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Analyse des ersten Abschnitts aus „Unter der Drachenwand"

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 Überarbeitung: Analyse: „Im Himmel, ganz oben..."
Der erste Satz lautet „Im Himmel, ganz oben, konnte ich einige ziehende Wolken
erkennen,

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Hannah

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11/12/13

Ausarbeitung

Hier findet ihr eine ausführliche Analyse des ersten Abschnitts aus dem Roman "Unter der Drachenwand", welcher für das Abitur 2022 wichtig ist. Es nur der erste Abschnitt dennoch kann man sich für andere Analysen zum Buch daran orientieren.

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Überarbeitung: Analyse: „Im Himmel, ganz oben..." Der erste Satz lautet „Im Himmel, ganz oben, konnte ich einige ziehende Wolken erkennen, und da begriff ich, ich hatte überlebt". In diesem Satz liegen gleich mehrere sprachliche Mittel vor. Anhand der Inversion, bei der vor allem der Himmel und das Überleben betont wird, obwohl diese gegensätzlich sind, kann man verschiedene Gefühlsebenen erkennen. Der Himmel steht für das Jenseits (das Leben nach dem Tod), er ist der Lebensraum der Vögel und dort fliegen auch Flugzeuge, die im zweiten Weltkrieg Bomben abgeworfen haben. Da er offensichtlich in den Himmel schaut und die Correctio ,,ganz oben" verwendet, wirkt es, als ob er in eine andere Welt schaut, in der er jedoch noch nicht angekommen ist. Die Wolken, die vorbeiziehen suggerieren auch diese „andere Ebene". Diese Wolken stehen auch für einen fortführenden Kreislauf und sie enthalten das Lebenselixier, Wasser. Auch das „ziehend“ verdeutlicht eine Bewegung. Aufgrund dessen wirkt der Satz auch sehr poetisch. Durch die Repetition ,,ich, ich“ erfährt der Leser auch nicht, ob noch andere Personen im Spiel sind. Sie bezieht sich nur auf ihn. Der Protagonist hat irgendetwas überlebt, jedoch erfährt der Leser nicht was. Die Kommas illustrieren Augenaufschläge während des Aufwachens. Der zweite, dritte und vierte Satz lautet „Alle Knochen taten mir weh. Am nächsten Tag Rippfellreizung, zum Glück gut überstanden....

