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Effi Briest - Analyse, Erörterung Kapitel 30, 31

Effi Briest - Analyse, Erörterung Kapitel 30, 31

 Effi Briest: Analyse und Erörterung
Der Roman ,,Effi Briest“, welcher von Theodor Fontane im Jahr 1896 geschrieben wurde, lässt sich der
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Analyse und Erörterung des 30. und 31. Kapitels von Fontanes Effi Briest im Fach Deutsch, unter Einbezug des Briefes von Luise Briest und anschließender Ausarbeitung der Rolle der preußischen Frau

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Effi Briest: Analyse und Erörterung Der Roman ,,Effi Briest“, welcher von Theodor Fontane im Jahr 1896 geschrieben wurde, lässt sich der Epoche des Realismus zuordnen. Es geht dabei um die junge Effi Briest, welche mit dem 21 Jahre älteren Baron von Innstetten verheiratet wird. Nachdem sie einige Jahre an der Seite ihres Ehemanns in einer Mischung aus Zuwendung und Unterdrückung verbracht hat, beginnt sie eine Affäre mit dem befreundeten Major Crampas. Später zieht das Mädchen mit ihrem eigentlichen Ehemann nach Berlin, wo er von ihrer Untreue erfährt, sie fortan verbannt und den Major im Duell tötet. Von da an verbringt Effi ihre letzten Lebensjahre am Boden der Gesellschaft, verstoßen von ihrer eigenen Familie, was letztendlich ihren Tod in einem jungen Alter zur Konsequenz hat. Im Verlauf der Kapitel 30 und 31 des Buches wird thematisiert, wie Effi, welche zuvor wegen ihrer Krankheit auf Kur gefahren war, durch ihre Mutter von ihrem gesellschaftlichen Ausstoß erfährt. Zusammen mit ihrer Freundin, der Geheimrätin Zwicker, sitzt die junge Briest auf einem Vorplatz des Hotels, wo sie ihr Frühstück einnehmen. Ihr angeregtes Gespräch über das eigene Familienleben wird unterbrochen, als der Postbote für die beiden Damen die Post bringt. Im Gegensatz über die Zwicker, welche sich über ihre erhaltene Anzeige amüsiert, ist Effi unwohl. Es erschein ihr ungewöhnlich,...

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dass der Baron Innstetten seit bereits 5 Tagen seiner Frau „keine Zeile“ (S. 289, Z. 29) mehr geschrieben hatte. Sie scheut sich, den Umschlag zu öffnen (Vgl. S. 289, Z. 24 f.) und ist noch überraschter, als sie bemerkt, dass die Nachrichten nicht aus Berlin, sondern aus dem heimischen Hohen Cremmen kommen (Vgl. S. 289, Z. 27). Vorsichtig und gewagt öffnet sie den Brief (Vgl. S. 289, Z. 31) und ist noch erstaunter, als sie dort Geldscheine vorfindet (Vgl. S. 289 Z. 32). Fast schon schämt sie sich, so viel Geld erhalten haben, und schiebt es nach kurzem Mustern wieder in das Kuvert, obwohl sie noch nicht einmal den Grund für diese finanzielle Unterstützung kennt (Vgl. S. 290 Z. 5). Erst dann wendet sie sich dem Geschriebenen zu, ,,während sie sich in den Schaukelstuhl zurücklehnte" (S. 290 Z. 6), wobei sie sich innerlich dafür wappnet. Denn: weit kommt sie nicht, ,,die Zeilen entfielen ihr, und in ihrem Gesicht war alles Blut fort" (S. 290 Z. 7 f.). Im Gegensatz zu dieser emotionalen, erschrockenen Emotion Effis steht die Geheimrätin, welche die junge Frau fragt, ob sie denn schlechte Nachrichten erhalten hätte (Vgl. S. 290 Z. 10), unwissend von dem Ausmaß dessen. Auch scheint sich Effi diesem bewusst zu sein, ihre Antwort auf die mit Leichtigkeit gestellte Frage ist ein einfaches Nicken (Vgl. S. 290 Z. 