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Interpretation Bahnwärter Thiel (Auszuge aus dem letzten Kapitel)

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 Bahnwärter Thiel - Interpretation eines epischen Textes
Handys, Computer, Fernseher, usw. sind gerade zur Zeit der globalen
Corona Krise wi

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die Interpretation eines Auszugs aus dem letzten Kapitel von Bahnwärter Thiel

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Bahnwärter Thiel - Interpretation eines epischen Textes Handys, Computer, Fernseher, usw. sind gerade zur Zeit der globalen Corona Krise wichtiger denn je. Es ist für die meisten unvorstellbar ohne digitale Medien zu leben. Dabei gibt es diese Geräte noch nicht allzu lange. Erinnern wir uns an die industrielle Revolution um 1800, wo immer mehr und mehr Maschinen erfunden wurde, die die Arbeit vieler Menschen übernommen haben und die Menschheit damit jeden Tag abhängiger von sich gemacht haben. Genau dieses Thema behandelt der wichtigste Vertreter des Naturalismus, Gerhart Hauptmann in seinem kurzen Roman "Bahnwärter Thiel" veröffentlicht im Jahr 1887. In diesem Roman geht es um einen Bahnwärter, der seit Jahren zuverlässig seiner Arbeit nachgeht. Dieser hat mit seiner ersten Frau Minna einen Sohn namens Tobias. Nachdem sie stirbt, heiratet er Lene aus praktischen Gründen, wie etwa die Betreuung von Tobias. Mit Lene bekommt er ein weiteres Kind. Während seiner Arbeitszeit kümmert sich Lene um beide Kinder. Allerdings behandelt sie Tobias schlecht, wogegen Thiel nichts unternimmt, weil er von ihr abhängig ist. Eines Tages als Thiel bei der Arbeit ist und Tobias befindet sich bei Lene, welche nicht besonders gut auf ihn achtet. So kommt es dazu, dass Tobias auf den Gleisen spielt und unter den fahrenden Zug gerät. Nachdem Tobias stirbt, verliert Thiel den Verstand und tötet Lene und das gemeinsame...

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Kind mit ihr, woraufhin er in eine Psychiatrie eingewiesen wird. Der vorliegende Textauszug ist aus dem letzten Kapitel und fängt kurz vor dem Unfall an. Thematisch ist der Abschnitt in sechs Sinnabschnitten einzuteilen. Die Erzählsituation ist eine auktoriale Er- Sie Erzähler mit einen Erzählstandort außerhalb des Geschehens und einem überwiegend allwissenden Erzählverhalten mit einer Übersicht über die Innen- und Außensicht. Insgesamt sind kaum Spuren des Erzählwerdens oder Leserlenkungen mit wenigen Ausnahmen zu finden. Die Geschichte wird chronologisch und mit einer Ausnahme bei zeitraffend erzählt. Insgesamt ist die Sprache sehr einfach, realistisch und naturgetreu für die Zeit gehalten. Im ersten Abschnitt von Zeile 1 bis 8 wird zunächst der Zug beschrieben. Schon am Anfang dieses Kapitels wird nicht nur klar, dass der Zug eine wichtige Rolle in der gesamten Geschichte, sondern auch für den weiteren Verlauf spielt. Dieser wird stets mit sehr kräftigen Adjektiven ausgemalt (vgl. Z. 4 f.). Diese Beschreibungen verdeutlichen Hoffmanns Stellung zu den neuen Maschinen der Industrialisierung bereits am Anfang des Textabschnittes, welche durch den Zug in seinem Werk symbolisiert werden. Besonders durch die Klimax in Zeile 8“ kurz, grell, beängstigend" wird die Spannung durch das Annähern des Zuges gesteigert und Erregung beim Zuhörer bzw. Leser erzeugt. Der Bahnwärter sieht zwar, dass etwas passiert, kann allerdings nichts unmittelbar unternehmen, was die Machtlosigkeit des Menschen gegenüber den Maschinen verdeutlicht. In dem darauffolgenden Abschnitt von Zeile 9 bis 48 geschieht der Unfall. Nichtsahnend versucht Thiel herauszufinden, was unter seiner Beaufsichtigung der Gleise passiert ist (vgl. Z. 32 "Was gibt's?"). Thiel findet zwar heraus, dass ein Junge von dem Zug angefahren wurde, weiß aber