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Doch auf dem rechten Auge sah ich weiterhin doppelt, und der Geruchssinn war weg". Diese Sätze wirken wie Aufzeichnungen eines Arztes, der einen Patienten nach einem Unfall untersucht und die Verletzungen feststellt, aufgrund der emotionslosen Aufzählung. Es scheint als sei der Betroffene eine Person wie jede andere auch, um die sich nicht viel geschert und keinen großen Stellenwert besitzt. Nur das Nötigste wird festgestellt beziehungsweise getan. In der Ellipse „Am nächsten Tag Rippfellreizungen, zum Glück gut überstanden" wird ein wenig Gefühl gezeigt, indem von Glück gesprochen wird. Sonst ist keine große Freude vorhanden und dadurch wirken die Sätze auch sehr militärisch. Der fünfte Satz lautet „So hatte mich der Krieg auch diesmal nur zur Seite geschleudert. Hier kann man eine Metapher erkennen „der Krieg schleudert". Normalerweise schleudert man Kugeln im Sport mit Wucht, damit sie möglichst weit fliegen oder bei einem Unfall wird man aus dem Auto geschleudert. Die Wunden, die der Protagonist sich zugezogen hat, assoziiert er mit dem Krieg und der Leser erfährt erstmals in welcher Situation sich die Geschichte abspielt. Der Krieg beziehungsweise die Wunden haben ihn mit einer enormen Wirkung getroffen, haben jedoch sein Leben nicht beendet. Durch eine Verletzung wird ein Soldat vom Kriegsdienst befreit, was jedoch nur für ein begrenzte Zeit gelten kann. Durch die Metapher wird Enttäuschung deutlich, dass er vermutlich später nochmals als Kriegsteilnehmer dienen muss. Der sechste Satz lautet „Im ersten Moment war mir gewesen, als würde ich von dem Krachen verschluckt und von der ohnehin alles verschluckenden Steppe und den ohnehin alles verschluckenden Flüssen, an diesem groben Knie des Dnjepr". Hier sind wieder gleich mehrere sprachliche Mittel aufzufinden. Einerseits die Personifikation „das Krachen verschluckt“, „die verschluckende Steppe". Menschen verschlucken sich versehentlich beispielsweise beim Essen. Sie fühlen sich unbehaglich, dadurch, dass man Husten muss und die Speiseröhre wehtut. In dieser Passage fühlt der Protagonist sich so, als würde ihm etwas durch die Steppe weggenommen werden und das Große, Weite lässt ihn unbehaglich fühlen und im tiefen Inneren tut ihm etwas weh. Das Krachen war vermutlich eine Granate, die seine Wunden verursacht haben. Er ist in einem unbekannten Land und weiß nicht, wie es weiter geht, was ihn verunsichert. Die Alliteration ,ohnehin alles verschluckenden ..." erzeugt weiterhin ein unwohles Gefühl und man erkennt das Unwohl sein des Erzählers, der durch fast alles in diesem Moment ein unangenehmes, bedrückendes Gefühl bekommt. Zum Schluss folgt die Ellipse ,an diesem groben Knie des Dnjepr". Der Ort „Dnjepr“ liegt in Russland, ein Kriegsschauplatz im zweiten Weltkrieg. Offensichtlich ist der Protagonist in einem weit entfernten Ort, wo er kämpfen musste, und durch die Ellipse wird dieses „Heimweh" nochmals deutlich. Aufgrund der Kombination von mehreren sprachlichen Mittel in einem Satz, wirkt der Satz auch sehr poetisch, fast wie ein Gedicht. Der siebte Satz lautet „Unter meinem rechten Schlüsselbein lief das Blut in leuchtenden Bächen heraus, ich schaute hin, das Herz ist eine leistungsfähige Pumpe, und es wälzte Blut jetzt nicht mehr in meinem Körper im Kreis, sondern pumpte es aus mir heraus, bum, bum." Auch hier sind drei sprachliche Mittel aufzufinden. Eine Onomatopoesie, eine Hyperbel und erneut eine Alliteration. Durch die Onomatopoesie „bum, bum, bum“ erkennt man eine angespannte Situation des Protagonisten. Man denkt an seinen eigenen Herzschlag, den man nur spürt oder hört, wenn man sich angestrengt hat oder aufgeregt ist. Diese Aufregung hängt vermutlich mit den Verletzungen zusammen, die er erlitten hat und mit der Ungewissheit der Zukunft. Eine Pumpe bläst etwas auf und macht es somit wieder funktionstüchtig. Dadurch bestärkt die Alliteration die Interpretation des Protagonisten, dass das Herz ihn am Leben gehalten