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Das Drama in der Klassik unter besonderer Berücksichtigung von Johann Wolfgang von Goethes „ Iphigenie auf Tauris“

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 Das Drama in der Klassik unter besonderer
Berücksichtigung von Johann Wolfgang von Goethes
„Iphigenie auf Tauris"
„Edel sei der Mensch, hil

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Das Drama in der Klassik unter besonderer Berücksichtigung von Johann Wolfgang von Goethes „Iphigenie auf Tauris" „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!" (Henniger/Seiffert 2017, 155) lautet der Leitspruch der Weimarer Klassik, welcher aus dem Gedicht „Das Göttliche" von Johann Wolfgang von Goethe stammt. Johann Wolfgang von Goethe, unzufrieden mit den politischen Ämtern am Hofe des Herzogs Karl August in Weimar, begibt sich 1786 auf die Reise nach Italien (ZDF Theater 2020). Mit Goethes Italienreise beginnt auch die Blütezeit der deutschen Literatur, die Weimarer Klassik (vgl. Henniger/Seiffert 2017, 357). Auf der Italienreise begegnet er den Werken der Antike und der Renaissance und findet in den Kunstwerken den Einklang von Natur, Gesellschaft und Kunst. Entgegen dem, was zuvor prägend für die Epoche des Sturm und Drangs war, macht Goethe diese Harmonie zu seinem Ideal. (Mandelartz 2020, o. S.) Auch Friedrich Schiller, dessen Tod 1805 das Ende der Klassik festsetzt, befasste sich mit dem neuen Bildungsziel, welches er in seinen Briefen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen" beschreibt. Neben Schiller und Goethe, den Hauptvertretern der Weimarer Klassik, waren auch Christoph Martin Wieland und Johann Gottfried Herder in der Epoche vertreten. Alle vier Dichter beschäftigten sich in Weimar mit der Erziehung des Menschen durch die Literatur. (vgl. Henniger/Seiffert 2017, 357) Das Drama der Klassik Fundamental für die Weimarer Klassik ist das...

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humanistische Menschenbild. Dabei leitend ist der Gedanke der Erziehung des Menschen zum Guten hin. Ziel ist die Formung einer Persönlichkeit, in welcher alle humanen Fähigkeiten sich harmonisch im Einklang miteinander befinden. (vgl. Henniger/Seiffert 2017, 356-357) Es wird die Vervollkommnung des Menschen in allen seinen Lebensbereichen angestrebt. Gefühl und Verstand, künstlerisches Empfinden, wissenschaftliches Denken, theoretisches Erfassen sowie die praktische Umsetzung sollen in Harmonie und nicht im Gegensatz zueinander stehen. (Thurm 2012, o. S.) Humanität äußert sich im Bestreben nach Harmonie und Vernunft, der ideale Mensch ist durch Selbstbestimmtheit, Toleranz und Wahrhaftigkeit gekennzeichnet. Damit stellt sich die Weimarer Klassik gegen den Rationalismus der Aufklärung, gleichzeitig aber auch gegen die Subjektivität des Sturm und Drang. (vgl. Henniger/Seiffert 2017, 356-357) Die Literatur orientiert sich stark an der Antike, da hier nach Ansicht der klassischen Autoren die Idealvorstellungen bestmöglich verwirklicht wurden (Thurm 2012, o. S.). Goethe besaß die Vorstellung, dass die Handlungen eines Menschen nicht auf die Gesellschaft, sondern auf seinen Geist zurückzuführen sind. Daher sollte eine Verbesserung der menschlichen Lebensverhältnisse durch die moralische Erziehung des Menschen erreicht werden. Aus diesem Grund war das Drama die wichtigste literarische Gattung zur Zeit der Weimarer Klassik, da es direkt auf den Zuschauer einwirken und ihm eine vorbildliche