Deutsch /

"Besuch der alten Dame" / Dürrenmatt: S. 98 - 103, 2 Klassenarbeiten (Aufgabenstellung + Schülerlösung)

"Besuch der alten Dame" / Dürrenmatt: S. 98 - 103, 2 Klassenarbeiten (Aufgabenstellung + Schülerlösung)

 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / KA-Lösungsvorschlag / S. 1 von 6
Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" (S. 98 - 103) / Elena
 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / KA-Lösungsvorschlag / S. 1 von 6
Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" (S. 98 - 103) / Elena

"Besuch der alten Dame" / Dürrenmatt: S. 98 - 103, 2 Klassenarbeiten (Aufgabenstellung + Schülerlösung)

user profile picture

Klaus Schenck

5281 Followers

Teilen

Speichern

25

 

12

Klausur

2 Klassenarbeiten, Kl. 12 (2010): 1. KA: gelungene Zitatintegration, 2. KA: gedanklich + sprachlich differenziert

Nichts passendes dabei? Erkunde andere Fachbereiche.

www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / KA-Lösungsvorschlag / S. 1 von 6 Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" (S. 98 - 103) / Elena (2010) Aufgabenstellung / Zeit: vierstündig mit Pausen S. 98 Der Lehrer - S. 103 unten 1. Skizziere die vorangegangene Handlung, weshalb der Lehrer diese Rede halten will. 2. Interpretiere die Textstelle; beziehe die sprachliche und erzählerische Gestaltung ein. 3. Zeige die Entwicklung des Lehrers am gesamten Werk. ,,Der Besuch der alten Dame“ ist neben „Der Verdacht“ und „Der Richter und sein Henker" das wohl bekannteste Werk Friedrich Dürrenmatts. Wie auch seine vorherigen Werke stellt die, von ihm selbst betitelte, „tragische Komödie" den Wert der Gerechtigkeit in Verbindung mit dem Rachemotiv sowie die Verführbarkeit des Menschen unter Einfluss des Geldes auf groteske Weise ins Zentrum. Das Werk zentriert sich auf das ehemalige Liebespaar Alfred III und Claire Zachanassian, ehemalige Klara Wäscher. Beide waren 45 Jahre vor dem eigentlichen Bühnengeschehen miteinander liiert. Ihre Wege trennten sich jedoch, als III die, von ihm schwangere Klara öffentlich verleugnet und verrät, worauf diese die Stadt die Stadt Güllen verlassen muss. Nach dieser Demütigung schwört Klara Rache und kehrt Jahre später als Milliardärin Claire Zachanassian in das nun durch sie völlig verarmte Güllen zurück, um vor III Recht zu sprechen. Sie bietet der verarmten Kleinstadt Güllen Kleinstadt eine Milliarde für die Ermordung...

Mit uns zu mehr Spaß am Lernen

Hilfe bei den Hausaufgaben

Mit dem Fragen-Feature hast du die Möglichkeit, jederzeit Fragen zu stellen und Antworten von anderen Schüler:innen zu erhalten.

Gemeinsam lernen

Mit Knowunity erhältest du Lerninhalte von anderen Schüler:innen auf eine moderne und gewohnte Art und Weise, um bestmöglich zu lernen. Schüler:innen teilen ihr Wissen, tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig.

Sicher und geprüft

Ob Zusammenfassungen, Übungen oder Lernzettel - Knowunity kuratiert alle Inhalte und schafft eine sichere Lernumgebung zu der Ihr Kind jederzeit Zugang hat.

App herunterladen

Alternativer Bildtext:

