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"Die Räuber" / Schiller: Klassenarbeit auf Abiturs-Niveau: IV. Akt, 1. Szene

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Schiller: ,,Die Räuber“ und Franz Kafka: „Der Prozess"/ Juli

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Klaus Schenck

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www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Interpretation zur Pflichtlektüre/ Schiller: ,,Die Räuber“ und Franz Kafka: „Der Prozess"/ Julia / Seite 1 von 6 Abituraufgabe von 2008 / Abi Baden-Württemberg Deckblatt Interpretation zur Pflichtlektüre Friedrich Schiller: „Die Räuber" Reclam Nr. 15 Ausgabe 2001 Anhang geklammert Vorgelegte Textstelle: Vierter Akt / 1. Szene Moor. Sei mir gegrüßt, Vaterlandserde!... bis (Er geht hinein.) Bei Reclam: S. 95/Z. 10 bis S. 96 / Z. 21 Die Zeilenzählung in der 2. Aufgabe entspricht der Zeilenzählung der Vorlage! Franz Kafka: „Der Prozess" Hamburger Lesehefte Verlag 201. Heft Anhang geklammert Aufgabenstellung: Lyrik Skizzieren Sie das für das Verständnis des Monologs Wesentliche aus der vo- rausgegangenen Handlung. Interpretieren Sie den Monolog: beziehen Sie die sprachliche und szenische Gestaltung ein. Schillers Die Räuber und Kafkas Der Prozeß: Untersuchen Sie in einer verglei- chenden Betrachtung, woran Karl Moor und Josef K. scheitern. Maßgeblich für die Beurteilung des Aufsatzes ist das Ganze der erbrachten Leistung. Dabei werden die zweite und dritte Teilaufgabe etwa gleichwertig gewichtet. und kein' Durchblick?! Da hilft nur noch Klaus Schenck: Königs Fitness: Lyrik. Klasse 11 - 12/13. Bange-Verlag. Von engagierten Schülern empfohlen! (Infos: Startseite: www.KlausSchenck.de) 5 10 15 20 25 30 35 40 45 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Interpretation zur Pflichtlektüre/ Schiller: ,,Die Räuber“ und Franz Kafka: „Der Prozess"/ Julia / Seite 2 von 6 Abituraufgabe von 2008 / Abi Baden-Württemberg In seinem Jugendwerk, dem Schauspiel „Die Räuber“, befasst sich der junge Fried- rich Schiller anhand des...

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Handlungsverlaufes des Dramas mit der Problematik des Bruderkonfliktes. Ebenso verknüpft der Autor die Rebellion der Hauptfiguren gegen das damalig herrschende Feudalsystem mit der Darstellung subjektiven Gerechtig- keitsstrebens. Im Adelshaus Moor spinnt der Zweitgeborene Franz eine Intrige gegen seinen Bruder Karl, die zur Verstoßung des Erstgeborenen durch den Vater führt. Des Weiteren beseitigt Franz auch den alten Moor, um somit Herr über die Grafschaft werden zu können. Franz bildet durch seine pragmatische Ader, im Sinne der Aufklärungsepo- che, einen starken Kontrast zu seinem melodramatisch veranlagten Bruder Karl, wo- bei dessen Verhalten die Grundgedanken des „Sturm und Drang" widerspiegeln, welche ihn im Chaos der Gefühle dazu verleiten Hauptmann eben jener Räuber- bande zu werden, die dem Drama Schillers seinen Namen verleiht. Die skrupellose Suche nach dem ihnen scheinbar zustehenden Recht und der jewei- lig angestrebten Gerechtigkeit verführt die Brüder, sich in einen Kampf gegen die durch Gott legitimierte Weltordnung und das soziale Gefüge zu stürzen. Letzten En- des fügen sich jedoch alle zwei wieder in dieselbe ein. In der vorgegebenen Textstelle wird besonders Karls Sehnsucht nach Wiederher- stellung der alten, gewohnten Ordnung ersichtlich. Geschwisterneid, eines der wohl natürlichsten Gefühle auf dieser Welt, und doch kann es getragen und genährt durch den falschen Charakter verheerendes Unheil bescheren. Franz von Moor ist definitiv eine dieser Personen, so veranlassen ihn die ständigen Vergleiche mit seinem ältern Bruder Karl und die mangelnde Liebe von Seiten seines Vaters dazu, einen derart immensen Hass aufzubauen., dass letztend- lich in seinem Kopf nur noch ein einziger Gedanke Platz findet. Er will Rache nehmen an der ihn quälenden Familie und die Macht über die Grafschaft der Moors an sich reißen. Aus diesem Grund fingiert der