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Kalendergeschichte ,,Der geheilte Patient"

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11/12/10

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Arbeitsblatt zu der Kalendergeschichte ,,Der geheilte Patient "

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123 + 2 Reiche Leute haben trotz ihrer gelben Vögel doch manchmal auch allerlei Lasten und Krankheiten auszustehen, von denen gottlob der arme Mann nichts weiß, denn es gibt Krankheiten, die nicht in der Luft stecken, sondern in den vollen Schüsseln und Gläsern und in den weichen Sesseln und seidenen Betten, wie jener reiche Amsterdamer ein Wort davon reden kann. Den ganzen Vormittag saß er im Lehnsessel und rauchte Tabak, wenn er nicht zu faul war, oder hatte Maulaffen feil zum Fenster hinaus, aß aber zu Mittag doch wie ein Drescher, und die Nachbarn sagten manchmal: »Windet's draußen oder schnauft der Nachbar so?«< Den ganzen Nachmittag aß und trank er ebenfalls bald etwas Kaltes, bald etwas 5 6 7 8 9 Warmes, ohne Hunger und ohne Appetit, aus lauter Langeweile bis an den Abend, so dass 10 man bei ihm nie recht sagen konnte, wo das Mittagessen aufhörte und wo das Nachtessen 11 anfing. Nach dem Nachtessen legte er sich ins Bett und war so müd, als wenn er den ganzen 12 Tag Steine abgeladen oder Holz gespalten hätte. Davon bekam er zuletzt einen dicken Leib, der so unbeholfen war wie ein Sack. Essen und Schlaf wollten ihm nimmer schmecken, und er war lange Zeit, wie es manchmal geht, nicht recht gesund und nicht recht krank; wenn man aber ihn...

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selber hörte, so hatte er 365 Krankheiten, nämlich alle Tage eine andere. 4 | 13 14 15 678922 16 Alle Ärzte, die in Amsterdam sind, mussten ihm raten. Er verschluckte ganze Feuereimer voll 17 Mixturen und ganze Schaufeln voll Pulver und Pillen wie Enteneier so groß, und man nannte ihn zuletzt scherzweise nur die zweibeinige Apotheke. Aber alles Doktern half ihm nichts, 19 denn er befolgte nicht, was ihm die Ärzte befahlen, sondern sagte: »Wofür bin ich ein reicher 20 Mann, wenn ich leben soll wie ein Hund, und der Doktor will mich nicht gesund machen für mein Geld?<«<< 18 21 22 23 Thema: Formen epischer Texte und deren Analyse Endlich hörte er von einem Arzt, der hundert Stunden weit weg wohnte, der sei so geschickt, dass die Kranken gesund würden, wenn er sie nur recht anschaue, und der Tod geh' ihm aus dem Wege, wo er sich sehen lasse. Zu dem Arzt fasste der Mann ein Zutrauen und schrieb ihm seinen Umstand. Der Arzt merkte bald, was ihm fehlte, nämlich nicht Arznei, sondern Mäßigkeit und Bewegung, und sagte: »Wart', dich will ich bald kuriert haben.« Deswegen schrieb er ihm ein Brieflein folgenden Inhalts: »Guter_Freund, Ihr habt einen schlimmen Umstand, doch wird Euch zu helfen sein, wenn Ihr folgen wollt. Ihr habt ein böses Tier im Bauch, einen Lindwurm mit sieben Mäulern. Mit dem Lindwurm muss ich selber reden, und Ihr müsst zu mir kommen. Aber für's erste, so dürft Ihr nicht fahren oder auf dem Rößlein reiten, sondern auf des Schuhmachers Rappen, sonst schüttelt Ihr den Lindwurm, und er beißt Euch die Eingeweide ab, sieben Därme auf einmal ganz entzwei. Fürs andere dürft Ihr nicht mehr essen als zweimal des Tages einen Teller voll Gemüs, mittags ein Bratwürstlein dazu, und nachts ein Ei, und am Morgen ein Fleischsüpplein mit Schnittlauch drauf. Was Ihr mehr esset, davon wird nur der Lindwurm grösser, so dass er Euch die Leber verdrückt, und der Schneider hat Euch nimmer viel anzumessen, aber der Schreiner. Dies ist mein Rat, und wenn Ihr mir nicht folgt, so hört Ihr im anderen Frühjahr den Kuckuck nimmer schreien. Tut, was 38 Ihr wollt!