Ills. Auf der Schwelle zwischen Armut und Wohlstand entsteht aus der anfänglichen Empörung der Güllener die Bereitschaft zum Mord während III, einen inneren Wandel vollziehend, seine Schuld anerkennt. Die vorgelegt Textstelle thematisiert den verzweifelten inneren Wahrheitskampf des Lehrers, welcher als Einziger den moralischen Werteverfall der Stadt erkennt. Es zeigt sich nun als der letzte affektbedingte Aufschrei des Lehrers, der erkennen muss, dass die Wahrheit unter Verrätern, geblendet vom Geld, keine Chance hat. Der Lehrer, welcher nicht näher personalisiert wird, da er lediglich nach seiner Funktion benannt ist, stellt eine zentrale Person im Handlungsgeschehen dar. Er erkennt als Einziger die kommende Verschuldung der Güllener, da er auch zu Anfang schon erschrocken über das Auftreten Claires ist. So fühlt er Furcht vor ihrem Erscheinungsbild und nimmt daher ihre Bedrohlichkeit schon vorweg. Diese angenommene Gefahr bestätigt sich bei der offiziellen Begrüßung Claires, bei welcher sie Güllen das Angebot unterbreitet, ihm eine Milliarde für die Ermordung III zu überlassen, womit sie das ruinierte Güllen aus seiner prekären Lage befreien würde. Anfänglich reagieren die Güllener noch äußerst empört und entsetzt über ein solch unmenschliches Anliegen, doch im Laufe der folgenden Handlung brechen sie immer mehr unter dem Druck des Angebots zusammen, welches schwer auf ihren Schultern lastet. So ändern sie ihr Konsumverhalten und kaufen teure Luxusgüter auf Kredit. Obwohl die Güllener nun also ihre Loyalität zu III versichern, www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / KA-Lösungsvorschlag / S. 2 von 6 Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" (S. 98 - 103) / Elena (2010) spekulieren sie schon mit seinem Tod, da sie ihre Schulden nur mit der Vergütung von Ills Ermordung begleichen können. Dieses verräterische und hinterhältige Verhalten bemerkt der Lehrer erst stillschweigend, während III zusehends verzweifelt und sich daher immer stärker isoliert. Nun erkennt uch der Lehrer, der der einzige Sehende unter den Blinden zu sein scheint, da er die Schuldzunahme anerkennt, während die Güllener versuchen diese zu verdrängen, dass die Stadt den moralischen Untergang geweiht ist. Er gerät immer mehr in einen Gewissenskonflikt, da er, als einzige Instanz mit humanistischen Werten, seine Moral proportional zu der steigenden Verschuldung Güllens hinterfragt. Der Lehrer kann diesem Druck des Wissens nicht länger standhalten und versucht darauf mit dem Arzt in einem Gespräch mit Claire den kommenden Mord zu verhindern. Mit dem Misslingen dieses Unterfangens erkennt der Lehrer, dass eine Rettung aus seiner und Güllens Lage hoffnungslos ist und sieht keinen anderen Ausweg mit dieser Erkenntnis der eigenen kommenden Verschuldung als den, die Situation im Alkohol zu ertränken. So wird aus dem rechtschaffenden Humanisten ein depressiver „Säufer". Mit der Erkenntnis der kommenden Schuld und unter Voraussetzung der verlorenen Hoffnung versucht der betrunkene Lehrer nun mit einem letzten Gewissensaufschrei, welcher im Affekt passiert, die kommende Schuld durch den Mord an III zu verhindern, indem er dazu bereit ist, die Situation um III und dem Angebot Claires öffentlich und damit den gesamten Plan Claires und Güllens zunichte zu machen, während die Güllener, allen voran die Familie Ills, schamlos vor der Presse mit ihrem Wohlstand protzt und gleichzeitig Ill beschuldigen und verteufeln, da er es „schlimm […] mit der armen Frau Zachanassian getrieben [hatte]“ (S. 93). Daran zeigt sich der Wertewandel der Güllener, da sie III vom Opfer zum Täter machen, um ihr schamloses Verhalten zu rechtfertigen. So sehen sie in III keinesfalls mehr „die beliebteste Persönlichkeit in Güllen“ (S. 20), sondern vielmehr einen Außenseiter der Gesellschaft. „Frau III, ich hoffe, da[ss] ihr Mann nicht schwatzt, wenn die Journalisten kommen.“ (S. 93) Mit dem Zusatz „Frau“ (S. 93) weichen die Güllener nun von ihrem anfänglichen Verhalten gegenüber Claire ab, da sie diese zu Anfang schon fast verabscheuten und nur für die Wiederherstellung des eigenen Wohlstands brauchten. Damit hatte Claire eher die Funktion eines Goldesels, doch nun betrachtet man sie als armes Opfer, da diese Definition den Güllenern neue Perspektiven ermöglicht. Sie verurteilen damit III und rechtfertigen den Mord, um letztendlich wieder zu einem abendländischen Gemeinwesen zu werden. Diese Hinterhältigkeit und Verlogenheit reizen letztlich den Lehrer, welcher als Humanist sich eher dem Menschen verschrieben sieht als dem Geld. So fasst er als Einziger den Mut, neben Claire, die Wahrheit auszusprechen und beweist damit innere Überlegenheit zu den tölpelhaften und verräterischen Güllenern, die, getrieben vom Geld, für den eigenen Wohlstand über Leichen gehen. Jedoch muss auch der humane Lehrer erkennen, dass er letztlich auch Teil von Güllen ist und damit ebenso zur Schuld beiträgt. Mit diesem Wissen der eigenen, kommenden Schuld lastet ein enormer Druck auf dem Lehrer, unter welchem er zusammenbricht und dem Schweigen ein Ende macht, indem er, betrunken, um den Mut nicht zu verlieren und um die Situation leichter zu ertragen, sich öffentlich zum Verrat bekennt und „[die] Wahrheit [...] [wie] ein Erzengel" (S. 99) verkündet. Mit diesem Handeln ist er auch bereit, auf „ewig“ (S. 98) in Armut zu leben, da ihm dies gewissenhafter erscheint, als in Reichtum und zudem Unmoral zu versinken. Auf sein offensives Verhalten hin begegnen ihm die Güllener sofort aggressiv, da sie ihren kommenden Wohlstand durch die Handlung des Lehrers bedroht sehen. So wollen sie ihn zum „Aufhören" (S. 98) zwingen und tun jedes Wort von ihm herunterspielen. Sie www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / KA-Lösungsvorschlag / S. 3 von 6 Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" (S. 98 - 103) / Elena (2010) versuchen ihn unzulässig und unglaubwürdig erscheinen zu lassen, indem die Güllener seine wahren Worte als Rede eines Schluckspechts versuchen ab zu tun, da [er] betrunken [sei]“ (S. 98). Nach der Meinung von Mathilde III, der Frau Ills, sollte er sich „schämen" (S. 98). Äußerlich wirkt dies, als solle er sich sein betrunkenes Ver Iten schämen, jedoch scheint Frau III ihn drohend zu ermahnen, nicht noch weiter zu sprechen, da er damit die Stadt verrät und ihren Ruin für die Zukunft sichert. Empört über die Anmaßung der Vorgetäuschten Moral fordert der Lehrer Frau III selbst zum Schämen auf, da sie es wagt, „[ihren] Gatten zu verraten“ (S. 98) und dennoch scheinheilig die moralisch überlegene Ehefrau und Güllnerin spielt, womit sie exakt den Charakter Güllens aufzeigt; moralisch hoch angesehen und dennoch scheinheilig verratend. Der Sohn Ills zeigt besondere Aggressivität, da er mit dem Ausspruch „Maul halten" (S. 99) jegliche Höflichkeit und jeglichen Respekt vor dem Lehrer abweist und aufzeigt, wie sehr das Geld einem Menschen beeinflusst, da er nun sogar bereit ist seinen Vater für seinen eigenen Wohlstand zu opfern. Der Bezug des Lehrers zu „Ödipus“ (S. 99), einem Griechen der alten Antike, zeigt noch einmal die Überlegenheit des Lehrers auf und verweist auf dessen Verbundenheit zum Altertum und zu den alten, hohlen Werten. Ödipus war ein griechischer König, welcher seinen Vater unwissentlich ermordet. Ills Sohn fällt seinem Vater ebenso in den Rücken. Er handelt dabei eher unbewusst, da er getrieben vom Geld, jegliches Moral- und Ehrgefühl verliert und daher nicht mehr entscheiden kann, was gut und böse bzw. richtig und falsch ist. Den Anschuldigungen des Lehrers begegnen die Güllener abweisend und versuchen sich vor diesen zu rechtfertigen. So verweist der Maler auf „einen Christus [, den er] gemalt [hatte], einen Christus!“ (S. 99). Damit versteckt er sich hinter einem göttlichen Bild, um seinen Verrat zu vertuschen. Mit der Wiederholung des Christusbildes als angefertigtes Gemälde, da wohl kaum ein Sünder den Gottessohn abbilden würde, wenn er seiner Schuld bewusst wäre, verdeutlicht der Maler allerdings seine Schuld nur noch mehr, da er verzweifelt erscheint und in Erklärungsnot kommt. Doch der Lehrer zeigt in seiner Wahrheit kein Erbarmen. „[Mit] Donnerstimme" (S. 99), einem Gewitter gleich, weist er darauf hin, dass die Schuld und der Verrat der Güllener letztlich nur großes Unheil einfordert. Diese „Donnerstimme" (S. 99) stellt also, wie der Vergleich mit dem „Erzengel" (S. 99), eine Antizipation der kommenden Dinge dar, da dies aufzeigt, dass Güllen sein Schicksal letztendlich selbst besiegelt. Es wird sich also die Aussage bestätigen, dass letztendlich jedes Verbrechen einmal gesühnt wird. Der Lehrer bezieht sich in dieser urteilsgleichen Verkündung immer wieder auf Humanität und Antike, womit er sich weiter von den Güllenern differenziert, da diese keinerlei Bezug zu alten, hohen Werten aufbauen können. Mitten in seiner Rede von Wahrheit und Menschlichkeit erscheint III „in alten zerschlissenen Kleidern“ (S. 99). Mit diesem Erscheinungsbild isoliert sich III auch äußerlich von den Güllenern, die mit ihren neuen Kleidern und gelben Schuhen ein Schuldbekenntnis im Kollektiv ablegen. Ill erscheint daher als Individuum, womit er sich als mutiger Mensch beweist, da nur Unabhängigkeit zum Individualisten führt. Mit seinem Erscheinen beeinflusst III die Güllener vom Lehrer abzulassen, welche weiter auf die Wahrheitsverkündung im Sinne des Humanen bedacht ist. Jedoch wird er von III davon abgehalten, der ihn zum „[schweigen]“ (S. 99) bewegt. An dieser, zuerst unerklärlichen Handlung Ills zeigt sich der innere Wandel Ills. Er sieht nun ein, dass er seiner Schuld nicht mehr entkommen kann und akzeptiert sie letztlich. III erkennt sein, von Güllen und Claire gefälltes Urteil also innerlich an, da er, einen Prozess durchlaufend, zum mutigen Menschen geworden ist. Der Lehrer ist zutiefst entsetzt über Ills Verhalten, da dieser „die Wahrheit [zu] verraten" (S. 100) scheint. „Die Menschlichkeit" (S. 100) wird also auch von www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / KA-Lösungsvorschlag / S. 4 von 6 Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" (S. 98 - 103) / Elena (2010) III nicht anerkannt und scheint ihre Bedeutung in Güllen nun endgültig verloren zu haben. Mit Ills Handeln verliert der Lehrer nun auch noch seinen letzten Glauben an das Humane, an die Gerechtigkeit und erkennt nun, dass das Einzige, was er noch zu tun hat, ist, seine Humanität abzuwerfen und dem Druck seiner selbst und der Güllener nachzugeben, um III letztlich auch zu verraten. III bekräftigt die Aussage der Güllener, dass der Lehrer „betrunken [sei]" (S. 100) und besiegelt damit sein Urteil, da er die letzte Chance auf die Rettung seines Lebens mutwillig verstreichen lässt. III steht nun vor den lästigen Presseleuten und wird gezwungen, mit einem „Beil“ (S. 100) fröhlich zu posieren, um ein gutes Bild darzustellen. Dieses „Mordinstrument" (S. 100) ist eine Antizipation auf das, nun absehbare Ende, den Tod Ills. So spielt III, innerlich schon fast tot, nach außen hin noch den glücklichen Verkäufer und Familienvater, um den Schein zu wahren, denn seiner Schuld wird er nie entkommen, also muss er noch mitspielen, bis seine Schuld letztlich ihre Sühnung in seinem Tod findet. Die Presseleute empfinden gerade diese gestellte und extrem kitschige Situation als zum Sterben „schön“ (S. 100), was wiederum auf Ills kommendes Ableben anspielt, so handelt dieser Szene fast alles von Antizipationen auf die kommende Verhandlung, dem Tod IIls und der Verschuldung Güllens. Die Gleichgültigkeit der Presse gegenüber der Menschlichkeit zeigt sich in ihrem versessenen Verhalten nach einer guten, rührenden Schlagzeile. Damit stellt Dürrenmatt desweiteren die Abhängigkeit der Medien gegenüber dem Materiellen dar, so bewahrheitet sich Claires Aussage: „[Mit] Finanzkraft leistet man sich eine neue Weltordnung" (S. 91). Kaum sind die Presseleute nun verschwunden fällt den Güllenern fast ein Stein vom Herzen, da sie nun ihren Wohlstand gesichert sehen. So „entschuldigen“ (S. 101) sie sich beim