Embryologie, Rudimente und Atavismen als Evolutionsbelege
Die Embryologie liefert weitere wichtige Belege für die Evolution. Das phylotypische Stadium zeigt, dass frühe Embryonen verschiedener Wirbeltierklassen erstaunliche Ähnlichkeiten aufweisen, selbst wenn die erwachsenen Tiere sehr unterschiedlich sind.
Beispiel: Alle Wirbeltierembryonen durchlaufen ein Stadium mit Kiemenspaltenanlagen, auch wenn diese bei Landwirbeltieren später zurückgebildet werden.
Die biogenetische Grundregel von Ernst Haeckel besagt, dass die Embryonalentwicklung (Ontogenese) eines Organismus Aspekte seiner Stammesgeschichte (Phylogenese) rekapituliert. Obwohl diese Regel nicht universell gültig ist, zeigt sie interessante evolutionäre Zusammenhänge auf.
Rudimente sind weitere wichtige Evolutionsbelege. Diese funktionslosen oder stark reduzierten Organe sind Überbleibsel ehemals funktioneller Strukturen bei Vorfahren.
Beispiel: Der menschliche Blinddarm ist ein Rudiment, das bei pflanzenfressenden Vorfahren eine wichtigere Verdauungsfunktion hatte.
Atavismen sind seltene Fälle, in denen bei einzelnen Individuen Merkmale auftreten, die im Laufe der Evolution eigentlich verloren gegangen sind. Sie zeigen, dass genetische Information über lange Zeiträume erhalten bleiben kann.
Beispiel: Gelegentlich werden Menschen mit einem verlängerten Steißbein geboren, was an den Schwanz unserer evolutionären Vorfahren erinnert.
Die vergleichende Anatomie unterscheidet auch zwischen Homologie und Analogie. Während homologe Organe auf gemeinsame Abstammung hinweisen, sind analoge Organe das Ergebnis konvergenter Evolution – unabhängige Anpassungen an ähnliche Umweltbedingungen.
Highlight: Flügel von Vögeln und Fledermäusen sind analog (gleiche Funktion), aber nicht homolog (unterschiedlicher evolutionärer Ursprung).