11). Um den Schreck zu überwinden, bittet sie nach einem Glas Wasser (Vgl. S. 290 Z. 12) und deutet dann auf verschlossene Art und Weise ihrer Freundin an, dass die Neuigkeiten doch nicht so schlimm seien (Vgl. S. 290 Z. 13 - 15) - sie versucht verkrampft, sich nichts anmerken zu lassen. Doch als Effi Briest zurück in ihr Zimmer kommt, ist sie ,,sichtlich froh [...], einen Halt gewinnen zu können" (S. 290 Z. 17) und stützt sich am Palisanderflügel ab. Dabei steht dieses teure Möbelstück im Kontrast zu dem finanziellen Ruin, in den sich das Mädchen durch ihre Affäre getrieben hat. Zaghaft begibt sie sich dann zu ihrem Bett, wo sie schlussendlich zusammenbricht, da ihr in diesem Moment gleiches klargeworden ist - diese Leben wird sie hinter sich lassen müssen (Vgl. S. 290 Z. 20 - 22). Als Effi wieder zu Bewusstsein kommt, blickt sie aus dem Fenster und ärgert sich, dass draußen eine geradezu provozierende Ruhe und Idylle herrscht (Vgl. S. 290 Z. 26 - 28); diese wird ihrer inneren Gefühlswelt nicht gerecht. Auch wird sie wieder konfrontiert mit dem Ausmaß der von ihrer Mutter überbrachten Neuigkeiten und sie fühlt sich allein (Vgl. S. 290 Z. 30) und ausgestoßen (Vgl. S. 290 Z. 32). Effi weiß nicht, wo sie nun hinsoll, da sie nirgendwo mehr toleriert wird, ihr ist jedoch klar, dass sie nicht länger mit der Zwicker dort bleiben kann (Vgl. S. 290 Z. 34 - 37), welche sich an ihrem Leid erfreuen würde. Nach einem gedanklichen Kampf entschließt sich die junge Frau dann, den Brief zu Ende zu lesen, denn ,,Was kann noch gesagt werden, das ich mir nicht selbst schon sagte?" (S. 291 Z. 7 f.). Sie wird sich bewusst, dass es eigentlich nicht schlimmer kommen kann; ihr geliebter, Crampas, ist bereits tot und auch ihr Kind wird sie wohl an ihren Mann verlieren, wobei sie sich selbst dazu zwingt, dies zu akzeptieren (Vgl. S. 291 Z. 8 - 14). In dem Rest der Zeilen versichert ihr ihre Mutter, weiter finanziell für sie zu sorgen, und sie schlägt Effi vor, sich eine andere Wohnung in Berlin zu nehmen, denn in einer großen Stadt vertut sich dergleichen am besten“ (S. 290 Z. 21 f.). Dennoch macht Frau Briest ihrer Tochter klar, dass sie nicht weiter in solch einer Fülle leben kann, sondern dass ihr weiteres Leben „einsam“ (S. 291 Z. 24) sein wird. Außerdem wird Effi ihr letzter möglicher Rückzugsort genommen: auch in ihr Elternhaus darf sie nicht mehr kommen (Vgl. S. 291 Z. 29). Der Grund dafür ist laut Luise Briest, dass die Familie ,,Farbe bekennen“ (S. 291 Z. 37) und sich von den Taten der Tochter abwenden möchte. Ausdrücklich sagt die Mutter, dass sie die Affäre verurteilt (Vgl. S. 291 Z. 38). Es lässt sich vermuten, dass dies Effis Gemütszustand weiter verschlechtert - ihre „Mama“ (S. 291 Z. 14) war ihre engste Vertrauensperson, nun findet sich nicht einmal bei ihr Toleranz. Das zeigt sich auch dadurch, dass sie beginnt zu weinen, nachdem sie diese Worte gelesen hatte (Vgl. S. 292 Z. 1 f.). Bis zum Ende hatte Effi versucht, zu verbergen, wie sehr dieser Brief sie verletzt hatte (Vgl. S. 292 Z. 2 f.), doch nun kann sie ihre Emotionen nicht mehr zurückhalten und fühlt sich von der ganzen Welt alleingelassen. Unter Betrachtung dieser Textstelle, sowie weiterer Lektüre des Romans lässt sich erkennen, dass Fontane gezielt versuchte, mit „Effi Briest" Gesellschaftskritik auszuüben. Das Haupt-Augenmerk lag dabei auf der Rolle der