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Figurencharakterisierung Richard Zurek, In seiner frühen Kindheit ein Garten

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 Figurencharakterisierung - Richard Zurek
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Figurencharakterisierung Richard Zurek, In seiner frühen Kindheit ein Garten. Ausführliche Charakterisierung.

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Figurencharakterisierung - Richard Zurek Richard Zurek ist in dem Roman „In seiner frühen Kindheit ein Garten“ aus dem Jahr 2005 einer der Hauptprotagonisten, welcher die Gründe für den Tod seines Sohnes Oliver Zurek, der bei einer Aktion des Sondereinsatzkommandos auf dem Bahnhof in Kleinen umgekommen ist, herauszufinden versucht und einen endlichen Kampf für Gerechtigkeit wagt. Dabei verändern sich nicht nur seine Beziehungen, sondern auch seine Einstellungen und Werte zu sich selbst, seiner Familie und vor allem dem Staat. Im Folgenden wird die Rolle des Richard Zureks charakterisiert. Richard Zurek wurde im Jahr 1922 in Deutschland geboren und hat Ende Januar Geburtstag (Vgl. S.212, Z.5 + S.216). Am Ende des Romans ist er 76 Jahre alt. Bis zu seiner Pension arbeitet er als Schuldirektor an einem Gymnasium in der Kleinstadt Kleinen, nähe Wiesbaden. In Kleinen lebt er mit seiner verheirateten Frau Friederike Zurek in einem kleinen Einfamilienhaus (Vgl. S.267, Z.5-6). Seine Ehefrau hat er drei Jahre nach dem Krieg bei einem Studentenfasching kennengelernt als er 23 Jahre jung war. Nachdem sie geheiratet hatten, haben sie gemeinsam mit ihren drei Kindern Christin, Heiner und Oliver „in einem kleinen Reihenhaus" (S.266, Z.24) gelebt. In dem dazugehörigen winzigen Garten hat er mit seiner Familie unter anderem Gemüse angebaut und in einem Stall ein paar Tiere gehalten (Vgl....

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S.266-267). Während der Handlung des Romans sind seine Kinder bereits Erwachsen und leben selbstständig, wobei Oliver durch den Konflikt mit dem Staat frühzeitig verstirbt und seine Tochter inzwischen selbst Mutter eines Sohnes ist. Sein einziger Fehltritt ist, als er neben seiner Beziehung zu seiner Frau Friederike eine heimliche zweijährige Affäre mit Susanne Parlitzke führt (S.195f.). Dennoch bleibt ihre Ehe bestehen. Um damals Latein, Deutsch und Physik zu studieren, ist Richard Zurek nach dem Krieg aus seiner Heimatstadt Kassel nach Frankfurt gezogen. In den Siebzigerjahren wurde er dann als Direktor in seinen späteren Wohnort Kleinen berufen, um das Schulansehen des dortigen Gymnasiums aufzuwerten. Nach 37 Arbeitsjahren als angesehener Schuldirektor wurde er pensioniert, obwohl er gern noch ein paar Jahre weitergearbeitet hätte (Vgl. S.214, Z.1-3). Durch seine Beamtentätigkeit als Lehrer bzw. Schuldirektor wurde für eine ausreichende Rente gesorgt (Vgl. S.271, Z.10-12). In dem dritten Jahr seiner Pension verstirbt dann sein Sohn Oliver (S. 23, Z.5+30). Am Anfang des Romans wird beschrieben, dass er eher konservativ gekleidet ist und auf sein Äußeres wert legt. Bei dem Spaziergang durch die Stadt trägt er beispielsweise ein „Jackett“ (S.8, Z.19), ein Mantel und eine Schottenmütze (Vgl. S.9, Z.15f.). Eine Verhaltensweise von ihm ist die geordnete und gepflegte Art. So reizt er diese Eigenschaft fast im übertriebenen Maße aus, sodass man ihn definitiv als gründlich und pflichtbewusst beschreiben kann. Mehrmals kann man diesen Charakterzug nachweisen; so sortiert und heftet er Pressemitteilungen seines verstorbenen Sohns in Sorgfalt und Genauigkeit in einen Ordner ab, ,,den er dann seiner Frau zu[m] [L]esen gibt" (S.116, Z.6), andere wiederum versucht er, vor seiner Frau zu verstecken, in der