Seite 2: Analyse der Geschichte "Rosalie geht sterben"
Die Geschichte "Rosalie geht sterben" nimmt eine Schlüsselrolle im Roman "Ruhm" ein, da sie erstmals eine fiktionale Erzählebene deutlich markiert. Sie entpuppt sich als Kurzgeschichte des fiktiven Autors Leo Richter.
Rosalie, eine pensionierte Lehrerin, ist unheilbar an Krebs erkrankt und plant, Sterbehilfe in der Schweiz in Anspruch zu nehmen. Die Geschichte spielt mit der Grenze zwischen Fiktion und Realität, indem Rosalie mit ihrem Schöpfer, dem Schriftsteller, kommuniziert und ihn bittet, sie am Leben zu lassen.
Quote: "Von all meinen Figuren ist sie die klügste" (S.51)
Die sprachliche Gestaltung der Geschichte ist durch eine umgangssprachliche Beschreibung der Ereignisse gekennzeichnet. Der Erzähler gibt sich als Autor der Geschichte zu erkennen, scheint aber zunächst kein Teil der Handlung zu sein. Auffällig ist die direkte Ansprache des Lesers:
Quote: "Wahrscheinlich wissen Sie, dass es den wirklich gibt" (S.52)
Der Erzähler beginnt mit einem Rückblick auf Rosalies Leben und einer kurzen Schilderung der Ausgangssituation:
Quote: "Vor beinahe siebzig Jahren war Rosalie jung und gut in der Schule" (S. 51)
Quote: "[...] darum ist sie auch nicht erstaunt gewesen, als ihr der Arzt vorige Woche gesagt hat, dass Bauchspeicheldrüsenkrebs nicht heilbar ist und dass es nun sehr schnell zu Ende gehen wird" (S. 51)
Diese Geschichte illustriert zentrale Themen des Romans: die Vermischung von Realität und Fiktion, die Rolle des Autors und die Frage nach der Existenz und Identität literarischer Figuren.
Highlight: Die Geschichte "Rosalie geht sterben" verdeutlicht die komplexe Erzählstruktur und die postmoderne Auseinandersetzung mit Autorschaft und Fiktion in Daniel Kehlmanns "Ruhm".