Frau in der preußischen Gesellschaft. Die durchschnittliche preußische Frau erfuhr eine verkürzte schulische Bildung, bevor sie ihr gesamtes restliches Leben als Hausfrau verbrachte. Ihre Gleichberechtigung wurde in so gut wie allen Bereichen zurückgestellt und vor allem im familiären Raum hatten viele Preußinnen durch Unterdrückung durch den eigenen Ehemann, aber auch durch die patriarchische Regierung zu kämpfen. Auch Luise Briest ist dies bewusst. Obwohl ihre Tochter gesellschaftlich ausgestoßen wurde, bitte sie ihren Mann, Effi bei sich aufzunehmen. Dabei stellt sie die Liebe zu ihrem eigenen Kind (Vgl. S. 316 Z. 10) über soziale Anschauungen, was jedoch von ihrem Gatten mit den Worten „Ach, Luise, [...] komme mir nicht mit Gesellschaft" (S. 316 Z. 12 f.) abgetan wird. Auch hier wird klar, dass die Meinung einer Frau nie als gleichwertig zu der eines Mannes gewertet werden konnte. Zu Anfang des Buches wird Effi eines Nachts von einem Gespenst, einem Chinesen, heimgesucht, während ihr Mann sich außerhaus befindet. Als sie schweißgebadet aufwacht, ruft sie ihre Haushälterin. Diese versichert ihr, „Der Herr kann jede Stunde kommen." (S. 88 Z. 18). Jedoch entgegnet Effi darauf, dass er sie auf keinen Fall so sehen dürfe (Vgl. S. 88 Z. 19 f.). Diese Äußerung unterstreicht wiederholt, dass sich die Frau ständig im Schatten ihres Mannes befand und dass zwischen den Eheleuten keine wirkliche Zuneigung bestand. Wie auf bei Effi und Geert wurde die Ehe geschlossen, um ein möglichst vorteilhaftes Bündnis zu erzielen, und daraus ergab sich, dass jeglicher Eindruck weiblicher Schwäche ihre Autorität weiter untergraben konnte. Wenn man nun wieder Kapitel 30 und 31 betrachtet, lässt sich auch dort verstärkt Gesellschaftskritik erkennen. Zum einen kritisiert Fontane die hinterhältige Bevölkerung Preußens, welche sich nach außen als aufrichtig gibt. Ihre Gesamtheit wird porträtiert durch Geheimrätin Zwicker, die sich wie Effis Freundin verhält, deren ,,Teilnahme, wenn etwas davon existierte," (S. 291 Z. 1 f.) allerdings ,,sicher nicht an das Maß ihrer Neugier [...] heranreichte“ (S. 291 Z. 2 f.). Andererseits wird natürlich auch die Rolle der Frau behandelt. Nach dem Skandal aufgrund Effis Untreue wird ihr das Sorgerecht des Kindes entzogen (Vgl. S. 291 Z. 12 f.), was absurd erscheint, wenn man bedenkt, dass ihr man sich nun allein um Annie kümmern darf, obwohl er sogar ein Mensch einzig wegen Eitelkeit umgebracht hat. Außerdem schreibt Luise Briest in ihrem Brief selbst, dass sie sich dazu gezwungen fühlt, Effi aus ihrer Familie zu verbannen, um das familiäre Ansehen nicht zu beschmutzen (Vgl. S. 291 Z. 35 - 40). Sie stellt als ihren gesellschaftlichen Status über die Liebe zu ihrem Kind, was jedoch nicht zuletzt an der damaligen Position untreuer Frau liegt. Es wäre eine Schande gewesen, solch einer Ausgestoßenen beizustehen. Es wäre sicher anders gewesen, wenn Familie Briest einen Sohn gehabt hätte, welche sich in der gleichen Lage befände, wenn man bedenkt, dass schon die Ermordung Crampas keinerlei rechtliche oder soziale Konsequenzen für Innstetten mit sich zog. Abschließend lässt sich also sagen, dass durch das erbärmliche Schicksal der Effi Briest die preußischen Geschlechterrollen angefochten werden sollten und zusätzlich weitere Kritik an den steifen und rückständigen Idealen der Preußen ausgeübt wurde.