Sorge, dass sie wieder einen Asthmaanfall, aufgrund der Zeitungsartikel, die ihren Sohn und sie selbst beschimpfen, bekommen könnte. Das zeigt wiederum seine (nicht unbedingte dominante) Art, Fürsorge und Nähe zu zeigen. Ebenso schrieb er seine Fragen zum Bericht der Staatsanwaltschaft säuberlich in das Schulheft (Vgl. S. 127, Z.11). Richard Zurek wird ebenso als stets höflicher, zuvorkommender und aufmerksamer Mensch beschrieben (z. B. als er sich erinnert, seiner Frau zu dem Geburtstag Olivers Blumen zu kaufen und sie sich darüber sehr freut (Vgl. S.270f.)). Seine gute Erziehung lässt sich nicht nur im Verhältnis mit dem Kontakt zu Frauen finden (z. B. auch als er Susanne Parlitzke einen Handkuss gibt und sie „perfekter Gentleman“ erwidert), sondern auch als Autoritätsperson an seiner Schule. Durch seine strenge Erziehung und die Verachtung von Schimpfwörtern tritt er als Respektsperson in seiner damaligen Schule auf, wie man zum Beispiel an den damaligen Schülern erkennen kann, die ihn selbst in der Stadt immer noch mit einem Nicken begrüßen oder als er eine Konversation mit seinem alten Schüler Roland Plöger abhält, um an Information zu Oliver heranzukommen: „Nein, Sie waren ein guter Lehrer, aber streng, sehr streng"(S.13, Z.10). Aber nicht nur dort, sondern eben auch in seiner Familie versucht er, seine Vorstellungen zu vermitteln. Eine andere Eigenschaft von ihm, ist der ständige Drang, Mitmenschen in ihren Aussagen zu verbessern, was ebenfalls auf der Tätigkeit als Lehrer bzw. Schuldirektor rückzuführen ist. Das ständige Rechtsempfinden führt dann dazu, dass die Schuld oft bei anderen gesucht wird. Beispielshalber als er seinen Kaffee auf die Tischdecke schüttet und er seine Frau dafür schuldig macht, indem sie ihn mit Fragen gelöchert hätte, woraufhin sie antwortet: „Dann haben wir ja wieder einen Schuldigen gefunden“ (S.9, Z.4). Zu seiner Frau führt er dennoch eine sehr liebevolle, vertrauenswürdige, auch wenn nicht leidenschaftliche Beziehung, weil sie ihm ebenfalls Kraft gibt. Sie beschreibt sein Auftreten als ,,so bedeutungsvoll [und] so ehrwürdig“ (S.158, Z.7f.). Seine Frau behauptet außerdem, dass er für den Beruf des Lehrers geboren sei und immer mehr getan habe, als nötig bzw. Pflicht gewesen ist. Das zeigt ebenso seinen Ehrgeiz und Fokus. Im Kontrast dazu steht die Beziehung mit seiner Tochter Christin. Als der hoffnungsvolle Moment kam und verkündet wurde, dass Oliver kein Mörder ist, empfand er Glück, seine Tochter jedoch nicht ganz. Sie hat ihn mehrmals gebeten die Sachlage noch mal objektiv zu betrachten. Trotzdem beharrt er auf seiner Meinung und streitet sich weiterhin mit Christin (Vgl. S.222). Richard Zurek würde also lieber noch ein Kind hergeben, als den Prozess für Olivers Gerechtigkeit zu beenden. Somit entwickelt sich die Beziehung zwischen ihm und seiner Tochter immer weiter bergab und er stellt letztendlich fest, dass eine Annäherung zwischen ihren beiden Auffassungen nicht möglich ist. Trotzdem hat er kein Verständnis für die Theorien seines Sohns Oliver, sowohl vor als auch nach dem Tod. Das hat zum einen den Grund, dass er ein Staatsbeamter mit unverbrüchlicher Treue ist, was er ebenso als Lehrer vermittelt. Hinter seinem Sohn steht er aber immer noch, wie in dem Dialog mit seiner Christin auch deutlich wird: „Trotz allem ist und er bleibt mein Sohn“ (S.79, Z.17). Sein Weltbild kommt ins Schwanken, als der Rechtsstaat immer mehr Widersprüche bekennen muss, welcher aber nicht bereit ist, diese wieder auszuräumen. Ab diesem Zeitpunkt sucht er zwanghaft Gründe für den Tod Olivers und seinen Weg dorthin. Gerade dadurch reflektiert er sich immer mehr selbstkritischer und stellt seine Erziehung infrage. In seinem Leben stand fortan