hat, beziehungsweise er überlebt hat und ihn auch in näherer Zukunft wieder „kampfbereit“ machen wird. In Kombination mit dem Wort Blut wird die unbewusste Empfindung von Leid und Schmerz deutlich. Die Hyperbel „in leuchtenden Bächen", welche eigentlich Wasser enthalten und durch Wälder fließen, erzeugt Mitleid beim Leser und man erfährt, dass der Protagonist, obwohl er es nicht explizit nennt, Schmerzen hat und große Mengen Blut aus seinem Körper spritzen. Im Gegensatz zu der Beschreibung seiner Wunden, wirkt dieser Satz viel emotionaler und tiefgründiger. Der achte Satz „In Todesangst rannte ich zum Sanitätsoffizier, der die Wunden tamponierte und mich notdürftig verband“ enthält eine Hyperbel (hier: Todesangst). Wir als Leser erfahren zum ersten Mal auf emotionale Weise, dass der Protagonist dem Tode nahe war und auch große Angst empfunden hat, nachdem er verwundet wurde. Er empfand unbeschreiblich große Angst und rannte deshalb zum Sanitäter, um sich helfen zu lassen. Hierbei ist auch noch auffällig, dass ein reiner Erzählbericht vorliegt, was in den anderen Passagen nicht der Fall ist. Der neunte Satz „Ein Granatsplitter hatte die rechte Wange verletzt, äußerlich wenig zu sehen, ein weiterer Splitter steckte im rechten Oberschenkel, schmerzhaft, ein dritter Splitter hatte unter dem Schlüsselbein ein größeres Gefäß verletzt, Hemd, Rock und Hose waren blutgetränkt“ enthält eine Ellipse und eine Aufzählung. Durch diese wird wieder eine Form eines Arztes/Militärberichts erzeugt. Es wird erneut wenig Emotion gezeigt, trotz dessen des offensichtlichen dramatischen Zustandes seiner Wunden und seines Schmerzempfindens. Der Protagonist wirkt durch den ,,Arztbericht" wieder wie jeder andere Soldat auch. Ihm wird kein bedeutender Wert zugesprochen. Die Kommata wirken wie die Blicke eines Arztes, welcher den Patienten an den verschiedenen Stellen des Körpers durchcheckt. Der zehnte Satz lautet „Das unbeschreibliche mit nichts zu vergleichende Gefühl, dass man empfindet, wenn man überlebt hat“ und enthält ein Asyndeton. Diese zeigt die übermäßige Freude des Protagonisten, welcher überlebt hat, was anscheinend keine Selbstverständlichkeit war und er deshalb hier sehr emotional wird. Hier entsprechen die Kommas den Herzschlägen vor Freude. Der elfte und zwölfte Satz hängt zusammen „Als Kind der Gedanke: Wenn ich groß bin. Heute der Gedanke: Wenn ich es überlebe. Er spricht von seiner Kindheit, in der man Träume hat und von seinem späteren Leben träumt aber führt den Satz nicht aus, weil er es nicht wagt, aufgrund seiner Verwundung vom „Danach" zu sprechen. Auch kann es auf eine mögliche schlechte Kindheit hindeuten. Die enthaltende Anapher verdeutlicht die brenzliche Situation zwischen Leben und Tod, in der er sich befindet. Es ist ebenfalls eine Antithese zwischen Heute und damals/Erwachsen werden und Sterben zu erkennen. Der Protagonist empfindet Angst und gleichzeitig Hoffnung. Der dreizehnte Satz „Was kann es Besseres geben, als am Leben zu bleiben?" ist eine rhetorische Frage. Hier kann man einen offensichtlichen Widerspruch erkennen, da es auf jeden Fall etwas Besseres gibt als am Leben zu bleiben, und zwar ein schönes Leben zu haben. Im Krieg zählt scheinbar nur der Fakt, dass man lebt, obwohl man schwer verletzt ist. In diesem Abschnitt wird die ganze Zeit in der Ich-Form erzählt. Bei der Erzählperspektive gibt es eine Mischung zwischen der Außensicht („Arztbericht") und Innensicht („Im ersten Moment war mir gewesen..“). In der Erzählhaltung gibt es auch eine Mischung zwischen neutral, affirmativ (im Sinne von respektvoll) und euphorisch. Das Erzählverhalten ist auch verschieden auf der einen Seite personal auf der anderen Seite neutral. Es liegen Darbietungsformen in Form eines Erzählberichts und Inneren Monologs vor. Diese „Mischungen" sehr auffällig und erzeugen eine emotionale und wirkungsvolle Atmosphäre beim Lesen. Auch erkennt man deutliche Gedankensprünge, die in einer derartigen Situation nicht ungewöhnlich wären.