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dass der Baron Innstetten seit bereits 5 Tagen seiner Frau „keine Zeile“ (S. 289, Z. 29) mehr geschrieben hatte. Sie scheut sich, den Umschlag zu öffnen (Vgl. S. 289, Z. 24 f.) und ist noch überraschter, als sie bemerkt, dass die Nachrichten nicht aus Berlin, sondern aus dem heimischen Hohen Cremmen kommen (Vgl. S. 289, Z. 27). Vorsichtig und gewagt öffnet sie den Brief (Vgl. S. 289, Z. 31) und ist noch erstaunter, als sie dort Geldscheine vorfindet (Vgl. S. 289 Z. 32). Fast schon schämt sie sich, so viel Geld erhalten haben, und schiebt es nach kurzem Mustern wieder in das Kuvert, obwohl sie noch nicht einmal den Grund für diese finanzielle Unterstützung kennt (Vgl. S. 290 Z. 5). Erst dann wendet sie sich dem Geschriebenen zu, ,,während sie sich in den Schaukelstuhl zurücklehnte" (S. 290 Z. 6), wobei sie sich innerlich dafür wappnet. Denn: weit kommt sie nicht, ,,die Zeilen entfielen ihr, und in ihrem Gesicht war alles Blut fort" (S. 290 Z. 7 f.). Im Gegensatz zu dieser emotionalen, erschrockenen Emotion Effis steht die Geheimrätin, welche die junge Frau fragt, ob sie denn schlechte Nachrichten erhalten hätte (Vgl. S. 290 Z. 10), unwissend von dem Ausmaß dessen. Auch scheint sich Effi diesem bewusst zu sein, ihre Antwort auf die mit Leichtigkeit gestellte Frage ist ein einfaches Nicken (Vgl. S. 290 Z. 11). Um den Schreck zu überwinden, bittet sie nach einem Glas Wasser (Vgl. S. 290 Z. 12) und deutet dann auf verschlossene Art und Weise ihrer Freundin an, dass die Neuigkeiten doch nicht so schlimm seien (Vgl. S. 290 Z. 13 - 15) - sie versucht verkrampft, sich nichts anmerken zu lassen. Doch als Effi Briest zurück in ihr Zimmer kommt, ist sie ,,sichtlich froh [...], einen Halt gewinnen zu können" (S. 290 Z. 17) und stützt sich am Palisanderflügel ab. Dabei steht dieses teure Möbelstück im Kontrast zu dem finanziellen Ruin, in den sich das Mädchen durch ihre Affäre getrieben hat. Zaghaft begibt sie sich dann zu ihrem Bett, wo sie schlussendlich zusammenbricht, da ihr in diesem Moment gleiches klargeworden ist - diese Leben wird sie hinter sich lassen müssen (Vgl. S. 290 Z. 20 - 22). Als Effi wieder zu Bewusstsein kommt, blickt sie aus dem Fenster und ärgert sich, dass draußen eine geradezu provozierende Ruhe und Idylle herrscht (Vgl. S. 290 Z. 26 - 28); diese wird ihrer inneren Gefühlswelt nicht gerecht. Auch wird sie wieder konfrontiert mit dem Ausmaß der von ihrer Mutter überbrachten Neuigkeiten und sie fühlt sich allein (Vgl. S. 290 Z. 30) und ausgestoßen (Vgl. S. 290 Z. 32). Effi weiß nicht, wo sie nun hinsoll, da sie nirgendwo mehr toleriert wird, ihr ist