Lehrer, aber er müsse doch verstehen, dass man solche Angelegenheiten nicht vor der Weltöffentlichkeit präsentieren sollte und auch der Maler ermahnt den Lehrer, schon beinahe drohend, dass „die Presse nichts erfahren [muss]“ (S. 101) von der gesamten Situation um III und Güllen. Die Güllener entgegnen III auf sein Schweigen mit drohender Zustimmung. Es war „[klug], äußerst klug“ (S. 101). Die Doppelung erhöht die Bedrohlichkeit der Aussage, aber die Güllener bekunden auch ihre Sicherheit, da man ,,[einem] Halunken wie [III] kein Wort glauben [würde]" (S. 101). Damit zeigen sie die Beständigkeit ihres Vorhabens und ihr Vertrauen auf ein positives Ende der Sache für sie. Für III scheint nun die gesamte Situation abgeschlossen zu sein. Er akzeptiert seinen Tod wortlos und geht über zum normalen Verhalten gegenüber seinen kommenden Mördern. So unterstützt er auch geringfügig ihre Berühmtheit und spricht sie mit seinem Einverständnis zur Tat von ihrer Schuld teilweise los, da er selbst bereit dazu ist zu sterben. Ill hat keine Chance mehr, denn ganz Güllen ist gegen ihn, da das, „[was] [er] Klärchen angetan [hat], nur ein Schuft tut“ (S. 101). Womit sich wieder der Wandel in der Werteauffassung der Güllener zeigt. Nachdem alle gegangen sind, ist III alleine mit dem Lehrer, welcher immer noch fassungslos dasitzt. „[Er] wollte [III] helfen." (S. 102) Jedoch wurde der Lehrer nicht nur von den Güllenern abgehalten, sondern auch von III selbst. Mit dieser unerwarteten Reaktion zeigt sich die Hoffnungslosigkeit und so erkennt der Lehrer: „Was sind wir für Menschen." (S. 102), womit er auch seine Humanität in Frage stellt. „Die schändliche Milliarde brennt in [ihren] Herzen“ (S. 102), was nur zeigt, wie tief das Geld sich schon in die Menschen gefressen hat. Es hat bereits das Herz befallen. Der Lehrer gibt jedoch nicht auf und rät III zu „kämpfen“ (S. 102), doch III „[kämpft] nicht mehr" (S. 102), da er erkannt hat, dass er „kein Recht mehr [hat]“ (S. 102). Auf diese Erkenntnis reagiert der Lehrer mit Unmut, da er im Aufgeben Ills den Tod der Menschlichkeit und Moral sieht. Er projiziert diesen Frust der Hoffnungslosigkeit auf die „Erzhure“ (S. 102) Claire, die er abwertend zum personifizierten Bösen macht und sich zu diesem Zeitpunkt www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / KA-Lösungsvorschlag / S. 5 von 6 Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" (S. 98 - 103) / Elena (2010) als Einzige gegen Claire stellt. Doch III erkennt seine Schuld. Er weiß, er wird sich ihr nicht entziehen können. Daher kann niemandem mehr geholfen werden, denn III ist verloren, genauso wie Güllen, welches durch Mord an III sein Hoffen auf ein abendländisches Gemeinwesen verliert. Daraufhin erkennt der Lehrer, was zu tun ist, was passieren wird. Er ist ,nüchtern. Auf einmal“ (S. 103). Er weist III nun auch die Schuld zu, da er erkennt, dass er es tun muss. Der Lehrer wusste „von Anfang an“ (S. 103), was passieren wird und verdrängte es. Nun erkennt er, dass „[die] Versuchung zu groß und [die] Armut zu bitter [ist]" (S. 103). Sein „Glaube an die Humanität ist machtlos“ (S. 103), was nur aufzeigt, dass in Güllen Menschlichkeit ausgestorben zu sein scheint. Und in dieser Erkenntnis weiß der Lehrer auch, dass auch die Güllener für ihre Tat einmal gerichtet werden, zu ihnen wird „auch [...] einmal eine alte Dame kommen, eines Tages" (S. 103). Diese Antizipation zeigt das Schicksal Güllens und verweist darauf, dass die Untat an III auch einmal gesühnt wird, denn Güllen hat sich verschuldet, verschuldet an der Menschlichkeit. Mit dieser Erkenntnis nimmt das Handeln seinen gewohnten Lauf, da man nun weiß, was passieren wird und daran kein Wort mehr verwenden will. So gilt auch das Verhalten des Lehrers (Schreiben Sie sie auf" (S. 103)) letztlich als Schuldeingeständnis und Versicherung zum Mord. Der Lehrer vollzieht während dem gesamten Handlungsgeschehen eine innere Wandlung. So ist er am Anfang noch eine unbedeutende Instanz, in zerrissenen Kleidern, welche in Claire die Furcht, aber dennoch Rettung sieht, am Ende jedoch zeigt sich seine Verzweiflung, da er als Humanist an der eigenen Menschlichkeit scheitert. Der Lehrer sieht in Claire erst eine Bedrohung, bevor ihm der Gedanke an der Retterin aus tiefster Not kam, da er, als gelernter Humanist und Anhänger der Antike erst weiß, „was Gruseln heißt" (S. 34), nachdem er Claire bei ihrer Ankunft in Güllen empfing. „Schauerlich" (S. 34) beschreibt er diese eigenwillige alte Dame. Mit seinen stetigen Bezügen zur Antike beweist er seine starke Weltkenntnis und isoliert sich damit von Güllen, so bezeichnet er Claire als „griechische Schicksalsgöttin“ (S. 34). Damit ist er bis dato der Einzige in Güllen, der ahnt, wozu Claire fähig ist und was weiter passieren wird, auch wenn er dies erst nur unterbewusst feststellt. Nach dem Angebot Claires am Ende des ersten Aktes beginnt nun die steigende Handlung mit der Veränderung des Konsumverhaltens der Güllener sowie wachsenden Vereinsamung und Verzweiflung Ills. Die Steigerung betrachtet der Lehrer noch stillschweigend, da er zwar eine Vorahnung hat diese jedoch nicht weiter beachtet. Die Handlung findet ihren Höhepunkt, ihre Peripetie, in der Bahnhofsszene am Ende des zweiten Aktes, bei welcher der völlig verzweifelte III aus Güllen fliehen möchte, aufgrund eines inneren Kampfes jedoch bleibt. Hier zeigt der Lehrer seine Annahme, da er III zum Gehen bewegen will, da er weiß, wenn III, bleibt ist die Stadt verloren. Innerlich ist der Lehrer zerrissen, da er sich als Humanist nicht an der Menschlichkeit verschulden will, aber dennoch mit der Aussicht auf wiederkehrenden Wohlstand merkt, wie er unter dem Druck des Geldes zusammenbricht. So „macht [er III] [...] Platz“ (S. 83), ist sich aber unklar, was er beabsichtigt, Ills Gehen oder sein Bleiben. III bleibt und erkennt unter einem Aufschrei: „Ich bin verloren!" (S. 85). Hier erkennt auch der Lehrer den Ernst der Situation und beruft sich auf seine humanistischen Werte. Er versucht noch einmal das Urteil von Güllen abzuwenden und III zu retten, indem er zusammen mit dem Doktor Claire zu einem humanen Geschäft überreden will. Als dies misslingt, versucht er flehend Claire davon zu überzeugen, dass es sonst zum Äußersten kommt, jedoch muss er einsehen, dass er nur das tun kann, „was [ihm sein] Gewissen vorschreibt" (S. 91). Mit der Erkenntnis, dass es 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Dürrenmatt: ,,Der Besuch der alten Dame" S. 1 von 5 Rebecca (2010) / Vierstündige KA / Lösung / Stelle: S. 98 – S. 103 Aufgabenstellung: S. 98 ,,Der Lehrer" – S. 103 unten - 1. Skizziere die vorangegangene Handlung, weshalb der Lehrer diese Rede halten will. 2. Interpretiere die Textstelle; beziehe die sprachliche und erzählerische Gestaltung ein. 3. Zeige die Entwicklung des Lehrers am gesamten Werk. „Geld ist nichts. Aber viel Geld, das ist etwas anderes" (George Bernard Shaw). Genau dieses Zitat stellt die Hauptthematik in Friedrich Dürrenmatts tragischer Komödie „Der Besuch der alten Dame“ dar. Die Wandlungsfähigkeit der Wertevorstellung und die Verführbarkeit des menschlichen Gewissens durch die anscheinend unbesiegbare Macht des Geldes. Die Kleinstadt Güllen und ihre Bürger sind völlig verarmt und erwarten die Milliardärin Claire Zachanassian. Die einstige Klara Wäscher ist in Güllen aufgewachsen und verbrachte ihre Jugend dort, bis sie von Alfred III geschwängert und verleugnet wurde. Sie schwor Rache und ruinierte planmäßig die Wirtschaftsmöglichkeiten ihrer ehemaligen Heimatstadt, da sie durch mehrere Ehen zur reichsten Frau der Welt wurde. Claire fordert Gerechtigkeit und bietet dafür eine Milliarde. Da ihre Gerechtigkeit im Tod Alfred Ills besteht, wird das Angebot strikt abgelehnt, doch die Moral schwindet mit der Aussicht auf Wohlstand. Die Güllener verschulden sich mehr und mehr, die Notwendigkeit III zu töten wird größer. Dieser nimmt seine Schuld an und wird von den Bürgern seines Heimatortes ermordet. Friedrich Dürrenmatt thematisiert in der vorliegenden Textstelle die Schwäche des Gewissens, welche sich durch den hohen Einfluss des Materiellen zeigt und zu Unmoral und Verdrängung führt. Güllen, eine Kleinstadt, in der einst Klara Wäscher geboren wurde, wird der Handlungsort eines Rachefeldzuges. 45 Jahre vor dem eigentlichen Handlungsbeginn bestand eine Liebesbeziehung zwischen Klara Wäscher und Alfred III. Das junge Mädchen träumte von einem Leben voller Glück und Liebe mit ihrer Jugendliebe. Doch dieser Plan ging schief, Klara wurde schwanger, Alfred III stritt jedoch ab der Vater des Kindes zu sein. Es kam 1910 zu einer Vaterschaftsklage, die Ill gewann. Durch zwei bestochene Zeugen, die aussagten mit Klara Verkehr gehabt zu haben, konnte er das Gericht davon überzeugen nicht der Vater des Kindes zu sein. Klara Wäscher verließ hochschwanger und von allen verrufen die Kleinstadt Güllen. Sie schwor Rache, das Kind wurde ihr von der christlichen Fürsorge abgenommen. Klara wurde zu einer Prostituierten und lernte so ihren ersten Ehemann Zachanassian kennen. Alfred III heiratete Mathilde Blumhardt, die Besitzerin eines kleinen Krämerladens. Klara, die inzwischen Claire Zachanassian heißt, hat durch ihre vielen Ehen mit vermögenden Männern den Rang der reichsten Frau errungen. Sie ist überall als wohltätig und großzügig bekannt. Der Ruin Güllens ist durch Claires planmäßiges Aufkaufen und Stilllegen der Fabriken entstanden. Die Güllener wissen davon allerdings nichts. Zur Spielgegenwart hin erwartet Güllen und deren verwahrloste Bürger die Ankunft der Milliardärin. Sie soll Güllen aus der Krise helfen, hilfreich soll dabei Alfred III, ihre ehemalige Jugendliebe sein. Er als beliebter Bürger und vorgeschlagener Nachfolger des Bürgermeisters soll Claire dazu bringen, 55 60 65 70 75 80 85 90 95 100 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" S. 2 von 5 Rebecca (2010) / Vierstündige KA / Lösung / Stelle: S. 98 – S. 103 möglichst viel Geld herauszugeben. Sie willigt ein, aber unter der Bedingung dafür die Gerechtigkeit zu kaufen, die die Ernordung Ills darstellt. Anfangs lehnt der Bürgermeister im Namen Güllens ab, doch durch die Macht des Geldes angezogen, kaufen die Güllener immer teurere Waren und verschulden sich. Die Notwendigkeit Alfred III zu töten steigt, gleichzeitig vollzieht sich ein Tausch von Täter- und Opferrolle. Die Güllener, allesamt geblendet vom Geld, wechseln auf Claires Seite, nur der Lehrer schaut den Tatsachen ins Gesicht und will die Taten der Menschen nicht unberechtigter Weise beschönigen. Er sieht die Verlogenheit der Güllener und will sie aufdecken. In der vorliegenden Textstelle will der Lehrer durch seine Rede die Schwäche der Güllener aufzeigen und Alfred III zum Kämpfen aufrufen. Schwerfällig, aber voller Willen „rafft" (S. 98) der Lehrer sich auf, um im „[be]trunken[en]“ (S. 98) Zustand die „Wahrheit" (S. 98) zu verkünden. Der Alkohol löst die Hemmungen und so kann der Lehrer sagen, was alle wissen, aber verdrängen. Durch den Kollektivsatz der Güllener „Verrückt geworden? Aufhören. Runter vom Faß!" (S. 98), wird diese Verdrängungstechnik deutlich. Sie wollen die „Wahrheit“ (S. 98) nicht hören, da sie sich sonst als Schuldige sehen müssten. Frau III meint, er solle „sich schämen" (S.98) des Grundes wegen, dass er „betrunken“ (S. 98) sei, was auch ihre Naivität und Verdrängung deutlich zeigt. Der Lehrer, der sich nicht dafür schämt nur „betrunken“ (S. 98) die Verbindung von „Wahrheit“ (S. 98) und „Armut“ (S. 98) darzustellen, wirft Ills Frau vor, den eigenen „Gatten zu verraten“ (S. 98), da auch sie sich am Konsumverhalten der Güllener beteiligt. Der Lehrer stellt die Verlassenheit Ills indirekt dar, durch die Anschuldigung Mathildes, was durch die Reaktion des Sohnes Karl gleich bestätigt wird, da er den Lehrer angreifend auffordert das „Maul [zu] halten" (S. 99). Selbst die Familie von Alfred legt größeren Wert auf Wohlstand als auf das Leben ihres Familienmitgliedes. Mit dem Vergleich zu „Ödipus“ (S. 99) zeigt der Lehrer erstens seine gute