Industrialisierung in Deutschland
Die Industrialisierung in Deutschland begann später als in England und erstreckte sich bis ins 20. Jahrhundert.
Zeitliche Einordnung
Die genaue zeitliche Einordnung des Beginns der Industrialisierung in Deutschland ist schwierig:
- Manche setzen den Beginn auf 1834/35
- Andere sehen den Anfang in den 1850er Jahren
Highlight: Die Schwierigkeit der zeitlichen Einordnung liegt in der politischen Zersplitterung Deutschlands und den daraus resultierenden regionalen Unterschieden.
Gründe für die verspätete Industrialisierung in Deutschland
Im Vergleich zu England hatte Deutschland mehrere Nachteile:
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Fehlende Kolonien: Deutschland konnte keine Schrittmacherindustrie wie die Textilindustrie entwickeln, da es Rohstoffe wie Baumwolle hätte kaufen müssen.
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Politische Zersplitterung: Deutschland war kein einheitlicher Staat, sondern bestand aus vielen kleinen Staaten. Dies führte zu zahlreichen Zöllen, die Produkte verteuerten und nicht wettbewerbsfähig machten.
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Zunftwesen: Die Zünfte in Deutschland hatten eine monopolartige Stellung und behinderten Innovationen.
Example: Wenn ein Handwerker eine neue Produktionsmethode einführen wollte, konnte die Zunft dies verhindern, um den Status quo zu bewahren.
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Mangel an Arbeitskräften: In den Zünften waren nur wenige Männer aktiv, was zu einem Mangel an "manpower" führte.
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Technologischer Rückstand: Erst um 1830 begannen deutsche Handwerker, nach England zu reisen, um dort Technologien zu studieren und in Deutschland zu reproduzieren.
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Fehlendes Kapital: Die Großbürger Deutschlands zögerten lange, in Industrieunternehmen zu investieren, da sich das Bankwesen erst zum zweiten Industrieschub entwickelte.
Vocabulary: Der "Industrieschub" bezeichnet eine Phase beschleunigter industrieller Entwicklung.
Diese Faktoren trugen dazu bei, dass die Industrialisierung in Deutschland später einsetzte als in England. Trotz dieser Hindernisse gelang es Deutschland jedoch, den Rückstand aufzuholen und zu einer führenden Industrienation aufzusteigen.