Handlungsweise aufzeigen kann. (Fuchs 2011, 70-71) Neben den bereits genannten Themen und Motiven zeichnet sich das klassische Drama vor allem durch seine gesetzmäßige Form aus. Die Autoren greifen auf die aristotelische Dramentheorie zurück. Aristoteles ordnete dem Drama eine reinigende Wirkung, die sogenannte Katharsis, zu. Das perfekte Drama muss laut der Auffassung von Aristoteles die drei Einheiten von Ort, Zeit und Handlung umfassen und eine geschlossene Form besitzen. (Beilhammer 2020, o. S.) Die Handlung ist dabei in fünf Akte gegliedert und verläuft symmetrisch, wie in Abbildung 1 zu erkennen ist (vgl. Henniger/Seiffert 2017, 373). 3. Akt: Höhepunkt Höhe- oder Wendepunkt [Peripetie) der Handlung, steigende Handlung geht in fallende über 2. Akt: steigende Handlung Konflikt verstärkt sich, oftmals über ein erregendes Moment 1.Akt: Exposition Vorstellung von Schauplatz, Zeit und Hauptfiguren sowie der Ausgangssituation, Konflikt und Vorgeschichte 4. Akt: fallende Handlung teilweise mit einem retardierenden Moment 5. Akt: Schluss Katastrophe oder nicht-tragische Lösung des Konflikts Abbildung 1: Aufbau des aristotelischen und klassischen Dramas In der Klassik begann das aristotelische Drama sich wieder zu etablieren, da es durch seine symmetrische Form Vervollkommnung und Ideal symbolisierte (vgl. Beilhammer 2020, o. S.). Auch die Sprache wies eine strenge Form auf. Das Drama wurde in Blankversen verfasst, bestehend aus ungereimten fünfhebigen Jamben. Ebenso zeigte sich ein hoher Stil in der Figurenrede und ein Reichtum an rhetorischen Figuren. (vgl. Henniger/Seiffert 2017, 356-357) Da es sich um ein geschlossenes Drama handelt stehen auch nur wenige handelnde Figuren im Mittelpunkt. Im klassischen Drama sind die Figuren allerdings besonders wichtig, da die äußeren Konflikte in das innere der Figuren getragen werden. (vgl. Henniger/Seiffert 2017, 373-374) Charakteristisch für das klassische Drama ist auch, dass im Gegensatz zum bürgerlichen Trauerspiel die Ständeklausel nicht aufgehoben wird und die Figuren daher von höherem Stand sind. Ein weiteres Merkmal besteht in der Bearbeitung von antiken und mythologischen Stoffen, da diese Werte verkörpern, welche in der Weimarer Klassik die Ideale bilden. (vgl. Henniger/Seiffert 2017, 121) Iphigenie auf Tauris - ein klassisches Drama ?! Mit seiner Iphigenie auf Tauris" hat Johann Wolfgang von Goethe ein Drama geschaffen, das sich vorzüglich ins Bild der Weimarer Klassik einfügt. Schon an der Entstehungsgeschichte des Dramas zeigt sich, wie bemüht Goethe um die Form des Stückes war. So wurde das Werk 1779 bereits in einer Prosafassung aufgeführt, in der Goethe selbst den Orest spielte, den Bruder der Protagonistin Iphigenie (Abbildung 2). (vgl. Leis/Quilitz 2018, 27) Abbildung 2: Corona Schröter und Goethe als Iphigenie und Orest in einer Aufführung der ersten Fassung der Iphigenie auf Tauris (Leis/Quilitz 2018, 75) Nach zwei weiteren Fassungen des Dramas stellte Goethe auf seiner Italienreise 1786 die Versfassung fertig, wie sie heute auch als Standardfassung gilt. Das Drama besteht aus Blankversen mit fünfhebigen Jamben unterschiedlicher Kadenzen. (vgl. Leis/Quilitz 2018, 27) Durch die vielen Enjambements im Text entstehen rhythmische Einheiten, welche ein Fließen der Verse zur Folge hat (vgl. Kindlers Neues Literaturlexikon 1994, 356). X X Heraus in eure Schatten, rege Wipfel X Des alten, heil'gen, dichtbelaubten Haines, X Wie in der Göttin stilles Heiligtum, Tret