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Vielen Dank, wirklich hilfreich für mich, da wir gerade genau das Thema in der Schule haben 😁

Hier findet ihr eine ausführliche Analyse des ersten Abschnitts aus dem Roman "Unter der Drachenwand", welcher für das Abitur 2022 wichtig ist. Es nur der erste Abschnitt dennoch kann man sich für andere Analysen zum Buch daran orientieren.

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Überarbeitung: Analyse: „Im Himmel, ganz oben..." Der erste Satz lautet „Im Himmel, ganz oben, konnte ich einige ziehende Wolken erkennen, und da begriff ich, ich hatte überlebt". In diesem Satz liegen gleich mehrere sprachliche Mittel vor. Anhand der Inversion, bei der vor allem der Himmel und das Überleben betont wird, obwohl diese gegensätzlich sind, kann man verschiedene Gefühlsebenen erkennen. Der Himmel steht für das Jenseits (das Leben nach dem Tod), er ist der Lebensraum der Vögel und dort fliegen auch Flugzeuge, die im zweiten Weltkrieg Bomben abgeworfen haben. Da er offensichtlich in den Himmel schaut und die Correctio ,,ganz oben" verwendet, wirkt es, als ob er in eine andere Welt schaut, in der er jedoch noch nicht angekommen ist. Die Wolken, die vorbeiziehen suggerieren auch diese „andere Ebene". Diese Wolken stehen auch für einen fortführenden Kreislauf und sie enthalten das Lebenselixier, Wasser. Auch das „ziehend“ verdeutlicht eine Bewegung. Aufgrund dessen wirkt der Satz auch sehr poetisch. Durch die Repetition ,,ich, ich“ erfährt der Leser auch nicht, ob noch andere Personen im Spiel sind. Sie bezieht sich nur auf ihn. Der Protagonist hat irgendetwas überlebt, jedoch erfährt der Leser nicht was. Die Kommas illustrieren Augenaufschläge während des Aufwachens. Der zweite, dritte und vierte Satz lautet „Alle Knochen taten mir weh. Am nächsten Tag Rippfellreizung, zum Glück gut überstanden....