Zweitgeborene einen Brief voller Verleugnun- gen über seinen Bruder und lässt das Papier dem Vater zukommen. Durch ge- schickte Intervention und Beeinflussung des alten Mannes erreicht er den Erbaus- schluss des gehassten Karls. Dieser erhält die entsetzliche Nachricht in einem Au- genblick größter Hoffnung, so hat der junge Student soeben die positive Antwort des Vaters auf eine Entschuldigungsschrift erwartet. Die plötzliche Enttäuschung und der große Schmerz über die Zurückweisung des Vaters veranlassen den psychisch sehr instabilen Mann die vor kurzem noch verpönte Idee einer Räuberbande erneut zu überdenken, ihr beizutreten und sogar Kopf des ganzen Haufens zu werden. Durch diese Handlung entfernt sich Karl mehr denn je von der Möglichkeit jemals wieder in die Arme der Familie aufgenommen und Erbfolger werden zu können. Der Gründung der Bande folgen weit schweifende Raubzüge, Plünderungen und sogar die Band- schatzung einer Stadt, um einen inhaftierten Räuberkumpanen zu befreien. Doch Karl kann sein schlechtes Gewissen über diese Gräueltaten und die Sehnsucht nach der geliebten Heimat nicht vergessen und so versinkt er oft in Depressionen. Als ein neuer Gestrauchelter, namens Kosinsky, Aufnahme in die Bande begehrt, erkennt der Räuberhauptmann in ihm einen Leidensgenossen. Amalia, die verlorene Liebe Lyrik und kein' Durchblick?! Da hilft nur noch Klaus Schenck: Königs Fitness: Lyrik. Klasse 11 - 12/13. Bange-Verlag. Von engagierten Schülern empfohlen! (Infos: Startseite: www.KlausSchenck.de) 50 55 60 65 70 75 80 85 90 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Interpretation zur Pflichtlektüre/ Schiller: ,,Die Räuber“ und Franz Kafka: „Der Prozess"/ Julia / Seite 3 von 6 Abituraufgabe von 2008 / Abi Baden-Württemberg Kosinskys, weckt in Karl das Verlagen seine eigene Amalia wieder zu sehen. Mithilfe Kosinskys schafft er sich eine falsche Identität als „Graf von Brand“ (S.95/ Z.7) und macht sich auf zu der väterlichen Grafschaft. Die Heimkehr des verlorenen Sohnes und die „herzliche Aufnahme" des Heimkeh- rers. Derart gestaltet sich Karls Ankunft in den Moor'schen Gefilden. Voller Freude preist er „Vaterlandserde [...], Vaterlandshimmel [...], Vaterlandssonne“ (Z.1f) und nennt somit die elementaren und überlebenswichtigen Faktoren der menschlichen Existenz. Des Weiteren erhöht er die ihn umgebende „Vaterlandserde“ (Z.1) durch das personifizierte „[s]ei mir gegrüßt“ (Z.1). In Karls nächster Handlung, des Kusses der Erde (vgl. Z.1), werden seine stark durch „Sturm und Drang" und somit emotional geprägten Charakterzüge ersichtlich. Dieses pathetische Verhalten zieht sich von nun an durch die gesamte Wiederkehr. Der Räuberhauptmann betrachtet die alte Heimat wie durch einen verklärten Schleier. Die „Fluren und Hügel und Ströme und Wälder" (Z. 2f) versprechen pure Idylle und Märchenhaftigkeit. Insgesamt klingt Karls gesamte Beobachtung wie eine ehrfürchtige Lobpreisung auf ein wahres Himmel- reich, sein „Elysium“ (Z.6), einen anbetungswürdigen „heiligen Tempel" (Z.7f). Sich selber versetzt der junge Mann in die Situation eines „armen Flüchtling[s]“ (Z.6), ob- gleich dies nicht ganz der Wahrheit entspricht. Durch diese Titulierung erweckt Karl den Anschein des schuldlosen Verdammten, der jedoch, wie es das Wort „Flüchtling" (Z.6) schon impliziert, aus eigenem Entschluss gehandelt hat, wenn auch unter dem Zwang der Bedrohung der eigenen körperlichen Unversehrtheit. Dem ist nun aber nicht ganz zuzustimmen, wurde Karl doch durch seines Vaters Hand verbannt und unternahm auch keinen Versuch zur Klärung des gesamten Desasters, womit ihm die Opferrolle abzusprechen ist. Durch die sinkende Distanz zwischen Karl Moor und dem Schloss seiner Heimat (vgl. Z.8) rücken auch verdrängte Erinnerungen näher. Die Schwalbennester im Schlosshof" (Z.8f) verheißen zugleich sichernden Hort und unendliche Freiheit, sie symbolisieren die Bedeutung des heimischen Schlosses für Karl. Hier konnte er ein „Held“ (Z.11) sein und hier flatterte seine siegende Flagge hoch (vgl. Z.14f). Des Räuberhauptmannes Jugendzeit war eine glückliche Zeit, doch verlief sie auch recht behütet und ohne wahren Zugang zur in der wirklichen Welt herrschenden Realität. Dies mag ein Grund für Karls spätere Hilflosigkeit und Über- forderung in Konfliktsituationen sein, woraus letztendlich wohl auch die kopflose Gründung der Räuberbande resultierte. Doch all dies kann und will Karl nicht wahr- haben. Er verlässt für kurze Zeit seinen ansonsten melancholischen und depressiven Grundzustand. Abermals hilft ihm seine Heimat der bitteren Realität zu entfliehen. So „lächelt" (Z.15) er und lässt „goldne Maienjahre“ (Z.15) wiederaufleben. Jedoch ge- lingt nun nicht einmal mehr dem wirklichkeitsfremden Mann die Gegenwart hinter sich zu lassen und so werden all die positiven Eindrücke der Jugendzeit durch sei- nen momentanen, „[e]lenden“ (Z.16) Zustand kontrastiert. Die ehemalige Reinheit und Naivität hat sich in Hoffnungslosigkeit und Verdammnis gewandelt. Auf die Erin- nerung an seine „wolkenlos heiter[e]“ (Z.17) Kindheit folgt, verdeutlicht durch die Pa- renthese „und nun“ (Z.18), die jähe, bittere Erkenntnis über die Zerstörung der glor- reichen Zukunft als „großer, stattlicher, gepriesener Mann“ (Z.19f). Doch ist fraglich, ob sich Karls Zukunft gemäß seinen Wünschen und Vorstellungen entwickelt hätte, auch wenn er nicht kriminell geworden wäre. Ein „Abgott [s]eines Volkes“ (Z.22) wäre Lyrik und kein' Durchblick?! Da hilft nur noch Klaus Schenck: Königs Fitness: Lyrik. Klasse 11 - 12/13. Bange-Verlag. Von engagierten Schülern empfohlen! (Infos: Startseite: www.KlausSchenck.de) 95 100 105 110 115 120 125 130 135 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Interpretation zur Pflichtlektüre/ Schiller: ,,Die Räuber“ und Franz Kafka: „Der Prozess"/ Julia / Seite 4 von 6 Abituraufgabe von 2008 / Abi Baden-Württemberg er wohl auch hier nicht geworden. Selbst in den ihm heimischen Gefilden hätte ihn früher oder später die Wirklichkeit eingeholt. Somit ist die komplette Schuldübertra- gung des Schicksals Karls auf seinen Räuberhaufen nicht zu begründen und zeigt ein weiteres Mal die Unselbständigkeit des Charakters und dessen Unvermögen Ent- scheidungen zu treffen und deren Konsequenzen zu tragen. Er selber sieht sich als einen „Gefangen“ (Z.24) der eigenen Kumpanen, durch seinen Treueschwur wie mit einem „Eisenring“ (Z.25) an sie gebunden. Und nun wird dem jungen Moor auch klar, dass all seine „Träume[ ]“ (Z.25), Freiheit durch den Anschluss an die Bande zu er- langen und trotz der Treueverpflichtung souverän über sein Leben bestimmen zu können, auch wirklich nicht mehr als „Träume[ ] der Freiheit“ (Z.25) waren. Diese Er- kenntnis gleicht in Karls Empfinden einem „Blitz in die Nacht“ (Z.28) und erst nun er- wächst in ihm die Gewissheit darüber, dass er sich eine erfüllende Zukunft verbaut hat. Der Rückfall von der kurzzeitig aufgeflammten Euphorie in die ihm wesenstypi- sche Melancholie erfolgt sofort. Auch die emotionale und physische Distanzierung lässt nicht lange auf sich warten, er ist des festen Entschlusses die eben erreichten ,,Vaterlandstäler“ (Z.29) umgehend wieder zu verlassen. Abermals macht Karl sich seine Situation bewusst und setzt den „Knaben Karl“ (Z.29) mit Glück (vgl. Z.30) gleich, wohingegen er als „Mann“ (Z.31) der „Verzweiflung“ (Z.31) anheimgefallen sei. Der Umstand, dass Karls Standort das „äußerste[ ] Ende der Gegend“ (Z.32) ist und er „mit Wehmut herüberblickt“ (Z.33f), macht das zweischneidige Schwert von Karls Heimatentfremdung deutlich. Da ist einerseits die räumliche und auch durch „Mauer[n]“ (Z.35) vorhandene substanzielle Distanz, wie ebenso andererseits die psychische. Nun lässt sich zwar die räumliche Differenz beheben, so „kehrt [Karl]" (Z.37), nachdem die Sehnsucht nach seiner „Amalia“ (Z.35) übermächtig geworden ist, zwar um, dennoch lässt sich die zerstörte emotionale Bindung kaum verheimli- chen und auch Karls „Geister“ lassen nicht von ihm. So ergeht er sich auf seinem Rückweg zum Schloss in nahezu