ich noch jetzt mit schauderndem Gefühl, Als wenn ich sie zum erstenmal beträte, Und es gewöhnt sich nicht mein Geist hierher. Abbildung 3: Versmaß der Iphigenie auf Tauris anhand der ersten sechs Verse des Dramas. Goethes Drama greift in verschiedener Art und Weise die Antike auf. Stoffgrundlage des Stücks ist die Tantalidensage und deren Rezeption durch Euripides Drama „Iphigenie bei den Taurern". Die äußere Handlung wandelt Goethe für sein Drama kaum ab, allerdings verzichtet er auf den Chor. Die Ereignisse und Konflikte spielen sich in der Seele der Figuren ab und können daher auch nicht öffentlich kommentiert werden, wie es beim Chor in der Antike üblich war. Das Drama wird daher auch als „Seelendrama" bezeichnet. (vgl. Kindlers Neues Literaturlexikon 1994, 355) Zum anderen folgt das Drama dem Aufbau der in Abbildung 1 beschriebenen aristotelischen Dramentheorie. Für das fünfaktige Drama „Iphigenie auf Tauris" ist in der folgenden Abbildung 4 der Handlungsverlauf dargestellt. 3. Akt: Höhepunkt bevorstehende Opferung durch Iphigenie Orest offenbart sich seiner Schwester Wahnvorstellung Orests, wünscht seinen Tod, Befreiung aus dem Wahn durch Pylades und Iphigenie 2. Akt: steigende Handlung Opfer des Brauches sollen Iphigenies Bruder Orest und Pylades werden, damit Beginn der Oresthandlung, Pylades erzählt vom Untergang Trojas 1. Akt: Exposition Beginn Iphigenienhandlung (familiäre Vorgeschichte, Pflicht und Sehnsucht) Thoas Antrag, Offenbarung des Tantalidengeschlechts, Wiedereinführung des Opferbrauchs durch Thoas 4. Akt: fallende Handlung Plan von Pylades zur Entwendung des Götterbild der Diana und Flucht, Iphigenie sieht darin Fortsetzung von Betrug → Zweifel und Auseinandersetzung 5. Akt: Schluss Iphigenies "unerhörte Tat" (Offenbarung des Fluchtplans und Identität der Fremden gegenüber Thoas), Überzeugung durch Iphigenie zur gewaltfreien Lösung des Konflikts→ durch Thoas bewilligte Heimkehr Abbildung 4: Aufbau der Handlung im Drama Iphigenie auf Tauris (vgl. Taubenberger 2018, 23-30) Neben der in Abbildung 4 dargestellten einsträngigen und damit einheitlichen Handlungen erfüllt das Drama auch die Einheit des Ortes und der Zeit. Als einziger Schauplatz des Dramas wird der Hain der Diana genannt. Dieser wird allerdings nicht genauer beschrieben, da die inneren Konflikte der Figuren im Vordergrund stehen sollten. Zur Zeit gibt es keine bestimmten Angaben, allerdings wirkt es, als erstrecke sich die Handlung über einen längeren Tag. (vgl. Taubenberger 2018, 32) Beim Betrachten des Personenverzeichnisses fällt auf, dass die Besetzung des Dramas mit nur fünf Personen, entsprechend dem geschlossenen Drama, sehr gering ist. PERSONEN Iphigenie Thoas, König der Taurier Orest Pylades Arkas Abbildung 5: Personenverzeichnis (Goethe 1787, o.S.) Von Form und Symmetrie ist auch die Figurenkonstellation gekennzeichnet. Im Mittelpunkt steht, als einzige weibliche Figur, die Titel protagonistin Iphigenie. Um diese herum ordnen sich die männlichen Figuren symmetrisch an. Auf der einen Seite stehen Iphigenies Bruder Orest und Pylades, auf der anderen Seite befinden sich König Thoas und sein Vertrauter Arkas. Dadurch bilden sich zwei Konfliktfelder heraus. Einerseits die Spannung zwischen Thoas und Iphigenie, andererseits die Orest-Handlung. (vgl. Kindlers Neues Literaturlexikon 1994, 355-356) Iphigenie: Schilt nicht, o König, unser arm Geschlecht. Nicht herrlich wie die euern, aber nicht Unedel sind die Waffen eines Weibes. Glaub