die Schuldfrage um Oliver und seine Ursachen. Dass er genau das so oft offen anspricht, lässt klar werden, dass er sich direkt mit dem Problem konfrontiert fühlt und vielleicht damit anfangs überfordert ist. Richard Zureks Versuch die Entwicklung seines Sohns zu verstehen und die Widersprüche der Ereignisse aufzulösen scheitert weitgehend. Mit dem Versuch und dem Schachmatt in der richterlichen Bewertung des Falls muss er sich fortan zufriedengeben. Darum erkennt er unter anderem seinen damaligen geschworenen Eid in der Schule vor versammeltes Publikum wieder ab, denn mit einem Staat, der Fälle nicht wahrheitsgemäß nachstellen kann, will er fortan nichts mehr zu tun haben. So versucht er jedenfalls auf diese Weise, Abschied von seinem Sohn zu nehmen und sich in seinen Sichtweisen auf die Ereignisse zu bestätigen. Nach dem Abschluss des Prozesses lässt er sich lediglich von seiner Frau auf einen neuen Lebensmittelpunkt bringen, ihrer Ehe. Im Endeffekt kann gesagt werden, dass Richard Zureks zwanghafte Suche nach Schuld und seinem Versagen als Vater in Erzieher-Position nicht unbedingt gerechtfertigt ist, aber in der Situation nachvollziehbar er- scheint. Die Person an sich legt während des Romans eine sehr große Entwicklung zurück. Wird er anfangs noch von Staatstreue bzw. Naivität geprägt, hinterfragt er seit dem Vorfall mit seinem Sohn endlich mehr in seinem Leben und auch den Staat an sich.

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In dem dritten Jahr seiner Pension verstirbt dann sein Sohn Oliver (S. 23, Z.5+30). Am Anfang des Romans wird beschrieben, dass er eher konservativ gekleidet ist und auf sein Äußeres wert legt. Bei dem Spaziergang durch die Stadt trägt er beispielsweise ein „Jackett“ (S.8, Z.19), ein Mantel und eine Schottenmütze (Vgl. S.9, Z.15f.). Eine Verhaltensweise von ihm ist die geordnete und gepflegte Art. So reizt er diese Eigenschaft fast im übertriebenen Maße aus, sodass man ihn definitiv als gründlich und pflichtbewusst beschreiben kann. Mehrmals kann man diesen Charakterzug nachweisen; so sortiert und heftet er Pressemitteilungen seines verstorbenen Sohns in Sorgfalt und Genauigkeit in einen Ordner ab, ,,den er dann seiner Frau zu[m] [L]esen gibt" (S.116, Z.6), andere wiederum versucht er, vor seiner Frau zu verstecken, in der Sorge, dass sie wieder einen Asthmaanfall, aufgrund der Zeitungsartikel, die ihren Sohn und sie selbst beschimpfen, bekommen könnte. Das zeigt wiederum seine (nicht unbedingte dominante) Art, Fürsorge und Nähe zu zeigen. Ebenso schrieb er seine Fragen zum Bericht der Staatsanwaltschaft säuberlich in das Schulheft (Vgl. S. 127, Z.11). Richard Zurek wird ebenso als stets höflicher, zuvorkommender und aufmerksamer Mensch beschrieben (z. B. als er sich erinnert, seiner Frau zu dem Geburtstag Olivers Blumen zu kaufen und sie sich darüber sehr freut (Vgl. S.270f.)). Seine gute Erziehung lässt sich nicht nur im Verhältnis mit dem Kontakt zu Frauen finden (z. B. auch als er Susanne Parlitzke einen Handkuss gibt und sie „perfekter Gentleman“ erwidert), sondern auch als Autoritätsperson an seiner Schule. Durch seine strenge Erziehung und die Verachtung von Schimpfwörtern tritt er als Respektsperson in seiner damaligen Schule auf, wie man zum Beispiel an den damaligen Schülern erkennen kann, die ihn selbst in der Stadt immer noch mit einem Nicken begrüßen oder als er eine Konversation mit seinem alten Schüler Roland Plöger abhält, um an Information zu Oliver heranzukommen: „Nein, Sie waren ein guter Lehrer, aber streng, sehr streng"(S.13, Z.10). Aber nicht nur dort, sondern eben auch in seiner Familie versucht er, seine Vorstellungen zu vermitteln. Eine andere Eigenschaft von ihm, ist der ständige Drang, Mitmenschen