flehende, verzweifelte Beschwörungen. Seine Aus- rufe, die schlechten Erinnerungen sollten „weg“ (Z.37), erinnern an eine Art Bann- spruch und legen Karls Wunsch offen erneut in die Traumwelt der Heimat seiner Kindheit zu flüchten. Doch wird dies wohl kaum gelingen, da der Räuberhauptmann wiederum nicht wirklich ehrlich ist, er legt sich eine falsche Identität als „Graf von Brand" (S.95/ Z.7) zu und verbaut sich hierdurch abermals die Chance auf Klärung des ganzen Desasters. Somit verdammt der junge Moor sich selbst dazu, in dieser durch ihn selbst erschaffenen Hölle zu verweilen, denn als eben jene scheint er sein Schicksal zu sehen. Daher beschreibt er die Kraft, welche ihn gefangen hält, als ,,schwarzes, rauchendes Blut" (Z.38), wobei die beiden Adjektive mit einer negativen Konnotation belegt sind und das Nomen „Blut“ (Z.38) Schmerz verheißt. Der „hohle[ ], [...] zuckende[ ] Todesblick“ (Z. 38f.) manifestiert die Unsicherheit und angstvolle Schicksalsergebenheit des Charakters. Auch seine Bitte - „Nur diese Stunde lass mir frei" (Z.39) - erinnert an eine Art Tauschhandel mit dem Leibhaftigen und zeigt, in wessen Gewalt der junge Mann sich wähnt. Als Opfergabe bietet er sein Seelenheil, wobei die Relevanz dieser Gabe durch den parallelen Aufbau seines Angebots, er [der Teufel] solle ihn quälen, „wenn der Tag erwacht“ (Z.41) und nicht von ihm ablas- sen, „wenn die Nacht kommt“ (Z.42), deutlich wird. Dennoch lässt die Verwendung der Anapher „quäle mich“ (Z.41) in der Imperativform auch auf ein begrenztes Aufbe- gehren und eine gewisse Macht über die ihn beherrschenden Ängste schließen. Die Lyrik und kein' Durchblick?! Da hilft nur noch Klaus Schenck: Königs Fitness: Lyrik. Klasse 11 - 12/13. Bange-Verlag. Von engagierten Schülern empfohlen! (Infos: Startseite: www.KlausSchenck.de) 140 145 150 155 160 165 170 175 180 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Interpretation zur Pflichtlektüre/ Schiller: „Die Räuber“ und Franz Kafka: „Der Prozess“/ Julia / Seite 5 von 6 Abituraufgabe von 2008 / Abi Baden-Württemberg Bitte um Gewährung dieser einen „Wollust“ (Z.44) beweist auch Karls fortgeschrit- tene Verdorbenheit, insofern er hiermit die Ausübung einer Todsünde anstrebt. Die nun aufkommende Schwäche überwindet Karl auch noch und betritt unter „Todes- schauer[n]“ (Z.45) und „Schreckenahndung[en] (Z.45) den heimischen Hof, womit er zumindest die physische Barriere hinter sich gebracht hätte. Karl Moor und Josef K., zwei komplett verschiedene Persönlichkeiten, zwei komplett verschiedene Epochen. Zwei verschiedene Lebenswege: der eine mordet und plün- dert auf seiner kopflosen Jagd nach der ihm subjektiv „zustehenden“ Gerechtigkeit, der andere sieht sich in ein surreales Gerichtsverfahren verwickelt, in dessen Mittel- punkt die nicht zu leugnende Schuld des Angeklagten steht. Auch er kämpft um Ge- rechtigkeit, wobei in seinem Falle, er ist ja unmissverständlich schuldig, denn „[e]s gibt [...] keinen Irrtum“ (Prozess/ S.9/ Z.4), wohl eher von Freispruch zu reden ist. So gesehen besteht also kaum ein Zusammenhang zwischen diesen beiden und doch vereint sie ein gemeinsames Schicksal. Sie scheitern. Und hierin ähneln sich die zwei nur allzu gut. Die Basis ihres Misserfolges ist aus dem Charakter des Adeligen Karl Moors und des Prokuristen Josef K. zu erschließen. Karls Persönlichkeit ist hauptsächlich durch die Epoche des „Sturm und Drang" geprägt und dementspre- chend hat der junge Mann ein sehr emotionales und impulsives Verhalten. Dies ist in seiner behüteten Kindheit, als er das „Schoßkind" (Räuber/ S.18/ Z.33f) des Vaters ist, noch kein Problem. Jedweder Ärger wird ihm ferngehalten und so wächst Karl Moor mit der Erwartung auf, alles müsse immer seiner Facon entsprechend gesche- hen. Als nun ganz wider seiner Erwartungen der alte Moor seine „Hand von ihm wende[t]" (Räuber/ S.17/ Z.31), trifft ihn dies unerwartet und durch die gedankenlose Annahme der Position als Hauptmann einer Räuberbande (vgl. Räuber/ S.36/ Z.15f) ist der erste Schritt auf