<< Als der Patient so mit sich reden hörte, ließ er sich sogleich den anderen Morgen 39 die Stiefel salben und machte sich auf den Weg, wie ihm der Doktor befohlen hatte. Den ersten Tag ging es so langsam, dass eine Schnecke hätte können sein Vorreiter sein, und wer ihn grüßte, dem dankte er nicht, und wo ein Würmlein auf der Erde kroch, das zertrat er. Aber schon am zweiten und am dritten Morgen kam es ihm vor, als wenn die Vögel schon lange nimmer so lieblich gesungen hätten, und der Tau schien ihm so frisch und die Kornrosen im Felde so rot, und alle Leute, die ihm begegneten, sahen so freundlich aus, und 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 Kalendergeschichte Der geheilte Patient Johann Peter Hebel (1811) 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 નબળ 57 58 59 60 er auch; und alle Morgen, wenn er aus der Herberge ausging, war's schöner, und er ging leichter und munterer dahin, und als er am achtzehnten Tage in der Stadt des Arztes ankam und den anderen Morgen aufstand, war es ihm so wohl, dass er sagte: »Ich hätte zu keiner ungeschickteren Zeit können gesund werden als jetzt, wo ich zum Doktor soll. Wenn's mir doch nur ein wenig in den Ohren brauste, oder das Herzwasser lief' mir.« Als er zum Doktor kam, nahm ihn der Doktor bei der Hand und sagte ihm: »Jetzt erzählt mir denn noch einmal von Grund aus, was Euch fehlt.« Da sagte er: »Herr Doktor, mir fehlt gottlob nichts, und wenn Ihr so gesund seid wie ich, so soll's mich freuen.<< Der Doktor sagte: »Das hat Euch ein guter Geist geraten, dass Ihr meinem Rat gefolgt habt. Der Lindwurm ist jetzt abgestanden. Aber Ihr habt noch Eier im Leib, deswegen müsst Ihr wieder zu Fuß heimgehen und daheim fleißig Holz sägen und nicht mehr essen, als Euch der Hunger ermahnt, damit die Eier nicht ausschlupfen, so könnt Ihr ein alter Mann werden«<, und lächelte dazu. Aber der reiche Fremdling sagte: »Herr Doktor, Ihr seid ein feiner Kauz, und ich versteh Euch wohl'<<, und hat nachher dem Rat gefolgt und siebenundachtzig Jahre, vier Monate, zehn Tage gelebt, wie ein Fisch im Wasser so gesund, und hat alle Neujahr dem Arzt zwanzig Dublonen zum Gruß geschickt. AUFGABEN ZUM TEXTVERSTÄNDNIS 1. Am Anfang der Geschichte heißt es, es gebe „Krankheiten, die nicht in der Luft" stecken, ,,sondern in den vollen Schüsseln und Gläsern". Erklären Sie in eigenen Worten, was mit dieser Aussage gemeint ist. Bei dieser Aussage ist eine Essstörung gemeint. Diese Krankheit ist nicht unbedingt sichtbar und ist auf keinen Fall ansteckend. Sie schwebt nicht wie Bakterien durch die Luft. Die Krankheit entsteht durch volle Schüsseln von Essen und vollen Gläsern mit Trinken. 2. Weshalb ist die Aussage des reichen Mannes in Z. 19-21 eine zentrale Stelle des Textes? Diese Stelle der Geschichte ist die sogenannte Pionte. Hier wendet sich die Geschichte und soll den Menschen belehren 3. Beurteilen Sie die folgende These: Der Patient in dieser Geschichte ist ein Hypochonder. Ein Hypohonder ist jemand, welcher sich eine Krankheit ausdenkt. Der Mann in der Geschichte ist meiner Meinung nach jedoch kein Hypochonder. Seine Krankheit existiert wirklich, jedoch wird von den ersten Ärzten nicht richtig wahrgenommen. Der letzte Arzt erkennt seine Krankheit jedoch sofort und versucht ihn durch einen Trik aus dieser Essstörung heraus zu holen. 4. Beschreiben Sie, welche Strategie der Arzt bei seinem Patienten verfolgt. Der Arzt erkennt das Problem des Patienten direkt und versucht ihn durch eine Anrede auf Freundschaftlicher Ebene ihm ein Rat zu geben. Er trickst in aus, in dem er sagt,,Ihr habt ein böses Tier im Bauch" (Z.28-29). Er verschreibt ihm nicht irgendwelche Medikamente, sondern versucht ihn durch einen Vernünftigen Rat auf die Richtige Bahn zu lenken. Er schockiert ihn mit dem Tot. 5. Könnte man sagen, dass in dieser Geschichte schlussendlich Arzt und Patient einander durchschaut haben? Begründen Sie. An der letzten Aussage des Patienten kann man erkennen, dass er den Arzt durchschaut hat, jedoch ist der Patient dem Arzt nicht böse, sondern ganz im Gegenteil sehr glücklich. 