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Das Theodizee Problem

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 Das
Theodizeeproblem
Die Frage nach Gott angesichts menschlichen
Leids.
Der Begriff Theodizee" stammt vom deutschen Philosophen
Gottfried W

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Das Theodizeeproblem Die Frage nach Gott angesichts menschlichen Leids. Der Begriff Theodizee" stammt vom deutschen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz.. Das Wort Theodizee ist zusammengesetzt aus den beiden griechischen Worten theos und dike. Theos heißt Gott und dike Rechtfertigung. Im Theodizeeproblem geht es also um die Frage: Wie können wir unseren Glauben an Gott rechtfertigen angesichts einer welt voller Leid und Übel? Das Theodizeeproblem hat daher die Struktur eines logischen Widerspruchproblems. Erstens glauben wir, dass Gott. allmächtig ist; zweitens glauben wir, dass Gott vollkommen. gütig ist, drittens müssen wir feststellen, dass es leid gibt. Aber wenn Gott allmächtig ist, dann könnte er alles Leid verhindern; und wenn Gott vollkommen gütig ist, dann müsste er alles Leid verhindern. Trotzdem gibt es ein noch. dazu vernichtendes Ausmaß an Leid und Unglück! Bertrand Russell, ein englischer Mathematiker und. Philosoph, stellte einmal die Frage: Stellen Sie sich vor, Sie waren. allmächtig. Hätten sie dann wirklich nur eine Welt wie die unsere erschaffen? Eine Welt voller moralischer Übel, wie Hass und Gewalt, und voller natürlicher Übel, wie Krankheiten und Naturkatastrophen? wohl jeder morálisch halbwegs sensible Mensch würde antworten: Nein, wenn ich allmächtig wäre, würde die Erde anders aussehen. Dann würde ich eingreifen, wo es nötig ist. Warum tut Gott das nicht? Atheisten wie Russell ziehen daraus den Schluss: Gott greift deshalb nicht ein, weil es ihn gar nicht gibt; wenn. es ihn gabe, hatte er eine bessere...

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welt erschaffen. Dieser atheistische Rückschluss ist nicht böswillig gemeint. Der Atheist erkennt im Weltgeschenen nicht die, Handschrift! eines Liebenden Gottes, sondern sieht im Triumph von Hass und Gewalt, im Leiden ohne Grund und Grenze die Fratze des Bösen und des Absurden. Traditionelle Standardantwort. →Die traditionelle Sündenfalltheodizee ging von der Prämise aus, dass Gott am Anfang der Zeit, genauso wie das von ihm als allmächtigem und gütigem Schöpfer zu erwarten. ist, eine heile Welt erschaffen hat das Paradies. →Durch den Sündenfall hat der Mensch das Paradies. zerstört. Daher ist nicht Gott Ursache des leids, sondern der Mensch. Mit dem Sündenfall hat der Mensch die Welt ins Schlechtere →Als der Sünde Sold" kamen, wie Paulus sagt, Krankheit und Tod, Hass und Gewalt in die Welt. Ausgedrückt wird das mit dem biblischen Bild der Vertreibung des Menschen aus dem Paradies hinaus in ein Leben voller Munsal, Enttäuschung, Katastrophen und Gefahr. gerissen. →Alles moralische wie natürliche Übel ist selbstverschuldete Folge menschlicher Sünde, Freilich wissen wir heute, dass es an keiner Raum-Zeit-Stelle unseres Universums so etwas wie ein Paradies gegeben hat. Immer schon ist alles Leben auf Erden gestorben. Die Naturgesetze waren noch nie besser. Auch der Mensch war noch nie mit edleren'. Charaktereigenschaften ausgestattet. Egoismus und Gewalt gehörten immer schon zu seinem wesen. Sonst hatte er vermutlich im Kampf ums Dasein gar nicht über- Lebt. Mit der menschlichen Sünde kann das alles nicht in Verbindung gebracht werden. Aus diesen Gründen hat die traditionelle Sündenfalltheodizee ihre Glaubwürdigkeit