seinem Weg zum letztendlichen Misserfolg schon getan. Auch der Charakter des Josef K. stellt für ihn das größte Hindernis dar. Zwar ist seine Per- sönlichkeitsstruktur eher pragmatisch, rational denkend und vernünftig, ganz im Ge- gensatz zu Karl, doch ist hiermit auch sein wichtigstes Instrument, der Verstand, im Kampf gegen eine Institution, die nicht zu verstehen ist, die „man aber auch nicht verstehen muss" (Prozess/ S.19/ Z.3), nicht zu gebrauchen. Nichtsdestotrotz ver- sucht K, die Strukturen und Prinzipien seiner geordneten Welt auf das anonyme Ge- richt zu übertragen und verlangt seinen „Verhaftbefehl“ (Prozess/ S.8/ Z.25) sehen zu dürfen. Somit gibt er sich kaum Mühe und macht keine Anstalten sich einzufügen, was ihm einige Feinde verschafft und womöglich auch den Zeitpunkt seines Schei- terns schneller heranrücken lässt. Ein weiterer wichtiger Faktor, der beide Charaktere letztendlich zum Scheitern verurteilt, ist deren Stolz und Selbstüberschätzung. So brüstet sich Karl groß, er „habe keinen Vater mehr“ (Räuber/ S.36/ Z.26), obgleich er sich noch nicht einmal über die Rechtmäßigkeit und Gültigkeit der in dem Brief ver- kündeten Enterbung vergewissert hat. Josef K. übersteigert sich selber und seine Bedeutung maßlos, während er anmerkt, in welcher gehobenen Stellung er sich „ doch [...] gegenüber dem Richter" (Prozess/ S.48/ Z.8f) befindet, da jener auf einem Dachboden seine Kanzlei führt, während K. ein komfortables Büro hat. Des Weiteren nimmt K. seinen Prozess auch nicht wirklich ernst und suggeriert während seiner Untersuchung, er „habe keine Zeit und werde bald weggehen" (Prozess/S:37/Z.21f). Eine wirkliche Auseinandersetzung mit der ihm angetragenen Schuld findet nie statt Lyrik und kein' Durchblick?! Da hilft nur noch Klaus Schenck: Königs Fitness: Lyrik. Klasse 11 - 12/13. Bange-Verlag. Von engagierten Schülern empfohlen! (Infos: Startseite: www.KlausSchenck.de)

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Er will Rache nehmen an der ihn quälenden Familie und die Macht über die Grafschaft der Moors an sich reißen. Aus diesem Grund fingiert der Zweitgeborene einen Brief voller Verleugnun- gen über seinen Bruder und lässt das Papier dem Vater zukommen. Durch ge- schickte Intervention und Beeinflussung des alten Mannes erreicht er den Erbaus- schluss des gehassten Karls. Dieser erhält die entsetzliche Nachricht in einem Au- genblick größter Hoffnung, so hat der junge Student soeben die positive Antwort des Vaters auf eine Entschuldigungsschrift erwartet. Die plötzliche Enttäuschung und der große Schmerz über die Zurückweisung des Vaters veranlassen den psychisch sehr instabilen Mann die vor kurzem noch verpönte Idee einer Räuberbande erneut zu überdenken, ihr beizutreten und sogar Kopf des ganzen Haufens zu werden. Durch diese Handlung entfernt sich Karl mehr denn je von der Möglichkeit jemals wieder in die Arme der Familie aufgenommen und Erbfolger werden zu können. Der Gründung der Bande folgen weit schweifende Raubzüge, Plünderungen und sogar die Band- schatzung einer Stadt, um einen inhaftierten Räuberkumpanen zu befreien. Doch Karl kann sein schlechtes Gewissen über diese Gräueltaten und die Sehnsucht nach der geliebten Heimat nicht vergessen und so versinkt er oft in Depressionen. Als ein neuer Gestrauchelter, namens Kosinsky, Aufnahme in die Bande begehrt, erkennt der Räuberhauptmann in ihm einen Leidensgenossen. Amalia, die verlorene Liebe Lyrik und kein' Durchblick?! Da hilft nur noch Klaus Schenck: Königs Fitness: Lyrik. Klasse 11 - 12/13. Bange-Verlag. Von engagierten Schülern empfohlen! (Infos: Startseite: www.KlausSchenck.de) 50 55 60 65 70 75 80 85 90 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Interpretation zur Pflichtlektüre/ Schiller: ,,Die Räuber“ und Franz Kafka: „Der Prozess"/ Julia / Seite 3 von 6 Abituraufgabe von 2008 / Abi Baden-Württemberg Kosinskys, weckt in Karl das Verlagen seine eigene Amalia wieder zu sehen. Mithilfe Kosinskys schafft er sich eine falsche Identität als „Graf von