Bildung und zweitens die Blindheit der Güllener. Auch Ödipus sucht einen Schuldigen, den er zu Tode verurteilen wollte, doch da er selbst der Schuldige war, hat sich das „Verhängnis“ (S. 99) während seiner Suche nach dem Täter bedeutend vergrößert. Nur sehen die Güllener nicht, wie ihre Schuld immer weiterwächst und bald zu platzen scheint wie eine „angeschwollen[e] [...] Kröte" (S. 99). Die Tochter Ills und ehemalige Schülerin des Lehrers „fleh[t]“ (S. 99) ihn an aufzuhören, was symbolisiert, dass sie die Schuld zwar sieht, aber sich nicht damit beschäftigen will. Die „Wahrheit“ (S. 98) „zerstör[t]“ (S. 99), und zwar die „Chance" (S. 99) auf Wohlstand. Der Lehrer als Vertreter der Wahrheit, zumindest im Augenblick, wird mit Gewalt „vom Faß“ (S. 99) „[gerissen]“ (S. 99), die Wahrheit soll als außer Sichtweite und mit Gewalt beseitigt werden, wenn sie dem Geld im Wege steht. Die „[u]ngeheuerlichen Dinge" (S. 99), die in Güllen vor sich gehen, wurden von dem ausgelöst, was dem Lehrer schon bei der Ankunft „Gruseln“ (S. 34) und ein „[s]chauerlich [es]" (S. 34) Gefühl bereiteten. Claire Zachanassian! Indirekt könnte man Claire auch als „Ungeheuer[ ]“ (S. 99) sehen, da sie der Auslöser für alles war. Die Güllener sehen ihren Wohlstand durch die „Weltöffentlichkeit" (S. 99) bedroht und „stürzen sich auf ihn“ (S. 99). Damit stürzen sie die Chance auf Gerechtigkeit, was wiederholt zeigt, wie unwichtig die Wahrheit und deren Definition für sie ist. Als III den Laden betritt, herrscht „Totenstille“ (S. 99) und alle blicken ihn „erschrocken an" (S. 99). Die Antizipation „Totenstille“ (S. 99) gibt der Situation einen merkwürdigen Beiklang, da es III ist, der zu Tode kommen wird. Der Lehrer als „Humanist, ein Freund der alten Griechen" (S. 99), will die Werte der „Menschlichkeit" (S. 99) und der „Wahrheit“ (S. 99) vertreten, doch auch vom Opfer selbst wird ihm 105 110 115 120 125 130 135 140 145 150 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" S. 3 von 5 Rebecca (2010) / Vierstündige KA / Lösung / Stelle: S. 98 – S. 103 befohlen zu „[s]chweigen" (S. 99) und die „Menschlichkeit" (S. 99) soll sich „[s]etzen“ (S. 99). Bedeutungsvoll, dass ein so hohes Prinzip mit „Füßen getreten" und verachtet wird, in Güllen herrschen keine Moralvorstellungen mehr. Dem Lehrer zufolge hat auch III die „Wahrheit verraten" (S. 100). Darüber ist dieser „ernüchtert" (S. 100), doch im späteren Gespräch mit III wird ihm klar, dass er andere Hintergründe für seine Handlungsweise hat. Alfred III stellt die Situation den Medien gegenüber harmlos dar und diese entwickeln keinerlei Gespür für die Situation. Die Medien, von Friedrich Dürrenmatt auch die Lästigen genannt, sehen diese Geschichte als eine neue Sensation an. Sie wollen Bilder, III soll auf dem Bild ein „Beil" (S. 100) an den „Metzger“ (S. 100) verkaufen. Ironischerweise bezeichnet der Pressemann dieses als „Mordinstrument" (S. 100), was einmal mehr zeigt, dass nur die Eingeweihten diese Situation verstehen. III steht der Tod bevor, denn mit dem Wohlstand steigt die Notwendigkeit ihn zu töten. Es geht um einen Mord, der schön verpackt und vertuscht wird, um das Ansehen der Stadt nicht zu schädigen. Die Naivität und Unwissenheit der Medien verdeutlicht Dürrenmatt durch das Familienfoto, auf dem alle „strahlen vor Glück, strahlen, strahlen, zufrieden, innerlich, stillvergnügt strahlen" (S. 100) sollen. Der äußere Schein wird gewahrt, doch innerlich sind alle Familienmitglieder verspannt und Alfred III, dem der Tod durch seine eigenen Mitmenschen im Nacken sitzt, soll „großartig gestrahlt“ (S. 100) haben. Die Bindung zu seiner Familie ist gestört, keiner verspürt ihm gegenüber Respekt und er wird allein, aber in Harmonie mit sich selbst sterben. Die Vertreter der Medien werden durch einen Spaziergang von Claire und ihrem neuen Ehemann angezogen und verlassen Ills Laden. Die Bürger sind „erleichtert“ (S. 101), dass die Wahrheit nicht ans Licht gekommen ist, da „die Angelegenheit" (S. 101) nur „gütlich“ (S. 101) zu erledigen ist, wenn die „Presse nichts“ (S. 101) erfährt. Das Indefinitpronomen „nichts“ (S. 101) bedeutet, das die Güllener am liebsten alles von Claires Anreise ab unter Verschluss halten würden, da sie eigentlich wissen, dass ihr Handeln unrecht ist. Ill wird schon fast von den Bürgern bedroht, indem es ihm als „klug“ (S. 101) angerechnet wird „keinen Unsinn zu schwatzen" (S. 101), da doch dieser „Unsinn“ (S. 101) die Wahrheit wäre. Außerdem wird er als unglaubwürdig hingestellt, da er sowieso ein „Halunke [ ]“ (S. 101) sei. Die Bürger „spuck[en]" (S. 101) vor Ill aus, wie sie es anfangs bei Claire taten. Um seine Abneigung gegenüber der Milliardärin zu zeigen, „spuckt“ (S. 59) einer der Bürger am Handlungsanfang aus. Die Täter-Opferrollen wurden getauscht. Was auch deutlich die Aussage eines Bürgers zeigt, in der III als „Schuft" (S. 101) bezeichnet wird, da es so schlimm wäre, was er Claire „angetan habe [ ]" (S. 101). Die Bestechung zweier Männer ist demnach ein größeres Vergehen als Mord. Die Hilfe des Lehrers will III nicht annehmen, da er seine „Schuld" bekennt und sich damit abgefunden hat. Der Lehrer sieht ein, was die anderen Güllener verdrängen, ihr Handeln ist falsch und unmoralisch, ihre Geldgier geht über Menschenleben, denn „die schändliche Milliarde" (S. 102) „brennt in [ihren] Herzen“ (S. 102). Das Geld „brennt" (S. 102) das „Herz [ ]“ (S. 102) und die darin verborgenen Gefühle sowie die Wert- und Moralvorstellung gnadenlos nieder. Die Menschen hören nicht mehr auf ihr Herz, sondern auf Geldscheine. Der Aufruf zum „[Kampf]“ (S. 102) kombiniert mit der „Verbindung" (S. 102) zur Presse kommt für Alfred III zu spät. Denn er „kämpf[t] nicht mehr" (S. 102), er spricht sich „kein Recht mehr“ (S. 102) zu. Zu diesem Zeitpunkt spricht erstmals der Lehrer die klare Beschreibung Claires aus als „verfluchte [ ] alte [] Dame, diese [] Erzhure“ (S. 102), die die Menschen „schamlos“ (S. 102) behandelt und durch ihr Geld die „Seelen [der Menschen] einsammelt“ (S. 102). Alfred III sieht es jedoch als seine „Schuld“ (S. 102) an, hätte er damals moralisch gehandelt, wäre Claire nicht zu so etwas Automatenhaftem geworden. Er ist hilflos, 155 160 165 170 175 180 185 190 195 200 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" S. 4 von 5 Rebecca (2010) / Vierstündige KA / Lösung / Stelle: S. 98 - S. 103 will aber auch den Güllenern nicht helfen, da sie sich sonst nicht schuldig machen. Alfred III stellt sich als „[v]ollkommen“ (S. 103) schuldig dar, der Lehrer wird nüchtern und stimmt dem zu. Seinen Verstand hat er wieder eingeschaltet, er spricht die Tatsache, die alle von „Anfang an“ (S. 103) wussten aber verdrängten, aus und zwar, dass man Alfred III „töten" (S. 102) wird. Der Lehrer sagt was „niemand wahrhaben will" (S. 103). Auch einen Humanisten überrollt die Macht des Geldes, wenn es nur genug ist. „Die Versuchung ist zu groß“ (S. 103), durch das planmäßige Ruinieren Güllens, was Claire sehr strategisch geplant hat, um ihren Plan auch mit Sicherheit zu erfüllen, können die in „Armut“ (S. 103) lebenden Güllener den Tod Ills nicht umgehen. Zusätzlich lässt der Lehrer kurzzeitig extreme Ehrlichkeit von sich selbst durchblicken, denn er gesteht, wie er fühlt „langsam zu einem Mörder" (S. 103) zu werden. Er räumt seine Schwäche ein und steht dazu. Die einst so wichtigen Werte des Humanismusses sind „machtlos" (S. 103) geworden, wegen der „schändlichen Milliarde" (S. 102) hat auch der Lehrer den „Glauben an die Humanität“ (S. 103) verloren und ist deshalb zum „Säufer“ (S. 103) geworden, um die Sorgen und Gedanken an seine Ohnmacht zu ertränken. Für die Zukunft sieht er Schlechtes voraus, denn auch Güllen wird „einmal eine alte Dame“ (S. 103) besuchen kommen. Doch tröstet sich der Lehrer wieder mit dem Alkohol und behält sein „[W]issen" (S. 103) für sich und zeigt im nüchternen Zustand eine erstaunliche Fassade, die dem Handeln der Güllener zustimmt und die angebliche Gerechtigkeit für angemessen hält. Die Entwicklung des Lehrers, am gesamten Werk gezeigt, ist sehr interessant, da er von Anfang bis Ende der Einzig kritisch denkende Bürger Güllens ist. Zwar wird der Lehrer nicht namentlich genannt, sondern nur in seiner Funktion, trotzdem ist er eine ausschlaggebende Person. Am Beginn der Handlung, bei Claires Ankunft am Bahnhof, stimmt der Lehrer, der Rektor des Gymnasiums, ein Lied für die Milliardärin an. Seine Intuition scheint eine sehr gut ausgeprägte zu sein, da er Claire schon kurz nach ihrer Ankunft als „[s]chauerlich“ (S. 34), wie eine „griechische Schicksalsgöttin" (S. 34) „Klotho" (S. 34) bezeichnet. Sie spinnt „Lebensfäden" (S. 34) und bestimmt durch ihr Geld über Leben und Tod, so gesehen hat der Lehrer seine Einschätzung zu Claire gut getroffen. Im Verlauf der Handlung bitten der Lehrer und der Arzt Claire die Fabriken von Güllen aufzukaufen. Der Lehrer ruft Claire zu „reine[r] Menschlichkeit" (S. 91) auf, was sich als blanke Not des Gewissens interpretieren lässt. Andererseits steht auch der Arzt am Bahnhof, als III von Güllen flüchten will. Der Lehrer stellt das „Gewissen" (S. 91) als veränderbar dar. Er erfährt die Einstellung Claires zur Menschlichkeit, die käuflich ist, und schaut im Verlauf der Handlung den Bürgern Güllens beim Konsum zu, auch er beteiligt sich daran. Der Humanist wird zum „Säufer“ (S. 103), da er die Gedanken an den verlorenen Humanismus nicht ertragen kann. Da der Alkohol den Verstand lockert und die Hemmungen nimmt, will er in Ills Laden die Wahrheit verkünden über „[d]en Besuch der alten Dame" (S. 98). Er sieht und respektiert, was die Güllener nicht sehen wollen: die Schuld. Er ist als Einziger ehrlich zu sich selbst und ertränkt deshalb seine Sorgen im Schnaps. Im nüchternen Zustand jedoch hält er die Rede an der Gemeindeversammlung. Die sich auf den hohen Wert der „Gerechtigkeit“ (S. 121) bezieht, er macht aus dem moralisch verweigerten Mord eine sittliche Pflicht, denn Güllen duldete „Ungerechtigkeit“ (S. 121) und der Lehrer beruft sich auf veraltete und nicht vorhandene Moral- und Wertevorstellungen der Güllener. Schließlich beteiligt auch er sich am Mord und verachtet somit die Werte des Humanismusses. 205 210 215 220 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" S. 5 von 5 Rebecca (2010) / Vierstündige KA / Lösung / Stelle: S. 98 – S. 103 Die schon in der Einleitung genannte Verführbarkeit des menschlichen Gewissens sowie die Wandlungsfähigkeit der Moralvorstellungen wird durch den Charakter des Lehrers besonders verdeutlicht. Er ist der „Sehenste" der Bürger Güllens, da er sich dieser Schwachpunkte der menschlichen Größe bewusst ist und sie an sich selbst feststellt. Aufgrund dessen ertränkt er diese schreckliche Erkenntnis im Alkohol um sich aus der Realität zu flüchten. Die Güllener jedoch können sich durch ihre Naivität vor ihrem Schuldeingeständnis schützen. Geld verdirbt den Charakter der Reichen und der Neid wird unerträglich, wie weiteres Zitat von George Bernard Shaw zeigt: „Geld ist ein Mittel, um alles zu haben bis auf einen aufrichtigen Freund, eine uneigennützige Geliebte und eine gute Gesundheit." Claire kann sich zwar alles kaufen, inklusive der Gerechtigkeit, aber niemand mag oder liebt sie wegen ihres Charakters. Sie wird rein auf ihr Geld reduziert, was die Frage damals wie auch heute im Raum stehen lässt, ob Geld glücklich macht. In der jetzigen Zeit ist das Materielle sehr wichtig, aber umsonst bekam Daniel Kahnemann den Wirtschaftsnovelpreis über seine Untersuchung: „Der Homo Oeconomicus und das Glück" sicherlich nicht. Klaus Schenck, OSR. a.D. Fächer: Deutsch, Religion, Psychologie Drei Internet-Kanäle: Schul-Material: www.KlausSchenck.de Schüler-Artikel: www.schuelerzeitung-tbb.de Schul-Sendungen: https://www.youtube.com/user/financialtaime ,,Vom Engagement-Lehrer zum Lehrer-Zombie"/Bange-Verlag 2020: Info-Flyer: http://www.klausschenck.de/ks/downloads/f02-werbeflyer-buch- entwurf-2020-11-26.pdf NEU! LAUS SOMENCE VON ENGAGEMENT LEHRER IN the Se Te Ha P Das Power-Buch von Klaus Schenck LEHRER-ZOMBIE