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Doch auf dem rechten Auge sah ich weiterhin doppelt, und der Geruchssinn war weg". Diese Sätze wirken wie Aufzeichnungen eines Arztes, der einen Patienten nach einem Unfall untersucht und die Verletzungen feststellt, aufgrund der emotionslosen Aufzählung. Es scheint als sei der Betroffene eine Person wie jede andere auch, um die sich nicht viel geschert und keinen großen Stellenwert besitzt. Nur das Nötigste wird festgestellt beziehungsweise getan. In der Ellipse „Am nächsten Tag Rippfellreizungen, zum Glück gut überstanden" wird ein wenig Gefühl gezeigt, indem von Glück gesprochen wird. Sonst ist keine große Freude vorhanden und dadurch wirken die Sätze auch sehr militärisch. Der fünfte Satz lautet „So hatte mich der Krieg auch diesmal nur zur Seite geschleudert. Hier kann man eine Metapher erkennen „der Krieg schleudert". Normalerweise schleudert man Kugeln im Sport mit Wucht, damit sie möglichst weit fliegen oder bei einem Unfall wird man aus dem Auto geschleudert. Die Wunden, die der Protagonist sich zugezogen hat, assoziiert er mit dem Krieg und der Leser erfährt erstmals in welcher Situation sich die Geschichte abspielt. Der Krieg beziehungsweise die Wunden haben ihn mit einer enormen Wirkung getroffen, haben jedoch sein Leben nicht beendet. Durch eine Verletzung wird ein Soldat vom Kriegsdienst befreit, was jedoch nur für ein begrenzte Zeit gelten kann. Durch die Metapher wird Enttäuschung deutlich, dass er vermutlich später nochmals als Kriegsteilnehmer dienen muss. Der sechste Satz lautet „Im ersten Moment war mir gewesen, als würde ich von dem Krachen verschluckt und von der ohnehin alles verschluckenden Steppe und den ohnehin alles verschluckenden Flüssen, an diesem groben Knie des Dnjepr". Hier sind wieder gleich mehrere sprachliche Mittel aufzufinden. Einerseits die Personifikation „das Krachen verschluckt“, „die verschluckende Steppe". Menschen verschlucken sich versehentlich beispielsweise beim Essen. Sie fühlen sich unbehaglich, dadurch, dass man Husten muss und die Speiseröhre wehtut. In dieser Passage fühlt der Protagonist sich so, als würde ihm etwas durch die Steppe weggenommen werden und das Große, Weite lässt ihn unbehaglich fühlen und im tiefen Inneren tut ihm etwas weh. Das Krachen war vermutlich eine Granate, die seine Wunden verursacht haben. Er ist in einem unbekannten Land und weiß nicht, wie es weiter geht, was ihn verunsichert. Die Alliteration ,ohnehin alles verschluckenden ..." erzeugt weiterhin ein unwohles Gefühl und man erkennt das Unwohl sein des Erzählers, der durch fast alles in diesem Moment ein unangenehmes, bedrückendes Gefühl bekommt. Zum Schluss folgt die Ellipse ,an diesem groben Knie des Dnjepr". Der Ort „Dnjepr“ liegt in Russland, ein Kriegsschauplatz im zweiten Weltkrieg. Offensichtlich ist der Protagonist in einem weit entfernten Ort, wo er kämpfen musste, und durch die Ellipse wird dieses „Heimweh" nochmals deutlich. Aufgrund der Kombination von mehreren sprachlichen Mittel in einem Satz, wirkt der Satz auch sehr poetisch, fast wie ein Gedicht. Der siebte Satz lautet „Unter meinem rechten Schlüsselbein lief das Blut in leuchtenden Bächen heraus, ich schaute hin, das Herz ist eine leistungsfähige Pumpe, und es wälzte Blut jetzt nicht mehr in meinem Körper im Kreis, sondern pumpte es aus mir heraus, bum, bum." Auch hier sind drei sprachliche Mittel aufzufinden. Eine Onomatopoesie, eine Hyperbel und erneut eine Alliteration. Durch die Onomatopoesie „bum, bum, bum“ erkennt man eine angespannte Situation des Protagonisten. Man denkt an seinen eigenen Herzschlag, den man nur spürt oder hört, wenn man sich angestrengt hat oder aufgeregt ist. Diese Aufregung hängt vermutlich mit den Verletzungen zusammen, die er erlitten hat und mit der Ungewissheit der Zukunft. Eine Pumpe bläst etwas auf und macht es somit wieder funktionstüchtig. Dadurch bestärkt die Alliteration die Interpretation des Protagonisten, dass das Herz ihn am Leben gehalten hat, beziehungsweise er überlebt hat und ihn auch in näherer Zukunft wieder „kampfbereit“ machen wird. In Kombination mit dem Wort Blut wird die unbewusste Empfindung von Leid und Schmerz deutlich. Die Hyperbel „in leuchtenden Bächen", welche eigentlich Wasser enthalten und durch Wälder fließen, erzeugt Mitleid beim Leser und man erfährt, dass der Protagonist, obwohl er es nicht explizit nennt, Schmerzen hat und große Mengen Blut aus seinem Körper spritzen. Im Gegensatz zu der Beschreibung seiner Wunden, wirkt dieser Satz viel emotionaler und tiefgründiger. Der achte Satz „In Todesangst rannte ich zum Sanitätsoffizier, der die Wunden tamponierte und mich notdürftig verband“ enthält eine Hyperbel (hier: Todesangst). Wir als Leser erfahren zum ersten Mal auf emotionale Weise, dass der Protagonist dem Tode nahe war und auch große Angst empfunden hat, nachdem er verwundet wurde. Er empfand unbeschreiblich große Angst und rannte deshalb zum Sanitäter, um sich helfen zu lassen. Hierbei ist auch noch auffällig, dass ein reiner Erzählbericht vorliegt, was in den anderen Passagen nicht der Fall ist. Der neunte Satz „Ein Granatsplitter hatte die rechte Wange verletzt, äußerlich wenig zu sehen, ein weiterer Splitter steckte im rechten Oberschenkel, schmerzhaft, ein dritter Splitter hatte unter dem Schlüsselbein ein größeres Gefäß verletzt, Hemd, Rock und Hose waren blutgetränkt“ enthält eine Ellipse und eine Aufzählung. Durch diese wird wieder eine Form eines Arztes/Militärberichts erzeugt. Es wird erneut wenig Emotion gezeigt, trotz dessen des offensichtlichen dramatischen Zustandes seiner Wunden und seines Schmerzempfindens. Der Protagonist wirkt durch den ,,Arztbericht" wieder wie jeder andere Soldat auch. Ihm wird kein bedeutender Wert zugesprochen. Die Kommata wirken wie die Blicke eines Arztes, welcher den Patienten an den verschiedenen Stellen des Körpers durchcheckt. Der zehnte Satz lautet „Das unbeschreibliche mit nichts zu vergleichende Gefühl, dass man empfindet, wenn man überlebt hat“ und enthält ein Asyndeton. Diese zeigt die übermäßige Freude des Protagonisten, welcher überlebt hat, was anscheinend keine Selbstverständlichkeit war und er deshalb hier sehr emotional wird. Hier entsprechen die Kommas den Herzschlägen vor Freude. Der elfte und zwölfte Satz hängt zusammen „Als Kind der Gedanke: Wenn ich groß bin. Heute der Gedanke: Wenn ich es überlebe. Er spricht von seiner Kindheit, in der man Träume hat und von seinem späteren Leben träumt aber führt den Satz nicht aus, weil er es nicht wagt, aufgrund seiner Verwundung vom „Danach" zu sprechen. Auch kann es auf eine mögliche schlechte Kindheit hindeuten. Die enthaltende Anapher verdeutlicht die brenzliche Situation zwischen Leben und Tod, in der er sich befindet. Es ist ebenfalls eine Antithese zwischen Heute und damals/Erwachsen werden und Sterben zu erkennen. Der Protagonist empfindet Angst und gleichzeitig Hoffnung. Der dreizehnte Satz „Was kann es Besseres geben, als am Leben zu bleiben?" ist eine rhetorische Frage. Hier kann man einen offensichtlichen Widerspruch erkennen, da es auf jeden Fall etwas Besseres gibt als am Leben zu bleiben, und zwar ein schönes Leben zu haben. Im Krieg zählt scheinbar nur der Fakt, dass man lebt, obwohl man schwer verletzt ist. In diesem Abschnitt wird die ganze Zeit in der Ich-Form erzählt. Bei der Erzählperspektive gibt es eine Mischung zwischen der Außensicht („Arztbericht") und Innensicht („Im ersten Moment war mir gewesen..“). In der Erzählhaltung gibt es auch eine Mischung zwischen neutral, affirmativ (im Sinne von respektvoll) und euphorisch. Das Erzählverhalten ist auch verschieden auf der einen Seite personal auf der anderen Seite neutral. Es liegen Darbietungsformen in Form eines Erzählberichts und Inneren Monologs vor. Diese „Mischungen" sehr auffällig und erzeugen eine emotionale und wirkungsvolle Atmosphäre beim Lesen. Auch erkennt man deutliche Gedankensprünge, die in einer derartigen Situation nicht ungewöhnlich wären.