Brand“ (S.95/ Z.7) und macht sich auf zu der väterlichen Grafschaft. Die Heimkehr des verlorenen Sohnes und die „herzliche Aufnahme" des Heimkeh- rers. Derart gestaltet sich Karls Ankunft in den Moor'schen Gefilden. Voller Freude preist er „Vaterlandserde [...], Vaterlandshimmel [...], Vaterlandssonne“ (Z.1f) und nennt somit die elementaren und überlebenswichtigen Faktoren der menschlichen Existenz. Des Weiteren erhöht er die ihn umgebende „Vaterlandserde“ (Z.1) durch das personifizierte „[s]ei mir gegrüßt“ (Z.1). In Karls nächster Handlung, des Kusses der Erde (vgl. Z.1), werden seine stark durch „Sturm und Drang" und somit emotional geprägten Charakterzüge ersichtlich. Dieses pathetische Verhalten zieht sich von nun an durch die gesamte Wiederkehr. Der Räuberhauptmann betrachtet die alte Heimat wie durch einen verklärten Schleier. Die „Fluren und Hügel und Ströme und Wälder" (Z. 2f) versprechen pure Idylle und Märchenhaftigkeit. Insgesamt klingt Karls gesamte Beobachtung wie eine ehrfürchtige Lobpreisung auf ein wahres Himmel- reich, sein „Elysium“ (Z.6), einen anbetungswürdigen „heiligen Tempel" (Z.7f). Sich selber versetzt der junge Mann in die Situation eines „armen Flüchtling[s]“ (Z.6), ob- gleich dies nicht ganz der Wahrheit entspricht. Durch diese Titulierung erweckt Karl den Anschein des schuldlosen Verdammten, der jedoch, wie es das Wort „Flüchtling" (Z.6) schon impliziert, aus eigenem Entschluss gehandelt hat, wenn auch unter dem Zwang der Bedrohung der eigenen körperlichen Unversehrtheit. Dem ist nun aber nicht ganz zuzustimmen, wurde Karl doch durch seines Vaters Hand verbannt und unternahm auch keinen Versuch zur Klärung des gesamten Desasters, womit ihm die Opferrolle abzusprechen ist. Durch die sinkende Distanz zwischen Karl Moor und dem Schloss seiner Heimat (vgl. Z.8) rücken auch verdrängte Erinnerungen näher. Die Schwalbennester im Schlosshof" (Z.8f) verheißen zugleich sichernden Hort und unendliche Freiheit, sie symbolisieren die Bedeutung des heimischen Schlosses für Karl. Hier konnte er ein „Held“ (Z.11) sein und hier flatterte seine siegende Flagge hoch (vgl. Z.14f). Des Räuberhauptmannes Jugendzeit war eine glückliche Zeit, doch verlief sie auch recht behütet und ohne wahren Zugang zur in der wirklichen Welt herrschenden Realität. Dies mag ein Grund für Karls spätere Hilflosigkeit und Über- forderung in Konfliktsituationen sein, woraus letztendlich wohl auch die kopflose Gründung der Räuberbande resultierte. Doch all dies kann und will Karl nicht wahr- haben. Er verlässt für kurze Zeit seinen ansonsten melancholischen und depressiven Grundzustand. Abermals hilft ihm seine Heimat der bitteren Realität zu entfliehen. So „lächelt" (Z.15) er und lässt „goldne Maienjahre“ (Z.15) wiederaufleben. Jedoch ge- lingt nun nicht einmal mehr dem wirklichkeitsfremden Mann die Gegenwart hinter sich zu lassen und so werden all die positiven Eindrücke der Jugendzeit durch sei- nen momentanen, „[e]lenden“ (Z.16) Zustand kontrastiert. Die ehemalige Reinheit und Naivität hat sich in Hoffnungslosigkeit und Verdammnis gewandelt. Auf die Erin- nerung an seine „wolkenlos heiter[e]“ (Z.17) Kindheit folgt, verdeutlicht durch die Pa- renthese „und nun“ (Z.18), die jähe, bittere Erkenntnis über die Zerstörung der glor- reichen Zukunft als „großer, stattlicher, gepriesener Mann“ (Z.19f). Doch ist fraglich, ob sich Karls Zukunft gemäß seinen Wünschen und Vorstellungen entwickelt hätte, auch wenn er nicht kriminell geworden wäre. Ein „Abgott [s]eines Volkes“ (Z.22) wäre Lyrik und kein' Durchblick?! Da hilft nur noch Klaus Schenck: Königs Fitness: Lyrik. Klasse 11 - 12/13. Bange-Verlag. Von engagierten Schülern empfohlen! (Infos: Startseite: www.KlausSchenck.de) 95 100 105 110 115 120 125 130 135 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Interpretation zur Pflichtlektüre/ Schiller: ,,Die Räuber“ und Franz Kafka: „Der Prozess"/ Julia / Seite 4 von 6 Abituraufgabe von 2008 / Abi Baden-Württemberg er wohl auch hier nicht geworden. Selbst in den ihm