es, darin bin ich dir vorzuziehn, Daß ich dein Glück mehr als du selber kenne. Du wähnest, unbekannt mit dir und mir, Ein näher Band werd uns zum Glück vereinen. Voll guten Mutes wie voll guten Willens Dringst du in mich, daß ich mich fügen soll; Und hier dank ich den Göttern, daß sie mir Die Festigkeit gegeben, dieses Bündnis Nicht einzugehen, das sie nicht gebilligt. Thoas: komplexer, hypotaktischer Satzbau, über 5 Verse hinweg Es spricht kein Gott; es spricht dein eignes Herz. Iphigenie: Sie reden nur durch unser Herz zu uns. Thoas: Und hab ich, sie zu hören, nicht das Recht? Iphigenie: Es überbraust der Sturm die zarte Stimme. Thoas: Die Priesterin vernimmt sie wohl allein? Stichomythie Iphigenie: Vor allen andern merke sie der Fürst. Abbildung 6: Figurenrede zwischen Iphigenie und Thoas, erster Akt, zweiter Auftritt (Goethe 1786, o. S.) Am in Abbildung 6 dargestellten Textausschnitt zeigt sich auch der hohe Stil der Figurenrede, wie er charakteristisch für das klassische Drama ist. Im längeren Textanteil der Iphigenie findet man einen komplexen, hypotaktischen Satzbau, wobei sich der Satz über fünf Verse, verbunden durch Enjambements, zieht. Danach folgt ein schneller Wechsel der Figurenrede zu jedem Vers zwischen Thoas und Iphigenie, auch als Stichomythie bezeichnet. Dadurch wird die Geschwindigkeit der Rede erhöht, was auf ein hohes geistiges Niveau beider Sprechpartner deutet. ¹ Schlüsselfigur des Dramas ist die Iphigenie. Sie verkörpert den inneren Konflikt über die Humanität und stellt sich die Frage, wie diese zu verwirklichen sei. Bereits im Eingangsmonolog verhandelt sie mit sich selbst über die Pflicht des göttlichen Auftrags und der Sehnsucht nach ihrer Heimat Griechenland. (vgl. Kindlers Neues Literaturlexikon 1994, 355-356) Der innere Konflikt mit sich selbst führt mit fortschreitender dramatischer Handlung zu einem universell aufgeklärten Menschenbild, welches sich im Fühlen und Handeln der Iphigenie äußert (vgl. Taubenberger 2018, 41). Mit ihrer Redegewalt schafft sie es, die männlichen Figuren zur Humanität zu bewegen und davon abzubringen, Konflikte mit Gewalt zu lösen. Damit verändert sich die Welt um Iphigenie herum zum humanen, toleranten und autonomen Ideal. (vgl. Goethezeitportal e.V. 2020, o. S.) Im vierten Akt erscheint das Lied der Parzen, in welchem Iphigenie erkennt, dass die Götter keine Teilhabe am menschlichen Schicksal haben. Damit widersetzt sie sich den religiösen Vorgaben, beruft sie sich dabei aber auf die ideale, humanitäre Handlungsweise sowie auf ihre Entscheidungsfreiheit. (vgl. Kindlers Neues Literaturlexikon 1994, 355-356) Eine entscheidende Schlüsselszene in Iphigenies inneren Konflikt stellt der dritte Auftritt des letzten Aktes dar. Iphigenie behauptet sich zunächst als emanzipierte Frau gegen Thoas, da sie als Frau durch ihr Geschlecht dem Mann untergeordnet wird (Abbildung 7: A). Außerdem entscheidet sich Iphigenie dazu, Thoas die Wahrheit über den Fluchtplan von ihrem Bruder Orest, Pylades und ihr zu gestehen (Abbildung 7: B). Damit überlässt sie dem König der Taurier die Entscheidungsgewalt über das Schicksal des Geschlechts der Tantaliden. Durch ihre Humanität und Wahrhaftigkeit schafft Iphigenie es, Thoas zu überzeugen. (vgl. Taubenberger 2018, 87-90) Es geht darum, der eigenen Stimme zu folgen und sich nicht den Göttern zu unterwerfen (Abbildung 7: C). Die Emanzipation des Menschen bestehe darin, sich von religiösen und politischen Vorgaben zu lösen, unter