Deutsch /

"Besuch der alten Dame" / Dürrenmatt: S. 98 - 103, 2 Klassenarbeiten (Aufgabenstellung + Schülerlösung)

user profile picture

Klaus Schenck  

Follow

5281 Followers

 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / KA-Lösungsvorschlag / S. 1 von 6
Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" (S. 98 - 103) / Elena

App öffnen

2 Klassenarbeiten, Kl. 12 (2010): 1. KA: gelungene Zitatintegration, 2. KA: gedanklich + sprachlich differenziert

www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / KA-Lösungsvorschlag / S. 1 von 6 Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" (S. 98 - 103) / Elena (2010) Aufgabenstellung / Zeit: vierstündig mit Pausen S. 98 Der Lehrer - S. 103 unten 1. Skizziere die vorangegangene Handlung, weshalb der Lehrer diese Rede halten will. 2. Interpretiere die Textstelle; beziehe die sprachliche und erzählerische Gestaltung ein. 3. Zeige die Entwicklung des Lehrers am gesamten Werk. ,,Der Besuch der alten Dame“ ist neben „Der Verdacht“ und „Der Richter und sein Henker" das wohl bekannteste Werk Friedrich Dürrenmatts. Wie auch seine vorherigen Werke stellt die, von ihm selbst betitelte, „tragische Komödie" den Wert der Gerechtigkeit in Verbindung mit dem Rachemotiv sowie die Verführbarkeit des Menschen unter Einfluss des Geldes auf groteske Weise ins Zentrum. Das Werk zentriert sich auf das ehemalige Liebespaar Alfred III und Claire Zachanassian, ehemalige Klara Wäscher. Beide waren 45 Jahre vor dem eigentlichen Bühnengeschehen miteinander liiert. Ihre Wege trennten sich jedoch, als III die, von ihm schwangere Klara öffentlich verleugnet und verrät, worauf diese die Stadt die Stadt Güllen verlassen muss. Nach dieser Demütigung schwört Klara Rache und kehrt Jahre später als Milliardärin Claire Zachanassian in das nun durch sie völlig verarmte Güllen zurück, um vor III Recht zu sprechen. Sie bietet der verarmten Kleinstadt Güllen Kleinstadt eine Milliarde für die Ermordung...

Nichts passendes dabei? Erkunde andere Fachbereiche.

Mit uns zu mehr Spaß am Lernen

Hilfe bei den Hausaufgaben

Mit dem Fragen-Feature hast du die Möglichkeit, jederzeit Fragen zu stellen und Antworten von anderen Schüler:innen zu erhalten.

Gemeinsam lernen

Mit Knowunity erhältest du Lerninhalte von anderen Schüler:innen auf eine moderne und gewohnte Art und Weise, um bestmöglich zu lernen. Schüler:innen teilen ihr Wissen, tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig.

Sicher und geprüft

Ob Zusammenfassungen, Übungen oder Lernzettel - Knowunity kuratiert alle Inhalte und schafft eine sichere Lernumgebung zu der Ihr Kind jederzeit Zugang hat.

App herunterladen

Knowunity

Schule. Endlich einfach.

App öffnen

Alternativer Bildtext:

Ills. Auf der Schwelle zwischen Armut und Wohlstand entsteht aus der anfänglichen Empörung der Güllener die Bereitschaft zum Mord während III, einen inneren Wandel vollziehend, seine Schuld anerkennt. Die vorgelegt Textstelle thematisiert den verzweifelten inneren Wahrheitskampf des Lehrers, welcher als Einziger den moralischen Werteverfall der Stadt erkennt. Es zeigt sich nun als der letzte affektbedingte Aufschrei des Lehrers, der erkennen muss, dass die Wahrheit unter Verrätern, geblendet vom Geld, keine Chance hat. Der Lehrer, welcher nicht näher personalisiert wird, da er lediglich nach seiner Funktion benannt ist, stellt eine zentrale Person im Handlungsgeschehen dar. Er erkennt als Einziger die kommende Verschuldung der Güllener, da er auch zu Anfang schon erschrocken über das Auftreten Claires ist. So fühlt er Furcht vor ihrem Erscheinungsbild und nimmt daher ihre Bedrohlichkeit schon vorweg. Diese angenommene Gefahr bestätigt sich bei der offiziellen Begrüßung Claires, bei welcher sie Güllen das Angebot unterbreitet, ihm eine Milliarde für die Ermordung III zu überlassen, womit sie das ruinierte Güllen aus seiner prekären Lage befreien würde. Anfänglich reagieren die Güllener noch äußerst empört und entsetzt über ein solch unmenschliches Anliegen, doch im Laufe der folgenden Handlung brechen sie immer mehr unter dem Druck des Angebots zusammen, welches schwer auf ihren Schultern lastet. So ändern sie ihr Konsumverhalten und kaufen teure Luxusgüter auf Kredit. Obwohl die Güllener nun also ihre Loyalität zu III versichern, www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / KA-Lösungsvorschlag / S. 2 von 6 Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" (S. 98 - 103) / Elena (2010) spekulieren sie schon mit seinem Tod, da sie ihre Schulden nur mit der Vergütung von Ills Ermordung begleichen können. Dieses verräterische und hinterhältige Verhalten bemerkt der Lehrer erst stillschweigend, während III zusehends verzweifelt und sich daher immer stärker isoliert. Nun erkennt uch der Lehrer, der der einzige Sehende unter den Blinden zu sein scheint, da er die Schuldzunahme anerkennt, während die Güllener versuchen diese zu verdrängen, dass die Stadt den moralischen Untergang geweiht ist. Er gerät immer mehr in einen Gewissenskonflikt, da er, als einzige Instanz mit humanistischen Werten, seine Moral proportional zu der steigenden Verschuldung Güllens hinterfragt. Der Lehrer kann diesem Druck des Wissens nicht länger standhalten und versucht darauf mit dem Arzt in einem Gespräch mit Claire den kommenden Mord zu verhindern. Mit dem Misslingen dieses Unterfangens erkennt der Lehrer, dass eine Rettung aus seiner und Güllens Lage hoffnungslos ist und sieht keinen anderen Ausweg mit dieser Erkenntnis der eigenen kommenden Verschuldung als den, die Situation im Alkohol zu ertränken. So wird aus dem rechtschaffenden Humanisten ein depressiver „Säufer". Mit der Erkenntnis der kommenden Schuld und unter Voraussetzung der verlorenen Hoffnung versucht der betrunkene Lehrer nun mit einem letzten Gewissensaufschrei, welcher im Affekt passiert, die kommende Schuld durch den Mord an III zu verhindern, indem er dazu bereit ist, die Situation um III und dem Angebot Claires öffentlich und damit den gesamten Plan Claires und Güllens zunichte zu machen, während die Güllener, allen voran die Familie Ills, schamlos vor der Presse mit ihrem Wohlstand protzt und gleichzeitig Ill beschuldigen und verteufeln, da er es „schlimm […] mit der armen Frau Zachanassian getrieben [hatte]“ (S. 93). Daran zeigt sich der Wertewandel der Güllener, da sie III vom Opfer zum Täter machen, um ihr schamloses Verhalten zu rechtfertigen. So sehen sie in III keinesfalls mehr „die beliebteste Persönlichkeit in Güllen“ (S. 20), sondern vielmehr einen Außenseiter der Gesellschaft. „Frau III, ich hoffe, da[ss] ihr Mann nicht schwatzt, wenn die Journalisten kommen.“ (S. 93) Mit dem Zusatz „Frau“ (S. 93) weichen die Güllener nun von ihrem anfänglichen Verhalten gegenüber Claire ab, da sie diese zu Anfang schon fast verabscheuten und nur für die Wiederherstellung des eigenen Wohlstands brauchten. Damit hatte Claire eher die Funktion eines Goldesels, doch nun betrachtet man sie als armes Opfer, da diese Definition den Güllenern neue Perspektiven ermöglicht. Sie verurteilen damit III und rechtfertigen den Mord, um letztendlich wieder zu einem abendländischen Gemeinwesen zu werden. Diese Hinterhältigkeit und Verlogenheit reizen letztlich den Lehrer, welcher als Humanist sich eher dem Menschen verschrieben sieht als dem Geld. So fasst er als Einziger den Mut, neben Claire, die Wahrheit auszusprechen und beweist damit innere Überlegenheit zu den tölpelhaften und verräterischen Güllenern, die, getrieben vom Geld, für den eigenen Wohlstand über Leichen gehen. Jedoch muss auch der humane Lehrer erkennen, dass er letztlich auch Teil von Güllen ist und damit ebenso zur Schuld beiträgt. Mit diesem Wissen der eigenen, kommenden Schuld lastet ein enormer Druck auf dem Lehrer, unter welchem er zusammenbricht und dem Schweigen ein Ende macht, indem er, betrunken, um den Mut nicht zu verlieren und um die Situation leichter zu ertragen, sich öffentlich zum Verrat bekennt und „[die] Wahrheit [...] [wie] ein Erzengel" (S. 99) verkündet. Mit diesem Handeln ist er auch bereit, auf „ewig“ (S. 98) in Armut zu leben, da ihm dies gewissenhafter erscheint, als in Reichtum und zudem Unmoral zu versinken. Auf sein offensives Verhalten hin begegnen ihm die Güllener sofort aggressiv, da sie ihren kommenden Wohlstand durch die Handlung des Lehrers bedroht sehen. So wollen sie ihn zum „Aufhören" (S. 98) zwingen und tun jedes Wort von ihm herunterspielen. Sie www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / KA-Lösungsvorschlag / S. 3 von 6 Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" (S. 98 - 103) / Elena (2010) versuchen ihn unzulässig und unglaubwürdig erscheinen zu lassen, indem die Güllener seine wahren Worte als Rede eines Schluckspechts versuchen ab zu tun, da [er] betrunken [sei]“ (S. 98). Nach der Meinung von Mathilde III, der Frau Ills, sollte er sich „schämen" (S. 98). Äußerlich wirkt dies, als solle er sich sein betrunkenes Ver Iten schämen, jedoch scheint Frau III ihn drohend zu ermahnen, nicht noch weiter zu sprechen, da er damit die Stadt verrät und ihren Ruin für die Zukunft sichert. Empört über die Anmaßung der Vorgetäuschten Moral fordert der Lehrer Frau III selbst zum Schämen auf, da sie es wagt, „[ihren] Gatten zu verraten“ (S. 98) und dennoch scheinheilig die moralisch überlegene Ehefrau und Güllnerin spielt, womit sie exakt den Charakter Güllens aufzeigt; moralisch hoch angesehen und dennoch scheinheilig verratend. Der Sohn Ills zeigt besondere Aggressivität, da er mit dem Ausspruch „Maul halten" (S. 99) jegliche Höflichkeit und jeglichen Respekt vor dem Lehrer abweist und aufzeigt, wie sehr das Geld einem Menschen beeinflusst, da er nun sogar bereit ist seinen Vater für seinen eigenen Wohlstand zu opfern. Der Bezug des Lehrers zu „Ödipus“ (S. 99), einem Griechen der alten Antike, zeigt noch einmal die Überlegenheit des Lehrers auf und verweist auf dessen Verbundenheit zum Altertum und zu den alten, hohlen Werten. Ödipus war ein griechischer König, welcher seinen Vater unwissentlich ermordet. Ills Sohn fällt seinem Vater ebenso in den Rücken. Er handelt dabei eher unbewusst, da er getrieben vom Geld, jegliches Moral- und Ehrgefühl verliert und daher nicht mehr entscheiden kann, was gut und böse bzw. richtig und falsch ist. Den Anschuldigungen des Lehrers begegnen die Güllener abweisend und versuchen sich vor diesen zu rechtfertigen. So verweist der Maler auf „einen Christus [, den er] gemalt [hatte], einen Christus!“ (S. 99). Damit versteckt er sich hinter einem göttlichen Bild, um seinen Verrat zu vertuschen. Mit der Wiederholung des Christusbildes als angefertigtes Gemälde, da wohl kaum ein Sünder den Gottessohn abbilden würde, wenn er seiner Schuld bewusst wäre, verdeutlicht der Maler allerdings seine Schuld nur noch mehr, da er verzweifelt erscheint und in Erklärungsnot kommt. Doch der Lehrer zeigt in seiner Wahrheit kein Erbarmen. „[Mit] Donnerstimme" (S. 99), einem Gewitter gleich, weist er darauf hin, dass die Schuld und der Verrat der Güllener letztlich nur großes Unheil einfordert. Diese „Donnerstimme" (S. 99) stellt also, wie der Vergleich mit dem „Erzengel" (S. 99), eine Antizipation der kommenden Dinge dar, da dies aufzeigt, dass Güllen sein Schicksal letztendlich selbst besiegelt. Es wird sich also die Aussage bestätigen, dass letztendlich jedes Verbrechen einmal gesühnt wird. Der Lehrer bezieht sich in dieser urteilsgleichen Verkündung immer wieder auf Humanität und Antike, womit er sich weiter von den Güllenern differenziert, da diese keinerlei Bezug zu alten, hohen Werten aufbauen können. Mitten in seiner Rede von Wahrheit und Menschlichkeit erscheint III „in alten zerschlissenen Kleidern“ (S. 99). Mit diesem Erscheinungsbild isoliert sich III auch äußerlich von den Güllenern, die mit ihren neuen Kleidern und gelben Schuhen ein Schuldbekenntnis im Kollektiv ablegen. Ill erscheint daher als Individuum, womit er sich als mutiger Mensch beweist, da nur Unabhängigkeit zum Individualisten führt. Mit seinem Erscheinen beeinflusst III die Güllener vom Lehrer abzulassen, welche weiter auf die Wahrheitsverkündung im Sinne des Humanen bedacht ist. Jedoch wird er von III davon abgehalten, der ihn zum „[schweigen]“ (S. 99) bewegt. An dieser, zuerst unerklärlichen Handlung Ills zeigt sich der innere Wandel Ills. Er sieht nun ein, dass er seiner Schuld nicht mehr entkommen kann und akzeptiert sie letztlich. III erkennt sein, von Güllen und Claire gefälltes Urteil also innerlich an, da er, einen Prozess durchlaufend, zum mutigen Menschen geworden ist. Der Lehrer ist zutiefst entsetzt über Ills Verhalten, da dieser „die Wahrheit [zu] verraten" (S. 100) scheint. „Die Menschlichkeit" (S. 100) wird also auch von www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / KA-Lösungsvorschlag / S. 4 von 6 Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" (S. 98 - 103) / Elena (2010) III nicht anerkannt und scheint ihre Bedeutung in Güllen nun endgültig verloren zu haben. Mit Ills Handeln verliert der Lehrer nun auch noch seinen letzten Glauben an das Humane, an die Gerechtigkeit und erkennt nun, dass das Einzige, was er noch zu tun hat, ist, seine Humanität abzuwerfen und dem Druck seiner selbst und der Güllener nachzugeben, um III letztlich auch zu verraten. III bekräftigt die Aussage der Güllener, dass der Lehrer „betrunken [sei]" (S. 100) und besiegelt damit sein Urteil, da er die letzte Chance auf die Rettung seines Lebens mutwillig verstreichen lässt. III steht nun vor den lästigen Presseleuten und wird gezwungen, mit einem „Beil“ (S. 100) fröhlich zu posieren, um ein gutes Bild darzustellen. Dieses „Mordinstrument" (S. 100) ist eine Antizipation auf das, nun absehbare Ende, den Tod Ills. So spielt III, innerlich schon fast tot, nach außen hin noch den glücklichen Verkäufer und Familienvater, um den Schein zu wahren, denn seiner Schuld wird er nie entkommen, also muss er noch mitspielen, bis seine Schuld letztlich ihre Sühnung in seinem Tod findet. Die Presseleute empfinden gerade diese gestellte und extrem kitschige Situation als zum Sterben „schön“ (S. 100), was wiederum auf Ills kommendes Ableben anspielt, so handelt dieser Szene fast alles von Antizipationen auf die kommende Verhandlung, dem Tod IIls und der Verschuldung Güllens. Die Gleichgültigkeit der Presse gegenüber der Menschlichkeit zeigt sich in ihrem versessenen Verhalten nach einer guten, rührenden Schlagzeile. Damit stellt Dürrenmatt desweiteren die Abhängigkeit der Medien gegenüber dem Materiellen dar, so bewahrheitet sich Claires Aussage: „[Mit] Finanzkraft leistet man sich eine neue Weltordnung" (S. 91). Kaum sind die Presseleute nun verschwunden fällt den Güllenern fast ein Stein vom Herzen, da sie nun ihren Wohlstand gesichert sehen. So „entschuldigen“ (S. 101) sie sich beim