heimischen Gefilden hätte ihn früher oder später die Wirklichkeit eingeholt. Somit ist die komplette Schuldübertra- gung des Schicksals Karls auf seinen Räuberhaufen nicht zu begründen und zeigt ein weiteres Mal die Unselbständigkeit des Charakters und dessen Unvermögen Ent- scheidungen zu treffen und deren Konsequenzen zu tragen. Er selber sieht sich als einen „Gefangen“ (Z.24) der eigenen Kumpanen, durch seinen Treueschwur wie mit einem „Eisenring“ (Z.25) an sie gebunden. Und nun wird dem jungen Moor auch klar, dass all seine „Träume[ ]“ (Z.25), Freiheit durch den Anschluss an die Bande zu er- langen und trotz der Treueverpflichtung souverän über sein Leben bestimmen zu können, auch wirklich nicht mehr als „Träume[ ] der Freiheit“ (Z.25) waren. Diese Er- kenntnis gleicht in Karls Empfinden einem „Blitz in die Nacht“ (Z.28) und erst nun er- wächst in ihm die Gewissheit darüber, dass er sich eine erfüllende Zukunft verbaut hat. Der Rückfall von der kurzzeitig aufgeflammten Euphorie in die ihm wesenstypi- sche Melancholie erfolgt sofort. Auch die emotionale und physische Distanzierung lässt nicht lange auf sich warten, er ist des festen Entschlusses die eben erreichten ,,Vaterlandstäler“ (Z.29) umgehend wieder zu verlassen. Abermals macht Karl sich seine Situation bewusst und setzt den „Knaben Karl“ (Z.29) mit Glück (vgl. Z.30) gleich, wohingegen er als „Mann“ (Z.31) der „Verzweiflung“ (Z.31) anheimgefallen sei. Der Umstand, dass Karls Standort das „äußerste[ ] Ende der Gegend“ (Z.32) ist und er „mit Wehmut herüberblickt“ (Z.33f), macht das zweischneidige Schwert von Karls Heimatentfremdung deutlich. Da ist einerseits die räumliche und auch durch „Mauer[n]“ (Z.35) vorhandene substanzielle Distanz, wie ebenso andererseits die psychische. Nun lässt sich zwar die räumliche Differenz beheben, so „kehrt [Karl]" (Z.37), nachdem die Sehnsucht nach seiner „Amalia“ (Z.35) übermächtig geworden ist, zwar um, dennoch lässt sich die zerstörte emotionale Bindung kaum verheimli- chen und auch Karls „Geister“ lassen nicht von ihm. So ergeht er sich auf seinem Rückweg zum Schloss in nahezu flehende, verzweifelte Beschwörungen. Seine Aus- rufe, die schlechten Erinnerungen sollten „weg“ (Z.37), erinnern an eine Art Bann- spruch und legen Karls Wunsch offen erneut in die Traumwelt der Heimat seiner Kindheit zu flüchten. Doch wird dies wohl kaum gelingen, da der Räuberhauptmann wiederum nicht wirklich ehrlich ist, er legt sich eine falsche Identität als „Graf von Brand" (S.95/ Z.7) zu und verbaut sich hierdurch abermals die Chance auf Klärung des ganzen Desasters. Somit verdammt der junge Moor sich selbst dazu, in dieser durch ihn selbst erschaffenen Hölle zu verweilen, denn als eben jene scheint er sein Schicksal zu sehen. Daher beschreibt er die Kraft, welche ihn gefangen hält, als ,,schwarzes, rauchendes Blut" (Z.38), wobei die beiden Adjektive mit einer negativen Konnotation belegt sind und das Nomen „Blut“ (Z.38) Schmerz verheißt. Der „hohle[ ], [...] zuckende[ ] Todesblick“ (Z. 38f.) manifestiert die Unsicherheit und angstvolle Schicksalsergebenheit des Charakters. Auch seine Bitte - „Nur diese Stunde lass mir frei" (Z.39) - erinnert an eine Art Tauschhandel mit dem Leibhaftigen und zeigt, in wessen Gewalt der junge Mann sich wähnt. Als Opfergabe bietet er sein Seelenheil, wobei die Relevanz dieser Gabe durch den parallelen Aufbau seines Angebots, er [der Teufel] solle ihn quälen, „wenn der Tag erwacht“ (Z.41) und nicht von ihm ablas- sen, „wenn die Nacht kommt“ (Z.42), deutlich wird. Dennoch lässt die Verwendung der Anapher „quäle mich“ (Z.41) in der Imperativform auch auf ein begrenztes Aufbe- gehren und eine gewisse Macht über die ihn beherrschenden Ängste schließen. Die Lyrik und kein' Durchblick?! Da hilft nur noch Klaus Schenck: Königs Fitness: Lyrik. Klasse 11 - 12/13. Bange-Verlag. Von engagierten Schülern empfohlen! (Infos: Startseite: www.KlausSchenck.de) 140 145 150 155 160 165 170 175 180 www.KlausSchenck.de / Deutsch / Literatur / Interpretation