Weitere Evolutionsfaktoren: Präadaptation und Gendrift
Präadaptation bezeichnet ein faszinierendes Phänomen: Merkmale, die ursprünglich neutral oder sogar nachteilig waren, können bei veränderten Umweltbedingungen plötzlich vorteilhaft werden. Solche Mutationen sind bereits im Genpool vorhanden, bevor sie einen Selektionsvorteil erhalten.
Für Präadaptation ist genetische Vielfalt entscheidend. Je größer und vielfältiger eine Population ist, desto wahrscheinlicher enthält sie Allele, die bei Umweltveränderungen vorteilhaft werden könnten. Das erklärt, warum genetische Vielfalt für das Überleben von Arten so wichtig ist – sie ermöglicht schnelle Anpassungen an neue Bedingungen.
Selektionsfaktoren können abiotisch (unbelebt) sein, wie Temperatur, Feuchtigkeit oder pH-Wert, oder biotisch (belebt), wie Fressfeinde, Parasiten oder Konkurrenten. Eine besondere Form ist die sexuelle Selektion, bei der bestimmte Merkmale bevorzugt werden, weil sie attraktiv für potenzielle Partner sind – wie etwa das prächtige Rad des Pfaus.
Gendrift bezeichnet zufällige Veränderungen der Allelhäufigkeiten, die nicht durch Selektion verursacht werden. Dieser Effekt ist besonders in kleinen Populationen bedeutsam, wo zufällige Ereignisse große Auswirkungen haben können.
Zwei wichtige Formen der Gendrift sind:
- Der Flaschenhalseffekt: Eine Population wird durch ein katastrophales Ereignis stark dezimiert, die Überlebenden repräsentieren nur einen zufälligen Ausschnitt des ursprünglichen Genpools
- Der Gründereffekt: Wenige Individuen gründen eine neue Population, etwa auf einer Insel, und bringen nur einen Teil der genetischen Vielfalt der Ausgangspopulation mit
💡 Gendrift kann wie ein evolutionärer Zufall wirken! In kleinen Populationen können sich Allele durchsetzen, nicht weil sie vorteilhaft sind, sondern einfach durch Zufall.