Lehrer, aber er müsse doch verstehen, dass man solche Angelegenheiten nicht vor der Weltöffentlichkeit präsentieren sollte und auch der Maler ermahnt den Lehrer, schon beinahe drohend, dass „die Presse nichts erfahren [muss]“ (S. 101) von der gesamten Situation um III und Güllen. Die Güllener entgegnen III auf sein Schweigen mit drohender Zustimmung. Es war „[klug], äußerst klug“ (S. 101). Die Doppelung erhöht die Bedrohlichkeit der Aussage, aber die Güllener bekunden auch ihre Sicherheit, da man ,,[einem] Halunken wie [III] kein Wort glauben [würde]" (S. 101). Damit zeigen sie die Beständigkeit ihres Vorhabens und ihr Vertrauen auf ein positives Ende der Sache für sie. Für III scheint nun die gesamte Situation abgeschlossen zu sein. Er akzeptiert seinen Tod wortlos und geht über zum normalen Verhalten gegenüber seinen kommenden Mördern. So unterstützt er auch geringfügig ihre Berühmtheit und spricht sie mit seinem Einverständnis zur Tat von ihrer Schuld teilweise los, da er selbst bereit dazu ist zu sterben. Ill hat keine Chance mehr, denn ganz Güllen ist gegen ihn, da das, „[was] [er] Klärchen angetan [hat], nur ein Schuft tut“ (S. 101). Womit sich wieder der Wandel in der Werteauffassung der Güllener zeigt. Nachdem alle gegangen sind, ist III alleine mit dem Lehrer, welcher immer noch fassungslos dasitzt. „[Er] wollte [III] helfen." (S. 102) Jedoch wurde der Lehrer nicht nur von den Güllenern abgehalten, sondern auch von III selbst. Mit dieser unerwarteten Reaktion zeigt sich die Hoffnungslosigkeit und so erkennt der Lehrer: „Was sind wir für Menschen." (S. 102), womit er auch seine Humanität in Frage stellt. „Die schändliche Milliarde brennt in [ihren] Herzen“ (S. 102), was nur zeigt, wie tief das Geld sich schon in die Menschen gefressen hat. Es hat bereits das Herz befallen. Der Lehrer gibt jedoch nicht auf und rät III zu „kämpfen“ (S. 102), doch III „[kämpft] nicht mehr" (S. 102), da er erkannt hat, dass er „kein Recht mehr [hat]“ (S. 102). Auf diese Erkenntnis reagiert der Lehrer mit Unmut, da er im Aufgeben Ills den Tod der Menschlichkeit und Moral sieht. Er projiziert diesen Frust der Hoffnungslosigkeit auf die „Erzhure“ (S. 102) Claire, die er abwertend zum personifizierten Bösen macht und sich zu diesem Zeitpunkt www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / KA-Lösungsvorschlag / S. 5 von 6 Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" (S. 98 - 103) / Elena (2010) als Einzige gegen Claire stellt. Doch III erkennt seine Schuld. Er weiß, er wird sich ihr nicht entziehen können. Daher kann niemandem mehr geholfen werden, denn III ist verloren, genauso wie Güllen, welches durch Mord an III sein Hoffen auf ein abendländisches Gemeinwesen verliert. Daraufhin erkennt der Lehrer, was zu tun ist, was passieren wird. Er ist ,nüchtern. Auf einmal“ (S. 103). Er weist III nun auch die Schuld zu, da er erkennt, dass er es tun muss. Der Lehrer wusste „von Anfang an“ (S. 103), was passieren wird und verdrängte es. Nun erkennt er, dass „[die] Versuchung zu groß und [die] Armut zu bitter [ist]" (S. 103). Sein „Glaube an die Humanität ist machtlos“ (S. 103), was nur aufzeigt, dass in Güllen Menschlichkeit ausgestorben zu sein scheint. Und in dieser Erkenntnis weiß der Lehrer auch, dass auch die Güllener für ihre Tat einmal gerichtet werden, zu ihnen wird „auch [...] einmal eine alte Dame kommen, eines Tages" (S. 103). Diese Antizipation zeigt das Schicksal Güllens und verweist darauf, dass die Untat an III auch einmal gesühnt wird, denn Güllen hat sich verschuldet, verschuldet an der Menschlichkeit. Mit dieser Erkenntnis nimmt das Handeln seinen gewohnten Lauf, da man nun weiß, was passieren wird und daran kein Wort mehr verwenden will. So gilt auch das Verhalten des Lehrers (Schreiben Sie sie auf" (S. 103)) letztlich als Schuldeingeständnis und Versicherung zum Mord. Der Lehrer vollzieht während dem gesamten Handlungsgeschehen eine innere Wandlung. So ist er am Anfang noch eine unbedeutende Instanz, in zerrissenen Kleidern, welche in Claire die Furcht, aber dennoch Rettung sieht, am Ende jedoch zeigt sich seine Verzweiflung, da er als Humanist an der eigenen Menschlichkeit scheitert. Der Lehrer sieht in Claire erst eine Bedrohung, bevor ihm der Gedanke an der Retterin aus tiefster Not kam, da er, als gelernter Humanist und Anhänger der Antike erst weiß, „was Gruseln heißt" (S. 34), nachdem er Claire bei ihrer Ankunft in Güllen empfing. „Schauerlich" (S. 34) beschreibt er diese eigenwillige alte Dame. Mit seinen stetigen Bezügen zur Antike beweist er seine starke Weltkenntnis und isoliert sich damit von Güllen, so bezeichnet er Claire als „griechische Schicksalsgöttin“ (S. 34). Damit ist er bis dato der Einzige in Güllen, der ahnt, wozu Claire fähig ist und was weiter passieren wird, auch wenn er dies erst nur unterbewusst feststellt. Nach dem Angebot Claires am Ende des ersten Aktes beginnt nun die steigende Handlung mit der Veränderung des Konsumverhaltens der Güllener sowie wachsenden Vereinsamung und Verzweiflung Ills. Die Steigerung betrachtet der Lehrer noch stillschweigend, da er zwar eine Vorahnung hat diese jedoch nicht weiter beachtet. Die Handlung findet ihren Höhepunkt, ihre Peripetie, in der Bahnhofsszene am Ende des zweiten Aktes, bei welcher der völlig verzweifelte III aus Güllen fliehen möchte, aufgrund eines inneren Kampfes jedoch bleibt. Hier zeigt der Lehrer seine Annahme, da er III zum Gehen bewegen will, da er weiß, wenn III, bleibt ist die Stadt verloren. Innerlich ist der Lehrer zerrissen, da er sich als Humanist nicht an der Menschlichkeit verschulden will, aber dennoch mit der Aussicht auf wiederkehrenden Wohlstand merkt, wie er unter dem Druck des Geldes zusammenbricht. So „macht [er III] [...] Platz“ (S. 83), ist sich aber unklar, was er beabsichtigt, Ills Gehen oder sein Bleiben. III bleibt und erkennt unter einem Aufschrei: „Ich bin verloren!" (S. 85). Hier erkennt auch der Lehrer den Ernst der Situation und beruft sich auf seine humanistischen Werte. Er versucht noch einmal das Urteil von Güllen abzuwenden und III zu retten, indem er zusammen mit dem Doktor Claire zu einem humanen Geschäft überreden will. Als dies misslingt, versucht er flehend Claire davon zu überzeugen, dass es sonst zum Äußersten kommt, jedoch muss er einsehen, dass er nur das tun kann, „was [ihm sein] Gewissen vorschreibt" (S. 91). Mit der Erkenntnis, dass es 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Dürrenmatt: ,,Der Besuch der alten Dame" S. 1 von 5 Rebecca (2010) / Vierstündige KA / Lösung / Stelle: S. 98 – S. 103 Aufgabenstellung: S. 98 ,,Der Lehrer" – S. 103 unten - 1. Skizziere die vorangegangene Handlung, weshalb der Lehrer diese Rede halten will. 2. Interpretiere die Textstelle; beziehe die sprachliche und erzählerische Gestaltung ein. 3. Zeige die Entwicklung des Lehrers am gesamten Werk. „Geld ist nichts. Aber viel Geld, das ist etwas anderes" (George Bernard Shaw). Genau dieses Zitat stellt die Hauptthematik in Friedrich Dürrenmatts tragischer Komödie „Der Besuch der alten Dame“ dar. Die Wandlungsfähigkeit der Wertevorstellung und die Verführbarkeit des menschlichen Gewissens durch die anscheinend unbesiegbare Macht des Geldes. Die Kleinstadt Güllen und ihre Bürger sind völlig verarmt und erwarten die Milliardärin Claire Zachanassian. Die einstige Klara Wäscher ist in Güllen aufgewachsen und verbrachte ihre Jugend dort, bis sie von Alfred III geschwängert und verleugnet wurde. Sie schwor Rache und ruinierte planmäßig die Wirtschaftsmöglichkeiten ihrer ehemaligen Heimatstadt, da sie durch mehrere Ehen zur reichsten Frau der Welt wurde. Claire fordert Gerechtigkeit und bietet dafür eine Milliarde. Da ihre Gerechtigkeit im Tod Alfred Ills besteht, wird das Angebot strikt abgelehnt, doch die Moral schwindet mit der Aussicht auf Wohlstand. Die Güllener verschulden sich mehr und mehr, die Notwendigkeit III zu töten wird größer. Dieser nimmt seine Schuld an und wird von den Bürgern seines Heimatortes ermordet. Friedrich Dürrenmatt thematisiert in der vorliegenden Textstelle die Schwäche des Gewissens, welche sich durch den hohen Einfluss des Materiellen zeigt und zu Unmoral und Verdrängung führt. Güllen, eine Kleinstadt, in der einst Klara Wäscher geboren wurde, wird der Handlungsort eines Rachefeldzuges. 45 Jahre vor dem eigentlichen Handlungsbeginn bestand eine Liebesbeziehung zwischen Klara Wäscher und Alfred III. Das junge Mädchen träumte von einem Leben voller Glück und Liebe mit ihrer Jugendliebe. Doch dieser Plan ging schief, Klara wurde schwanger, Alfred III stritt jedoch ab der Vater des Kindes zu sein. Es kam 1910 zu einer Vaterschaftsklage, die Ill gewann. Durch zwei bestochene Zeugen, die aussagten mit Klara Verkehr gehabt zu haben, konnte er das Gericht davon überzeugen nicht der Vater des Kindes zu sein. Klara Wäscher verließ hochschwanger und von allen verrufen die Kleinstadt Güllen. Sie schwor Rache, das Kind wurde ihr von der christlichen Fürsorge abgenommen. Klara wurde zu einer Prostituierten und lernte so ihren ersten Ehemann Zachanassian kennen. Alfred III heiratete Mathilde Blumhardt, die Besitzerin eines kleinen Krämerladens. Klara, die inzwischen Claire Zachanassian heißt, hat durch ihre vielen Ehen mit vermögenden Männern den Rang der reichsten Frau errungen. Sie ist überall als wohltätig und großzügig bekannt. Der Ruin Güllens ist durch Claires planmäßiges Aufkaufen und Stilllegen der Fabriken entstanden. Die Güllener wissen davon allerdings nichts. Zur Spielgegenwart hin erwartet Güllen und deren verwahrloste Bürger die Ankunft der Milliardärin. Sie soll Güllen aus der Krise helfen, hilfreich soll dabei Alfred III, ihre ehemalige Jugendliebe sein. Er als beliebter Bürger und vorgeschlagener Nachfolger des Bürgermeisters soll Claire dazu bringen, 55 60 65 70 75 80 85 90 95 100 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" S. 2 von 5 Rebecca (2010) / Vierstündige KA / Lösung / Stelle: S. 98 – S. 103 möglichst viel Geld herauszugeben. Sie willigt ein, aber unter der Bedingung dafür die Gerechtigkeit zu kaufen, die die Ernordung Ills darstellt. Anfangs lehnt der Bürgermeister im Namen Güllens ab, doch durch die Macht des Geldes angezogen, kaufen die Güllener immer teurere Waren und verschulden sich. Die Notwendigkeit Alfred III zu töten steigt, gleichzeitig vollzieht sich ein Tausch von Täter- und Opferrolle. Die Güllener, allesamt geblendet vom Geld, wechseln auf Claires Seite, nur der Lehrer schaut den Tatsachen ins Gesicht und will die Taten der Menschen nicht unberechtigter Weise beschönigen. Er sieht die Verlogenheit der Güllener und will sie aufdecken. In der vorliegenden Textstelle will der Lehrer durch seine Rede die Schwäche der Güllener aufzeigen und Alfred III zum Kämpfen aufrufen. Schwerfällig, aber voller Willen „rafft" (S. 98) der Lehrer sich auf, um im „[be]trunken[en]“ (S. 98) Zustand die „Wahrheit" (S. 98) zu verkünden. Der Alkohol löst die Hemmungen und so kann der Lehrer sagen, was alle wissen, aber verdrängen. Durch den Kollektivsatz der Güllener „Verrückt geworden? Aufhören. Runter vom Faß!" (S. 98), wird diese Verdrängungstechnik deutlich. Sie wollen die „Wahrheit“ (S. 98) nicht hören, da sie sich sonst als Schuldige sehen müssten. Frau III meint, er solle „sich schämen" (S.98) des Grundes wegen, dass er „betrunken“ (S. 98) sei, was auch ihre Naivität und Verdrängung deutlich zeigt. Der Lehrer, der sich nicht dafür schämt nur „betrunken“ (S. 98) die Verbindung von „Wahrheit“ (S. 98) und „Armut“ (S. 98) darzustellen, wirft Ills Frau vor, den eigenen „Gatten zu verraten“ (S. 98), da auch sie sich am Konsumverhalten der Güllener beteiligt. Der Lehrer stellt die Verlassenheit Ills indirekt dar, durch die Anschuldigung Mathildes, was durch die Reaktion des Sohnes Karl gleich bestätigt wird, da er den Lehrer angreifend auffordert das „Maul [zu] halten" (S. 99). Selbst die Familie von Alfred legt größeren Wert auf Wohlstand als auf das Leben ihres Familienmitgliedes. Mit dem Vergleich zu „Ödipus“ (S. 99) zeigt der Lehrer erstens seine gute