zur Pflichtlektüre/ Schiller: „Die Räuber“ und Franz Kafka: „Der Prozess“/ Julia / Seite 5 von 6 Abituraufgabe von 2008 / Abi Baden-Württemberg Bitte um Gewährung dieser einen „Wollust“ (Z.44) beweist auch Karls fortgeschrit- tene Verdorbenheit, insofern er hiermit die Ausübung einer Todsünde anstrebt. Die nun aufkommende Schwäche überwindet Karl auch noch und betritt unter „Todes- schauer[n]“ (Z.45) und „Schreckenahndung[en] (Z.45) den heimischen Hof, womit er zumindest die physische Barriere hinter sich gebracht hätte. Karl Moor und Josef K., zwei komplett verschiedene Persönlichkeiten, zwei komplett verschiedene Epochen. Zwei verschiedene Lebenswege: der eine mordet und plün- dert auf seiner kopflosen Jagd nach der ihm subjektiv „zustehenden“ Gerechtigkeit, der andere sieht sich in ein surreales Gerichtsverfahren verwickelt, in dessen Mittel- punkt die nicht zu leugnende Schuld des Angeklagten steht. Auch er kämpft um Ge- rechtigkeit, wobei in seinem Falle, er ist ja unmissverständlich schuldig, denn „[e]s gibt [...] keinen Irrtum“ (Prozess/ S.9/ Z.4), wohl eher von Freispruch zu reden ist. So gesehen besteht also kaum ein Zusammenhang zwischen diesen beiden und doch vereint sie ein gemeinsames Schicksal. Sie scheitern. Und hierin ähneln sich die zwei nur allzu gut. Die Basis ihres Misserfolges ist aus dem Charakter des Adeligen Karl Moors und des Prokuristen Josef K. zu erschließen. Karls Persönlichkeit ist hauptsächlich durch die Epoche des „Sturm und Drang" geprägt und dementspre- chend hat der junge Mann ein sehr emotionales und impulsives Verhalten. Dies ist in seiner behüteten Kindheit, als er das „Schoßkind" (Räuber/ S.18/ Z.33f) des Vaters ist, noch kein Problem. Jedweder Ärger wird ihm ferngehalten und so wächst Karl Moor mit der Erwartung auf, alles müsse immer seiner Facon entsprechend gesche- hen. Als nun ganz wider seiner Erwartungen der alte Moor seine „Hand von ihm wende[t]" (Räuber/ S.17/ Z.31), trifft ihn dies unerwartet und durch die gedankenlose Annahme der Position als Hauptmann einer Räuberbande (vgl. Räuber/ S.36/ Z.15f) ist der erste Schritt auf seinem Weg zum letztendlichen Misserfolg schon getan. Auch der Charakter des Josef K. stellt für ihn das größte Hindernis dar. Zwar ist seine Per- sönlichkeitsstruktur eher pragmatisch, rational denkend und vernünftig, ganz im Ge- gensatz zu Karl, doch ist hiermit auch sein wichtigstes Instrument, der Verstand, im Kampf gegen eine Institution, die nicht zu verstehen ist, die „man aber auch nicht verstehen muss" (Prozess/ S.19/ Z.3), nicht zu gebrauchen. Nichtsdestotrotz ver- sucht K, die Strukturen und Prinzipien seiner geordneten Welt auf das anonyme Ge- richt zu übertragen und verlangt seinen „Verhaftbefehl“ (Prozess/ S.8/ Z.25) sehen zu dürfen. Somit gibt er sich kaum Mühe und macht keine Anstalten sich einzufügen, was ihm einige Feinde verschafft und womöglich auch den Zeitpunkt seines Schei- terns schneller heranrücken lässt. Ein weiterer wichtiger Faktor, der beide Charaktere letztendlich zum Scheitern verurteilt, ist deren Stolz und Selbstüberschätzung. So brüstet sich Karl groß, er „habe keinen Vater mehr“ (Räuber/ S.36/ Z.26), obgleich er sich noch nicht einmal über die Rechtmäßigkeit und Gültigkeit der in dem Brief ver- kündeten Enterbung vergewissert hat. Josef K. übersteigert sich selber und seine Bedeutung maßlos, während er anmerkt, in welcher gehobenen Stellung er sich „ doch [...] gegenüber dem Richter" (Prozess/ S.48/ Z.8f) befindet, da jener auf einem Dachboden seine Kanzlei führt, während K. ein komfortables Büro hat. Des Weiteren nimmt K. seinen Prozess auch nicht wirklich ernst und suggeriert während seiner Untersuchung, er „habe keine Zeit und werde bald weggehen" (Prozess/S:37/Z.21f). Eine wirkliche Auseinandersetzung mit der ihm angetragenen Schuld findet nie statt Lyrik und kein' Durchblick?! Da hilft nur noch Klaus Schenck: Königs Fitness: Lyrik. Klasse 11 - 12/13. Bange-Verlag. Von engagierten Schülern empfohlen! (Infos: Startseite: www.KlausSchenck.de)