der Voraussetzung der Fähigkeit zur Selbstbestimmung des Einzelnen und gegenseitiger Anerkennung dessen. So willigt auch Thoas der Heimkehr von Iphigenie ein und lässt sie gehen (Abbildung 7: D). (vgl. Kindlers Neues Literaturlexikon 1994, 356) Iphigenie: Hat denn zur unerhörten Tat der Mann Allein das Recht? Drückt denn Unmögliches Nur er an die gewalt'ge Heldenbrust? Was nennt man groß? [...] A B [-] Durch mich die Wahrheit! - Ja, vernimm, o König. Es wird ein heimlicher Betrug geschmiedet Vergebens fragst du den Gefangnen nach; Sie sind hinweg und suchen ihre Freunde, Die mit dem Schiff am Ufer warten, auf. Der ältste, den das Übel hier ergriffen Und nun verlassen hat - es ist Orest, Mein Bruder, und der andre sein Vertrauter, D Apoll schickt sie von Delphi diesem Ufer Mit göttlichen Befehlen zu, das Bild Dianens wegzurauben und zu ihm Die Schwester hinzubringen [...] ¹ https://wortwuchs.net/stilmittel/stichomythie/ Thoas: с [...] die Stimme Der Wahrheit und der Menschlichkeit [...] Iphigenie: Es hört sie jeder, Geboren unter jedem Himmel, dem Des Lebens Quelle durch den Busen rein Und ungehindert fließt. [...] Thoas: So geht! Iphigenie: D Nicht so, mein König! Ohne Segen, In Widerwillen scheid ich nicht von dir. Thoas: Lebt wohl! Abbildung 7: Textausschnitte aus dem letzten Akt. A, B, C: 3. Auftritt. D: letzter Auftritt (Goethe 1786, o. S.)

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humanistische Menschenbild. Dabei leitend ist der Gedanke der Erziehung des Menschen zum Guten hin. Ziel ist die Formung einer Persönlichkeit, in welcher alle humanen Fähigkeiten sich harmonisch im Einklang miteinander befinden. (vgl. Henniger/Seiffert 2017, 356-357) Es wird die Vervollkommnung des Menschen in allen seinen Lebensbereichen angestrebt. Gefühl und Verstand, künstlerisches Empfinden, wissenschaftliches Denken, theoretisches Erfassen sowie die praktische Umsetzung sollen in Harmonie und nicht im Gegensatz zueinander stehen. (Thurm 2012, o. S.) Humanität äußert sich im Bestreben nach Harmonie und Vernunft, der ideale Mensch ist durch Selbstbestimmtheit, Toleranz und Wahrhaftigkeit gekennzeichnet. Damit stellt sich die Weimarer Klassik gegen den Rationalismus der Aufklärung, gleichzeitig aber auch gegen die Subjektivität des Sturm und Drang. (vgl. Henniger/Seiffert 2017, 356-357) Die Literatur orientiert sich stark an der Antike, da hier nach Ansicht der klassischen Autoren die Idealvorstellungen bestmöglich verwirklicht wurden (Thurm 2012, o. S.). Goethe besaß die Vorstellung, dass die Handlungen eines Menschen nicht auf die Gesellschaft, sondern auf seinen Geist zurückzuführen sind. Daher sollte eine Verbesserung der menschlichen Lebensverhältnisse durch die moralische Erziehung des Menschen erreicht werden. Aus diesem Grund war das Drama die wichtigste literarische Gattung zur Zeit der Weimarer Klassik, da es direkt auf den Zuschauer einwirken und ihm eine vorbildliche Handlungsweise aufzeigen kann. (Fuchs 2011, 70-71) Neben den bereits genannten Themen und Motiven zeichnet sich das klassische Drama vor allem durch seine gesetzmäßige Form aus. Die Autoren greifen auf die aristotelische Dramentheorie zurück. Aristoteles ordnete dem Drama eine reinigende Wirkung, die sogenannte Katharsis, zu. Das perfekte Drama muss laut der Auffassung von Aristoteles die drei Einheiten von Ort, Zeit und Handlung umfassen und eine geschlossene Form besitzen. (Beilhammer 2020, o. S.) Die Handlung ist dabei in fünf Akte gegliedert und verläuft symmetrisch, wie in Abbildung 1 zu erkennen ist (vgl. Henniger/Seiffert 2017, 373). 