6. Diese Geschichte von Johann Peter Hebel ist über zweihundert Jahre alt. Wähle vier Beispiele aus dem Text aus, welche eine gewisse Altertümlichkeit des Textes belegen, und erklären Sie, was sie bedeuten. Die erste Stelle befindet sich in den Zeilen 6 und 7. Hier heißt es,,oder hatte Maulaffen feil zum Fenster hinaus, aß aber zu Mittag doch wie ein Dresher". Es bedeutet, dass der Mann den ganzen Tag nur aus dem Fenster gaffte und zum Mittag dann aber so viel aß, dass selbst ein Mähdrescher nicht so viel Dresden würde. Es ist eine starke Hyperbel.Meine Nächste Textstelle befindet sich in den Textzeilen 16 bis 19. Hier heißt es,, Er verschluckt ganze Feuereimer voll Mixturen und ganze Schaufeln.... nur die zweibeinige Apotheke. Hier wird einfach gemeint, das die Ärzte im so viele unterschiedliche und unnötige Tabletten gaben, so das es schon fast eine Apotheke ist. In einer Apotheke werden, wie in ihm, auch viele Medikamente gelagert 7. „Dieser Text ist auch vom Inhalt her altertümlich und passt nicht mehr in unsere heutige Zeit“. Beziehe Stellung zu dieser Aussage. Zu dieser Zeit waren Psychische Krankheiten noch nicht so erforscht und bekannt. Heute jedoch sind die Ärzte viel weiter entwickelt und würden den Patienten nicht direkt mit Medikamenten voll pumpen. Außerdem wäre es heutzutage sicher Strafbar eine gewollte Fehldiagnose zu stellen.

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Der Arzt merkte bald, was ihm fehlte, nämlich nicht Arznei, sondern Mäßigkeit und Bewegung, und sagte: »Wart', dich will ich bald kuriert haben.« Deswegen schrieb er ihm ein Brieflein folgenden Inhalts: »Guter_Freund, Ihr habt einen schlimmen Umstand, doch wird Euch zu helfen sein, wenn Ihr folgen wollt. Ihr habt ein böses Tier im Bauch, einen Lindwurm mit sieben Mäulern. Mit dem Lindwurm muss ich selber reden, und Ihr müsst zu mir kommen. Aber für's erste, so dürft Ihr nicht fahren oder auf dem Rößlein reiten, sondern auf des Schuhmachers Rappen, sonst schüttelt Ihr den Lindwurm, und er beißt Euch die Eingeweide ab, sieben Därme auf einmal ganz entzwei. Fürs andere dürft Ihr nicht mehr essen als zweimal des Tages einen Teller voll Gemüs, mittags ein Bratwürstlein dazu, und nachts ein Ei, und am Morgen ein Fleischsüpplein mit Schnittlauch drauf. Was Ihr mehr esset, davon wird nur der Lindwurm grösser, so dass er Euch die Leber verdrückt, und der Schneider hat Euch nimmer viel anzumessen, aber der Schreiner. Dies ist mein Rat, und wenn Ihr mir nicht folgt, so hört Ihr im anderen Frühjahr den Kuckuck nimmer schreien. Tut, was 38 Ihr wollt!<< Als der Patient so mit sich reden hörte, ließ er sich sogleich den anderen Morgen 39 die Stiefel salben und machte sich auf den Weg, wie ihm der Doktor befohlen hatte. Den ersten Tag ging es so langsam, dass eine Schnecke hätte können sein Vorreiter sein, und wer ihn grüßte, dem dankte er nicht, und wo ein Würmlein auf der Erde kroch, das zertrat er. Aber schon am zweiten und am dritten Morgen kam es ihm vor, als wenn die Vögel schon lange nimmer so lieblich gesungen hätten, und der Tau schien ihm so frisch und die Kornrosen im Felde so rot, und alle Leute, die ihm begegneten, sahen so freundlich aus, und 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 Kalendergeschichte Der geheilte Patient Johann Peter Hebel (1811) 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 નબળ 57 58 59 60 er auch; und alle Morgen, wenn er aus der Herberge ausging, war's schöner, und er ging leichter und munterer dahin, und als er am achtzehnten Tage in der Stadt des Arztes ankam und den anderen Morgen aufstand, war es ihm so wohl, dass er sagte: »Ich hätte zu keiner ungeschickteren Zeit können gesund werden als jetzt, wo ich zum Doktor soll. 