Gretes Wandlung
Grete Samsa durchläuft in "Die Verwandlung" eine dramatische Entwicklung von einem passiven, verwöhnten Mädchen zu einer selbstbewussten jungen Frau:
Vor Gregors Verwandlung:
- 17-jähriges, verwöhntes Mädchen
- Musste nicht arbeiten (nur leichte Haushaltstätigkeiten)
- Genoss viele Vorzüge (ausschlafen, Violine spielen, schöne Kleidung)
- Wurde von Gregor als "nutzloses Mädchen" mit vielen Privilegien gesehen
- Stand im Kontrast zum 16-jährigen Dienstmädchen, das den ganzen Tag arbeitete
Nach Gregors Verwandlung - Anfangsphase:
- Wird zur Pflegerin Gregors und seiner einzigen Kontaktperson
- Bildet ein Bindeglied zwischen Gregor und den Eltern
- Zeigt zunächst Fürsorge und Mitgefühl (weint, bevor sie von der Verwandlung erfährt)
- Stellt ihm anfangs seine Lieblingsspeisen hin
- Steht im Gegensatz zum aggressiven Vater (Grete: besorgt/fürsorglich ↔ Vater: ärgerlich/aggressiv)
Entwicklung im Verlauf der Geschichte:
- Akzeptiert seine Verwandlung schnell, entfremdet sich aber auch schnell
- Spricht zunehmend distanziert und unpersönlich über Gregor
- Verliert das Interesse an seinem Wohlergehen
- Nutzt Gregors Zustand, um soziales Ansehen in der Familie zu erlangen
- Räumt selbstbewusst sein Zimmer aus und vernichtet damit seine menschliche Vergangenheit
- Ersetzt die Sorge um Gregor durch Sorge um den Vater
- Fordert schließlich die "Entsorgung" Gregors
Endphase:
- Blüht förmlich auf vom Mauerblümchen zur selbstbewussten, jugendlichen Schönheit
- Wird von den Eltern bewundert und anerkannt
- Entwickelt sich zu einer reifen, jungen Frau, die "bereit ist, einen Mann zu finden"
Wichtiger Hinweis: Die Namensähnlichkeit zwischen Grete und Gregor deutet auf ihre ursprünglich enge Bindung hin. Diese Verbindung wird durch Gretes zunehmende Verdinglichung Gregors (sie sieht ihn immer mehr als Objekt) vollständig zerstört, was die wichtige Textstelle ihrer Forderung nach seiner "Entsorgung" besonders dramatisch macht.