in ihren Aussagen zu verbessern, was ebenfalls auf der Tätigkeit als Lehrer bzw. Schuldirektor rückzuführen ist. Das ständige Rechtsempfinden führt dann dazu, dass die Schuld oft bei anderen gesucht wird. Beispielshalber als er seinen Kaffee auf die Tischdecke schüttet und er seine Frau dafür schuldig macht, indem sie ihn mit Fragen gelöchert hätte, woraufhin sie antwortet: „Dann haben wir ja wieder einen Schuldigen gefunden“ (S.9, Z.4). Zu seiner Frau führt er dennoch eine sehr liebevolle, vertrauenswürdige, auch wenn nicht leidenschaftliche Beziehung, weil sie ihm ebenfalls Kraft gibt. Sie beschreibt sein Auftreten als ,,so bedeutungsvoll [und] so ehrwürdig“ (S.158, Z.7f.). Seine Frau behauptet außerdem, dass er für den Beruf des Lehrers geboren sei und immer mehr getan habe, als nötig bzw. Pflicht gewesen ist. Das zeigt ebenso seinen Ehrgeiz und Fokus. Im Kontrast dazu steht die Beziehung mit seiner Tochter Christin. Als der hoffnungsvolle Moment kam und verkündet wurde, dass Oliver kein Mörder ist, empfand er Glück, seine Tochter jedoch nicht ganz. Sie hat ihn mehrmals gebeten die Sachlage noch mal objektiv zu betrachten. Trotzdem beharrt er auf seiner Meinung und streitet sich weiterhin mit Christin (Vgl. S.222). Richard Zurek würde also lieber noch ein Kind hergeben, als den Prozess für Olivers Gerechtigkeit zu beenden. Somit entwickelt sich die Beziehung zwischen ihm und seiner Tochter immer weiter bergab und er stellt letztendlich fest, dass eine Annäherung zwischen ihren beiden Auffassungen nicht möglich ist. Trotzdem hat er kein Verständnis für die Theorien seines Sohns Oliver, sowohl vor als auch nach dem Tod. Das hat zum einen den Grund, dass er ein Staatsbeamter mit unverbrüchlicher Treue ist, was er ebenso als Lehrer vermittelt. Hinter seinem Sohn steht er aber immer noch, wie in dem Dialog mit seiner Christin auch deutlich wird: „Trotz allem ist und er bleibt mein Sohn“ (S.79, Z.17). Sein Weltbild kommt ins Schwanken, als der Rechtsstaat immer mehr Widersprüche bekennen muss, welcher aber nicht bereit ist, diese wieder auszuräumen. Ab diesem Zeitpunkt sucht er zwanghaft Gründe für den Tod Olivers und seinen Weg dorthin. Gerade dadurch reflektiert er sich immer mehr selbstkritischer und stellt seine Erziehung infrage. In seinem Leben stand fortan die Schuldfrage um Oliver und seine Ursachen. Dass er genau das so oft offen anspricht, lässt klar werden, dass er sich direkt mit dem Problem konfrontiert fühlt und vielleicht damit anfangs überfordert ist. Richard Zureks Versuch die Entwicklung seines Sohns zu verstehen und die Widersprüche der Ereignisse aufzulösen scheitert weitgehend. Mit dem Versuch und dem Schachmatt in der richterlichen Bewertung des Falls muss er sich fortan zufriedengeben. Darum erkennt er unter anderem seinen damaligen geschworenen Eid in der Schule vor versammeltes Publikum wieder ab, denn mit einem Staat, der Fälle nicht wahrheitsgemäß nachstellen kann, will er fortan nichts mehr zu tun haben. So versucht er jedenfalls auf diese Weise, Abschied von seinem Sohn zu nehmen und sich in seinen Sichtweisen auf die Ereignisse zu bestätigen. Nach dem Abschluss des Prozesses lässt er sich lediglich von seiner Frau auf einen neuen Lebensmittelpunkt bringen, ihrer Ehe. Im Endeffekt kann gesagt werden, dass Richard Zureks zwanghafte Suche nach Schuld und seinem Versagen als Vater in Erzieher-Position nicht unbedingt gerechtfertigt ist, aber in der Situation nachvollziehbar er- scheint. Die Person an sich legt während des Romans eine sehr große Entwicklung zurück. Wird er anfangs noch von Staatstreue bzw. Naivität geprägt, hinterfragt er seit dem Vorfall mit seinem Sohn endlich mehr in seinem Leben und auch den Staat an sich.