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Aber der reiche Fremdling sagte: »Herr Doktor, Ihr seid ein feiner Kauz, und ich versteh Euch wohl'<<, und hat nachher dem Rat gefolgt und siebenundachtzig Jahre, vier Monate, zehn Tage gelebt, wie ein Fisch im Wasser so gesund, und hat alle Neujahr dem Arzt zwanzig Dublonen zum Gruß geschickt. AUFGABEN ZUM TEXTVERSTÄNDNIS 1. Am Anfang der Geschichte heißt es, es gebe „Krankheiten, die nicht in der Luft" stecken, ,,sondern in den vollen Schüsseln und Gläsern". Erklären Sie in eigenen Worten, was mit dieser Aussage gemeint ist. Bei dieser Aussage ist eine Essstörung gemeint. Diese Krankheit ist nicht unbedingt sichtbar und ist auf keinen Fall ansteckend. Sie schwebt nicht wie Bakterien durch die Luft. Die Krankheit entsteht durch volle Schüsseln von Essen und vollen Gläsern mit Trinken. 2. Weshalb ist die Aussage des reichen Mannes in Z. 19-21 eine zentrale Stelle des Textes? Diese Stelle der Geschichte ist die sogenannte Pionte. Hier wendet sich die Geschichte und soll den Menschen belehren 3. Beurteilen Sie die folgende These: Der Patient in dieser Geschichte ist ein Hypochonder. Ein Hypohonder ist jemand, welcher sich eine Krankheit ausdenkt. Der Mann in der Geschichte ist meiner Meinung nach jedoch kein Hypochonder. Seine Krankheit existiert wirklich, jedoch wird von den ersten Ärzten nicht richtig wahrgenommen. Der letzte Arzt erkennt seine Krankheit jedoch sofort und versucht ihn durch einen Trik aus dieser Essstörung heraus zu holen. 4. Beschreiben Sie, welche Strategie der Arzt bei seinem Patienten verfolgt. Der Arzt erkennt das Problem des Patienten direkt und versucht ihn durch eine Anrede auf Freundschaftlicher Ebene ihm ein Rat zu geben. Er trickst in aus, in dem er sagt,,Ihr habt ein böses Tier im Bauch" (Z.28-29). Er verschreibt ihm nicht irgendwelche Medikamente, sondern versucht ihn durch einen Vernünftigen Rat auf die Richtige Bahn zu lenken. Er schockiert ihn mit dem Tot. 5. Könnte man sagen, dass in dieser Geschichte schlussendlich Arzt und Patient einander durchschaut haben? Begründen Sie. An der letzten Aussage des Patienten kann man erkennen, dass er den Arzt durchschaut hat, jedoch ist der Patient dem Arzt nicht böse, sondern ganz im Gegenteil sehr glücklich. 6. Diese Geschichte von Johann Peter Hebel ist über zweihundert Jahre alt. Wähle vier Beispiele aus dem Text aus, welche eine gewisse Altertümlichkeit des Textes belegen, und erklären Sie, was sie bedeuten. Die erste Stelle befindet sich in den Zeilen 6 und 7. Hier heißt es,,oder hatte Maulaffen feil zum Fenster hinaus, aß aber zu Mittag doch wie ein Dresher". Es bedeutet, dass der Mann den ganzen Tag nur aus dem Fenster gaffte und zum Mittag dann aber so viel aß, dass selbst ein Mähdrescher nicht so viel Dresden würde. Es ist eine starke Hyperbel.Meine Nächste Textstelle befindet sich in den Textzeilen 16 bis 19. Hier heißt es,, Er verschluckt ganze Feuereimer voll Mixturen und ganze Schaufeln.... nur die zweibeinige Apotheke. Hier wird einfach gemeint, das die Ärzte im so viele unterschiedliche und unnötige Tabletten gaben, so das es schon fast eine Apotheke ist. In einer Apotheke werden, wie in ihm, auch viele Medikamente gelagert 7. „Dieser Text ist auch vom Inhalt her altertümlich und passt nicht mehr in unsere heutige Zeit“. Beziehe Stellung zu dieser Aussage. Zu dieser Zeit waren Psychische Krankheiten noch nicht so erforscht und bekannt. Heute jedoch sind die Ärzte viel weiter entwickelt und würden den Patienten nicht direkt mit Medikamenten voll pumpen. Außerdem wäre es heutzutage sicher Strafbar eine gewollte Fehldiagnose zu stellen.