3. Akt: Höhepunkt Höhe- oder Wendepunkt [Peripetie) der Handlung, steigende Handlung geht in fallende über 2. Akt: steigende Handlung Konflikt verstärkt sich, oftmals über ein erregendes Moment 1.Akt: Exposition Vorstellung von Schauplatz, Zeit und Hauptfiguren sowie der Ausgangssituation, Konflikt und Vorgeschichte 4. Akt: fallende Handlung teilweise mit einem retardierenden Moment 5. Akt: Schluss Katastrophe oder nicht-tragische Lösung des Konflikts Abbildung 1: Aufbau des aristotelischen und klassischen Dramas In der Klassik begann das aristotelische Drama sich wieder zu etablieren, da es durch seine symmetrische Form Vervollkommnung und Ideal symbolisierte (vgl. Beilhammer 2020, o. S.). Auch die Sprache wies eine strenge Form auf. Das Drama wurde in Blankversen verfasst, bestehend aus ungereimten fünfhebigen Jamben. Ebenso zeigte sich ein hoher Stil in der Figurenrede und ein Reichtum an rhetorischen Figuren. (vgl. Henniger/Seiffert 2017, 356-357) Da es sich um ein geschlossenes Drama handelt stehen auch nur wenige handelnde Figuren im Mittelpunkt. Im klassischen Drama sind die Figuren allerdings besonders wichtig, da die äußeren Konflikte in das innere der Figuren getragen werden. (vgl. Henniger/Seiffert 2017, 373-374) Charakteristisch für das klassische Drama ist auch, dass im Gegensatz zum bürgerlichen Trauerspiel die Ständeklausel nicht aufgehoben wird und die Figuren daher von höherem Stand sind. Ein weiteres Merkmal besteht in der Bearbeitung von antiken und mythologischen Stoffen, da diese Werte verkörpern, welche in der Weimarer Klassik die Ideale bilden. (vgl. Henniger/Seiffert 2017, 121) Iphigenie auf Tauris - ein klassisches Drama ?! Mit seiner Iphigenie auf Tauris" hat Johann Wolfgang von Goethe ein Drama geschaffen, das sich vorzüglich ins Bild der Weimarer Klassik einfügt. Schon an der Entstehungsgeschichte des Dramas zeigt sich, wie bemüht Goethe um die Form des Stückes war. So wurde das Werk 1779 bereits in einer Prosafassung aufgeführt, in der Goethe selbst den Orest spielte, den Bruder der Protagonistin Iphigenie (Abbildung 2). (vgl. Leis/Quilitz 2018, 27) Abbildung 2: Corona Schröter und Goethe als Iphigenie und Orest in einer Aufführung der ersten Fassung der Iphigenie auf Tauris (Leis/Quilitz 2018, 75) Nach zwei weiteren Fassungen des Dramas stellte Goethe auf seiner Italienreise 1786 die Versfassung fertig, wie sie heute auch als Standardfassung gilt. Das Drama besteht aus Blankversen mit fünfhebigen Jamben unterschiedlicher Kadenzen. (vgl. Leis/Quilitz 2018, 27) Durch die vielen Enjambements im Text entstehen rhythmische Einheiten, welche ein Fließen der Verse zur Folge hat (vgl. Kindlers Neues Literaturlexikon 1994, 356). X X Heraus in eure Schatten, rege Wipfel X Des alten, heil'gen, dichtbelaubten Haines, X Wie in der Göttin stilles Heiligtum, Tret ich noch jetzt mit schauderndem Gefühl, Als wenn ich sie zum erstenmal beträte, Und es gewöhnt sich nicht mein Geist hierher. Abbildung 3: Versmaß der Iphigenie auf Tauris anhand der ersten sechs Verse des Dramas. Goethes Drama greift in verschiedener Art und Weise die Antike auf. Stoffgrundlage des Stücks ist die Tantalidensage und deren Rezeption durch Euripides Drama „Iphigenie bei den Taurern". Die äußere Handlung wandelt Goethe für sein Drama kaum ab, allerdings verzichtet er auf den Chor. Die Ereignisse und Konflikte spielen sich in der Seele der Figuren ab und können daher auch nicht öffentlich kommentiert werden, wie es beim Chor in der Antike üblich war. Das Drama wird daher auch als „Seelendrama" bezeichnet. (vgl. Kindlers Neues Literaturlexikon 1994, 355) Zum anderen folgt das Drama dem Aufbau der in Abbildung 1 beschriebenen aristotelischen Dramentheorie. Für das fünfaktige Drama „Iphigenie auf Tauris" ist in der folgenden Abbildung 4 der Handlungsverlauf dargestellt. 