võllig eingebüßt. - Moderne Gegenwartstheologie. →Die Gegenwartstheologie hat das Theodizeeproblem von der neuen Prämisse aus anzugehen, wonach Gott kein Paradies erschaffen hat, sondern ein Universum zu dem Naturkatastrophen und zerstörung, Schuld und versägen von Anfang an dazugehören. →Zentral für das Theodizeeproblem ist daher die Frage: Welche Absichten verfolgt Gott mit einem solchen Universum? Kann man Gründe benennen, die einen darin, rechtfertigen, allmächtigen und gütigen Schöpfergott dass er kein Universum An dieser Frage scheiden sich die Geister. Es gibt zwei vollig unterschiedliche Strange theologischer Theodizeen. →Theoretische Theodizeen denken darüber nach, was das denn für Gründe sein könnten, die Gott dazu bewogen, eine Welt voller natürlicher und moralischer Ubel zu erschaffen. Sie versuchen, zumindest ansatzhaft, das Theodizeeproblem zu lösen. →Praktische Theodizeen dagegen halten diese Frage nach,Gottes Gründen für vermessen und prinzipiell unbeantwortbar.. Paradies, sondern ein leidvoll evolvierendes erschuf? Theoretische Theodizeen Auf Seiten theoretischer Theodizeen überzeugen am meisten die Überlegungen von Richard Swinburne und. John Hick →Swinburne bezeichnet seine Theodizee als Free-will-Defence denn er argumentiert vom freien Willen her. Nach christlichem Verständnis hat Gott den Menschen als freies Wesen erschaffen. Aber von welcher genaueren Art ist die Freiheit, die Gott dem Menschen überantwortet hat? Es sind ja verschiedene Formen von Freiheit. vorstellbar. Freiheit könnte darin bestehen, dass der Mensch zwischen lauter guten Dingen und Werten wählen kann. Auch wenn das wünschenswert erscheint, wurden wir bei einer solchen auf das Gute beschränkten Freiheit das. Entscheidende vermissen: Den Ernst echter Verantwortung. Wir würden eine solche Freiheit als Spielzeugfreiheit einstufen. Denn in ihr geht es um nichts. Unsere Handlun- gen hatten ja immer nur positive Konsequenzen.. Eine Freiheit aber, bei der nichts auf dem Spiel steht, ist trivial. Oder theologisch gesprochen: je mehr Menschen bewirken können, und zwar im Guten wie im Bösen, desto größer ist die ihnen von Gott anvertraute Verantwortlichkeit →Menschuche Freiheit ist eine angefochtene Freiheit. Sie ist keine billige Freiheit, sondern eine Freiheit, die sich stets neu zwischen Gut und Böse entscheiden muss.. Das macht die Große, aber auch die Gefährdung des Menschen aus. Er kann das Gute erstreben, aber auch dem Bosen verfallen. →John Hick stellt diese Überlegungen in einen noch weiteren Horizont.Hick unterscheidet zwei Typen urchristlicher Theodizeen. Die augustinische" Theodizee ist identisch mit der zuvor besprochenen Sündenfalltheodizee. Aber seit dem frühen Christentum gibt es noch die zweite irenaische "Theodizee, die auf Irenaus von Lyon. zurück- gent. Sie ging davon aus, dass Gott die Welt nicht in einem paradiesischen Idealzustand erschaffen hat, Sondem in einem unfertigen Entwicklungszustand. Auch wenn Irenaus die Evolutionstheorie noch nicht kannte, lässt sich sein Kerngedanke mühelos in unser evoluti- ves. Weltbild integrieren. Danach wurde der Mensch von Gott nicht als perfektes, sondern als unreifes Geschöpf erschaffen - mit der Aufgabe, aus eigener Entscheidung und Anstrengung heraus seine moralischen, interllekt- uellen, personalen und spirituellen. Eigenschaften zu. entwickeln.. Praktische Theodizeen →So plausibel diese Argumente sind, bleiben fragen. Diese fragen bringen viele Theologen dazu, sich auf die. Seite praktischer Theodizeen, zu schlagen. →Ihr Hauptbedenken richtet sich gegen die Absicht, das