noch nicht, dass es sich um Tobias handelt. Es lässt sich vermuten, dass Thiel es erahnt und stets hofft, dass der Betroffene nicht der eigene Sohn ist. Das wird zum einen an seiner Reaktion bei der Begegnung mit Lene an den Gleisen (vgl. Z. 28 f) und zum anderen an seiner Angst bei der Annäherung der Unfallstelle (vgl. Z. 39 f) deutlich. Nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich gestaltet Hoffmann diese Stelle besonders spannend. Vor allem der überwiegend parataktische Satzbau lässt die Spannung wachsen. Dies vermittelt dem Leser Sprachlosigkeit und die Hektik der Situation. Die kurze Figurenrede in Zeilen 31 bis 33, welche sehr kurze Sätze mit Ellipsen beinhaltet sorgt für ein Gefühl der Nähe zu Geschehen beim Leser. Durch das Fehlen der Erzählerkommentare an dieser Stelle bekommt der Leser zudem alles zeitdeckend mit und es wird erneut höchste Spannung erzeugt. Auch bei der Erzählperspektive gibt es in diesem Abschnitt Ausnahmen, die zur Steigung der Spannung und der Emotionalität führen. Zum einen in Zeile 28/29 (vgl. "Wer war das?!”- “Lene?! Es war nicht ihre Stimme und doch…..”) und zum anderen in Zeile 45 (vgl. “Was geht's ihn an?") weicht die Erzählperspektive von dem Rest. Hier sieht es so aus, als würde Thiel sprechen und nicht der allwissende Erzähler wie im Rest der Geschichte. In dem Abschnitt danach wird es Thiel bewusst, dass es sich bei dem Opfer um Tobias, seinem Sohn handelt. Auch an dieser Stelle dramatisiert Hauptmann die Situation der Identifikation des Sohnes mit einer Klimax (vgl. Z. 49 “blass, schlaff, blutrünstig"). Mit dem kurzen Satz in Zeile 51 "Er ist es.” realisiert Thiel endgültig, dass es sich um seinen Sohn handelt und seine Hektik und die Spannung nehmen zunächst ab. Das wird auch daran deutlich, dass im weiteren Verlauf nur noch wenige Parataxen zu erkennen sind. Thiel hofft, dass man sein Kind noch retten kann und geht zu seinem Wärterhaus. Im weiteren Verlauf des Abschnittes wird zunächst eine sehr düstere Atmosphäre beschrieben, die nicht nur Thiels Stimmung, sondern eventuell auch Hauptmanns Weltbild verdeutlichen (vgl. Z. 52-55). Am Ende des Abschnitts bis Zeile 65 dreht sich der Text wieder um den Zug. Der Zug scheint sehr wichtig zu sein, da er nicht nur "überall anhalten darf" (vgl. Z. 60), sondern auch das wichtigste Transportmittel der Arbeiter ist (vgl. Z. 60 ff.). Auch an dieser Stelle spricht Hoffmann die Industrialisierung und die schnell entstandene Abhängigkeit der Menschen von den Maschinen an. Am Anfang des vierten Abschnittes von Zeile 66 bis 93 erfährt Thiel von dem Tod seines Sohnes (vgl. Z. 67). Zunächst wird Thiels Zustand der Trauer detailliert (vgl. Z. 71 ff) beschrieben. Auch der Satz in Zeile 77 "Eine Weile herrschte unheimliche Stille" beschreibt die Stimmung Thiels. Nach diesem Satz folgen erneut parataktische Sätze bis der Zug diese "unterbricht" (vgl. Z. 81 ff). An dieser Stelle will der Zug, der all die Trauer verursacht hat, wegfahren und Thiel hinter sich lassen, woraufhin Thiel zusammenbricht (vgl. 83 f.). Während Thiel bewusstlos ist, entscheiden die anderen, ihn mit der Bahre nach Hause zu bringen. Diese Entscheidung wird für Thiel getroffen ohne dass er etwas dazu sagen kann. Dies verdeutlicht noch einmal die Hilflosigkeit des Individuums aus Hoffmanns Sicht. Vor allem die entschlossene Aussage "Und so geschah es." verdeutlicht die Übernahme dieser Entscheidung. Die Menschen denken praktisch, weshalb niemand Thiel ins Krankenhaus bringt oder bei der Familie bleibt. Es geht ihnen lediglich darum eine schnelle Lösung zu finden, die Situation zu beseitigen. Im nächsten und vorletzten Abschnitt bringen die Männer die Leiche von Tobias nach Hause und finden dabei die leblosen Körper von Lene und ihrem Kind. Sofort bezeichnen sie Thiel als "Mörder" (vgl. Z. 