3. Akt: Höhepunkt bevorstehende Opferung durch Iphigenie Orest offenbart sich seiner Schwester Wahnvorstellung Orests, wünscht seinen Tod, Befreiung aus dem Wahn durch Pylades und Iphigenie 2. Akt: steigende Handlung Opfer des Brauches sollen Iphigenies Bruder Orest und Pylades werden, damit Beginn der Oresthandlung, Pylades erzählt vom Untergang Trojas 1. Akt: Exposition Beginn Iphigenienhandlung (familiäre Vorgeschichte, Pflicht und Sehnsucht) Thoas Antrag, Offenbarung des Tantalidengeschlechts, Wiedereinführung des Opferbrauchs durch Thoas 4. Akt: fallende Handlung Plan von Pylades zur Entwendung des Götterbild der Diana und Flucht, Iphigenie sieht darin Fortsetzung von Betrug → Zweifel und Auseinandersetzung 5. Akt: Schluss Iphigenies "unerhörte Tat" (Offenbarung des Fluchtplans und Identität der Fremden gegenüber Thoas), Überzeugung durch Iphigenie zur gewaltfreien Lösung des Konflikts→ durch Thoas bewilligte Heimkehr Abbildung 4: Aufbau der Handlung im Drama Iphigenie auf Tauris (vgl. Taubenberger 2018, 23-30) Neben der in Abbildung 4 dargestellten einsträngigen und damit einheitlichen Handlungen erfüllt das Drama auch die Einheit des Ortes und der Zeit. Als einziger Schauplatz des Dramas wird der Hain der Diana genannt. Dieser wird allerdings nicht genauer beschrieben, da die inneren Konflikte der Figuren im Vordergrund stehen sollten. Zur Zeit gibt es keine bestimmten Angaben, allerdings wirkt es, als erstrecke sich die Handlung über einen längeren Tag. (vgl. Taubenberger 2018, 32) Beim Betrachten des Personenverzeichnisses fällt auf, dass die Besetzung des Dramas mit nur fünf Personen, entsprechend dem geschlossenen Drama, sehr gering ist. PERSONEN Iphigenie Thoas, König der Taurier Orest Pylades Arkas Abbildung 5: Personenverzeichnis (Goethe 1787, o.S.) Von Form und Symmetrie ist auch die Figurenkonstellation gekennzeichnet. Im Mittelpunkt steht, als einzige weibliche Figur, die Titel protagonistin Iphigenie. Um diese herum ordnen sich die männlichen Figuren symmetrisch an. Auf der einen Seite stehen Iphigenies Bruder Orest und Pylades, auf der anderen Seite befinden sich König Thoas und sein Vertrauter Arkas. Dadurch bilden sich zwei Konfliktfelder heraus. Einerseits die Spannung zwischen Thoas und Iphigenie, andererseits die Orest-Handlung. (vgl. Kindlers Neues Literaturlexikon 1994, 355-356) Iphigenie: Schilt nicht, o König, unser arm Geschlecht. Nicht herrlich wie die euern, aber nicht Unedel sind die Waffen eines Weibes. Glaub es, darin bin ich dir vorzuziehn, Daß ich dein Glück mehr als du selber kenne. Du wähnest, unbekannt mit dir und mir, Ein näher Band werd uns zum Glück vereinen. Voll guten Mutes wie voll guten Willens Dringst du in mich, daß ich mich fügen soll; Und hier dank ich den Göttern, daß sie mir Die Festigkeit gegeben, dieses Bündnis Nicht einzugehen, das sie nicht gebilligt. Thoas: komplexer, hypotaktischer Satzbau, über 5 Verse hinweg Es spricht kein Gott; es spricht dein eignes Herz. Iphigenie: Sie reden nur durch unser Herz zu uns. Thoas: Und hab ich, sie zu hören, nicht das Recht? Iphigenie: Es überbraust der Sturm die zarte Stimme. Thoas: Die Priesterin vernimmt sie wohl allein? Stichomythie Iphigenie: Vor allen andern merke sie der Fürst. Abbildung 6: Figurenrede zwischen Iphigenie und Thoas, erster Akt, zweiter Auftritt (Goethe 1786, o. S.) 