Theodizeeproblem dadurch losen' zu wollen, dass man die guten Gründe' benennent, die Gott für die Erschaff- ung einer leidvollen Welt hat. Damit, so der Vorwurf, funktionalisiert man leid. Man legitimiert es von seinen Scheinbar guten Zwecken her. →Kann man guten Gewissens sagen, dass selbst die Greuel von Ausschwitz einen tieferen ,gottgewollten' Sinn haben? Oder auf das Erdbeben in Japan bezogen: Kann man sinnvoll behaupten, diese Kette von Natur- katastrophen, diene! dazu, dass Menschen Geduld, Solidarität und Hoffnung einüben? →Die Realität ist anders. Vor Katastrophen dieses Aus- maßes versagen theoretische Argumente. Hier mit Leiderklärungen! zu kommen, wirkt eher zynisch als rational, geschweige denn, dass solche →Das Ziel theologischer Theodizee nicht leiderklärung, sondern Leidbekämpfung. Das Buch job. →Praktische Theodizeen folgen damit der Spur des Buches ljob. Ijob symbolisiert bis heute den Typus des leidenden Menschen, der die Welt nicht mehr versteht und mit Gott hadert. Was ist das für ein Gott, der in võlliger Willkür die einen Leiden, die anderen glücklich sein lässt; der Leben erschafft und wieder wahllos. vernichtet? Mit furchtbaren Vorwürfen rebelliert Ijob gegen Gott, der sich so wenig um seine Geschöpfe Kummert und den Menschen in seiner größten Not. allein lässt. →Mit werbenden Worten appelliert Gott an ljob, er sollte sich die Schöpfung ansehen in ihren gewaltigen Dimensionen und in ihrer undurchschaubaren Komplexitat und darauf vertrauen, dass er, Gott, der dies alles geschaffen hat, auch um den Sinn allen lebens, Leidens. und Todes weiß. Ein solches existentielles Gottesvert- rauen muss dem Leid immer neu abgerungen werden. Der Mensch steht hier vor der Entscheidung, vor dem Leid zu resignieren oder es im Zutrauen auf den unbegreiflichen Willen Gottes anzunehmen.

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Ausgedrückt wird das mit dem biblischen Bild der Vertreibung des Menschen aus dem Paradies hinaus in ein Leben voller Munsal, Enttäuschung, Katastrophen und Gefahr. gerissen. →Alles moralische wie natürliche Übel ist selbstverschuldete Folge menschlicher Sünde, Freilich wissen wir heute, dass es an keiner Raum-Zeit-Stelle unseres Universums so etwas wie ein Paradies gegeben hat. Immer schon ist alles Leben auf Erden gestorben. Die Naturgesetze waren noch nie besser. Auch der Mensch war noch nie mit edleren'. Charaktereigenschaften ausgestattet. Egoismus und Gewalt gehörten immer schon zu seinem wesen. Sonst hatte er vermutlich im Kampf ums Dasein gar nicht über- Lebt. Mit der menschlichen Sünde kann das alles nicht in Verbindung gebracht werden. Aus diesen Gründen hat die traditionelle Sündenfalltheodizee ihre Glaubwürdigkeit võllig eingebüßt. - Moderne Gegenwartstheologie. →Die Gegenwartstheologie hat das Theodizeeproblem von der neuen Prämisse aus anzugehen, wonach Gott kein Paradies erschaffen hat, sondern ein Universum zu dem Naturkatastrophen und zerstörung, Schuld und versägen von Anfang an dazugehören. →Zentral für das Theodizeeproblem ist daher die Frage: Welche Absichten verfolgt Gott mit einem solchen Universum? Kann man Gründe benennen, die einen darin, rechtfertigen, allmächtigen und gütigen Schöpfergott dass er kein Universum An dieser Frage scheiden sich die Geister. Es gibt zwei vollig unterschiedliche Strange theologischer Theodizeen. →Theoretische Theodizeen denken darüber nach, was das denn für Gründe sein könnten, die Gott dazu bewogen, eine Welt voller natürlicher und moralischer Ubel zu erschaffen. Sie versuchen, zumindest ansatzhaft, das Theodizeeproblem zu lösen. →Praktische