101 & Z. 104) und verurteilen ihn binnen Sekunden. Auch an dieser Stelle wird nachdem die Nachbarn den Mord realisieren, (ab Zeile 101) durch das Verwenden von kurzen, parataktischen Sätzen die Spannung erneut gesteigert. Schließlich wird im letzten Abschnitt von Zeile 108 bis zum Ende der Bahnwärter zunächst gesucht, der verschwunden ist. Diesen findet man zwischen den Bahngleisen an der Stelle, wo der Unfall passiert ist mit dessen Mütze in der Hand. Thiel hat die letzte Hoffnung und die letzte Person von seinem alten Leben mit Minna verloren und hält nun die Mütze des verstorbenen Sohnes so fest als würde es Tobias selbst sein (vgl. Z. 112 f.). Thiel spricht weder mit jemandem, noch bewegt er sich von den Gleisen, obwohl ein Zug ihn überfahren könnte. Erst nachdem ein Zug anhält und das Personal mithilft, löst man ihn mit Gewalt von den Gleisen. An dieser Stelle wird Thiel vom Erzähler als "Kranken" (vgl. Z. 121) und nicht etwa Mörder bezeichnet. Das zeigt Hauptmanns Haltung gegenüber Thiels Tat. Er sieht ihn nicht etwa als einen Mörder mit bösen Absichten, sondern einen psychisch Kranken, der nicht bewusst gehandelt hat. Am Ende der Geschichte wird Thiel in eine Psychiatrie eingewiesen, wo er immer noch die Mütze von Tobias mit sich führt und sie so bewacht wie er hätte Tobias beschützen müssen (vgl. Z. 127 ff.). Insgesamt spricht Hoffmann mit seinem naturalistischen Roman "Bahnwärter Thiel" die Folgen der Industrialisierung und die Hilflosigkeit des Individuums beginnend mit dieser Zeit an. Durch die Analyse des Textauszuges wird die anfangs genannte Hypothese bestätigt. Der Zug, der die Industrialisierung symbolisch darstellt, wirft Thiel aus der Bahn des Lebens. Hauptmann lässt seinen Figuren keine Möglichkeit zu entkommen. Der Protagonist der Geschichte hat nichts Falsches gemacht und ist stets seiner Arbeit vorbildlich nachgegangen. Trotzdem trifft ihn das Schicksal mit dem Schlimmsten. Gerhart Hoffmann war der wichtigste Vertreter des Naturalismus, in dem die Wirklichkeit objektiv und ungeschönt wiedergegeben wird. So wird auch die Industrialisierung mit ihren dunkelsten Seiten in diesem Roman gezeigt. Es stellt sich dennoch die Frage, ob Hauptmann wirklich die Absicht hatte, objektiv diese Zeit zu thematisieren oder ob seine Intention eher Kritik an der schnell voranschreitenden industriellen Revolution auszuüben war.

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Z. 4 f.). Diese Beschreibungen verdeutlichen Hoffmanns Stellung zu den neuen Maschinen der Industrialisierung bereits am Anfang des Textabschnittes, welche durch den Zug in seinem Werk symbolisiert werden. Besonders durch die Klimax in Zeile 8“ kurz, grell, beängstigend" wird die Spannung durch das Annähern des Zuges gesteigert und Erregung beim Zuhörer bzw. Leser erzeugt. Der Bahnwärter sieht zwar, dass etwas passiert, kann allerdings nichts unmittelbar unternehmen, was die Machtlosigkeit des Menschen gegenüber den Maschinen verdeutlicht. In dem darauffolgenden Abschnitt von Zeile 9 bis 48 geschieht der Unfall. Nichtsahnend versucht Thiel herauszufinden, was unter seiner Beaufsichtigung der Gleise passiert ist (vgl. Z. 32 "Was gibt's?"). Thiel findet zwar heraus, dass ein Junge von dem Zug angefahren wurde, weiß aber noch nicht, dass es sich um Tobias handelt. Es lässt sich vermuten, dass Thiel es erahnt und stets hofft, dass der Betroffene nicht der eigene Sohn ist. Das wird zum einen an seiner Reaktion bei der Begegnung mit Lene an den Gleisen (vgl. Z. 28 f) und zum anderen an seiner Angst bei der Annäherung der Unfallstelle (vgl. Z. 39 f) deutlich. Nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich gestaltet Hoffmann diese Stelle besonders spannend. Vor allem der überwiegend parataktische Satzbau lässt die Spannung wachsen. Dies vermittelt dem Leser Sprachlosigkeit und die Hektik der Situation. Die kurze Figurenrede in Zeilen 31 bis 33, welche sehr kurze Sätze mit Ellipsen beinhaltet sorgt für ein Gefühl der Nähe zu Geschehen beim Leser. Durch das Fehlen der Erzählerkommentare an dieser Stelle bekommt der Leser zudem alles zeitdeckend mit und es wird erneut höchste Spannung erzeugt. Auch bei der Erzählperspektive gibt es in diesem Abschnitt Ausnahmen, die zur Steigung der Spannung und der Emotionalität führen. Zum einen in Zeile 28/29 (vgl. "Wer war das?!”