Bildung und zweitens die Blindheit der Güllener. Auch Ödipus sucht einen Schuldigen, den er zu Tode verurteilen wollte, doch da er selbst der Schuldige war, hat sich das „Verhängnis“ (S. 99) während seiner Suche nach dem Täter bedeutend vergrößert. Nur sehen die Güllener nicht, wie ihre Schuld immer weiterwächst und bald zu platzen scheint wie eine „angeschwollen[e] [...] Kröte" (S. 99). Die Tochter Ills und ehemalige Schülerin des Lehrers „fleh[t]“ (S. 99) ihn an aufzuhören, was symbolisiert, dass sie die Schuld zwar sieht, aber sich nicht damit beschäftigen will. Die „Wahrheit“ (S. 98) „zerstör[t]“ (S. 99), und zwar die „Chance" (S. 99) auf Wohlstand. Der Lehrer als Vertreter der Wahrheit, zumindest im Augenblick, wird mit Gewalt „vom Faß“ (S. 99) „[gerissen]“ (S. 99), die Wahrheit soll als außer Sichtweite und mit Gewalt beseitigt werden, wenn sie dem Geld im Wege steht. Die „[u]ngeheuerlichen Dinge" (S. 99), die in Güllen vor sich gehen, wurden von dem ausgelöst, was dem Lehrer schon bei der Ankunft „Gruseln“ (S. 34) und ein „[s]chauerlich [es]" (S. 34) Gefühl bereiteten. Claire Zachanassian! Indirekt könnte man Claire auch als „Ungeheuer[ ]“ (S. 99) sehen, da sie der Auslöser für alles war. Die Güllener sehen ihren Wohlstand durch die „Weltöffentlichkeit" (S. 99) bedroht und „stürzen sich auf ihn“ (S. 99). Damit stürzen sie die Chance auf Gerechtigkeit, was wiederholt zeigt, wie unwichtig die Wahrheit und deren Definition für sie ist. Als III den Laden betritt, herrscht „Totenstille“ (S. 99) und alle blicken ihn „erschrocken an" (S. 99). Die Antizipation „Totenstille“ (S. 99) gibt der Situation einen merkwürdigen Beiklang, da es III ist, der zu Tode kommen wird. Der Lehrer als „Humanist, ein Freund der alten Griechen" (S. 99), will die Werte der „Menschlichkeit" (S. 99) und der „Wahrheit“ (S. 99) vertreten, doch auch vom Opfer selbst wird ihm 105 110 115 120 125 130 135 140 145 150 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" S. 3 von 5 Rebecca (2010) / Vierstündige KA / Lösung / Stelle: S. 98 – S. 103 befohlen zu „[s]chweigen" (S. 99) und die „Menschlichkeit" (S. 99) soll sich „[s]etzen“ (S. 99). Bedeutungsvoll, dass ein so hohes Prinzip mit „Füßen getreten" und verachtet wird, in Güllen herrschen keine Moralvorstellungen mehr. Dem Lehrer zufolge hat auch III die „Wahrheit verraten" (S. 100). Darüber ist dieser „ernüchtert" (S. 100), doch im späteren Gespräch mit III wird ihm klar, dass er andere Hintergründe für seine Handlungsweise hat. Alfred III stellt die Situation den Medien gegenüber harmlos dar und diese entwickeln keinerlei Gespür für die Situation. Die Medien, von Friedrich Dürrenmatt auch die Lästigen genannt, sehen diese Geschichte als eine neue Sensation an. Sie wollen Bilder, III soll auf dem Bild ein „Beil" (S. 100) an den „Metzger“ (S. 100) verkaufen. Ironischerweise bezeichnet der Pressemann dieses als „Mordinstrument" (S. 100), was einmal mehr zeigt, dass nur die Eingeweihten diese Situation verstehen. III steht der Tod bevor, denn mit dem Wohlstand steigt die Notwendigkeit ihn zu töten. Es geht um einen Mord, der schön verpackt und vertuscht wird, um das Ansehen der Stadt nicht zu schädigen. Die Naivität und Unwissenheit der Medien verdeutlicht Dürrenmatt durch das Familienfoto, auf dem alle „strahlen vor Glück, strahlen, strahlen, zufrieden, innerlich, stillvergnügt strahlen" (S. 100) sollen. Der äußere Schein wird gewahrt, doch innerlich sind alle Familienmitglieder verspannt und Alfred III, dem der Tod durch seine eigenen Mitmenschen im Nacken sitzt, soll „großartig gestrahlt“ (S. 100) haben. Die Bindung zu seiner Familie ist gestört, keiner verspürt ihm gegenüber Respekt und er wird allein, aber in Harmonie mit sich selbst sterben. Die Vertreter der Medien werden durch einen Spaziergang von Claire und ihrem neuen Ehemann angezogen und verlassen Ills Laden. Die Bürger sind „erleichtert“ (S. 101), dass die Wahrheit nicht ans Licht gekommen ist, da „die Angelegenheit" (S. 101) nur „gütlich“ (S. 101) zu erledigen ist, wenn die „Presse nichts“ (S. 101) erfährt. Das Indefinitpronomen „nichts“ (S. 101) bedeutet, das die Güllener am liebsten alles von Claires Anreise ab unter Verschluss halten würden, da sie eigentlich wissen, dass ihr Handeln unrecht ist. Ill wird schon fast von den Bürgern bedroht, indem es ihm als „klug“ (S. 101) angerechnet wird „keinen Unsinn zu schwatzen" (S. 101), da doch dieser „Unsinn“ (S. 101) die Wahrheit wäre. Außerdem wird er als unglaubwürdig hingestellt, da er sowieso ein „Halunke [ ]“ (S. 101) sei. Die Bürger „spuck[en]" (S. 101) vor Ill aus, wie sie es anfangs bei Claire taten. Um seine Abneigung gegenüber der Milliardärin zu zeigen, „spuckt“ (S. 59) einer der Bürger am Handlungsanfang aus. Die Täter-Opferrollen wurden getauscht. Was auch deutlich die Aussage eines Bürgers zeigt, in der III als „Schuft" (S. 101) bezeichnet wird, da es so schlimm wäre, was er Claire „angetan habe [ ]" (S. 101). Die Bestechung zweier Männer ist demnach ein größeres Vergehen als Mord. Die Hilfe des Lehrers will III nicht annehmen, da er seine „Schuld" bekennt und sich damit abgefunden hat. Der Lehrer sieht ein, was die anderen Güllener verdrängen, ihr Handeln ist falsch und unmoralisch, ihre Geldgier geht über Menschenleben, denn „die schändliche Milliarde" (S. 102) „brennt in [ihren] Herzen“ (S. 102). Das Geld „brennt" (S. 102) das „Herz [ ]“ (S. 102) und die darin verborgenen Gefühle sowie die Wert- und Moralvorstellung gnadenlos nieder. Die Menschen hören nicht mehr auf ihr Herz, sondern auf Geldscheine. Der Aufruf zum „[Kampf]“ (S. 102) kombiniert mit der „Verbindung" (S. 102) zur Presse kommt für Alfred III zu spät. Denn er „kämpf[t] nicht mehr" (S. 102), er spricht sich „kein Recht mehr“ (S. 102) zu. Zu diesem Zeitpunkt spricht erstmals der Lehrer die klare Beschreibung Claires aus als „verfluchte [ ] alte [] Dame, diese [] Erzhure“ (S. 102), die die Menschen „schamlos“ (S. 102) behandelt und durch ihr Geld die „Seelen [der Menschen] einsammelt“ (S. 102). Alfred III sieht es jedoch als seine „Schuld“ (S. 102) an, hätte er damals moralisch gehandelt, wäre Claire nicht zu so etwas Automatenhaftem geworden. Er ist hilflos, 155 160 165 170 175 180 185 190 195 200 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" S. 4 von 5 Rebecca (2010) / Vierstündige KA / Lösung / Stelle: S. 98 - S. 103 will aber auch den Güllenern nicht helfen, da sie sich sonst nicht schuldig machen. Alfred III stellt sich als „[v]ollkommen“ (S. 103) schuldig dar, der Lehrer wird nüchtern und stimmt dem zu. Seinen Verstand hat er wieder eingeschaltet, er spricht die Tatsache, die alle von „Anfang an“ (S. 103) wussten aber verdrängten, aus und zwar, dass man Alfred III „töten" (S. 102) wird. Der Lehrer sagt was „niemand wahrhaben will" (S. 103). Auch einen Humanisten überrollt die Macht des Geldes, wenn es nur genug ist. „Die Versuchung ist zu groß“ (S. 103), durch das planmäßige Ruinieren Güllens, was Claire sehr strategisch geplant hat, um ihren Plan auch mit Sicherheit zu erfüllen, können die in „Armut“ (S. 103) lebenden Güllener den Tod Ills nicht umgehen. Zusätzlich lässt der Lehrer kurzzeitig extreme Ehrlichkeit von sich selbst durchblicken, denn er gesteht, wie er fühlt „langsam zu einem Mörder" (S. 103) zu werden. Er räumt seine Schwäche ein und steht dazu. Die einst so wichtigen Werte des Humanismusses sind „machtlos" (S. 103) geworden, wegen der „schändlichen Milliarde" (S. 102) hat auch der Lehrer den „Glauben an die Humanität“ (S. 103) verloren und ist deshalb zum „Säufer“ (S. 103) geworden, um die Sorgen und Gedanken an seine Ohnmacht zu ertränken. Für die Zukunft sieht er Schlechtes voraus, denn auch Güllen wird „einmal eine alte Dame“ (S. 103) besuchen kommen. Doch tröstet sich der Lehrer wieder mit dem Alkohol und behält sein „[W]issen" (S. 103) für sich und zeigt im nüchternen Zustand eine erstaunliche Fassade, die dem Handeln der Güllener zustimmt und die angebliche Gerechtigkeit für angemessen hält. Die Entwicklung des Lehrers, am gesamten Werk gezeigt, ist sehr interessant, da er von Anfang bis Ende der Einzig kritisch denkende Bürger Güllens ist. Zwar wird der Lehrer nicht namentlich genannt, sondern nur in seiner Funktion, trotzdem ist er eine ausschlaggebende Person. Am Beginn der Handlung, bei Claires Ankunft am Bahnhof, stimmt der Lehrer, der Rektor des Gymnasiums, ein Lied für die Milliardärin an. Seine Intuition scheint eine sehr gut ausgeprägte zu sein, da er Claire schon kurz nach ihrer Ankunft als „[s]chauerlich“ (S. 34), wie eine „griechische Schicksalsgöttin" (S. 34) „Klotho" (S. 34) bezeichnet. Sie spinnt „Lebensfäden" (S. 34) und bestimmt durch ihr Geld über Leben und Tod, so gesehen hat der Lehrer seine Einschätzung zu Claire gut getroffen. Im Verlauf der Handlung bitten der Lehrer und der Arzt Claire die Fabriken von Güllen aufzukaufen. Der Lehrer ruft Claire zu „reine[r] Menschlichkeit" (S. 91) auf, was sich als blanke Not des Gewissens interpretieren lässt. Andererseits steht auch der Arzt am Bahnhof, als III von Güllen flüchten will. Der Lehrer stellt das „Gewissen" (S. 91) als veränderbar dar. Er erfährt die Einstellung Claires zur Menschlichkeit, die käuflich ist, und schaut im Verlauf der Handlung den Bürgern Güllens beim Konsum zu, auch er beteiligt sich daran. Der Humanist wird zum „Säufer“ (S. 103), da er die Gedanken an den verlorenen Humanismus nicht ertragen kann. Da der Alkohol den Verstand lockert und die Hemmungen nimmt, will er in Ills Laden die Wahrheit verkünden über „[d]en Besuch der alten Dame" (S. 98). Er sieht und respektiert, was die Güllener nicht sehen wollen: die Schuld. Er ist als Einziger ehrlich zu sich selbst und ertränkt deshalb seine Sorgen im Schnaps. Im nüchternen Zustand jedoch hält er die Rede an der Gemeindeversammlung. Die sich auf den hohen Wert der „Gerechtigkeit“ (S. 121) bezieht, er macht aus dem moralisch verweigerten Mord eine sittliche Pflicht, denn Güllen duldete „Ungerechtigkeit“ (S. 121) und der Lehrer beruft sich auf veraltete und nicht vorhandene Moral- und Wertevorstellungen der Güllener. Schließlich beteiligt auch er sich am Mord und verachtet somit die Werte des Humanismusses. 205 210 215 220 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame" S. 5 von 5 Rebecca (2010) / Vierstündige KA / Lösung / Stelle: S. 98 – S. 103 Die schon in der Einleitung genannte Verführbarkeit des menschlichen Gewissens sowie die Wandlungsfähigkeit der Moralvorstellungen wird durch den Charakter des Lehrers besonders verdeutlicht. Er ist der „Sehenste" der Bürger Güllens, da er sich dieser Schwachpunkte der menschlichen Größe bewusst ist und sie an sich selbst feststellt. Aufgrund dessen ertränkt er diese schreckliche Erkenntnis im Alkohol um sich aus der Realität zu flüchten. Die Güllener jedoch können sich durch ihre Naivität vor ihrem Schuldeingeständnis schützen. Geld verdirbt den Charakter der Reichen und der Neid wird unerträglich, wie weiteres Zitat von George Bernard Shaw zeigt: „Geld ist ein Mittel, um alles zu haben bis auf einen aufrichtigen Freund, eine uneigennützige Geliebte und eine gute Gesundheit." Claire kann sich zwar alles kaufen, inklusive der Gerechtigkeit, aber niemand mag oder liebt sie wegen ihres Charakters. Sie wird rein auf ihr Geld reduziert, was die Frage damals wie auch heute im Raum stehen lässt, ob Geld glücklich macht. In der jetzigen Zeit ist das Materielle sehr wichtig, aber umsonst bekam Daniel Kahnemann den Wirtschaftsnovelpreis über seine Untersuchung: „Der Homo Oeconomicus und das Glück" sicherlich nicht. Klaus Schenck, OSR. a.D. Fächer: Deutsch, Religion, Psychologie Drei Internet-Kanäle: Schul-Material: www.KlausSchenck.de Schüler-Artikel: www.schuelerzeitung-tbb.de Schul-Sendungen: https://www.youtube.com/user/financialtaime ,,Vom Engagement-Lehrer zum Lehrer-Zombie"/Bange-Verlag 2020: Info-Flyer: http://www.klausschenck.de/ks/downloads/f02-werbeflyer-buch- entwurf-2020-11-26.pdf NEU! LAUS SOMENCE VON ENGAGEMENT LEHRER IN the Se Te Ha P Das Power-Buch von Klaus Schenck LEHRER-ZOMBIE