Zentrale Motive und Themen in "Der Sandmann"
Das Augenmotiv durchzieht die gesamte Novelle als wichtigstes Symbol. Augen fungieren als "Spiegel zur Seele" und verdeutlichen Nathanaels zunehmende Wahnvorstellungen. Das Motiv des Sandes in den Augen dient als Täuschungsversuch und zeigt den feinen Unterschied zwischen Mensch und Maschine auf.
Das Doppelgänger-Motiv manifestiert sich in der Verwirrung zwischen Coppelius und Coppola. Ob es sich um dieselbe Person handelt, bleibt bewusst ungeklärt und symbolisiert Nathanaels Unfähigkeit, zwischen Realität und Irrealität zu unterscheiden. Der "Sandmann" droht Nathanael das Augenlicht zu nehmen, was seine tiefsten Ängste repräsentiert.
Das Feuermotiv markiert entscheidende Wendepunkte: Der Tod des Vaters bei einer Explosion, der Feuerkreis im Traum, und der Brand in Nathanaels Wohnung vor seiner Begegnung mit Olimpia. Die "flammenden Blicke" beim Schauen durch das Fernglas verbinden das Feuermotiv mit dem Augenmotiv und symbolisieren Nathanaels innere Glut und seinen Wahnsinn.
Interpretation tipp: Achtet besonders auf die Textstellen, in denen das Augenmotiv vorkommt. Diese sind für die Analyse in Klausuren besonders ergiebig und zeigen Hoffmanns kunstvolle Verknüpfung von Motiven und Themen.
Hoffmann thematisiert in "Der Sandmann" grundlegende Gegensätze: Innen- und Außenwelt, Selbst- und Fremdwahrnehmung. Die Novelle beleuchtet die dunklen Seiten des Lebens wie psychische Störungen, Wahnsinn und existenzielle Ängste. Die offene Interpretation lässt Raum für verschiedene Deutungen – ist Nathanael tatsächlich wahnsinnig oder das Opfer einer Intrige?