- “Lene?! Es war nicht ihre Stimme und doch…..”) und zum anderen in Zeile 45 (vgl. “Was geht's ihn an?") weicht die Erzählperspektive von dem Rest. Hier sieht es so aus, als würde Thiel sprechen und nicht der allwissende Erzähler wie im Rest der Geschichte. In dem Abschnitt danach wird es Thiel bewusst, dass es sich bei dem Opfer um Tobias, seinem Sohn handelt. Auch an dieser Stelle dramatisiert Hauptmann die Situation der Identifikation des Sohnes mit einer Klimax (vgl. Z. 49 “blass, schlaff, blutrünstig"). Mit dem kurzen Satz in Zeile 51 "Er ist es.” realisiert Thiel endgültig, dass es sich um seinen Sohn handelt und seine Hektik und die Spannung nehmen zunächst ab. Das wird auch daran deutlich, dass im weiteren Verlauf nur noch wenige Parataxen zu erkennen sind. Thiel hofft, dass man sein Kind noch retten kann und geht zu seinem Wärterhaus. 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An dieser Stelle will der Zug, der all die Trauer verursacht hat, wegfahren und Thiel hinter sich lassen, woraufhin Thiel zusammenbricht (vgl. 83 f.). Während Thiel bewusstlos ist, entscheiden die anderen, ihn mit der Bahre nach Hause zu bringen. Diese Entscheidung wird für Thiel getroffen ohne dass er etwas dazu sagen kann. Dies verdeutlicht noch einmal die Hilflosigkeit des Individuums aus Hoffmanns Sicht. Vor allem die entschlossene Aussage "Und so geschah es." verdeutlicht die Übernahme dieser Entscheidung. Die Menschen denken praktisch, weshalb niemand Thiel ins Krankenhaus bringt oder bei der Familie bleibt. Es geht ihnen lediglich darum eine schnelle Lösung zu finden, die Situation zu beseitigen. Im nächsten und vorletzten Abschnitt bringen die Männer die Leiche von Tobias nach Hause und finden dabei die leblosen Körper von Lene und ihrem Kind. Sofort bezeichnen sie Thiel als "Mörder" (vgl. Z. 101 & Z. 104) und verurteilen ihn binnen Sekunden. 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Er sieht ihn nicht etwa als einen Mörder mit bösen Absichten, sondern einen psychisch Kranken, der nicht bewusst gehandelt hat. Am Ende der Geschichte wird Thiel in eine Psychiatrie eingewiesen, wo er immer noch die Mütze von Tobias mit sich führt und sie so bewacht wie er hätte Tobias beschützen müssen (vgl. Z. 127 ff.). Insgesamt spricht Hoffmann mit seinem naturalistischen Roman "Bahnwärter Thiel" die Folgen der Industrialisierung und die Hilflosigkeit des Individuums beginnend mit dieser Zeit an. Durch die Analyse des Textauszuges wird die anfangs genannte Hypothese bestätigt. Der Zug, der die Industrialisierung symbolisch darstellt, wirft Thiel aus der Bahn des Lebens. Hauptmann lässt seinen Figuren keine Möglichkeit zu entkommen. Der Protagonist der Geschichte hat nichts Falsches gemacht und ist stets seiner Arbeit vorbildlich nachgegangen. Trotzdem trifft ihn das Schicksal mit dem Schlimmsten. Gerhart Hoffmann war der wichtigste Vertreter des Naturalismus, in dem die Wirklichkeit objektiv und ungeschönt wiedergegeben wird. So wird auch die Industrialisierung mit ihren dunkelsten Seiten in diesem Roman gezeigt. Es stellt sich dennoch die Frage, ob Hauptmann wirklich die Absicht hatte, objektiv diese Zeit zu thematisieren oder ob seine Intention eher Kritik an der schnell voranschreitenden industriellen Revolution auszuüben war.