jedoch klar, dass sie nicht länger mit der Zwicker dort bleiben kann (Vgl. S. 290 Z. 34 - 37), welche sich an ihrem Leid erfreuen würde. Nach einem gedanklichen Kampf entschließt sich die junge Frau dann, den Brief zu Ende zu lesen, denn ,,Was kann noch gesagt werden, das ich mir nicht selbst schon sagte?" (S. 291 Z. 7 f.). Sie wird sich bewusst, dass es eigentlich nicht schlimmer kommen kann; ihr geliebter, Crampas, ist bereits tot und auch ihr Kind wird sie wohl an ihren Mann verlieren, wobei sie sich selbst dazu zwingt, dies zu akzeptieren (Vgl. S. 291 Z. 8 - 14). In dem Rest der Zeilen versichert ihr ihre Mutter, weiter finanziell für sie zu sorgen, und sie schlägt Effi vor, sich eine andere Wohnung in Berlin zu nehmen, denn in einer großen Stadt vertut sich dergleichen am besten“ (S. 290 Z. 21 f.). Dennoch macht Frau Briest ihrer Tochter klar, dass sie nicht weiter in solch einer Fülle leben kann, sondern dass ihr weiteres Leben „einsam“ (S. 291 Z. 24) sein wird. Außerdem wird Effi ihr letzter möglicher Rückzugsort genommen: auch in ihr Elternhaus darf sie nicht mehr kommen (Vgl. S. 291 Z. 29). 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Ihre Gesamtheit wird porträtiert durch Geheimrätin Zwicker, die sich wie Effis Freundin verhält, deren ,,Teilnahme, wenn etwas davon existierte," (S. 291 Z. 1 f.) allerdings ,,sicher nicht an das Maß ihrer Neugier [...] heranreichte“ (S. 291 Z. 2 f.). Andererseits wird natürlich auch die Rolle der Frau behandelt. Nach dem Skandal aufgrund Effis Untreue wird ihr das Sorgerecht des Kindes entzogen (Vgl. S. 291 Z. 12 f.), was absurd erscheint, wenn man bedenkt, dass ihr man sich nun allein um Annie kümmern darf, obwohl er sogar ein Mensch einzig wegen Eitelkeit umgebracht hat. Außerdem schreibt Luise Briest in ihrem Brief selbst, dass sie sich dazu gezwungen fühlt, Effi aus ihrer Familie zu verbannen, um das familiäre Ansehen nicht zu beschmutzen (Vgl. S. 291 Z. 35 - 40). Sie stellt als ihren gesellschaftlichen Status über die Liebe zu ihrem Kind, was jedoch nicht zuletzt an der damaligen Position untreuer Frau liegt. Es wäre eine Schande gewesen, solch einer Ausgestoßenen beizustehen. Es wäre sicher anders gewesen, wenn Familie Briest einen Sohn gehabt hätte, welche sich in der gleichen Lage befände, wenn man bedenkt, dass schon die Ermordung Crampas keinerlei rechtliche oder soziale Konsequenzen für Innstetten mit sich zog. Abschließend lässt sich also sagen, dass durch das erbärmliche Schicksal der Effi Briest die preußischen Geschlechterrollen angefochten werden sollten und zusätzlich weitere Kritik an den steifen und rückständigen Idealen der Preußen ausgeübt wurde.