen es egal ist, ob es in dem Bereich schon jemand besseres gibt.