Theodizeen dagegen halten diese Frage nach,Gottes Gründen für vermessen und prinzipiell unbeantwortbar.. Paradies, sondern ein leidvoll evolvierendes erschuf? Theoretische Theodizeen Auf Seiten theoretischer Theodizeen überzeugen am meisten die Überlegungen von Richard Swinburne und. John Hick →Swinburne bezeichnet seine Theodizee als Free-will-Defence denn er argumentiert vom freien Willen her. Nach christlichem Verständnis hat Gott den Menschen als freies Wesen erschaffen. Aber von welcher genaueren Art ist die Freiheit, die Gott dem Menschen überantwortet hat? Es sind ja verschiedene Formen von Freiheit. vorstellbar. Freiheit könnte darin bestehen, dass der Mensch zwischen lauter guten Dingen und Werten wählen kann. Auch wenn das wünschenswert erscheint, wurden wir bei einer solchen auf das Gute beschränkten Freiheit das. Entscheidende vermissen: Den Ernst echter Verantwortung. Wir würden eine solche Freiheit als Spielzeugfreiheit einstufen. Denn in ihr geht es um nichts. Unsere Handlun- gen hatten ja immer nur positive Konsequenzen.. Eine Freiheit aber, bei der nichts auf dem Spiel steht, ist trivial. Oder theologisch gesprochen: je mehr Menschen bewirken können, und zwar im Guten wie im Bösen, desto größer ist die ihnen von Gott anvertraute Verantwortlichkeit →Menschuche Freiheit ist eine angefochtene Freiheit. Sie ist keine billige Freiheit, sondern eine Freiheit, die sich stets neu zwischen Gut und Böse entscheiden muss.. Das macht die Große, aber auch die Gefährdung des Menschen aus. Er kann das Gute erstreben, aber auch dem Bosen verfallen. →John Hick stellt diese Überlegungen in einen noch weiteren Horizont.Hick unterscheidet zwei Typen urchristlicher Theodizeen. Die augustinische" Theodizee ist identisch mit der zuvor besprochenen Sündenfalltheodizee. Aber seit dem frühen Christentum gibt es noch die zweite irenaische "Theodizee, die auf Irenaus von Lyon. zurück- gent. Sie ging davon aus, dass Gott die Welt nicht in einem paradiesischen Idealzustand erschaffen hat, Sondem in einem unfertigen Entwicklungszustand. Auch wenn Irenaus die Evolutionstheorie noch nicht kannte, lässt sich sein Kerngedanke mühelos in unser evoluti- ves. Weltbild integrieren. Danach wurde der Mensch von Gott nicht als perfektes, sondern als unreifes Geschöpf erschaffen - mit der Aufgabe, aus eigener Entscheidung und Anstrengung heraus seine moralischen, interllekt- uellen, personalen und spirituellen. Eigenschaften zu. entwickeln.. Praktische Theodizeen →So plausibel diese Argumente sind, bleiben fragen. Diese fragen bringen viele Theologen dazu, sich auf die. 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Ijob symbolisiert bis heute den Typus des leidenden Menschen, der die Welt nicht mehr versteht und mit Gott hadert. Was ist das für ein Gott, der in võlliger Willkür die einen Leiden, die anderen glücklich sein lässt; der Leben erschafft und wieder wahllos. vernichtet? Mit furchtbaren Vorwürfen rebelliert Ijob gegen Gott, der sich so wenig um seine Geschöpfe Kummert und den Menschen in seiner größten Not. allein lässt. →Mit werbenden Worten appelliert Gott an ljob, er sollte sich die Schöpfung ansehen in ihren gewaltigen Dimensionen und in ihrer undurchschaubaren Komplexitat und darauf vertrauen, dass er, Gott, der dies alles geschaffen hat, auch um den Sinn allen lebens, Leidens. und Todes weiß. Ein solches existentielles Gottesvert- rauen muss dem Leid immer neu abgerungen werden. Der Mensch steht hier vor der Entscheidung, vor dem Leid zu resignieren oder es im Zutrauen auf den unbegreiflichen Willen Gottes anzunehmen.