Gesamtüberblick und Interpretation
Die Gesamtstruktur des Dramas weist eine geschlossene Handlung auf: Sowohl Anfang als auch Ende finden am Bahnhof mit einem Auftritt von Claire statt. Diese Kreisstruktur symbolisiert die Unvermeidbarkeit des Geschehens. Zu Beginn herrscht Vorfreude auf die Verbannung der Armut, am Ende feierliche Stimmung trotz Ills tragischem Tod – die Freude über den Wohlstand überwiegt alles.
Die Regieanweisungen tragen wesentlich zur Interpretation bei. Die "einst graue Welt" hat sich "in Reichtum verwandelt", doch der äußere Schein trügt. Das "technisch blitzblank[e]" Güllen wirkt oberflächlich von Armut befreit und rein, während darunter moralische Verkommenheit lauert. Besonders bedeutsam ist der Begriff "Apotheose" (Vergöttlichung eines Menschen), der Claire als quasi-göttliche Macht positioniert.
Die zwei Chöre der Güllener bilden eine Parallele zu Sophokles' "Antigone", allerdings mit entscheidendem Unterschied: Während Kreon vom Chor gewarnt wird, erhalten die Güllener keine Warnung vor ihrem moralischen Fehlverhalten. Sie bestätigen sich vielmehr gegenseitig in ihrem Tun.
Die Metapher des "havarierten Schiffes", das "weit abgetrieben, die letzten Signale" gibt, verdeutlicht Güllens Zustand: Trotz Wohlstand bleibt die Stadt von der Tristesse der Armut geprägt. "Weit abgetrieben" von Moral und christlichen Werten, geben sie "die letzten Signale" - möglicherweise in fälschlichem Glauben an Rettung.