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Kindlers Neues Literaturlexikon 1994, 355-356) Der innere Konflikt mit sich selbst führt mit fortschreitender dramatischer Handlung zu einem universell aufgeklärten Menschenbild, welches sich im Fühlen und Handeln der Iphigenie äußert (vgl. Taubenberger 2018, 41). Mit ihrer Redegewalt schafft sie es, die männlichen Figuren zur Humanität zu bewegen und davon abzubringen, Konflikte mit Gewalt zu lösen. Damit verändert sich die Welt um Iphigenie herum zum humanen, toleranten und autonomen Ideal. (vgl. Goethezeitportal e.V. 2020, o. S.) Im vierten Akt erscheint das Lied der Parzen, in welchem Iphigenie erkennt, dass die Götter keine Teilhabe am menschlichen Schicksal haben. Damit widersetzt sie sich den religiösen Vorgaben, beruft sie sich dabei aber auf die ideale, humanitäre Handlungsweise sowie auf ihre Entscheidungsfreiheit. (vgl. Kindlers Neues Literaturlexikon 1994, 355-356) Eine entscheidende Schlüsselszene in Iphigenies inneren Konflikt stellt der dritte Auftritt des letzten Aktes dar. Iphigenie behauptet sich zunächst als emanzipierte Frau gegen Thoas, da sie als Frau durch ihr Geschlecht dem Mann untergeordnet wird (Abbildung 7: A). Außerdem entscheidet sich Iphigenie dazu, Thoas die Wahrheit über den Fluchtplan von ihrem Bruder Orest, Pylades und ihr zu gestehen (Abbildung 7: B). Damit überlässt sie dem König der Taurier die Entscheidungsgewalt über das Schicksal des Geschlechts der Tantaliden. Durch ihre Humanität und Wahrhaftigkeit schafft Iphigenie es, Thoas zu überzeugen. (vgl. Taubenberger 2018, 87-90) Es geht darum, der eigenen Stimme zu folgen und sich nicht den Göttern zu unterwerfen (Abbildung 7: C). Die Emanzipation des Menschen bestehe darin, sich von religiösen und politischen Vorgaben zu lösen, unter der Voraussetzung der Fähigkeit zur Selbstbestimmung des Einzelnen und gegenseitiger Anerkennung dessen. So willigt auch Thoas der Heimkehr von Iphigenie ein und lässt sie gehen (Abbildung 7: D). (vgl. Kindlers Neues Literaturlexikon 1994, 356) Iphigenie: Hat denn zur unerhörten Tat der Mann Allein das Recht? Drückt denn Unmögliches Nur er an die gewalt'ge Heldenbrust? Was nennt man groß? [...] A B [-] Durch mich die Wahrheit! - Ja, vernimm, o König. Es wird ein heimlicher Betrug geschmiedet Vergebens fragst du den Gefangnen nach; Sie sind hinweg und suchen ihre Freunde, Die mit dem Schiff am Ufer warten, auf. Der ältste, den das Übel hier ergriffen Und nun verlassen hat - es ist Orest, Mein Bruder, und der andre sein Vertrauter, D Apoll schickt sie von Delphi diesem Ufer Mit göttlichen Befehlen zu, das Bild Dianens wegzurauben und zu ihm Die Schwester hinzubringen [...] ¹ https://wortwuchs.net/stilmittel/stichomythie/ Thoas: с [...] die Stimme Der Wahrheit und der Menschlichkeit [...] Iphigenie: Es hört sie jeder, Geboren unter jedem Himmel, dem Des Lebens Quelle durch den Busen rein Und ungehindert fließt. [...] Thoas: So geht! Iphigenie: D Nicht so, mein König! Ohne Segen, In Widerwillen scheid ich nicht von dir. Thoas: Lebt wohl! Abbildung 7: Textausschnitte aus dem letzten Akt. A, B, C: 3. Auftritt. D: letzter Auftritt (Goethe 1786, o. S.)